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Lexikon-Eintrag

Gefleckter Pelzkäfer Attagenus pellio

Gefleckter Pelzkäfer
Ungefährlich Allergen Nützling

Taxonomie

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Käfer (Coleoptera)
Familie Dermestidae
Gattung Attagenus
Art Attagenus pellio
Wissenschaftlicher Name Attagenus pellio (Linnaeus, 1758)
Akzeptierter Name

Einleitung

Der **Gefleckte Pelzkäfer** (*Attagenus pellio*) ist eine ursprünglich in Europa beheimatete und heute weltweit verbreitete Art aus der Familie der Speckkäfer (Dermestidae). Die adulten Käfer sind dunkel gefärbt mit zwei charakteristischen weißen Flecken auf den Flügeldecken und lassen sich durch das Fehlen gemusterter Schuppen von der verwandten Gattung *Anthrenus* abgrenzen. Während die erwachsenen Tiere in der Natur Blüten besuchen, gelten die Larven als bedeutende Materialschädlinge, die keratinhaltige Produkte wie Wolle, Pelze, Federn sowie Getreidevorräte befallen.[1]

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Zuletzt am 11.04.2026
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Name & Einordnung

Der akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet *Attagenus pellio* (Linnaeus, 1758). Die Erstbeschreibung erfolgte durch Carl Linnaeus im Jahr 1758 in der zehnten Auflage seiner *Systema Naturae* unter dem ursprünglichen Namen *Dermestes pellio*.[1] Im Jahr 1815 transferierte der Zoologe William Elford Leach die Art in die Gattung *Attagenus*, wodurch sie taxonomisch von den Speckkäfern der Gattung *Dermestes* getrennt wurde.[2] Innerhalb der Familie der Speckkäfer (Dermestidae) wird *Attagenus pellio* der Unterfamilie Attageninae zugeordnet. Historische Synonyme umfassen unter anderem *Dermestes piceus* De Geer, 1774 sowie *Dermestes bipunctatus* De Geer, 1774.[1] Der Gattungsname *Attagenus* leitet sich aus dem Griechischen ab („atta“ für Großvater, „genos“ für Abstammung) und bezieht sich auf das runzelige Erscheinungsbild der Käfer, das an die Haut älterer Menschen erinnert. Das Artepitheton *pellio* entstammt dem Lateinischen „pellis“ (Fell oder Haut) und verweist auf die Zerstörungskraft an tierischen Häuten und Pelzen.[2] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung „Gefleckter Pelzkäfer“ gebräuchlich.[3] International sind die englischen Trivialnamen „two-spotted carpet beetle“ oder „fur beetle“ etabliert, die auf die zwei charakteristischen weißen Flecken auf den Flügeldecken sowie das Nahrungsspektrum hindeuten.[2][1] Morphologisch grenzt sich die Gattung *Attagenus* von verwandten Gruppen wie *Anthrenus* durch die einheitliche, glänzende Färbung der Adulten ab, denen das typische Schuppenmuster fehlt.[2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die adulten Käfer erreichen eine Körperlänge von 3,5 bis 6 mm und weisen eine für die Familie typische, länglich-ovale Körperform auf. Die Grundfärbung ist einheitlich dunkelbraun bis schwarz, selten rotbraun, wobei der Körper von feinen Härchen bedeckt ist, die ihm ein mattes Aussehen verleihen. Als wichtigstes Bestimmungsmerkmal tragen die Flügeldecken (Elytren) zwei markante weiße Flecken in der Mitte, die durch Ansammlungen heller Schuppen oder Haare gebildet werden. Ergänzend ist die Basis des Halsschildes (Pronotum) oft mit weißen Haaren besetzt, was einen Kontrast zum dunklen Restkörper bildet. Der kleine Kopf trägt große, schwarz gefärbte Augen, die vorne eingekerbt sind, sowie ein einzelnes Medianauge (Ocellus) auf der Stirn. Die Antennen sind elfgliedrig, wobei die letzten drei Segmente eine deutliche Keule formen. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich in der Ausprägung dieser Fühlerkeule: Bei Männchen ist das letzte Segment auffällig verlängert, während Weibchen insgesamt etwas größer sind, aber kürzere Antennen besitzen. Die Beine sind schwarz gefärbt und an die Fortbewegung auf verschiedenen Oberflächen angepasst. Die Larven, umgangssprachlich oft als „Wollbären“ bezeichnet, besitzen einen gestreckten, torpedoförmigen Körper, der sich zum Hinterende hin verjüngt. Sie werden bis zu 10 mm lang und zeigen eine goldgelbe bis rotbraune Färbung, die durch die Segmentierung und dichte Behaarung gebändert wirkt. Der Kopf der Larven ist hypognath und mit kräftigen Kauwerkzeugen ausgestattet. Der Körper ist dicht mit Borsten besetzt, darunter spezifische Pfeilhaare (Hastisetae) auf den hinteren Abdominalsegmenten. Ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Arten wie *Attagenus unicolor* sind zwei lange, orangefarbene Haarbüschel am Körperende der Larve. Die Larven verfügen über gut entwickelte, fünfgliedrige Beine, die in einer einzelnen Klaue enden. Die Eier sind cremefarben und mit 0,5 bis 1 mm Länge sehr klein. Zur Abgrenzung gegenüber der verwandten Gattung *Anthrenus* dient bei den Adulten das Fehlen bunter Schuppenmuster zugunsten einer einheitlicheren, glänzenden Grundfarbe.[1]

