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Bienennisthilfe: Unterstützung für Bienen im Garten - So geht's

Geschrieben von: Patricia Titz

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Das Summen und Brummen in unseren Gärten wird leiser. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Lebensgrundlage für viele Insekten dramatisch verschlechtert. Monokulturen in der Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, die zunehmende Flächenversiegelung und aufgeräumte, sterile Vorgärten machen es unseren heimischen Bestäubern immer schwerer, Nahrung und geeignete Nistplätze zu finden. Dabei sind wir Menschen auf die unermüdliche Arbeit der Bienen angewiesen: Etwa ein Drittel unserer Nahrungsmittel steht in direkter Abhängigkeit von der Bestäubungsleistung durch Insekten. Wer einen eigenen Garten, eine Terrasse oder auch nur einen Balkon besitzt, kann jedoch einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz leisten. Eine gut geplante und richtig konstruierte Bienennisthilfe – oft auch Insektenhotel genannt – bietet den Tieren einen sicheren Ort für die Aufzucht ihres Nachwuchses. Doch Vorsicht: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Viele im Handel erhältliche Nisthilfen sind für Bienen völlig nutzlos oder sogar gefährlich. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Wildbienen wirklich effektiv unterstützen, welche Materialien sich eignen und warum das richtige Blütenangebot mindestens genauso wichtig ist wie die Nisthilfe selbst.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Wildbienen vs. Honigbienen: Während Honigbienen in großen Staaten leben, sind die meisten der rund 600 heimischen Wildbienenarten Einzelgänger (solitär) und auf spezielle Nisthilfen angewiesen.
  • Das richtige Material: Verwenden Sie für Nisthilfen ausschließlich abgelagertes Hartholz (Buche, Eiche, Esche) oder markhaltige Stängel (Brombeere, Holunder). Weichholz, Stroh oder Lochziegel sind ungeeignet.
  • Saubere Verarbeitung: Bohrlöcher müssen zwingend splitterfrei sein (2 bis 9 mm Durchmesser), da sich die Bienen sonst ihre empfindlichen Flügel zerreißen.
  • Bodennister nicht vergessen: Etwa 75 Prozent der Wildbienen nisten im Erdboden. Offene, sandige Bodenstellen sind daher noch wichtiger als aufgestellte Holzblöcke.
  • Nahrung ist essenziell: Eine Nisthilfe funktioniert nur, wenn im direkten Umkreis (max. 150 bis 300 Meter) ausreichend heimische, ungefüllte Blütenpflanzen als Pollen- und Nektarquelle zur Verfügung stehen.

Warum unsere Bienen dringend Hilfe benötigen

Der Rückgang der Insektenpopulationen ist kein lokales Phänomen, sondern eine flächendeckende ökologische Krise. Die viel beachtete "Krefelder Studie" hat gezeigt, dass die Biomasse der flugfähigen Insekten in Teilen Deutschlands innerhalb von 27 Jahren um durchschnittlich 76 Prozent zurückgegangen ist[1]. Dieser dramatische Schwund betrifft nicht nur die Gesamtmenge, sondern auch die Artenvielfalt. Von den etwa 600 in Deutschland heimischen Wildbienenarten steht mittlerweile fast die Hälfte auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, einige gelten bereits als ausgestorben oder sind unmittelbar vom Aussterben bedroht[2].

Die Ursachen für dieses sogenannte Insektensterben sind vielfältig und komplex. Das Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung benennt als Hauptgründe den Verlust und die qualitative Verschlechterung von Insektenlebensräumen, den Mangel an Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft sowie den Einsatz von Pestiziden und Bioziden[3]. Auch die Lichtverschmutzung trägt massiv zum Insektensterben bei, da nachtaktive Insekten von künstlichen Lichtquellen angelockt werden und dort verenden (der sogenannte "Staubsaugereffekt")[4]. In dieser ausgeräumten Landschaft werden private Gärten, Kleingartenanlagen und städtische Grünflächen zu überlebenswichtigen Rückzugsorten (Refugialflächen) für unsere Bestäuber.

