Die wissenschaftliche Bezeichnung der Ordnung lautet *Coleoptera* und wurde 1758 von Carl von Linné in seinem Werk *Systema Naturae* als Ordnungsname formalisiert, wobei er die Nomenklatur von Aristoteles übernahm.[1] Der Name leitet sich aus dem Altgriechischen ab, zusammengesetzt aus *koleos* (Scheide) und *pteron* (Flügel).[3] Diese Benennung bezieht sich auf die verhärteten Vorderflügel (Elytren), die wie eine Schutzhülle die darunterliegenden membranösen Hinterflügel umschließen.[1] Bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. gruppierte Aristoteles diese Tiere unter dem Begriff *koleopteros*, während Plinius der Ältere sie im 1. Jahrhundert n. Chr. in seiner *Naturalis historia* als Insekten mit Flügeln unter einer harten Haut beschrieb. Im deutschen Sprachraum wird die Ordnung als Käfer bezeichnet. Der englische Trivialname „beetle“ geht auf das Altenglische *bitula* oder *bitela* zurück, was „kleiner Beißer“ bedeutet und auf die kräftigen Mandibeln vieler Arten verweist.[1] Systematisch gehören die *Coleoptera* zu den holometabolen Insekten und bilden zusammen mit ihrer Schwestergruppe, den *Strepsiptera* (Fächerflügler), die Klade Coleopterida. Phylogenomische Analysen stellen diese Klade den Neuropterida gegenüber. Innerhalb der Ordnung werden die vier rezenten Unterordnungen *Archostemata*, *Adephaga*, *Myxophaga* und *Polyphaga* unterschieden.[3]
Käfer zeigen eine enorme morphologische Variabilität mit Körpergrößen von unter 0,5 mm bei Federflüglern bis zu über 150 mm bei Goliathkäfern.[3] Der Kopf ist eine stark sklerotisierte Kapsel mit beißend-kauenden Mundwerkzeugen und meist gut entwickelten Komplexaugen, die bei räuberischen Arten aus wenigen hundert, bei anderen aus tausenden Ommatidien bestehen. Die Antennen variieren stark je nach Lebensweise, von fadenförmigen Strukturen bei Laufkäfern bis zu lamellenartigen Fächern bei Blatthornkäfern (*Scarabaeidae*), die der chemischen Wahrnehmung dienen. Bei Rüsselkäfern (*Curculionidae*) ist der Kopf charakteristisch zu einem Rostrum verlängert, an dessen Spitze die Mundwerkzeuge sitzen.[1] Das markanteste Merkmal der Adulten sind die zu harten Elytren modifizierten Vorderflügel, die entlang der Rückenmittellinie eine gerade Naht bilden und das Abdomen sowie die häutigen Hinterflügel schützen.[1][5] Der Thorax gliedert sich in den Prothorax mit einem oft schildartigen Pronotum sowie den Meso- und Metathorax, an denen die Flügel ansetzen.[1] Die Hinterflügel sind im Ruhezustand ziehharmonikaartig unter den Elytren gefaltet und werden im Flug durch asynchrone Flugmuskeln angetrieben.[5][1] Die drei Beinpaare bestehen aus Coxa, Trochanter, Femur, Tibia und einem meist fünfgliedrigen Tarsus, wobei die Form an die Lebensweise angepasst ist.[3] Schwimmkäfer (*Dytiscidae*) besitzen abgeflachte Beine mit Schwimmhaaren, während Erdflöhe (*Chrysomelidae*) verdickte Femora für Sprünge nutzen.[3][6] Ein Sexualdimorphismus zeigt sich teilweise an den Tarsen, wo Männchen bestimmter Arten wie *Nicrophorus* spezialisierte Haftborsten für die Paarung entwickeln.[1] Das Abdomen besteht aus 5 bis 8 sichtbaren Segmenten, die durch flexible Membranen verbunden sind, und beherbergt oft Wehrdrüsen, etwa am Pygidium.[1][3] Die Larvenformen reichen von engerlingsartigen (eruciformen) Typen bei Scarabaeiden bis zu flinken, abgeflachten (campodeiformen) Räubern bei Laufkäfern.[1] Larven besitzen eine feste Kopfkapsel mit Mandibeln und durchlaufen meist 3 bis 7 Stadien, die durch Häutungen getrennt sind. Die Puppen sind exarat, das heißt, ihre Gliedmaßen sind frei beweglich und nicht mit dem Körper verklebt.[3] Die Eier werden von einem Chorion geschützt, das den Gasaustausch über Aeropylen ermöglicht, und variieren in Form und Größe je nach Art erheblich.[7] Von anderen Insektenordnungen lassen sich Käfer primär durch die verhärteten Vorderflügel abgrenzen, die im Gegensatz zu den überlappenden Flügeln der Wanzen eine gerade Rückenlinie bilden.[3]
