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Lexikon-Eintrag

Wiesenzecke Dermacentor reticulatus

Wiesenzecke

Taxonomie

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung Zecken (Ixodida)
Familie Ixodidae
Gattung Dermacentor
Art Dermacentor reticulatus
Wissenschaftlicher Name Dermacentor reticulatus Fabricius, 1794
Akzeptierter Name

Einleitung

Die **Wiesenzecke** (*Dermacentor reticulatus*) ist eine in Eurasien verbreitete Art aus der Familie der Schildzecken (Ixodidae), die als bedeutender Vektor für veterinärmedizinische Pathogene wie *Babesia canis* fungiert.[1][2] Aufgrund ihrer auffälligen Zeichnung und Habitatpräferenzen wird sie in der internationalen Literatur auch als „meadow tick“ (Wiesenzecke), „marsh tick“ oder „ornate cow tick“ bezeichnet. Morphologisch lässt sich die Art anhand der Palpenform und der Bezahnung des Hypostoms von der verwandten Schafzecke (*Dermacentor marginatus*) abgrenzen.[1]

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Zuletzt am 26.04.2026
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Fakten (kompakt)

- Die Art besitzt eine extrem hohe Hungerresistenz und kann im adulten Stadium bis zu vier Jahre ohne Nahrungsaufnahme überleben. - Anatomisch ist der hintere Körperrand durch 11 sogenannte Festons (Randfalten) gegliedert, auf denen sich das netzartige Muster des Rückenschildes fortsetzt. - Ein spezifisches mikroskopisches Bestimmungsmerkmal ist ein nach hinten gerichteter Dorn am zweiten Glied der kurzen, breiten Palpen. - Die Basis des Stechapparats (Basis capituli) ist bei *Dermacentor reticulatus* rechteckig geformt, wobei die Augen an den seitlichen Rändern des Scutums positioniert sind. - Während Adulte freilaufend (exophil) jagen, leben die Larven und Nymphen vorwiegend nidicol (nestbewohnend) und parasitieren spezifisch Wühlmäuse. - Neben dem kontinentalen Verbreitungsgebiet existieren etablierte Populationen im Vereinigten Königreich.[7] - Klimamodelle prognostizieren bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts eine Arealerweiterung nach Skandinavien und in die Hochlagen der mitteleuropäischen Gebirge. - Zum Vektorspektrum gehören neben Babesien auch *Francisella tularensis* (Erreger der Tularämie) sowie *Rickettsia raoultii*.[7]

Name & Einordnung

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von *Dermacentor reticulatus* erfolgte im Jahr 1794 durch den Zoologen Johan Christian Fabricius unter dem ursprünglichen Namen *Acarus reticulatus*.[1][2] Die Spezies fungiert als Typusart der Gattung *Dermacentor*, die später im Jahr 1844 von Carl Ludwig Koch etabliert wurde. Systematisch wird die Art der Familie der Schildzecken (Ixodidae) und darin der Unterfamilie Rhipicephalinae zugeordnet. Der lateinische Artname *reticulatus* leitet sich etymologisch von der charakteristischen, netzartigen Musterung des Rückenschildes (Scutum) ab, die durch weiße oder blasse Emaille-Ornamente gebildet wird. Diese auffällige Färbung dient der Tarnung in offenen Lebensräumen und unterscheidet die Art morphologisch von verwandten Spezies wie *Dermacentor marginatus*. Im deutschen Sprachraum ist der Trivialname Wiesenzecke gebräuchlich, welcher das bevorzugte Vorkommen in offenen Graslandschaften und auf Weiden widerspiegelt. International sind englische Bezeichnungen wie „meadow tick“ (Wiesenzecke), „marsh tick“ (Sumpfzecke) sowie „ornate cow tick“ verbreitet, die auf die ökologischen Nischen in Feuchtgebieten und das Wirtsspektrum verweisen.[1] Die Gattung *Dermacentor* umfasst weltweit etwa 37 Arten, wobei *Dermacentor reticulatus* auf Basis molekularer Analysen (z. B. COI-Gen) eine enge phylogenetische Verwandtschaft zur amerikanischen Art *Dermacentor variabilis* aufweist.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Dermacentor reticulatus zeichnet sich durch einen ausgeprägten Sexualdimorphismus hinsichtlich Größe und Sklerotisierung aus. Nüchterne Weibchen messen 3,8 bis 4,2 mm, während die etwas größeren Männchen eine Länge von 4,2 bis 4,8 mm erreichen. Nach der Blutmahlzeit kann der Körper der Weibchen auf etwa 1 cm (10 mm) anschwellen. Die Grundfärbung des Körpers ist braun, wobei das Scutum (Rückenschild) ein charakteristisches, netzartiges Muster aus weißer oder blasser Emaille-Ornamentik aufweist. Diese Zeichnung dient in offenen Habitaten der Tarnung und ist bei Männchen stärker ausgeprägt, da ihr Scutum die gesamte Dorsalfläche bedeckt. Bei Weibchen beschränkt sich das sklerotisierte Scutum hingegen auf das vordere Körperdrittel. Der Kopfbereich (Gnathosoma) verfügt über eine rechteckige Basis capituli sowie Augen, die an den Rändern des Scutums sitzen. Die Palpen sind auffällig kurz und breit geformt und tragen am zweiten Glied einen nach hinten gerichteten Dorn. Das Hypostom ist kurz und spatelförmig; es besitzt eine Zahnformel von 3/3, was bedeutet, dass drei Reihen von Widerhaken auf jeder Seite der Mittellinie angeordnet sind. Am hinteren Körperrand weisen adulte Exemplare 11 Festons auf, die ebenfalls mit dem typischen Netzmuster des Scutums versehen sind. Diese anatomischen Merkmale ermöglichen eine Abgrenzung zu verwechselbaren Arten wie *Dermacentor marginatus*. Die Entwicklung verläuft über ein sechsbeiniges Larvenstadium, das sich nach der Nahrungsaufnahme zur Nymphe häutet. Weibchen legen nach der Repletion Gelege von 3.000 bis 7.200 Eiern in der Vegetation oder im Boden ab.[1]