Beschreibung

Der Gefleckte Pelzkäfer (*Attagenus pellio*) ist ein kosmopolitisch verbreiteter Vertreter der Speckkäfer (*Dermestidae*), der primär als Materialschädling in menschlichen Behausungen und Sammlungen bekannt ist. Ursprünglich in der Paläarktis und Europa heimisch, besiedelt die Art heute weltweit temperierte Klimazonen und nutzt in der Natur Vogelnester oder organische Ablagerungen als Habitat. Adulte Käfer weisen eine länglich-ovale Körperform mit einer Länge von 3,5 bis 6 mm auf und sind meist einheitlich schwarz bis dunkelbraun gefärbt. Ein diagnostisches Merkmal im Feld sind zwei kleine, weiße Flecken auf der Mitte der Flügeldecken sowie eine weißliche Behaarung an der Basis des Halsschildes, die durch helle Schuppen gebildet werden. Unter dem Mikroskop lassen sich die elfgliedrigen Antennen erkennen, die in einer dreigliedrigen Keule enden, wobei die Männchen ein auffällig verlängertes Endglied besitzen. Dieser Sexualdimorphismus ist neben der etwas geringeren Körpergröße der Männchen das sicherste Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter.[1] Im Gegensatz zu den Imagines, die sich im Freiland von Pollen und Nektar (z. B. auf Weißdorn oder Spierstrauch) ernähren, sind die Larven auf tierische Proteine spezialisiert. Die Larvenentwicklung verläuft über mehrere Häutungen und kann je nach Temperatur und Nahrungsangebot zwischen sechs Monaten und drei Jahren dauern. Morphologisch erscheinen die Larven torpedoförmig oder karottenartig verjüngt und erreichen Längen von bis zu 10 mm. Sie werden aufgrund ihrer dichten, goldgelben bis rotbraunen Behaarung oft als 'Wollbären' bezeichnet und tragen am Körperende zwei charakteristische, lange orangefarbene Haarbüschel. Diese spezifischen Hastisetae (Pfeilhaare) dienen der Verteidigung und unterscheiden *Attagenus pellio* von den Larven des verwandten Schwarzen Pelzkäfers (*Attagenus unicolor*). Historisch wurde die Art bereits 1758 von Carl von Linné als *Dermestes pellio* beschrieben, bevor sie taxonomisch in die Gattung *Attagenus* überführt wurde. Der Artname *pellio* (Lateinisch für Kürschner) referenziert direkt die ökonomische Bedeutung des Käfers als Zerstörer von Fellen und Häuten. In der Natur erfüllen die Larven eine wichtige ökologische Funktion bei der Zersetzung von keratinhaltigen Überresten wie Federn und toten Insekten in Nestern von Vögeln und Säugetieren. Die Art unterscheidet sich von der Gattung *Anthrenus* durch den glänzenden, dunklen Körper ohne die dort typischen bunten Schuppenmuster.[1]