Käfer (*Coleoptera*) sind holometabole Insekten, deren markantestes Merkmal die zu festen Elytren umgewandelten Vorderflügel sind, die das Abdomen und die häutigen Hinterflügel wie ein schützender Panzer bedecken.[3] Diese anatomische Innovation gilt als Schlüsselfaktor für ihren evolutionären Erfolg und ermöglicht die Besiedlung fast aller terrestrischen und süßwasserführenden Lebensräume.[2][8] Mit einer Körperlänge von unter 0,5 mm bei Federflüglern bis zu über 150 mm bei Goliathkäfern zeigen sie eine enorme morphologische Variabilität.[1] Im Gegensatz zu anderen Insektenordnungen bilden die Elytren in Ruheposition eine gerade Naht auf dem Rücken, was ein wichtiges Feldkennzeichen darstellt.[5] Der Körper ist durch ein robustes Exoskelett geschützt, wobei der Prothorax oft als prominentes Halsschild ausgebildet ist, während die hinteren Thoraxsegmente unter den Flügeldecken verborgen liegen.[1] Anatomische Anpassungen der Beine reichen von Laufbeinen für den stabilen „Tripod-Gang“ am Boden bis hin zu mit Schwimmhaaren besetzten Ruderbeinen bei aquatischen Familien wie den *Dytiscidae*. Die Entwicklung verläuft über eine vollständige Metamorphose (Ei, Larve, Puppe, Imago), wobei die Larvenstadien oft völlig andere ökologische Nischen besetzen als die Adulten.[3] Larven besitzen stets eine sklerotisierte Kopfkapsel mit beißenden Mandibeln, variieren aber in ihrer Form von raupenartig (eruciform) bis hin zu flinken, räuberischen Typen (campodeiform).[1] Bei endophytisch lebenden Gruppen wie den Rüsselkäfern (*Curculionidae*) sind die Larven hingegen oft beinlos und madenartig reduziert.[3] Das Wachstum erfolgt über mehrere Häutungen (meist 3 bis 7 Stadien), bevor die Verpuppung in einer oft selbst gefertigten Kammer stattfindet.[5] Die Puppen sind überwiegend exarat, das heißt, ihre Beine und Fühler liegen frei und sind nicht mit dem Körper verklebt.[9] Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus ist bei vielen Arten zu beobachten, oft manifestiert durch vergrößerte Mandibeln oder Hörner bei Männchen, die für Kommentkämpfe genutzt werden.[5] Auch subtilere Unterschiede existieren, wie spezialisierte Haftborsten an den Tarsen der Männchen, die den Halt während der Kopulation sichern.[1] Physiologisch verfügen Käfer über ein Tracheensystem zur Atmung, das bei wasserlebenden Arten durch physikalische Kiemen (Plastron) oder das Mitführen von Luftblasen unter den Elytren modifiziert ist.[5] Zur Verteidigung nutzen viele Arten chemische Drüsen, wie etwa die Bombardierkäfer, die heiße, explosive Sekrete aus dem Abdomen versprühen können.[3] Die sensorische Wahrnehmung erfolgt primär über Komplexaugen und Antennen, wobei letztere je nach Lebensweise fadenförmig, gekeult oder lamellenartig zur Oberflächenvergrößerung geformt sein können.[1] Historisch wurde die Ordnung bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. von Aristoteles als *Koleopteros* (Scheidenflügler) klassifiziert, was die Bedeutung der Flügeldecken als primäres Erkennungsmerkmal unterstreicht.[1]
