Vier Tage nach dem Streichen standen wir vor der frischen, strahlend weißen Wand – und sahen weißen Flaum. Feine, sternförmige Büschel, an manchen Stellen so dicht, dass die Fläche wie bepelzt aussah. Mein erster Gedanke als Sachverständiger für Schimmelpilzsanierung war derselbe wie bei jedem anderen: Ist das weißer Schimmel? Nach allem, was wir messen und prüfen konnten, sind es Salzausblühungen – den deutlichsten Hinweis lieferte am Ende eine einfache Sprühflasche mit Wasser. Wie wir dazu gekommen sind – und wo die Grenzen jeder einzelnen Prüfung liegen –, zeige ich hier transparent mit unseren Originalfotos und den einschlägigen Fachquellen.
Auf einen Blick
- Sprühtest: Mit Wasser besprüht, fielen die Büschel sofort in sich zusammen. Das ist typisch für wasserlösliche Salzkristalle – Pilzfäden sind dagegen wasserabweisend.[5][16]
- Untergrund: Frische Silikatfarbe hat einen pH-Wert von etwa 11. Oberhalb von pH 11 wachsen Schimmelpilze laut Umweltbundesamt „so gut wie nicht mehr“.[1][10]
- Zeit: Vier Tage sind für so viel sichtbaren Bewuchs auf Putz sehr kurz. Schon die Keimung bräuchte dafür eine dauerhaft sehr hohe Oberflächenfeuchte.[1][3]
- Bekanntes Phänomen: Beim Abbinden von Silikatfarben entstehen zwangsläufig Alkalisalze, die als weißer Schleier oder Flaum ausblühen können.[8][9]
- Ort: Die kältesten Stellen im Raum waren frei – ein Indiz, aber kein Beweis.
- Gewissheit: Ein Klebefilmpräparat unter dem Mikroskop oder ein Labortest.[1]
Der Fall: frisch gestrichen – und vier Tage später weißer Flaum
Unser Haus ist ein Altbau aus Backstein und steckt mitten in der Sanierung. Damit Sie den Fall einordnen können, hier die Ausgangslage:
- Mauerwerk: zweischaliges Backsteinmauerwerk, der Hohlraum ist mit einer Einblasdämmung (Kerndämmung) gefüllt. Eine Außendämmung ist geplant, aber noch nicht ausgeführt.
- Innenputz: Gipsputz und Gipsspachtel – unter einer Silikatfarbe nicht ganz ideal, bei Kerndämmung und späterer Außendämmung aber unkritisch, solange die Oberfläche diffusionsoffen bleibt.
- Anstrich: passende Grundierung und eine hochwertige Sol-Silikat-Innenfarbe (pH ca. 11, sehr diffusionsoffen).[10]
- Fensterlaibungen: innen mit diffusionsoffenen Mineraldämmplatten (Porenbeton) bzw. Kalziumsilikatplatten gedämmt und mitgestrichen.
- Raumklima: unbewohnt, etwa 18–19 °C. Gleichzeitig wurden Keller und Erdgeschoss frisch verputzt – es war also deutlich mehr Feuchtigkeit in der Luft als in einem bewohnten Haus.
Etwa vier Tage nach dem Anstrich tauchten die ersten weißen Stellen auf, wenige Tage später waren es ganze Felder – auf den Wandflächen und auch auf den gedämmten Laibungen.

