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Lexikon-Eintrag

Taglilien Hemerocallis fulva

Taglilien

Taxonomie

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Liliopsida (Liliopsida)
Ordnung Asparagales (Asparagales)
Familie Asphodelaceae
Gattung Hemerocallis
Art Hemerocallis fulva
Wissenschaftlicher Name Hemerocallis fulva (L.) L.
Akzeptierter Name

Einleitung

Hemerocallis fulva (L.) L. ist eine ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Affodillgewächse (Asphodelaceae), die ursprünglich in den gemäßigten Regionen Ostasiens beheimatet ist. Die Art zeichnet sich durch ihre horstbildende Wuchsform und die auffälligen, trichterförmigen Blüten in orangefarbenen bis rostbraunen Tönen aus, die sich typischerweise nur für einen einzigen Tag öffnen. Während sie weltweit als Zierpflanze kultiviert wird, gilt sie insbesondere in Nordamerika als invasive Art, da sie sich aggressiv über Rhizome ausbreitet und heimische Flora verdrängt.[1]

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Zuletzt am 22.06.2026
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Fakten (kompakt)

- Die Pflanze ist genetisch ein steriler Triploid, der keine lebensfähigen Samen produziert. - Die einzelnen Blüten erreichen einen Durchmesser von etwa 13 cm. - Nach dem APG IV-Klassifikationssystem wurde die Art aufgrund molekularphylogenetischer Beweise von der Familie der Liliaceae in die Familie der Asphodelaceae transferiert. - Systematisch wird *Hemerocallis fulva* der Klasse Liliopsida und der Ordnung Asparagales zugeordnet. - Das lateinische Art-Epitheton *fulva* bedeutet "stumpfes Gelb" oder "rötlich-Gelb", was zur Unterscheidung von Arten wie der zitronengelben *Hemerocallis lilioasphodelus* dient.[7] - Zu den infraspezifischen Taxa zählt die gefüllt blühende Varietät *Hemerocallis fulva* var. *kwanso* Regel, die 1866 beschrieben wurde. - Während die Blütenstände höher ragen, erreicht der reine Blatthorst eine Höhe von etwa 60 bis 75 cm (2 bis 2,5 Fuß).[7]

Name & Einordnung

Der akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet *Hemerocallis fulva* (L.) L..[2][1] Ursprünglich beschrieb Carl von Linné das Taxon im Jahr 1753 in der ersten Auflage der *Species Plantarum* als Varietät unter dem Basionym *Hemerocallis lilioasphodelus* var. *fulva* L..[2] Die Validierung als eigenständige Art erfolgte durch Linné selbst im September 1762 in der zweiten Auflage desselben Werkes (Band 1, Seite 462).[2] Der Gattungsname *Hemerocallis* leitet sich aus dem Altgriechischen *hēmera* (Tag) und *kallos* (Schönheit) ab, was auf die kurze Blühdauer der Einzelblüte von nur einem Tag verweist. Das Art-Epitheton *fulva* entstammt dem Lateinischen und bedeutet „rotgelb“, „dunkelgelb“ oder „fahlgelb“, passend zur charakteristischen Blütenfärbung der Spezies.[1] Systematisch wird die Art heute gemäß der APG IV-Klassifikation der Familie der Asphodelaceae (Affodillgewächse) zugeordnet, nachdem sie früher traditionell zu den Liliaceae (Liliengewächse) gezählt wurde.[2][1] Zu den relevanten Synonymen gehören neben dem Basionym auch infraspezifische Taxa wie *Hemerocallis fulva* var. *kwanso* Regel, eine gefüllte Form aus dem Jahr 1866.[2] Im englischen Sprachraum sind Trivialnamen wie „tawny daylily“, „orange daylily“ oder aufgrund der Standortvorlieben „ditch lily“ (Grabenlilie) gebräuchlich.[1][3] Die weit verbreitete Form ist ein steriler Triploid (3n=33), was taxonomisch relevant ist, da sie sich fast ausschließlich vegetativ vermehrt und keine fertilen Samen bildet.[2][3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

