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Schimmelpilz im Blut nachweisbar: Diagnostik
April 13, 2026 Philipp Silbernagel

Schimmelpilz im Blut nachweisbar: Diagnostik

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Viele Menschen leiden unter unspezifischen Symptomen wie ständiger Müdigkeit, Kopfschmerzen, Atemwegsbeschwerden oder wiederkehrenden Infekten und vermuten Schimmelpilze in ihrer Wohnumgebung als Ursache. Die Angst vor den unsichtbaren Sporen und deren Stoffwechselprodukten ist groß, und oft stellt sich die Frage: Kann man eine Belastung durch Schimmelpilze eigentlich direkt im Blut nachweisen? Die Antwort ist komplex, denn während bestimmte Reaktionen des Immunsystems durchaus messbar sind, gibt es keinen einfachen "Schimmel-Indikator", der pauschal eine Vergiftung anzeigt. In diesem Artikel beleuchten wir die medizinischen Möglichkeiten der Diagnostik, unterscheiden zwischen Allergie und Infektion und erklären, warum die Untersuchung der Wohnung oft wichtiger ist als die des Blutes.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Antikörper-Nachweis: Im Blut können IgE-Antikörper (Allergie) und IgG-Antikörper (Exposition) bestimmt werden.
  • Kein direkter Toxin-Test: Mykotoxine lassen sich im Routine-Labor nur sehr schwer direkt im Blut nachweisen.
  • Differenzierung ist wichtig: Ein positiver IgG-Test bedeutet oft nur, dass Kontakt bestand, nicht zwingend eine akute Krankheit.
  • Gefährliche Infektionen: Systemische Pilzinfektionen (Mykosen) sind meist nur bei stark immungeschwächten Personen relevant.
  • Ursachenbekämpfung: Die Sanierung der Wohnung und Beseitigung der Feuchtigkeit hat oberste Priorität.

Gesundheitliche Auswirkungen von Schimmelpilzen

Schimmelpilze sind ein natürlicher Bestandteil unserer Umwelt. Problematisch wird es jedoch, wenn die Konzentration in Innenräumen deutlich über der Außenluft liegt. Laut dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg können von Schimmelpilzen verschiedene gesundheitliche Wirkungen ausgehen: allergene Wirkungen, toxische Effekte, infektiöse Wirkungen und Geruchsbelästigungen[1]. Um zu verstehen, was im Blut gemessen werden kann, muss man verstehen, wie der Körper reagiert.

1. Allergische Reaktionen (Typ I)

Die häufigste gesundheitliche Auswirkung ist die Allergie. Hierbei bildet das Immunsystem spezifische Antikörper gegen die Eiweißbestandteile der Pilzsporen. Dies betrifft vor allem Personen mit einer sogenannten Atopie, also einer genetischen Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen. Symptome sind oft Schnupfen, Augenreizungen oder Asthma. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 5 % der Bevölkerung in Deutschland eine Sensibilisierung gegen Schimmelpilze aufweisen[1].

2. Toxische Wirkungen (Mykotoxine)

Manche Schimmelpilze produzieren Stoffwechselprodukte, die für den Menschen giftig sein können, die sogenannten Mykotoxine (z. B. Aflatoxine oder Ochratoxine). Die Ausprägung toxischer Wirkungen hängt stark von der Pilzart (Spezies) und der aufgenommenen Menge ab. In Innenräumen ist eine akut toxische Wirkung durch Einatmen selten, aber bei massiv befallenen Materialien möglich[1]. Besonders der Pilz Stachybotrys chartarum wird hier oft kritisch betrachtet.

3. Infektionen (Mykosen)

Eine echte Infektion, bei der der Pilz im menschlichen Gewebe wächst, ist für gesunde Menschen sehr unwahrscheinlich. Betroffen sind hier fast ausschließlich Personen mit stark geschwächtem Immunsystem (z. B. nach Organtransplantationen oder Chemotherapie). Der Pilz Aspergillus fumigatus gilt hier als wichtigster Erreger und ist in die Risikogruppe 2 nach der Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA 460) eingestuft[2].

