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Lexikon-Eintrag
Kerbelruebe Chaerophyllum bulbosum
Schnellnavigation
Taxonomie
Reich
Pflanzen (Plantae)
Stamm
Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse
Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung
Apiales (Apiales)
Familie
Apiaceae
Gattung
Chaerophyllum
Art
Chaerophyllum bulbosum
Wissenschaftlicher Name
Chaerophyllum bulbosum L.
Akzeptierter Name
Einleitung
Der **Knollige Kälberkropf** (*Chaerophyllum bulbosum*), auch **Kerbelrübe** oder **Knollenkerbel** genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Kälberkröpfe (*Chaerophyllum*) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).[1][2] Diese zweijährige krautige Pflanze bildet eine verdickte Hypokotyl-Knolle aus, die als Wurzelgemüse genutzt wird.[3][4] Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich über die gemäßigten Regionen Europas und Asiens.[5]
Kerbelruebe Bilder und Fotos von echten Sichtungen
8 AufnahmenSaisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Fakten (kompakt)
- Die Chromosomenzahl des Knolligen Kälberkropfs beträgt 2n = 22.[11] - Biologisch gilt die Art als Selbstbestäuber.[24] - Das Tausendkorngewicht der Samen liegt zwischen 2 und 2,5 Gramm. - Durch Züchtungsarbeiten in Frankreich entstanden 1986 durch Massenselektion die Sorten 'Altan', 'Véga' und 'M4.10'.[28] - Die getrocknete Knolle enthält bis zu 57 % Stärke, die sich bei einer Lagerung von 4 °C innerhalb von vier Monaten zu einem großen Teil in Zucker umwandelt.[29] - Zu den historischen und regionalen Trivialnamen zählen unter anderem „Pimperlimpimp“ (Schlesien), „Päperläpä“ (Bernburg) und „Barebächer“ (Siebenbürgen).[30] - Bereits 1588 warnte der Botaniker Tabernaemontanus vor einer Verwechslung der Blätter mit dem giftigen Gefleckten Schierling (*Conium maculatum*).[25] - Die Pflanze ist ein Wirt für das Parsley Yellow Fleck Virus (PYFV), das durch die Gierschblattlaus (*Cavariella aegopodii*) übertragen wird.[27] - Phytochemische Untersuchungen identifizierten in der Pflanze spezifische Malonyl-Dicaffeoylchinasäuren (MDiCQAs) sowie Flavonoid-Malonyl-Glucoside. - In In-vitro-Studien zeigten isolierte Inhaltsstoffe (Verbindungen 4 und 9) eine zytotoxische Wirkung gegenüber Vero-E6-Zellen.[5]
Name & Einordnung
Der wissenschaftliche Name *Chaerophyllum bulbosum* wurde 1753 von Carl von Linné in seinem Werk *Species Plantarum* erstveröffentlicht. Zu den bekannten Synonymen der Art zählen *Myrrhis bulbosa* Spreng., *Scandix bulbosa* Roth, *Chaerophyllum rapaceum* Alef. sowie *Chaerophyllum caucasicum* (Hoffm.) Schischk.[7] Taxonomisch werden häufig zwei Unterarten unterschieden: die Heimische Kerbelrübe (*C. bulbosum* subsp. *bulbosum*) mit weißfleischiger Knolle und die Sibirische Kerbelrübe (*C. bulbosum* subsp. *prescottii*), welche eine gelbfleischige, größere Knolle ausbildet.[7] Letztere wird von einigen Autoren auch als eigenständige Art *Chaerophyllum prescottii* DC. angesehen. Im deutschsprachigen Raum ist die Pflanze als Knolliger Kälberkropf oder Kerbelrübe bekannt, wird aber auch Knollenkerbel, Rübenkerbel, Knolliger Kerbel oder Erdkastanie genannt. Eine Vielzahl historischer und regionaler Trivialnamen ist dokumentiert, darunter Buschmöhren (Schlesien), Köpken (Mark Brandenburg), Beperle (Österreich) sowie Pimperlimpimp.[7] Im Englischen wird die Art als „tuberous-rooted chervil“ bezeichnet.[5] Historisch erwähnte Tabernaemontanus die Pflanze bereits 1588 als „Nappen- oder Myrrhenkörffel“, wobei sich der Begriff „Napen“ auf Steckrüben bezog.[7] Zudem wurde die von Dioskurides als „Myrrhis“ beschriebene Pflanze in der Literatur als Knolliger Kälberkropf gedeutet.[8]