So sah der Belag aus der Nähe aus
Aus der Nähe wird klar, warum man hier sofort an Schimmel denkt: Die Büschel wachsen strahlenförmig von einem Punkt aus, wirken flaumig und werfen im Streiflicht Schatten – sie stehen also räumlich von der Wand ab. Genau so beschreibt die Salzforschung allerdings auch den sogenannten Salzflaum: „sehr lockere, wolle- oder watteartige Salzausblühungen, bestehend aus meist gebogenen Haarkristallen“, und den Salzrasen, der „oft erst im Streiflicht gut sichtbar“ ist.[5]




Weitere Aufnahmen aus dem Raum (zum Vergrößern antippen):













Noch eine Verwechslungsfalle: Fasern der Farbrolle
An einer Stelle fanden sich Fäden, an deren Ende ein weißes Kügelchen hing – auf den ersten Blick ein Sporenträger, wie ihn manche Schimmelpilze bilden. Sehr wahrscheinlich sind es aber Fasern einer neuen Farbrolle, die beim Streichen abgegangen und mit eingestrichen worden sind. Die Fäden sind deutlich dicker als Pilzfäden, liegen verbogen flach auf und sind mit derselben Farbe überzogen. Das Kügelchen ist ein einzelnes Farbtröpfchen am Faserende; bei einem Köpfchenschimmel stünden dagegen viele hauchfeine Träger dicht nebeneinander. Mit einer Pinzette lässt sich das prüfen: Eine Rollerfaser ist zäh und lässt sich am Stück herausziehen.


Verdacht auf Schimmel? Nicht mit bloßen Händen anfassen
Solange nicht geklärt ist, ob es Schimmel ist, berühren Sie den Belag nicht mit bloßen Händen und wirbeln Sie keinen Staub auf. Zur Grundausstattung gehören flüssigkeitsdichte Handschuhe (z. B. Nitril) und eine dicht schließende Schutzbrille. Beim Atemschutz empfehle ich aus der Sanierungspraxis mindestens eine Maske der Schutzstufe FFP3: Für Arbeiten mit hoher Schimmelpilzbelastung verlangt die DGUV P3-Filter und empfiehlt dafür gebläseunterstützte Atemschutzgeräte (TM3P/TH3P).[15][1] Ich habe die Haptik aus fachlicher Erfahrung geprüft und anschließend Hände desinfiziert und gewaschen – das ist ausdrücklich keine Empfehlung zum Nachmachen.
Wärmebild: Die kältesten Stellen waren frei
Schimmel braucht eine Oberfläche, die über längere Zeit feucht ist. Laut Umweltbundesamt genügen dafür 70–80 % relative Feuchte direkt an der Materialoberfläche, das Material muss nicht sichtbar nass sein.[1] Diese Oberflächenfeuchte steigt dort, wo die Wand am kältesten ist. Deshalb beginnt Schimmel typischerweise an Außenwandecken, am Fensteranschluss und hinter Möbeln. Die DIN 4108-2 verlangt aus genau diesem Grund an Wärmebrücken mindestens 12,6 °C Oberflächentemperatur (bei 20 °C und 50 % Raumluftfeuchte).[4][1]


Das Ergebnis: Die kältesten Stellen im Raum – der Übergang von der Laibung zum Fensterrahmen, die Raumecke und die Naturstein-Fensterbank – waren frei von Belag. Die Ausblühungen saßen auf den Wandflächen dazwischen und auf den innen gedämmten Laibungen.
Ehrliche Einordnung: Was das Wärmebild zeigt – und was nicht
- Die Kamera misst nur die Oberflächentemperatur. Glas spiegelt, und eine einzelne Aufnahme ist nur bei deutlichem Temperaturunterschied zwischen innen und außen aussagekräftig.[14][1]
- Die Wandflächen lagen großflächig bei rund 13 °C – nur etwa 1 Grad über den kältesten Stellen. Bei 19 °C Raumluft und 60 % Luftfeuchte hätten auch sie schon rund 85–90 % Oberflächenfeuchte gehabt (eigene Berechnung nach dem Prinzip der DIN 4108-2). Genau deshalb haben wir die Raumluftfeuchte überwacht und einen Entfeuchter aufgestellt.
- Fensterrahmen und Naturstein-Fensterbank wurden nicht gestrichen. Dass sie frei sind, passt also auch dazu, dass die Salze aus dem frischen Anstrichsystem stammen.
- Fazit: Das Wärmebild spricht gegen Kondensat-Schimmel, ist für sich allein aber nur ein Indiz.