*Hemerocallis fulva* ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die durch rhizomatöses Wachstum dichte Horste bildet und Wuchshöhen von bis zu 1,8 Metern erreicht.[4][1] Das Wurzelsystem besteht aus fleischigen Ausläufern, kräftigen Rhizomen sowie spindelförmigen Speicherwurzeln, die oft knollenartige Verdickungen an den Spitzen aufweisen.[4] Die grundständigen, hellgrünen Blätter sind linealisch, riemenförmig und bogenförmig überhängend.[1] Sie erreichen eine Länge von 50 bis 100 cm bei einer Breite von 1 bis 3 cm, besitzen einen glatten Rand sowie eine akuminate Spitze und sind entlang der Mittelrippe gefaltet oder rinnenförmig. Die aufrechten, blattlosen Blütenstängel (Scapi) sind hohl, kahl und verzweigen sich erst im oberen Bereich unterhalb des Blütenstandes. Der endständige Blütenstand ist meist eine zweigeteilte Rispe, gelegentlich auch eine Traube oder Dolde, mit 1 bis 15 mm langen Blütenstielen. Die trichter- bis trompetenförmigen Blüten sind radiärsymmetrisch und erreichen einen Durchmesser von etwa 13 cm. Die Färbung der Blütenblätter reicht von Ziegelrot bis zu einem charakteristischen Rostorange, wobei oft ein hellerer Mittelstreifen sichtbar ist. Das Perigon ist 85 bis 130 mm lang, wobei die inneren Blütenblätter (Petalen) 75 bis 85 mm und die äußeren (Sepalen) 70 bis 80 mm messen. Im unteren Drittel sind die netzartig geaderten Tepalen zu einer schmalen Röhre verwachsen. Der Fortpflanzungsapparat besteht aus sechs mit der Blütenröhre verwachsenen Staubblättern mit gebogenen Filamenten sowie einem einzelnen Griffel mit kopfiger Narbe. Der Fruchtknoten ist oberständig und dreifächrig; bei erfolgreicher Befruchtung bilden sich 20 bis 25 mm lange Kapselfrüchte.[4] Da die Art meist als steriler triploider Hybrid vorliegt, ist die Bildung lebensfähiger Samen jedoch selten und die Kapselentwicklung oft unvollständig.[1] Neben der einfachen Form existieren kultivierte Varietäten wie *Hemerocallis fulva* var. *kwanso* mit gefüllten Blüten oder *H. fulva* var. *maculata* mit kastanienbraun gestreiften Petalen.[4] Von anderen Taglilienarten unterscheidet sich *H. fulva* primär durch die rostorange Färbung, während verwandte Arten wie *Hemerocallis lilioasphodelus* hellgelbe Blüten aufweisen.[4]

Beschreibung

Hemerocallis fulva charakterisiert sich als langlebige, krautige Staude, die durch ihr kräftiges Rhizomsystem ausgedehnte, horstartige Bestände bildet.[3][4] Im natürlichen Lebensraum in Ostasien sowie in den naturalisierten Zonen Nordamerikas und Europas prägt sie das Landschaftsbild offener Wiesen, Flussufer und Waldränder durch dichte, grasartige Vegetationsdecken. Anatomisch auffällig sind die spindelförmig verdickten Speicherwurzeln und fleischigen Stolonen, die als Überdauerungsorgane fungieren und eine seitliche Ausbreitung der Kolonien von bis zu 30 cm pro Jahr ermöglichen.[3] Eine Besonderheit der weit verbreiteten Populationen ist ihre Triploidie (3n=33 Chromosomen), eine genetische Konstitution, die zwar zur weitgehenden Sterilität führt, aber die vegetative Vitalität und Robustheit gegenüber Umweltstressfaktoren steigert.[3][1] Im Gegensatz zu sexuell reproduzierenden Verwandten bildet diese Art fast nie Kapselfrüchte aus, da die Pollen und Samenanlagen meist nicht lebensfähig sind und somit keine Samenreife erfolgt. Der phänologische Zyklus beginnt mit dem Austrieb der bis zu 100 cm langen, linealischen und gekielten Blätter im zeitigen Frühjahr nach der Winterruhe.[3] Die im Hochsommer erscheinenden, blattlosen Blütenschäfte erreichen Höhen von bis zu 1,5 Metern und tragen endständige, verzweigte Rispen mit 10 bis 20 Knospen.[3][4] Die trichterförmigen Blüten weisen eine charakteristische ziegelrote bis tawny-orange Färbung mit einem helleren Mittelstreifen auf, was sie deutlich von der gelbblühenden *Hemerocallis lilioasphodelus* unterscheidet. Jede Einzelblüte unterliegt einer strengen circadianen Rhythmik und verblüht innerhalb von 24 Stunden, meist über Nacht, was der Gattung ihren Namen (griechisch für „Tag“ und „Schönheit“) verlieh. Historisch wurde die Art 1762 von Carl von Linné validiert, wobei das Epitheton *fulva* („rotgelb“) spezifisch auf die Färbung der Blütenhülle verweist. Während diploide Wildformen in Asien vorkommen, handelt es sich bei den in westlichen Gärten und wildernden Beständen dominierenden Pflanzen meist um den sterilen Klon 'Europa' oder die gefüllte Varietät 'Kwanso'.[3] Die Pflanze zeigt eine hohe ökologische Plastizität und toleriert sowohl Halbschatten als auch unterschiedliche Bodenbedingungen, was ihre Persistenz an gestörten Standorten begünstigt.[3][1] Zum Herbst hin senesziert das Laub vollständig, und die Pflanze zieht sich zur Überwinterung in die unterirdischen Speicherorgane zurück.[3]