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Der Knollige Kälberkropf (*Chaerophyllum bulbosum*) ist eine zweijährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 0,8 bis 2 Metern erreicht.[5] Charakteristisch für die Art ist der kropfartig verdickte Stängelknoten, der eine Hypokotyl-Knolle bildet.[4] Diese Rübe ist kegelig bis kugelig geformt, wird etwa 3 bis 6 Zentimeter dick und 1,5 bis 10 Zentimeter lang.[11] Sie besitzt eine graue Oberfläche und erreicht ein Gewicht von 140 bis 200 g, wobei viele Exemplare kleiner bleiben.[11][17] Das Fleisch der Knolle ist bei der Nominatform weiß, während es bei der Unterart *prescottii* gelblich gefärbt ist.[11][18] Der hohle, stielrunde Stängel ist glatt, am Grund jedoch borstig bis zottig mit weißen Haaren besetzt, die auf kleinen Knötchen sitzen.[19][20] Der Stängel erscheint rotgefleckt, im oberen Bereich kahl, meist bläulich bereift und ist unterhalb der Knoten verdickt. Die Laubblätter sind zwei- bis vierfach fiederschnittig, wobei die unteren gestielt und an Rand sowie Nerven behaart sind. Die Blattabschnitte erster Ordnung sind dreieckig-eiförmig und zugespitzt. Die Zipfel letzter Ordnung sind schmal-lanzettlich bis linealisch, ganzrandig und mit feinen, weißen Spitzchen ausgestattet.[21][11][22] Die Blütezeit erstreckt sich im zweiten Jahr von Juni bis August. Der doppeldoldige Blütenstand besitzt meist 15 bis 20 kahle, sehr ungleich lange Strahlen.[20] Die fünf bis sechs Hüllchenblätter sind linealisch-lanzettlich geformt und weisen einen weißhäutigen Rand auf. Die weißen Kronblätter der zwittrigen Blüten sind rundlich verkehrt-eiförmig bis quer-elliptisch und bis zur Hälfte eingeschnitten.[21][11][22] Die Frucht ist eine gelblich-dunkelbraune, gestreifte Doppelachäne, die linealisch-länglich bis schmal-kegelförmig ist und eine Länge von 4 bis 6 Millimetern erreicht.[20] Die Chromosomenzahl der Art beträgt 2n = 22.[11] Aufgrund der gefleckten Stängel und der Blattform besteht eine Verwechslungsgefahr mit dem Gefleckten Schierling, vor der bereits historische Quellen warnten.[3]
Beschreibung
Der Knollige Kälberkropf (*Chaerophyllum bulbosum*) ist eine zweijährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 0,8 bis 2 Metern erreicht.[5] Charakteristisch für die Art ist die rübenartige Verdickung am Übergang von Wurzel zu Stängel, die sogenannte Hypokotyl-Knolle, welche als Speicherorgan dient.[4] Diese Knolle ist kegelig bis kugelig geformt, besitzt eine graue Oberfläche und erreicht ein Gewicht von 140 bis 200 g, wobei viele Exemplare kleiner bleiben.[11][17] Der hohle, stielrunde Stängel ist im unteren Bereich borstig bis zottig behaart, wobei die weißen Haare oft auf kleinen Knötchen sitzen.[19][20] Ein markantes Erkennungsmerkmal sind die rotgefleckten, meist bläulich bereiften Stängelabschnitte, die unterhalb der Knoten verdickt sind. Die Laubblätter sind zwei- bis vierfach fiederschnittig, wobei die unteren Blätter gestielt und die oberen sitzend sind. Die Blattabschnitte erster Ordnung erscheinen dreieckig-eiförmig und zugespitzt, während die Zipfel letzter Ordnung schmal-lanzettlich bis linealisch ausgeprägt sind.[21] Im zweiten Vegetationsjahr bildet die Pflanze von Juni bis August einen doppeldoldigen Blütenstand aus, der 15 bis 20 kahle, ungleich lange Strahlen besitzt.[20] Die zwittrigen Blüten verfügen über weiße, rundlich verkehrt-eiförmige Kronblätter, die bis zur Hälfte eingeschnitten sind und am Grund plötzlich zusammengezogen wirken.[21] Als Frucht entwickelt sich eine gelblich-dunkelbraune, gestreifte Doppelachäne von 4 bis 6 Millimetern Länge, die linealisch-länglich bis schmal-kegelförmig ist.