Wildbienen und Honigbienen: Zwei völlig verschiedene Welten

Wenn wir von "Bienen" sprechen, haben die meisten Menschen sofort die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) vor Augen. Diese lebt in riesigen Staaten von bis zu 80.000 Tieren, wird vom Imker in Beuten gehalten und produziert den begehrten Honig[5]. Die Honigbiene ist ein landwirtschaftliches Nutztier und in ihrem Bestand durch die Pflege der Imker gesichert, auch wenn sie mit Krankheiten wie der eingeschleppten Varroa-Milbe (Varroa destructor) zu kämpfen hat[6].

Ganz anders sieht es bei den Wildbienen aus. Zu ihnen zählen neben den Hummeln (die einjährige Staaten bilden) vor allem die solitären Bienen. Solitär bedeutet, dass jedes Weibchen als Einzelgängerin lebt. Es baut sein eigenes Nest, sammelt eigenständig Pollen und Nektar als Proviant für die Larven, legt die Eier ab und verschließt die Brutzellen[7]. Eine Brutpflege im Sinne einer Fütterung der geschlüpften Larven findet bei diesen Arten nicht statt. Das Weibchen stirbt nach wenigen Wochen, während der Nachwuchs in der Brutzelle überwintert und erst im nächsten Frühjahr schlüpft.

Wildbienen sind hochgradig spezialisiert. Etwa 30 Prozent der heimischen Arten sind sogenannte "oligolektische" Bienen. Das bedeutet, sie sammeln Pollen ausschließlich von einer einzigen Pflanzenfamilie oder sogar nur von einer bestimmten Pflanzenart[8]. Fehlt diese Pflanze im Umkreis des Nistplatzes, kann sich die Wildbiene nicht fortpflanzen. Zudem sind Wildbienen extrem friedfertig. Ihr Stachel ist meist zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen, und da sie keinen großen Staat oder Honigvorräte verteidigen müssen, zeigen sie kein aggressives Verhalten[9].

Die perfekte Bienennisthilfe: So bauen Sie richtig

Ein Wildbienenhotel soll die natürlichen Nistplätze imitieren, die in unserer aufgeräumten Landschaft verloren gegangen sind. In der Natur nutzen oberirdisch nistende Bienen alte Fraßgänge von Käfern in abgestorbenem Holz oder hohle Pflanzenstängel[10]. Um diese Bedingungen im Garten nachzubilden, müssen bestimmte Regeln zwingend eingehalten werden.

1. Nistblöcke aus Hartholz

Das wichtigste Element für viele Mauerbienen, Scherenbienen und Löcherbienen sind Holzblöcke mit Bohrlöchern. Verwenden Sie hierfür ausschließlich abgelagertes Hartholz wie Buche, Eiche, Esche, Apfel oder Birne[11]. Weichhölzer wie Fichte oder Kiefer, die leider in fast allen billigen Baumarkt-Insektenhotels verwendet werden, sind ungeeignet. Sie neigen zur Rissbildung, wodurch Feuchtigkeit und Pilze in die Brutkammern eindringen, oder Parasiten leichtes Spiel haben.

Achtung: Die richtige Bohrtechnik rettet Bienenleben!

Bohren Sie niemals in das Stirnholz (die Jahresringe), sondern immer von der Seite in das Längsholz (durch die Rinde). Bohren Sie ins Stirnholz, reißt das Holz unweigerlich auf. Die Bohrlöcher müssen absolut sauber und splitterfrei sein. Stehen Splitter in den Gang hinein, zerreißen sich die Bienen beim Rückwärts-Herauskrabbeln ihre zarten Flügel und verenden qualvoll. Schleifen Sie die Kanten nach dem Bohren mit feinem Schmirgelpapier ab und klopfen Sie das Bohrmehl aus.

