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Lexikon-Eintrag

Stockrosen Alcea rosea

Stockrosen

Taxonomie

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Malvales (Malvales)
Familie Malvaceae
Gattung Alcea
Art Alcea rosea
Wissenschaftlicher Name Alcea rosea L.
Akzeptierter Name

Einleitung

Die Gewöhnliche Stockrose (*Alcea rosea*) ist eine zweijährige bis kurzlebige ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae).[1][2] Ursprünglich als Kulturpflanze (Kultigen) aus Westasien oder dem südwestlichen China stammend, wird sie heute weltweit als Zierpflanze genutzt und ist in vielen gemäßigten Regionen eingebürgert.[3][2] Ein bekanntes Synonym ist *Althaea rosea*, wobei die Art aufgrund spezifischer Fruchtmerkmale wie zweikammeriger Teilfrüchte taxonomisch von der Gattung *Althaea* abgegrenzt wird.[3]

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Fakten (kompakt)

- Die Blüten erreichen einen Durchmesser von 7,6 bis 12,7 cm und variieren farblich zwischen Rosa, Rot, Weiß, Gelb und Violett. - *Alcea rosea* gedeiht in den USDA-Winterhärtezonen 3 bis 9. - Zu den kultivierten Formen gehört die Sorte 'Nigra', die durch ihre tief kastanienbraunen Blüten auffällt. - Die Blütenblätter sind essbar und finden Verwendung als dekorative Garnitur. - Historisch wurde die Pflanze zur Gewinnung von Farbstoffen aus den Blütenblättern genutzt. - An windigen Standorten benötigen die hohen Stängel oft eine Stütze, um Schäden zu vermeiden. - Neben Pilzkrankheiten können Schädlinge wie Japankäfer die Pflanzen befallen. - Die Gattung *Alcea* umfasst insgesamt etwa 60 bis 80 Arten, die primär im Mittelmeerraum und Zentralasien verbreitet sind. - Die Art neigt dazu, sich durch reichliche Selbstaussaat im Garten zu erhalten und bildet zahlreiche dunkle Samen in abgerundeten Kapseln.[6]

Name & Einordnung

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von *Alcea rosea* erfolgte im Jahr 1753 durch Carl Linnaeus in seinem Werk *Species Plantarum*.[1][3] Der Gattungsname *Alcea* leitet sich vom griechischen Begriff *alkea* oder *alkaia* ab, der sich auf verwandte Malvengewächse bezieht. Das lateinische Art-Epitheton *rosea* bedeutet „rosenfarben“ oder „rosenartig“ und verweist auf die Ästhetik der Blüten. Historisch wurde die Art von einigen Autoren zeitweise in die Gattung *Althaea* gestellt, weshalb *Althaea rosea* (L.) Cav. als primäres Synonym gilt. Aufgrund morphologischer Unterscheidungsmerkmale, wie zweikammeriger Teilfrüchte (Merikarpien) und gelblicher Staubbeutel, wird sie in modernen Systematiken jedoch wieder der Gattung *Alcea* zugeordnet.[3] Weitere Synonyme wie *Alcea ficifolia* L. oder *Althaea ficifolia* (L.) Cavilles entstanden teilweise durch die Variabilität der Blattformen bei kultivierten Exemplaren.[3] Im deutschen Sprachraum trägt die Art den Trivialnamen Stockrose. International ist sie im Englischen weitläufig als „hollyhock“ bekannt.[2] Die Art gilt als Cultigen mit Ursprung in Westasien, vermutlich der Türkei oder Südwestchina, und besitzt einen diploiden Chromosomensatz von 2n=42.[3][2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Alcea rosea wächst als zweijährige oder kurzlebige ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 1,5 bis 3 Metern bei einer Breite von 30 bis 60 cm erreicht.[2][3] Die Pflanze bildet ein kräftiges Pfahlwurzelsystem aus, das im ersten Jahr zunächst eine grundständige Blattrosette verankert.[3] Der aufrechte, markhaltige Stängel ist oft unverzweigt und mit rauen, sternförmigen Haaren besetzt, die ihm eine grobe Textur verleihen, wobei er im Alter glatter wird.[2][3] Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind handförmig mit fünf bis sieben flachen Lappen gelappt und an der Basis herzförmig. Sie erreichen einen Durchmesser von bis zu 20 cm, besitzen gekerbte Ränder und sind auf beiden Oberflächen behaart, wobei die Blattstiele mindestens so lang wie die Blattspreite sind.[3] Die schalenförmigen Blüten erscheinen im zweiten Jahr in dichten, endständigen Ähren oder Trauben, die eine Länge von 30 bis 90 cm erreichen können.[2][3] Jede radiärsymmetrische Einzelblüte misst 8 bis 10 cm im Durchmesser und besteht aus fünf verkehrteiförmigen Kronblättern, die eine zentrale Säule aus verwachsenen Staubblättern und Stempeln umschließen.[3] Das Farbspektrum der Kronblätter reicht von Weiß, Gelb und Rosa bis zu Dunkelrot und Schwarz-Lila.[2][3] Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal für die Gattungseinordnung sind die gelblichen Staubbeutel sowie die spezifische Fruchtform.[1] Nach der Bestäubung entwickeln sich scheibenförmige Spaltfrüchte (Schizokarpien) mit einem Durchmesser von etwa 2 cm.[3] Diese zerfallen bei Reife in 15 bis 20 zweikammerige Teilfrüchte (Merikarpien), die jeweils einen dunkelbraunen, ovalen und abgeflachten Samen enthalten.[3][1] Von verwechselbaren Arten wie Alcea ficifolia unterscheidet sich Alcea rosea primär durch die Blattform, während sie von der Gattung Althaea durch die zweikammerigen Merikarpien abgegrenzt wird. Zytogenetisch weist die Art einen diploiden Chromosomensatz von 2n=42 auf.[1]

