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Lexikon-Eintrag

Schwärzepilz Alternaria alternata

Schwärzepilz

Taxonomie

Reich Pilze (Fungi)
Stamm Ascomycota (Ascomycota)
Klasse Dothideomycetes (Dothideomycetes)
Ordnung Pleosporales (Pleosporales)
Familie Pleosporaceae
Gattung Alternaria
Art Alternaria alternata
Wissenschaftlicher Name Alternaria alternata (Fr.) Keissl.
Akzeptierter Name

Einleitung

*Alternaria alternata* ist ein ubiquitär verbreiteter Schlauchpilz aus der Familie der Pleosporaceae, der sowohl als Saprophyt auf organischem Material als auch als opportunistisches Pflanzenpathogen auftritt. Die Art, die historisch unter Synonymen wie *Alternaria tenuis* geführt wurde, befällt über 400 Wirtspflanzen und verursacht wirtschaftlich relevante Schäden, etwa die Braunfleckenkrankheit bei Zitrusfrüchten.[1][2] Zudem spielt *A. alternata* eine wesentliche Rolle als Umweltallergen, das bei sensibilisierten Personen Asthma und Rhinitis auslösen kann.[1]

Fakten (kompakt)

- Die muriformen Konidien erreichen eine Größe von 26–30 × 5–9 µm und sind durch 4 bis 7 transversale sowie gelegentliche longitudinale Septen unterteilt. - Im Außenbereich können die Sporenkonzentrationen Spitzenwerte von über 7.500 Sporen pro Kubikmeter Luft erreichen. - Der Pilz toleriert eine weite Temperaturspanne von 2 bis 32 °C für sein Wachstum. - Zu den spezifischen Krankheitsbildern zählen neben dem Zitrusbefall auch die Kernfäule bei Äpfeln (*core rot*) sowie die Schwarzfleckenkrankheit bei Buschbohnen. - Die Produktion wirtspezifischer Toxine wird durch Gene gesteuert, die auf konditional entbehrlichen Chromosomen liegen. - Bei immungeschwächten Personen kann der Erreger das Krankheitsbild der kutanen oder respiratorischen Alternariose auslösen. - Das Hauptallergen Alt a 1 ist biochemisch als Glykoprotein mit einem Molekulargewicht von 29–31 kDa charakterisiert. - Phylogenetische Untersuchungen bestätigen die taxonomische Position durch Sequenzanalysen der ITS-Region und der SSU-rDNA. - Historisch wurden auch wirtspezifische Bezeichnungen wie *Alternaria mali* (1924) oder *Alternaria citri* als Synonyme verwendet.[7]

