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Nematoden gegen Zecken: Biologische Bekämpfung im Garten
April 13, 2026 Patricia Titz

Nematoden gegen Zecken: Biologische Bekämpfung im Garten

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Zecken im eigenen Garten sind für viele Hausbesitzer, Eltern und Haustierhalter ein wachsendes Problem. Mit den steigenden Durchschnittstemperaturen und milderen Wintern breiten sich nicht nur der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), sondern auch neue Arten wie die Auwaldzecke oder die Hyalomma-Zecke immer weiter aus. Die Angst vor durch Zecken übertragenen Krankheiten wie Borreliose und der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist groß. Doch der Griff zur chemischen Keule im eigenen Garten ist für die meisten keine Option, da Haustiere, Kinder und nützliche Insekten geschützt werden sollen. Hier rückt eine faszinierende Methode der biologischen Schädlingsbekämpfung in den Fokus: Nematoden gegen Zecken. Während insektenpathogene Nematoden (Fadenwürmer) bereits standardmäßig gegen Trauermücken, Dickmaulrüssler oder Engerlinge eingesetzt werden, zeigt die aktuelle Forschung, dass bestimmte Nematodenarten auch gezielt gegen Zeckenstadien vorgehen können.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Spezifische Art: Gegen Zecken wird in der Forschung primär die Nematodenart Steinernema carpocapsae untersucht.
  • Wirkungsweise: Die Fadenwürmer dringen in die im Boden ruhenden Zeckenstadien ein und töten diese durch die Abgabe symbiotischer Bakterien ab.
  • Anwendungsort: Zecken halten sich zu 90 % ihrer Lebenszeit abseits des Wirtes im feuchten Laubstreu oder hohen Gras auf – genau hier müssen die Nematoden ausgebracht werden.
  • Umweltfreundlich: Der Einsatz von Nematoden ist für Menschen, Hunde, Katzen und Pflanzen absolut ungefährlich.
  • Herausforderung: Nematoden benötigen zwingend Feuchtigkeit. In trockenen Sommern ist die Bekämpfung von Zecken an Grashalmen schwierig.
5-Schritte-Kreislauf: Wie Nematoden Zecken infizieren und abtöten.
5-Schritte-Kreislauf: Wie Nematoden Zecken infizieren und abtöten.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Forschung zu Nematoden gegen Zecken

Die Idee, Zecken biologisch zu bekämpfen, ist nicht neu, gewinnt aber durch den Klimawandel massiv an Bedeutung. Eine zentrale Rolle in der deutschen Forschung spielt hierbei die Universität Hohenheim. In einem wissenschaftlichen Projekt zur Biologie und Bekämpfung von Zecken untersuchen Forscher (unter anderem Prof. Dr. Ute Mackenstedt und Prof. Dr. Johannes Steidle) natürliche Antagonisten der Spinnentiere [1].

Dabei wurden drei primäre biologische Gegenspieler identifiziert, die gegen verschiedene Zeckenstadien eingesetzt werden können:

  • Nematoden (Fadenwürmer): Speziell die Art Steinernema carpocapsae.
  • Entomopathogene Pilze: Pilze der Gattung Metarhizium (z.B. Metarhizium anisopliae), deren Blastosporen Zecken infizieren können [1].
  • Zeckenerzwespen: Die Art Ixodiphagus hookeri, welche ihre Eier in vollgesogene Zecken legt.

Die Forschung zeigt, dass Nematoden ein enormes Potenzial besitzen, da sie aktiv im Boden nach Wirten suchen (sogenannte "Cruiser" oder "Ambusher"-Strategien). Da Zecken keine Insekten, sondern Spinnentiere sind, war lange unklar, wie effektiv insektenpathogene Nematoden (EPN) sie infizieren können. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die natürlichen Körperöffnungen der Zecken (wie Atemöffnungen oder Genitalporen) ausreichen, damit die mikroskopisch kleinen Fadenwürmer eindringen können.

Wie genau töten Nematoden die Zecken ab?

Der Wirkmechanismus von Nematoden gegen Zecken folgt dem gleichen faszinierenden Prinzip wie bei der Bekämpfung von Insektenlarven (z.B. Dickmaulrüssler oder Trauermücken). Die Nematoden selbst sind eigentlich nur das "Transportmittel" (der Vektor) für eine tödliche Fracht.