Beschreibung

*Alcea rosea* ist eine krautige, zweijährige oder kurzlebig ausdauernde Pflanze aus der Familie der Malvengewächse (*Malvaceae*), die ursprünglich als Kulturpflanze aus Westasien, vermutlich der Türkei oder Südwestchina, stammt.[2][3] Im natürlichen Lebensraum und in verwilderten Beständen bildet die Art im ersten Jahr eine grundständige Blattrosette, aus der im zweiten Jahr ein kräftiger, unverzweigter Blütenstängel emporwächst.[2] Dieser aufrechte Stängel erreicht typischerweise Höhen von 1,5 bis 2,4 Metern, ist markhaltig und von einer rauen Textur geprägt. Die großen, wechselständig angeordneten Laubblätter sind handförmig gelappt mit fünf bis sieben flachen Lappen und einer herzförmigen Basis.[3] Ein markantes Erkennungsmerkmal, das besonders unter dem Mikroskop deutlich wird, sind die sternförmigen Haare (Sternhaare), welche Stängel und Blätter bedecken und der Pflanze ihren rauen Charakter verleihen.[2][3] Anatomisch ist die Stockrose durch ein kräftiges Pfahlwurzelsystem an trockene Phasen angepasst, welches der Pflanze Stabilität und Zugang zu tieferen Bodenwasserschichten verschafft.[3] Die großen, schalenförmigen Blüten sitzen in dichten, endständigen Ähren und bestehen aus fünf Kronblättern, die eine zentrale Säule aus verwachsenen Staubblättern und Stempeln umschließen.[2] Diese zentrale Säule vereint die Geschlechtsorgane in einer für Malvengewächse typischen Röhrenstruktur, wobei die Blüten zwittrig sind. Der Lebenszyklus umfasst keine Larvenstadien, sondern verläuft vom Samen über eine Keimlingsphase zur vegetativen Rosette, bevor die generative Phase mit der Blütenbildung einsetzt. Nach der Bestäubung bilden sich scheibenförmige Spaltfrüchte, die in 15 bis 20 einzelne Teilfrüchte (Merikarpien) zerfallen, ein Merkmal, das *Alcea* taxonomisch von verwandten Gattungen abgrenzt.[3] Zytogenetisch weist die Art einen diploiden Chromosomensatz von 2n=42 auf, wobei das Genom im Jahr 2025 vollständig auf Chromosomenebene sequenziert wurde.[2] Historisch wurde die Art 1753 von Carl von Linné erstbeschrieben und aufgrund morphologischer Variabilität zeitweise der Gattung *Althaea* zugeordnet, bevor moderne Analysen die Eigenständigkeit bestätigten.[3] Die Wurzeln und Pflanzenteile enthalten Schleimstoffe, die in der Pflanzenphysiologie als Wasserspeicher dienen und historisch therapeutisch sowie kosmetisch genutzt wurden.[4] In gemäßigten Klimazonen verhält sich die Pflanze oft als kurzlebige Staude, die sich an geeigneten Standorten durch Selbstaussaat erhält und Kolonien bildet.[2][3]