Die Löcher sollten unterschiedliche Durchmesser zwischen 2 und 9 Millimetern aufweisen, um verschiedenen Arten Platz zu bieten. Bohren Sie so tief wie möglich (ca. 5 bis 10 cm), aber durchbohren Sie den Block nicht komplett – die Gänge müssen hinten verschlossen sein[12].

2. Hohle und markhaltige Stängel

Eine weitere hervorragende Nistmöglichkeit bieten hohle Stängel wie Bambus oder Schilf. Achten Sie beim Zuschnitt von Bambus darauf, dass Sie direkt hinter dem Knoten (der natürlichen Verdickung) schneiden. So ist das Röhrchen auf einer Seite natürlich verschlossen. Auch hier gilt: Die Schnittkanten müssen glatt und ohne Ausfransungen sein[13].

Für sogenannte Marknister (z. B. Keulhornbienen oder bestimmte Mauerbienen) können Sie Stängel von Brombeere, Himbeere, Holunder, Distel oder Königskerze anbieten. Diese Bienen nagen sich ihre Gänge selbst in das weiche Mark. Stellen Sie diese Stängel am besten senkrecht oder leicht schräg gebündelt an einem sonnigen Ort auf, zum Beispiel an einem Zaun befestigt[14].

3. Steilwände aus Löss oder Lehm

Einige Arten, wie die Frühlings-Pelzbiene, nisten bevorzugt in Steilwänden oder Abbruchkanten. Sie können dies simulieren, indem Sie einen großen Kasten oder Eimer mit Löss oder einem Sand-Lehm-Gemisch füllen. Das Substrat muss im trockenen Zustand so fest sein, dass es nicht bröselt, sich aber mit dem Fingernagel noch leicht einritzen lässt. Vorgebohrte Löcher werden hier meist ignoriert; die Bienen graben sich ihre Gänge selbst[15].

Was NICHT in ein Insektenhotel gehört

  • Tannenzapfen und Rindenmulch: Bieten Wildbienen keinen Nistplatz. Sie ziehen höchstens Ohrenkneifer an, die sich wiederum von Bienenbrut ernähren könnten.
  • Stroh und Heu: Wird von Bienen nicht genutzt und schimmelt schnell.
  • Lochziegelsteine: Die Löcher sind viel zu groß, eckig und innen extrem rau. Sie verletzen die Flügel der Bienen. Ziegel eignen sich höchstens als Halterung, um Bambusröhrchen hineinzustecken[16].
  • Glas- oder Plastikröhrchen: Hier kann die Feuchtigkeit nicht entweichen, die Brut verpilzt und stirbt ab.

Der vergessene Lebensraum: Bodennister fördern

So schön ein aufgestelltes Wildbienenhotel auch ist, es erreicht nur einen Bruchteil der Artenvielfalt. Etwa 75 Prozent aller heimischen Wildbienenarten nisten nicht in Hohlräumen über der Erde, sondern graben ihre Nester in den Boden[17]. Zu ihnen gehören die zahlreichen Sandbienen (Andrena), Furchenbienen (Halictus) und Schmalbienen (Lasioglossum).

In unseren Gärten haben diese Arten ein massives Problem: Englischer Rasen, Rindenmulch auf den Beeten und gepflasterte Wege bieten keine offenen Bodenstellen. Um Bodennister zu fördern, können Sie folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Offene Bodenstellen tolerieren: Lassen Sie an sonnigen, trockenen Stellen im Garten (z.B. an Wegrändern oder unter Dachüberständen) die Erde unbewachsen. Selbst leicht verdichtete Erde wird von einigen Arten bevorzugt[18].
  • Ein Sandarium anlegen: Heben Sie eine Grube von etwa 40 cm Tiefe aus und füllen Sie diese mit ungewaschenem, lehmhaltigem Sand (kein Spielsand oder gewaschener Bausand, da hier die Gänge sofort einbrechen würden). Die Fläche sollte mindestens einen Quadratmeter groß und vollsonnig sein. Dekorieren Sie die Fläche mit etwas Totholz und Steinen[19].
  • Trockenmauern bauen: Eine ohne Mörtel aufgeschichtete Natursteinmauer, deren Fugen mit Sand und lehmiger Erde gefüllt sind, bietet hervorragende Nistplätze und wärmt sich in der Sonne schnell auf[20].

