Lexikon-Eintrag

Karbol-Champignon Agaricus xanthodermus

Karbol-Champignon (Agaricus xanthodermus), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Akzeptierter Name
Reich
Pilze (Fungi)
Stamm
Basidiomycota
Klasse
Agaricomycetes
Ordnung
Agaricales
Familie
Agaricaceae
Gattung
Agaricus
Art
Agaricus xanthodermus

Wissenschaftlicher Name Agaricus xanthodermus Genev.

Überblick

Einleitung

Der Karbol-Champignon (Agaricus xanthodermus) ist ein weißlicher Egerling, der Wiesen- und Waldchampignons zum Verwechseln ähnlich sehen kann. Er gilt als giftig und löst Magen-Darm-Beschwerden aus. In Regionen, in denen er häufig wächst, etwa im Rheintal, ist er nach deutschsprachiger Literatur die häufigste Ursache von Pilzvergiftungen 1.

Typisch sind der Geruch nach Karbol (Phenol), der besonders am Stielgrund und beim Kochen hervortritt, und das Gelbwerden des Fleisches bei Schnitt oder Druck, vor allem an der Stielbasis 12. Der Pilz wächst in Wäldern, auf Wiesen, in Parks und Gärten und ist weit verbreitet 12. Dieser Eintrag dient der Information und Bestimmungsorientierung; zum Verzehr wird der Pilz nicht empfohlen, und Pilze sollten nur nach sicherer Bestimmung durch Fachleute gegessen werden.

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Wissenschaftlicher Name: Agaricus xanthodermus Genev. (Familie Agaricaceae)
  • Hutdurchmesser: etwa 5-15 cm, weißlich, mitunter mit bräunlicher Mitte
  • Lamellen: frei, rosa bis schokoladenbraun
  • Stiel: etwa 5-12 cm, knollig, mit Ring
  • Merkmal: Karbolgeruch, chromgelbe Verfärbung besonders am Stielgrund
  • Sporen: etwa 5,5-7 x 3-4,5 µm, Sporenabdruck braun
  • Lebensweise: Saprobiont in Wäldern, Wiesen, Parks, Gärten
  • Erscheinungszeit: etwa Mai bis Oktober
  • Giftig: Magen-Darm-Beschwerden

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der Hut misst nach Literaturangaben etwa 5 bis 15 cm im Durchmesser. Er ist weiß bis weißlich, in der Mitte manchmal mit bräunlicher Zone, meist glatt und trocken; bei Trockenheit kann er radial einreißen, und ältere oder einzelne Exemplare können graubraun beschuppt sein. Junge Hüte sind häufig in der Mitte abgeflacht, sodass der Querschnitt fast trapezförmig wirkt 12.

Die dicht stehenden Lamellen sind zunächst rosa bis fleischfarben und färben sich mit der Sporenreife über Braun bis schokoladenbraun; sie sind frei, also nicht am Stiel angewachsen 12. Der weiße Stiel ist nach englischsprachiger Quelle etwa 5 bis 12 cm hoch, an der Basis knollig verdickt und trägt einen hängenden Ring 2. Das weiße Fleisch läuft bei Schnitt oder Kratzen, besonders am Stielgrund, rasch chromgelb an und wird später stumpfbraun; auch beim Kochen färbt es sich gelb 12. Die Sporen sind elliptisch und braun, nach den Quellen etwa 5,5 bis 7 µm lang und 3 bis 4,5 µm breit (die Angaben weichen leicht voneinander ab) 12.

Zur Unterscheidung wird der Geruch herangezogen: Er ist phenolartig, wird teils als „widerlich süßlich“ beschrieben und kann bei rohen Pilzen schwach sein; am deutlichsten ist er beim Zerdrücken von Lamellen oder Stielbasis und beim Kochen 12.

Systematik

Namen & Einordnung (kurz)

Der wissenschaftliche Name lautet Agaricus xanthodermus Genev.; GBIF führt ihn als akzeptierten Artnamen in der Familie der Champignonverwandten (Agaricaceae) innerhalb der Ständerpilze (Basidiomycota) 3. Beschrieben wurde die Art 1876 vom französischen Mykologen Léon Gaston Genevier. Der Artname setzt sich aus den griechischen Wörtern für „gelb“ und „Haut“ zusammen 2. Als frühere Namen nennt die englischsprachige Quelle unter anderem Pratella xanthoderma und Psalliota xanthoderma; auch die Schreibweise xanthoderma ist gebräuchlich 2.