Wichtig zu wissen

Nicht jeder Kontakt mit Schimmel macht krank. Der Mensch verfügt über eine hohe natürliche Resistenz gegenüber den meisten Schimmelpilzen aus der Umwelt. Kritisch wird es bei dauerhaft hoher Exposition in Innenräumen.

Diagnoseverfahren: Was das Blut verrät

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Schimmel Ihre Gesundheit beeinträchtigt, ist der Gang zum Arzt der erste Schritt. Doch welche Laborwerte sind aussagekräftig?

IgE-Antikörper (Allergie-Nachweis)

Bei Verdacht auf eine Schimmelpilzallergie (Typ I) ist der Nachweis von spezifischen IgE-Antikörpern im Blut (z. B. mittels RAST- oder EAST-Test) das Mittel der Wahl. Ein positiver Test zeigt an, dass eine Sensibilisierung vorliegt. Das bedeutet, das Immunsystem hat den Schimmel als "Feind" erkannt. Allerdings bedeutet eine Sensibilisierung nicht automatisch, dass auch Symptome auftreten müssen. Die klinische Relevanz muss immer im Zusammenhang mit den Beschwerden beurteilt werden[1].

IgG-Antikörper (Expositions-Nachweis)

Häufig werden auch IgG-Antikörper bestimmt. Hier ist Vorsicht bei der Interpretation geboten. IgG-Antikörper zeigen oft lediglich an, dass sich der Körper mit dem Schimmelpilz auseinandergesetzt hat (Exposition). Sie sind oft eher als "Expositionsparameter" denn als Indikator für eine klinisch relevante Allergie oder Krankheit zu werten[1]. Hohe IgG-Werte finden sich oft auch bei gesunden Menschen, die viel Kontakt mit organischen Materialien haben (z. B. Gärtner). Nur bei sehr hohen Werten und entsprechenden Symptomen (wie bei der Exogen-Allergischen Alveolitis, EAA) haben sie Krankheitswert.

LTT (Lymphozytentransformationstest)

Einige Labore bieten den LTT an, um eine systemische Belastung nachzuweisen. Dieses Verfahren ist in der Schulmedizin für die Schimmelpilzdiagnostik jedoch umstritten und wird von vielen Fachgesellschaften und dem Robert Koch-Institut für diese Fragestellung nicht standardmäßig empfohlen, da die Aussagekraft oft unsicher ist.

Mykotoxine im Blut

Ein direkter Nachweis von Mykotoxinen (Pilzgiften) im Blut ist technisch sehr aufwendig und gehört nicht zur Routine-Diagnostik. Es gibt zwar Verfahren, diese sind aber meist der Forschung oder sehr spezialisierten Zentren vorbehalten. Zudem ist die Interpretation schwierig, da wir Mykotoxine in geringen Mengen auch über die Nahrung (z. B. Getreide, Nüsse) aufnehmen. Ein Nachweis im Blut beweist also nicht zwingend, dass die Quelle der Schimmel an der Wand ist.

Die Rolle der Innenraum-Diagnostik

Da die Blutwerte oft nicht eindeutig sind oder "nur" eine Sensibilisierung zeigen, ist der Nachweis der Quelle im Innenraum entscheidend. Wenn Sie Symptome haben, aber keine sichtbaren Flecken sehen, kann ein verdeckter Schaden vorliegen. Hier helfen professionelle Raumluftanalysen oder Materialproben.

Methoden zum Nachweis in der Wohnung

  • Materialproben: Untersuchung von Tapeten oder Putz auf kultivierbare Pilze. Wichtig für die Bestimmung der Art[1].
  • Luftkeimsammlung: Hierbei wird Luft auf einen Nährboden gesaugt. Dies ermöglicht die Bestimmung der lebenden Sporen in der Luft.
  • Partikelsammlung: Erfasst auch tote Sporen, was wichtig ist, da auch abgetötete Pilze noch allergen wirken können[1].
  • MVOC-Messung: Messung von flüchtigen organischen Verbindungen (Microbial Volatile Organic Compounds), die den typischen modrigen Geruch verursachen. Dies kann Hinweise auf verdeckte Schäden geben[1].

