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Lexikon-Eintrag

Goldlack Erysimum cheiri

Goldlack

Taxonomie

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Brassicales (Brassicales)
Familie Brassicaceae
Gattung Erysimum
Art Erysimum cheiri
Wissenschaftlicher Name Erysimum cheiri (L.) Crantz
Akzeptierter Name

Einleitung

Der Goldlack (*Erysimum cheiri*) ist eine ausdauernde, halbstrauchige Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), die ursprünglich in Griechenland und dem Ägäisraum beheimatet ist. Das Taxon wird oft als Hybride unter Beteiligung von *Erysimum corinthium* betrachtet und besiedelt als Felsbewohner bevorzugt Mauern und steinige Standorte.[1][2] Historisch unter dem Synonym *Cheiranthus cheiri* geführt, findet die Art aufgrund ihrer duftenden Blüten weite Verbreitung als Zierpflanze, enthält jedoch toxische Cardenolide.[2][3]

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Zuletzt am 24.05.2026
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Fakten (kompakt)

- Der Gattungsname *Erysimum* leitet sich vom altgriechischen Begriff *erysimon* ab, den Theophrastos für Pflanzen nutzte, deren blasenbildende Eigenschaften medizinisch verwendet wurden. - Das Artepitheton *cheiri* entstammt dem griechischen Wort *cheir* (Hand) und verweist auf den antiken Brauch, die duftenden Blüten bei Festlichkeiten in kleinen Handsträußen zu tragen. - In der viktorianischen Blumensprache symbolisiert *Erysimum cheiri* Treue während widriger Umstände oder Unglück. - Der englische Trivialname „Wallflower“ dient im Sprachgebrauch auch als Metapher für Personen, die bei Tanzveranstaltungen am Rand stehen und übersehen werden. - Die Blüten sind tassen- oder untertassenförmig und erreichen einen Durchmesser von bis zu 1,9 Zentimetern (3/4 Zoll). - Die Art wird als winterhart in den USDA-Klimazonen 7 bis 9 eingestuft. - Als Pflegemaßnahme wird ein gelegentlicher Rückschnitt der Pflanze nach der Blüte empfohlen.[10]

