Ein leises Rascheln im Kleiderschrank, kleine unregelmäßige Löcher im Lieblingsteppich oder winzige, behaarte Larven in der Vorratskammer – wer diese Anzeichen bemerkt, hat es oft mit einem der hartnäckigsten Material- und Hygieneschädlinge zu tun: dem Speckkäfer. Die Familie der Speckkäfer (Dermestidae) umfasst weltweit eine enorme Vielfalt an Arten, die sich im Laufe der Evolution perfekt an die Verwertung von schwer verdaulichen tierischen Proteinen wie Keratin angepasst haben. Was in der freien Natur eine unverzichtbare Rolle bei der Beseitigung von Tierkadavern spielt, wird in unseren Wohnungen, Museen und Lebensmittelbetrieben schnell zu einem teuren und unhygienischen Problem. Um einen Befall effektiv zu bekämpfen, ist es entscheidend, die genaue Art zu identifizieren, da sich Lebensweise, Nahrungspräferenzen und Verstecke je nach Gattung stark unterscheiden können.
\n\nDas Wichtigste auf einen Blick
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- Artenvielfalt: Weltweit gibt es bis zu 2.000 Speckkäfer-Arten. In Haushalten treten vor allem der Gemeine Speckkäfer, Teppichkäfer, Pelzkäfer und Kabinettkäfer auf. \n
- Schadpotenzial: Die eigentlichen Schäden (Lochfraß an Textilien, Fellen, Leder und Vorräten) werden fast ausschließlich von den Larven verursacht. \n
- Gesundheitsrisiko: Die feinen Pfeilhaare der Larven können bei Hautkontakt oder Einatmung allergische Reaktionen, Dermatitis und Atemwegsbeschwerden auslösen. \n
- Nahrungswechsel: Während die Larven tierische Proteine (Keratin) oder Vorräte fressen, ernähren sich die erwachsenen Käfer vieler Arten meist von Pollen und Nektar. \n
- Bekämpfung: Eine erfolgreiche Tilgung erfordert das Auffinden der Befallsquelle (z.B. alte Vogelnester, Tierhaare, befallene Lebensmittel) sowie eine Kombination aus gründlicher Reinigung und physikalischen Methoden (Hitze/Kälte). \n
Was sind Speckkäfer? Taxonomie und biologische Grundlagen
\n\nDie Speckkäfer (wissenschaftlich: Dermestidae) bilden eine Familie innerhalb der Ordnung der Käfer (Coleoptera) und der Überfamilie Bostrichoidea. Weltweit sind derzeit etwa 1.700 bis 2.000 beschriebene Arten in rund 66 bis 70 Gattungen bekannt[1]. Ihr evolutionärer Erfolg basiert auf einer bemerkenswerten biochemischen Anpassung: Sie gehören zu den wenigen Insekten, die in der Lage sind, das Strukturprotein Keratin zu verdauen, welches in Haaren, Federn, Hörnern und Hufen vorkommt[2].
\n\nSpeckkäfer durchlaufen eine holometabole Entwicklung. Das bedeutet, ihr Lebenszyklus gliedert sich in vier völlig unterschiedliche Stadien: Ei, Larve, Puppe und das erwachsene Insekt (Imago). Die Dauer dieses Zyklus ist extrem abhängig von den Umweltbedingungen, insbesondere von der Temperatur und der Nahrungsverfügbarkeit. Unter optimalen Bedingungen (ca. 25 °C bis 30 °C) kann die Entwicklung in wenigen Wochen abgeschlossen sein, während sie sich bei kühleren Temperaturen über Monate oder sogar Jahre hinziehen kann[3].
\n\nEin faszinierendes Phänomen vieler Speckkäfer-Arten ist der ontogenetische Nahrungswechsel. Während die Larven als hochspezialisierte Destruenten tierische (und teils pflanzliche) Trockenmaterialien fressen, fliegen die erwachsenen Käfer vieler Gattungen (wie Anthrenus oder Attagenus) ins Freie, um sich von Blütenpollen und Nektar zu ernähren[4]. Zur Eiablage kehren die Weibchen dann jedoch zielsicher in dunkle, geschützte Bereiche zurück, die den schlüpfenden Larven sofortige Nahrung bieten.