Name & Einordnung

Der heute akzeptierte wissenschaftliche Name lautet *Alternaria alternata* (Fr.) Keissl., eine Kombination, die 1912 von Karl von Keissler publiziert wurde.[1] Die ursprüngliche Erstbeschreibung erfolgte 1832 durch Elias Magnus Fries als *Torula alternata* im dritten Band des *Systema Mycologicum*, was die frühe taxonomische Zuordnung zur Gattung *Torula* widerspiegelt.[1][2] Zu den relevanten historischen Synonymen zählen *Alternaria tenuis* Nees (1817) sowie *Macrosporium tenuissimum* (Nees) Fr. (1832) und *Macrosporium fasciculatum* Cooke & Ellis (1878).[1][2] Auch ehemals eigenständige, wirtsspezifische Bezeichnungen wie *Alternaria mali* und *Alternaria citri* werden in der modernen Taxonomie oft als Synonyme oder Pathotypen von *A. alternata* betrachtet.[2] Historisch wurde der Pilz aufgrund seiner asexuellen Konidienbildung der Formklasse der Hyphomyceten zugeordnet, da kein Teleomorph (sexuelles Stadium) bestätigt ist.[2][1] Molekularphylogenetische Analysen der ITS-Regionen und der ribosomalen DNA bestätigen die heutige Einordnung in die Ordnung Pleosporales und die Familie Pleosporaceae. Innerhalb der Gattung wird die Art der Sektion *Alternaria* zugerechnet, die einen Komplex genetisch variabler, kleinsporiger Linien umfasst.[2] Im Deutschen wird die Gattung allgemein als Alternaria-Schimmelpilz bezeichnet, während die Art im phytopathologischen Kontext oft mit der Alternaria-Fruchtfäule in Verbindung gebracht wird.[1][3] Neuere phylogenomische Studien grenzen den *A. alternata*-Komplex zunehmend von nahen Verwandten wie *A. arborescens* ab, wobei die genetische Ähnlichkeit heute stärker gewichtet wird als rein morphologische Merkmale.[2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Auf Nährmedien wie Kartoffel-Dextrose-Agar (PDA) bildet *Alternaria alternata* schnell wachsende Kolonien, die nach sieben Tagen bei 25 °C einen Durchmesser von 7–9 cm erreichen.[2] Die Kolonien erscheinen durch Melanineinlagerungen dunkel olivgrün bis schwarz und weisen eine samtige bis filzige Textur auf, gelegentlich mit weißen Rändern.[2][1] Das vegetative Myzel besteht aus verzweigten, septierten Hyphen, die blassbraun gefärbt sind. Die Sporenträger (Konidiophoren) wachsen aufrecht, sind einfach oder verzweigt und septiert, mit einer Länge von 40–200 µm und einer Breite von 3–6 µm. Sie sind olivbraun gefärbt und zeigen oft eine knieförmige (genikulate) Struktur, an deren Spitzen die Sporen entstehen. Die asexuellen Sporen (Konidien) bilden sich in einfachen oder verzweigten Ketten von oft 6–14 Einheiten, was die schnelle Verbreitung begünstigt. Diese Konidien sind muriform strukturiert, besitzen also sowohl 3–11 quer verlaufende als auch 1–6 längs verlaufende Septen pro Segment. Ihre Form variiert von länglich bis verkehrt-keulenförmig (obclavat) oder eiförmig, mit Abmessungen von typischerweise 20–63 × 9–18 µm. Die Zellwände der Sporen sind blassbraun und glatt bis leicht warzig (verruculos). Auf V8-Agar können die Kolonien zudem violette, diffundierende Pigmente absondern, was als kulturelles Merkmal dient.[1] Im Feld ist der Pilz primär an den verursachten Blattflecken zu erkennen, die kreisförmig bis unregelmäßig sind und einen Durchmesser von 1–10 mm aufweisen. Diese Läsionen zeigen charakteristische zonierte Muster mit konzentrischen Ringen und sind oft von einem dunklen Rand oder gelben Hof umgeben. Eine rein morphologische Abgrenzung zu nah verwandten Arten wie *Alternaria solani* ist oft schwierig, da die Merkmale innerhalb der Sektion *Alternaria* stark variieren.[2] Während *A. solani* genetisch abgrenzbar ist, bilden Varianten innerhalb des *A. alternata*-Komplexes eine morphologisch kryptische Gruppe. Für eine exakte Bestimmung und Unterscheidung von ähnlichen Arten sind daher meist molekularbiologische Methoden wie die Analyse der ITS-Region oder spezifische PCR-Verfahren erforderlich.[2]