Verhalten

Das Verhalten von *Hemerocallis fulva* ist primär durch phänologische Rhythmen und vegetative Ausbreitungsstrategien geprägt. Die Blühdynamik zeichnet sich durch die kurze Lebensdauer der Einzelblüten aus, die sich typischerweise am Morgen öffnen und bereits am Abend oder folgenden Tag verwelken.[3][1] Um die reproduktive Phase dennoch zu maximieren, öffnen sich die Knospen sequenziell über einen Zeitraum von Juni bis August, wodurch eine kontinuierliche Blütenpräsenz gewährleistet wird.[1][4] Als Reaktion auf saisonale Veränderungen zeigt die Pflanze ein ausgeprägtes Dormanzverhalten, bei dem das Laub im Spätherbst senesziert und der Organismus als Rhizom überwintert, bevor er im zeitigen Frühjahr neu austreibt.[1][3] Die räumliche Ausbreitung erfolgt aggressiv durch vegetative Expansion mittels fleischiger Stolonen und Rhizome, die sich jährlich bis zu 30 cm lateral ausdehnen können.[5][1] Dieses Wachstumsverhalten führt zur Bildung dichter Kolonien (Aggregationsverhalten), die native Vegetation durch Ressourcenkonkurrenz verdrängen und Monokulturen bilden.[4][1] Hinsichtlich der Orientierung zeigt *Hemerocallis fulva* eine phototaktische Plastizität, indem sie volle Sonne bevorzugt, aber auch im Halbschatten gedeiht, wobei die Blühintensität bei Lichtmangel abnimmt.[1] Interaktionen mit der Fauna umfassen die Anlockung von Bestäubern wie Bienen und Schmetterlingen, obwohl die Pflanze als steriler Triploid nur selten lebensfähige Samen produziert.[6][1] Als chemische Abwehrreaktion enthält die Pflanze Toxine, die spezifisch auf Katzen nephrotoxisch wirken und akutes Nierenversagen auslösen können, während sie für andere Säugetiere weniger gefährlich ist.[1][4]