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Die wichtigsten Speckkäfer-Arten im Porträt
\n\nObwohl die Familie riesig ist, sind es in Mitteleuropa vor allem vier Gattungen, die regelmäßig als Schädlinge in Erscheinung treten: Dermestes (Eigentliche Speckkäfer), Anthrenus (Teppich- und Blütenkäfer), Attagenus (Pelzkäfer) und Trogoderma (Kabinettkäfer). Jede dieser Gruppen hat spezifische Erkennungsmerkmale und Vorlieben.
\n\n1. Die Gattung Dermestes (Eigentliche Speckkäfer)
\nDie Vertreter dieser Gattung sind die Namensgeber der gesamten Familie. Sie sind vergleichsweise groß und fallen oft an tierischen Vorräten oder Kadavern auf.
\n\nDer Gemeine Speckkäfer (Dermestes lardarius):
\nDieser Käfer ist einer der bekanntesten Vorrats- und Materialschädlinge weltweit. Der erwachsene Käfer erreicht eine Körperlänge von 7,0 bis 9,5 Millimetern und hat eine länglich-ovale Form. Sein markantestes Merkmal sind die zweifarbigen Flügeldecken: Die vordere Hälfte ist von einer breiten, gelb-braunen Haarbinde bedeckt, in der sich auf jeder Seite drei charakteristische schwarze Punkte befinden. Die hintere Hälfte der Flügeldecken ist schwarz[5].
Die Larven des Gemeinen Speckkäfers werden bis zu 15 mm lang, sind dunkelbraun gefärbt und stark behaart. Auffällig sind zwei nach hinten gekrümmte Dornen (Urogomphi) am vorletzten Hinterleibssegment. Ein spezifisches Schadbild dieser Art entsteht vor der Verpuppung: Die Larven verlassen ihre Nahrungsquelle und bohren sich aktiv in feste, aber weiche Materialien wie Holz, Kork, Styropor, Mörtel oder sogar Blei ein, um eine geschützte Puppenwiege anzulegen. Diese kreisrunden Einbohrlöcher (ca. 3 mm Durchmesser) können massive strukturelle Schäden an Möbeln und Dämmstoffen verursachen[6].
\n\nDer Dornspeckkäfer (Dermestes maculatus):
\nÄhnlich groß wie der Gemeine Speckkäfer, jedoch fehlt ihm die helle Binde auf den Flügeldecken; er ist stattdessen einheitlich dunkel gefärbt mit einer weißen Bauchbehaarung. Die Spitzen seiner Flügeldecken enden in kleinen Dornen. Diese Art wird in der Taxidermie (Präparationstechnik) und in naturhistorischen Museen gezielt als \"Nützling\" eingesetzt, um Tierskelette schonend und chemiefrei von Fleischresten zu säubern[7]. Entweicht er jedoch, wird er schnell zum Schädling.
2. Die Gattung Anthrenus (Teppich- und Blütenkäfer)
\nDiese Käfer sind deutlich kleiner (meist nur 2 bis 4 mm) und haben eine rundliche, fast marienkäferartige Form. Ihre Körper sind mit winzigen, bunten Schuppen (weiß, gelb, braun, schwarz) bedeckt, die komplexe Muster bilden.
\n\nDer Wollkrautblütenkäfer (Anthrenus verbasci):
\nEr ist einer der häufigsten Textilschädlinge in Wohnungen. Der Käfer besitzt drei wellenförmige, weiße Querbinden auf den Flügeldecken. Die Larven sind klein, gedrungen und extrem stark behaart. Sie besitzen am Hinterleib spezielle Pfeilhaare (Hastisetae), die sie bei Gefahr abspreizen können. Sie fressen bevorzugt an Wolle, Teppichen, Seide und Federn[8].