Beschreibung

Alternaria alternata ist ein ubiquitärer, dematiaceer Ascomycet, der sich durch seine bemerkenswerte ökologische Plastizität als Saprophyt, Endophyt und opportunistischer Krankheitserreger auszeichnet. Im natürlichen Lebensraum sowie in Kultur bildet der Pilz schnell wachsende, dunkel olivgrüne bis schwarze Kolonien, deren charakteristische Färbung auf die Einlagerung von Melanin in die Zellwände zurückzuführen ist. Diese Pigmentierung fungiert als anatomische Anpassung, die den Organismus vor UV-Strahlung schützt, wenngleich die Lebensfähigkeit der Sporen bei intensiver Lichtexposition und fehlendem Wirtsschutz abnimmt. Während die Feldidentifikation oft auf zonierten Blattflecken mit konzentrischen Ringen basiert, erfordert die exakte wissenschaftliche Bestimmung die mikroskopische Analyse der muriformen Konidien. Diese großen, länglichen Sporen (20–63 × 9–18 µm) weisen sowohl Quer- als auch Längssepten auf und bilden sich in einfachen oder verzweigten Ketten auf den Konidiophoren. Der Entwicklungszyklus ist primär asexuell geprägt, wobei die Konidien durch Wind über Distanzen von mehr als 100 Kilometern verbreitet werden können, was die kosmopolitische Verbreitung in gemäßigten und subtropischen Zonen erklärt. Da Pilze keine Larvenstadien besitzen, erfolgt die Entwicklung stattdessen über die Keimung von Konidien, die innerhalb von 3 bis 6 Stunden Keimschläuche und spezialisierte Infektionsstrukturen, sogenannte Appressorien, ausbilden. Diese Strukturen erzeugen mechanischen Druck, um die Wirtskutikula zu durchdringen, oder nutzen natürliche Öffnungen wie Stomata für den Eintritt. Obwohl kein sexuelles Stadium (Teleomorph) beobachtet wurde, deutet das Vorhandensein der Kreuzungstyp-Gene MAT1-1 und MAT1-2 in Populationen auf die Fähigkeit zu kryptischer sexueller Rekombination hin, was die genetische Diversität erhöht. Ein artspezifisches Merkmal ist die Produktion wirtspezifischer Toxine (HSTs) auf konditional entbehrlichen Chromosomen, welche die nekrotrophe Lebensweise steuern und den Übergang vom Endophyten zum Pathogen unter Stressbedingungen erleichtern.[2] Taxonomisch fungiert *A. alternata* als Typusart für den kleisporigen *Alternaria*-Komplex, einer Gruppe, deren Arten morphologisch schwer abgrenzbar sind und oft nur durch molekulare Marker wie die ITS-Region unterschieden werden können.[2] Die historische Erstbeschreibung erfolgte 1832 durch Elias Magnus Fries als *Torula alternata*, bevor die Art 1912 von Keissler basierend auf morphologischen Studien in die Gattung *Alternaria* überführt wurde.[1] Im Gegensatz zu verwandten Arten wie *Alternaria solani* befällt *A. alternata* ein extrem breites Wirtsspektrum von über 400 Pflanzenarten und verursacht diverse Symptome von Blattflecken bis zu Fruchtfäule.[2] Neben der pathogenen Wirkung wird die Art in der Biotechnologie erforscht, beispielsweise als Bioherbizid, dessen Fermentationsflüssigkeit das Wachstum bestimmter Pflanzen signifikant hemmen kann.[3] Die Überdauerung in kalten Perioden erfolgt durch Myzel in Pflanzenresten oder dickwandige Chlamydosporen, die Bodentemperaturen bis zu -5°C widerstehen und als primäres Inokulum für die Folgesaison dienen.[2]

Verhalten

Das Verhalten von *Alternaria alternata* ist durch eine hohe ökologische Plastizität gekennzeichnet, die einen Wechsel zwischen saprophytischen, endophytischen und pathogenen Lebensweisen in Abhängigkeit von Umweltstressfaktoren ermöglicht. Die Fortbewegung und Verbreitung der Sporen erfolgt passiv, wobei Konidien durch Wind über Distanzen von mehr als 100 Kilometern oder durch Regenspritzer über kurze Distanzen transportiert werden. Während des Infektionsvorgangs zeigt der Pilz ein gezieltes Eindringverhalten, indem Keimschläuche Appressorien bilden, um durch mechanischen Druck die Kutikula zu durchbrechen oder natürliche Öffnungen wie Stomata zu nutzen. Dieses Verhalten wird durch Umweltreize gesteuert, wobei hohe Luftfeuchtigkeit und spezifische Licht-Dunkel-Zyklen (12 Stunden) die Sporulation und Keimung synchronisieren.[2] Zur biochemischen Kommunikation und Wirtsmanipulation sekretiert *A. alternata* Effektoren wie das Protein AaAlta1, welche die pflanzliche Immunabwehr unterdrücken.[4] Als nekrotropher Organismus tötet er Wirtszellen aktiv durch die Abgabe wirtsspezifischer und nicht-wirtsspezifischer Toxine ab, um Nährstoffe aus dem abgestorbenen Gewebe zu beziehen. In Stressphasen oder im Winter zeigt der Pilz ein Überdauerungsverhalten, indem er als Myzel oder in Form von widerstandsfähigen Chlamydosporen in Pflanzenresten und im Boden verbleibt. Obwohl die Vermehrung überwiegend asexuell erfolgt, deutet das Vorhandensein von Mating-Type-Genen (MAT1-1 und MAT1-2) auf die Fähigkeit zu kryptischer Sexualität und genetischer Rekombination hin.[2]