Verhalten

Die adulten Käfer sind flugfähig und suchen in den Frühlings- und Sommermonaten aktiv Blüten im Freiland auf, um sich von Pollen und Nektar zu ernähren. Dabei besuchen sie bevorzugt Pflanzen wie Weißdorn, Mädesüß oder *Spiraea*-Arten. Die Paarung findet typischerweise im Freien auf diesen Blüten statt, wobei Männchen durch chemische Signale (Pheromone) angelockt werden. Nach der Befruchtung orientieren sich die Weibchen gezielt zu dunklen, geschützten Orten in Gebäuden oder Vogelnestern, um ihre Eier in direkter Nähe zu larvalen Nahrungsquellen abzulegen. Die Larven zeigen ein ausgeprägtes lichtscheues Verhalten und ziehen sich zur Nahrungsaufnahme in verborgene Bereiche wie Wandhohlräume oder die Unterseite von Teppichen zurück. Mit ihren kräftigen Mandibeln sind sie in der Lage, widerstandsfähige keratinhaltige Materialien wie Wolle, Pelze und Federn zu zerkauen, wobei sie oft unregelmäßige Löcher fressen. Zum Ende der Entwicklung zeigen Larven ein konstruktives Verhalten, indem sie einen Verpuppungskokon aus umgebenden Haaren, Seide und Detritus weben. Adulte Käfer können zudem ein Überwinterungsverhalten zeigen und verharren während der kalten Monate in Rissen und Spalten. Die Aktivität der Art ist stark temperaturabhängig, wobei optimale Entwicklungsbedingungen zwischen 15 und 30 °C liegen.[1]

