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März 16, 2026 Silberkraft Redaktion

speckkäfer wohnung

Es ist ein Schreckensmoment für jeden Mieter oder Hausbesitzer: Man öffnet den Kleiderschrank, räumt die Vorratskammer auf oder saugt unter dem Bett und entdeckt plötzlich kleine, behaarte Larven oder ovale, dunkle Käfer. Der Befall mit Speckkäfern in der Wohnung ist ein weit verbreitetes Problem, das oft lange unbemerkt bleibt. Diese Insekten sind wahre Überlebenskünstler und können erhebliche Schäden an Textilien, Lebensmitteln und sogar an der Bausubstanz anrichten. Doch kein Grund zur Panik: Mit dem richtigen Wissen über die Biologie dieser Tiere und einer systematischen Vorgehensweise lässt sich das Problem effektiv und nachhaltig lösen. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie über Speckkäfer wissen müssen – von der sicheren Identifizierung über die gesundheitlichen Risiken bis hin zu erprobten, wissenschaftlich fundierten Bekämpfungsstrategien.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Nicht der Käfer, sondern die Larve frisst: Die behaarten Larven sind die eigentlichen Schädlinge, die Textilien (Wolle, Seide) und tierische Vorräte zerstören.
  • Ursachensuche ist das A und O: Ohne das Finden und Beseitigen der Brutquelle (z.B. ein altes Vogelnest, Tierhaare in Ritzen oder befallenes Tierfutter) ist jede Bekämpfung zwecklos.
  • Gesundheitsrisiko: Die feinen Pfeilhaare der Larven können bei Menschen allergische Reaktionen, Hautreizungen und Atemwegsbeschwerden auslösen.
  • Temperatur als Waffe: Befallene Gegenstände können durch Einfrieren (-18 °C für 72 Stunden) oder Erhitzen (60 °C für 30 Minuten) von allen Entwicklungsstadien befreit werden.
  • Vorbeugung: Fliegengitter, luftdichte Vorratsdosen und regelmäßiges, gründliches Staubsaugen (auch in dunklen Ecken) sind der beste Schutz.

Was sind Speckkäfer und wie erkennt man sie?

Die Familie der Speckkäfer (wissenschaftlich Dermestidae) gehört zur Überfamilie der Bostrichoidea innerhalb der Ordnung der Käfer (Coleoptera). Weltweit gibt es etwa 1.700 bis 2.000 beschriebene Arten in rund 66 Gattungen[1]. In der freien Natur erfüllen sie eine äußerst wichtige ökologische Funktion: Sie sind die "Gesundheitspolizei" des Waldes. Als spezialisierte Aasfresser und Destruenten beseitigen sie tierische Überreste wie Haare, Federn, getrocknete Haut und Knochen, die von anderen Tieren nicht verdaut werden können[2].

Sobald diese Insekten jedoch in den menschlichen Lebensraum eindringen, werden sie vom Nützling zum gefürchteten Material- und Hygieneschädling. In unseren Wohnungen finden wir meist Vertreter aus vier Hauptgattungen, die sich in Aussehen und Nahrungspräferenz leicht unterscheiden[3]:

  • Der Gemeine Speckkäfer (Dermestes lardarius): Er wird 7 bis 9,5 Millimeter groß. Sein markantestes Merkmal ist die zweifarbige Flügeldecke: Die vordere Hälfte ist gelblich-braun behaart und weist drei schwarze Punkte auf, die hintere Hälfte ist schwarz[4].
  • Teppichkäfer und Museumskäfer (Gattung Anthrenus): Diese sind mit 2 bis 4 Millimetern deutlich kleiner. Sie haben eine rundliche, fast kugelige Form und fallen durch ein buntes Muster aus weißen, gelben und braunen Schuppen auf dem Rücken auf[5].
  • Pelzkäfer (Gattung Attagenus): Sie sind meist einfarbig dunkelbraun bis schwarz, oval geformt und etwa 3 bis 5 Millimeter lang. Ein bekanntes Beispiel ist der Gefleckte Pelzkäfer, der zwei weiße Punkte auf den Flügeldecken trägt[6].
  • Khaprakäfer und Berlinkäfer (Gattung Trogoderma): Diese Arten sind oft an pflanzlichen Vorräten zu finden und gelten weltweit als extrem gefährliche Vorratsschädlinge[7].