Ökologie

Alternaria alternata fungiert im Ökosystem als ubiquitärer Saprophyt auf verrottendem organischem Material sowie als opportunistischer Pathogen auf über 400 Pflanzenarten.[2][1] Der Pilz zeigt eine hohe ökologische Plastizität und kann unter Umweltstress von einer endophytischen Lebensweise in asymptomatischen Pflanzen zu einer pathogenen Phase wechseln.[2] Er gedeiht als mesohygrophiler Organismus bevorzugt in warmen, feuchten Klimazonen und benötigt für eine erfolgreiche Infektion eine relative Luftfeuchtigkeit von über 90 % sowie eine Blattbenetzungsdauer von mindestens vier Stunden. Das Wachstumsoptimum liegt zwischen 25 und 28 °C, wobei die Art Temperaturen von 2 bis 32 °C toleriert und im Boden mittels Chlamydosporen bis zu -5 °C überdauert.[1] Als bodenbürtiger Saprophyt besiedelt A. alternata organisch reiche Böden und Pflanzenreste, die als Reservoir für das überwinternde Myzel dienen. Die Verbreitung der Konidien erfolgt primär durch Wind über Distanzen von mehr als 100 km, wobei die Sporenkonzentrationen im Spätsommer und Herbst ihren Höhepunkt erreichen.[1] In seiner nekrotrophen Phase sekretiert der Pilz wirtsspezifische Toxine, um Wirtszellen abzutöten und Nährstoffe zu erschließen.[2] Zu den natürlichen Antagonisten zählen Bakterien wie Bacillus subtilis, die Lipopeptide bilden, sowie Pilze wie Trichoderma harzianum, die das Myzelwachstum durch Mykoparasitismus hemmen.[5][4] Auch marine Streptomyces-Stämme und Chaetomium novozelandicum zeigen starke antagonistische Wirkungen gegen den Erreger.[3] Ferner belegen Daten die Wirksamkeit von Penicillium acidum-Kulturflüssigkeiten gegen A. alternata. Aufgrund seiner Aggressivität gegenüber bestimmten Wirten wird der Pilz ökologisch auch als potenzielles Bioherbizid gegen Kürbisgewächse untersucht.[3]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Alternaria alternata ist primär als bedeutender Pflanzenschädling und opportunistischer Humanpathogen klassifiziert, kann jedoch in spezifischen Anwendungen auch als Bioherbizid gegen Unkräuter fungieren.[2][3] Das Schadbild an über 400 Wirtspflanzen umfasst charakteristische Blattflecken mit konzentrischen Ringen, Stängelkrebse sowie Fruchtfäulen mit eingesunkenen, schwarzen Läsionen, was bei Tomaten zu Ernteverlusten bis zu 79 % führen kann.[2] Medizinisch relevant ist der Pilz als Hauptallergen, dessen Protein Alt a 1 bis zu 80 % der Schimmelpilzallergiker sensibilisiert und schweres Asthma auslösen kann.[1] Bei immungeschwächten Personen verursacht der Erreger zudem opportunistische Infektionen der Haut, Augen oder Atemwege (Alternariose). Zur Prävention sind bauliche und kulturelle Maßnahmen entscheidend, insbesondere eine 2–3-jährige Fruchtfolge und die strikte Beseitigung infizierter Pflanzenreste zur Reduktion des Inokulums. Da die Sporenkeimung Feuchtigkeit erfordert, sollten Bestände durch Tropfbewässerung und weite Pflanzabstände trocken gehalten werden. Der Anbau resistenter Sorten, etwa Tomaten mit dem Asc-1-Gen, bietet effektiven Schutz gegen Toxin-induzierte Zellnekrosen. Im Rahmen des Integrierten Pflanzenschutzes (IPM) erfolgt das Monitoring über Schadschwellen, wobei Fungizide erst ab einer Befallsdichte von beispielsweise 5–10 % eingesetzt werden.[2] Die chemische Bekämpfung nutzt Wirkstoffe wie Azoxystrobin, erfordert jedoch ein striktes Resistenzmanagement, da in einigen Populationen bereits Resistenzen gegen QoI-Fungizide nachgewiesen wurden.[6] Biologische Bekämpfungsansätze setzen erfolgreich Antagonisten wie Trichoderma harzianum oder Bacillus subtilis ein, die das Myzelwachstum durch Enzyme und Lipopeptide hemmen.[4] Neuere Entwicklungen umfassen zudem den Einsatz spezifischer Stämme wie Chaetomium novozelandicum oder mariner Streptomyces-Arten sowie spezialisierte Drohnensprühsysteme zur effizienten Ausbringung.[3]