Ökologie

Die Larven von *Attagenus pellio* fungieren im Ökosystem als Destruenten, indem sie keratinhaltige Materialien wie Federn, Haare und Tierreste in Vogel- und Säugetiernestern abbauen. Dieses Aasfresserverhalten beschleunigt den Zersetzungsprozess organischer Stoffe und unterstützt den Nährstoffkreislauf in natürlichen Habitaten.[1] Im Gegensatz zu den Larven besetzen die adulten Käfer eine andere ökologische Nische, ernähren sich von Pollen und Nektar (z. B. von *Spiraea*, Weißdorn oder Mädesüß) und spielen eine untergeordnete Rolle bei der Bestäubung.[1][2] Die Art bevorzugt dunkle, ungestörte Mikrohabitate und ist häufig mit Sperlings- oder Nagetiernestern assoziiert, die Schutz und angesammeltes organisches Material bieten.[1][5] Eine optimale Entwicklung findet bei Temperaturen zwischen 15 und 30 °C statt, während die Populationen bei Trockenheit oder anhaltender Kälte unter -18 °C zurückgehen. Zu den natürlichen Feinden zählen Spinnen, Ameisen und Vögel, die insbesondere im Außenbereich den Bestand regulieren. Spezifische Parasitoide üben Druck auf die Larven aus, darunter die Bethyliden-Wespe *Laelius pedatus*, die den Wirt lähmt, sowie die Lagererzwespe *Lariophagus distinguendus*. Unter feuchten Bedingungen können zudem entomopathogene Pilze wie *Beauveria bassiana* oder Schimmelpilze der Gattungen *Aspergillus* und *Penicillium* die Larven infizieren und abtöten. Das Vorkommen der Art dient oft als Indikator für Ansammlungen organischer Rückstände in vernachlässigten Bereichen.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Der Gefleckte Pelzkäfer (*Attagenus pellio*) wird als bedeutender Materialschädling klassifiziert, dessen Larven keratinhaltige Stoffe wie Wolle, Pelze, Federn und Leder sowie gelagerte Getreideprodukte befallen.[1] Das typische Schadbild zeichnet sich durch unregelmäßige Fraßlöcher und kahle Stellen aus, die sich häufig an Nähten, Falten oder geschützten Bereichen von Textilien konzentrieren.[5] In Museen, historischen Sammlungen und Privathaushalten verursacht die Art durch die Zerstörung unwiederbringlicher Artefakte und Textilien signifikante ökonomische Schäden.[9] Ein Befall lässt sich frühzeitig durch das Auffinden abgestreifter, gestreifter Larvenhäute (Exuvien) und winziger Kotpellets (Frass) in der Nähe der Fraßstellen erkennen.[5] Das Auftreten adulter Käfer an Fensterbänken oder Wänden in den Frühlings- und Sommermonaten dient oft als erster Indikator für eine aktive Population im Gebäudeinneren. Da Vogelnester in Dachböden, unter Traufen oder in Kaminen häufige Ursprungsherde darstellen, ist deren Entfernung eine essenzielle bauliche Präventionsmaßnahme, um das Eindringen in Wohnräume zu verhindern.[1] Zur Überwachung (Monitoring) werden Pheromonfallen eingesetzt, die männliche Käfer anlocken, sowie Klebefallen zur Lokalisierung der Laufwege der Larven.[5] Im Sinne einer integrierten Schädlingsbekämpfung (IPM) haben physikalische Methoden Vorrang, insbesondere das gründliche Staubsaugen von Ritzen und Polstern zur mechanischen Entfernung von Eiern und Larven.[1] Befallene Objekte können effektiv durch Einfrieren bei mindestens -18 °C über zwei Wochen oder durch eine Wärmebehandlung bei 49 °C für 30 Minuten saniert werden. Der Einsatz chemischer Bekämpfungsmittel sollte auf gezielte Punktbehandlungen mit Wirkstoffen wie Permethrin oder Bifenthrin in Verstecken beschränkt bleiben. Als toxikologisch unbedenklichere Alternative wirken Silikagel oder Diatomeenerde in Hohlräumen durch Austrocknung (Desikkation) auf die Insekten.[5] Biologische Gegenspieler wie die Schlupfwespe *Laelius pedatus* regulieren Populationen im Freiland, spielen jedoch in der aktiven Innenraumbekämpfung meist eine untergeordnete Rolle.[1] Zur langfristigen Vermeidung von Schäden sollten gefährdete Textilien in luftdicht verschlossenen Behältern gelagert werden, um die Eiablage zu unterbinden.[5]

Wirtschaftliche Bedeutung

Als Material- und Vorratsschädling verursacht *Attagenus pellio* weltweit signifikante ökonomische Verluste, wobei ausschließlich die Larven für die Zerstörung verantwortlich sind. Betroffen sind vor allem Wirtschaftszweige, die keratinhaltige Produkte wie Wolle, Pelze, Leder, Federn und Seide verarbeiten oder lagern. Im Museumswesen stellt die Art eine ernste Bedrohung dar, da sie unwiederbringliche kulturhistorische Textilien, Tierpräparate und naturkundliche Sammlungen durch Fraß irreversibel schädigt. Neben direkten Materialverlusten entstehen hohe Kosten durch aufwendige Restaurierungen und Bekämpfungsmaßnahmen wie Begasungen oder thermische Behandlungen. Auch in der Agrarwirtschaft und Mühlenindustrie treten Schäden auf, da die Larven Getreidevorräte befallen und Verpackungsmaterialien wie Säcke oder Siebtücher zernagen.[1] Historische Berichte über die Zerstörung von Lagergütern reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.[1] Die chemische Industrie entwickelt spezifische Schutzmittel, darunter Fraßgifte und Repellents auf Basis synthetischer oder natürlicher Stoffe, um Textilien vor *Attagenus*-Arten zu schützen.[3] Abseits menschlicher Infrastrukturen übernehmen die Larven eine ökologisch positive Rolle als Destruenten, indem sie in Tiernestern organisches Material zersetzen und Nährstoffe recyceln. Adulte Käfer tragen zudem in geringem Umfang zur Bestäubung bei, während sie auf Blüten Pollen aufnehmen.[1]