Der Teppichkäfer (Anthrenus scrophulariae):
\nÄhnlich dem Wollkrautblütenkäfer, jedoch zeichnet er sich durch eine rot beschuppte Flügelnaht (die Linie in der Mitte des Rückens) aus. Auch seine Larven sind gefürchtete Zerstörer von Wolltextilien und Insektensammlungen.
3. Die Gattung Attagenus (Pelzkäfer)
\nPelzkäfer sind meist 3 bis 5 mm lang, oval und eher unauffällig dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Die Larven dieser Gattung sind sehr agil, lichtscheu und rollen sich bei Störung oft zusammen.
\n\nDer Gefleckte Pelzkäfer (Attagenus pellio):
\nErkennbar an einem weißen Haar-Punkt in der Mitte jeder schwarzen Flügeldecke. Die Larven sind goldbraun, zigarrenförmig und besitzen am Hinterende einen auffällig langen, pinselartigen Haarschwanz. Sie entwickeln sich oft in verlassenen Vogelnestern und dringen von dort in Wohnungen ein, wo sie Teppiche und Pelze befallen[9].
Der Braune Pelzkäfer / Wodkakäfer (Attagenus smirnovi):
\nEine ursprünglich aus Afrika stammende Art, die sich in beheizten europäischen Wohnungen stark ausgebreitet hat. Der Halsschild ist dunkel, die Flügeldecken sind rotbraun. Er befällt neben tierischen Materialien gelegentlich auch pflanzliche Stoffe.
4. Die Gattung Trogoderma (Kabinettkäfer)
\nWährend die meisten Speckkäfer tierische Proteine bevorzugen, haben sich viele Trogoderma-Arten auf pflanzliche Vorräte spezialisiert.
\n\nDer Khaprakäfer (Trogoderma granarium):
\nEr gilt weltweit als einer der zerstörerischsten Vorratsschädlinge überhaupt und unterliegt strengen internationalen Quarantänebestimmungen. Er befällt Getreide, Malz, Nüsse und Hülsenfrüchte. Eine Besonderheit dieser Art ist die Fähigkeit der Larven, bei ungünstigen Bedingungen (Nahrungsmangel, Kälte) in eine Diapause (Ruhestarre) zu verfallen, in der sie mehrere Jahre ohne Nahrung überleben können[10].
Der Berlinkäfer (Trogoderma angustum):
\nEin synanthroper (menschenfolgender) Schädling, der besonders in Großstädten auftritt. Er frisst sowohl an tierischen Materialien (Wolle, Federn, tote Insekten) als auch an pflanzlichen Vorräten (Nüsse, Getreideprodukte). Die Käfer sind schmal und weisen helle, geschwungene Binden auf den Flügeldecken auf[11].

Schadbild: Wie erkennt man einen Speckkäfer-Befall?
\n\nDa die erwachsenen Käfer oft nur eine kurze Lebensdauer haben und ins Freie drängen, bleibt ein Befall lange unbemerkt. Die eigentlichen Zerstörer sind die im Verborgenen lebenden Larven. Folgende Anzeichen deuten auf einen Befall hin:
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- Lochfraß: Unregelmäßige, oft saubere Löcher in Wollpullovern, Teppichen, Pelzen oder Leder. Im Gegensatz zu Kleidermotten hinterlassen Speckkäferlarven keine Gespinste. \n
- Fraßmehl und Kot: In Vorratsschränken oder unter Teppichen findet sich feiner, sandartiger Kot, der oft die Farbe der gefressenen Materialien hat. \n
- Leere Larvenhäute (Exuvien): Da sich die Larven während ihres Wachstums bis zu 20-mal häuten können, findet man häufig die leeren, behaarten Hüllen in Schubladen, Ritzen oder Bettkästen[12]. \n
- Bohrlöcher in Holz: Wie beim Gemeinen Speckkäfer beschrieben, zeugen ca. 3 mm große, kreisrunde Löcher in weichem Holz oder Dämmmaterial von verpuppungsreifen Larven. \n
- Käfer am Fenster: Im Frühjahr sammeln sich die frisch geschlüpften, erwachsenen Käfer oft an hellen Fensterscheiben, da sie nach draußen zu Blüten drängen. \n
Speckkäfer sind nicht nur Materialschädlinge. Die feinen Pfeilhaare (Hastisetae) der Larven brechen leicht ab und vermischen sich mit dem Hausstaub. Bei empfindlichen Personen können diese Haare bei Hautkontakt zu stark juckenden Ausschlägen (Dermatitis) führen. Werden die Haare eingeatmet, können sie allergische Reaktionen der Atemwege, Rhinitis oder Asthmaanfälle auslösen[13]. Zudem können Käfer, die zuvor an Aas oder in Vogelnestern waren, potenziell Keime auf Lebensmittel übertragen.