Beschreibung

Dermacentor reticulatus, allgemein bekannt als Auwaldzecke oder Buntzecke, ist eine Schildzecke (Ixodidae), die sich durch eine hohe ökologische Anpassungsfähigkeit und ihre Rolle als bedeutender Vektor in Eurasien auszeichnet.[1] Taxonomisch fungiert sie als Typusart der Gattung Dermacentor, die 1844 von Carl Ludwig Koch etabliert wurde, nachdem die Erstbeschreibung bereits 1794 durch Fabricius unter dem Namen Acarus reticulatus erfolgte.[1][2] Im natürlichen Lebensraum ist die Art durch das namensgebende, netzartige Muster aus weißem oder blassem Zahnschmelz auf dem Scutum (Rückenschild) auffällig, das in offener Vegetation als effektive Tarnung dient. Ungefütterte Adulte messen typischerweise zwischen 3,8 und 4,8 mm, wobei vollgesogene Weibchen auf eine Größe von bis zu 10 mm expandieren können. Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zeigt sich in der Sklerotisierung des Körpers: Bei Männchen bedeckt das ornamentierte Scutum den gesamten Rücken, während es bei Weibchen auf das vordere Drittel beschränkt ist, um die enorme Ausdehnung des Körpers während der Blutmahlzeit zu ermöglichen. Anatomisch unterscheidet sich die Art von nahen Verwandten wie Dermacentor marginatus durch einen kurzen, spatelförmigen Hypostom mit einer spezifischen 3/3-Bezahnung. Zudem besitzen die kurzen, breiten Palpen einen charakteristischen, nach hinten gerichteten Sporn am zweiten Glied. Der Hinterleib weist bei adulten Tieren 11 Festons auf, die ebenfalls die typische netzartige Zeichnung fortführen. Die Entwicklung verläuft über einen dreiwirtigen Zyklus, der Larven-, Nymphen- und Adultstadien umfasst. Im Gegensatz zu den exophilen Adulten, die an Grashalmen lauern, leben die Larven und Nymphen vorwiegend nidicol (nestbewohnend) und parasitieren Kleinsäuger wie Wühlmäuse. Sechsbeinige Larven schlüpfen unter optimalen Bedingungen 12–19 Tage nach der Eiablage und sind für ihre Entwicklung auf hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen. Die physiologische Widerstandskraft der Art ist bemerkenswert und ermöglicht ihr das Überleben in extremen Umweltbedingungen. Eine spezielle kutikuläre Wachsschicht schützt unfedern Adulte vor Austrocknung, sodass sie über 400 Tage ohne Nahrung überdauern können. Dermacentor reticulatus toleriert Kälte bis -10°C und zeigt eine außergewöhnliche Überlebenstoleranz bei Überflutungen, was ihr Vorkommen in Marschen und Flussauen begünstigt. Das Jagdverhalten der Adulten ist durch eine Lauerstrategie geprägt, bei der sie an der Vegetation bis zu einer Höhe von einem Meter auf vorbeiziehende Großsäuger warten. Während Weibchen nach einer 7–15-tägigen Blutmahlzeit abfallen, um bis zu 7.200 Eier zu legen, verbleiben Männchen oft über Monate auf dem Wirt, um Paarungspartner zu finden und diese zu bewachen.[1]