Name & Einordnung

Der akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet *Erysimum cheiri* (L.) Crantz, wobei sie taxonomisch oft als Hybrid *Erysimum* × *cheiri* unter Beteiligung von *Erysimum corinthium* betrachtet wird.[2][1] Ursprünglich wurde die Pflanze 1753 von Carl von Linné in dessen Werk *Species Plantarum* unter dem Basionym *Cheiranthus cheiri* erstbeschrieben. Die Umstellung in die Gattung *Erysimum* erfolgte 1769 durch Heinrich Johann Nepomuk von Crantz, was der heutigen phylogenetischen Einordnung entspricht.[1] Historische Synonyme umfassen neben der ursprünglichen Bezeichnung auch *Cheiranthus fruticulosus* L. und *Cheiranthus helveticus* Jacq..[1] Der Gattungsname *Erysimum* leitet sich vom altgriechischen *erysimon* ab, einer Bezeichnung bei Theophrastos für eine senfartige Pflanze mit blasenbildenden Eigenschaften. Das Art-Epitheton *cheiri* entstammt dem griechischen Wort *cheir* (Hand) und verweist auf den antiken Brauch, die duftenden Blüten in kleinen Sträußen in der Hand zu tragen. Diese Tradition spiegelt sich auch im früheren Gattungsnamen *Cheiranthus* wider, der sich aus *cheir* und *anthos* (Blume) zusammensetzt. Im Deutschen ist die Art als Goldlack bekannt, während der englische Trivialname "Wallflower" auf das bevorzugte Habitat in Mauerfugen und an Felswänden anspielt.[2] Bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde die Pflanze vom griechischen Arzt Dioskurides unter dem Namen "Leukion" erwähnt.[4] Taxonomisch gehört der Goldlack zur Familie der Brassicaceae (Kreuzblütler) und wird innerhalb der Gattung durch morphologische und molekulare Merkmale der Tribus Erysimeae zugeordnet.[5]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Erysimum cheiri wächst als immergrüner, kurzlebiger Halbstrauch oder zweijährige Pflanze mit einer verholzenden Basis.[2] Die aufrecht wachsenden, verzweigten Stängel erreichen Wuchshöhen von 15 bis 60 Zentimetern und eine Breite von 15 bis 45 Zentimetern. Das Wurzelsystem bildet eine primäre Pfahlwurzel aus, wobei sich unterirdische Knospen etwa 4 Zentimeter tief befinden. Die wechselständig angeordneten Laubblätter bilden oft zunächst eine grundständige Rosette und verteilen sich im weiteren Verlauf am Stängel.[6] Die Blattspreite ist einfach, schmal lanzettlich bis länglich-lanzettlich geformt und misst 5 bis 20 Zentimeter in der Länge sowie 0,5 bis 2 Zentimeter in der Breite.[3] Charakteristisch ist die grau-grüne bis hellgrüne Färbung sowie die leicht behaarte Textur durch anliegende, sternförmige Trichome.[1] Die Blattränder sind ganzrandig und die Blattspitze läuft spitz zu.[2] Bei Verletzung tritt aus dem Gewebe ein scharfer, wässriger Saft aus, der typisch für die Familie ist. Der Blütenstand ist eine endständige Traube, die sich während der Blütezeit verlängert und 10 bis 30 süß duftende Einzelblüten trägt.[3] Die zwittrigen, vierzähligen Blüten weisen einen Durchmesser von 20 bis 25 Millimetern auf und besitzen die für Kreuzblütler typische Form.[2] Das Farbspektrum der vier Kronblätter reicht von Gelb über Orange bis hin zu Rot-Lila.[6] Jede Blüte verfügt über vier längliche Kelchblätter, einen oberständigen Fruchtknoten sowie sechs tetradynamische Staubblätter, von denen zwei seitliche kürzer und vier mittlere länger sind.[2] Nach der Befruchtung entwickeln sich 65 bis 100 Millimeter lange, linear geformte Schoten, die behaart sind.[3] Diese Früchte springen bei Reife längs auf und enthalten jeweils 20 bis 40 Samen.[2] Die Samen sind eiförmig, abgeflacht und etwa 2 bis 4 Millimeter lang.[8]

Beschreibung

Erysimum cheiri, oft auch als Erysimum × cheiri klassifiziert, ist ein verholzender, ausdauernder Halbstrauch oder eine zweijährige Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), deren ursprüngliches Verbreitungsgebiet in Griechenland und dem Ägäisraum liegt.[1][2] Die Art zeichnet sich durch einen aufrechten, verzweigten Wuchs aus, der typischerweise Höhen von 15 bis 60 cm erreicht und eine verholzte Basis bildet, aus der krautige Stängel entspringen.[6][2] Ein wesentliches ökologisches Merkmal ist die Anpassung an vertikale Lebensräume; das Wurzelsystem ist darauf spezialisiert, sich tief in Felsspalten, altem Mauerwerk oder Mörtel zu verankern, was der Pflanze den Trivialnamen "Wallflower" (Mauerblume) einbrachte.[2] Im natürlichen Habitat besiedelt der Goldlack sonnige, kalkhaltige Klippen und zeigt eine hohe Toleranz gegenüber nährstoffarmen Böden sowie Dürreperioden.[2][3] Anatomisch auffällig sind die graugrünen bis hellgrünen Blätter, die mit anliegenden, sternförmigen Trichomen (Sternhaaren) bedeckt sind, was ihnen eine leicht behaarte Textur verleiht und vermutlich dem Verdunstungsschutz dient.[6] Eine biochemische Besonderheit stellt die duale chemische Verteidigungsstrategie dar: Die Pflanze produziert sowohl die für Kreuzblütler typischen Glucosinolate als auch neuartige Cardenolide (herzwirksame Glykoside).[3][5] Diese Cardenolide, die unabhängig innerhalb der Gattung Erysimum evolvierten, wirken als toxische Fraßschutzstoffe gegen Herbivoren, die ansonsten an Glucosinolate angepasst wären.[5] Der Lebenszyklus beginnt meist mit der Keimung und der Bildung einer basalen Blattrosette im ersten Jahr, gefolgt von der Blüte im zweiten Jahr, weshalb die Art in der Kultur oft als zweijährig behandelt wird.[6] Botanisch handelt es sich jedoch um einen kurzlebigen Halbstrauch, der unter günstigen Bedingungen mehrere Jahre überdauern kann, bevor die verholzten Stämme degenerieren.[2] Während der Blütezeit von April bis Juni bildet die Art dichte Trauben aus wohlriechenden, vierzähligen Blüten, die reich an Nektar sind und bestäubende Insekten wie Bienen und Hummeln anlocken.[7] Nach der Befruchtung entwickeln sich die Blüten zu langen, schmalen Schoten (Siliquen), die bei Reife längs aufplatzen und die abgeflachten Samen durch Wind oder Schwerkraft freisetzen.[6][3] Historisch wurde die Art bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. von Dioskurides unter dem Namen "Leukion" beschrieben und später von Carl von Linné als Cheiranthus cheiri klassifiziert, bevor sie taxonomisch in die Gattung Erysimum überführt wurde.[4][2] Taxonomisch wird Erysimum cheiri heute oft als Hybride angesehen, die aus Kreuzungen unter Beteiligung von Erysimum corinthium hervorgegangen ist.[1] Im Vergleich zu nahe verwandten Arten zeichnet sich der Goldlack durch seine spezifische Eignung zur Besiedlung anthropogener Standorte wie Ruinen aus, wo er oft verwildert.[2] Trotz der chemischen Abwehr dient die Pflanze als Wirt für spezialisierte Insekten wie die Mehlige Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae) und ist anfällig für die Kohlhernie.[3][2]

