Die wissenschaftliche Bezeichnung der Ordnung lautet *Araneae* und wurde formal von Carl Linnaeus in der 10. Auflage der *Systema Naturae* (1758) eingeführt, womit die binäre Nomenklatur für diese Gruppe begründet wurde. Der lateinische Name *aranea* leitet sich vom griechischen *arachne* (ἀράχνη) ab, was auf die mythologische Weberin Arachne zurückgeht, die von der Göttin Athena zur Strafe in eine Spinne verwandelt wurde. Etymologisch entstammt der deutsche Trivialname „Spinne“ dem Althochdeutschen *spinnan*, was ebenso wie das englische „spider“ (aus dem Altenglischen *spīþra*) auf die charakteristische Fähigkeit zur Seidenproduktion verweist. Historisch ordnete Linnaeus Spinnen zunächst der Klasse Insecta zu, bevor der Arachnologe Johann Christian Fabricius im Jahr 1775 durch die Analyse von Mundwerkzeugen eine differenziertere Klassifizierung in seinem Werk *Systema Entomologiae* etablierte.[1] Systematisch gehören Spinnen zur Klasse der Arachnida (Spinnentiere) und bilden zusammen mit Skorpionen und Geißelskorpionen die Klade Arachnopulmonata, deren gemeinsames Merkmal die Buchlungen sind. Die Ordnung wird in die zwei Unterordnungen *Mesothelae* (Gliederspinnen) und *Opisthothelae* unterteilt, wobei letztere die Vogelspinnenartigen (*Mygalomorphae*) und die Echten Webspinnen (*Araneomorphae*) umfasst.[5] Im Deutschen wird häufig der Begriff „Webspinnen“ verwendet, um die Ordnung taxonomisch eindeutig von anderen Spinnentieren abzugrenzen. International sind Bezeichnungen wie „araignée“ im Französischen oder „spin“ im Niederländischen gebräuchlich, die oft ähnliche sprachliche Wurzeln teilen. Mit Stand November 2025 umfasst die Ordnung weltweit 53.547 beschriebene Arten in 139 Familien, wobei phylogenomische Analysen die Monophylie der Gruppe bestätigen.[2] Fossile Belege wie *Arthrolycosa wolterbeeki* aus dem Karbon zeigen, dass die evolutionäre Linie bereits vor über 310 Millionen Jahren existierte und sich früh von anderen Cheliceraten abspaltete.[1]
Der Körperbau der Spinnen (*Araneae*) gliedert sich charakteristisch in zwei Hauptabschnitte: das verschmolzene Kopf-Brust-Stück (Prosoma) und den ungegliederten Hinterleib (Opisthosoma), die durch einen schmalen Stiel (Pedicellus) verbunden sind.[1][3] Im Gegensatz zu Insekten fehlen ihnen Antennen, Flügel und Facettenaugen vollständig.[1] Das Prosoma trägt acht Laufbeine, ein Paar Taster (Pedipalpen) sowie die Cheliceren, die in beweglichen Giftklauen enden.[1][3] Jedes Bein besteht aus sieben Segmenten – Coxa, Trochanter, Femur, Patella, Tibia, Metatarsus und Tarsus – und endet meist in zwei oder drei Klauen. Die Körpergröße adulter Tiere variiert extrem, von winzigen 0,37 mm bei *Patu digua* bis zu einer Beinspannweite von fast 30 cm bei der Goliath-Vogelspinne (*Theraphosa blondi*), wobei die meisten Arten 3 bis 10 mm messen.[1] Auf dem Kopfbereich befinden sich typischerweise acht einfache Augen (Ocellen), deren Anordnung ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist; bei Springspinnen (*Salticidae*) ermöglichen die Hauptaugen ein hochauflösendes Bildsehen.[5][1] Der Hinterleib beherbergt die inneren Organe und trägt am Ende bis zu sechs Spinnwarzen, aus denen die Seide austritt.[3] Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus ist häufig, wobei Weibchen oft deutlich größer als Männchen sind. Männchen lassen sich primär durch die zu Begattungsorganen (Bulbi) umgewandelten Pedipalpenenden identifizieren. Die Entwicklung verläuft direkt ohne Larvenstadium; aus den Eiern schlüpfen Spiderlinge, die wie Miniatur-Adulte aussehen und 5 bis 10 Häutungsstadien (Instare) durchlaufen. Zur Ausbreitung nutzen Jungtiere oft das „Ballooning“, indem sie Seidenfäden in den Wind entlassen.[1] Die Eier werden in artspezifisch geformten Seidenkokons (Ootheken) abgelegt, die je nach Art 10 bis über 2000 Eier enthalten können.[3][5] Das Exoskelett besteht aus Chitin und muss für das Wachstum in einem als Ecdysis bezeichneten Prozess regelmäßig gewechselt werden.[1]