Die Larven: Die wahren Übeltäter

Während die erwachsenen Käfer oft nur noch Nektar und Pollen fressen oder gar keine Nahrung mehr aufnehmen, sind die Larven extrem gefräßig. Speckkäferlarven sind leicht zu erkennen: Sie sind langgestreckt (karottenförmig), stark behaart und weisen oft am Hinterleib längere Haarbüschel oder kleine, hornartige Fortsätze (Urogomphi) auf[8]. Je nach Art und Entwicklungsstadium können sie zwischen 2 und 15 Millimeter lang werden. Sie meiden das Licht (negative Phototaxis) und verstecken sich tief in dunklen Ritzen, unter Teppichen oder in Kleiderschränken[9].

Achtung Verwechslungsgefahr!

Speckkäferlarven werden von Laien oft mit den Raupen der Kleidermotte verwechselt. Ein klares Unterscheidungsmerkmal: Mottenraupen sind weißlich, fast nackt und spinnen oft kleine Röhren oder Gespinste. Speckkäferlarven hingegen sind dunkel, stark behaart und hinterlassen keine Spinnfäden, sondern lediglich leere Häutungshüllen (Exuvien) und krümeligen Kot.

Nahaufnahme einer stark behaarten Speckkäferlarve auf einem Wollstoff
Nicht der erwachsene Käfer, sondern die gefräßigen, behaarten Larven richten den Schaden an.

Wie kommen Speckkäfer in die Wohnung?

Ein Befall mit Speckkäfern hat in den seltensten Fällen etwas mit mangelnder Grundhygiene zu tun. Die Wege, auf denen diese Insekten in unsere Häuser gelangen, sind vielfältig und oft unvermeidbar.

1. Aktiver Zuflug von außen: Die erwachsenen Käfer sind, besonders im Frühjahr und Frühsommer (Mai bis Juni), sehr gute Flieger. Sie orientieren sich zum Licht hin (positive Phototaxis) und fliegen an warmen Tagen durch geöffnete Fenster und Türen in die Wohnungen ein[10]. Drinnen suchen die Weibchen dann nach dunklen, geschützten Orten mit geeignetem Nahrungssubstrat, um ihre Eier abzulegen.

2. Verlassene Vogel- und Wespennester: Dies ist eine der häufigsten und am meisten unterschätzten Ursachen. Viele Speckkäferarten haben eine sogenannte nidicole (nestbewohnende) Lebensweise. Sie leben natürlicherweise in den Nestern von Tauben, Spatzen, Schwalben oder auch in alten Wespennestern auf Dachböden, unter Dachpfannen oder in Rollladenkästen[11]. Dort ernähren sie sich von Federn, toten Jungvögeln oder Insektenresten. Wenn das Nest verlassen wird, wandern die Larven auf der Suche nach neuer Nahrung durch kleinste Ritzen in die darunterliegenden Wohnräume ab.

3. Einschleppung durch Tiernahrung und Lebensmittel: Besonders der Gemeine Speckkäfer und verschiedene Trogoderma-Arten werden häufig über kontaminiertes Hunde- oder Katzentrockenfutter, Kauknochen (Schweineohren, getrockneter Pansen) oder auch über befallene Lebensmittel wie Räucherschinken und Nüsse eingeschleppt[12].

4. Gebrauchte Möbel und Textilien: Der Kauf von Vintage-Kleidung, alten Orientteppichen oder gebrauchten Polstermöbeln kann unbemerkt Eier oder Larven von Teppich- und Pelzkäfern in die Wohnung bringen.