Ohne Mampf kein Kampf: Das richtige Blütenangebot

Die beste Bienennisthilfe bleibt leer, wenn die Tiere in der Umgebung keine Nahrung finden. Wildbienen haben einen sehr kleinen Aktionsradius. Während Honigbienen bis zu drei Kilometer weit fliegen, suchen viele Wildbienen ihre Nahrung in einem Umkreis von nur 100 bis 300 Metern um ihr Nest[21]. Nistplatz und Nahrungsquelle müssen also eng beieinander liegen.

Bienen benötigen Nektar als "Flugbenzin" (Kohlenhydrate) für sich selbst und Pollen (Eiweiß) als Nahrung für ihre Larven. Die Anatomie der Bienen ist perfekt an das Sammeln angepasst. Sie nutzen spezielle Haarbürsten an den Hinterbeinen (Höschen), am Bauch (Bauchsammler wie die Mauerbienen) oder transportieren den Pollen im Kropf[22]. Interessant ist auch, dass Bienen ein anderes Farbspektrum wahrnehmen als wir Menschen. Sie sind rot-blind, können dafür aber ultraviolettes Licht (UV-Licht) sehen. Viele Blüten weisen spezielle "Farbmale" im UV-Bereich auf, die den Bienen wie Landebahnmarkierungen den Weg zum Nektar weisen[23].

Tipp: Gefüllte Blüten meiden!

Achten Sie beim Pflanzenkauf unbedingt darauf, ungefüllte Sorten zu wählen. Bei Zuchtformen mit "gefüllten Blüten" (wie bei vielen Rosen, Dahlien oder Astern) wurden die staubblatttragenden Organe züchterisch in Blütenblätter umgewandelt. Diese Blüten sehen zwar üppig aus, produzieren aber weder Pollen noch Nektar. Für Bienen sind sie völlig wertlos[24].

Wichtige Pflanzenfamilien für Wildbienen

Um eine möglichst große Artenvielfalt zu unterstützen, sollten Sie Pflanzen aus verschiedenen Familien anbieten, die vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst blühen:

  • Frühblüher und Gehölze: Weiden (besonders die Salweide) sind im zeitigen Frühjahr die wichtigste Überlebensquelle für früh fliegende Arten wie die Frühlings-Seidenbiene oder überwinternde Hummelköniginnen[25]. Auch Schlehe, Weißdorn, Obstbäume und Krokusse sind essenziell.
  • Glockenblumen (Campanulaceae): Ein absoluter Magnet für spezialisierte Arten wie die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi), die ihren Pollen ausschließlich hier sammelt[26].
  • Lippenblütler (Lamiaceae): Hierzu zählen viele Küchenkräuter wie Thymian, Salbei, Minze oder Zitronenmelisse. Lassen Sie diese Kräuter unbedingt zur Blüte kommen! Auch Taubnesseln und Ziest-Arten gehören dazu.
  • Korbblütler (Asteraceae): Wichtig für den Hoch- und Spätsommer. Färberkamille, Schafgarbe, Rainfarn, Flockenblumen und Disteln versorgen viele Arten, darunter Löcherbienen und Seidenbienen[27].
  • Spezialisten-Pflanzen: Der Natternkopf (Echium vulgare) ist die einzige Nahrungsquelle für die Natternkopf-Mauerbiene. Der Gilbweiderich (Lysimachia) wird von der Wald-Schenkelbiene angeflogen, die dort statt Nektar pflanzliche Öle für ihre Brut sammelt[28].