Verhalten

Das Wirtssuchverhalten von *Dermacentor reticulatus* ist durch eine Lauerjagd-Strategie (Ambush) geprägt, bei der die Zecken die Vegetation erklimmen und dort meist in Höhen von 20 bis 50 cm, gelegentlich bis zu einem Meter, verharren. Zur Orientierung nutzen sie orthokinetische Reaktionen auf Umweltreize wie Kohlendioxid-Emissionen, Körperwärme, Gerüche sowie Vibrationen entlang von Tierpfaden. In der Lauerposition strecken die Zecken ihre Vorderbeine aus, um sich bei Kontakt auf den vorbeistreifenden Wirt fallen zu lassen. Auf dem Wirt zeigen die Tiere ein ausgeprägtes Aggregationsverhalten, indem sie durch Pheromone gesteuerte Fresscluster bilden. Männliche Zecken zeigen zudem ein spezifisches Bewachungsverhalten (Guarding), bei dem sie sich in unmittelbarer Nähe der Weibchen festsetzen, um die Paarung auf dem Wirt zu sichern. Während Weibchen für 7 bis 15 Tage Blut saugen, fressen Männchen nur kurzzeitig oder intermittierend, können aber über Monate auf dem Wirt verbleiben. Eine bemerkenswerte Verhaltensanpassung ist die hohe Toleranz gegenüber Überflutungen, die es der Art ermöglicht, monatelang unter Wasser zu überleben und so in periodisch überschwemmten Habitaten zu persistieren.[5] Die Aktivität der adulten Tiere verläuft meist biphasisch mit Spitzen im Frühjahr und Herbst, wobei das Suchverhalten oft bei kühleren Durchschnittstemperaturen unter 15 °C stattfindet.[3]