Biologie & Lebenszyklus

Attagenus pellio durchläuft eine vollständige Metamorphose, die die Stadien Ei, Larve, Puppe und Imago umfasst. Die Paarung findet typischerweise im Freiland auf Blüten statt, woraufhin die Weibchen gezielt Innenräume oder Nester aufsuchen, um 20 bis 100 Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in der Nähe von Nahrungsquellen abzulegen. Diese cremefarbenen Eier sind etwa 0,5 bis 1 mm lang und die Larven schlüpfen unter günstigen Bedingungen nach 7 bis 14 Tagen. Die Larven, die bis zu 10 mm lang werden können, besitzen einen torpedoförmigen, goldbraunen Körper mit dichter Behaarung und zwei auffälligen langen, orangefarbenen Haarbüscheln am Körperende. Sie sind lichtscheu und nutzen ihre kräftigen Mandibeln, um keratinreiche Substrate wie Wolle, Pelze, Federn oder Insektenreste zu verzehren. Die Dauer des Larvenstadiums ist hochvariabel und reicht von drei Monaten bis zu drei Jahren, wobei Temperaturen von 15 bis 30 °C die Entwicklung begünstigen. Am Ende ihrer Entwicklung spinnen sich die Larven in einen Kokon aus Seide und Debris ein, in dem die Verpuppung etwa zwei Wochen dauert. Die adulten Käfer schlüpfen im Frühjahr oder Sommer und leben bis zu drei Monate, wobei sie sich im Gegensatz zu den Larven ausschließlich von Nektar und Pollen, etwa von Spiraea-Arten, ernähren. In der Regel wird eine Generation pro Jahr gebildet, doch können ungünstige Bedingungen oder kühleres Klima den Zyklus verlängern. Adulte Käfer sind fähig, in Spalten zu überwintern, während die Larvenentwicklung in beheizten Gebäuden ganzjährig fortschreiten kann.[1] Physiologisch zeigt die Art eine Empfindlichkeit gegenüber starkem Frost, wobei Temperaturen unter -18 °C letal wirken können.[8] In natürlichen Habitaten wird die Population durch Prädatoren wie Spinnen, Ameisen und Vögel reguliert. Zudem parasitieren Wespenarten wie Laelius pedatus und Lariophagus distinguendus die Larven, während entomopathogene Pilze wie Beauveria bassiana bei hoher Feuchtigkeit Mortalität verursachen können.[1]