Feuchtemessung: mehr Feuchte, weniger Belag
Als Nächstes haben wir mit einem einfachen Feuchtemessgerät mit Kugelsonde gemessen. Solche Geräte arbeiten zerstörungsfrei und zeigen einen dimensionslosen Anzeigewert („Digits“), der von Wassergehalt und Rohdichte abhängt und etwa 2–4 cm tief in den Baustoff reicht.[12]


Interessant ist der Vergleich: Die Stelle mit den meisten Ausblühungen zeigte den niedrigeren Wert. Für Schimmel wäre das ungewöhnlich – er wächst bevorzugt dort, wo es feuchter ist. Für Salzflaum passt es dagegen: Nach Untersuchungen von Andreas Arnold entstehen sehr dünne, haarfeine Salzkristalle bevorzugt auf einer „fast trockenen Oberfläche“ bei langsamer Verdunstung.[5][6]
Grenzen der Kugelsonde
Die Anzeige ist nur ein relativer Vergleichswert. Rohdichte, Metall im Untergrund (etwa Eckschutzschienen) und gerade Salze verfälschen dielektrische Messungen.[12][13] Das Umweltbundesamt hält solche Geräte für die Frage, ob Schimmel wachsen kann, außer bei sehr feuchten Materialien für nicht ausreichend.[1] Die Messung stützt unsere Einordnung – beweisen kann sie sie nicht.
Haptik: trocken und staubig
Beim vorsichtigen Darüberstreichen fühlte sich der Belag trocken, staubig und pulvrig an und zerfiel sofort, nichts war feucht oder schmierig. Das passt gut zu Salzkristallen. Allein entscheidet die Haptik aber nicht: Auch Schimmel kann sich pulvrig anfühlen, sobald er Sporen bildet.[1]
Der Sprühtest: Die Büschel fallen in sich zusammen
Den deutlichsten Hinweis lieferte ein ganz einfacher Test: Ich habe eine befallene Stelle mit einer Sprühflasche fein mit Wasser benetzt. Die flaumige Struktur ist dabei komplett in sich zusammengefallen – von den Büscheln blieb nichts übrig, nur die normale Struktur der Farbe.


Genau das ist bei Salzflaum zu erwarten: Er besteht aus feinen, wasserlöslichen Haarkristallen, die sich beim Benetzen anlösen und zusammenbrechen.[5] Schimmel verhält sich anders. Pilzfäden und Sporen sind mit wasserabweisenden Eiweißen (Hydrophobinen) überzogen – das Wasser perlt in Tröpfchen ab, der Flaum bleibt stehen.[16] Dass sich alles so schnell auflöste, spricht außerdem für ein gut lösliches Salz, etwa Alkalisalze aus der Farbe. Gips zum Beispiel löst sich kaum.[6]

So machen Sie den Sprühtest richtig
- Nitrilhandschuhe, eine dicht schließende Schutzbrille und eine Atemschutzmaske der Schutzstufe FFP3 tragen.[15]
- Nur eine kleine Stelle von etwa Handtellergröße testen – nicht die ganze Wand nass machen.
- Mit einer Sprühflasche (feiner Nebel, Leitungswasser genügt) aus 20–30 cm Abstand benetzen, nicht abspritzen.
- Ein bis zwei Minuten beobachten: Fällt der Flaum in sich zusammen oder verschwindet, spricht das für Salz. Perlt das Wasser in Tröpfchen ab und der Flaum bleibt stehen, spricht das für Schimmel.
- Auf die Büschel achten, nicht auf die Wand: Viele Silikatfarben sind hydrophobiert und lassen Wasser selbst abperlen.[10]
- Stelle markieren und nach dem Abtrocknen erneut ansehen: Gelöstes Salz kann an derselben Stelle wieder auskristallisieren.