Verhalten

*Erysimum cheiri* nutzt eine duale chemische Verteidigungsstrategie, indem es sowohl ancestrale Glucosinolate als auch neuartige, toxische Cardenolide produziert, um Fressfeinde abzuwehren. Aufgrund dieser Inhaltsstoffe meiden die meisten Herbivoren die Pflanze, da der Verzehr großer Mengen bei Weidetieren wie Schafen und Rindern zu kardialen Vergiftungssymptomen führen kann. Die enthaltenen Cardenolide bieten einen spezifischen Schutz gegen Fraßfeinde wie den Kohlweißling *Pieris rapae*. Trotz dieser Abwehrmechanismen haben sich spezialisierte Insekten angepasst; so können bestimmte Blattläuse wie *Brevicoryne brassicae* die Pflanze dennoch besiedeln.[3] Zur Reproduktion setzt der Goldlack auf Entomophilie und lockt durch seinen starken Duft sowie Nektarangebote primär Bienen und Hummeln an. Die Blütezeit von April bis Juni ist dabei phänologisch auf die Aktivitätsphasen dieser Bestäuber abgestimmt.[6] Nach der Reife öffnen sich die Schoten längs, um die Samen mittels Schwerkraft oder Wind zu verbreiten, was die Kolonisierung von Felswänden und Mauerspalten begünstigt.[6][2] Das Wurzelsystem zeigt eine hohe Anpassungsfähigkeit an vertikale Habitate, indem es sich fest in Mörtelfugen und Felsrissen verankert und so das Substrat stabilisiert.[3][2]