Gefahren im Garten minimieren

Selbst der schönste Naturgarten wird zur Falle, wenn dort Gifte eingesetzt werden. Verzichten Sie vollständig auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel (Pestizide) und Biozide. Besonders Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide sind hochgiftig für Bienen, stören ihre Orientierung und schwächen ihr Immunsystem[29]. Auch Breitbandherbizide wie Glyphosat vernichten rigoros alle Wildkräuter und entziehen den Insekten somit radikal die Nahrungsgrundlage[30].

Ein weiteres, oft unterschätztes Problem ist die nächtliche Gartenbeleuchtung. Künstliches Licht stört die Orientierung von nachtaktiven Insekten massiv. Sie umkreisen die Lampen bis zur völligen Erschöpfung oder werden leichte Beute für Fledermäuse und Spinnen. Reduzieren Sie Außenbeleuchtung auf das absolute Minimum, verwenden Sie Bewegungsmelder und achten Sie auf insektenfreundliche Leuchtmittel (warmweißes Licht mit geringem Blau- und UV-Anteil, geschlossene Gehäuse)[31].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wo ist der beste Standort für eine Bienennisthilfe?

Der Standort sollte vollsonnig, trocken und windgeschützt sein. Eine Ausrichtung nach Süden oder Südosten ist ideal, damit die Morgensonne die Nisthilfe schnell erwärmt. Die Larven benötigen die Wärme für ihre Entwicklung. Hängen Sie die Nisthilfe fest an (nicht frei baumelnd an einem Ast) und schützen Sie sie durch ein kleines Vordach vor Schlagregen[32].

Können Wildbienen gefährlich werden oder stechen?

Nein. Wildbienen sind extrem friedfertig. Da sie keinen Staat verteidigen müssen, greifen sie nicht an. Die Männchen besitzen ohnehin keinen Stachel. Die Weibchen haben zwar einen, dieser ist aber bei fast allen Arten so fein, dass er die menschliche Haut nicht durchdringen kann. Selbst wenn man eine Wildbiene versehentlich drückt und gestochen wird, ist der Schmerz kaum spürbar und es kommt zu keiner Schwellung[33]. Nisthilfen können daher problemlos auch auf Balkonen oder in der Nähe von Kinderspielplätzen aufgestellt werden.

Muss ich das Insektenhotel im Winter ins Haus holen?

Auf keinen Fall! Die Bienenlarven in den verschlossenen Röhrchen benötigen die winterliche Kälte für ihre natürliche Entwicklung (Diapause). Würden Sie die Nisthilfe in einen beheizten Raum stellen, würden die Bienen mitten im Winter schlüpfen und mangels Nahrung jämmerlich verhungern. Lassen Sie die Nisthilfe das ganze Jahr über draußen am selben Platz hängen.

Wie und wann reinige ich die Nisthilfe?

Eine gut gebaute Nisthilfe aus Hartholz muss in der Regel nicht gereinigt werden. Die schlüpfenden Bienen räumen den Gang selbst frei, oder nachfolgende Generationen putzen die Röhre vor dem erneuten Bezug. Lediglich markhaltige Stängel oder hohle Schilfhalme sollten nach etwa 2 bis 3 Jahren ausgetauscht werden, wenn sie anfangen zu zerfasern oder stark von Parasiten befallen sind[34]. Tauschen Sie diese aber erst im Frühsommer aus, wenn Sie sicher sind, dass alle Bienen geschlüpft sind.

Vögel picken die Röhrchen auf – was tun?

Spechte und Meisen haben schnell herausgefunden, dass sich hinter den Lehmverschlüssen nahrhafte Bienenlarven verbergen. Wenn Sie feststellen, dass Vögel die Verschlüsse aufhacken oder Schilfhalme herausziehen, spannen Sie ein Drahtgeflecht (Maschenweite ca. 2 bis 3 cm) in einem Abstand von etwa 5 bis 10 cm vor die Nisthilfe. Die Bienen können problemlos hindurchfliegen, aber die Vogelschnäbel erreichen die Röhrchen nicht mehr[35].

Warum sind einige Röhrchen mit Lehm, andere mit Harz verschlossen?