Der Sprühtest ist ein starkes Indiz, aber kein Laborbeweis. Wer ganz sicher sein will, lässt eine Probe mikroskopisch untersuchen.[1]
Warum hier Salze ausblühen
Für Ausblühungen braucht es drei Dinge: lösliche Salze, Feuchte im Bauteil und Verdunstung. Die Salze wandern gelöst mit dem Wasser an die Oberfläche und bleiben dort zurück, wenn das Wasser verdunstet. Auf neuem Mauerwerk und frischem Putz ist das häufig.[7][6] In unserem Fall kam alles zusammen:

- Alkalisalze aus der Silikatfarbe: Ein Schweizer Gutachten beschreibt, dass beim Abbinden von Anstrichfarben mit Wasserglas „unweigerlich“ Alkalisalze entstehen. Bei begrenzt saugfähigem Untergrund treten sie teilweise als weißer Schleier an die Oberfläche – dort war es Kaliumhydrogencarbonat.[8] Hersteller kennen dieses Phänomen als „Pottasche-Ausblühungen“.[9]
- Viel Baufeuchte und langsame Trocknung: Frischer Anstrich, frisch verputzter Keller und Erdgeschoss bringen große Mengen Wasser ins Haus. Bei hoher Luftfeuchte und niedriger Temperatur trocknen Silikatfarben deutlich langsamer.[10][1]
- Salze im Untergrund: Gipsputz ist selbst eine Sulfatquelle, und altes Ziegelmauerwerk kann lösliche Salze enthalten.[6] Welches Salz bei uns ausblüht, klärt nur eine Analyse.
- Sehr diffusionsoffene Farbe: Die Silikatfarbe lässt Wasserdampf fast ungehindert durch.[10] Das ist für die Wand gut, bedeutet aber, dass die Verdunstung – und damit die Kristallisation – direkt an der Oberfläche stattfindet.
Auffällig ist auch: Die Ausblühungen traten ebenso auf den mitgestrichenen Mineraldämm- und Kalziumsilikatplatten der Laibungen auf. Diese stark alkalischen Platten werden laut Umweltbundesamt deutlich schlechter von Schimmel besiedelt.[1] Dass der Belag Putz und Dämmplatte gleichermaßen betrifft, spricht eher für das gemeinsame Anstrichsystem als Quelle.
Was gegen Schimmel spricht
- pH-Wert: Frische Silikatfarbe ist mit pH ca. 11 stark alkalisch; der Hersteller beschreibt sie als „pilz- und schimmelwidrig, da natürlich alkalisch“.[10] Laut Umweltbundesamt wachsen Schimmelpilze oberhalb von pH 11 „so gut wie nicht mehr“ – diese Wirkung lässt mit der Zeit allerdings nach, und auf Staubschichten kann Schimmel trotzdem wachsen.[1]
- Tempo: Nach dem Isoplethenmodell des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik keimen Sporen auf Putz bei 18–19 °C erst bei rund 88 % Oberflächenfeuchte innerhalb von vier Tagen (eigene Ablesung aus dem Diagramm).[3] Mit bloßem Auge sichtbar wird Schimmel meist erst danach, wenn er Sporen bildet.[1]
Salz oder Schimmel? So prüfen Sie es selbst
Für keinen dieser Schnelltests gibt es eine genormte Vorschrift – sie liefern Hinweise, keine Beweise. In der Summe helfen sie aber gut bei der ersten Einordnung:
- Schutz zuerst: Nitrilhandschuhe, eine dicht schließende Schutzbrille und eine Atemschutzmaske der Schutzstufe FFP3 tragen. Keinen Staub aufwirbeln.
- Ort und Zeitpunkt prüfen: Schimmel beginnt an den kältesten, feuchtesten Stellen. Ausblühungen treten oft kurz nach Putz- oder Malerarbeiten flächig auf.
- Mit der Lupe schauen: Kristalle sind starr und glasig, Schimmel bildet verzweigte Fäden und später oft farbige Sporen. Die Größe allein unterscheidet nicht.
- Sprühtest mit Wasser: Eine kleine Stelle mit der Sprühflasche fein benetzen und ein bis zwei Minuten beobachten: Salzflaum fällt in sich zusammen oder löst sich, an Schimmel perlt das Wasser ab und der Flaum bleibt. Gips löst sich kaum, und hydrophobierte Farbe lässt Wasser selbst abperlen – auf die Büschel achten, nicht auf die Fläche.