Ökologie

Ursprünglich auf felsigen Klippen und in Küstengebieten des Mittelmeerraums heimisch, hat sich *Erysimum cheiri* als Archäophyt erfolgreich in anthropogen geprägten Lebensräumen wie alten Mauern und Ruinen etabliert.[1][6] Die Art bevorzugt gut durchlässige, kalkhaltige Substrate an vollsonnigen Standorten und verankert ihre Wurzeln oft direkt in Mörtelfugen oder Felsspalten.[2][4] Sie toleriert nährstoffarme Bedingungen sowie Trockenheit, benötigt jedoch Schutz vor stauender Nässe, um Wurzelfäule zu vermeiden.[3][2] Als entomophile Pflanze dient der Goldlack Bienen und Fliegen im zeitigen Frühjahr als wichtige Nektar- und Pollenquelle, wenn andere Nahrungsangebote noch rar sind.[7][2] Zur Abwehr von Herbivoren nutzt die Pflanze eine duale chemische Strategie, die sowohl Glucosinolate als auch toxische Cardenolide (Herzglykoside) umfasst. Während diese Toxine die meisten Fressfeinde abschrecken und Schutz gegen Pieriden wie *Pieris rapae* bieten, können spezialisierte Insekten die Abwehr überwinden.[5] Zu diesen spezialisierten Schädlingen zählen Blattläuse wie *Brevicoryne brassicae* und *Myzus persicae*, die die Pflanze trotz ihrer chemischen Verteidigung besiedeln.[5][6] Mikrobielle Antagonisten umfassen den Erreger der Kohlhernie (*Plasmodiophora brassicae*) sowie Falschen Mehltau, die das Wachstum besonders bei schlechter Drainage beeinträchtigen können.[6][2] Die Ausbreitung der Samen erfolgt primär durch den Wind, der das leichte Saatgut aus den aufplatzenden Schoten über Klippen und Mauerwerke verteilt.[3] In diesen felsigen Ökosystemen tragen die faserigen Wurzeln zur Bodenstabilisierung bei und verhindern Erosion an vertikalen Strukturen.[4][2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Ökologisch wird *Erysimum cheiri* primär als Nützling eingestuft, da die nektarreichen Blüten im zeitigen Frühjahr eine essenzielle Nahrungsquelle für Bienen, Hummeln und Schwebfliegen darstellen.[2][7] Obwohl die Art in Regionen wie Nordamerika und Neuseeland verwildert ist und Mauerwerke besiedelt, gilt sie global nicht als bedrohlich invasiv, kann jedoch lokal dominante Bestände bilden.[3][2] Aus toxikologischer Sicht ist Vorsicht geboten, da alle Pflanzenteile Herzglykoside (Cardenolide) und Glucosinolate enthalten.[5] Der übermäßige Verzehr kann bei Weidetieren wie Schafen und Rindern zu Vergiftungen führen.[3] Beim Menschen verursacht die Ingestition Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Herzrhythmusstörungen, weshalb die Pflanze aufgrund ihrer Digitalis-ähnlichen Wirkung als giftig gilt.[2][6] Als Mitglied der Familie der Kreuzblütler ist *Erysimum cheiri* anfällig für spezifische Schädlinge wie die Mehlige Kohlblattlaus (*Brevicoryne brassicae*) und die Grüne Pfirsichblattlaus (*Myzus persicae*).[5][6] Ein bedeutendes phytopathologisches Risiko stellt die Kohlhernie (*Plasmodiophora brassicae*) dar, die zu Wurzelverdickungen und Kümmerwuchs führt. Zudem begünstigen schlechte Luftzirkulation und Staunässe den Befall durch Falschen Mehltau sowie Wurzelfäule, insbesondere in feuchten Wintern.[6][2] Zur Prävention von Kohlhernie ist eine strikte Fruchtfolge essenziell, bei der auf infizierten Flächen für fünf bis sieben Jahre keine Kreuzblütler angebaut werden. Da saure Böden diesen Erreger begünstigen, kann eine Kalkung des Substrats das Infektionsrisiko senken.[2] Bauliche Maßnahmen im Gartenbau umfassen die Gewährleistung einer exzellenten Drainage und ausreichender Pflanzabstände zur Vermeidung von Pilzerkrankungen. Gegen Blattlausbefall werden im integrierten Pflanzenschutz Insektenseifen oder der Einsatz von Nützlingen empfohlen.[6] Ein Rückschnitt nach der Blüte im Sommer dient als mechanische Pflegemaßnahme, um die Pflanzengesundheit zu fördern und unerwünschte Selbstaussaat zu kontrollieren.[2]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung von *Erysimum cheiri* liegt primär im Zierpflanzenbau, wo die Art seit der Antike kultiviert wird und heute ein festes Element im Landschaftsbau darstellt. Kommerzielle Baumschulen vertreiben zahlreiche Zuchtsorten für Rabatten, Steingärten und als Schnittblumen, wobei Varietäten wie die 'Sunset'-Serie oder 'Blood Red' teilweise mit dem *Award of Garden Merit* der Royal Horticultural Society ausgezeichnet sind.[2] In der Landwirtschaft ist die Toxizität der Pflanze relevant, da die enthaltenen Cardenolide bei übermäßiger Aufnahme durch Weidetiere wie Schafe und Rinder zu Vergiftungen führen können.[3] Phytosanitäre Herausforderungen entstehen durch die Anfälligkeit für die Kohlhernie (*Plasmodiophora brassicae*), was im Erwerbsanbau strikte Fruchtfolgen von fünf bis sieben Jahren erfordert, um eine dauerhafte Bodenverseuchung zu verhindern.[2] Zudem fungiert der Goldlack als Wirtspflanze für landwirtschaftliche Schädlinge wie die Mehlige Kohlblattlaus (*Brevicoryne brassicae*) und den Pfirsichblattlaus (*Myzus persicae*), was den Pflanzenschutz in benachbarten Kreuzblütler-Kulturen erschweren kann.[3] Historisch spielte die Art eine Rolle im Arzneihandel, findet jedoch aufgrund kardialer Risiken keinen Eingang mehr in moderne Pharmakopöen.[2] Nischenprodukte existieren lediglich in der traditionellen Medizin, beispielsweise werden im Iran Salben auf Sonnenblumenölbasis zur Behandlung von Analfissuren vermarktet.[6] Als positive Ökosystemdienstleistung bietet die frühe Blütezeit eine essentielle Nahrungsquelle für bestäubende Insekten wie Bienen, was die Bestäubungssicherheit im landwirtschaftlichen Umfeld indirekt fördert.[7]

