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Schimmelpilzkonzentration in der Luft messen
Januar 17, 2026 Philipp Silbernagel

Schimmelpilzkonzentration in der Luft messen

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Schimmelpilzkonzentration in der Luft ist ein Thema, das oft erst dann Beachtung findet, wenn der muffige Geruch bereits in der Nase sticht oder schwarze Flecken an der Wand sichtbar werden. Dabei sind Schimmelpilzsporen ein natürlicher Bestandteil unserer Atemluft. Problematisch wird es jedoch, wenn die Konzentration in Innenräumen das natürliche Maß der Außenluft übersteigt oder spezifische, gesundheitsgefährdende Arten auftreten. Die unsichtbare Gefahr in der Raumluft kann von allergischen Reaktionen bis hin zu schweren Infektionen führen, weshalb eine fundierte Einschätzung der Belastung essenziell ist. In diesem Artikel erfahren Sie, basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Standards und Richtlinien, wie Schimmelpilzkonzentrationen bewertet werden, welche biologischen und physikalischen Faktoren eine Rolle spielen und wie Sie Messergebnisse richtig interpretieren.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Natürliches Vorkommen: Schimmelpilze sind ubiquitär, d.h. überall vorhanden. Eine "schimmelfreie" Luft gibt es nicht, entscheidend ist das Verhältnis von Innenraum- zu Außenluftkonzentration.
  • Gesundheitsrisiko: Je nach Art und Konzentration können Schimmelpilze Allergien, toxische Wirkungen oder Infektionen auslösen. Besonders gefährdet sind immungeschwächte Personen.
  • Wachstumsfaktoren: Feuchtigkeit, Temperatur und das Nährstoffangebot des Substrats (z.B. Tapete, Holz) bestimmen das Wachstum.
  • Indikatororganismen: Bestimmte Pilzarten (z.B. Stachybotrys chartarum) weisen stark auf Feuchteschäden hin und sind im Innenraum nicht tolerierbar.
  • Messmethoden: Zur Bestimmung der Konzentration gibt es verschiedene Verfahren (Luftkeimsammlung, Partikelauswertung, Sedimentation), die je nach Fragestellung eingesetzt werden.
  • Rechtliche Folgen: Erhebliche Schimmelbelastungen können Mietminderungen rechtfertigen, sofern der Mieter nicht durch falsches Lüftungsverhalten verantwortlich ist.

Biologische Grundlagen: Was schwirrt da eigentlich in der Luft?

Schimmelpilze, fachsprachlich oft Fadenpilze genannt, gehören zu den eukaryotischen Mikroorganismen. Sie wachsen in Form von fadenförmigen Zellsträngen, den sogenannten Hyphen, die in ihrer Gesamtheit das Myzel bilden. Für die Verbreitung und Vermehrung bilden diese Pilze Sporen oder Konidien, die mikroskopisch klein sind und über die Luft transportiert werden[1].

Der Lebenszyklus eines Schimmelpilzes lässt sich in drei Phasen unterteilen: Sporenkeimung, vegetatives Myzelwachstum und Sporulation (Bildung neuer Sporen). Interessant für die Bewertung der Luftqualität ist vor allem die Sporulation. Verschlechtern sich die Lebensbedingungen für den Pilz (z.B. durch Austrocknung), tritt die Sporenbildung oft verstärkt auf – eine Überlebensstrategie, um neue Standorte zu besiedeln[1]. Das bedeutet für Sie: Auch ein scheinbar trockener Schimmelfleck kann massiv Sporen an die Raumluft abgeben.

Klassifizierung nach Risikogruppen

Nicht alle Schimmelpilze sind gleichermaßen gefährlich. Die Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA 460) klassifizieren Pilze in Risikogruppen (RG), was für die Bewertung der Luftqualität entscheidend ist:

  • Risikogruppe 1: Pilze, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sie beim Menschen eine Krankheit verursachen (z.B. viele Penicillium-Arten in geringer Konzentration).
  • Risikogruppe 2: Pilze, die eine Krankheit verursachen können und eine Gefahr für Beschäftigte darstellen könnten; eine Verbreitung in der Bevölkerung ist unwahrscheinlich, und es gibt wirksame Vorbeugung oder Behandlung (z.B. Aspergillus fumigatus).
  • Risikogruppe 3 & 4: Ernste Gefahren, die jedoch bei typischen Schimmelpilzen in Wohnräumen (außer in Extremfällen bei Importen) selten sind[2].

