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Raubmilben gegen Thripse: Der ultimative Guide zur biologischen Bekämpfung
April 13, 2026 Patricia Titz

Raubmilben gegen Thripse: Der ultimative Guide zur biologischen Bekämpfung

Wer im Gewächshaus oder im heimischen Wintergarten mit Thripsen zu kämpfen hat, weiß: Diese Schädlinge sind die Guerilla-Kämpfer der Pflanzenwelt. Sie verstecken sich in den engsten Winkeln, entwickeln rasend schnell Resistenzen gegen chemische Insektizide und hinterlassen ein Bild der Verwüstung in Form von silbrigen Saugstellen und deformierten Trieben. Doch die Natur hat eine hocheffiziente Antwort parat: Raubmilben. In diesem umfassenden Guide tauchen wir tief in die spezifische Welt der Raubmilben gegen Thripse ein. Wir klären nicht nur, welche Milbe welchen Thrips frisst, sondern auch, warum wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Wahl der richtigen Art über Erfolg oder Totalausfall entscheidet.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Spezialisierung: Nicht jede Raubmilbe ist für jeden Thrips geeignet. Amblyseius swirskii ist laut neuester Forschung besonders effektiv gegen den Zwiebelthrips (Thrips tabaci) [1].
  • Zeitpunkt: Raubmilben wirken am besten präventiv oder bei beginnendem Befall, da sie primär das erste Larvenstadium (L1) fressen [4].
  • Klima-Faktor: Luftfeuchtigkeit und Temperatur sind entscheidend für die Eientwicklung der Nützlinge [6].
  • Kombination: Für eine vollständige Kontrolle sollten blattbewohnende Milben mit bodenbewohnenden Arten wie Hypoaspis miles kombiniert werden, um die Puppenstadien zu erfassen [1, 4].
Das Angriffsfenster der Raubmilben
Das Angriffsfenster der Raubmilben

Die Biologie des Angriffs: Warum Raubmilben Thripse bevorzugen

Um zu verstehen, warum Raubmilben so effektiv sind, muss man den Lebenszyklus der Thripse betrachten. Thripse durchlaufen sechs Stadien: Ei, zwei Larvenstadien (L1 und L2), Vorpuppe, Puppe und das adulte Tier [3, 5]. Die meisten blattbewohnenden Raubmilben wie Neoseiulus cucumeris oder Amblyseius swirskii haben eine klare Präferenz: Sie jagen fast ausschließlich das erste Larvenstadium (L1) [4, 11].

Der Grund hierfür ist rein mechanisch. Eine frisch geschlüpfte Thrips-Larve ist klein, hat eine weiche Cuticula und besitzt noch keine ausgeprägten Abwehrmechanismen. Ältere Larven im L2-Stadium hingegen können sich aktiv wehren, indem sie mit ihrem Hinterleib peitschen oder klebrige Exkremente ausscheiden, die die Raubmilben verkleben oder abschrecken können [1, 9]. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Erfolgsrate eines Angriffs bei L2-Larven signifikant sinkt [9]. Daher ist die Strategie der Raubmilben die der ständigen Präsenz: Sie müssen vor Ort sein, sobald die Thripse aus den Eiern schlüpfen.

Amblyseius swirskii vs. Neoseiulus cucumeris: Der Kampf der Giganten

In der kommerziellen Anwendung stehen oft zwei Arten im Fokus. Lange Zeit galt Neoseiulus cucumeris als der Standard-Nützling, vor allem aufgrund des günstigen Preises. Doch neuere Studien, insbesondere von Summerfield et al. (2024), werfen ein neues Licht auf die Effizienz von Amblyseius swirskii [1].

Der Swirskii-Vorteil bei Thrips tabaci

In Laborversuchen wurde festgestellt, dass A. swirskii deutlich mehr Larven des Zwiebelthrips (Thrips tabaci) konsumiert als der Kalifornische Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) [1]. Dies ist eine entscheidende Erkenntnis für Gärtner, die mit gemischten Populationen zu kämpfen haben. Während N. cucumeris oft Schwierigkeiten hat, einen etablierten Befall von Thrips tabaci unter Kontrolle zu bringen, zeigt A. swirskii hier eine überlegene Performance [1, 11].

Wichtiger Hinweis zum Klima:

A. swirskii ist eine wärmeliebende Art. Sie benötigt Temperaturen von mindestens 20-22 °C, um aktiv zu werden. Bei kühleren Bedingungen (z. B. im zeitigen Frühjahr oder in ungeheizten Gewächshäusern) ist N. cucumeris die bessere Wahl, da diese Art bereits ab 12-15 °C effektiv jagt [4, 6].

Swirskii vs. Cucumeris: Milben-Check
Swirskii vs. Cucumeris: Milben-Check

Spezialisten für extreme Bedingungen: A. limonicus und I. degenerans

Wenn die Standard-Arten an ihre Grenzen stoßen, kommen Spezialisten zum Einsatz. Amblydromalus limonicus hat sich in Versuchen als extrem leistungsstark erwiesen, da diese Milbe im Gegensatz zu vielen anderen auch das zweite Larvenstadium (L2) der Thripse erfolgreich angreifen kann [1, 34]. Zudem bleibt sie auch bei kühleren Temperaturen und kürzeren Tagen aktiv, was sie zu einem idealen Kandidaten für die Wintermonate macht [89].

Iphiseius degenerans hingegen ist der Spezialist für Kulturen mit hohem Pollenangebot, wie etwa Paprika. Diese Milbe kann sich hervorragend von Pollen ernähren und so eine stabile Population aufbauen, noch bevor die ersten Thripse erscheinen [36, 49]. Dies macht sie zu einem der besten präventiven Werkzeuge im biologischen Pflanzenschutz.

