Ameisen sind im Garten grundsätzlich nützliche Helfer: Sie lockern den Boden auf, vertilgen Aas und verbreiten Pflanzensamen. Doch wenn sie ihre Nester direkt unter der gepflasterten Terrasse, im feinen englischen Rasen oder im Hochbeet anlegen, werden sie schnell zum Ärgernis. Unterhöhlte Gehwegplatten, absterbende Pflanzenwurzeln und die Förderung von Blattlauskolonien sind die Folge. Der Griff zur chemischen Giftspritze oder zur Köderdose ist für viele Gartenbesitzer naheliegend, birgt jedoch erhebliche Risiken für Haustiere, Kinder und nützliche Bodenorganismen. Die intelligente, rein biologische Alternative lautet: Nematoden gegen Ameisen. Diese mikroskopisch kleinen Fadenwürmer nutzen das natürliche Hygieneverhalten der Ameisen aus, um sie sanft, aber extrem effektiv zum Umzug zu zwingen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wirkprinzip: Nematoden töten das Ameisenvolk nicht aus, sondern befallen die Brut. Die Ameisen erkennen die Gefahr und siedeln ihr Nest um (Verdrängungseffekt).
- Eingesetzte Art: Gegen Ameisen werden SF-Nematoden (Steinernema feltiae) verwendet.
- Anwendungszeitraum: Von April bis September, sobald die Bodentemperatur konstant über 10 °C bis 12 °C liegt.
- Ausbringung: Die Nematoden werden in Wasser aufgelöst und mit der Gießkanne direkt auf und in die Nesteingänge gegossen.
- Voraussetzungen: Der Boden muss vor, während und nach der Behandlung (für ca. 2 Wochen) feucht gehalten werden. UV-Strahlung meiden (abends ausbringen).

Der biologische Verdrängungseffekt: Wie wirken Nematoden gegen Ameisen?
Wer Nematoden gegen Schädlinge wie den Dickmaulrüssler oder Trauermücken einsetzt, kennt das Prinzip: Die Fadenwürmer dringen in die Larven der Schädlinge ein, sondern ein symbiotisches Bakterium ab und töten den Wirt dadurch innerhalb weniger Tage [1]. Bei der Anwendung von Nematoden gegen Ameisen ist das primäre Ziel jedoch ein anderes: Es geht um Verdrängung statt Vernichtung.
Ameisenstaaten sind hochorganisierte Systeme mit einem extrem ausgeprägten Hygieneverhalten. Wenn SF-Nematoden (Steinernema feltiae) in den Boden gegossen werden, suchen sie aktiv nach Insektenlarven. Treffen sie auf die Ameisenbrut (Larven und Puppen), versuchen sie, in diese einzudringen. Die erwachsenen Arbeiterinnen bemerken diesen massiven biologischen Angriff auf ihre Nachkommen sofort. Da sie die mikroskopisch kleinen Angreifer nicht physisch bekämpfen können, reagieren sie mit ihrer natürlichen Überlebensstrategie: Evakuierung.
Das gesamte Volk packt die Königin und die verbliebene Brut und verlässt das behandelte Areal fluchtartig. Das Nest wird an einen neuen, sicheren Ort verlegt – in der Regel weit weg von der behandelten Terrasse oder dem Hochbeet. Dieser Prozess dauert nach der Ausbringung der Nematoden meist nur wenige Tage.
Warum ist die Verdrängung besser als Gift?
Chemische Ameisenköder töten oft nur die Arbeiterinnen, die das Gift aufnehmen. Bis das Gift die Königin erreicht, vergeht viel Zeit, und oft überlebt das Volk dennoch. Zudem verbleiben toxische Rückstände im Boden. Nematoden hingegen lösen einen sofortigen Fluchtinstinkt des gesamten Staates aus, ohne die Umwelt zu belasten.
Welche Nematoden-Art hilft gegen Ameisen?
In der biologischen Schädlingsbekämpfung gibt es verschiedene Nematoden-Arten, die auf spezifische Wirte spezialisiert sind. Gegen Ameisen hat sich die Art Steinernema feltiae (SF-Nematoden) als am effektivsten erwiesen. Diese Art ist in der Gartenbaupraxis bereits bestens bekannt, da sie standardmäßig und hochgradig erfolgreich gegen die Larven von Trauermücken (Fungus gnats) eingesetzt wird [2].
Steinernema feltiae ist ein natürlicher Bodenbewohner, der bei Temperaturen ab ca. 10 °C bis 12 °C aktiv wird [3]. Die winzigen, etwa 0,8 Millimeter langen Fadenwürmer sind mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Sie bewegen sich im Wasserfilm der Bodenporen fort und suchen aktiv nach Wirtsorganismen [4]. Für Pflanzen, Haustiere, Vögel und Menschen sind diese Nematoden absolut ungefährlich. Sie befallen ausschließlich bestimmte Insektenstadien.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: SF-Nematoden richtig ausbringen
Der Erfolg der biologischen Ameisenbekämpfung steht und fällt mit der korrekten Anwendung. Da es sich bei Nematoden um lebende Organismen handelt, müssen bestimmte Umweltbedingungen zwingend eingehalten werden. Die Ausbringung ist einfach, erfordert aber etwas Vorbereitung.
