Fakten (kompakt)
- Bisher wurden über 78 Genome der Art sequenziert, was die genetische Diversität des Organismus unterstreicht.[8] - Zum engeren taxonomischen Komplex gehört neben *A. melanogenum* auch die verwandte Spezies *Aureobasidium subglaciale*. - Die Salztoleranz des Pilzes ist extrem ausgeprägt und ermöglicht ein Wachstum bei Salinitäten von bis zu 17 %. - Das Exopolysaccharid Pullulan besteht chemisch aus Maltotriose-Einheiten, die durch α-(1,6)-glycosidische Bindungen verknüpft sind. - Das Molekulargewicht des produzierten Pullulans variiert zwischen 45.000 und 600.000 Da. - Historisch wurde der Stoff Pullulan bereits 1938 isoliert, erhielt seinen Namen jedoch erst im Jahr 1959. - Neben Pullulan synthetisiert der Pilz biotechnologisch relevante Liamocine, die als Biosurfactants wirken, sowie Polymalsäure für medizinische Anwendungen (Drug Delivery). - Im Bereich der Bioremediation besitzt die Art Fähigkeiten zur Entgiftung von Schwermetallen und zum Abbau organischer Schadstoffe. - Phylogenetische Untersuchungen der ITS-Regionen und SSU-rDNA belegen eine enge Verwandtschaft zu den Gattungen *Hormonema* und *Kabatiella*.[8]
Der gültige wissenschaftliche Name der Art lautet *Aureobasidium pullulans* (de Bary & Löwenthal) G. Arnaud. Ursprünglich wurde der Pilz von Anton de Bary und Löwenthal unter dem Basionym *Dematium pullulans* beschrieben (1884). Die Überstellung in die heute gültige Gattung *Aureobasidium* erfolgte 1918 durch den französischen Mykologen Georges Arnaud, basierend auf Isolaten aus dem Umfeld von Olivenbäumen. Zu den historisch relevanten Synonymen zählen *Pullularia pullulans* (Berkhout 1923), *Anthostomella pullulans* sowie *Dematoidium nigrescens*. Systematisch wird die Art der Ordnung Dothideales und der Familie Saccotheciaceae zugeordnet, wenngleich sie in der Literatur teilweise auch mit den Dothioraceae in Verbindung gebracht wurde. Aufgrund der charakteristischen Melaninbildung und Morphologie wird der Organismus international häufig als „black yeast“ (Schwarze Hefe) bezeichnet.[1] Historisch wurde die Spezies in mehrere Varietäten wie var. *melanogenum*, var. *subglaciale* und var. *namibiae* unterteilt.[1] Umfangreiche phylogenetische Analysen führten im Jahr 2008 jedoch zur Aufspaltung dieses Komplexes, wodurch diese Varietäten heute als eigenständige Arten (*A. melanogenum*, *A. subglaciale*, *A. namibiae*) klassifiziert sind.[1] Diese taxonomische Revision ermöglicht eine präzisere Unterscheidung von *A. pullulans* sensu stricto gegenüber verwandten Taxa anhand genetischer Marker und spezifischer Habitatpräferenzen.[1]
Die Kolonien von *Aureobasidium pullulans* erreichen auf Kartoffel-Dextrose-Agar (PDA) bei 25 °C nach sieben Tagen typischerweise einen Durchmesser von 20 bis 30 mm. Initial erscheinen sie glatt und hefeartig mit einer schwach rosa oder cremefarbenen Färbung. Mit zunehmendem Alter wechselt die Farbe durch Melaninproduktion und Chlamydosporenbildung ins Olivbraune bis Schwarze. Die Textur ist aufgrund reichlicher Sporulation meist schleimig, wobei der Rand spinnwebenartig (arachnoid) ohne Luftmyzel ausgebildet ist. Die Unterseite der Kolonie erscheint anfangs gelblich, entwickelt jedoch bei einigen Stämmen nach etwa 14 Tagen schwarze Sektoren. Mikroskopisch bildet der Pilz hyaline, glatte und einzellige Primärkonidien mit einer Größe von 7–17 × 3,5–7 μm. Diese entstehen oft synchron in dichten Gruppen an Dentikeln oder kurzen lateralen Hyphenzweigen. Kleinere Sekundärkonidien (2–4 μm) bilden sich durch Knospung aus Mutterzellen und sind in eine schleimige Matrix eingebettet. Die vegetativen Hyphen sind hyalin, dünnwandig und septiert mit einer Breite von 2 bis 13 μm.