\nUrsachen: Wie kommen Speckkäfer ins Haus?
\n\nSpeckkäfer sind in der heimischen Natur allgegenwärtig. Ihr Weg in unsere Wohnungen erfolgt meist über drei Hauptrouten:
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- Aktiver Zuflug: Da die erwachsenen Käfer gut fliegen können und vom Licht (oder von Gerüchen) angezogen werden, gelangen sie im Frühjahr und Sommer oft durch geöffnete Fenster in die Wohnräume[14]. \n
- Nester am Gebäude: Eine der häufigsten Befallsquellen sind verlassene Vogelnester (z.B. von Tauben oder Spatzen) unter dem Dach, in Dachrinnen oder Rollladenkästen. Auch alte Wespen- oder Mäusenester auf dem Dachboden sind ideale Brutstätten. Wenn diese Nahrungsquellen erschöpft sind, wandern die Larven durch Ritzen und Spalten in die darunterliegenden Wohnungen ab[15]. \n
- Einschleppung: Oft holt man sich die Schädlinge unbemerkt selbst ins Haus. Befallenes Trockenfutter für Hunde oder Katzen, getrocknete Kauartikel (Schweineohren, Pansen), alte Teppiche vom Flohmarkt oder präparierte Trophäen sind klassische Einschleppungswege. \n
Vorbeugung: Speckkäfern keine Chance geben
\n\nPrävention ist der beste Schutz vor Material- und Vorratsschädlingen. Da Speckkäferlarven organische Ablagerungen benötigen, ist Hygiene das oberste Gebot.
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- Fliegengitter: Engmaschige Insektenschutzgitter an den Fenstern verhindern den Zuflug der erwachsenen Käfer im Frühjahr und Sommer. \n
- Nester entfernen: Kontrollieren Sie Dachböden und Fassaden regelmäßig auf alte Vogel- oder Wespennester und entfernen Sie diese umgehend (unter Beachtung des Naturschutzes). \n
- Gründliches Saugen: Saugen Sie regelmäßig auch an schwer zugänglichen Stellen: unter schweren Möbeln, in Sofaritzen, an Fußleisten und in dunklen Ecken. Hier sammeln sich Hautschuppen, Haare und tote Insekten, die als Erstnahrung für Larven dienen. \n
- Lebensmittel und Tiernahrung sichern: Lagern Sie Trockenfleisch, Hundekuchen und Getreideprodukte in fest verschließbaren Behältern aus Glas, dickem Kunststoff oder Metall. Dünne Plastiktüten oder Papierverpackungen werden von den Larven mühelos durchbissen[16]. \n
- Textilien schützen: Waschen Sie getragene Wollkleidung, bevor Sie sie für den Sommer einlagern. Schweiß- und Hautschuppenreste ziehen Speckkäfer magisch an. Lagern Sie gefährdete Textilien in luftdichten Vakuumbeuteln. \n
Tierhaare sind eine Hauptnahrungsquelle für Pelz- und Teppichkäfer. Wenn Sie Hunde oder Katzen haben, bürsten Sie diese regelmäßig und saugen Sie Schlafplätze und Kratzbäume besonders intensiv ab. Kontrollieren Sie zudem neu gekaufte tierische Kausnacks sofort auf feines Bohrmehl oder Larvenhäute.
\nBekämpfung: Was tun bei einem akuten Befall?