- Fallstricke meiden: Säure- oder Essigtest direkt an der Wand ist wenig aussagekräftig, weil Farbe und Putz selbst Kalk enthalten. Nitrat-Teststreifen zeigen auf alkalischen Silikatanstrichen falsch-positiv an.
- Labor oder Mikroskop: Bleiben Zweifel, bringt ein Klebefilmpräparat unter dem Mikroskop oder ein Oberflächen-Labortest Klarheit.

| Merkmal | Salzausblühung | Schimmel |
|---|---|---|
| Ort | Auf trocknenden Flächen, oft unabhängig von kalten Stellen | Zuerst an den kältesten, feuchtesten Stellen[1] |
| Zeitpunkt | Häufig kurz nach Putz-, Estrich- oder Malerarbeiten[7] | Wenige Tage bis Wochen anhaltend hoher Oberflächenfeuchte[1] |
| Aussehen | Weiß; Krusten, Pusteln oder faseriger Salzflaum[5] | Zunächst weißliches Geflecht, später oft grau, grün oder schwarz[1] |
| Sprühtest mit Wasser | Flaum fällt zusammen, die meisten Salze lösen sich (Gips kaum) | Wasser perlt ab, Pilzfäden und Sporen sind wasserabweisend[16] |
| Untergrund | Auch auf stark alkalischen, frischen Flächen | Oberhalb pH 11 kaum Wachstum[1] |
| Sichere Klärung | Salzanalyse im Labor | Klebefilmpräparat unter dem Mikroskop, Labortest[1] |
Was wir gemacht haben – und was wir empfehlen
- Raumluftfeuchte überwacht: Ein Hygrometer zeichnet die Luftfeuchte im Raum auf. Aussagekräftiger als Einzelmessungen sind Verläufe über mehrere Wochen.[1]
- Luftentfeuchter aufgestellt: Er läuft, bis der neue Putz im Erdgeschoss vollständig durchgetrocknet ist – als Vorsichtsmaßnahme, nicht zwingend nötig.
- Gleichmäßig trocknen, nicht schockartig: Sehr schnelle Trocknung kann Salze eher in die Poren verlagern, wo sie mehr Schaden anrichten als an der Oberfläche.[17]
- Trocken entfernen: Ausblühungen trocken abbürsten oder absaugen – nicht nass abwaschen. Sonst gehen die Salze wieder in Lösung, wandern zurück ins Bauteil und blühen erneut aus.[7] Bindemittelbedingte Salzschleier können auch von selbst wieder verschwinden.[8]
- Kein Schimmelentferner: Bei Salz gibt es nichts zu bekämpfen. Auch bei echtem Schimmel sind Biozide laut Umweltbundesamt und DGUV im Regelfall nicht erforderlich – entscheidend ist, die Feuchteursache zu beseitigen.[1][15]
- Erst streichen, wenn alles trocken ist: Silikatfarben-Hersteller schließen Untergründe mit Salzausblühungen ausdrücklich aus.[10][9]
Kommen Ausblühungen über Monate immer wieder, ist der Untergrund dauerhaft salzbelastet. Dann gehören Feuchtequelle und Salzart untersucht, und gegebenenfalls ist ein Sanierputzsystem nötig.[9]
Foto hochladen und prüfen: KI-Analyse und Schimmel-Check
Wir haben unsere eigenen Fotos auch durch unsere kostenlose KI-Fotoanalyse geschickt. Bei weißen, flaumigen oder sternförmigen Belägen auf Putz meldet sie bewusst „Nicht eindeutig: Salzausblühung oder weißer Schimmel“ – denn auf einem Foto allein lässt sich das nicht sicher trennen. Sie beschreibt, was sie sieht (bei uns zum Beispiel „sternförmig strahlende Nadelkristalle, rein weiß ohne Pigment“), schlägt als ersten Unterscheidungstest den Sprühtest vor und empfiehlt in diesem Fall keine Schimmelmittel. Nur bei klar krustigen, pulvrigen Ausblühungen wie Salpeter auf Kellermauerwerk lautet das Ergebnis direkt „Salzausblühung“.