Die Fortbewegung der Käfer erfolgt primär terrestrisch im alternierenden Dreibeingang, während der Flug durch asynchrone Flugmuskeln ermöglicht wird, die Schlagfrequenzen von bis zu 120 Hz erreichen können.[3][5] Spezialisierte Anpassungen zeigen sich im Sprungvermögen der Erdflöhe, die mittels vergrößerter Hinterschenkel das 300-fache ihrer Körperlänge überwinden, sowie in den mit Schwimmhaaren ausgestatteten Beinen der Schwimmkäfer.[6][5] Die Kommunikation basiert häufig auf chemischen Signalen, wie den Aggregationspheromonen Ipsenol und Ipsdienol, die Borkenkäfer zur Koordinierung von Massenangriffen auf Wirtsbäume nutzen.[1] Akustische Signale werden durch Stridulation erzeugt, etwa bei Bockkäfern zur Artenerkennung, während Leuchtkäfer Biolumineszenz für die Partnerwahl einsetzen.[1][3] Das Abwehrverhalten ist hochentwickelt und reicht vom Totstellen (Thanatose) bei Laufkäfern bis zum Verspritzen von 100 °C heißen Chinonen durch Bombardierkäfer.[3][6] Marienkäfer nutzen das Reflexbluten, bei dem giftige Hämolymphe aus den Beingelenken austritt, um Fressfeinde abzuschrecken.[2] Komplexes Brutpflegeverhalten zeigen Totengräber der Gattung *Nicrophorus*, die Aas vergraben und ihre Larven durch Regurgitation füttern.[3] Echte Eusozialität ist selten, kommt aber bei dem Ambrosiakäfer *Austroplatypus incompertus* vor, der Kolonien mit einer Königin und sterilen Arbeiterinnen bildet.[1] Viele holzbohrende Arten betreiben zudem eine Form der Pilzlandwirtschaft, indem sie Pilze in ihren Gängen kultivieren, die den Larven als Nahrung dienen.[3] Bei der Paarung nutzen Arten wie der Bunte Pochkäfer vibrationsbasierte Signale, indem sie ihren Kopf gegen das Holz schlagen, um Partner in verborgenen Habitaten zu lokalisieren.[1]
Käfer besetzen vielfältige ökologische Nischen als Destruenten, Räuber, Herbivoren, Bestäuber und Parasiten, wodurch sie maßgeblich zum Nährstoffkreislauf und zur Bodenbelüftung beitragen.[3] Ihre Habitate reichen von ariden Wüsten, wo Arten wie *Stenocara* Nebelfeuchtigkeit ernten, bis hin zu Süßwasserökosystemen und marinen Gezeitenzonen.[5] In Waldökosystemen spielen saproxyle Käfer, die auf Totholz angewiesen sind, eine entscheidende Rolle beim Abbau von Zellulose und Lignin, oft unterstützt durch symbiotische Darmmikroben. Etwa die Hälfte aller Käferarten ernährt sich herbivor von verschiedenen Pflanzengeweben, wobei Blattkäfer (*Chrysomelidae*) oft Wirtspflanzen entlauben und Borkenkäfer (*Scolytinae*) das Phloem schädigen.[3] Einige Linien fungieren als Bestäuber für primitive Angiospermen wie *Magnoliaceae* und spezifische Palmen, wobei sie oft eine unpräzise Methode zur Pollenübertragung nutzen.[1] Räuberische Gruppen wie Laufkäfer (*Carabidae*) regulieren Wirbellosenpopulationen, einschließlich landwirtschaftlicher Schädlinge wie Schnecken und Blattläuse.[3] Dungkäfer (*Scarabaeinae*) verarbeiten große Mengen an Wirbeltierkot, was die Zersetzung beschleunigt und die Parasitenbelastung auf Weiden reduziert.[2] Käfer dienen wiederum als Wirte für parasitoide Wespen, wie die Ichneumonidae, und Nematoden, die in das Hämocoel eindringen und die Reproduktion beeinträchtigen.[3] Komplexe Mutualismen existieren beispielsweise bei Ambrosiakäfern, die Pilze als Larvennahrung in Holzgängen kultivieren. Um extreme Mikroklimata zu überleben, akkumulieren Arten wie der alpine *Pterostichus brevicornis* Glycerin, um Gefriertemperaturen bis zu -24 °C zu widerstehen.[1]