Verhalten

Das Wachstumsverhalten von *Alcea rosea* ist typischerweise zweijährig geprägt, wobei die Pflanze im ersten Jahr eine basale Blattrosette bildet und im zweiten Jahr einen dominanten vertikalen Blütenstand entwickelt.[4][2] Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis August, wobei sich die Blüten sequenziell entlang der Ähre öffnen. In der Interaktion mit der Fauna fungiert die Art als wichtige Nektarquelle und zieht Bestäuber wie Honigbienen (*Apis mellifera*), Schwebfliegen, Schmetterlinge sowie Kolibris an.[2] Obwohl die Fortpflanzungsstrategie primär auf Fremdbestäubung ausgerichtet ist, besitzt *Alcea rosea* die Fähigkeit zur fakultativen Selbstbestäubung, falls tierische Vektoren ausbleiben.[3] Nach der Reife zeigen die scheibenförmigen Spaltfrüchte ein Dehiszenzverhalten, indem sie aufplatzen und die Samen freigeben. Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt vorrangig durch den Wind (Anemochorie), begünstigt durch die leichte Struktur der Samen, sowie sekundär durch Anhaftung an Tieren. Ökologisch verhält sich die Art oft als Pionierpflanze, die rasch gestörte Habitate wie Straßenränder, Bahndämme und Brachflächen besiedelt. Eine besondere physiologische Anpassung ist die Toleranz gegenüber Bodenkontaminationen; Studien zeigen, dass die Pflanze Schwermetalle wie Blei und Zink in ihrem Gewebe akkumulieren kann (Phytoremediation). Zur Bewältigung von Umweltstress nutzt *Alcea rosea* ein tiefreichendes Pfahlwurzelsystem, das ihr eine moderate Trockenstresstoleranz verleiht, indem Wasser aus tieferen Bodenschichten erschlossen wird.[2]