[1] In älteren Kulturen treten dickwandige, melanisierte Chlamydosporen (ca. 10–25 × 5–11 μm) auf, die oft in Ketten angeordnet sind. *Aureobasidium pullulans* zeigt eine ausgeprägte phänotypische Plastizität und wächst je nach Umweltbedingungen dimorph als Hefezellen oder filamentöse Hyphen. Zur diagnostischen Abgrenzung dient die Färbung mit Lactophenol-Baumwollblau, um die polymorphen Strukturen sichtbar zu machen.[1] Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur verwandten Art *Aureobasidium melanogenum* ist die Pigmentierung: Während *A. melanogenum* schnell grün-schwarz melanisiert, zeigt *A. pullulans* eine verzögerte Pigmentierung. *Aureobasidium subglaciale* zeichnet sich hingegen durch eine randständige Melanisierung aus, während *Aureobasidium namibiae* bräunliche Zentren aufweist.[1]
Aureobasidium pullulans gilt primär als ubiquitärer Saprophyt und Nützling in der Biotechnologie, tritt jedoch in Innenräumen als Materialschädling und Allergenquelle auf. In Gebäuden besiedelt der Pilz feuchte Oberflächen wie Fensterrahmen, Badezimmerfugen und gestrichene Wände, wo er durch Melaninbildung schwarze bis olivbraune Verfärbungen verursacht und Materialien wie Farben oder Holz zersetzen kann.[1][2] Gesundheitlich relevant ist die Sporeninhalation, die bei sensibilisierten Personen Asthma verschlimmern oder eine exogen-allergische Alveolitis, bekannt als „Befeuchterlunge“, auslösen kann.[7][1] Opportunistische Infektionen (Phaeohyphomykose) wie Keratitis oder Peritonitis sind selten und betreffen meist immungeschwächte Patienten oder Personen mit Kathetern, wobei neuere Studien viele dieser Fälle der Schwesterart *Aureobasidium melanogenum* zuordnen. Die wichtigste Präventionsmaßnahme in Innenräumen ist die Feuchtigkeitskontrolle, insbesondere die Senkung der Luftfeuchtigkeit auf unter 60 % sowie regelmäßiges Lüften. Hygienische Maßnahmen umfassen die Reinigung feuchtigkeitsanfälliger Geräte wie Luftbefeuchter und Klimaanlagen, um die Bildung von Biofilmen zu verhindern.[1] In der Landwirtschaft spielt *A. pullulans* eine herausragende Rolle im integrierten Pflanzenschutz (IPM) als Antagonist gegen bedeutende Krankheitserreger wie *Erwinia amylovora* (Feuerbrand) oder *Botrytis cinerea*.[4][2] Kommerzielle Präparate nutzen Konkurrenz um Nährstoffe und Platz sowie die Produktion antimikrobieller Verbindungen, um Lagerfäulen bei Äpfeln, Birnen und Erdbeeren effektiv zu reduzieren.[1] Der Einsatz erfolgt oft als Vorerntebehandlung oder Tauchbad nach der Ernte und ermöglicht eine Reduktion synthetischer Fungizide ohne Resistenzbildung.[2][4] Aufgrund seiner Extremotoleranz kann der Organismus sogar in Flugzeugtreibstofftanks überleben, was spezifische Wartungsmaßnahmen zur Vermeidung von Biofilmen in technischen Systemen erfordert.[2] Ein Monitoring erfolgt in Gebäuden durch Luftkeimmessungen, wobei Konzentrationen von bis zu 659 KBE/m³ in kontaminierten Bereichen nachgewiesen wurden. Bei klinischen Infektionen werden Antimykotika wie Amphotericin B oder Voriconazol eingesetzt, da einige Stämme Resistenzen gegenüber Azolen zeigen können.[1]