Verlassenes Vogelnest unter dem Dach als häufige Ursache für Speckkäfer
Verlassene Vogel- oder Wespennester am Haus sind oft die versteckte Brutquelle, von der aus die Larven in die Wohnung wandern.

Der Lebenszyklus: Warum sie so schwer zu bekämpfen sind

Um Speckkäfer erfolgreich zu bekämpfen, muss man ihren Lebenszyklus verstehen. Sie durchlaufen eine holometabole Entwicklung (vollständige Metamorphose), die aus den Stadien Ei, Larve, Puppe und Imago (erwachsener Käfer) besteht[13].

Ein Weibchen legt im Laufe ihres Lebens, je nach Art, zwischen 50 und 200 Eier einzeln oder in kleinen Grüppchen direkt an der Nahrungsquelle ab[14]. Nach wenigen Tagen schlüpfen die winzigen Larven. Diese Larvenphase ist die längste und zerstörerischste Zeit im Leben des Insekts. Die Larven häuten sich je nach Nahrungsangebot und Temperatur 5- bis 20-mal[15].

Die Temperaturabhängigkeit: Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist extrem temperaturabhängig. Bei optimalen Bedingungen (ca. 25 °C und 65 % relativer Luftfeuchtigkeit) kann der gesamte Zyklus in 40 bis 50 Tagen abgeschlossen sein[16]. Bei kühleren Temperaturen (z.B. 15 °C) verlängert sich die Entwicklung auf bis zu 145 Tage oder länger. In unseren beheizten Wohnungen finden die Tiere ganzjährig geradezu paradiesische Bedingungen vor.

Die Diapause (Ruhestarre): Ein Faktor, der die Bekämpfung besonders schwierig macht, ist die Fähigkeit vieler Speckkäferlarven, bei Nahrungsmangel oder ungünstigen Temperaturen in eine sogenannte fakultative Diapause einzutreten. In diesem Ruhezustand fahren sie ihren Stoffwechsel extrem herunter und können Monate, teilweise sogar Jahre ohne jegliche Nahrung überleben, bis sich die Bedingungen wieder verbessern[17].

Schadbild: Was fressen Speckkäfer?

Speckkäfer sind biochemische Wunderwerke. Sie gehören zu den wenigen Lebewesen auf der Erde, die in der Lage sind, das Strukturprotein Keratin zu verdauen[18]. Keratin ist der Hauptbestandteil von Haaren, Wolle, Federn, Hörnern und Hufen. Daraus ergibt sich ihr breites Schadensspektrum:

1. Materialschäden an Textilien und Einrichtung

Besonders Teppich- und Pelzkäferlarven richten verheerende Schäden an Wollpullovern, Seidenblusen, echten Teppichen, Pelzmänteln und Lederwaren an. Das Schadbild zeigt sich durch unregelmäßige, oft kreisrunde Löcher im Gewebe oder kahle Stellen in Pelzen und Teppichen. Baumwolle und synthetische Stoffe werden in der Regel verschont, es sei denn, sie sind stark mit Schweiß oder Hautschuppen verunreinigt[19].

2. Vorratsschäden

Der Gemeine Speckkäfer macht seinem Namen alle Ehre. Er befällt tierische Lebensmittel wie Speck, Schinken, Wurst, Trockenfisch und Hartkäse. Auch pflanzliche Produkte wie Nüsse, Kakaobohnen oder Nudeln können befallen werden, dienen aber meist nur als Notnagel. Die Lebensmittel werden durch Fraßgänge, Kotkrümel und leere Larvenhäute massiv verunreinigt und ungenießbar gemacht[20].