Schritt 1: Den richtigen Zeitpunkt wählen
Nematoden sind extrem empfindlich gegenüber UV-Strahlung und direkter Sonneneinstrahlung. Bringen Sie die Fadenwürmer daher niemals in der prallen Mittagssonne aus. Der optimale Zeitpunkt ist der späte Nachmittag, der frühe Abend oder ein trüber, regnerischer Tag [4]. Die Bodentemperatur sollte konstant über 10 °C liegen, ideal sind 15 °C bis 25 °C.
Schritt 2: Den Boden vorbereiten (Wässern)
Nematoden können sich im Boden nur fortbewegen, wenn ein feiner Wasserfilm vorhanden ist. In trockenem Boden sterben sie rasch ab. Wässern Sie das Ameisennest und die unmittelbare Umgebung daher vor der Anwendung gründlich. Wenn sich das Nest unter Pflastersteinen befindet, gießen Sie reichlich Wasser in die Fugen, damit der Boden darunter aufnahmefähig wird.
Schritt 3: Die Nematoden-Lösung anmischen
Die Nematoden werden meist in einem speziellen Tonpulver geliefert. Gehen Sie wie folgt vor:
- Lösen Sie den gesamten Packungsinhalt in einem Eimer mit ca. 2 bis 5 Litern handwarmem Wasser (max. 20 °C) auf [4].
- Rühren Sie die Mischung gut um, bis sich das Pulver vollständig aufgelöst hat. Lassen Sie die Lösung ca. 5 Minuten ruhen, damit die Nematoden aus ihrer Ruhestarre erwachen.
- Rühren Sie nochmals kräftig um. Dies ist nun Ihr Nematoden-Konzentrat.
Schritt 4: Die Ausbringung mit der Gießkanne
Geben Sie einen Teil des Konzentrats in eine Gießkanne (idealerweise ohne feine Brause, oder mit einer Brause, deren Löcher mindestens 1 mm groß sind, damit die Nematoden nicht stecken bleiben) und füllen Sie mit Leitungswasser auf. Gießen Sie die Lösung großzügig direkt in die Nesteingänge und auf die Laufwege der Ameisen. Rühren Sie die Gießkanne während des Ausbringens immer wieder leicht, da die Nematoden sonst auf den Boden der Kanne absinken.
Schritt 5: Nachwässern und feucht halten
Gießen Sie nach der Behandlung noch einmal mit klarem Wasser nach. Dadurch werden Nematoden, die an Grashalmen oder Steinen hängen geblieben sind, in den Boden gespült. Der wichtigste Faktor für den Erfolg: Halten Sie den behandelten Bereich in den folgenden 10 bis 14 Tagen konstant leicht feucht [4]. Trocknet der Boden komplett aus, bricht die Nematoden-Population zusammen, bevor die Ameisen vollständig vertrieben wurden.

Einsatzgebiete: Wo Nematoden gegen Ameisen besonders sinnvoll sind
Der Einsatz von SF-Nematoden eignet sich hervorragend für den Außenbereich, stößt aber unter bestimmten baulichen Bedingungen an seine Grenzen.
Im Rasen und in Beeten (Ideal)
Hier spielen Nematoden ihre volle Stärke aus. Ameisennester im Rasen führen oft zu unschönen Erdhügeln und kahlen Stellen. Da der Boden hier offen und gut wässerbar ist, können die Nematoden optimal eindringen. Auch im Gemüse- oder Hochbeet ist die Methode perfekt, da keine Wartezeiten für die Ernte anfallen und das Gemüse völlig unbelastet bleibt [4].
Unter Terrassen und Pflastersteinen (Gut, aber erfordert Sorgfalt)
Ameisen unterhöhlen gerne Pflastersteine, was zum Absacken der Terrasse führen kann. Hier müssen Sie die Nematoden-Lösung gezielt in die Fugen gießen, aus denen die Ameisen den Sand heraustragen. Es ist wichtig, reichlich zu gießen, damit die Lösung tief genug unter die Steine bis zum eigentlichen Nest vordringt.
Im Haus oder auf versiegelten Flächen (Nicht geeignet)
Nematoden sind Bodenlebewesen. Sie können auf glatten, trockenen Oberflächen wie Fliesen im Wohnzimmer, Betonböden oder komplett versiegelten Asphaltflächen nicht überleben. Für Ameisenstraßen im Haus sind Nematoden daher wirkungslos. Hier müssen andere biologische Barrieren (z.B. ätherische Öle, Kreide, Zimt) oder im Notfall Köderdosen verwendet werden.