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Attagenus pellio* liegt in der Paläarktis, wobei die Art in Europa heimisch ist. Durch den internationalen Warenverkehr, insbesondere mit Textilien und organischen Produkten, wurde der Käfer weltweit verschleppt und gilt heute als Kosmopolit. Neben dem europäischen Stammgebiet ist die Art in Nordamerika, Australien sowie Teilen Asiens etabliert.[1] In Nordamerika ist das Vorkommen seit Mitte des 19. Jahrhunderts dokumentiert, mit Schwerpunkten im Nordosten der USA und kanadischen Provinzen wie British Columbia und Ontario.[5] Die Verbreitung konzentriert sich global vorwiegend auf gemäßigte Klimazonen. In Europa ist *Attagenus pellio* weit verbreitet und tritt beispielsweise in Dänemark, Frankreich, Irland und dem Vereinigten Königreich häufig auf. In natürlichen Lebensräumen besiedeln die Larven vorzugsweise die Nester von Vögeln, wie etwa Sperlingen, sowie Bauten von Nagetieren. Dort finden sie Schutz und ernähren sich von keratinhaltigen Rückständen wie Federn und Haaren.[1] Die adulten Käfer halten sich im Frühjahr und Sommer oft im Freiland auf Blüten auf, wo sie Pollen und Nektar von Pflanzen wie Weißdorn oder Spiersträuchern (*Spiraea*) aufnehmen.[1][6] Als Kulturfolger dringt *Attagenus pellio* regelmäßig in menschliche Siedlungsbereiche ein und besiedelt beheizte Gebäude, Museen und Lagerhäuser.[7] Innerhalb von Gebäuden bevorzugen die Larven dunkle, ungestörte Mikrohabitate wie Dachböden, Hohlräume in Wänden oder Ritzen in Dielenböden, in denen sich organischer Staub ansammelt. Die Larvenentwicklung profitiert dabei von Temperaturen zwischen 15 und 30 °C. Ein Befall von Innenräumen geht häufig von Vogelnestern aus, die sich unter Dachvorsprüngen oder in Gebäudenähe befinden.[1] Aufgrund der Anpassung an menschliche Behausungen ist die Art auch in städtischen Ballungsräumen häufig anzutreffen.[7]

Saisonalität & Aktivität

Die Flugperiode und Hauptaktivität der adulten *Attagenus pellio* erstreckt sich im Freiland vorwiegend von März bis September. In dieser Zeit suchen die Käfer bei warmem Wetter Blüten auf, um Pollen und Nektar aufzunehmen, wobei sie oft im Freien kopulieren. Die Larven hingegen sind in temperierten Innenräumen ganzjährig aktiv, da sie in stabilen Mikroklimata leben und weniger stark von saisonalen Schwankungen betroffen sind. Ihre Entwicklungsdauer ist hochvariabel und reicht je nach Temperatur und Nahrungsangebot von sechs Monaten bis zu drei Jahren. Das Temperaturoptimum für die Entwicklung liegt zwischen 15 und 30 °C, während anhaltende Kälte unter -18 °C die Überlebensrate stark reduziert. Unter günstigen Bedingungen ist die Art in der Lage, ein bis drei Generationen pro Jahr hervorzubringen, in kühleren Klimaten oft nur eine. Die Überwinterung erfolgt häufig im Adultstadium, wobei die Käfer in geschützten Spalten und Rissen verharren, bis die Temperaturen im Frühjahr steigen. Nach der Überwinterung wandern Adulte oft in Gebäude ein oder schlüpfen dort aus der Puppenwiege, um geeignete Eiablageplätze zu finden.[1] Ergänzend zeigen Daten zum Suchinteresse Spitzenwerte im Januar und April, was zeitlich mit der Entdeckung von Larven oder überwinternden Adulten in beheizten Wohnräumen korrelieren könnte.[4]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Germany

    22.06.2025

  • Thomas-Müntzer-Höhe, Chemnitz, Sachsen, Deutschland

    02.06.2025

  • Deutschland

    01.06.2025

  • Bielefeld, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

    30.05.2025

  • Deutschland

    29.05.2025

Daten: iNaturalist

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-108371193-A Biological Unbekannt

Verfahren zur Herstellung eines mottenfesten Mittels mit verzögerter Freisetzung

Chen Jianfeng (2018)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Diese Erfindung nutzt bioaktive Sesquiterpen-Verbindungen aus Eupatorium adenophorum in Kombination mit Citronella- und Lavendelöl. Das Mittel wirkt abweisend und abtötend gegen Attagenus piceus (Schwarzer Pelzkäfer). Die Innovation liegt in der 'Sustained Release'-Technologie, die die Verflüchtigung der ätherischen Öle verlangsamt und so die Wirkungsdauer verlängert. Es ist eine umweltfreundliche Lösung zur Bekämpfung von Textilschädlingen.