Ökologie

In natürlichen und anthropogen überformten Lebensräumen besiedelt *Alcea rosea* bevorzugt gestörte Areale wie Straßenränder, Brachflächen und Bahndämme, wo Bodenstörungen die Keimung begünstigen. Mit ihrem tiefreichenden Pfahlwurzelsystem verankert sich die Pflanze in lockeren Substraten und trägt lokal zur Bodenstabilisierung bei.[4] Ökologisch fungiert die Art als relevante Nektarquelle für ein breites Spektrum an Bestäubern, darunter Honigbienen (*Apis mellifera*), Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge.[2] Die Verbreitung der Samen erfolgt primär anemochor (durch Wind) aufgrund der leichten Struktur der Mericarpien, sekundär auch durch Anhaftung an Tiere.[4] Zu den spezifischen Antagonisten zählt der Stockrosen-Spitzmausrüssler (*Rhopalapion longirostre*), dessen Larven sich in die Samenkapseln bohren und die Reproduktionsfähigkeit der Pflanze mindern.[3] Herbivore Insekten wie der Japan-Käfer (*Popillia japonica*) und Larven der Blattwespe *Atomacera decepta* nutzen die Blätter als Nahrungsquelle und verursachen Skelettierfraß. Zudem dient *Alcea rosea* als Wirt für saugende Insekten wie die Grüne Pfirsichblattlaus (*Myzus persicae*), die als Vektor für Pflanzenviren agieren kann.[4] Ein bedeutender phytopathologischer Faktor ist der Malvenrost (*Puccinia malvacearum*), ein Pilz, der Pusteln auf den Blättern bildet und die Vitalität der Pflanze durch vorzeitigen Blattabwurf schwächt.[3] In schwermetallbelasteten Böden zeigt die Art eine Toleranz gegenüber Blei und Zink, welche sie im Gewebe akkumuliert, was auf ein Potenzial zur Phytoremediation hinweist.[2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Alcea rosea wird primär als Zierpflanze kultiviert und fördert als Nützling die Biodiversität, indem sie Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge anzieht. Darüber hinaus besitzt die Pflanze ein Potenzial zur Phytoremediation, da sie Schwermetalle wie Blei und Zink in ihrem Gewebe akkumulieren kann, ohne abzusterben.[2] In der Kosmetik und traditionellen Medizin finden Extrakte aufgrund ihrer schleimbildenden und entzündungshemmenden Eigenschaften Anwendung, etwa zur Hautberuhigung.[4] Als Wirtspflanze ist die Stockrose jedoch anfällig für diverse Schaderreger, wobei der Malvenrost (*Puccinia malvacearum*) die gravierendste Pilzerkrankung darstellt.[3] Typische Schadbilder des Rosts sind orange-gelbe Pusteln auf der Blattoberseite und braune Sporenlager auf der Unterseite, die zu Vergilbung und vorzeitigem Blattfall führen.[2] Tierische Schädlinge wie der Japanische Käfer (*Popillia japonica*) verursachen Skelettierfraß an den Blättern, während Rüsselkäfer (*Rhopalapion longirostre*) die Samenproduktion durch Larvenfraß in den Kapseln zerstören.[4][3] Ein Befall durch Blattläuse (*Myzus persicae*) führt oft zu verkrüppelten Trieben und Rußtaupilzbildung, zudem fungieren sie als Vektoren für Viruserkrankungen.[4] Zur Prävention sind bauliche Maßnahmen wie Pflanzabstände von mindestens 60 cm essenziell, um die Luftzirkulation zu gewährleisten und pilzbegünstigende Feuchtigkeit zu reduzieren.[2] Hygienische Maßnahmen umfassen das konsequente Entfernen infizierter Pflanzenteile, die im Restmüll entsorgt werden müssen, um eine Überwinterung der Sporen zu verhindern.[3] Gegen Wildverbiss durch Rehe und Kaninchen, die bevorzugt junge Triebe fressen, bieten physische Barrieren wie Zäune den effektivsten Schutz. Das Monitoring sollte regelmäßige Kontrollen der Blattunterseiten auf Pusteln oder Schädlingskolonien beinhalten, um frühzeitig intervenieren zu können.[2] Biologische Bekämpfungsmaßnahmen nutzen Bakterienpräparate wie *Bacillus thuringiensis* gegen Blattwespenlarven oder *Bacillus subtilis* zur Eindämmung von Pilzinfektionen.[4][3] Physikalisch können Käfer in den kühlen Morgenstunden abgesammelt oder mit einem starken Wasserstrahl entfernt werden. Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) kommen bei starkem Befall Insektizidseifen oder Neemöl zum Einsatz, die Nützlinge schonen.[4] Chemische Fungizide wie Chlorothalonil oder Myclobutanil sollten nur bei hohem Infektionsdruck und unter Rotation der Wirkstoffklassen angewendet werden, um Resistenzen zu vermeiden.[2]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die primäre wirtschaftliche Relevanz von *Alcea rosea* liegt im globalen Zierpflanzenbau, wo die Art als klassische Bauerngartenpflanze und Schnittblume vermarktet wird.[2] Erhebliche ökonomische Einbußen verursacht der Malvenrost (*Puccinia malvacearum*), der als wichtigster Pilzschädling den ästhetischen Verkaufswert durch Blattverlust und Pustelbildung bis zum Totalausfall mindern kann.[3][2] In der kommerziellen Saatgutproduktion stellt der Stockrosen-Spitzmausrüssler (*Rhopalapion longirostre*) eine spezifische Bedrohung dar, da dessen Larven die Samenanlagen zerstören und so die Vermehrungsrate signifikant senken. Zusätzlich führen Fraßschäden durch den Japankäfer (*Popillia japonica*) an Blättern und Blüten zu Qualitätsverlusten, die im Erwerbsgartenbau Bekämpfungsmaßnahmen erfordern.[3] Jenseits des Gartenbaus gewinnt die Pflanze in der kosmetischen Industrie an Bedeutung, wo patentierte Verfahren Extrakte aus Wurzeln und Kallusgewebe für Hautpflegeprodukte nutzen.[4] Historisch war die Gewinnung von Farbstoffen aus den Blütenblättern für die Textilfärbung relevant, besetzt heute jedoch nur noch Nischenmärkte. Als ökologische Dienstleistung unterstützt *Alcea rosea* durch ihr reiches Nektarangebot Populationen wirtschaftlich nützlicher Bestäuber wie Honigbienen und Hummeln. Zudem weist die Art ein wirtschaftliches Potenzial in der Phytoremediation auf, da sie fähig ist, Schwermetalle wie Blei und Zink aus belasteten Böden zu extrahieren.[2]