Für die Einstufung ist das Infektionsrisiko für gesunde Beschäftigte maßgebend. Allerdings können auch Pilze der Risikogruppe 1 sensibilisierende (allergene) Wirkungen haben, die in der Risikogruppeneinstufung separat betrachtet werden müssen[2].

Gesundheitliche Auswirkungen hoher Schimmelpilzkonzentrationen

Die gesundheitlichen Effekte von Schimmelpilzen in Innenräumen werden oft unterschätzt oder pauschalisiert. Wissenschaftlich lassen sich drei Hauptwirkungsweisen unterscheiden: Allergien, Toxizität und Infektionen.

Allergene Wirkung

Grundsätzlich sind alle Schimmelpilze geeignet, Allergien hervorzurufen. Bei sensibilisierten Personen (Atopikern) können bereits geringe Konzentrationen zu Symptomen führen. Zu den häufigsten Reaktionen gehören allergischer Schnupfen, Bindehautentzündungen und allergisches Asthma (Typ I-Allergie). Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 5% der Bevölkerung in Deutschland eine Sensibilisierung gegen Schimmelpilze aufweisen[3]. Wichtig zu wissen: Auch abgestorbene Sporen können noch allergen wirken.

Toxische Wirkung (Mykotoxine & MVOC)

Manche Schimmelpilze produzieren Stoffwechselprodukte, die giftig wirken können (Mykotoxine). Bekannte Beispiele sind Aflatoxine (von Aspergillus flavus) oder Ochratoxine. Diese Stoffe sind an die Sporen gebunden und können eingeatmet werden. Ein weiteres Phänomen sind MVOCs (Microbial Volatile Organic Compounds) – das sind flüchtige organische Verbindungen, die den typischen muffigen "Kellergeruch" verursachen. Diese Gase können Kopfschmerzen, Müdigkeit und Reizungen der Schleimhäute auslösen[3].

Warnung: Stachybotrys chartarum

Besondere Vorsicht ist beim "Schwarzen Schimmel" Stachybotrys chartarum geboten. Er produziert Satratoxine, die starke gesundheitliche Beschwerden verursachen können. Da seine Sporen in einer schleimigen Matrix kleben, gelangen sie schwerer in die Luft als andere Sporen. Findet man sie dennoch in der Raumluftmessung, deutet dies oft auf einen massiven Befall hin[3].

Infektionsgefahr

Systemische Infektionen durch Schimmelpilze (Mykosen) sind bei gesunden Menschen sehr selten. Ein hohes Risiko besteht jedoch für immungeschwächte Personen (z.B. nach Organtransplantationen oder bei AIDS). Hier kann insbesondere Aspergillus fumigatus schwere Lungeninfektionen (Aspergillose) verursachen[3].

Wachstumsbedingungen: Warum Schimmel entsteht

Damit Schimmelpilze wachsen und Sporen an die Luft abgeben können, benötigen sie drei Hauptfaktoren: Feuchtigkeit, Temperatur und Nährstoffe.

Feuchte und Wasseraktivität

Das entscheidende Kriterium ist die dem Pilz zur Verfügung stehende Feuchte, ausgedrückt als Wasseraktivität ($a_w$-Wert). Schimmelpilze können bereits ab einer relativen Luftfeuchte von 70% ($a_w$ 0,7) wachsen, wobei das Optimum meist bei 90-95% liegt. Xerophile (trockenliebende) Pilze wie Aspergillus restrictus wachsen sogar schon bei 65% relativer Feuchte[1].