Ökologie

In seinem nativen Verbreitungsgebiet besiedelt *Hemerocallis fulva* offene Wiesen, Waldränder und Flussufer, wobei sonnige bis halbschattige Standorte mit mäßiger Luftfeuchtigkeit bevorzugt werden. Die Art zeigt eine hohe ökologische Valenz und toleriert verdichtete, nährstoffarme oder trockene Böden, gedeiht jedoch optimal auf gut durchlässigen, lehmigen Substraten im leicht sauren bis neutralen pH-Bereich. In eingeführten Gebieten bildet die Pflanze durch aggressives vegetatives Wachstum über Rhizome und Ausläufer dichte Monokulturen, die einheimische Flora verdrängen.[1] Diese Dominanz führt zu einer interspezifischen Konkurrenz um Ressourcen wie Licht, Wasser und Nährstoffe, wodurch die lokale pflanzliche Biodiversität signifikant reduziert wird.[4] Obwohl *Hemerocallis fulva* als steriler Triploid kaum lebensfähige Samen produziert, werden die Blüten von Insekten wie Bienen und Schmetterlingen besucht, was jedoch selten zur Fruchtbildung führt.[6] Die Pflanze ist weitgehend resistent gegenüber Fraßfeinden und Krankheiten, kann jedoch unter feuchten Bedingungen gelegentlich von Blattläusen oder Rostpilzen befallen werden.[1] Eine spezifische toxikologische Interaktion besteht mit Hauskatzen, bei denen der Verzehr jeglicher Pflanzenteile zu akutem Nierenversagen führt, während für Hunde und Pferde keine vergleichbare Toxizität bekannt ist. In invadierten Ökosystemen beeinträchtigt die Verdrängung der nativen Vegetation indirekt die Fauna, indem Nahrungsquellen und Deckung für Wildtiere eliminiert werden.[4]

Bedeutung, Schäden & Prävention

In Nordamerika wird *Hemerocallis fulva* als invasive Art klassifiziert, die durch aggressive vegetative Ausbreitung dichte Monokulturen bildet und die heimische Flora verdrängt.[3][5] Die Pflanze konkurriert in natürlichen Habitaten wie Wiesen, Auen und Waldrändern erfolgreich um Licht, Wasser und Nährstoffe, was zu einer signifikanten Veränderung der Habitatstruktur führt.[5][1] Im Gegensatz dazu wird sie im Gartenbau als robuster Bodendecker geschätzt, der an Hängen effektiv zur Erosionskontrolle eingesetzt werden kann.[1] Eine hohe gesundheitliche Relevanz besteht für Hauskatzen, bei denen der Verzehr jeglicher Pflanzenteile (Blüten, Blätter, Pollen) zu akutem Nierenversagen und tubulärer Nekrose führen kann. Für Hunde und Pferde gilt die Pflanze als nicht systemisch toxisch, wobei bei Hunden lediglich leichte gastrointestinale Reizungen auftreten können.[1][4] Beim Menschen kann der Verzehr roher Pflanzenteile oder großer Mengen zu Verdauungsstörungen wie Erbrechen und Durchfall führen, obwohl Blütenknospen in der asiatischen Küche traditionell genutzt werden.[3][1] Präventive Maßnahmen zur Eindämmung konzentrieren sich auf die korrekte Entsorgung von Gartenabfällen, da die Art leicht aus weggeworfenen Wurzelstücken in der Landschaft verwildert.[5] Die physikalische Bekämpfung erfordert das vollständige Ausgraben des Wurzelsystems, da verbleibende Rhizomfragmente oder Knollen zur Regeneration fähig sind.[5][4] Da die weit verbreitete triploide Form steril ist und keine lebensfähigen Samen bildet, ist keine Samenbank-Kontrolle notwendig, sondern der Fokus liegt rein auf der vegetativen Eindämmung.[3][5] Jenseits der Schädlingsbekämpfung werden Extrakte der Pflanze industriell erforscht, beispielsweise für kosmetische Anwendungen zur Hautaufhellung und Faltenreduzierung.[3] Obwohl sie nicht überall als schädliches Unkraut (Noxious Weed) gesetzlich reguliert ist, wird in betroffenen Gebieten das aktive Management empfohlen, um die Biodiversität zu schützen.[5][1]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung von *Hemerocallis fulva* ist ambivalent und umfasst sowohl die Nutzung als etablierte Kulturpflanze als auch negative Auswirkungen als invasive Art. In der internationalen Gartenbauindustrie fungiert die Spezies seit dem 19. Jahrhundert als wichtige Zierpflanze und genetischer Vorläufer für moderne Hybridzüchtungen. In Ostasien besitzt die Pflanze eine lange Tradition als Agrarprodukt, wobei insbesondere die getrockneten Blütenknospen unter der Bezeichnung „Goldene Nadeln“ kommerziell gehandelt und kulinarisch genutzt werden.[1] Neuere biotechnologische Anwendungen erschließen weitere Märkte, etwa durch patentierte Verfahren zur Gewinnung von kosmetischen Extrakten für Anti-Aging-Produkte oder Hautreiniger.[3] In der Nutztierhaltung zeigte sich zudem, dass Silage mit Anteilen von *Hemerocallis fulva* keine negativen Auswirkungen auf die Fleischqualität oder das Wachstum von Schafen hat.[4] Demgegenüber stehen in Nordamerika ökologische und ökonomische Schäden durch die aggressive Ausbreitung in gestörten Habitaten wie Straßenrändern und Wiesen. Die Art bildet dort dichte Monokulturen, die heimische Pflanzen verdrängen und die Biodiversität reduzieren, was entsprechende Managementmaßnahmen in Naturschutzgebieten notwendig macht. Die Bekämpfung verursacht Kosten, da für eine erfolgreiche Entfernung das gesamte Wurzelsystem mechanisch ausgegraben werden muss, um vegetative Regeneration zu verhindern.[1] Ein spezifisches finanzielles Risiko im veterinärmedizinischen Sektor resultiert aus der hohen Toxizität für Hauskatzen. Die Aufnahme von Pflanzenteilen führt bei diesen Tieren zu akutem Nierenversagen, was ohne rasche tierärztliche Intervention tödlich verläuft. Für landwirtschaftliche Nutztiere wie Pferde oder Rinder sind hingegen keine vergleichbaren toxischen Effekte oder wirtschaftlichen Verluste durch Vergiftungen dokumentiert.[4]

