Beliebte Suchen
Lexikon-Eintrag
Hyalomma Zecke Hyalomma
Schnellnavigation
Taxonomie
Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung
Zecken (Ixodida)
Familie
Ixodidae
Gattung
Hyalomma
Art
Hyalomma
Wissenschaftlicher Name
Hyalomma C.L.Koch, 1844
Akzeptierter Name
Einleitung
*Hyalomma* ist eine Gattung der Schildzecken (Ixodidae), die primär in ariden und semi-ariden Regionen Afrikas, Asiens und Südeuropas verbreitet ist.[1][2] Aufgrund der charakteristischen hell-dunklen Bänderung der Beine werden Vertreter dieser Gattung im englischen Sprachraum häufig als „bont-legged ticks“ bezeichnet.[3] Als Vektoren für Pathogene wie das Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber-Virus (CCHFV) und Erreger der tropischen Theileriose besitzen sie eine erhebliche medizinische und veterinärmedizinische Bedeutung.[2]
Hyalomma Zecke Bilder und Fotos von echten Sichtungen
8 AufnahmenSaisonalität und Nachfragetrend
Basierend auf dem Silberkraft TrendIndex – unserem eigenen Modell aus Suchdaten und Naturbeobachtungen
Saisonale Aktivität
Entwicklung über die Jahre
Fakten (kompakt)
- Die Gattung umfasst nach aktuellen taxonomischen Bewertungen 27 validierte Arten. - Systematisch wird *Hyalomma* der Unterfamilie Rhipicephalinae zugeordnet und gilt phylogenetisch als Schwestergruppe der Gattung *Rhipicephalus*. - Molekularbiologische Analysen nutzen 16S rRNA-Gensequenzen und mitochondriale Genome, um die Einordnung in die Metastriata-Linie der Ixodidae zu bestätigen. - Neben den bekannten viralen Erregern können diese Zecken auch das Bakterium *Francisella tularensis* sowie *Babesia*-Parasiten auf Pferde und Wiederkäuer übertragen.[6] - Ein im Jahr 2014 von Guglielmone et al. veröffentlichter Katalog dient als wichtiges Referenzwerk für die Validierung der Spezies anhand von Typusexemplaren. - Es bestehen taxonomische Debatten darüber, ob *Hyalomma albiparmatum* aufgrund morphologischer Ähnlichkeiten im Adultstadium als Synonym zu *Hyalomma truncatum* klassifiziert werden sollte. - Die Bekämpfung erfolgt durch den Einsatz von Akariziden und Habitatmanagement, wird jedoch durch die weitreichende Verbreitung über Zugvögel erschwert.[6]
Name & Einordnung
Die Gattung *Hyalomma* wurde im Jahr 1844 durch den deutschen Arachnologen Carl Ludwig Koch wissenschaftlich erstbeschrieben. Als Typusart für die Aufstellung diente *Hyalomma marginatum*, basierend auf Exemplaren, die ursprünglich im Nahen Osten gesammelt wurden. Der wissenschaftliche Name leitet sich etymologisch aus den griechischen Begriffen *hyalos* (Glas, Kristall) und *omma* (Auge) ab. Diese Bezeichnung verweist auf die auffälligen, konvexen und glänzenden Augen, die bei den adulten Tieren in Vertiefungen am Rand des Rückenschildes (Scutum) sitzen. Systematisch wird die Gattung der Familie der Schildzecken (Ixodidae) und dort der Unterfamilie Rhipicephalinae zugeordnet. Phylogenetische Untersuchungen mittels molekularer Marker positionieren *Hyalomma* innerhalb der Metastriata-Linie als Schwestergruppe der Gattung *Rhipicephalus*. Moderne taxonomische Kataloge listen 27 valide Arten, wobei der Status einiger Taxa wie *Hyalomma albiparmatum* oder Varianten von *Hyalomma anatolicum* aufgrund morphologischer Überlappungen und kryptischer Speziation teils diskutiert wird. Aufgrund der charakteristischen hell-dunklen Bänderung der Beine sind die Vertreter im englischen Sprachraum als „bont-legged ticks“ bekannt.[2]