Webspinnen (*Araneae*) sind eine artenreiche Ordnung der Spinnentiere, die sich durch die charakteristische Zweiteilung des Körpers in den verschmolzenen Cephalothorax (Prosoma) und das unsegmentierte Abdomen (Opisthosoma) auszeichnet, welche durch einen schmalen Stiel, den Pedicel, verbunden sind.[3][2] Im Gegensatz zu Insekten besitzen sie weder Antennen noch Flügel, verfügen jedoch über acht Laufbeine und Cheliceren, die zu Giftklauen umgebildet sind, um Beute zu lähmen und vorzuverdauen. Einzigartig im Tierreich ist ihr hydraulisches Fortbewegungssystem, bei dem der Hämolymphdruck die Streckung der Beine ermöglicht, was selbst ohne spezifische Streckmuskeln in bestimmten Gelenken kraftvolle Bewegungen erlaubt.[1] Das Abdomen beherbergt die Spinndrüsen, die flüssige Proteine (Spidroine) produzieren, welche beim Austritt zu festen Seidenfäden aushärten und für den Netzbau, Eikokons oder als Sicherungsleinen genutzt werden.[3][5] Die Atmung erfolgt über spezialisierte Buchlungen oder Tracheensysteme, wobei primitive Gruppen wie die Vogelspinnen (*Mygalomorphae*) oft zwei Paar Buchlungen besitzen, während moderne Webspinnen (*Araneomorphae*) meist auf ein Paar reduziert sind oder Tracheen nutzen. Die Körpergröße variiert drastisch, von der winzigen *Patu digua* (0,37 mm) bis zur Goliath-Vogelspinne (*Theraphosa blondi*) mit fast 30 cm Beinspannweite. Die Entwicklung verläuft direkt ohne echtes Larvenstadium; aus den Eiern schlüpfen vollständig entwickelte, aber winzige Nymphen (Spiderlinge), die sich durch eine Serie von 5 bis 10 Häutungen (Ecdysis) vergrößern. Während dieser Häutungsphasen ist das Exoskelett weich, was die Tiere extrem verletzlich macht, bis die neue Cuticula ausgehärtet ist.[1] Ein bemerkenswertes Verhalten der frühen Stadien ist das "Ballooning", bei dem sie feine Seidenfäden in den Wind entlassen, um sich über weite Distanzen atmosphärisch verdriften zu lassen und neue Habitate zu besiedeln. Der Sexualdimorphismus ist oft stark ausgeprägt, wobei Weibchen häufig signifikant größer sind als Männchen, was mit der hohen metabolischen Investition in die Eiproduktion korreliert.[5] Männchen sind im Feld oft an ihren längeren Beinen und den modifizierten Pedipalpen zu erkennen, die als sekundäre Begattungsorgane dienen und Sperma übertragen.[1] Historisch lassen sich Spinnen bis in das Karbon zurückverfolgen, wobei Fossilien wie die ca. 315 Millionen Jahre alte *Arthrolycosa wolterbeeki* zeigen, dass die basalen Mesothelae noch ein segmentiertes Abdomen besaßen, ein Merkmal, das bei den meisten rezenten Arten verloren ging.[1][7] Anatomisch unterscheiden sie sich von anderen Spinnentieren wie Skorpionen durch die Verschmelzung der vorderen Segmente und den Verlust der Abdominalsegmentierung bei den modernen Gruppen.[1] Die sensorische Wahrnehmung erfolgt primär über mechanische Reize, die von Spaltsinnesorganen im Exoskelett aufgenommen werden, da viele Arten trotz bis zu acht Augen nur über ein begrenztes Sehvermögen verfügen, mit Ausnahme visuell jagender Gruppen wie den Springspinnen.[1][5]