[20] Die Art ist monokarpisch; die Hypokotyl-Knolle wird zur Blütenbildung vollständig aufgebraucht, ist nicht ausdauernd und stirbt nach der Samenbildung ab.[23] Ökologisch handelt es sich um einen Frostkeimer, dessen Samen mindestens sechs Wochen Kälte benötigen, bevor sie im Frühjahr keimen.[24] Innerhalb der Art werden zwei Unterarten unterschieden: Die Heimische Kerbelrübe (subsp. *bulbosum*) mit weißfleischiger, aromatischer Knolle und die Sibirische Kerbelrübe (subsp. *prescottii*) mit gelbfleischiger, größerer, aber weniger aromatischer Knolle.[11][18] Historisch wurde die Art bereits 1753 von Carl von Linné erstveröffentlicht.[6] Aufgrund der gefleckten Stängel warnte bereits Tabernaemontanus im 16. Jahrhundert vor einer Verwechslung mit dem giftigen Gefleckten Schierling (*Conium maculatum*).[25]
Ökologie
Der Knollige Kälberkropf (*Chaerophyllum bulbosum*) besiedelt vorwiegend Flussufer sowie Staudenfluren in Auenbereichen und findet sich an feuchten, nitrophilen Säumen.[4] Der bevorzugte Untergrund ist wasserzügig, häufig rieselnass sowie reich an Nährstoffen und Basen. Pflanzensoziologisch wird die Art als Charakterart der Assoziation *Chaerophylletum bulbosi* innerhalb des Verbands Aegopodion eingeordnet.[15] Nach den ökologischen Zeigerwerten deutet ihr Vorkommen auf sehr feuchte, mäßig wechselfeuchte und sehr nährstoffreiche bis überdüngte Standorte hin (Nährstoffzahl N = 5).[14] Die zweijährige Pflanze stirbt nach der Samenbildung und dem Aufbrauchen der Hypokotyl-Knolle ab.[23] Reproduktionsbiologisch tritt der Knollige Kälberkropf als Selbstbestäuber in Erscheinung.[24] Die Samen unterliegen einer Keimruhe und benötigen als Frostkeimer einen Kältereiz von mindestens sechs Wochen, bevor sie keimen.[24][17] In ihrem Lebensraum fungiert die Art als Wirtspflanze für verschiedene Phytopathogene und Insekten. Sie wird von der Gierschblattlaus (*Cavariella aegopodii*) befallen, die als Vektor für Viren wie das Parsley Yellow Fleck Virus (PYFV) oder die Möhrenscheckung (carrot motley dwarf) dient.[27] Ebenso ist *Chaerophyllum bulbosum* anfällig für den Echten Mehltau (*Erysiphe heraclei*) sowie das Selleriemosaikvirus.[11]
Bedeutung, Schäden & Prävention
Der Knollige Kälberkropf (*Chaerophyllum bulbosum*) ist heute vorwiegend als seltenes Feinschmeckergemüse von Bedeutung.[9] Historisch wurde die Art während der Kartoffelfäule-Epidemien in Frankreich im 19. Jahrhundert als potenzieller Ersatz für die Kartoffel in Betracht gezogen. Im landwirtschaftlichen Anbau treten ähnliche Schädlinge wie bei Karotten oder Pastinaken auf. Zu den tierischen Schädlingen zählen insbesondere die Möhrenfliege und Wurzelläuse, die die Knollen befallen. Auch Feldmäuse können durch Fraß an den unterirdischen Pflanzenteilen erhebliche Schäden verursachen. Die Pflanze fungiert zudem als Wirt für Blattlausarten wie die Gierschblattlaus (*Cavariella aegopodii*). Diese Vektoren übertragen virale Pathogene, darunter das Selleriemosaikvirus und das Parsley Yellow Fleck Virus (PYFV). Ebenso ist eine Infektion mit der Möhrenröte (Carrot Motley Dwarf) möglich. Pilzliche Erkrankungen manifestieren sich als Echter Mehltau (*Erysiphe heraclei*) am Kraut oder führen zu Lagerfäule an den Wurzeln. Eine gesundheitliche Gefahr für Sammler besteht in der Verwechslung der Blätter mit dem giftigen Gefleckten Schierling (*Conium maculatum*).[9] Neuere chemische Analysen isolierten spezifische Malonyl-Dicaffeoylchinasäuren aus der Pflanze. Diese Verbindungen zeigten in Laborstudien zytotoxische Effekte auf nicht-tumoröse Nierenzellen, was bei der Bewertung der Inhaltsstoffe relevant sein kann. Gleichzeitig weisen Extrakte der Pflanze eine signifikante antioxidative Radikalfänger-Aktivität auf.[5] Zur Prävention von Qualitätsverlusten nach der Ernte ist eine korrekte Lagerung entscheidend. Die Knollen sollten in feuchtem Sand oder Folienbeuteln bei konstanten 4 °C aufbewahrt werden, um Austrocknung und Fäulnis zu verhindern.[9]