Ökologie

Als hygrophile Art besiedelt *Dermacentor reticulatus* primär offene Graslandschaften wie Wiesen, Waldränder und Brachflächen sowie feuchte Habitate wie Flussauen und Marschland.[1][5] Im Gegensatz zum Gemeinen Holzbock (*Ixodes ricinus*) meidet die Art dichte, geschlossene Wälder und bevorzugt stattdessen fragmentierte Landschaften mit hoher Bodenfeuchtigkeit. Ein entscheidender ökologischer Faktor ist das Mikroklima, wobei die Zecke auf eine hohe relative Luftfeuchtigkeit und Ansammlungen von Laubstreu angewiesen ist, um Austrocknung zu vermeiden.[2][5] Die Art zeigt eine bemerkenswerte Toleranz gegenüber Umweltstressoren, einschließlich einer Kälteresistenz bis -20 °C und der Fähigkeit, monatelange Überflutungen zu überleben, was ihr das Überdauern in periodisch überschwemmten Gebieten ermöglicht.[5] Als temporärer Ektoparasit nimmt *D. reticulatus* eine Rolle als Konsument im Nahrungsnetz ein, wobei sie einen dreiwirtigen Lebenszyklus durchläuft.[2] Larven und Nymphen parasitieren vorwiegend an kleinen Säugetieren wie Wühlmäusen (*Clethrionomys glareolus*) und Gelbhalsmäusen (*Apodemus flavicollis*) in deren Bauen.[5][1] Adulte Stadien hingegen suchen größere Wirte auf, darunter Huftiere wie Rinder, Pferde und Rehe sowie Caniden, wobei sie aktiv auf der Vegetation in Höhen von 20 bis 50 cm nach Beute suchen.[2][4] Durch den Blutsaugakt entziehen die Parasiten ihren Wirten signifikante Blutmengen; ein Befall mit 100 Weibchen kann bei Rindern zu einem Verlust von bis zu 400 ml führen.[1] Ökologisch fungiert die Zecke zudem als Vektor für diverse Pathogene wie *Babesia canis* und *Rickettsia*-Arten, wodurch sie die Populationsdynamik ihrer Wirtstiere beeinflussen kann.[6][5] Experimentelle Studien weisen zudem auf eine Anfälligkeit gegenüber entomopathogenen Pilzen wie *Beauveria*- und *Metarhizium*-Arten hin, die als natürliche Regulatoren wirken können.[5]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Als bedeutender Vektor für veterinärmedizinische und zoonotische Krankheitserreger wird *Dermacentor reticulatus* primär als Schädling klassifiziert.[1] Die Zecke fungiert als Hauptüberträger von *Babesia canis*, dem Erreger der caninen Babesiose, die unbehandelt bei Hunden eine Mortalität von 10–20 % aufweist. Bei Nutztieren verursacht der Parasit durch massiven Blutentzug und die Übertragung von *Anaplasma marginale* (bovine Anaplasmose) erhebliche wirtschaftliche Schäden, wobei ein starker Befall die Milchleistung um bis zu drei Liter pro Kuh täglich senken kann.[6] Für den Menschen ist die Art als Überträger von *Rickettsia*-Spezies (*R. slovaca*, *R. raoultii*) relevant, welche das TIBOLA/DEBONEL-Syndrom mit typischen Kopfhaut-Eschars und Lymphknotenschwellungen auslösen.[1][6] Zudem spielt die Zecke eine Rolle im enzootischen Zyklus von *Francisella tularensis* (Tularämie) und kann Träger des FSME-Virus sowie von *Coxiella burnetii* sein.[1] Präventive Maßnahmen im Umweltmanagement umfassen das regelmäßige Mähen von Wiesen und Weiden, da die Entfernung von hohem Gras und Laubstreu die für die Wirtssuche notwendigen Mikrohabitate zerstört. Zum chemischen Schutz von Haustieren werden Akarizide wie Permethrin eingesetzt, die repellierend wirken und die Anheftung der Zecken für bis zu vier Wochen verhindern. Ergänzend stehen für Hunde Impfstoffe zur Verfügung, die zwar die Infektion nicht verhindern, aber den klinischen Verlauf der Babesiose abmildern. Da männliche Zecken *Babesia canis* bereits 8 bis 24 Stunden nach Anheftung übertragen können, ist eine sofortige Entfernung gefundener Exemplare essenziell. In der Nutztierhaltung kommen in endemischen Gebieten Akarizid-Tauchbäder zur Anwendung, um den Befallsdruck zu senken. Im Rahmen der integrierten Schädlingsbekämpfung (IPM) zeigen entomopathogene Pilze wie *Beauveria*- und *Metarhizium*-Arten in Laborstudien hohe Mortalitätsraten, befinden sich jedoch noch in der Entwicklung für den Feldeinsatz.[2] Zur Überwachung der Ausbreitung werden zunehmend Citizen-Science-Daten und GIS-Modellierungen genutzt, während Quarantänemaßnahmen bei Tierimporten die Einschleppung in nicht-endemische Gebiete verhindern sollen.[1]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung von *Dermacentor reticulatus* resultiert vorwiegend aus Schäden in der Nutztierhaltung und Kosten im Veterinärwesen. Ein massiver Befall bei Rindern kann durch den Entzug von bis zu 400 ml Blut pro 100 weiblichen Zecken zu einer erheblichen physiologischen Schwächung der Wirtstiere führen.[1] In der Milchwirtschaft verursachen starke Infestationen einen täglichen Rückgang der Milchleistung um 2 bis 3 Liter pro Kuh. Zusammen mit den Aufwendungen für Bekämpfungsmaßnahmen und Behandlungen werden die jährlichen wirtschaftlichen Verluste in der europäischen Viehwirtschaft auf über 100 Millionen Euro geschätzt. Neben den direkten Produktionsausfällen überträgt die Art Erreger wie *Anaplasma marginale*, die bei Rindern Gewichtsverlust, Anämie und verminderte Produktivität auslösen.[6] Auch in der Pferdehaltung entstehen ökonomische Risiken durch die Übertragung von *Theileria equi*, dem Auslöser der equinen Piroplasmose.[5] Im Bereich der Kleintiermedizin verursacht die durch die Zecke übertragene *Babesia canis* hohe Behandlungskosten, da unbehandelte Fälle bei Hunden eine Mortalitätsrate von 10–20 % aufweisen.[1] Die Ausbreitung der Art in neue Gebiete Mitteleuropas erhöht den Bedarf an präventiven Acariziden und Impfstoffen für Haustiere stetig.[4] Zusätzlich entstehen volkswirtschaftliche Belastungen im Gesundheitswesen durch die Behandlung humaner Erkrankungen wie Tularämie, von der in der EU jährlich etwa 800 bis 1500 Fälle gemeldet werden.[6]