Danach führt Sie unser Schimmel-Check mit ein paar kurzen Fragen weiter – zu Fundort, Struktur, Sprühtest, Wischtest und Entstehung – und grenzt auch weitere Verwechslungen wie Kalk oder Fogging ab. Sie finden beides direkt unter diesem Artikel und auf unserer Seite Schimmel erkennen per Foto.
Klarheit per Labortest
Wer sichergehen will, kommt um eine Probe nicht herum. Das Umweltbundesamt empfiehlt für die Frage, ob es sich „tatsächlich um Schimmel“ handelt, ein Klebefilmpräparat mit anschließender Mikroskopie – das übernehmen Sachverständige und Labore.[1] Für zu Hause gibt es zwei Wege:
- Schimmeltest Oberfläche mit Laboranalyse: Sie nehmen eine Abklatsch- bzw. Abstrichprobe direkt vom Belag, das Labor bebrütet sie und bestimmt die angewachsenen Schimmelgattungen. Wächst aus dem Belag praktisch nichts an, ist das ein deutliches Indiz gegen aktiven Befall. Wächst etwas, ordnen Sie das Ergebnis am besten mit Fachleuten ein – denn Sporen setzen sich überall ab, auch auf unbefallenen Flächen.[1]
- Schimmeltest Komplett-Set (Raumluft und Oberfläche): sinnvoll, wenn es muffig riecht oder versteckter Schimmel vermutet wird.
Bei größeren Schäden, einem Wasserschaden oder Streit mit dem Vermieter hilft eine Begutachtung vor Ort. Fachleute in Ihrer Nähe finden Sie in unserem Verzeichnis der Schimmel-Sachverständigen.
Fazit: Nicht jeder weiße Flaum ist Schimmel
Weißer, flaumiger Belag auf einer frisch gestrichenen Wand muss kein Schimmel sein. In unserem Fall spricht vieles für Salzausblühungen: allen voran der Sprühtest, bei dem der Flaum sofort in sich zusammenfiel, dazu der stark alkalische, frische Silikatanstrich, die sehr kurze Zeit von vier Tagen, das bekannte Phänomen der Alkalisalze aus Silikatfarben, Belag auf Putz und Dämmplatte gleichermaßen, freie kalte Stellen und ein trockener, staubiger Belag. Keine dieser Beobachtungen ist für sich ein Beweis – zusammen ergeben sie ein klares Bild. Mein Rat aus der Praxis: nicht in Panik verfallen, nicht sofort mit Schimmelentferner sprühen, sondern systematisch prüfen, die Raumluftfeuchte im Blick behalten und bei Zweifeln eine Probe untersuchen lassen.
Weiterlesen: Weißer Schimmel erkennen und unterscheiden · Schimmel im Neubau · Silikatfarbe gegen Schimmel · Fogging oder Schimmel? · Schimmel-Messgeräte im Überblick
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich Salzausblühungen von weißem Schimmel?
Mit bloßem Auge oft gar nicht sicher – beides kann flaumig und sternförmig aussehen. Hinweise geben der Ort (Schimmel beginnt an den kältesten, feuchtesten Stellen), der Sprühtest mit Wasser (Salzflaum fällt in sich zusammen, an Pilzfäden perlt das Wasser ab) und der Zeitpunkt (Ausblühungen kurz nach Putz- oder Malerarbeiten). Sicher klärt es ein Klebefilmpräparat unter dem Mikroskop, wie es das Umweltbundesamt empfiehlt.
Sind Salzausblühungen gesundheitsschädlich?
Eine behördliche Gesundheitsbewertung wie für Schimmel gibt es für Salzausblühungen nicht. Alkalische Salze, etwa Kaliumcarbonat aus Silikatfarben, können als Reinstoff Haut, Augen und Atemwege reizen. Deshalb: nicht mit bloßen Händen verreiben, beim Abbürsten keinen Staub einatmen. Vor allem zeigen Ausblühungen, dass Wasser durch das Bauteil wandert – die Ursache sollte man kennen.