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Adulte *Hyalomma*-Zecken sind mittelgroße bis große Schildzecken mit einem robusten, ovalen Körper und einer rötlich-braunen bis dunkelbraunen Grundfärbung.[1][2] Nüchterne Weibchen messen typischerweise 5–10 mm und Männchen 4–8 mm, während vollgesogene Weibchen durch die Aufnahme der Blutmahlzeit auf bis zu 30 mm expandieren können.[2] Ein charakteristisches Merkmal des Kopfbereichs (Gnathosoma) sind die verlängerten Palpen, die mindestens doppelt so lang wie breit sind, sowie ein langes, mit Widerhaken besetztes Hypostom. Im Gegensatz zu vielen anderen Zeckengattungen besitzen sie markante, konvexe Augen, die in Vertiefungen an den seitlichen Rändern des Scutums sitzen.[1][2] Das Rückenschild (Scutum) ist in der Regel unornamentiert, dunkel gefärbt und bei Männchen oft mit kaudalen Vertiefungen oder Leisten versehen. Die Beine weisen häufig eine auffällige Bänderung mit abwechselnd hellen und dunklen, emailleartigen Ringen auf, was ihnen im Englischen den Namen "bont-legged ticks" einbrachte. Die Analfurche verläuft hinter dem Anus und bildet eine posteriore Schleife, ein typisches Merkmal metastriater Zecken, wobei ausgeprägte Festonen am Hinterrand des Idiosomas meist fehlen. Es besteht ein deutlicher Sexualdimorphismus: Männchen besitzen ein Consctum, das den gesamten Rücken bedeckt, sowie ventrale Platten wie Adanal- und akzessorische Schilde. Bei Weibchen beschränkt sich das harte Scutum auf das vordere Drittel, sodass das flexible Alloscutum für die enorme Ausdehnung bei der Blutaufnahme frei bleibt. Die Larven sind mit etwa 1–2 mm sehr klein und verfügen über lediglich drei Beinpaare. Nymphen erreichen nüchtern eine Größe von 2–4 mm, besitzen vier Beinpaare und zeigen eine weniger ausgeprägte Musterung als die Adulten. Die morphologische Unterscheidung der einzelnen Arten ist aufgrund hoher Variabilität und überlappender Merkmale oft schwierig und erfordert teilweise molekulare Analysen.[2] Von verwechselbaren Gattungen lassen sie sich primär durch die Kombination aus langen Mundwerkzeugen, gut entwickelten Augen und den charakteristisch gestreiften Beinen abgrenzen.[1][2]
Beschreibung
Die Gattung *Hyalomma* umfasst große, hartschalige Schildzecken (Ixodidae), die primär in ariden und semi-ariden Regionen der Alten Welt verbreitet sind und sich durch ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit auszeichnen.[2] Aufgrund der charakteristischen hell-dunklen Bänderung der Beine, die besonders an den Tarsen und Metatarsen sichtbar ist, werden sie im englischen Sprachraum oft als "bont-legged ticks" bezeichnet.[3] Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu anderen Zeckengattungen sind die prominenten, konvexen Augen, die in Vertiefungen an den Rändern des Scutums sitzen und eine visuelle Orientierung bei der Wirtssuche unterstützen. Der wissenschaftliche Name, abgeleitet aus dem Griechischen *hyalos* (Glas) und *omma* (Auge), verweist direkt auf diese auffälligen, glasig glänzenden Augen. Anatomisch fallen die Zecken zudem durch ein langes Hypostom und verlängerte Palpen auf, wobei letztere mindestens doppelt so lang wie breit sind. Adulte Weibchen erreichen ungesogen eine Länge von 5 bis 10 mm, können jedoch nach einer vollständigen Blutmahlzeit auf bis zu 30 mm expandieren. Bei den Männchen, die mit 4 bis 8 mm kleiner bleiben, bedeckt das harte Conscutum den gesamten Rücken und weist oft caudale Vertiefungen oder Rillen auf. Ein spezifisches Merkmal der männlichen Anatomie ist das Vorhandensein von Adanal- und akzessorischen Schilden auf der Ventralseite, die bei der Paarung eine Rolle spielen. Um