KR-20010095438-A Biological Unbekannt

Verwendung von ätherischem Meerrettichöl als Mittel zur Bekämpfung von Vorratsschädlingen

Republic KR Forestry Research Institute (2000)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt die Nutzung von Meerrettichöl als Begasungsmittel gegen Vorratsschädlinge. Durch hydrothermale oder überkritische Extraktion gewonnene Wirkstoffe zeigen eine hohe Flüchtigkeit und insektizide Wirkung. Es wird spezifisch die Wirksamkeit gegen Attagenus japonicus erwähnt, eine mit dem Gefleckten Pelzkäfer eng verwandte Art. Die Methode bietet eine natürliche Alternative zu synthetischen Begasungsmitteln.

JP-H11228323-A Biological Unbekannt

Insektenabwehrmittel für Kleidung

Sumitomo Chemical Company (1998)

Relevanz: 7/10

Zusammenfassung

Die Erfindung betrifft ein Repellent für Kleidung, das Meerrettichöl als aktiven Bestandteil nutzt. Es kann als Spray, Creme oder imprägniertes Harzprodukt formuliert werden. Das Mittel ist besonders wirksam gegen Textilschädlinge wie Attagenus unicolor (Schwarzer Pelzkäfer) und Kleidermotten. Es bietet einen praktischen Schutz für keratinhaltige Textilien durch natürliche Wirkstoffe.

DE-3047151-A1 Chemical Unbekannt

Phenyl-3-methyl-buttersäure-benzyl-benzylester zur Verwendung als Insektizide

Ciba Geigy AG (1980)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Das Patent stellt neue chemische Verbindungen (Phenylacetat-Derivate) vor, die als Fraßgifte wirken. Sie sind spezifisch wirksam gegen keratinfressende Insektenlarven, wobei die Gattung Attagenus (zu der der Gefleckte Pelzkäfer gehört) explizit genannt wird. Die Substanzen dienen dem Schutz von Wolle, Pelzen und anderen keratinhaltigen Materialien vor Käfer- und Mottenbefall. Die Innovation liegt in der chemischen Struktur, die sowohl gegen Pflanzenschädlinge als auch gegen Materialschädlinge wirkt.

DE-2334533-A1 Chemical Unbekannt

Alpha-Brom-Zimtaldehyd enthaltende Zusammensetzung als Insektenabwehrmittel

Izawa Goro, Nishimura Tamio, Miwa Yoshio (1973)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Beschrieben wird die Verwendung von Alpha-Brom-Zimtaldehyd als Repellent gegen faserfressende Insekten. Das Mittel wird auf Trägerstoffe wie Silikagel aufgebracht oder in Farben gemischt. Es zeigt spezifische Wirksamkeit gegen Attagenus japonicus und Kleidermottenlarven. Zusätzlich besitzt die Verbindung antimykotische Eigenschaften, was einen doppelten Schutz für gelagerte Materialien bietet.

Quellen & Referenzen

  1. https://www.gbif.org/species/1095953
  2. https://bugswithmike.com/guide/arthropoda/hexapoda/insecta/coleoptera/polyphaga/bostrichoidea/dermestidae/attagenini/attagenus/pellio
  3. https://patents.google.com/patent/CN108371193A/en
  4. Aggregierte Suchanfragen-Daten (Deutschland), 2024-2025.
  5. https://explorer.natureserve.org/Taxon/ELEMENT_GLOBAL.2.808772/Attagenus_pellio
  6. http://insectes-nuisibles.cicrp.fr/en/les-insectes-de-a-a-z/attagenus-pellio-linnaeus-1758
  7. https://collectionstrust.org.uk/wp-content/uploads/2016/10/11_two_spot_carpet_beetle_vodka_beetle.pdf
  8. https://www.icm.works/wp-content/uploads/2021/11/Strang_T_A_Review_of_Published_Temperatures_for_the-Control.pdf
  9. https://museumpests.net/wp-content/uploads/2016/03/Vienna_IPM_BM.pdf