Warum blühen Salze gerade nach dem Streichen aus?
Mit Putz, Spachtel und Anstrich kommt viel Wasser in die Wand. Beim Trocknen wandert es zur Oberfläche, nimmt gelöste Salze mit und lässt sie beim Verdunsten als Kristalle zurück. Silikatfarben bilden beim Abbinden zusätzlich Alkalisalze, die als weißer Schleier oder Flaum an die Oberfläche treten können.
Hilft ein Schimmelentferner gegen Salzausblühungen?
Nein. Gegen Salzkristalle wirkt kein Schimmelentferner – er bringt nur zusätzliche Feuchte und Wirkstoffe auf die Wand. Ausblühungen werden trocken abgebürstet oder abgesaugt.
Wann sollte ich einen Labortest machen?
Wenn Sie unsicher sind, der Belag farbig wird, es muffig riecht oder der Belag nach dem Abbürsten an kalten Stellen wiederkommt. Ein Oberflächentest zeigt, welche Schimmelpilze an der Stelle anwachsen; ein Klebefilmpräparat unter dem Mikroskop bestätigt direkt, ob Pilzfäden vorhanden sind.
Muss ich nach Salzausblühungen neu streichen?
Erst wenn der Untergrund vollständig trocken ist und keine neuen Ausblühungen mehr entstehen. Bindemittelbedingte Salzschleier verschwinden teils von selbst. Kommen Ausblühungen dauerhaft wieder, ist der Untergrund salzbelastet – dann helfen nur Ursachenklärung, Salzanalyse und gegebenenfalls ein Sanierputzsystem.
Quellen und Referenzen
- Umweltbundesamt (2017, PDF-Fassung 2024): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden. www.umweltbundesamt.de
- Umweltbundesamt (2014): Schimmel im Haus – Ursachen, Wirkungen, Abhilfe (Ratgeber). www.umweltbundesamt.de
- Sedlbauer, K.; Zillig, W.; Krus, M. / Fraunhofer IBP (2001): Isoplethensysteme ermöglichen eine Abschätzung von Schimmelpilzbildung. publica-rest.fraunhofer.de
- DIN 4108-2: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz (Kriterium fRsi ≥ 0,70 bzw. θsi ≥ 12,6 °C). Beuth/DIN Media.
- Schwarz, H.-J. / SalzWiki, HAWK Hildesheim (2025): Schadensbilder – Ausbildung der Salzkristalle (nach A. Arnold). salzwiki.hawk.de
- Charola, A. E. (2000): Salts in the Deterioration of Porous Materials: An Overview. Journal of the American Institute for Conservation 39(3):327–343. www.nps.gov
- BRANZ (2016): Bulletin 593 – Efflorescence. www.branz.co.nz
- Conservation Science Consulting, Fribourg (2015): Gutachten A.0240.04 – Weissschleier auf Eckquaderbemalung (Kaliumhydrogencarbonat aus Wasserglas-Anstrich). csc-sarl.ch
- Caparol / DAW SE (2026): Technische Information Nr. 1047 Histolith Sol-Silikat. indeko.caparol.de
- KEIMFARBEN (Stand 09/2026): Technisches Merkblatt KEIM Innostar. www.keim.com
- Knauf Gips KG (2014): Technisches Blatt P121.de Rotband Haftputzgips.
- Gann Mess- u. Regeltechnik (2016): Bedienungsanweisung Hydromette Compact B (Kugelsonde, Messprinzip und Einflussgrößen).
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- Robert Bosch Power Tools (o. J.): Thermografie – Einführung (Emissionsgrad, Reflexion, Messbedingungen).
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- Rodriguez-Navarro, C.; Doehne, E. (1999): Salt weathering: influence of evaporation rate, supersaturation and crystallization pattern. Earth Surface Processes and Landforms 24:191–209.








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