Die Fortbewegung der Spinnen basiert auf einem einzigartigen hydraulischen System, bei dem Hämolymphdruck die Beine streckt und schnelle Bewegungen oder Sprünge ermöglicht.[3] Zur Verbreitung über weite Distanzen nutzen Jungtiere vieler Arten das sogenannte „Ballooning“, indem sie feine Seidenfäden in den Wind entlassen, um bis zu hunderte Kilometer weit zu reisen.[3][5] Jagdstrategien reichen von der aktiven Verfolgung bei *Salticidae*, die ihr hochauflösendes Sehvermögen zur präzisen Ortung nutzen, bis zur Lauerjagd mittels Tarnung bei *Thomisidae*. Netzbauende Arten wie *Araneidae* konstruieren geometrische Radnetze mit klebrigen Spiralen, während *Theridiidae* unregelmäßige Raumnetze mit gummierten Signalfäden weben, die Vibrationen an die Spinne leiten.[1] Die Kommunikation zur Paarung erfolgt häufig über chemische Signale, wobei Männchen den Pheromonspuren der Weibchen auf Seidenfäden folgen. Um die Aggression der Weibchen zu hemmen, führen Männchen komplexe Balzrituale durch, die vibratorische Signale und Tänze beinhalten. Sexueller Kannibalismus tritt bei einigen Gattungen wie *Latrodectus* auf, wobei das Männchen während oder nach der Kopulation vom Weibchen verzehrt wird. Zur Feindabwehr nutzen Spinnen Mechanismen wie Stridulation zur Erzeugung von Warnlauten, Autotomie (Abwerfen von Beinen) oder Thanatose (Totstellreflex).[5] Brutpflegeverhalten zeigt sich bei Arten wie *Coelotes terrestris*, deren Weibchen den Eikonkon bewachen und aktiv gegen Eindringlinge verteidigen. Eine seltene Verhaltensanpassung zeigt die Springspinne *Bagheera kiplingi*, die sich als Ausnahme fast ausschließlich herbivor von nährstoffreichen Pflanzenteilen ernährt.[1]
Spinnen (*Araneae*) fungieren als bedeutende Prädatoren, die jährlich geschätzt 400 bis 800 Millionen Tonnen Biomasse an Insekten und anderen Arthropoden konsumieren.[4] Durch diese Regulation von Invertebratenpopulationen leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung in natürlichen und landwirtschaftlichen Ökosystemen. Im Nahrungsnetz nehmen sie eine mittlere Position ein und dienen selbst als essenzielle Beute für Vögel, Reptilien und Amphibien.[5] Insbesondere für insektenfressende Vogelarten stellen Spinnen eine wichtige Proteinquelle dar, deren Verfügbarkeit die Reproduktionsrate der Vögel direkt beeinflussen kann. Die Habitatpräferenzen sind extrem vielfältig und reichen von tropischen Regenwäldern bis hin zu Höhenlagen von über 6.700 Metern im Himalaya.[3][1] Während Trichterspinnen (*Agelenidae*) feuchte Mikrohabitate in der Laubstreu bevorzugen, besetzen Jagdspinnen der Gattung *Dolomedes* semiaquatische Nischen an Gewässerrändern.[3] Der Klimawandel führt zu Arealverschiebungen, wie die nordwärts gerichtete Ausbreitung der Wespenspinne (*Argiope bruennichi*) in zuvor zu kühle Regionen zeigt.[5] Eine ökologische Ausnahme bildet die Springspinne *Bagheera kiplingi*, die sich als primärer Herbivore zu über 90 % von pflanzlichen Belt’schen Körperchen ernährt. Diese Art nutzt eine spezifische Nische, indem sie Ameisen-Pflanzen-Mutualismen ausbeutet und die nährstoffreichen Strukturen von Akazien stiehlt. Bestandsrückgänge durch Habitatfragmentierung und Pestizideinsatz können kaskadenartige Effekte im Nahrungsnetz auslösen und die Nahrungsgrundlage abhängiger Wirbeltiere gefährden.[1]