Käfer nehmen ökonomisch und ökologisch eine Doppelrolle als gravierende Schädlinge sowie unverzichtbare Nützlinge ein. In der Landwirtschaft verursacht der Kartoffelkäfer (*Leptinotarsa decemlineata*) durch massive Entlaubung von Nachtschattengewächsen Ernteverluste von bis zu 100 %, was weltweit Milliardenkosten nach sich zieht. Im Forstsektor führt der invasive Asiatische Eschebohrer (*Agrilus planipennis*) durch Larvengänge im Phloem zum Absterben von Millionen Eschen, indem er die Nährstoffleitbahnen unterbricht.[1] Materialschädlinge wie Splintholzkäfer (Lyctidae) gefährden Bausubstanz und Möbel, wobei feines, puderartiges Bohrmehl als typisches Befallsanzeichen für eine aktive Zerstörung gilt. Medizinisch relevant sind Ölkäfer (*Meloidae*), die das blasenziehende Toxin Cantharidin produzieren, welches bei Kontakt Hautreizungen auslöst, aber auch therapeutisch gegen Warzen und Molluscum contagiosum genutzt wird.[5] Demgegenüber stehen Nützlinge wie Marienkäfer (*Coccinellidae*), deren Prädation von Blattläusen allein in den USA einen ökonomischen Wert von 13,6 Milliarden Dollar jährlich darstellt.[3] Auch Dungkäfer (*Scarabaeinae*) leisten durch die Einarbeitung von Viehdung einen wesentlichen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit und Weidehygiene, was Parasitenbelastungen reduziert.[2] Zur Bekämpfung schädlicher Arten werden neben klassischen Insektiziden zunehmend biotechnologische Verfahren entwickelt, wie *Bacillus thuringiensis*-Toxine, die spezifisch gegen Coleopteren wirken. Neuartige Ansätze nutzen RNA-Interferenz (RNAi), um essentielle Gene wie die vakuoläre ATPase in Käfern stummzuschalten und so eine artspezifische Mortalität zu erzielen.[5] Der Einsatz chemischer Mittel wie Neonicotinoiden ist mittlerweile teils reglementiert, da sie bedrohte Arten wie den Totengräber *Nicrophorus americanus* schädigen.[9] Rechtliche Rahmenbedingungen wie CITES Anhang II beschränken zudem den internationalen Handel mit gefährdeten exotischen Arten wie bestimmten Nashornkäfern, um Wildpopulationen zu schützen.[3]
Käfer verursachen massive wirtschaftliche Schäden in der Landwirtschaft, wobei der Kartoffelkäfer (*Leptinotarsa decemlineata*) in unbehandelten Feldern Ernteverluste von bis zu 100 % verursachen kann, was weltweit Kosten in Milliardenhöhe nach sich zieht.[10] In der Forstwirtschaft haben invasive Arten wie der Asiatische Eschenprachtkäfer (*Agrilus planipennis*) hunderte Millionen Eschen in Nordamerika vernichtet und dadurch Waldökosysteme sowie städtische Landschaften nachhaltig geschädigt.[1] Auch im Bauwesen und der Möbelindustrie führen Holzschädlinge wie Splintholzkäfer (Lyctidae) und Nagekäfer (Anobiidae) zu erheblichen Verlusten, indem ihre Larven verarbeitetes Holz durchtunneln und die strukturelle Integrität von Balken und Böden gefährden. Demgegenüber stehen erhebliche positive wirtschaftliche Effekte durch Nützlinge; so wird der Wert der natürlichen Schädlingsbekämpfung durch Marienkäfer (*Coccinellidae*), die bis zu 5.000 Blattläuse pro Leben vertilgen, in US-Ökosystemen auf jährlich 13,6 Milliarden Dollar geschätzt.[3] Dungkäfer (*Scarabaeinae*) leisten durch die Verwertung von Viehdung einen ökonomischen Beitrag von etwa 380 Millionen Dollar pro Jahr in den USA, indem sie die Weideproduktivität steigern und Nährstoffkreisläufe fördern.[1] Kommerziell werden Larven wie der Mehlwurm (*Tenebrio molitor*) zunehmend als proteinreiche Nahrungsquelle gezüchtet, was eine nachhaltige Alternative zur konventionellen Viehzucht darstellt.[3] Im pharmazeutischen Sektor werden Ölkäfer (*Meloidae*) zur Gewinnung von Cantharidin genutzt, das in FDA-zugelassenen Medikamenten zur Behandlung von Hauterkrankungen wie *Molluscum contagiosum* Einsatz findet. Zudem erzielt der Handel mit seltenen Exemplaren hohe Preise, wobei große Goliathkäfer (*Goliathus* spp.) über 100 Dollar kosten können und die schillernden Flügeldecken von Prachtkäfern (*Buprestidae*) in der Schmuckherstellung Verwendung finden.[5]