Das liegt an den unterschiedlichen Bienenarten. Die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) verschließt ihr Nest mit feuchter Erde oder Lehm. Die Blattschneiderbiene (Megachile) nutzt passgenau ausgeschnittene Blattstücke. Die Kleine Harzbiene (Anthidiellum strigatum) baut ihre Zellen aus Baumharz[36]. Anhand des Verschlussmaterials können Sie also oft schon erkennen, wer in Ihr Hotel eingezogen ist.

Fazit

Der Schutz unserer heimischen Wildbienen ist eine Aufgabe, bei der jeder Einzelne direkt vor der eigenen Haustür aktiv werden kann. Eine fachgerecht gebaute Bienennisthilfe aus Hartholz, kombiniert mit offenen Bodenstellen und einer Vielfalt an heimischen, ungefüllten Blütenpflanzen, verwandelt selbst kleine Gärten oder Balkone in wertvolle Biotope. Verzichten Sie auf Pestizide, lassen Sie auch mal "Unkraut" stehen und beobachten Sie das faszinierende Treiben der friedfertigen Wildbienen. Jeder Quadratmeter naturnaher Garten zählt und ist ein aktiver Beitrag gegen das Insektensterben. Fangen Sie noch heute an – die Bienen werden es Ihnen mit reicher Obsternte und einem lebendigen Garten danken!

Quellen und Referenzen

  1. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), "Aktionsprogramm Insektenschutz", S. 7 (Verweis auf die Krefelder Studie: Hallmann et al. 2017).
  2. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 5.
  3. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), "Aktionsprogramm Insektenschutz", S. 6-7.
  4. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), "Aktionsprogramm Insektenschutz", S. 41.
  5. Dr. Martin Schwarz, "Bienen – eine interessante und vielfältige Tiergruppe mit großer Bedeutung", ÖKO·L 38/2 (2016), S. 4.
  6. Thomas Radetzki, "Die Krise der Bienenhaltung - ein Symptom unfruchtbarer Konzepte", S. 9.
  7. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 7.
  8. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 8.
  9. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 6.
  10. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 14.
  11. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 20.
  12. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 20.
  13. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 21.
  14. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 15.
  15. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 22.
  16. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 22.
  17. Dr. Martin Schwarz, "Bienen – eine interessante und vielfältige Tiergruppe mit großer Bedeutung", ÖKO·L 38/2 (2016), S. 7.
  18. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 15.
  19. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 15.
  20. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 16.
  21. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 13.
  22. Richard Odemer, "Funktionelle Anatomie der Honigbiene", Universität Hohenheim, Folie 14.
  23. Richard Odemer, "Funktionelle Anatomie der Honigbiene", Universität Hohenheim, Folie 26-27.
  24. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 22.
  25. Dr. Martin Schwarz, "Bienen – eine interessante und vielfältige Tiergruppe mit großer Bedeutung", ÖKO·L 38/2 (2016), S. 7.
  26. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 27.
  27. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 26.
  28. Dr. Martin Schwarz, "Bienen – eine interessante und vielfältige Tiergruppe mit großer Bedeutung", ÖKO·L 38/2 (2016), S. 5.
  29. Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL), "Neonicotinoide - ein Risiko für Bienen".
  30. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), "Aktionsprogramm Insektenschutz", S. 33.
  31. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), "Aktionsprogramm Insektenschutz", S. 42-44.
  32. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 22.
  33. Dr. Martin Schwarz, "Bienen – eine interessante und vielfältige Tiergruppe mit großer Bedeutung", ÖKO·L 38/2 (2016), S. 10.
  34. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 23.
  35. Deutsche Wildtier Stiftung, "Wildbienen SCHÜTZEN UND FÖRDERN IM KLEINGARTEN", S. 23.
  36. Dr. Martin Schwarz, "Bienen – eine interessante und vielfältige Tiergruppe mit großer Bedeutung", ÖKO·L 38/2 (2016), S. 8.

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