\n\nWenn sich Speckkäfer bereits eingenistet haben, reicht einfaches Putzen oft nicht mehr aus. Die Bekämpfung erfordert Systematik und Geduld, da sich die Larven tief in Ritzen zurückziehen.
\n\n1. Befallsherd lokalisieren und beseitigen
\nDer wichtigste Schritt ist das Finden der Quelle. Suchen Sie nach Ansammlungen von Larvenhäuten. Überprüfen Sie Wollteppiche, Felle, Ritzen in Dielenböden, Sockelleisten, Bettkästen und Vorratsschränke. Stark befallene Lebensmittel oder stark zerstörte Textilien sollten umgehend in einer fest verschlossenen Plastiktüte über den Hausmüll (außerhalb des Hauses) entsorgt werden.
\n\n2. Physikalische Bekämpfungsmethoden
\nSpeckkäfer sind in allen Entwicklungsstadien (Ei, Larve, Puppe, Käfer) empfindlich gegenüber extremen Temperaturen. Diese Methoden sind giftfrei und hochwirksam:
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- Kältebehandlung (Einfrieren): Legen Sie befallene oder verdächtige Textilien, Kuscheltiere oder kleinere Teppiche in Plastiktüten verpackt für mindestens 72 Stunden bei -18 °C in die Tiefkühltruhe. Dies tötet alle Stadien zuverlässig ab[17]. \n
- Hitzebehandlung: Waschen Sie befallene Textilien bei mindestens 60 °C. Für Gegenstände, die nicht in die Waschmaschine dürfen, kann ein Backofen (bei 60 °C für ca. eine Stunde) oder im Sommer ein in der prallen Sonne geparktes Auto (in schwarzen Müllsäcken) genutzt werden. \n
3. Biologische und mechanische Hilfsmittel
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- Kieselgur (Diatomeenerde): Dieses feine Pulver aus fossilen Kieselalgen kann in Ritzen und Fugen gestäubt werden. Es verletzt die Wachsschicht des Insektenpanzers, wodurch die Larven und Käfer austrocknen (mechanische Wirkung). Es ist für Menschen und Haustiere ungiftig, sollte aber beim Ausbringen nicht eingeatmet werden[18]. \n
- Pheromonfallen: Im Handel sind Klebefallen mit artspezifischen Sexuallockstoffen (Pheromonen) erhältlich. Diese locken die männlichen Käfer an. Wichtig: Fallen dienen in erster Linie dem Monitoring (Befallskontrolle) und fangen nicht die schädlichen Larven. Sie helfen aber, das Ausmaß des Befalls abzuschätzen und den Befallsherd einzugrenzen. \n
- Lagererzwespen (Laelius pedatus): In speziellen Fällen (z.B. in Museen) können diese winzigen, für den Menschen völlig harmlosen parasitoiden Wespen ausgesetzt werden. Sie spüren Speckkäferlarven auf, betäuben sie und legen ihre Eier an ihnen ab[19]. \n
4. Chemische Bekämpfung und professionelle Hilfe
\nDer Einsatz von Kontaktinsektiziden (z.B. auf Basis von Pyrethroiden wie Deltamethrin) sollte im privaten Wohnbereich das letzte Mittel der Wahl sein. Diese Mittel wirken als Nervengifte und können bei unsachgemäßer Anwendung die Gesundheit von Bewohnern und Haustieren gefährden. Zudem ziehen sich die Larven zur Verpuppung tief in unzugängliche Hohlräume zurück, wo Sprays sie nicht erreichen[20].
\n\nBei einem massiven, wiederkehrenden Befall oder wenn sich die Larven bereits in die Bausubstanz (Dämmung, Holzbalken) eingebohrt haben, ist es dringend ratsam, einen IHK-geprüften Schädlingsbekämpfer zu konsultieren. Profis können Hohlräume fachgerecht behandeln oder in Vorratslagern und Museen Begasungen (z.B. mit Stickstoff, Kohlendioxid oder Sulfuryldifluorid) durchführen, die alle Stadien abtöten, ohne die Materialien zu beschädigen.