Temperatur und Substrat

Der optimale Temperaturbereich für die meisten Schimmelpilze in Innenräumen liegt bei ca. 30°C, aber Wachstum ist in einem weiten Bereich von 0°C bis 50°C möglich[1]. Das Substrat spielt ebenfalls eine große Rolle. Auf biologisch gut verwertbaren Substraten (Substratgruppe I) wie Tapeten, Gipskarton oder verschmutzten Oberflächen wachsen Pilze deutlich schneller als auf mineralischen Untergründen (Substratgruppe II) wie reinem Beton oder Ziegel[1].

Messung und Bewertung der Schimmelpilzkonzentration

Wie findet man nun heraus, ob die Luft belastet ist? Es gibt keine gesetzlich verbindlichen Grenzwerte für Schimmelpilzsporen in Innenräumen in Deutschland. Die Bewertung erfolgt daher immer im Vergleich zur Außenluftkonzentration.

Der Vergleich: Innenluft vs. Außenluft

Als "Goldstandard" gilt: Die Konzentration in der Innenraumluft sollte quantitativ nicht höher sein als in der Außenluft, und die Artenzusammensetzung sollte ähnlich sein. Finden sich innen deutlich mehr Sporen oder völlig andere Arten (sogenannte Innenraumquellen-Indikatoren) als draußen, liegt ein Verdacht auf einen Schimmelschaden vor[3].

Messmethoden im Überblick

Zur Erfassung der Belastung werden verschiedene Methoden eingesetzt, die jeweils Vor- und Nachteile haben:

  1. Luftkeimsammlung (Aktiv): Hierbei wird ein definiertes Luftvolumen auf einen Nährboden gesaugt. Dies ist die Standardmethode für Gutachten, da sie die Identifizierung der Arten ermöglicht. Nachteil: Nur lebende (kultivierbare) Sporen werden erfasst[3].
  2. Partikelsammlung (Aktiv): Luft wird auf einen beschichteten Objektträger gesaugt und mikroskopiert. Vorteil: Auch tote Sporen werden gezählt (wichtig nach Sanierungen). Nachteil: Die Artbestimmung ist oft nicht möglich (z.B. Unterscheidung Aspergillus/Penicillium)[3].
  3. Sedimentationsverfahren (Passiv): Hierbei werden offene Nährbodenschalen (Petrischalen) für eine gewisse Zeit (z.B. 1-2 Stunden) im Raum aufgestellt. Sporen sinken durch Schwerkraft herab.
    Bewertung: Diese Methode wird vom Umweltbundesamt für quantitative Aussagen kritisch gesehen, da das Ergebnis stark von der Luftbewegung und der Partikelgröße abhängt (kleine Sporen sedimentieren schlecht)[3]. Dennoch bieten solche Tests für Privatanwender eine kostengünstige Möglichkeit zur ersten Orientierung, um grobe Auffälligkeiten im Vergleich zur Außenluft festzustellen.

Bewertungshilfen (KBE/m³)

Experten nutzen zur Bewertung oft Tabellen, die Hintergrundwerte definieren. Ein Beispiel aus der Praxis (LGA Baden-Württemberg):

  • Hintergrundbelastung: Konzentrationen, die als normal gelten (z.B. Aspergillus fumigatus < 10-40 KBE/m³ in der Außenluft im Winter/Sommer)[3].
  • Innenraumquelle wahrscheinlich: Wenn die Konzentration einer bestimmten Art im Innenraum deutlich (z.B. > 50-100 KBE/m³ über Außenluft) erhöht ist.

Praxis-Tipp: Indikatororganismen

Achten Sie bei Laborergebnissen auf sogenannte "Feuchteindikatoren". Das sind Pilze, die fast ausschließlich bei Feuchteschäden auftreten. Dazu gehören laut LGA-Bericht:

  • Stachybotrys chartarum
  • Chaetomium spp.
  • Acremonium spp.
  • Aspergillus versicolor

Der Nachweis dieser Arten im Innenraum ist ein starkes Indiz für einen verdeckten oder offenen Feuchteschaden[3].