Biologie & Lebenszyklus

*Hemerocallis fulva* ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die einen saisonalen Zyklus aus Austrieb, Blüte und winterlicher Ruhephase durchläuft. Nach der Winterruhe treibt die Art im zeitigen Frühjahr aus unterirdischen Rhizomen aus und bildet dichte Horste mit linearem Laub. Die Blütezeit erstreckt sich im Hochsommer von Juni bis August, wobei die blattlosen Blütenschäfte aus der Mitte der Horste emporwachsen. Einzelne Blüten sind kurzlebig und öffnen sich typischerweise am Morgen, um bereits am Abend desselben Tages zu verwelken. Die Fortpflanzung erfolgt überwiegend vegetativ durch fleischige Ausläufer (Stolonen) und verdickte Rhizome, die eine laterale Ausbreitung von bis zu 30 cm pro Jahr ermöglichen. Dieser Mechanismus führt zur Bildung dichter, genetisch einheitlicher Kolonien, die auch in gestörten Habitaten persistieren.[1] Die sexuelle Reproduktion ist stark eingeschränkt, da die verbreitete Form ein steriler Triploid (3n=33 Chromosomen) ist, der kaum lebensfähigen Pollen oder Eizellen produziert.[1][3] Trotz Insektenbestäubung durch Bienen oder Schmetterlinge kommt es daher nur selten zur Bildung von Kapselfrüchten. Sollten dennoch Samen reifen, benötigen diese zur Keimung eine Stratifikation oder feucht-warme Bedingungen und keimen innerhalb von 2 bis 6 Wochen bei 16 bis 21 °C. Sämlinge benötigen im Gegensatz zu vegetativen Teilungen zwei bis vier Jahre, um das blühfähige Stadium zu erreichen.[3] Im Spätsommer oder Herbst senesziert das Laub, und die Pflanze überdauert den Winter ausschließlich durch ihr Wurzelsystem. Physiologisch zeigt sich *Hemerocallis fulva* anpassungsfähig und gedeiht optimal auf gut durchlässigen, lehmigen Böden, toleriert jedoch auch nährstoffarme oder verdichtete Substrate. Für die Blütenentwicklung ist eine Lichtexposition von mindestens sechs Stunden direktem Sonnenlicht vorteilhaft, wenngleich die Pflanze auch im Halbschatten wächst. Etablierte Exemplare weisen eine hohe Toleranz gegenüber Trockenheit sowie sommerlicher Hitze und Luftfeuchtigkeit auf.[1] Zu den natürlichen Gegenspielern zählen Blattläuse oder Rostpilze, die insbesondere unter feuchten Bedingungen auftreten können.[3] Eine spezifische physiologische Interaktion besteht mit Katzen, für die alle Pflanzenteile hochgiftig sind und akutes Nierenversagen auslösen können, während für Hunde keine vergleichbare Toxizität bekannt ist.[1]