Im Deutschen heißt der Pilz Karbol-Champignon, auch Karbol-Egerling oder wegen der Ähnlichkeit des Geruchs mit Eisengallustinte Tinten-Egerling 1. Verwandte oder leicht zu verwechselnde Arten im Lexikon sind der Wiesen-Champignon, der Wald-Anis-Champignon und der Wald-Champignon; die Gattung ist unter Egerling (Champignon) beschrieben.

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Wie andere Egerlinge bildet der Pilz ein im Boden oder in Streu lebendes Myzel, aus dem die sichtbaren Fruchtkörper hervorgehen. Die Sporen reifen an den Lamellen; ihre Farbe wechselt dabei von rosa zu dunkelbraun, der Sporenabdruck ist braun 2. Als Zersetzer baut er organisches Material ab und ist damit Teil des Stoffkreislaufs im Boden.

Zu den Inhaltsstoffen, die für die Giftwirkung verantwortlich gemacht werden, zählen nach deutschsprachiger Literatur Phenol sowie Diazo- und Hydrazinverbindungen, darunter Agaricon und Xanthodermin 1. Die Giftigkeit wird als schwach bis mäßig beschrieben; die Reaktion fällt individuell verschieden aus und ist nicht vorhersagbar; fehlende Beschwerden bei einzelnen Personen sagen nichts über die Verträglichkeit für andere aus 12.

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Der Karbol-Champignon ist ein Saprobiont, er lebt also von abgestorbenem organischem Material. Man findet ihn in Wäldern, auf Wiesen und Rasenflächen, in Parks, Gärten und Hecken 12. Die englischsprachige Quelle beschreibt ihn als sehr häufig und weit verbreitet in Nordamerika, Europa, Westasien, Nordafrika und im südlichen Afrika; in Australien wurde er eingeschleppt 2. Ein Schutzstatus oder eine Einstufung in Roten Listen wird in den ausgewerteten Quellen nicht genannt.

In der OpenInsect-Community wurden bisher 7 Scans dieser Art erfasst, der letzte am 19.09.2026 in Wien.

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    09.11.2025

  • Dornbreite, 23 Lübeck-St. Lorenz Nord, Deutschland

    09.11.2025

  • Groß-Umstadt, Hessen, Deutschland

    05.11.2025

  • Kronshagen Praxisklinik, 24119 Kronshagen, Deutschland

    05.11.2025

  • Neuburg BWG, 23974 Neuburg, Deutschland

    03.11.2025

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
7
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der Silberkraft Community
Zuletzt am 19.09.2026
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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Fruchtkörper erscheinen nach deutschsprachiger Literatur etwa von Mai bis Oktober 1; die englischsprachige Quelle nennt vor allem den Herbst 2. Der Zeitpunkt hängt stark von Feuchtigkeit und Temperatur ab. Pilzvergiftungen häufen sich entsprechend in der Saison, wenn Sammler Wiesen- und Waldchampignons suchen und den Karbol-Champignon mit ihnen verwechseln.

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Praktisch bedeutsam ist der Pilz als Giftpilz und Verwechslungsart. Nach deutschsprachiger Literatur führt der Verzehr zu Erbrechen und Durchfall, teils schon kurz nach der Mahlzeit; schwere Verläufe können Schwindel und Sehstörungen einschließen 1. Die englischsprachige Quelle nennt Schweißausbrüche, Hautrötung (Flush) und starke Magenkrämpfe 2. In Italien ist der Verkauf ausdrücklich verboten 2. Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte umgehend ärztlicher Rat oder ein Giftinformationszentrum kontaktiert werden; Reste des Pilzes helfen bei der Bestimmung.

Verwechslungen sind vor allem mit essbaren Champignons möglich. Wiesen-Champignon und Stadt-Champignon laufen beim Anschneiden nicht gelb, sondern rötlich an 1. Der Schaf-Champignon (Weißer Anis-Champignon) färbt sich ebenfalls gelb, jedoch ungefähr gleichmäßig über den ganzen Fruchtkörper und nicht vor allem am Stielgrund 1. Auch A. augustus, A. arvensis und A. silvicola gelten als Arten, die gelb anlaufen, aber weniger intensiv 2. Vorbeugend gilt: Nur Pilze sammeln, die sicher bestimmt sind, bei Champignon-artigen Pilzen den Stielgrund anschneiden und am Geruch prüfen, und im Zweifel eine Pilzberatung aufsuchen.

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. Wikipedia: Karbol-Champignon. de.wikipedia.org/wiki/Karbol-Champignon (abgerufen 30.10.2026)
  2. Wikipedia: Agaricus xanthodermus. en.wikipedia.org/wiki/Agaricus_xanthodermus (abgerufen 30.10.2026)
  3. GBIF Backbone Taxonomy: Agaricus xanthodermus Genev. gbif.org/species/5243412