Spinnen (*Araneae*) gelten primär als Nützlinge, die als Schlüsselprädatoren jährlich schätzungsweise 400 bis 800 Millionen Tonnen Insekten und andere Arthropoden vertilgen, wodurch sie den Einsatz synthetischer Pestizide in der Landwirtschaft reduzieren.[4][5] Trotz ihres ökologischen Nutzens werden sie im urbanen Raum oft als Lästlinge wahrgenommen, was häufig auf die weit verbreitete Arachnophobie zurückzuführen ist, von der etwa 3 bis 6 % der Bevölkerung betroffen sind.[1] Die medizinische Relevanz ist meist gering, da Bisse überwiegend nur lokale Symptome wie Schmerzen oder Erytheme verursachen; systemische Vergiftungen treten bei weniger als 1 % der Fälle auf und beschränken sich auf wenige Gattungen wie *Latrodectus* oder *Atrax*.[4] Der oft diagnostizierte „nekrotisierende Arachnidismus“ beruht häufig auf Fehldiagnosen bakterieller Infektionen und nicht auf tatsächlichen Spinnenbissen.[5] Ein Befall zeigt sich typischerweise durch sichtbare Netzstrukturen, Eikokons und Beutereste in Gebäudenischen, wobei synanthrope Arten oft gezielt Haushalts- und Vorratsschädlinge bejagen.[3][1] Zur Prävention und Abwehr wurden spezifische Repellents auf Basis von Fettsäurederivaten oder Schwarzkümmelöl entwickelt, die Spinnen fernhalten, ohne sie zwangsläufig zu töten. Für das Monitoring in Innenräumen kommen Klebefallen zum Einsatz, um die Populationsdichte zu überwachen und eine Früherkennung zu ermöglichen. Die Bekämpfung kann physikalisch durch Entfernen der Tiere und Netze oder chemisch durch den Einsatz neuerer Wirkstoffklassen wie mesoionischer Imidazopyridine erfolgen, die spezifisch auf das Nervensystem von Arachniden wirken. Biotechnologische Ansätze erforschen zudem die Nutzung von RNA-Interferenz (RNAi), um Zielgene zur Populationskontrolle zu adressieren.[3] Im Sinne einer integrierten Schädlingsbekämpfung (IPM) steht jedoch der Erhalt der Tiere im Vordergrund, da sie effektiv Lästlinge wie Teppichkäfer oder Silberfische dezimieren.[4][5]
Spinnen (*Araneae*) erbringen als Prädatoren eine bedeutende ökonomische Leistung für die Landwirtschaft, indem sie jährlich schätzungsweise 400 bis 800 Millionen Tonnen Insekten und andere Arthropoden vertilgen.[4] Durch die Regulation von Schadinsektenpopulationen reduzieren sie Ernteverluste und verringern die Notwendigkeit synthetischer Pestizide in bewirtschafteten Ökosystemen. Die industrielle Verwertung von Spinnenseide birgt aufgrund ihrer Zugfestigkeit, die jene von Stahl übertrifft, erhebliches wirtschaftliches Potenzial.[1] Anwendungen reichen von traditionellen Fischernetzen im Pazifik bis hin zu modernen kugelsicheren Westen, deren Materialeigenschaften vom US-Militär getestet wurden.[1][4] Im Jahr 2025 entwickelten Forscher mittels CRISPR-Cas9-Geneditierung künstliche Spinnenseidenverbände zur Wundheilung, was neue Märkte in der Medizintechnik erschließt.[2] Pharmazeutisch werden Peptide aus Spinnengiften als opioidfreie Analgetika gegen chronische Schmerzen erforscht, was einen vielversprechenden Zweig der Wirkstoffentwicklung darstellt.[1] Obwohl medizinisch relevante Bisse selten sind, verursachen Arten wie *Latrodectus* spp. Behandlungskosten, die jedoch durch effektive Gegengifte minimiert werden.[4] Umgekehrt treibt die Bekämpfung von Spinnen als Lästlinge die Entwicklung spezifischer Repellents und Insektizide voran, wie Patentanmeldungen für Wirkstoffe auf Basis von Schwarzkümmelöl oder chemischen Verbindungen belegen.[3] In Nischenmärkten Südostasiens werden Spinnen wie *tarantulas* als proteinreiche Nahrungsmittel gehandelt und konsumiert.[1] Zudem finden Häutungsreste von Vogelspinnen Verwendung in der Herstellung von Schmuck.[3]