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Hemerocallis fulva* umfasst die gemäßigten und subtropischen Regionen Ostasiens, einschließlich China, Japan, Korea und Taiwan.[2][1] In diesen nativen Arealen besiedelt die Art vorwiegend offene Wiesen, Waldränder sowie Uferbereiche von Gewässern.[4] Als Zierpflanze wurde sie im 16. Jahrhundert nach Europa eingeführt und gelangte im 17. bis 19. Jahrhundert nach Nordamerika, wo sie sich weiträumig etablierte.[3][1] Heute ist die Pflanze weltweit in vielen temperierten Klimazonen als Neophyt anzutreffen, wobei sie insbesondere im östlichen Nordamerika als invasiv eingestuft wird.[3] In den Vereinigten Staaten ist sie in mindestens 37 Bundesstaaten dokumentiert und bildet dort dichte Bestände in gestörten Habitaten.[1] Zu den typischen Sekundärlebensräumen zählen Straßenränder, Gräben, Brachflächen, Auenwälder und Waldsäume.[4] Häufig markieren verwilderte Vorkommen die Standorte ehemaliger Siedlungen oder Gärten, da die Art über ihre Rhizome jahrzehntelang persistieren kann.[1] *Hemerocallis fulva* bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte mit nährstoffreichen, frischen Böden, toleriert jedoch ein breites Spektrum von sauren bis neutralen pH-Werten.[3] Auch auf verdichteten, nährstoffarmen oder trockenen Böden ist die Pflanze überlebensfähig, was ihre Etablierung in anthropogen überformten Landschaften begünstigt.[1] In Europa und dem deutschsprachigen Raum tritt sie als eingebürgerter Gartenflüchtling auf, zeigt jedoch seltener das aggressive Ausbreitungsverhalten der nordamerikanischen Populationen.[3] Die vegetative Ausbreitung erfolgt über Rhizome und Stolonen, wodurch die sterile triploide Form dichte Monokulturen bildet, die heimische Vegetation verdrängen können. Dank ihres robusten Wurzelsystems besitzt die Art eine hohe Toleranz gegenüber sommerlicher Hitze und Trockenheit, sobald sie etabliert ist.[1]

Saisonalität & Aktivität

Hemerocallis fulva ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die einen ausgeprägten saisonalen Zyklus durchläuft und nach der Winterruhe im zeitigen Frühjahr aus unterirdischen Rhizomen austreibt.[1][3] Die vegetative Aktivität manifestiert sich in der Bildung dichter Horste aus linearen Blättern, die im Spätsommer oder Herbst vergreisen und absterben.[1] Die primäre Blütezeit erstreckt sich in der Regel von Juni bis August, wobei die blütentragenden Schäfte im Hochsommer erscheinen.[1][3] Ein charakteristisches Merkmal der Saisonalität ist der circadiane Rhythmus der Einzelblüten, die sich typischerweise am Morgen öffnen und bereits am Abend oder folgenden Tag verwelken. Da die Blütenstände jedoch 10 bis 20 Knospen tragen, die sich sequenziell öffnen, bleibt die generative Phase über mehrere Wochen erhalten.[1] Für eine optimale Blütenentwicklung benötigt die Art mindestens sechs Stunden direktes Sonnenlicht pro Tag, toleriert jedoch auch Sommerhitze und Halbschatten.[1][3] Die Überwinterung erfolgt im Dormanz-Zustand über das fleischige Wurzelsystem aus Rhizomen und Knollen, ohne dass die unterirdischen Organe absterben.[1] Die vegetative Ausbreitung durch Rhizomteilung findet vorwiegend zu Beginn der Wachstumsperiode im Frühjahr oder nach Eintritt der Ruhephase im Herbst statt.[3] Das öffentliche Suchinteresse in Deutschland spiegelt diese phänologische Aktivität wider und erreicht seine Höchstwerte in den Monaten Juni und Juli.