Biologie & Lebenszyklus

Erysimum cheiri wächst als kurzlebiger, immergrüner Halbstrauch oder zweijährige Pflanze, die im ersten Jahr oft eine basale Rosette bildet und im zweiten Jahr zur Blüte gelangt. Die Blütezeit erstreckt sich in der Regel von April bis Juni, wobei endständige Trauben mit 10 bis 30 kreuzförmigen Einzelblüten gebildet werden.[2][6] Die Bestäubung erfolgt primär entomophil, wobei Bienen und Hummeln durch den Duft und das frühe Nektarangebot angelockt werden.[6][7] Obwohl die Art unterschiedliche Grade der Selbstinkompatibilität aufweist, ist Selbstbestäubung möglich, wenngleich Fremdbestäubung die genetische Vielfalt fördert.[6] Nach der Befruchtung entwickeln sich 65 bis 100 mm lange, behaarte Schoten, die sich längs öffnen, um die Samen durch Wind oder Schwerkraft freizusetzen.[6][9] Jede Schote enthält 20 bis 40 abgeflachte, eiförmige Samen mit einer Größe von etwa 2 bis 4 mm.[6] Eine physiologische Besonderheit ist die duale chemische Verteidigung, die sowohl aus für Kreuzblütler typischen Glucosinolaten als auch aus spezifischen Cardenoliden besteht.[5] Diese toxischen Herzglykoside hemmen das Enzym Na+/K+-ATPase und schützen die Pflanze vor den meisten generalistischen Herbivoren.[5][2] Alle Pflanzenteile gelten als giftig, wobei die Konzentration der Cardenolide im Durchschnitt etwa 6 μg Ouabain-Äquivalente pro mg Trockengewicht beträgt. Trotz dieser Abwehrstoffe können spezialisierte Insekten wie die Mehlige Kohlblattlaus (*Brevicoryne brassicae*) oder die Bodenwanze *Horvathiolus superbus* die Pflanze besiedeln und teils die Toxine sequestrieren.[5] Zu den weiteren natürlichen Feinden zählen Erdflöhe sowie pilzliche Pathogene wie der Erreger der Kohlhernie (*Plasmodiophora brassicae*) und Falscher Mehltau.[5][2] Ökologisch ist die Art an trockene, kalkhaltige und felsige Substrate angepasst und stabilisiert mit ihrem Wurzelsystem oft Mauerfugen.[1][2] Die Pflanze ist winterhart in den USDA-Zonen 7 bis 9, benötigt jedoch Schutz vor übermäßiger Winternässe, um Wurzelfäule zu vermeiden.[2][6]