in extrem trockenen Habitaten mit Temperaturen bis zu 40 °C zu überleben, besitzen *Hyalomma*-Arten eine spezielle wachsartige Kutikula, die effektiv vor Austrocknung schützt. Diese physiologische Anpassung erlaubt es ihnen, auch in Wüsten und Steppen zu persistieren, wo sie sich bei extremer Hitze in Bodenrisse oder unter Laubstreu zurückziehen. Die Entwicklung verläuft über die Stadien Ei, Larve und Nymphe zum Adulttier, wobei die Larven nur etwa 1–2 mm messen und drei Beinpaare besitzen. Nymphen sind mit 2–4 mm etwas größer, verfügen bereits über vier Beinpaare, zeigen aber noch eine schlichtere Färbung und weniger ausgeprägte Musterung als die Adulttiere. Während adulte Tiere meist große Huftiere parasitieren, nutzen die Jugendstadien vorwiegend kleine Säugetiere oder bodenlebende Vögel als Wirte. Das Jagdverhalten unterscheidet sich von vielen heimischen Zeckenarten: *Hyalomma* jagt aktiv, indem sie Wirtsreize wie Bodenerschütterungen und Kohlendioxid über das Haller'sche Organ wahrnimmt und sich gezielt auf den Wirt zubewegt. Phylogenetisch gehört *Hyalomma* zur Unterfamilie Rhipicephalinae und steht in enger Verwandtschaft zur Gattung *Rhipicephalus*, was durch molekulare Analysen der mitochondrialen DNA bestätigt wurde.[2]
Verhalten
Die Zecken der Gattung *Hyalomma* zeigen ein ausgeprägtes Lauerverhalten („Questing“), bei dem sie sich auf Vegetationsspitzen positionieren und ihre Vorderbeine ausstrecken, um vorbeiziehende Wirte wahrzunehmen. Die Orientierung erfolgt dabei primär über das Haller’sche Organ an den Tarsen, welches Reize wie Kohlendioxidgradienten, strahlende Wärme und mechanische Vibrationen registriert. Im Gegensatz zu vielen anderen Zeckengattungen besitzen *Hyalomma*-Arten gut entwickelte, konvexe Augen an den Rändern des Scutums, die eine visuelle Wahrnehmung potenzieller Wirte auf Distanz ermöglichen. Neben dem passiven Warten sind diese Zecken zur aktiven Jagd fähig und können sich krabbelnd über Distanzen von bis zu mehreren hundert Metern fortbewegen, um geeignete Lauerplätze oder Wirte zu finden. Um extremer Hitze und Austrocknung in ihren ariden Lebensräumen zu entgehen, ziehen sich die Tiere bei Lufttemperaturen über 30 °C in schattige Rückzugsorte, Bodenrisse oder Tierbauten zurück.[2] Die Paarung findet typischerweise auf dem Wirtstier statt, wobei männliche Zecken die bereits saugenden Weibchen durch artspezifische Sexualpheromone wie 2,6-Dichlorophenol lokalisieren.[1] Während des Saugaktes verankern sich die Parasiten mithilfe eines zementartigen Sekrets der Speicheldrüsen fest in der Haut des Wirtes, um eine ungestörte Nahrungsaufnahme über mehrere Tage bis Wochen zu gewährleisten.[2] Zusätzlich nutzen einige Arten Aggregationspheromone in Fäkalien oder kutikulären Lipiden, um sich in günstigen Mikrohabitaten zu sammeln, was die Überlebenschancen und Paarungswahrscheinlichkeit erhöht.[1]
Ökologie
Die Vertreter der Gattung *Hyalomma* sind als obligate Ektoparasiten ökologisch an aride und semi-aride Lebensräume wie Savannen, Steppen und Wüsten angepasst.[1][2] Sie tolerieren hohe Temperaturen zwischen 20 °C und 40 °C sowie niedrige Luftfeuchtigkeit, wobei eine wachsartige Kutikula sie effektiv vor Austrocknung schützt. Um extremen klimatischen Bedingungen zu entgehen, suchen die Zecken aktiv Schutz in Erdspalten, Tierbauten oder der Bodenstreu und können dort Phasen der Inaktivität überdauern.[2] Im Gegensatz zu vielen anderen Zeckengattungen zeigen *Hyalomma*-Arten ein aktives Jagdverhalten und bewegen sich visuell orientiert über Distanzen von bis zu mehreren hundert Metern auf ihre Wirte zu.