Biologie & Lebenszyklus

Dermacentor reticulatus durchläuft einen dreiwirtigen Lebenszyklus, der unter günstigen Bedingungen 6 bis 12 Monate dauert, sich aber klimatisch bedingt auf ein bis zwei Jahre verlängern kann. Die Begattung findet auf dem Wirtstier statt, wobei die Männchen die Weibchen während des Saugaktes bewachen und begatten. Nach einer Saugphase von 7 bis 15 Tagen lassen sich die vollgesogenen Weibchen fallen und legen 6 bis 25 Tage später ein Gelege von 3.000 bis 7.200 Eiern in der Vegetation ab.[1][2] Aus den Eiern schlüpfen nach 12 bis 19 Tagen sechsbeinige Larven, wobei Temperaturen von 20–27 °C und eine hohe relative Luftfeuchtigkeit optimal für die Entwicklung sind. Die Larven parasitieren für 2,5 bis 6 Tage an Kleinsäugern wie Rötelmäusen (*Clethrionomys glareolus*) oder Gelbhalsmäusen (*Apodemus flavicollis*), bevor sie sich in der Umgebung zur Nymphe häuten. Auch das Nymphenstadium nutzt kleine Säugetiere als Wirte, saugt für 4 bis 12 Tage Blut und häutet sich nach einer Ruhephase von 3 bis 4 Wochen zum adulten Tier.[1] Adulte Zecken befallen bevorzugt größere Säugetiere wie Hunde, Rinder, Pferde, Hirsche oder Wildschweine und zeigen ein ausgeprägtes Lauerverhalten auf der Vegetation in Höhen von 20 bis 55 cm.[1][2] Die Aktivität der Adulten ist biphasisch mit Spitzen im Frühjahr und Herbst, während Larven und Nymphen vorwiegend in den Sommermonaten aktiv sind. Die Art zeichnet sich durch eine hohe Kältetoleranz aus und bleibt bis zu Temperaturen von 3,3 °C aktiv, wobei sie Frostperioden bis -10 °C überleben kann. *Dermacentor reticulatus* besitzt eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gegen Überflutungen und kann monatelang unter Wasser sowie über 400 Tage im nüchternen Zustand überleben. Um ungünstige Umweltbedingungen zu überbrücken, tritt die Zecke in eine Diapause ein, beispielsweise eine etwa zweimonatige Sommerruhe in westlichen Populationen. Milde Winter mit geringer Schneedecke begünstigen das Überleben und verkürzen die Diapause, was zunehmend zu einer ganzjährigen Aktivität führt.[1]