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Kerbelrübe (*Chaerophyllum bulbosum*) besitzt heute primär als exklusive Nischenkultur im Liebhaberbereich und in der gehobenen Gastronomie eine wirtschaftliche Relevanz.[26] Historisch betrachtet hatte die Art im 19. Jahrhundert eine deutlich größere Marktbedeutung, wurde jedoch im Laufe der Zeit von ertragreicheren Wurzelgemüsen verdrängt. Der Rückgang der wirtschaftlichen Wichtigkeit ist vor allem auf die anspruchsvollen Kulturbedingungen zurückzuführen, die eine effiziente maschinelle Großproduktion erschweren. Ein zentraler ökonomischer Begrenzungsfaktor ist die komplexe Keimruhe des Saatguts, die eine professionelle Stratifikation erfordert und den Anbau risikobehaftet macht.[5] Die Erträge fallen im Vergleich zu anderen Doldenblütlern wie der Möhre signifikant geringer aus, was die Flächenproduktivität limitiert.[26] Dieser geringe Ertrag führt in Verbindung mit dem hohen Pflegeaufwand zu vergleichsweise hohen Marktpreisen für die Knollen als Feingemüse. Wirtschaftliche Risiken bestehen zudem in der Lagerhaltung, da die Knollen erst nach einer mehrwöchigen Lagerphase ihre volle Genussreife erreichen.[5] Während dieser Lagerung können finanzielle Verluste durch Pilzbefall oder Austrocknung entstehen, was die vermarktbare Menge reduziert.[26] Als Unkraut in anderen landwirtschaftlichen Kulturen tritt die Art nicht schadensrelevant auf, sodass keine spezifischen Bekämpfungskosten anfallen.[5]
Biologie & Lebenszyklus
*Chaerophyllum bulbosum* ist eine zweijährige (bienne) krautige Pflanze, die einen strikten Entwicklungszyklus über zwei Vegetationsperioden durchläuft.[26] Die Art vermehrt sich ausschließlich generativ über Samen, die als Frostkeimer eine Stratifikation bei niedrigen Temperaturen benötigen, um die physiologische Keimruhe zu überwinden.[5] Nach der Keimung im zeitigen Frühjahr entwickelt sich im ersten Jahr zunächst eine Blattrosette sowie das primäre Speicherorgan, eine rübenartig verdickte Hypokotylknolle.[26][5] Diese Knolle ist kurz kegelförmig bis kreiselförmig, außen grau bis ockerfarben und besitzt ein weißliches bis gelbliches Fleisch. Eine physiologische Besonderheit ist das frühe Einziehen der Blätter bereits im Juni oder Juli, woraufhin die Knolle eine mehrmonatige Ruhephase (Dormanz) im Boden verbringt.[5] Im zweiten Jahr erfolgt der Austrieb des bis zu zwei Meter hohen, rot gefleckten und unten borstig behaarten Blütenstängels.[26] Die Blütezeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Juni bis August, wobei die weißen, zwittrigen Blüten in zusammengesetzten Dolden stehen. Die Bestäubung erfolgt allogam durch Insekten, wobei vor allem Käfer und Fliegen als Bestäuber fungieren.[5] Nach der Befruchtung bilden sich 4 bis 6 Millimeter lange, längsgeriefte Früchte, die im Spätsommer reifen.[26] Die Samen weisen eine sehr begrenzte Lebensfähigkeit auf und verlieren ihre Keimkraft unter konventionellen Lagerbedingungen oft bereits nach einem Jahr. Als Nährstoffspeicher akkumuliert die Knolle im ersten Jahr Stärke und spezifische Aromastoffe, die für den menschlichen Verzehr relevant sind.[5] Die Pflanze bevorzugt für eine optimale Entwicklung tiefgründige, humose und gleichmäßig feuchte Substrate. Nach der Samenreife im zweiten Jahr stirbt die gesamte Pflanze ab (Monokarpie).[26] Natürliche Ausfälle können durch Fäulnis bei Staunässe oder durch Fraßfeinde wie Wühlmäuse verursacht werden, welche die zuckerhaltigen Knollen bevorzugen. In der landwirtschaftlichen Nutzung wird der Lebenszyklus unterbrochen, indem die Ernte der Knollen im Herbst oder Winter des ersten Jahres erfolgt.[5]