Praxis-Tipp: Sedimentationsplatten

Für eine erste Orientierung zu Hause werden oft Sedimentationsplatten ("Open Petri Dish") angeboten. Das Umweltbundesamt weist jedoch darauf hin, dass hiermit keine reproduzierbaren quantitativen Ergebnisse erzielt werden können und diese Methode für professionelle Gutachten nicht empfohlen wird, da die Luftbewegung das Ergebnis zu stark beeinflusst. Für einen ersten groben Verdacht können sie dienen, ersetzen aber keine Profi-Analyse[1].

Ursachen und Prävention: Warum wächst der Pilz?

Um Gesundheitsschäden zu vermeiden, muss die Ursache beseitigt werden. Schimmel benötigt zum Wachsen vor allem Feuchtigkeit. Die WTA (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege) beschreibt die Wachstumsbedingungen sehr genau.

Feuchtigkeit ist der Schlüsselfaktor

Entscheidend ist die sogenannte Wasseraktivität (aw-Wert) an der Oberfläche des Materials. Schon ab einer relativen Luftfeuchte von 70 % an der Bauteiloberfläche kann Schimmelwachstum beginnen, für fast alle Arten sind 80 % ausreichend[3]. Dies geschieht oft an Wärmebrücken (kalten Ecken), wo die Luft abkühlt und die relative Feuchte ansteigt.

Temperatur und Nährboden

Schimmelpilze sind sehr anpassungsfähig. Sie wachsen in einem Temperaturbereich von ca. 0°C bis 50°C, wobei das Optimum für viele Arten bei etwa 30°C liegt[3]. Als Nährboden (Substrat) reichen bereits kleinste organische Verunreinigungen wie Hausstaub, Hautschuppen oder Tapetenkleister aus. Selbst auf Beton kann Schimmel wachsen, wenn dieser verschmutzt ist[3].

Isoplethensysteme zur Vorhersage

In der Bauphysik werden sogenannte Isoplethensysteme verwendet, um das Schimmelrisiko vorherzusagen. Diese Diagramme zeigen an, bei welcher Kombination aus Temperatur und Feuchte über welchen Zeitraum ein Wachstum stattfindet. Es wird unterschieden zwischen Substratgruppe I (biologisch gut verwertbar, z.B. Tapete) und Substratgruppe II (schlecht verwertbar, z.B. Putz). Auf Tapeten wächst Schimmel deutlich schneller[3].

Sanierung und Handlungsempfehlungen

Wurde Schimmel entdeckt, muss gehandelt werden. Die reine Abtötung (z. B. mit Fungiziden) reicht nicht aus, da auch tote Sporen Allergien auslösen können. Das befallene Material muss entfernt oder fachgerecht gereinigt werden[1].

  • Kleine Schäden (< 0,5 m²): Können oft selbst saniert werden (Schutzmaske und Handschuhe tragen!). Glatte Flächen mit Haushaltsreiniger abwaschen, poröse Materialien entfernen. Alkohol (70-80%) eignet sich zur Desinfektion[1].
  • Große Schäden: Gehören in die Hände von Fachfirmen. Hier müssen Bereiche abgeschottet werden, um die Sporenverteilung in der Wohnung zu verhindern.
  • Arbeitsschutz: Bei der Sanierung werden massiv Sporen freigesetzt. Allergiker und immungeschwächte Personen sollten diese Arbeiten niemals selbst durchführen und sich währenddessen nicht in den Räumen aufhalten[1].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Kann ich anhand eines Bluttests beweisen, dass meine Wohnung verschimmelt ist?