3. Strukturelle Schäden durch Verpuppungsgänge

Ein oft übersehenes, aber gravierendes Problem: Wenn die Larven ausgewachsen sind und sich verpuppen wollen, verlassen sie die Nahrungsquelle. Sie suchen sich feste, aber nicht zu harte Materialien, um sich eine sichere Puppenwiege zu bohren. Dabei fressen sie sich in weiches Holz, Kork, Styropor, Bücher, Pappe und sogar in weichen Mörtel ein[21]. Diese kreisrunden Einbohrlöcher (ca. 3 mm Durchmesser) können Möbel, Dämmmaterialien und historische Bücher stark beschädigen und werden oft fälschlicherweise für den Befall durch Holzwürmer (Nagekäfer) gehalten[22].

Gesundheitliche Gefahren für den Menschen

Speckkäfer übertragen in der Regel keine gefährlichen Infektionskrankheiten wie Ratten oder Schaben. Dennoch stellen sie ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar, das vor allem von den Larven ausgeht.

Die Larven vieler Arten, insbesondere der Gattungen Anthrenus, Attagenus und Trogoderma, besitzen spezielle Pfeilhaare (sogenannte Hastisetae). Diese Haare sind mit winzigen Widerhaken versehen und brechen bei Berührung oder Gefahr leicht ab. Sie verteilen sich mit dem Hausstaub in der Raumluft. Wenn diese Haare eingeatmet werden oder auf die Haut gelangen, können sie mechanische Reizungen und allergische Reaktionen auslösen[23]. Zu den Symptomen gehören:

  • Starker Juckreiz und Hautrötungen (Dermatitis)
  • Quaddelbildung (ähnlich wie bei Mückenstichen)
  • Allergische Rhinitis (Schnupfen, Niesen)
  • Reizungen der Augen (Bindehautentzündung)
  • In schweren Fällen Asthmaanfälle oder Magen-Darm-Beschwerden, wenn kontaminierte Lebensmittel verzehrt werden[24].

Tipp für Allergiker

Wenn Sie unerklärliche Hautausschläge oder Atemwegsprobleme haben und gleichzeitig kleine behaarte Larven in der Wohnung finden, saugen Sie die Wohnung extrem gründlich mit einem Staubsauger, der über einen HEPA-Filter verfügt. Wischen Sie Flächen feucht ab, um die feinen Pfeilhaare aus der Umgebung zu entfernen.

Schritt-für-Schritt Anleitung: Speckkäfer erfolgreich bekämpfen

Die Bekämpfung von Speckkäfern erfordert Geduld und Akribie. Ein einfaches Insektenspray aus dem Baumarkt löst das Problem meist nicht, da die Larven extrem versteckt leben. Gehen Sie systematisch vor:

Schritt 1: Die Befallsquelle finden (Das Wichtigste!)

Solange Sie die Quelle nicht gefunden haben, werden immer wieder neue Käfer schlüpfen. Suchen Sie an folgenden Orten:

  • Unter und hinter Möbeln: Besonders unter Betten, Sofas und Schränken, wo sich Staub, Haare und Hautschuppen (sogenannte "Wollmäuse") sammeln.
  • In Kleiderschränken: Kontrollieren Sie alle Wollsachen, Pelze und Seidenstoffe. Achten Sie auf leere Larvenhäute.
  • Haustierbereiche: Überprüfen Sie Schlafplätze von Hunden und Katzen (Tierhaare sind ein Festmahl) sowie die Lagerorte von Trockenfutter und Kauartikeln.
  • Fußleisten und Dielenritzen: Hier sammeln sich oft organische Reste, in denen sich die Larven verstecken und verpuppen.
  • Dachboden und Fassade: Suchen Sie nach verlassenen Vogel-, Wespen- oder Mäusenestern. Dies ist eine der Hauptursachen für massiven Befall[25].