Wirtschaftliche Bedeutung

Als ubiquitäres Pflanzenpathogen und Lagerfäuleerreger verursacht *Alternaria alternata* weltweit erhebliche wirtschaftliche Schäden an über 400 Wirtsarten. In der Landwirtschaft führt der Pilz zu massiven Ertragseinbußen, die bei Tomatenkulturen in Kombination mit verwandten Erregern bis zu 79 % betragen können. Besonders betroffen ist der Zitrusanbau, wo die Alternaria-Braunfleckenkrankheit (*brown spot*) bei Mandarinen und Tangelos zu vorzeitigem Fruchtfall und der Unverkäuflichkeit der Ware führt. Im Nacherntebereich und der Lagerhaltung entstehen signifikante Verluste durch Fäulnisprozesse, wie etwa die Kernfäule bei Äpfeln oder die Schwarzfäule bei Tomaten, welche die Produktqualität mindern oder Totalverluste verursachen. Neben Nahrungspflanzen werden auch Tabak durch die Braunfleckenkrankheit und Zierpflanzen wie Chrysanthemen geschädigt, was den ökonomischen Druck auf diverse Agrarsektoren erhöht. Die Bekämpfung erfordert kostenintensive Fungizidstrategien, wobei zunehmende Resistenzen, etwa gegen Strobilurine im Blaubeeranbau, das Management erschweren und verteuern. Indirekte wirtschaftliche Kosten entstehen im Gesundheitswesen durch die Behandlung von Asthma und Rhinitis, da die Sporen bei bis zu 80 % der Schimmelpilzallergiker Reaktionen auslösen und Notaufnahmen belasten.[2] Demgegenüber steht ein potenzieller wirtschaftlicher Nutzen als Bioherbizid, da Patentanmeldungen die Verwendung von *A. alternata* zur biologischen Hemmung von Unkräutern und Kürbisgewächsen beschreiben. Die hohe wirtschaftliche Relevanz spiegelt sich zudem in der Entwicklung spezialisierter Applikationstechnologien wider, wie etwa Drohnensprühsystemen zur gezielten Bekämpfung der Fruchtfäule.[3]

Biologie & Lebenszyklus

Alternaria alternata ist ein ubiquitärer Schlauchpilz, der sich primär asexuell durch die Bildung vielzelliger, muriformer Konidien vermehrt.[2] Diese Sporen entstehen in Ketten an Konidiophoren und werden durch Wind über Distanzen von mehr als 100 km verbreitet.[1][2] Ein sexuelles Stadium ist nicht bekannt, jedoch belegen genetische Analysen von Mating-Type-Loci (MAT1-1 und MAT1-2) das Potenzial für kryptische sexuelle Rekombination.[4] Der Entwicklungszyklus beginnt mit der Keimung der Konidien auf feuchten Oberflächen, die bei optimalen 20–25 °C innerhalb von 3 bis 6 Stunden erfolgt.[1] Dabei bilden sich Keimschläuche und Appressorien, die mittels mechanischem Druck oder durch natürliche Öffnungen in das Wirtsgewebe eindringen.[2] Das Myzel wächst inter- und intrazellulär, wobei die Inkubationszeit bis zum Auftreten sichtbarer Symptome je nach Umweltbedingungen 2 bis 7 Tage beträgt.[1] Die Produktion neuer Sporenmasse beginnt etwa 10 Tage nach der Infektion und erreicht ihren Höhepunkt zwischen dem 20. und 40. Tag.[4] Das physiologische Optimum für Myzelwachstum und Sporulation liegt im Temperaturbereich von 25 bis 28 °C.[1] Der Pilz ernährt sich nekrotroph, indem er wirtsspezifische oder unspezifische Toxine wie Alternariol und Tenuazonsäure sekretiert, um Pflanzenzellen abzutöten und Nährstoffe zu erschließen.[4] Das Wirtsspektrum ist mit über 400 Pflanzenarten, darunter Solanaceen und Zitrusgewächse, außerordentlich breit. Neben der pathogenen Lebensweise kann Alternaria alternata fakultativ als Endophyt in asymptomatischen Pflanzen oder als Saprophyt auf organischem Material existieren.[2] Die Überdauerung erfolgt als Myzel in Pflanzenresten oder im Boden, wo der Organismus bis zu zwei Jahre lebensfähig bleibt. Eine Kältetoleranz bis -5 °C wird durch die Bildung widerstandsfähiger Chlamydosporen ermöglicht. Melanin-Einlagerungen in den Zellwänden verleihen den Kolonien ihre dunkle Färbung und bieten Schutz gegen UV-Strahlung.[1] Natürliche Antagonisten begrenzen die Population; dazu gehören Pilze wie Trichoderma harzianum und Chaetomium novozelandicum sowie Bakterien wie Bacillus subtilis.[4][3]