[3][2] Die Wirtssuche (Questing) erfolgt bevorzugt von niedriger Vegetation aus und ist an Bodentemperaturen von über 10 °C gebunden.[4] Das Wirtsspektrum variiert ontogenetisch stark: Larven und Nymphen parasitieren vorwiegend an kleinen Säugetieren wie Hasen (*Leporidae*) und Nagetieren sowie an bodenlebenden Vögeln.[5][2] Insbesondere der Befall von Zugvögeln ermöglicht den immaturen Stadien eine passive Verbreitung über weite Distanzen in neue geographische Regionen. Adulte Zecken wechseln auf große Ungulaten, wobei sie häufig Rinder, Kamele oder Wildtiere wie Gazellen befallen. Einige Arten weisen eine enge ökologische Nische auf, wie etwa *Hyalomma dromedarii*, die hochgradig auf Dromedare spezialisiert ist. Der Parasitismus verursacht beim Wirt erheblichen Blutverlust und Gewebeschäden, wobei bioaktive Proteine im Speichel der Zecke die lokale Immunantwort und Entzündungsreaktionen unterdrücken, um die Nahrungsaufnahme zu sichern.[2]
Bedeutung, Schäden & Prävention
Die Gattung *Hyalomma* umfasst medizinisch und veterinärmedizinisch hochrelevante Ektoparasiten, die primär als Vektoren gefährlicher Pathogene fungieren.[2][3] Die größte gesundheitliche Bedrohung für den Menschen stellt die Übertragung des Krim-Kongo-Hämorrhagischen-Fieber-Virus (CCHFV) dar, das schwere Krankheitsverläufe mit Letalitätsraten von bis zu 40 % verursachen kann. Zusätzlich können diese Zecken bakterielle Erreger wie *Rickettsia aeschlimannii* übertragen und in seltenen Fällen durch neurotoxische Speichelkomponenten eine Zeckenparalyse auslösen.[2] In der Veterinärmedizin verursachen *Hyalomma*-Arten massive ökonomische Schäden, insbesondere durch die Übertragung von *Theileria annulata*, dem Erreger der tropischen Theileriose bei Rindern.[2][5] Neben der Vektorfunktion führt der Befall durch die Aufnahme großer Blutmengen zu Anämie, verminderter Milch- und Fleischproduktion sowie zu direkten Hautschäden, die Sekundärinfektionen begünstigen.[3][2] Die jährlichen Verluste im Nutztiersektor in Afrika und dem Nahen Osten werden auf über eine Milliarde US-Dollar geschätzt.[2] Ein Befall lässt sich oft frühzeitig durch das aktive Jagdverhalten der Zecken erkennen, die sich auf Vegetationsspitzen positionieren und Wirte visuell sowie über Bodenerschütterungen wahrnehmen.[3] Aufgrund der klimabedingten Ausbreitung nach Norden, etwa nach Deutschland und Ungarn, gewinnt das Monitoring mittels molekularer Methoden (PCR) und Citizen-Science-Projekten in Europa an Bedeutung.[5][2] Die Bekämpfung stützt sich primär auf den Einsatz von Akariziden, wobei die Resistenzentwicklung und die Widerstandsfähigkeit der Zecken in ariden Habitaten Herausforderungen darstellen.[2] Präventive Maßnahmen umfassen Habitatmanagement sowie die Kontrolle von Viehbeständen, um die Zirkulation von Pathogenen zwischen Wildtierreservoiren und Nutztieren zu unterbrechen. Da *Hyalomma*-Zecken aktiv auf Menschen zulaufen können, ist in Endemiegebieten erhöhte Aufmerksamkeit und das Tragen von Schutzkleidung erforderlich.[3][2]
Wirtschaftliche Bedeutung