Schritt 2: Befallene Materialien behandeln oder entsorgen

Stark befallene und zerstörte Lebensmittel oder Textilien sollten Sie sofort in einer fest verschlossenen Plastiktüte über den Hausmüll (außerhalb der Wohnung!) entsorgen. Gegenstände, die Sie retten möchten, müssen physikalisch behandelt werden, um alle Eier, Larven und Käfer abzutöten:

  • Einfrieren (Kältebehandlung): Packen Sie Textilien in Plastiktüten und legen Sie diese für mindestens 72 Stunden bei -18 °C in die Tiefkühltruhe[26].
  • Erhitzen (Wärmebehandlung): Waschen Sie Textilien bei mindestens 60 °C. Alternativ können Gegenstände im Backofen oder in speziellen Wärmekammern für 30 bis 60 Minuten auf über 60 °C erhitzt werden (Achtung: Materialverträglichkeit prüfen!)[27].

Schritt 3: Gründliche mechanische Reinigung

Saugen Sie die gesamte Wohnung extrem gründlich. Nutzen Sie Fugendüsen, um in alle Ritzen von Dielenböden, Sofaritzen und hinter Fußleisten zu gelangen. Wischen Sie Schränke feucht aus (z.B. mit Essigwasser). Wichtig: Entsorgen Sie den Staubsaugerbeutel danach sofort luftdicht verschlossen im Außenmüll, da die Larven im Beutel sonst weiterleben und wieder herauskrabbeln können.

Schritt 4: Biologische und ökologische Hilfsmittel

Wenn die Quelle beseitigt ist, können Sie verbleibende Larven in Ritzen mit ökologischen Mitteln bekämpfen:

  • Kieselgur (Diatomeenerde): Dieses feine Pulver aus fossilen Kieselalgen kann in Ritzen und Fugen gestäubt werden. Es wirkt rein mechanisch: Die scharfkantigen Partikel verletzen die schützende Wachsschicht (Kutikula) der Insekten, wodurch diese innerhalb kurzer Zeit austrocknen und sterben. Es ist für Menschen und Haustiere ungiftig.
  • Lagererzwespen (Laelius pedatus): Bei schwer zugänglichen Befallsherden (z.B. unter Dielen) können diese winzigen, für den Menschen völlig harmlosen parasitischen Wespen ausgesetzt werden. Sie spüren die Speckkäferlarven auf, betäuben sie und legen ihre Eier auf ihnen ab. Die schlüpfenden Wespenlarven fressen den Schädling auf[28].

Wann muss der Kammerjäger ran?

Wenn Sie die Befallsquelle nicht finden können, der Befall extrem massiv ist (z.B. in verwahrlosten Wohnungen / Messie-Wohnungen) oder sich die Larven bereits tief in die Bausubstanz (Dämmung, Fehlböden) eingenistet haben, sollten Sie unbedingt einen professionellen Schädlingsbekämpfer rufen. Fachbetriebe verfügen über das nötige Wissen und zugelassene Präparate (z.B. Langzeitinsektizide oder Begasungsverfahren), um das Problem sicher zu lösen[29].

Vorbeugung: So bleiben Speckkäfer draußen

Damit es gar nicht erst zu einem Befall kommt, oder nach einer erfolgreichen Bekämpfung kein neuer entsteht, sollten Sie folgende Präventivmaßnahmen beachten:

  • Fliegengitter anbringen: Da die Käfer oft von draußen zufliegen, sind engmaschige Fliegengitter an den Fenstern der effektivste Schutz[30].
  • Nester entfernen: Kontrollieren Sie im Herbst und Winter Dachböden, Balkone und Rollladenkästen auf verlassene Vogel- oder Wespennester und entfernen Sie diese umgehend[31].
  • Lebensmittel und Tierfutter sichern: Lagern Sie Vorräte und besonders Tierfutter in fest verschließbaren Behältern aus Glas, dickem Plastik oder Metall. Dünne Plastiktüten oder Papierverpackungen können von den Larven problemlos durchbissen werden.
  • Textilien richtig lagern: Waschen Sie getragene Kleidung, bevor Sie diese für längere Zeit (z.B. beim Saisonwechsel) einlagern. Schweiß und Hautschuppen locken die Käfer an. Bewahren Sie wertvolle Wollsachen in luftdichten Kleidersäcken auf.
  • Regelmäßige Reinigung: Saugen Sie regelmäßig auch an schwer zugänglichen Stellen (unter Betten, hinter Schränken, in Dielenritzen), um den Larven die Nahrungsgrundlage (Staub, Haare) zu entziehen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Können Speckkäfer beißen oder stechen?