Biologie & Lebenszyklus

Alcea rosea ist eine zweijährige oder kurzlebige ausdauernde krautige Pflanze, die im ersten Jahr eine basale Rosette aus großen, handförmig gelappten Blättern bildet. Die Pflanze entwickelt ein kräftiges Pfahlwurzelsystem, das als Speicherorgan dient und das Überleben in Ruhephasen sowie die Verankerung im Boden sichert.[2] Im zweiten Jahr treibt ein unverzweigter, bis zu 2,4 Meter hoher Blütenstängel aus, der mit sternförmigen Haaren besetzt ist und im Alter glatter wird.[3] Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis August, wobei sich die schalenförmigen Blüten in einer dichten terminalen Ähre nacheinander öffnen.[2] Die Blüten sind zwittrig und werden primär durch Insekten wie Bienen (z. B. *Apis mellifera*), Schmetterlinge und Kolibris fremdbestäubt, können sich bei Mangel an Bestäubern jedoch auch selbst bestäuben.[2] Nach der Befruchtung bilden sich scheibenförmige Spaltfrüchte, die bei Reife in 15 bis 20 einzelne Merikarpien zerfallen. Die dunkelbraunen Samen werden primär durch den Wind (Anemochorie) verbreitet, begünstigt durch ihre leichte Struktur, oder haften an Tieren an.[3] Samen bleiben unter kühlen, trockenen Bedingungen zwei bis drei Jahre keimfähig, wobei eine Kältestratifikation von zwei bis drei Wochen bei etwa 4 °C die Keimung nach der Winterruhe stimuliert.[5] Physiologisch ist die Art an USDA-Klimazonen 3 bis 9 angepasst und überdauert Kälteperioden durch das Absterben der oberirdischen Biomasse, während die Wurzelkrone persistiert. Für die Entwicklung sind vollsonnige Standorte mit gut durchlässigen, nährstoffreichen Lehmböden und mittlerer Feuchtigkeit optimal. Ökologisch fungiert die Pflanze als Wirt und Nahrungsquelle, zeigt aber auch eine Toleranz gegenüber Schwermetallen wie Blei und Zink, die sie zur Phytoremediation in ihren Geweben akkumulieren kann.[2] Zu den spezifischen Fressfeinden gehören die Larven des Rüsselkäfers *Rhopalapion longirostre*, die sich in die entwickelnden Samenkapseln bohren und die Reproduktion mindern. Larven der Blattwespe *Atomacera decepta* skelettieren die Blätter, indem sie das Gewebe zwischen den Adern abfressen, was zu starker Entlaubung führen kann.[3] Adulte Japankäfer (*Popillia japonica*) und Blattläuse wie *Myzus persicae* schädigen die Pflanze durch Fraß bzw. Saugen von Pflanzensaft, wobei letztere auch Viren übertragen können.[4] Ein bedeutender Mortalitätsfaktor ist der Malvenrost (*Puccinia malvacearum*), der gelb-orange Pusteln auf den Blättern verursacht und die Vitalität der Pflanze stark beeinträchtigen kann.[2]