Achtung: Keine Kombination mit chemischen Mitteln!
Nematoden reagieren extrem empfindlich auf chemische Pflanzenschutzmittel. Wenn Sie in den letzten 6 Wochen chemische Insektizide oder Ameisengifte an der betroffenen Stelle eingesetzt haben, werden die Nematoden beim Ausbringen höchstwahrscheinlich absterben [4]. Warten Sie in diesem Fall ab oder tauschen Sie die oberste Erdschicht aus.
Lagerung und Haltbarkeit der Nützlinge
Da Sie lebende Tiere bestellen, ist die richtige Handhabung nach Erhalt entscheidend. Nematoden werden meist per Briefpost in einem gepolsterten Umschlag verschickt. Nehmen Sie die Sendung zügig aus dem Briefkasten (besonders im Hochsommer, um Überhitzung zu vermeiden). Wenn Sie die Nematoden nicht sofort am Tag der Ankunft ausbringen können, lagern Sie das Päckchen ungeöffnet im Kühlschrank bei ca. 4 °C bis 8 °C [3]. Dort verfallen die Fadenwürmer in eine Kältestarre und sind je nach Herstellerangabe noch einige Tage bis Wochen haltbar. Ein Einfrieren ist jedoch absolut tödlich für die Tiere.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie schnell wirken Nematoden gegen Ameisen?
Die Wirkung tritt in der Regel nach 3 bis 7 Tagen ein. Sobald die Nematoden in das Nest eingedrungen sind und die Brut attackieren, beginnen die Ameisen mit der Evakuierung und verlassen das behandelte Areal.
Töten die Nematoden die Ameisen?
Nein, SF-Nematoden töten erwachsene Ameisen in der Regel nicht. Sie greifen die Larven und Puppen an. Der eigentliche Effekt ist ein Verdrängungseffekt: Die Ameisen flüchten vor dem biologischen Feind und siedeln ihr Nest um.
Sind Nematoden gefährlich für Haustiere oder Kinder?
Nein, absolut nicht. Steinernema feltiae Nematoden sind hochspezifisch auf bestimmte Insekten spezialisiert. Für Menschen, Hunde, Katzen, Vögel und Pflanzen sind sie völlig harmlos.
Kann ich Nematoden auch bei Regen ausbringen?
Ja, Regenwetter ist sogar ideal! Bei bedecktem Himmel gibt es keine schädliche UV-Strahlung, und der Regen hilft dabei, die Nematoden tief in den Boden zu den Ameisennestern zu spülen.
Was passiert mit den Nematoden, wenn die Ameisen weg sind?
Wenn die Nematoden keine Wirtsinsekten mehr finden, geht ihre Population auf natürliche Weise zurück und sie sterben nach einigen Wochen ab. Sie stören das ökologische Gleichgewicht im Garten nicht.
Fazit
Der Einsatz von Nematoden gegen Ameisen ist die eleganteste, umweltfreundlichste und nachhaltigste Methode, um hartnäckige Ameisennester von Terrassen, Wegen und aus dem Rasen zu vertreiben. Anstatt mit giftigen Chemikalien in das Ökosystem Garten einzugreifen, nutzen Sie mit Steinernema feltiae einen natürlichen Gegenspieler, der das Hygieneverhalten der Ameisen triggert und sie zum friedlichen Umzug bewegt. Wenn Sie auf die richtige Bodentemperatur achten, die Ausbringung in den Abendstunden vornehmen und den Boden im Anschluss gut feucht halten, werden Sie das Ameisenproblem innerhalb weniger Tage auf rein biologische Weise lösen.
Wissenschaftliche Quellen & Referenzen
- Drobnjaković, T., et al. (2025). Potential of Steinernema feltiae (Nematoda: Steinernematidae) Native Populations in the Biocontrol of Lycoriella ingenua. Agriculture 2025, 15, 537. (Studie zur allgemeinen Wirksamkeit und Biologie von S. feltiae).
- Koller, M. (2004). Trauermücken - Empfehlungen zur Regulierung. Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Merkblatt 1335. (Anwendungsbedingungen für SF-Nematoden).
- Erbaş, Z., et al. (2014). Isolation and identification of entomopathogenic nematodes (Nematoda: Rhabditida) from the Eastern Black Sea region. Turkish Journal of Agriculture and Forestry, Vol. 38: No. 2, Article 4. (Temperatur- und Feuchtigkeitsanforderungen von Steinernema-Arten).
- Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V. Biologischer Pflanzenschutz mit Nützlingen. Merkblatt 10. (Praxisrichtlinien zur Ausbringung, UV-Empfindlichkeit und Feuchtigkeitsbedarf von Nematoden im Gartenbau).