Die wirtschaftliche Bedeutung der Gattung *Hyalomma* resultiert primär aus ihrer Rolle als Vektor für schwerwiegende Tierkrankheiten und den direkten Schäden durch den Blutsaugakt. Besonders in Afrika und dem Nahen Osten verursachen diese Zecken durch die Übertragung der tropischen Theileriose (*Theileria annulata*) massive Verluste in der Rinderhaltung, wobei die Mortalität bei anfälligen Rassen zwischen 40 % und 90 % liegen kann. Neben den Totalverlusten durch verendete Tiere führen Infestationen zu einer signifikanten Minderung der Milch- und Fleischproduktion sowie zu Gewichtsverlusten bei den Wirten.[2] Die langen Mundwerkzeuge der Zecken verursachen zudem tiefe Wunden, die den Wert von Tierhäuten für die Lederindustrie mindern und Eintrittspforten für sekundäre bakterielle Infektionen bieten.[3] Spezifische Arten wie *Hyalomma anatolicum* beeinträchtigen intensiv die Viehzucht in Asien, während *Hyalomma dromedarii* als Hauptschädling in der Kamelhaltung arider Zonen gilt. Schätzungen beziffern die jährlichen Verluste durch zeckenübertragene Krankheiten im Nutztiersektor der betroffenen Regionen auf über eine Milliarde US-Dollar. Diese ökonomischen Einbußen gefährden die Existenzgrundlage von Pastoralisten und verschärfen die Ernährungsunsicherheit in ländlichen Gebieten. Zusätzlich entstehen hohe Kosten durch notwendige Bekämpfungsmaßnahmen, wie den regelmäßigen Einsatz von Akariziden.[2]
Biologie & Lebenszyklus
Der Lebenszyklus der *Hyalomma*-Zecken umfasst die vier Entwicklungsstadien Ei, Larve, Nymphe und Imago, wobei die Gesamtentwicklung in der Natur sechs bis zwölf Monate beansprucht, unter kontrollierten Bedingungen jedoch auf drei bis sechs Monate verkürzt sein kann. Die meisten Arten folgen einem dreiwirtigen Zyklus, bei dem jedes Stadium einen neuen Wirt sucht; *Hyalomma marginatum* hingegen vollzieht als zweiwirtige Zecke die Häutung zur Nymphe direkt auf dem ersten Wirt.[2] Die Paarung findet in der Regel auf dem Wirtstier statt, wo Männchen die Weibchen mithilfe von speziellen Sexualpheromonen wie 2,6-Dichlorophenol lokalisieren. Nach der Begattung und einer vollständigen Blutmahlzeit lassen sich die Weibchen fallen, um im Boden Gelege von 3.000 bis 7.000 Eiern abzulegen. Die Inkubationszeit der Eier ist stark temperaturabhängig und dauert bei optimalen Werten zwischen 18 °C und 28 °C etwa 20 bis 70 Tage. Die schlüpfenden Larven sind 1–2 mm groß, besitzen drei Beinpaare und parasitieren vornehmlich kleine Säugetiere wie Hasenartige und Nagetiere oder bodenlebende Vögel. Nymphen weisen vier Beinpaare auf und benötigen für ihre Blutmahlzeit je nach Art 5 bis 10 Tage, bevor sie sich zur Imago häuten. Adulte *Hyalomma*-Zecken bevorzugen große Huftiere wie Rinder, Pferde oder Kamele als Wirte, wobei Weibchen durch die Aufnahme großer Blutmengen ihr Körpervolumen massiv vergrößern. Physiologisch sind diese Zecken durch eine wachsartige Kutikula an aride Lebensräume angepasst, was ihnen eine hohe Resistenz gegen Austrocknung verleiht. Die Aktivität der Wirtssuche (Questing) beginnt meist ab Bodentemperaturen von über 10 °C, wobei für die Entwicklung hohe Wärmesummen von 3.000 bis 4.000 Grad-Tagen erforderlich sind. Um ungünstige Trockenperioden zu überdauern, können Arten wie *Hyalomma truncatum* als engorgierte Nymphe oder adulte Zecke in eine Diapause eintreten. Eine Besonderheit stellt die bei *Hyalomma anatolicum* dokumentierte Parthenogenese dar, die eine Fortpflanzung ohne Männchen ermöglicht.[2] Die Verbreitung der Immaturen erfolgt oft passiv über Zugvögel, an denen Nymphen bis zu 26 Tage angeheftet bleiben können, was eine Expansion in neue Gebiete begünstigt.[5]
Vorkommen & Lebensraum