Vorkommen & Lebensraum

Alcea rosea entstand ursprünglich als Kulturpflanze (Cultigen) in Westasien, wobei die Türkei als primäres Herkunftsgebiet gilt.[1] Die genaue wilde Abstammung ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt, wobei einige Quellen auch das südwestliche China als mögliche Ursprungsregion der Vorläuferarten diskutieren.[3] Nach Europa gelangte die Art wahrscheinlich im 13. Jahrhundert, eventuell über Handelsrouten oder zurückkehrende Kreuzfahrer, und war bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts bereits in England dokumentiert.[2] Europäische Siedler führten die Stockrose im 17. Jahrhundert in Nordamerika ein, wo sie sich rasch aus Gärten in die Umgebung ausbreitete.[4] Heute umfasst das Verbreitungsgebiet gemäßigte Klimazonen weltweit, mit naturalisierten Vorkommen in Europa, Nordamerika, Afrika und Australien. Die Pflanze gedeiht in den Winterhärtezonen 3 bis 9 und gilt in den meisten Regionen als etablierter Neophyt, ohne invasiven Charakter zu zeigen. Als typischer Kulturflüchtling besiedelt Alcea rosea vorzugsweise ruderale und gestörte Standorte wie Straßenränder, Bahndämme, Brachflächen und Schuttplätze. Besonders in urbanen Lebensräumen und Siedlungsbereichen findet sie durch Bodenstörungen geeignete Nischen zur Etablierung. Die Art bevorzugt vollsonnige Lagen auf gut durchlässigen, nährstoffreichen Lehmböden, toleriert jedoch auch sandige oder tonige Substrate mit einem pH-Wert von 6,0 bis 8,0.[2] Ein tiefreichendes Pfahlwurzelsystem ermöglicht der Pflanze eine moderate Toleranz gegenüber Trockenheit, während Staunässe schlecht vertragen wird.[3] In diesen Habitaten übernimmt die Stockrose durch ihre Verankerung auf lockeren Untergründen eine Funktion bei der Bodenstabilisierung. Ökologisch dient sie zudem als Nahrungsquelle für diverse Bestäuber, darunter Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge.[2]

Saisonalität & Aktivität

*Alcea rosea* folgt typischerweise einem zweijährigen oder kurzlebig ausdauernden Lebenszyklus, bei dem im ersten Jahr eine basale Blattrosette und im zweiten Jahr der vertikale Blütenstand gebildet wird.[2][1] Die vegetative Aktivität nimmt im Frühjahr zu, gefolgt von einer Hauptblütezeit, die sich von Juni bis August oder vom Hochsommer bis in den frühen Herbst erstreckt.[2][4] Parallel zu dieser biologischen Hochphase verzeichnet auch das öffentliche Interesse in den Monaten Juli und August seine jährlichen Höchstwerte. Die Blüten sind tagsüber geöffnet und werden von diurnalen Bestäubern wie Honigbienen (*Apis mellifera*) und Hummeln angeflogen. Nach der Bestäubung entwickeln sich bis zum Herbst die Spaltfrüchte, die bei Reife austrocknen und die Samen freigeben.[2] Um die Dormanz zu brechen, profitieren die Samen von einer Kältestratifikation, weshalb die Keimung oft erst nach einer natürlichen Überwinterung erfolgt.[5] In den Winterhärtezonen 3 bis 9 überdauert die Pflanze die kalte Jahreszeit durch ihr Pfahlwurzelsystem, während die oberirdischen Teile absterben und im Folgejahr neu austreiben.[2][4] Spezifische Schädlinge wie der Japankäfer (*Popillia japonica*) treten saisonal gebunden vorwiegend in den Sommermonaten auf.[4] Auch Pilzerkrankungen wie der Malvenrost (*Puccinia malvacearum*) zeigen ihre Symptome typischerweise ab dem Frühsommer an den Blättern.[3]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Eimsbüttel, Deutschland

