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Zimt gegen Ameisen: Natürliche Abwehr
Februar 10, 2026 Patricia Titz

Zimt gegen Ameisen: Natürliche Abwehr

Es beginnt oft mit einer einzelnen, unscheinbaren Ameise auf der Küchenzeile. Doch ehe man sich versieht, hat sich diese einzelne Kundschafterin in eine gut organisierte Straße verwandelt, die zielstrebig zum Obstkorb oder zur Zuckerdose führt. Der erste Impuls vieler Menschen ist der Griff zur Chemiekeule, doch das Bewusstsein für Umwelt und Gesundheit lässt immer mehr Betroffene nach natürlichen Alternativen suchen. Hier fällt oft ein Begriff: Zimt. Das aromatische Gewürz, das wir mit Weihnachten und Milchreis verbinden, soll eine wahre Wunderwaffe gegen die krabbelnden Insekten sein. Aber ist das nur ein Mythos oder steckt wissenschaftliche Faktenlage dahinter? In diesem Artikel beleuchten wir die Wirksamkeit von Zimt gegen Ameisen, erklären die biologischen Hintergründe der abschreckenden Wirkung und zeigen auf, wann Hausmittel an ihre Grenzen stoßen und professionelle Lösungen notwendig werden.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Wirkungsweise: Zimt tötet Ameisen in der Regel nicht, sondern vertreibt sie durch seinen intensiven Geruch, der die Duftkommunikation der Tiere stört.
  • Anwendung: Zimt kann als Pulver ausgestreut oder als ätherisches Öl verdünnt versprüht werden, um Barrieren zu schaffen.
  • Wissenschaftliche Basis: Behörden wie das Bayerische Landesamt für Umwelt empfehlen Zimt explizit als Mittel zur Vergrämung von Ameisenstraßen.
  • Grenzen: Bei holzzerstörenden Ameisen oder Hygieneschädlingen wie der Pharaoameise sind Hausmittel wirkungslos und professionelle Hilfe ist nötig.
  • Nachhaltigkeit: Die Methode ist umweltfreundlich, muss aber regelmäßig aufgefrischt werden, da der Duft verfliegt.

Warum Ameisen überhaupt ins Haus kommen

Um zu verstehen, warum Zimt gegen Ameisen wirken kann, muss man zunächst verstehen, was die Tiere antreibt. Ameisen sind hochsoziale Wesen, die in komplexen Staaten leben. Die Arbeiterinnen, die wir in unseren Küchen finden, sind meist auf der Suche nach Nahrung für die Brut und die Königin. Besonders im Frühjahr, wenn die Vorräte im Freiland noch knapp sind, werden menschliche Behausungen attraktiv[1].

Die Kommunikation der Ameisen erfolgt dabei größtenteils chemisch. Sie sind praktisch "wandelnde Drüsenpakete", die eine Vielzahl von Pheromonen produzieren. Wenn eine Kundschafterin eine Futterquelle entdeckt, legt sie auf dem Rückweg zum Nest eine Duftspur. Andere Arbeiterinnen folgen dieser Spur, verstärken sie durch eigene Pheromone, und so entsteht die bekannte Ameisenstraße[2]. Genau hier setzt die Strategie der Vergrämung mit starken Gerüchen wie Zimt an.

Zimt als natürliches Repellent: Die Wissenschaft dahinter

Die Idee, Ameisen mit Zimt zu bekämpfen, basiert nicht auf dem Tötungsprinzip, sondern auf der sogenannten Vergrämung. Ameisen orientieren sich primär an Düften. Starke, fremde Gerüche können ihre feinen Sinnesorgane überfordern und die Pheromonspuren überdecken, die ihnen den Weg weisen. Das Bayerische Landesamt für Umwelt bestätigt, dass sich Ameisen durch Duftstoffe vergrämen lassen und nennt Zimt explizit in einer Reihe mit anderen stark riechenden Substanzen wie Lavendel, Majoran und Gewürznelken[3].