Nein, weder die erwachsenen Käfer noch die Larven beißen oder stechen Menschen. Die oft fälschlicherweise als "Bisse" interpretierten roten, juckenden Stellen auf der Haut sind in der Regel allergische Reaktionen auf die feinen Pfeilhaare der Larven, die bei Kontakt in die Haut eindringen.

Muss ich bei einem Befall meine gesamte Kleidung wegwerfen?

Nein, das ist meist nicht nötig. Untersuchen Sie Ihre Kleidung genau. Stücke, die stark durchlöchert sind, sollten entsorgt werden. Intakte Kleidung kann durch Waschen bei 60 °C oder durch dreitägiges Einfrieren bei -18 °C gerettet werden. Baumwoll- und Synthetikkleidung ist meist ohnehin nicht betroffen, sofern sie sauber ist.

Helfen Lavendel, Zedernholz oder Mottenpapier gegen Speckkäfer?

Ätherische Öle wie Lavendel oder Zedernholz haben eine leicht abschreckende (repellente) Wirkung auf zufliegende Käfer, können aber einen bestehenden Befall nicht bekämpfen. Handelsübliches Mottenpapier (das oft Insektizide enthält) kann in geschlossenen Schränken eine gewisse Wirkung gegen die Larven zeigen, ersetzt aber nicht die Suche nach der Befallsquelle.

Wie schnell vermehren sich Speckkäfer?

Das hängt stark von der Temperatur ab. Bei optimalen 25 °C kann sich aus einem Ei innerhalb von knapp zwei Monaten ein neuer Käfer entwickeln, der wiederum bis zu 200 Eier legt. In kühleren Umgebungen dauert der Zyklus bis zu einem Jahr. In beheizten Wohnungen ist eine rasante Massenvermehrung daher durchaus möglich.

Sind Speckkäfer ein Zeichen für mangelnde Hygiene?

Nein. Speckkäfer fliegen oft von draußen ein oder werden über gekaufte Produkte eingeschleppt. Selbst in der saubersten Wohnung finden sie in kleinsten Ritzen genug organische Substanz (einzelne Haare, Hautschuppen), um zu überleben. Allerdings begünstigen Ansammlungen von Staub und Tierhaaren unter Möbeln ihre Ausbreitung.

Fazit

Ein Befall mit Speckkäfern ist ärgerlich und kann zu materiellen Schäden sowie gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Der Schlüssel zur erfolgreichen Bekämpfung liegt nicht im blinden Versprühen von Insektiziden, sondern in der akribischen Suche nach der Befallsquelle. Ob es das vergessene Vogelnest auf dem Dachboden, die Tüte mit Hunde-Leckerlis im Vorratsschrank oder der alte Wollteppich ist – erst wenn die Brutstätte beseitigt ist, kehrt Ruhe ein. Durch eine Kombination aus gründlicher Reinigung, physikalischen Maßnahmen wie Hitze und Kälte sowie präventiven Schritten wie Fliegengittern können Sie Ihr Zuhause dauerhaft speckkäferfrei halten. Zögern Sie jedoch nicht, bei einem massiven oder unklaren Befall professionelle Hilfe durch einen Schädlingsbekämpfer in Anspruch zu nehmen.