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Dermacentor reticulatus* erstreckt sich über die gemäßigten Klimazonen Eurasiens, von Nordportugal und Frankreich im Westen bis nach Russland und Kasachstan im Osten.[1][4] Im Gegensatz zu anderen Zeckenarten meidet die Spezies trockene mediterrane Gebiete wie den Großteil der Iberischen Halbinsel, Italien und den Balkan sowie dichte, geschlossene Wälder.[1][5] Zu den primären natürlichen Lebensräumen zählen offene Graslandschaften, Waldränder, Brachflächen sowie Flussauen und Marschland, was sich im Trivialnamen „Wiesenzecke“ widerspiegelt.[2] Eine hohe relative Luftfeuchtigkeit im Mikroklima der Bodenschicht ist für das Überleben essenziell, weshalb Gebiete mit hoher Bodenfeuchte oder Laubstreuauflage favorisiert werden.[5] Die Art zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Überflutungstoleranz aus und kann mehrere Monate unter Wasser überleben, was ihr die Besiedlung periodisch überfluteter Habitate ermöglicht.[2] Seit einigen Jahrzehnten wird eine signifikante Ausbreitung der Populationen nach Norden und Westen beobachtet, die primär durch den Klimawandel und mildere Winter begünstigt wird.[4][3] In Deutschland hat sich *Dermacentor reticulatus* von ursprünglich isolierten Vorkommen massiv ausgebreitet und ist seit 2022 in allen Bundesländern nachgewiesen, inklusive etablierter Populationen im nördlichen Schleswig-Holstein.[1] Auch in Polen und der Tschechischen Republik ist die Art mittlerweile flächendeckend präsent, wobei in endemischen Gebieten Zeckendichten von bis zu 344 Individuen pro 100 Quadratmeter dokumentiert wurden. In Großbritannien existieren stabile Populationen im Süden Englands und in Wales, während Prognosen eine weitere Expansion nach Skandinavien vorhersagen.[1][2] Zunehmend werden auch urbane Räume besiedelt, wobei Stadtparks, Industriebrachen und suburbane Grünflächen als Lebensräume dienen, sofern Wirtstiere vorhanden sind.[1] Die vertikale Verbreitung konzentriert sich auf das Flachland, wobei klimatische Veränderungen ein Vordringen in höhere Lagen der Mittelgebirge ermöglichen.[6] Adulte Zecken lauern auf der Vegetation in Höhen von 20 bis 50 Zentimetern auf potenzielle Wirte, wobei die Aktivität im Frühjahr und Herbst ihren Höhepunkt erreicht.[5]

Saisonalität & Aktivität

Adulte *Dermacentor reticulatus* zeigen ein charakteristisches, zweigipfliges Aktivitätsmuster mit deutlichen Schwerpunkten im Frühjahr und Herbst. Die primäre Aktivitätsphase erstreckt sich von März bis Mai mit einem Maximum im April, gefolgt von einer zweiten, oft schwächeren Phase im September und Oktober. Im Gegensatz zu den Adulten sind die unreifen Entwicklungsstadien überwiegend in den Sommermonaten aktiv: Larven treten vornehmlich im Mai und Juni auf, während Nymphen ihre Wirtssuche im Juli und August betreiben.[1] Die Art zeichnet sich durch eine hohe Kältetoleranz aus und beginnt ihre Wirtssuche bereits bei Temperaturen ab 3,3 °C, was sie deutlich früher im Jahr aktiv werden lässt als viele andere Zeckenarten. Studien deuten darauf hin, dass die Aktivität der Adulten bevorzugt bei kühleren Bedingungen stattfindet, oft wenn die Fünf-Tages-Durchschnittstemperatur unter 15 °C liegt.[3] In den wärmeren Sommermonaten legen die adulten Zecken häufig eine Diapause ein, um Austrocknung zu vermeiden.[1] Der gesamte Entwicklungszyklus umfasst in der Regel ein bis zwei Jahre, wobei die Generationsfolge stark von den lokalen Klimabedingungen abhängt.[2] Die Überwinterung kann in jedem Entwicklungsstadium erfolgen, da die Zecken Frostperioden bis -10 °C tolerieren.[1] Zunehmend milde Winter führen dazu, dass die Winterruhe verkürzt wird und eine ganzjährige Aktivität zu beobachten ist, was sich auch in erhöhten Fundmeldungen in den Wintermonaten widerspiegelt.[2]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Rehbach-Speyerbach, Böhl-Iggelheim, Rheinland-Pfalz, Deutschland

    31.01.2026

  • Rehbach-Speyerbach, Böhl-Iggelheim, Rheinland-Pfalz, Deutschland

    31.01.2026

  • Deutschland

    18.01.2026

  • Deutschland

    16.12.2025

  • Deutschland

    14.12.2025

Daten: iNaturalist

Quellen & Referenzen

  1. https://parasitesandvectors.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13071-016-1599-x
  2. https://www.sciencedirect.com/topics/agricultural-and-biological-sciences/dermacentor-reticulatus
  3. https://research-information.bris.ac.uk/en/publications/climate-and-the-seasonal-abundance-of-the-tick-idermacentor-retic/
  4. https://we.copernicus.org/articles/22/33/2022/
  5. https://neobiota.lu/dermacentor-reticulatus/
  6. https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/dermacentor-reticulatus-current-known-distribution-october-2023
  7. Literaturzusammenfassung (mit Bibliographie, siehe Primärquellenliste)