Wie Zimt wirkt

Zimt enthält ätherische Öle, insbesondere Zimtaldehyd. Für den menschlichen Geruchssinn ist dies angenehm, für Ameisen jedoch eine massive Störung ihrer Orientierung. Wenn eine Ameisenstraße durch eine Barriere aus Zimt unterbrochen wird, verlieren die Tiere die Orientierung. Sie meiden den Bereich, da der starke Geruch ihre eigenen Signale "übertönt". Es handelt sich also um eine psychologische Barriere für die Insekten, keine physische Mauer.

Wichtiger Hinweis zur Erwartungshaltung

Zimt tötet die Ameisenkolonie nicht ab. Er sorgt lediglich dafür, dass die Arbeiterinnen bestimmte Bereiche meiden. Wer das Nest dauerhaft entfernen muss, weil es sich im Mauerwerk befindet, wird mit Zimt allein oft keinen Erfolg haben, da die Königin im Inneren weiter Eier produziert[4].

Anwendung: So setzen Sie Zimt richtig ein

Es gibt verschiedene Methoden, Zimt gegen Ameisen einzusetzen. Die Wahl der Methode hängt von der Stärke des Befalls und dem Ort ab (Küche, Terrasse, Garten).

1. Zimtpulver als Barriere

Die einfachste Methode ist die Verwendung von handelsüblichem gemahlenen Zimt.

  • Suchen Sie die Eintrittsstellen, durch die die Ameisen ins Haus kommen (Ritzen in Fenstern, Türschwellen).
  • Streuen Sie eine dicke Linie Zimtpulver direkt vor diese Zugänge.
  • Bestreuen Sie auch die Laufwege der Ameisenstraße.
Diese Methode eignet sich besonders für trockene Innenbereiche. Im Außenbereich verfliegt der Duft durch Wind und Feuchtigkeit zu schnell.

2. Ätherisches Zimtöl

Ätherisches Zimtöl ist deutlich konzentrierter als das Pulver und wirkt daher intensiver.

  • Träufeln Sie einige Tropfen auf Wattebausche und platzieren Sie diese an den Laufwegen.
  • Mischen Sie Wasser mit etwas Spülmittel (als Emulgator) und 10-20 Tropfen Zimtöl in einer Sprühflasche. Besprühen Sie damit Fensterrahmen und Türschwellen.
Vorsicht: Ätherisches Zimtöl kann Hautreizungen verursachen und sollte nicht unverdünnt auf empfindliche Oberflächen aufgetragen werden.

3. Zimtstangen

Ganze Zimtstangen geben ihren Duft langsamer und weniger intensiv ab. Sie eignen sich eher zur Vorbeugung in Schränken oder Schubladen, sind aber gegen eine aktive Ameisenstraße meist zu schwach.

Andere natürliche Hausmittel im Vergleich

Zimt ist nicht das einzige Mittel aus dem Küchenschrank, das gegen Ameisen helfen kann. Die Wirkprinzipien sind oft ähnlich (Geruchsüberlagerung), aber es gibt Unterschiede in der Effizienz.

Essig und Zitrone

Säuren und starke Gerüche wie Essigessenz oder Zitronensaftkonzentrat stören ebenfalls den Orientierungssinn. Das Wischen der Böden mit Essigwasser entfernt zudem die bestehenden Pheromonspuren physisch. Experten empfehlen auch das Auslegen von Zitronenschalen[3].

Kräuter und Öle

Neben Zimt meiden viele Ameisenarten auch Lavendel, Eukalyptus, Majoran und Lorbeer. Für einige Arten ist Lavendelöl sogar giftig. Auch Gewürznelken oder Wacholderblätter können versuchsweise ausgelegt werden[3]. Diese Mittel eignen sich gut zur Kombination mit Zimt, um einen "Duft-Cocktail" zu erzeugen, der für Ameisen unerträglich ist.

Backpulver – Ein Mythos?

Oft wird Backpulver (in Kombination mit Zucker) als Hausmittel empfohlen. Die Idee ist, dass die Ameisen es fressen und innerlich platzen. Dies ist jedoch oft qualvoll für die Tiere und nicht immer effektiv, da viele Ameisen das Pulver meiden. Biologische Experten raten eher zu Methoden der Vergrämung oder, wenn nötig, zu gezielten Köderdosen, die den Wirkstoff ins Nest tragen.