Sobald Nematoden der Art Steinernema carpocapsae in feuchtem Boden ausgebracht werden, beginnen sie, chemische Signale (Kohlendioxid, Körperwärme, Ausscheidungen) von potenziellen Wirten wahrzunehmen. Zecken verbringen den Großteil ihres Lebenszyklus (Häutung von der Larve zur Nymphe, von der Nymphe zur adulten Zecke sowie die Eiablage) im feuchten Mikroklima der Laubstreu oder der obersten Bodenschicht. Genau hier treffen sie auf die Nematoden.

  1. Eindringen: Der Fadenwurm dringt über Körperöffnungen in die ruhende Zecke ein.
  2. Bakterienfreisetzung: Im Inneren der Zecke würgt der Nematode symbiotische Bakterien (bei Steinernema oft der Gattung Xenorhabdus) aus seinem Darm in die Blutbahn (Hämolymphe) der Zecke [2].
  3. Zersetzung: Diese Bakterien vermehren sich explosionsartig und produzieren Toxine, die die Zecke innerhalb von 24 bis 48 Stunden abtöten. Gleichzeitig zersetzen die Bakterien das Gewebe der Zecke in einen Nährbrei.
  4. Vermehrung: Die Nematoden ernähren sich von diesem Bakterien-Gewebe-Brei, wachsen heran und vermehren sich im Kadaver der Zecke.
  5. Ausschwärmen: Sind die Nährstoffe aufgebraucht, verlassen Tausende neue, infektiöse Nematoden-Dauerlarven die tote Zecke und suchen im Boden nach neuen Opfern [3].
Wie Nematoden Zecken in fünf Schritten abtöten.
Wie Nematoden Zecken in fünf Schritten abtöten.

Welche Nematodenart hilft gegen Zecken?

Wer im Handel nach Nematoden sucht, findet meist Präparate gegen Trauermücken (Steinernema feltiae) oder gegen Dickmaulrüssler (Heterorhabditis bacteriophora). Für die Bekämpfung von Zecken ist jedoch die Art Steinernema carpocapsae (SC-Nematoden) die vielversprechendste Wahl [1].

Steinernema carpocapsae ist ein sogenannter "Ambusher" (Lauerjäger). Diese Nematodenart stellt sich im feuchten Boden oft auf das Hinterende und wartet, bis ein Wirt vorbeikommt, um sich dann an ihn zu heften. Diese Strategie ist besonders effektiv gegen Schädlinge, die sich an der Bodenoberfläche oder in der Laubstreu aufhalten – genau das Habitat, in dem vollgesogene Zecken abfallen, um sich zu häuten oder Eier zu legen.

Wichtiger Hinweis zur Erwartungshaltung

Während Nematoden bei Schädlingen wie Trauermücken oft Wirkungsgrade von über 80-90 % erzielen [4], ist die Zeckenbekämpfung im Freiland komplexer. Zecken, die bereits auf hohen Grashalmen sitzen und auf Wirte warten, werden von bodenlebenden Nematoden nicht erreicht. Der Einsatz von Nematoden zielt darauf ab, die Population der Zecken im Garten langfristig zu dezimieren, indem die Entwicklungsstadien im Boden abgetötet werden. Es ist keine Sofortmaßnahme gegen Zecken im Gras.

Wirkungsbereich von Nematoden gegen Zecken im Garten.
Wirkungsbereich von Nematoden gegen Zecken im Garten.

Praxis-Anleitung: Nematoden gegen Zecken im Garten ausbringen

Damit der Einsatz von Steinernema carpocapsae gegen Zecken erfolgreich ist, müssen die biologischen Ansprüche der Fadenwürmer strikt beachtet werden. Nematoden sind lebende Organismen, die extrem empfindlich auf UV-Strahlung und Trockenheit reagieren [5].