Quellen und Referenzen

  1. Zahradník, P. & Háva, J., Catalogue of the world genera and subgenera of the superfamilies Derodontoidea and Bostrichoidea, Zootaxa, 2014.
  2. Stadt Zürich, Umwelt- und Gesundheitsschutz (UGZ), Merkblatt Speckkäfer, April 2023.
  3. Freise, J.F. & Stelling, K., Speckkäferbefall, was tun?, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES).
  4. Deutscher Schädlingsbekämpfer Verband e.V. (DSV), Kundeninformation: Gemeiner Speckkäfer.
  5. Biologische Beratung, Bestimmungsschlüssel für Museumsschädlinge, Offene Naturführer, 2016.
  6. Freise, J.F. & Stelling, K., Speckkäferbefall, was tun?, LAVES (Abschnitt: Attagenus pellio).
  7. Freise, J.F. & Stelling, K., Speckkäferbefall, was tun?, LAVES (Abschnitt: Trogoderma angustum).
  8. Stadt Zürich, Umwelt- und Gesundheitsschutz (UGZ), Merkblatt Speckkäfer, Aussehen der Larven, 2023.
  9. Colorado Insects of Interest, Dermestid Beetles, Factsheet.
  10. Deutscher Schädlingsbekämpfer Verband e.V. (DSV), Kundeninformation: Gemeiner Speckkäfer (Lebensweise).
  11. Freise, J.F. & Stelling, K., Speckkäferbefall, was tun?, LAVES (Vorkommen in Nestern).
  12. Stadt Zürich, Umwelt- und Gesundheitsschutz (UGZ), Merkblatt Speckkäfer (Einschleppung durch Tierfutter), 2023.
  13. Freise, J.F. & Stelling, K., Speckkäferbefall, was tun?, LAVES (Holometabole Entwicklung).
  14. Stadt Münster, Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit, Ungebetene Gäste: Gemeine Speckkäfer, Mai 2024.
  15. Freise, J.F. & Stelling, K., Speckkäferbefall, was tun?, LAVES (Larvenhäutungen).
  16. Coombs, C.W., zitiert in: Institut für Schädlingskunde, Steckbrief Gemeiner Speckkäfer (Dermestes lardarius).
  17. Freise, J.F. & Stelling, K., Speckkäferbefall, was tun?, LAVES (Diapause).
  18. Freise, J.F. & Stelling, K., Speckkäferbefall, was tun?, LAVES (Keratinfresser).
  19. Stadt Münster, Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit, Ungebetene Gäste: Gemeine Speckkäfer (Schäden), Mai 2024.
  20. Stadt Zürich, Umwelt- und Gesundheitsschutz (UGZ), Merkblatt Speckkäfer (Schaden an Nahrungsmitteln), 2023.
  21. Madel (1938) & Gauß (1950), zitiert in: Institut für Schädlingskunde, Steckbrief Gemeiner Speckkäfer.
  22. Freise, J.F. & Stelling, K., Speckkäferbefall, was tun?, LAVES (Verwechslung mit Holzschädlingen).
  23. Freise, J.F. & Stelling, K., Speckkäferbefall, was tun?, LAVES (Gesundheitsschädling, Pfeilhaare).
  24. Stadt Münster, Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit, Ungebetene Gäste: Gemeine Speckkäfer (Allergien und Darmerkrankungen), Mai 2024.
  25. Stadt Zürich, Umwelt- und Gesundheitsschutz (UGZ), Merkblatt Speckkäfer (Vorbeugung und Nester), 2023.
  26. Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Vorratsschädlinge Information, März 2009.
  27. Engelbrecht, H. & Reichmuth, Ch., Schädlinge und ihre Bekämpfung, Behr's Verlag, 3. Auflage, 1997.
  28. Beal, R.S., Jr., Annotated Checklist of Nearctic Dermestidae, The Coleopterists Bulletin, 2003 (Allgemeine biologische Kontrolle).
  29. Deutscher Schädlingsbekämpfer Verband e.V. (DSV), Kundeninformation: Gemeiner Speckkäfer (Bekämpfung durch Fachbetriebe).
  30. Deutscher Schädlingsbekämpfer Verband e.V. (DSV), Kundeninformation: Gemeiner Speckkäfer (Insektenschutzgitter).
  31. Stadt Münster, Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit, Ungebetene Gäste: Gemeine Speckkäfer (Gegenmaßnahmen), Mai 2024.

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