Wann Zimt nicht mehr ausreicht: Grenzen der Hausmittel

So sympathisch die Anwendung von Zimt ist, sie hat klare Grenzen. Es ist wichtig zu erkennen, wann man mit Hausmitteln aufhören und zu professionelleren Methoden greifen sollte. Dies hängt stark von der Ameisenart und der Befallsstärke ab.

Die hartnäckige Lasius niger

Die Schwarzgraue Wegameise (Lasius niger) ist der häufigste Gast in deutschen Küchen. Sie ist sehr anpassungsfähig und legt ihre Nester oft unter gepflasterten Wegen oder an Hauswänden an. Da ihre Kolonien sehr volksstark sein können (bis zu 50.000 Individuen), lassen sie sich durch Zimt oft nur kurzzeitig umleiten. Finden sie einen anderen Weg zum Futter, nehmen sie diesen. Hier ist oft das Verschließen von Fugen mit Silikon oder Gips effektiver als reines Vergrämen[1].

Gefahr durch Pharaoameisen

Ein absolutes Warnsignal sind winzige, bernsteingelbe Ameisen, die das ganze Jahr über (auch im Winter) im beheizten Haus auftreten. Dabei könnte es sich um die Pharaoameise (Monomorium pharaonis) handeln. Diese Art ist ein ernstzunehmender Hygieneschädling, der Krankheiten wie Salmonellen übertragen kann[2]. Bei Pharaoameisen dürfen keine herkömmlichen Kontaktinsektizide oder Hausmittel wie Zimt verwendet werden! Diese Art reagiert auf Störungen mit der Aufspaltung der Kolonie (Zweignestbildung). Ein Nest teilt sich in viele kleine auf, und das Problem verschlimmert sich massiv. Hier muss zwingend ein Schädlingsbekämpfer mit speziellen Fraßködern arbeiten[2].

Holzzerstörende Ameisen

Arten wie die Braune Wegameise (Lasius brunneus) oder Rossameisen nisten in Holz und können die Bausubstanz schädigen. Da sie oft versteckt im Gebälk leben, erreicht man sie mit ausgestreutem Zimt nicht. Hier sind Bauschäden möglich, weshalb eine Bestimmung durch Experten ratsam ist[1].

Prävention ist besser als Bekämpfung

Der beste Schutz gegen Ameisen ist, sie gar nicht erst anzulocken. Zimt funktioniert am besten, wenn er Teil einer umfassenden Präventionsstrategie ist.

Tipps zur Vorbeugung

  • Nahrungsquellen entziehen: Lassen Sie keine Essensreste, Tierfutter oder offene Zuckerdosen stehen. Abfallbehälter sollten dicht schließen[3].
  • Zugänge verschließen: Dichten Sie Fugen an Fenstern und Türen mit Silikon ab.
  • Barrieren erneuern: Wenn Sie Zimt oder Kräuter zur Vorbeugung nutzen, erneuern Sie diese regelmäßig, da die ätherischen Öle verfliegen.
  • Blattläuse bekämpfen: Im Garten melken Ameisen Blattläuse wegen ihres Honigtaus. Wer Blattläuse an Rosen oder Obstbäumen bekämpft, reduziert oft auch die Attraktivität des Gartens für Ameisen[3].

Alternativen: Wenn Zimt nicht hilft

Sollte der Zimt-Wall durchbrochen werden, gibt es wirksamere, aber dennoch umweltverträglichere Methoden als die harte Chemiekeule.

Kieselgur (Diatomeenerde)

Ein sehr effektives, rein physikalisches Mittel ist Kieselgur. Dieses feine Pulver besteht aus den Schalen fossiler Kieselalgen. Wenn Ameisen darüber laufen, verletzt der feine Staub ihren Chitinpanzer und trocknet sie aus. Kieselgur ist für Menschen und Haustiere ungiftig, wirkt aber tödlich auf Insekten. Es wird oft als "Ameisen-frei Pulver" vermarktet[5].