Rechtliche Aspekte: Mietminderung bei Schimmel

Eine hohe Schimmelpilzkonzentration in der Luft ist nicht nur ein gesundheitliches, sondern oft auch ein rechtliches Problem zwischen Mietern und Vermietern. Die Rechtsprechung ist hier einzelfallabhängig, aber es gibt Orientierungswerte für Mietminderungen bei Schimmelbefall:

  • 100% Minderung: Bei erheblicher gesundheitlicher Gefährdung (z.B. toxische Sporen, Erkrankung der Bewohner) kann die Miete komplett gemindert werden (AG Charlottenburg, Az.: 203 C 607/06)[4].
  • 80% Minderung: Bei erheblicher Durchfeuchtung und Schimmelbefall in Küche, Wohn- und Schlafzimmer (LG Berlin, GE 1991, 625)[4].
  • 50% Minderung: Bei massivem Schimmelbefall im Wohnzimmer, inklusive erheblicher Belastung der Raumluft (LG Hamburg, Az.: 307 S 144/07)[4].
  • 10-20% Minderung: Bei Schimmelbefall in einzelnen Räumen oder Ecken, oft auch bei Mitverschulden des Mieters (LG Hannover, LG Osnabrück)[4].

Wichtig: Eine Mietminderung setzt voraus, dass der Mangel dem Vermieter gemeldet wurde und nicht allein durch falsches Wohnverhalten (z.B. mangelndes Lüften bei neuen, dichten Fenstern) verursacht wurde[4].

Handlungsempfehlungen und Sanierung

Wurde eine erhöhte Schimmelpilzkonzentration festgestellt, gilt das Minimierungsgebot: Schimmelpilzquellen im Innenraum sind aus Vorsorgegründen zu beseitigen[3].

Sofortmaßnahmen

Bei kleineren Schäden (unter 0,5 m²) können betroffene glatte Flächen mit Haushaltsreinigern oder 80%igem Alkohol gereinigt werden. Poröse Materialien (Tapeten, Gipskarton) müssen entfernt werden, da das Myzel tief eindringt. Tragen Sie dabei immer Schutzkleidung (Maske, Handschuhe, Brille)[3].

Professionelle Sanierung

Bei größeren Schäden oder Befall durch Risikogruppe 2/3 Pilze (z.B. Stachybotrys) muss eine Fachfirma beauftragt werden. Wichtig ist hierbei die Abschottung des Arbeitsbereichs, um eine Verteilung der Sporen in der ganzen Wohnung zu verhindern (Schwarz-Weiß-Trennung)[3].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ab wann ist Schimmel in der Luft gefährlich?

Es gibt keinen festen Grenzwert. Gefährlich wird es, wenn die Innenraumkonzentration dauerhaft über der Außenluft liegt oder pathogene Arten (z.B. Aspergillus fumigatus) nachgewiesen werden. Für Allergiker können bereits geringe Mengen ausreichen.

Kann ich Schimmel selbst messen?

Ja, für eine erste Orientierung eignen sich Sedimentationstests (Nährbodenplatten). Sie zeigen, ob lebensfähige Sporen vorhanden sind. Für eine exakte quantitative Analyse (z.B. für Gutachten) sind jedoch aktive Luftkeimsammlungen durch Fachleute nötig[3].

Hilft Lüften gegen Schimmelsporen?

Ja, regelmäßiges Stoßlüften senkt die Luftfeuchtigkeit und transportiert Sporen nach draußen. Aber Vorsicht: Im Sommer kann bei falschem Lüften (warme Luft in kühlen Keller) Kondensfeuchte entstehen, die Schimmel erst fördert[1].

Was sind MVOC?

MVOC (Microbial Volatile Organic Compounds) sind flüchtige organische Verbindungen, die von Schimmelpilzen produziert werden. Sie sind für den muffigen Geruch verantwortlich und können als Indikator für verdeckte Schimmelschäden dienen[3].

Muss ich bei Schimmel immer sanieren?

Ja. Aus hygienischer Sicht ist Schimmelwachstum im Innenraum nicht zu tolerieren. Die Ursache (Feuchtigkeit) muss gefunden und behoben werden, sonst kommt der Schimmel wieder

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