    06.01.2026

  • Düsseldorf, NW, Deutschland

    22.12.2025

  • Freising, Thalhauser Straße, 85354 Freising, Deutschland

    13.11.2025

  • Korb, Baden-Württemberg, Deutschland

    08.11.2025

  • Minden, North Rhine-Westphalia, Deutschland

    06.11.2025

Daten: iNaturalist

Wissenschaftliche Forschung & Patente

KR-102233707-B1 Biological Erteilt

Kosmetische Zusammensetzung mit Stockrosen-Wurzelextrakt und natürlichen Pulvern

Kim Hyun Sook (2021)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Diese Zusammensetzung kombiniert Alcea rosea-Wurzelextrakt mit Ginseng und Kräuterpulvern zur Hautpflege. Sie zielt auf die Förderung nützlicher Hautbakterien und die Linderung von Schwellungen ab. Die Kombination natürlicher Inhaltsstoffe soll synergetische Effekte für die Hautgesundheit und Regeneration bieten.

KR-102167786-B1 Biological Erteilt

Verfahren zur Herstellung eines fermentierten Extrakts aus Stockrose und anderen Pflanzen mittels Lactobacillus

Torriden Company Ltd. (2020)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Es wird ein Verfahren vorgestellt, bei dem Extrakte von Alcea rosea und anderen Heilpflanzen mit Lactobacillus curvatus fermentiert werden. Durch die Fermentation wird die Bioverfügbarkeit und Wirksamkeit der Inhaltsstoffe erhöht. Das resultierende Produkt wirkt hautberuhigend, entzündungshemmend und unterstützt die Wundheilung.

KR-101963597-B1 Biological Erteilt

Kosmetische Zusammensetzung mit antioxidativer und aufhellender Wirkung aus Stockrosen-Kallus-Extrakt

Hankook Cosmetics Mfg Company Ltd. (2018)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Die Erfindung nutzt einen Kallus-Extrakt (Pflanzengewebekultur) von Alcea rosea für kosmetische Zwecke. Der Extrakt bietet antioxidative, hautaufhellende und feuchtigkeitsspendende Effekte. Dies ist besonders relevant für Anti-Aging-Produkte und zur Verbesserung des Hauttons, da die Wirkstoffe aus den Stammzellen der Pflanze gewonnen werden.

KR-20180134730-A Biological Unbekannt

Pflaster zur Vorbeugung und Behandlung von Dehnungsstreifen mit Stockrosen-Extrakt

Kim Jung Hee (2017)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt ein Pflaster, das mit einer Wirkstoffmischung aus Alcea rosea-Wurzelextrakt und anderen Pflanzen getränkt ist. Es fördert die Kollagenproduktion und Hautregeneration zur Minderung von Dehnungsstreifen. Die Anwendung als Pflaster ermöglicht eine gezielte und langanhaltende Einwirkung der Wirkstoffe auf betroffene Hautareale.

FR-2998172-A1 Biological Unbekannt

Kosmetische Zusammensetzung mit Blütenwasser der Stockrose zur Hautbefeuchtung

Lea Laboratory (2012)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt die Verwendung von Blütenwasser der Stockrose (Alcea rosea) als feuchtigkeitsspendenden Wirkstoff in Kosmetika. Das Wasser wird durch wässrige Extraktion der oberirdischen Pflanzenteile gewonnen. Die Kernidee ist die Nutzung der natürlichen hydratisierenden Eigenschaften der Pflanze für die Hautpflege, ohne synthetische Zusätze.

Quellen & Referenzen

  1. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:558713-1
  2. https://www.britannica.com/plant/hollyhock
  3. https://floranorthamerica.org/Alcea_rosea
  4. https://plants.ces.ncsu.edu/plants/alcea-rosea/
  5. https://gaeasblessing.com/blogs/mindful-grower/cold-stratification-for-seeds-complete-guide-to-winter-seed-treatment
  6. Literaturzusammenfassung: Alcea rosea