Nematoden

Für die Bekämpfung von Nestern im Rasen oder Blumenkasten gibt es biologische Hilfe: Nematoden (Fadenwürmer). Diese mikroskopisch kleinen Würmer dringen in die Ameisen ein und töten sie ab. Da Ameisen diese Gefahr erkennen, verlegen sie ihr Nest oft fluchtartig, wenn der Boden mit Nematoden behandelt wird. Dies ist eine sehr naturnahe Methode der Vertreibung[5].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Zimt gefährlich für Haustiere?

In kleinen Mengen ist Zimt für Hunde und Katzen meist unbedenklich. Allerdings können große Mengen Zimtpulver, wenn sie eingeatmet werden, die Atemwege reizen. Ätherisches Zimtöl sollte niemals in Reichweite von Katzen angewendet werden, da diese ätherische Öle nur schwer abbauen können.

Tötet Zimt die Ameisenkönigin?

Nein. Zimt wirkt als Repellent (Vergrämungsmittel). Es hält die Arbeiterinnen fern, erreicht aber nicht das Nest und die Königin. Die Kolonie bleibt bestehen, verlagert aber eventuell ihre Aktivität.

Warum laufen Ameisen trotzdem über meinen Zimt?

Wenn der Hungerdruck der Kolonie sehr groß ist oder der Zimt schon alt ist und kaum noch duftet, überwinden Ameisen ihre Abneigung. Frische und Qualität des Gewürzes sind entscheidend. Zudem gibt es Ameisenarten, die weniger empfindlich auf Gerüche reagieren.

Kann ich Zimt auch im Garten verwenden?

Ja, aber die Wirkung ist begrenzt, da Wind und Wetter den Duft schnell verflüchtigen lassen. Im Garten ist das Umsiedeln von Nestern (z.B. durch Überstülpen eines mit Holzwolle gefüllten Blumentopfs) oft effektiver[3].

Hilft Zimt gegen alle Ameisenarten?

Nein. Während die klassische Wegameise gut darauf reagiert, lassen sich holzbewohnende Arten oder die Pharaoameise davon kaum beeindrucken. Bei letzterer ist der Einsatz von Hausmitteln sogar kontraproduktiv[2].

Fazit

Zimt ist ein hervorragendes, umweltfreundliches Mittel, um Ameisenstraßen kurzfristig umzuleiten und den Insekten den Zutritt zur Küche zu verleiden. Es nutzt die biologische Abhängigkeit der Ameisen von Duftspuren gegen sie, ohne sie zu töten oder die Umwelt mit Gift zu belasten. Als alleinige Lösung bei starkem Befall oder bei Nestern im Haus reicht Zimt jedoch oft nicht aus. Hier ist eine Kombination aus Hygiene, baulichen Maßnahmen (Abdichten) und gegebenenfalls gezielten Ködern sinnvoller.

Bevor Sie zu chemischen Mitteln greifen, ist der Versuch mit Zimt, Lavendel oder Essig aber immer den ersten Schritt wert – der Umwelt und Ihrer Gesundheit zuliebe. Sollten Sie jedoch unsicher sein, um welche Ameisenart es sich handelt, oder kehren die Tiere trotz aller Maßnahmen zurück, zögern Sie nicht, einen Experten zu Rate zu ziehen, um Bauschäden oder Hygieneprobleme zu vermeiden.

Quellen und Referenzen

  1. Felke, M. / Karg, G.: Ameisen. In: Schädlingsbekämpfung kompakt, Behr's Verlag, Kap. 1.6.1.
  2. Sellenschlo, U.: Pharaoameise (Monomorium pharaonis). In: Schädlingsbekämpfung kompakt, Behr's Verlag, Kap. 1.6.2.
  3. Bayerisches Landesamt für Umwelt: UmweltWissen – Praxis: Ameisen. Augsburg, 2013.
  4. Dietrich, C. & Steiner, E.: Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick. In: Denisia 25, 2009, S. 7-36.
  5. Produktinformation Ameisen-frei Pulver (Kieselgur) & Nematoden, aus: Ameisen_Bekämpfung_Überblick.pdf.

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