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • In dem Tal, Uhlstädt-Kirchhasel, Thüringen, Deutschland

    19.10.2025

  • Deutschland

    11.08.2025

  • Deutschland

    06.08.2025

  • Mannheim, Baden-Württemberg, Deutschland

    05.08.2025

  • Munich

    03.08.2026

Daten: iNaturalist

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-113980884-A Biological Anmeldung

Verfahren zur Reinigung von Zelllinien für die Züchtung von Hemerocallis fulva-Setzlingen

University of Yantai (2021)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt eine Methode zur Reinigung von Zelllinien für die Züchtung von Taglilien (Hemerocallis fulva). Durch physikalische Reinigung und den Einsatz von Antibiotika werden anhaftende Algen und Mikroorganismen entfernt. Anschließend wird mittels einer Mikroröhrchen-Methode eine einzelne Gameten-Zelllinie etabliert. Dies gewährleistet schadstofffreie Zelllinien für eine gesunde und schnelle Vermehrung der Pflanzen.

CN-113041186-A Chemical Anmeldung

Aufhellender und Anti-Falten-Tee-Extrakt aus Hemerocallis fulva und dessen Herstellungsverfahren

Shanghai Chengyao Biotechnology Company Ltd. (2021)

Relevanz: 7/10

Zusammenfassung

Die Erfindung betrifft einen kosmetischen Extrakt, der durch Fermentation von Taglilienblättern und Pilzen gewonnen wird. Die Blätter werden getrocknet, zerkleinert und gemeinsam mit Pilzen fermentiert, bevor sie mittels Blitzextraktion weiterverarbeitet werden. Der resultierende Extrakt dient der Hautaufhellung und Faltenreduzierung. Das Verfahren nutzt die Blätter der Pflanze, was die Ressourceneffizienz steigert.

CN-112716835-A Chemical Anmeldung

Multifunktionale Maske mit ätherischem Öl aus Hemerocallis fulva-Blüten und deren Herstellungsverfahren

Shanghai Institute Technology (2021)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Dieses Patent stellt eine Gesichtsmaske vor, die auf dem ätherischen Öl der Taglilie basiert. Die Zusammensetzung umfasst zudem Kollagen, Olivenöl und Beta-Glucan. Ziel ist es, die Anti-Aging-Wirkung des Öls tief in die Haut einzubringen, die Durchblutung zu fördern und Feuchtigkeit zu binden. Das Verfahren beschreibt die genaue Emulgierung der Inhaltsstoffe.

CN-112716834-A Chemical Anmeldung

Gesichtsreiniger mit ätherischem Öl aus Hemerocallis fulva-Blüten und dessen Herstellungsverfahren

Shanghai Institute Technology (2021)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Ein Gesichtsreinigungsprodukt, das ätherisches Öl der Taglilie mit Gleditschien-Extrakt (Spina Gleditsiae) kombiniert. Die Formulierung soll Poren öffnen und eine Tiefenreinigung ermöglichen, während das ätherische Öl die Hautdurchblutung anregt. Das Patent beschreibt die Herstellungsschritte von der Mischung der Basisstoffe bis zur Zugabe der temperaturempfindlichen Öle.

CN-113040177-A Biological Anmeldung

Pflanzlicher Fermentationsextrakt zum Abbau von Pestizidrückständen in Nutzpflanzen

Beijing Juqi Network Technology Company Ltd. (2021)

Relevanz: 5/10

Zusammenfassung

Ein komplexer Fermentationsextrakt aus vielen Pflanzen, darunter die Wurzel von Hemerocallis fulva, dient dem Abbau von Pestiziden. Die Mischung soll das Bodenmilieu verbessern und das Pflanzenwachstum fördern. Die Taglilienwurzel ist hierbei eine von über 20 Komponenten. Die Relevanz liegt eher in der landwirtschaftlichen Hilfsstoffchemie als in der spezifischen Nutzung der Taglilie allein.

Quellen & Referenzen

  1. https://www.missouribotanicalgarden.org/PlantFinder/PlantFinderDetails.aspx?kempercode=k430
  2. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:536335-1
  3. https://plants.ces.ncsu.edu/plants/hemerocallis-fulva/
  4. https://floranorthamerica.org/Hemerocallis_fulva
  5. https://invasive-species.extension.org/hemerocallis-fulva-orange-daylily/
  6. https://fsus.ncbg.unc.edu/show-taxon-detail.php?taxonid=889
  7. Literaturzusammenfassung: Hemerocallis fulva