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Erysimum cheiri* liegt in Südeuropa, wobei der Schwerpunkt in Griechenland und auf den Ägäischen Inseln verortet ist.[1][6] Taxonomisch wird die Art oft als Hybride (*Erysimum* × *cheiri*) betrachtet, die aus Kreuzungen unter Beteiligung von *Erysimum corinthium* hervorgegangen ist.[1][2] Als Archäophyt gelangte die Pflanze wahrscheinlich bereits in römischer Zeit durch Kultivierung nach Mittel- und Westeuropa, einschließlich Deutschland und dem Vereinigten Königreich.[6][2] Weltweit hat sich der Goldlack in weiteren Regionen etabliert, darunter in Nordamerika mit Vorkommen in British Columbia, Washington und Kalifornien.[3] Auch in Neuseeland und Australien ist die Art verwildert, wo sie insbesondere an felsigen Küstenklippen in Siedlungsnähe anzutreffen ist. Primäre Lebensräume im natürlichen Areal umfassen felsige Klippen und Wiesen des Mittelmeerbeckens. In den Einwanderungsgebieten besiedelt *Erysimum cheiri* typischerweise anthropogene Standorte wie alte Steinmauern, Burgruinen und Pflasterritzen, wobei die Wurzeln tief in Mörtelfugen oder Spalten eindringen. Die Pflanze bevorzugt vollsonnige Standorte auf gut durchlässigen, kalkhaltigen Böden und toleriert nährstoffarme Bedingungen. Sie gedeiht in trockenen bis mäßig trockenen Substraten ohne Staunässe und ist an pH-Werte im neutralen bis basischen Bereich angepasst. Aufgrund der Toleranz gegenüber flachgründigen, steinigen Böden tritt sie häufig auf gestörten Flächen und in städtischen Umgebungen auf.[2] Die vertikale Verbreitung konzentriert sich auf die temperaten Zonen, wobei die Art in den USDA-Klimazonen 7 bis 9 winterhart ist.[6][2]

Saisonalität & Aktivität

Die Hauptblütezeit von *Erysimum cheiri* erstreckt sich im nativen Verbreitungsgebiet sowie in der Kultur primär von April bis Juni.[2][6] Diese phänologische Phase ist eng mit der Aktivität der Bestäuber synchronisiert, da die duftenden Blüten Bienen und Hummeln eine essentielle frühe Nahrungsquelle bieten.[7][2] Bei bestimmten Kultivaren wie 'Harpur Crewe' oder in klimatisch begünstigten Lagen kann die Anthese bereits im Februar einsetzen und bis in den Mai andauern.[2] Biologisch wird die Art als kurzlebiger, immergrüner Halbstrauch klassifiziert, der sein Laub auch während der Wintermonate behält.[1] In der gärtnerischen Praxis erfolgt die Kultur jedoch meist zweijährig, wobei die Pflanze im ersten Jahr eine basale Blattrosette bildet und im zweiten Jahr zur Blüte gelangt.[6] Die Samenreife erfolgt nach der Befruchtung durch die Bildung von länglichen Schoten, die sich bei Reife longitudinal öffnen, um die Samen freizugeben.[3] *Erysimum cheiri* ist in den USDA-Klimazonen 7 bis 9 winterhart, reagiert jedoch empfindlich auf übermäßige Winternässe, was den Überwinterungserfolg beeinträchtigen kann. Das saisonale öffentliche Interesse spiegelt diesen biologischen Rhythmus wider und erreicht in den Monaten April und Mai seine Höchstwerte, während die Aufmerksamkeit im Winter deutlich abnimmt.[2]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Pfaffendorfer Höhe, 56076 Koblenz, Deutschland

    16.04.2023

Daten: iNaturalist

Quellen & Referenzen

  1. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:283703-1
  2. https://www.gbif.org/species/3048203
  3. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7180059/
  4. https://blog.metmuseum.org/cloistersgardens/2012/11/30/wallflower/
  5. https://elifesciences.org/articles/51712
  6. https://plantdatabase.kpu.ca/Plant/erch
  7. https://meridianbeekeepers.com/2022/09/06/our-bees-favourite-forage/
  8. https://nwwildflowers.com/compare/?t=Erysimum%2C%2BErysimum%2Bcheiri
  9. http://www.wildflowerweb.co.uk/plant/1447/wallflower
  10. Literaturzusammenfassung: Erysimum cheiri