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Gattung *Hyalomma* umfasst primär aride und semi-aride Regionen in Afrika, dem Nahen Osten, Zentralasien sowie Südeuropa.[2][1] Phylogenetische Analysen deuten auf einen evolutionären Ursprung in Eurasien hin, wobei sich basale Linien im Gebiet des heutigen Iran und Zentralasien entwickelten. Die Zecken zeigen eine ausgeprägte Präferenz für Trockenklimate mit geringer Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 20 °C und 40 °C. Zu den typischen natürlichen Habitaten zählen Savannen, Steppen und Wüstenlandschaften, in denen die Tiere Schutz vor Austrocknung in Bodenspalten, Tierbauten oder unter der Streuschicht suchen. In Europa erstreckt sich das etablierte Vorkommen traditionell über den Mittelmeerraum bis in die Ukraine und das südliche Russland. Eine nordwärts gerichtete Ausbreitung wird maßgeblich durch Zugvögel begünstigt, die immature Stadien (Larven und Nymphen) über weite Distanzen transportieren. In Deutschland wurden zwischen 2018 und 2023 über 100 eingeschleppte Exemplare dokumentiert, wobei adulte Tiere oft an Pferden gefunden wurden.[2] Während *Hyalomma marginatum* bis zum Jahr 2025 in Südfrankreich als etabliert gilt, werden auch in Ungarn und Rumänien zunehmend adulte Stadien beobachtet.[5] Der Klimawandel begünstigt durch wärmere Winter und längere Aktivitätsperioden das Überleben in gemäßigten Zonen, was die Etablierung neuer Populationen nördlich der Alpen wahrscheinlicher macht.[2] Für eine erfolgreiche Überwinterung im Boden benötigen die Zecken moderate Temperaturen zwischen 5 °C und 15 °C sowie eine ausreichende jährliche Wärmesumme.[4] Innerhalb der Gattung zeigt *Hyalomma dromedarii* eine spezifische Anpassung an Wüstengebiete Nordafrikas und der Arabischen Halbinsel, während *Hyalomma marginatum* auch mediterrane Klimate (Csa) toleriert.[2]
Saisonalität & Aktivität
Die Aktivität von *Hyalomma*-Zecken ist stark temperaturabhängig, wobei die Wirtssuche (Questing) primär einsetzt, sobald die Bodentemperaturen im Frühjahr 10 °C überschreiten.[4] Adulte Exemplare treten in Europa und Nordafrika vorwiegend in den Frühlings- und Sommermonaten auf, um große Säugetiere zu parasitieren. Obwohl die Gattung an aride Klimate angepasst ist, reduzieren die Zecken bei extremen Bedingungen – etwa Lufttemperaturen über 30 °C oder Bodentemperaturen über 45 °C – ihre Aktivität und suchen Schutz in schattigen Refugien oder im Boden, um Austrocknung zu vermeiden. Der Entwicklungszyklus variiert je nach Umweltbedingungen zwischen 3 und 12 Monaten, wobei in natürlichen, gemäßigten Zonen oft eine Generation pro Jahr (Univoltinität) beobachtet wird.[2] Die Überwinterung erfolgt typischerweise als nüchternes Adulttier oder vollgesogene Nymphe in Bodenritzen und der Laubstreu, wo sie Temperaturen im Bereich von 5–15 °C tolerieren.[4] Bei einigen Arten wie *Hyalomma truncatum* ist eine Diapause dokumentiert, um Trockenzeiten physiologisch zu überbrücken.[2] In Deutschland wurden eingeschleppte Adulttiere von *Hyalomma marginatum* vermehrt in den warmen Monaten von Juni bis August registriert.[5] Dieses saisonale Muster spiegelt sich auch im öffentlichen Informationsbedarf wider, der in Deutschland im Mai und Juni seine jährlichen Höchststände erreicht.
Quellen & Referenzen
- https://journals.plos.org/plosntds/article?id=10.1371/journal.pntd.0010846
- https://www.ecdc.europa.eu/en/disease-vectors/facts/tick-factsheets/hyalomma-marginatum
- http://influentialpoints.com/Gallery/Bont-legged_ticks_Hyalomma.htm
- https://www.ovid.com/journals/taed/pdf/10.1111/j.1865-1682.2010.01198.x~a-population-model-to-describe-the-distribution-and-seasonal
- https://parasitesandvectors.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13071-025-07104-3
- Literaturzusammenfassung: Hyalomma