Die Zwei-Fronten-Strategie gegen Thripse
Die Zwei-Fronten-Strategie gegen Thripse

Die vergessene Front: Bodenbewohnende Raubmilben gegen Puppen

Ein häufiger Fehler bei der Bekämpfung von Thripsen mit Raubmilben ist die Vernachlässigung des Bodens. Etwa 70 % des Lebenszyklus eines Thrips finden auf der Pflanze statt, doch für die Verpuppung lassen sich die Larven der meisten Arten (wie F. occidentalis und T. tabaci) auf den Boden fallen [3, 53].

Hier setzen Arten wie Hypoaspis miles (neu: Stratiolaelaps scimitus) oder Macrocheles robustulus an. Diese Milben leben in den obersten 1-2 cm des Substrats und fressen dort die wehrlosen Vorpuppen und Puppen der Thripse [4, 52]. Ohne diese "Boden-Polizei" schlüpfen ständig neue adulte Thripse aus dem Substrat nach, was zu den typischen Wellenbewegungen beim Befallsdruck führt. Eine Kombination aus blattbewohnenden Milben (für L1) und bodenbewohnenden Milben (für Puppen) ist daher der Goldstandard einer nachhaltigen Strategie [1, 52].

Optimierung der Raubmilben-Leistung: Der Faktor Zucker und Pollen

Wissenschaftliche Untersuchungen des Julius-Kühn-Instituts haben gezeigt, dass der Zusatz von Zucker (z. B. Attracker) in Tankmischungen die Wirkung von Insektiziden verbessern kann, indem er Thripse aus ihren Verstecken lockt [PDF 1]. Interessanterweise kann dieses Prinzip auch für Raubmilben genutzt werden. Wenn keine Beute vorhanden ist, benötigen viele Raubmilben alternative Nahrungsquellen, um nicht zu verhungern.

Das Ausbringen von Ersatznahrung wie Typha-Pollen (Rohrkolbenpollen) kann die Population von A. swirskii auf der Pflanze um das Zehnfache erhöhen, selbst wenn keine Thripse vorhanden sind [49]. Dies ermöglicht eine "stehende Armee", die sofort einsatzbereit ist, sobald der Schädling auftaucht.

Profi-Tipp: Die Luftfeuchtigkeit

Die Eier von Raubmilben sind extrem empfindlich gegenüber Austrocknung. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von unter 60 % schlüpfen kaum noch Larven aus den abgelegten Eiern der Nützlinge [6, 46]. Besprühen Sie die Pflanzen in trockenen Perioden morgens leicht mit Wasser oder nutzen Sie Verdunstungsschalen, um das Mikroklima für die Milben zu optimieren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Raubmilbe ist am besten gegen Thripse?

Das hängt von der Temperatur ab. Über 20 °C ist Amblyseius swirskii am effektivsten, da sie sehr aktiv jagt. Unter 20 °C ist Neoseiulus cucumeris die bessere Wahl.

Fressen Raubmilben auch erwachsene Thripse?

In der Regel nein. Die meisten Raubmilben-Arten konzentrieren sich auf das erste Larvenstadium (L1). Für die Bekämpfung adulter Thripse sind Raubwanzen wie Orius insidiosus besser geeignet.

Wie viele Raubmilben brauche ich pro Pflanze?

Präventiv reichen oft 25-50 Milben pro m². Bei akutem Befall sollte die Rate auf 100-500 Milben pro m² erhöht werden, idealerweise alle 2 Wochen wiederholt.

Können Raubmilben mit Neemöl kombiniert werden?

Vorsicht ist geboten. Neemöl kann die Mobilität und Reproduktion der Milben einschränken. Es ist besser, Neem erst abtrocknen zu lassen, bevor Nützlinge ausgebracht werden.

Fazit

Raubmilben sind kein "Fire-and-Forget"-Produkt, sondern Teil eines biologischen Systems. Der Erfolg bei der Bekämpfung von Thripsen hängt maßgeblich davon ab, die richtige Art für die vorherrschende Thrips-Spezies und die klimatischen Bedingungen zu wählen. Während A. swirskii bei Wärme und Zwiebelthrips-Befall glänzt, bietet N. cucumeris eine solide Basis für kühlere Perioden. Vergessen Sie niemals die Bodenkomponente mit Hypoaspis miles, um den Kreislauf der Verpuppung zu durchbrechen. Wenn Sie zudem für ausreichend Luftfeuchtigkeit sorgen, werden Raubmilben zu Ihrem mächtigsten Verbündeten im Kampf gegen den Thrips-Befall.

Quellen

  1. Summerfield, A., et al. (2024). Laboratory Investigations on the Potential Efficacy of Biological Control Agents on Two Thrips Species. Insects, 15(6), 400.
  2. EPPO (2025). PM 7/011 (2) Frankliniella occidentalis. EPPO Bulletin, 55, 170–182.
  3. Landesanstalt für Landwirtschaft Sachsen-Anhalt (2017). Thrips-Arten im Gartenbau.
  4. Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Thripse als Schädlinge und ihre Gegenspieler.
  5. EPPO (2018). PM 7/3 (3) Thrips palmi. EPPO Bulletin, 48(3), 446–460.
  6. Regierungspräsidium Stuttgart (2009). Thripse, Fransenflügler oder Blasenfüße - Information.
  7. Julius-Kühn-Archiv (2018). 61. Deutsche Pflanzenschutztagung - Kurzfassungen.
  8. CABI BioProtection Portal. Thrips Management: Identification, Impact and Control.
  9. Bakker & Sabelis (1989). How larvae of Thrips tabaci reduce the attack success of phytoseiid predators. Entomologia Experimentalis et Applicata.
  10. Royal Brinkman Wissensdatenbank. Hercinothrips femoralis erkennen und bekämpfen.

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