Nein, nicht direkt. Ein Bluttest (IgE oder IgG) zeigt nur, dass Ihr Körper Kontakt mit Schimmel hatte oder allergisch reagiert. Da Schimmelsporen überall in der Außenluft vorkommen, ist dies kein Beweis für eine Belastung in der Wohnung. Nur der Vergleich von Innenraum- und Außenluftproben durch einen Sachverständigen liefert diesen Beweis.

2. Welcher Arzt ist der richtige Ansprechpartner?

Bei Verdacht auf gesundheitliche Probleme durch Schimmel sollten Sie einen Umweltmediziner, Allergologen oder Pneumologen (Lungenfacharzt) aufsuchen. Diese können spezifische Tests durchführen und die Ergebnisse im Kontext interpretieren.

3. Ist jeder Schimmelpilz gefährlich?

Nein. Es gibt Risikogruppen. Pilze der Risikogruppe 1 sind für gesunde Menschen meist harmlos. Pilze der Risikogruppe 2 (z. B. Aspergillus fumigatus) können bei Vorerkrankungen Infektionen auslösen[2]. Generell gilt jedoch ein Minimierungsgebot: Schimmelwachstum gehört aus hygienischen Gründen nicht in den Innenraum.

4. Helfen Luftreiniger gegen Schimmel?

Luftreiniger mit HEPA-Filtern können die Sporenlast in der Luft reduzieren und Symptome lindern. Sie beseitigen aber nicht die Ursache (Feuchtigkeit) und nicht den Schimmel, der auf der Wand wächst. Sie sind eine ergänzende Maßnahme, keine Sanierung.

5. Was bedeutet der aw-Wert?

Der aw-Wert (Wasseraktivität) ist ein Maß für das frei verfügbare Wasser in einem Material. Schimmelpilze benötigen kein flüssiges Wasser, sondern eine hohe Luftfeuchtigkeit an der Oberfläche. Ab einem aw-Wert von 0,8 (entspricht 80 % relativer Feuchte an der Wand) wachsen fast alle Schimmelpilze[3].

6. Kann Schimmel Krebs verursachen?

Einige Schimmelpilze produzieren Mykotoxine wie Aflatoxine, die als krebserregend gelten. Diese Aufnahme erfolgt jedoch meist über die Nahrung. Eine krebserzeugende Wirkung allein durch das Einatmen von Sporen in normalen Wohnsituationen ist wissenschaftlich schwer zu belegen, wird aber bei sehr hohen Belastungen am Arbeitsplatz diskutiert[1].

Fazit

Die Frage "Ist Schimmelpilz im Blut nachweisbar?" lässt sich mit einem "Ja, aber..." beantworten. Allergische Reaktionen (IgE) sind gut messbar, sagen aber nichts über die Quelle aus. Antikörper, die eine Exposition anzeigen (IgG), werden oft überbewertet und bedeuten nicht zwangsläufig eine Krankheit. Echte Vergiftungen oder systemische Infektionen sind selten und betreffen meist Risikogruppen.

Viel wichtiger als die reine Blutdiagnostik ist die Detektion und Beseitigung der Ursache im Wohnraum. Wenn Sie Schimmel entdecken oder vermuten, handeln Sie: Messen Sie Temperatur und Luftfeuchte, suchen Sie nach Feuchtequellen und ziehen Sie bei größeren Schäden Fachleute hinzu. Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken.

Quellen und Referenzen

  1. Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg: Schimmelpilze in Innenräumen – Nachweis, Bewertung, Qualitätsmanagement, Stuttgart, 2004 (Kapitel 3.3, 6, 8).
  2. Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 460: Einstufung von Pilzen in Risikogruppen, Ausgabe Juli 2016 (Kapitel 2, 3).
  3. WTA-Merkblatt E-6-3: Rechnerische Prognose des Schimmelpilzwachstumsrisikos, Ausgabe 12.2023/D (Kapitel 3.2, 5).

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