Vorkommen & Lebensraum

Alternaria alternata ist als kosmopolitischer Pilz weltweit in gemäßigten, tropischen und subtropischen Regionen verbreitet und kommt auf nahezu allen Kontinenten vor. Das Vorkommen korreliert stark mit warmen, feuchten Klimabedingungen, wobei das optimale Wachstum bei Temperaturen zwischen 20 und 28 °C stattfindet. In Europa ist die Art weit verbreitet und tritt häufig in landwirtschaftlichen Kulturen auf, beispielsweise als Erreger von Blattkrankheiten im Kartoffelanbau. Auch in Nordamerika, Asien und Afrika ist der Pilz etabliert und befällt dort unter anderem Tomatenfelder, Zitrusplantagen oder Dattelpalmen.[2] Zu den primären natürlichen Lebensräumen zählen Böden und die Oberflächen verschiedenster Wirtspflanzen.[1] Der Pilz bevorzugt dabei neutrale bis leicht saure Böden (pH 6–8), die reich an organischem Material sind und ihm ein saprophytisches Überleben ermöglichen. Das Wirtsspektrum ist mit über 400 Pflanzenarten extrem breit und umfasst diverse Familien wie Nachtschattengewächse (*Solanaceae*), Rautengewächse (*Rutaceae*) und Rosengewächse (*Rosaceae*).[2] Neben dem Vorkommen auf lebendem Pflanzengewebe besiedelt *A. alternata* als Saprophyt abgestorbenes organisches Material und Pflanzenreste, die als Überwinterungsreservoir dienen.[2] In anthropogen geprägten Umgebungen ist der Pilz regelmäßig in Innenräumen anzutreffen, insbesondere in feuchten, schlecht belüfteten Gebäuden oder nach Wasserschäden.[1] Die Verbreitung der Konidien erfolgt primär durch den Wind, der einen Transport über Distanzen von mehr als 100 Kilometern ermöglicht.[2] In gemäßigten Klimazonen erreichen die Sporenkonzentrationen in der Außenluft ihren Höhepunkt typischerweise im Spätsommer und Herbst.[1] Durch den internationalen Handel mit infiziertem Pflanzenmaterial wird der Pilz zudem kontinuierlich in neue Gebiete eingeschleppt. Die Art zeigt eine hohe Anpassungsfähigkeit und kann im Boden selbst bei Temperaturen bis zu -5 °C überdauern.[2]

Saisonalität & Aktivität

In gemäßigten Klimazonen erreicht die Konzentration der luftgetragenen Sporen von *Alternaria alternata* ihren Höhepunkt typischerweise im Spätsommer und Herbst. Diese Flugperioden korrelieren mit warmen, trockenen Bedingungen, die die Verbreitung der Konidien durch den Wind begünstigen. Die physiologische Aktivität des Pilzes ist stark temperaturabhängig, wobei das optimale Myzelwachstum zwischen 25 und 28 °C stattfindet. Die Sporulation erreicht ihr Maximum in einem ähnlichen Bereich von 24 bis 27 °C. Ein Wechsel von 12-stündigen Licht- und Dunkelphasen fördert dabei die Sporenbildung zusätzlich.[1] In den Wintermonaten überdauert der Organismus primär als Myzel in infizierten Pflanzenresten oder im Boden.[2] Durch die Bildung widerstandsfähiger Chlamydosporen kann *Alternaria alternata* auch Temperaturen bis zu -5 °C tolerieren.[1] In diesen Reservoirs ist eine Persistenz von ein bis zwei Jahren möglich, wodurch der Pilz als Inokulumquelle für die Folgesaison erhalten bleibt.[2] Sobald die Bedingungen günstig sind, beginnt die Produktion neuer Konidien etwa 10 Tage nach dem Auftreten von Symptomen auf dem Wirtsgewebe. Im Gegensatz zu gemäßigten Breiten ermöglicht das Klima in warmen, feuchten Subtropen eine ganzjährige Aktivität ohne ausgeprägte Ruhephase. Das öffentliche Suchinteresse in Deutschland spiegelt diesen biologischen Rhythmus wider und zeigt eine erhöhte Nachfrage in den Monaten August und September, was zeitlich mit der Hauptbelastung durch allergene Sporen zusammenfällt.[1]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Bielefeld, DE-NW, Deutschland