Vorkommen & Lebensraum
Der Knollige Kälberkropf ist ein eurasisch-kontinentales Florenelement.[3] Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Mittel- und Südosteuropa bis in den Kaukasusraum und den Iran.[11] Es umfasst Länder von Frankreich und Deutschland über Österreich und Polen bis hin zum europäischen Russland und der Türkei. Die Unterart *prescottii* (Sibirische Kerbelrübe) kommt von Osteuropa über Sibirien und Kasachstan bis ins westliche Xinjiang vor. In Skandinavien, speziell in Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland, gilt diese Sippe als Neophyt.[12] In Mitteleuropa tritt die Art zerstreut auf und ist insbesondere in den großen Stromtälern verbreitet. Während sie in Deutschland in den Alpen und dem Alpenvorland fehlt, beschränkt sich ihr Vorkommen in Österreich hauptsächlich auf das pannonische Gebiet.[3] Im österreichischen Alpengebiet sowie im südöstlichen Alpenvorland gilt die Art als gefährdet.[13] In der Schweiz wird *Chaerophyllum bulbosum* als sehr selten und indigen eingestuft, ist dort jedoch oft verwildert oder verschleppt anzutreffen.[14] Typische natürliche Habitate sind Flussufer und Staudenfluren in Auenbereichen.[4] Die Pflanze besiedelt zudem feuchte, nitrophile Säume sowie Ruderalstandorte. Der Untergrund ist dabei idealerweise wasserzügig, häufig rieselnass sowie nährstoff- und basenreich.[15] Ökologische Zeigerwerte charakterisieren die Art als Zeiger für sehr feuchte, aber mäßig wechselnde sowie sehr nährstoffreiche bis überdüngte Standorte.[16] Pflanzensoziologisch gilt sie als Charakterart einer eigenen Assoziation, des *Chaerophylletum bulbosi*.[15] Häufig verwildert der Knollige Kälberkropf aus Gärten, da er früher als Gemüse angebaut wurde.[4]
Saisonalität & Aktivität
Der Knollige Kälberkropf (*Chaerophyllum bulbosum*) ist eine zweijährige Pflanze, deren Lebenszyklus sich über zwei Vegetationsperioden erstreckt. Die Samen der Art sind Frostkeimer, weshalb die Keimung erst im Frühjahr nach einer Kälteperiode von mindestens sechs Wochen erfolgt. In der ersten Vegetationsperiode bildet die Pflanze zunächst die speichernde Hypokotyl-Knolle aus. Bereits im Juni beginnen die Blätter zu vergilben, was die Reife der Wurzel anzeigt und den Beginn der möglichen Erntezeit ab Juli markiert. Die generative Phase mit der Blüte tritt erst im zweiten Jahr auf, wobei sich die Blütezeit von Juni bis August erstreckt. Biologisch besitzt die Pflanze die Fähigkeit, mit ihrer Wurzel bis zu zehn Jahre im Boden zu überdauern, bevor sie beispielsweise nach Bodenstörungen wieder austreibt. Kulinarisch verschiebt sich die 'Aktivität' in die Wintermonate, da der Geschmack der Wurzeln von Dezember bis März als am besten gilt.[9] Dies korreliert mit einem erhöhten öffentlichen Suchinteresse, das im September einen deutlichen Höhepunkt erreicht.[10] Nach der Ernte werden die Knollen oft über mehrere Monate bei kühlen Temperaturen um 4 °C gelagert, wobei ein Teil der Stärke in Zucker umgewandelt wird.[9]
Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland
Quellen & Referenzen
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- Chaerophyllum bulbosum L., Rüben-Kälberkropf auf FloraWeb.de
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- PDF: kerbelruebe
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