1. Die richtigen Zielbereiche im Garten identifizieren

Es macht keinen Sinn, Nematoden auf kurz gemähtem, sonnigem Rasen auszubringen. Zecken meiden diese trockenen Bereiche. Konzentrieren Sie die Ausbringung auf die typischen Zecken-Habitate in Ihrem Garten:

  • Übergangsbereiche zwischen Rasen und Hecken/Sträuchern.
  • Laubstreu unter Bäumen und Büschen.
  • Hohe, schattige Gräser und Farne.
  • Bereiche, in denen sich Igel, Mäuse oder Ihre Haustiere häufig aufhalten (da hier vollgesogene Zecken abfallen).

2. Der optimale Zeitpunkt und die Witterung

Nematoden der Art Steinernema carpocapsae benötigen Bodentemperaturen von mindestens 12 °C, optimal sind 15 °C bis 25 °C. Der beste Zeitraum für die Ausbringung ist daher das späte Frühjahr (Mai/Juni) oder der frühe Herbst (September), wenn die Zeckenaktivität hoch ist und die Böden warm, aber nicht ausgetrocknet sind.

Wichtig: Bringen Sie Nematoden niemals bei direkter Sonneneinstrahlung aus! UV-Licht tötet die Fadenwürmer innerhalb kurzer Zeit. Wählen Sie einen trüben, regnerischen Tag oder bringen Sie die Nematoden in der späten Abenddämmerung aus [6].

3. Vorbereitung und Ausbringung

Nematoden werden meist in einem Tonpulver geliefert, das in Wasser aufgelöst wird. Gehen Sie wie folgt vor:

  1. Boden anfeuchten: Wässern Sie die Zielbereiche (Laubstreu, Heckenränder) vor der Anwendung gründlich. Die Nematoden benötigen einen Wasserfilm auf den Bodenpartikeln, um sich fortbewegen zu können [7].
  2. Lösung anmischen: Lösen Sie das Nematodenpulver in handwarmem Wasser (ca. 15-20 °C) auf. Rühren Sie gut um, damit sich keine Klumpen bilden.
  3. Ausbringen: Verwenden Sie eine Gießkanne. Achten Sie darauf, dass Sie während des Gießens immer wieder umrühren, da die Nematoden sonst auf den Boden der Kanne sinken.
  4. Nachwässern: Gießen Sie die behandelten Flächen nach der Ausbringung noch einmal leicht mit klarem Wasser ab. So spülen Sie Nematoden, die an Blättern hängen geblieben sind, in den Boden bzw. in die Laubstreu.

4. Nachsorge: Feuchtigkeit ist der Schlüssel

Der häufigste Fehler beim Einsatz von Nematoden ist das Austrocknen des Bodens. Die behandelten Flächen müssen für mindestens 2 bis 3 Wochen nach der Ausbringung konstant feucht (aber nicht nass/staunass) gehalten werden [8]. Trocknet das Laubstreu komplett aus, sterben die Nematoden ab, bevor sie die Zeckenstadien infizieren können.

Grenzen der biologischen Zeckenbekämpfung mit Nematoden

So vielversprechend der Einsatz von Steinernema carpocapsae gegen Zecken ist, so wichtig ist es, die Grenzen dieser Methode zu kennen. Die biologische Schädlingsbekämpfung im Freiland unterliegt starken witterungsbedingten Schwankungen.

Erstens erreichen Nematoden nur die Zecken, die sich am Boden oder in der untersten Schicht der Laubstreu befinden. Zecken, die bereits auf die Jagd gegangen sind und in 50 bis 100 cm Höhe auf Grashalmen oder an Buschzweigen auf einen Wirt warten (die sogenannte "Questing"-Phase), sind für die bodenlebenden Nematoden unerreichbar.

Zweitens ist der Garten ein offenes Ökosystem. Selbst wenn Sie die Zeckenpopulation in Ihrem Garten durch Nematoden drastisch reduzieren, können neue Zecken jederzeit durch Wildtiere (Mäuse, Igel, Vögel, Rehe) oder streunende Katzen wieder in den Garten eingeschleppt werden. Die Nematoden-Behandlung ist daher als Teil eines integrierten Zecken-Managements zu sehen. Dazu gehören auch das Kurzhalten des Rasens in Aufenthaltsbereichen, das Entfernen von unnötigem Gestrüpp und das Schaffen von sonnigen, trockenen Barrieren (z.B. Kieswege) zwischen Waldrändern und dem Nutzgarten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Helfen Nematoden wirklich gegen Zecken?