    28.08.2025

  • Wiesbaden, Hessen, Deutschland

    09.08.2025

  • Botanischer Garten Frankfurt

    02.07.2021

Daten: iNaturalist

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-113575553-A Mechanical Anmeldung

Pestizidsprühausrüstung zur Behandlung der durch Alternaria alternata verursachten Fruchtfäule und deren Verwendung

Shanghai Agricultural Product Quality Safety Center (2021)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Die Erfindung betrifft eine spezielle Sprühvorrichtung, vermutlich für Drohnen, zur Bekämpfung der Alternaria-Fruchtfäule. Ein Faltbehälter mit einem Wickelmechanismus sorgt dafür, dass die Flüssigkeit stabil bleibt und nicht schwappt, was den Flug stabilisiert. Dies ermöglicht eine effiziente und schnelle Ausbringung von Fungiziden gegen den Erreger.

CN-111676143-A Biological Anmeldung

Anwendung von Alternaria alternata zur biologischen Bekämpfung von Kürbisgewächsen

Institute OF Plant Prot OF Xinjiang Academy OF Agricultural Sciences (2020)

Relevanz: 9/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt die Nutzung von Alternaria alternata als Bioherbizid. Die Fermentationsflüssigkeit oder der Rohextrakt des Pilzes wird verwendet, um das Wachstum bestimmter Pflanzen (hier wohl Unkräuter oder spezifische Kürbisgewächse wie Citrullus) zu hemmen. Die Behandlung führt zu einer 100%igen Keimhemmung und zum Absterben der Pflanzen innerhalb weniger Tage.

CN-110628687-A Biological Unbekannt

Streptomyces 5017 und dessen Anwendung im Antagonismus gegen Phytopathogene

Guangxi Academy of Sciences (2019)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Ein neuer mariner Streptomyces-Stamm (5017) wird als Biokontrollmittel vorgestellt. Er zeigt starke antagonistische Wirkung gegen verschiedene Pflanzenpathogene, einschließlich Alternaria alternata und Erreger der Bananenwelke. Die Fermentationsflüssigkeit schützt Pflanzen effektiv vor dem Absterben.

KR-20200088002-A Biological Unbekannt

Immunstimulierendes, antifungales und nematizides Mittel enthaltend den Stamm Chaetomium novozelandicum CNUFC-DDS9-1

University National Chonnam Ind Found (2019)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Der Pilzstamm Chaetomium novozelandicum CNUFC-DDS9-1 wird zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Er wirkt sowohl gegen Nematoden als auch antibakteriell und antifungal, insbesondere sehr effektiv gegen Alternaria alternata. Das Mittel kann als Kulturflüssigkeit oder Extrakt angewendet werden.

KR-20190106821-A Biological Unbekannt

Neuartiger Pilz Penicillium acidum und dessen Verwendung

University National Chonnam Ind Found (2019)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Ein neuer Pilzstamm, Penicillium acidum, wird zur biologischen Bekämpfung beschrieben. Seine Kulturflüssigkeit zeigt exzellente antifungale Wirkung gegen Alternaria alternata und Magnaporthe oryzae. Zudem kann der Stamm zur Produktion spezifischer Verbindungen für Lebensmittel und Kosmetika genutzt werden.

Quellen & Referenzen

  1. https://www.mycobank.org/page/Name%20details%20page/name/Alternaria%20alternata
  2. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10219211/
  3. https://patents.google.com/patent/CN113575553A/en
  4. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00275514.2021.1950456
  5. https://journals.asm.org/doi/10.1128/aem.58.12.3928-3931.1992
  6. https://apsjournals.apsnet.org/doi/10.1094/PDIS-09-21-1971-RE
  7. Literaturzusammenfassung: Alternaria alternata