\n\nHäufig gestellte Fragen (FAQ)
\n\nKönnen Speckkäfer beißen oder stechen?
\nNein, Speckkäfer und ihre Larven beißen oder stechen Menschen nicht. Ihre Mundwerkzeuge sind zum Zerkleinern von trockenen Materialien ausgelegt. Die gesundheitliche Gefahr geht ausschließlich von den feinen Haaren der Larven aus, die allergische Reaktionen und Hautreizungen auslösen können.
\n\nWie finde ich das Nest der Speckkäfer?
\nSpeckkäfer bauen keine Nester im klassischen Sinn wie Wespen oder Ameisen. Die Weibchen legen ihre Eier lose an die Nahrungsquelle. Suchen Sie nach Ansammlungen von leeren Larvenhäuten und feinem Fraßmehl. Typische \"Hotspots\" sind dunkle Ecken unter Teppichen, in Bettkästen, hinter Fußleisten, in Ritzen von Dielenböden oder in der Nähe von gelagertem Tierfutter.
\n\nWarum habe ich Speckkäfer, obwohl ich regelmäßig putze?
\nEin Befall hat nicht zwingend mit mangelnder Hygiene zu tun. Die Käfer fliegen oft von außen ein (z.B. aus Vogelnestern am Haus) oder werden über gekaufte Produkte (Tiernahrung, alte Textilien) eingeschleppt. Selbst in sauberen Wohnungen finden Larven in winzigen Ritzen (wo sich unweigerlich Hautschuppen und Haare sammeln) genug Nahrung zum Überleben.
\n\nHelfen Hausmittel wie Lavendel oder Zedernholz gegen Speckkäfer?
\nÄtherische Öle aus Lavendel, Zedernholz oder Teebaumöl können eine leicht abschreckende (repellente) Wirkung auf erwachsene Käfer haben und sie eventuell von der Eiablage in einem bestimmten Schrank abhalten. Bei einem bestehenden Befall mit Larven sind diese Hausmittel jedoch völlig wirkungslos und töten die Schädlinge nicht ab.
\n\nWas ist der Unterschied zwischen Speckkäfern und Kleidermotten?
\nBeide fressen Keratin (Wolle, Haare). Kleidermotten sind jedoch kleine Schmetterlinge, deren Raupen charakteristische, seidenartige Gespinste und Röhren auf den Textilien hinterlassen. Speckkäferlarven hinterlassen keine Gespinste, sondern nur leere, behaarte Häutungshüllen und feinen, krümeligen Kot.
\n\nFazit
\nSpeckkäfer gehören zu den anpassungsfähigsten und zerstörerischsten Materialschädlingen in unseren Breitengraden. Ob der Gemeine Speckkäfer, der sich zur Verpuppung in Holz bohrt, oder die winzigen Larven des Teppichkäfers, die teure Wolltextilien ruinieren – ein Befall sollte niemals ignoriert werden. Da die Larven sehr versteckt leben und ihre Pfeilhaare gesundheitliche Probleme verursachen können, ist schnelles Handeln gefragt. Durch eine Kombination aus Ursachenforschung, physikalischen Methoden wie Hitze und Kälte sowie strikter Hygiene lassen sich die meisten Befälle im Frühstadium gut in den Griff bekommen. Bei hartnäckigen Problemen oder wenn die Bausubstanz gefährdet ist, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe durch einen zertifizierten Schädlingsbekämpfer in Anspruch zu nehmen.
\n\nQuellen und Referenzen
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- Engelbrecht, H., & Reichmuth, C. (1997). Schädlinge und ihre Bekämpfung (3. Auflage). Behr's Verlag. \n
- Stadt Zürich, Umwelt- und Gesundheitsschutz (2023). Merkblatt: Speckkäfer (Dermestes sp.). Fachstelle Schädlingsprävention. \n
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- Institut für Schädlingskunde (o.J.). Gemeiner Speckkäfer - Dermestes lardarius. Steckbriefe Käfer. \n
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