Ja, wissenschaftliche Studien (u.a. der Universität Hohenheim) zeigen, dass bestimmte Nematodenarten in der Lage sind, Zeckenstadien im Boden zu infizieren und abzutöten. Sie dienen als langfristige Maßnahme zur Reduzierung der Population im Garten, wirken jedoch nicht als sofortiges Repellent gegen Zecken im hohen Gras.

Welche Nematodenart wird gegen Zecken eingesetzt?

Gegen Zecken wird primär die Art Steinernema carpocapsae (SC-Nematoden) eingesetzt. Diese Lauerjäger sind besonders effektiv gegen Schädlinge, die sich an der Bodenoberfläche oder in der Laubstreu aufhalten.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Ausbringung?

Der optimale Zeitpunkt ist das späte Frühjahr (Mai/Juni) oder der frühe Herbst (September). Die Bodentemperatur sollte konstant über 12 °C liegen. Die Ausbringung muss zwingend abends oder bei trübem Wetter erfolgen, da Nematoden UV-empfindlich sind.

Sind Nematoden gefährlich für Hunde oder Katzen?

Nein, insektenpathogene Nematoden sind für Menschen, Haustiere (Hunde, Katzen) und Pflanzen absolut ungefährlich. Sie sind hochspezialisiert auf bestimmte Gliederfüßer und Insekten.

Wie lange dauert es, bis die Nematoden wirken?

Nachdem ein Nematode in eine Zecke eingedrungen ist, stirbt diese durch die freigesetzten Bakterien innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Bis sich ein spürbarer Rückgang der Gesamtpopulation im Garten bemerkbar macht, können jedoch mehrere Wochen vergehen.

Fazit: Ein Baustein für einen zeckenfreien Garten

Der Einsatz von Nematoden gegen Zecken ist ein hochspannendes Feld der biologischen Schädlingsbekämpfung. Mit Steinernema carpocapsae steht Gartenbesitzern ein natürlicher Gegenspieler zur Verfügung, der die Zeckenpopulation direkt in ihren Brut- und Ruhestätten im Laubstreu attackiert. Auch wenn Nematoden kein Wundermittel sind, das den Garten über Nacht zu 100 % zeckenfrei macht, stellen sie eine hervorragende, umweltfreundliche und giftfreie Methode dar, um den Befallsdruck langfristig zu senken. Kombiniert mit einer intelligenten Gartengestaltung (kurzer Rasen in Spielbereichen, Entfernen von unnötigem Laub) können Sie das Risiko von Zeckenstichen für sich, Ihre Kinder und Ihre Haustiere deutlich minimieren.

Quellenverzeichnis

  1. Universität Hohenheim (2011): Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Zecken, FSME & Borreliose: Neue Erkenntnisse zur Bekämpfung. Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Prof. Dr. Johannes Steidle.
  2. Drobnjaković, T. et al. (2025): Potential of Steinernema feltiae (Nematoda: Steinernematidae) Native Populations in the Biocontrol of Lycoriella ingenua. Agriculture 15, 537. (Allgemeiner Wirkmechanismus von Steinernema-Arten).
  3. Matheis, M. et al. (2023): Anwendung von insektenpathogenen Nematoden gegen Drosophila suzukii. Mitteilungen Klosterneuburg 73:21–29.
  4. Koller, M. (2004): Trauermücken - Empfehlungen zur Regulierung. Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Merkblatt 1335.
  5. Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V.: Merkblatt 10: Biologischer Pflanzenschutz mit Nützlingen.
  6. Erbaş, Z. et al. (2014): Isolation and identification of entomopathogenic nematodes from the Eastern Black Sea region. Turkish Journal of Agriculture and Forestry 38: 187-197.
  7. Sauer, C. et al. (2023): Schneckenbefall im Gemüsebau erkennen und bekämpfen. Agroscope Merkblatt Nr. 178. (Allgemeine Ausbringungshinweise für Nematoden im Freiland).
  8. Lakatos, T. & Tóth, T. (2006): Biological Control of European Cockchafer Larvae - Preliminary Results. Journal of Fruit and Ornamental Plant Research Vol. 14.

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