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Lexikon-Eintrag

Austernpflanze Mertensia maritima

Austernpflanze

Taxonomie

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Boraginales (Boraginales)
Familie Boraginaceae
Gattung Mertensia
Art Mertensia maritima
Wissenschaftlicher Name Mertensia maritima (L.) Gray
Akzeptierter Name

Einleitung

Die Austernpflanze (*Mertensia maritima*) ist eine ausdauernde, mattenbildende Staude aus der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae), die zirkumboreal an den Küsten der Nordhalbkugel verbreitet ist. Sie besiedelt bevorzugt kiesige Strände und sandige Vordünen oberhalb der Spülsaumzone in arktischen bis gemäßigten Regionen.[2][1] Bekannt ist die Art für ihre fleischigen, blau bereiften Blätter, die aufgrund des enthaltenen Dimethylsulfids einen charakteristischen, an Austern erinnernden Geschmack aufweisen.[3][4]

Fakten (kompakt)

- Global wird der Bestand als sicher eingestuft (NatureServe G5), lokal gilt die Art jedoch in Massachusetts als gefährdet und in Großbritannien als potenziell gefährdet. - Zu den spezifischen Bedrohungsfaktoren zählen Küstenbebauung, Freizeitaktivitäten, invasive Spezies sowie klimabedingte Stürme. - Die Früchte entwickeln sich als Aggregate aus vier scharfkantigen Nüsschen, die für die Ausbreitung über Meeresströmungen angepasst sind. - Die Laubblätter weisen eine spezifische Länge von 15 bis 65 Millimetern auf. - Das vertikale Vorkommen beschränkt sich auf eine Höhenlage von 1 bis 10 Metern über dem Meeresspiegel. - Die schirmrispigen Blütenstände bestehen aus jeweils 4 bis 12 Einzelblüten. - Pflanzengesellschaften umfassen oft Begleitarten wie Strandhafer, *Solidago sempervirens* (Seaside Goldenrod) und die Strand-Platterbse. - Neben dem Basionym existieren historische Synonyme wie *Pneumaria maritima* (L.) Hill und *Lithospermum maritimum* L.[10] - Taxonomisch werden Varietäten unterschieden, darunter die zierlichere *M. maritima* var. *tenella* (Kanada, Spitzbergen) und *M. maritima* var. *asiatica* (Alaska, Nordostasien). - Aufgrund der Ähnlichkeit zu Hasenglöckchen (*Hyacinthoides*) wird die Art im Englischen auch als „sea bluebells“ bezeichnet.[10]

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Mertensia maritima* (L.) Gray.[2] Die Erstbeschreibung erfolgte 1753 durch Carl von Linné unter dem Basionym *Pulmonaria maritima* in dessen Werk *Species Plantarum*, basierend auf Exemplaren von englischen Küsten. In die heute gültige Gattung *Mertensia* wurde die Art im Jahr 1821 durch den britischen Botaniker Samuel Frederick Gray gestellt.[5] Der Gattungsname ehrt den deutschen Botaniker und Algenforscher Franz Carl Mertens (1764–1831). Das Artepitheton *maritima* entstammt dem Lateinischen, bedeutet „vom Meer“ und verweist auf den bevorzugten Lebensraum an Küsten.[3] Taxonomisch wird die Pflanze der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) zugeordnet. Zu den relevanten Synonymen zählen *Pneumaria maritima* (L.) Hill sowie *Lithospermum maritimum* L.[3] Innerhalb der Art werden infraspezifische Taxa unterschieden, darunter die Nominatform *M. maritima* var. *maritima* und die in Kanada sowie auf Spitzbergen vorkommende, zierlichere *M. maritima* var. *tenella*.[1][3] Der deutsche Trivialname Austernpflanze sowie die englischen Bezeichnungen „oysterleaf“ oder „oysterplant“ beziehen sich auf den Geschmack der Blätter, der durch enthaltenes Dimethylsulfid stark an Austern erinnert.[3] Ein weiterer englischer Name, „sea bluebells“, spielt auf die Ähnlichkeit der nickenden blauen Blüten mit denen der Hasenglöckchen an.[6]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Mertensia maritima ist eine niedrig wachsende, mattenbildende ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 50 cm erreicht, wobei die niederliegenden Stängel unter optimalen Bedingungen bis zu einem Meter lang werden können. Die Stängel sind sukkulent, im Querschnitt rund und meist kahl oder nur spärlich behaart. Die gesamte Pflanze erscheint durch einen wachsartigen Überzug, der als Schutz gegen Austrocknung und Salzstress dient, in einer charakteristischen blaugrünen, bereiften (glauken) Färbung. Die fleischigen, sukkulenten Laubblätter sind oval bis lanzettlich oder spatelförmig geformt, ganzrandig und messen in der Länge zwischen 2 und 10 cm. Während die grundständigen Blätter größer und gestielt sind und eine Rosette bilden, sitzen die wechselständigen Stängelblätter meist ungestielt an den Trieben.[1] Ein besonderes Merkmal sind die auf der Blattoberseite befindlichen Salzdrüsen sowie der intensive Geschmack nach Austern, der durch Dimethylsulfid verursacht wird.[1][3] Der Blütenstand besteht aus endständigen, einseitswendigen Wickeln, die sich aus kompakten Gruppen von 6 bis 12 Blüten zusammensetzen. Die zwittrigen, röhren- bis glockenförmigen Blüten sind etwa 6 bis 9 mm lang und weisen einen Durchmesser von rund 6 mm auf. Charakteristisch für die Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) ist der Farbwechsel der Blütenknospen, die sich von rötlich-pink beim Öffnen zu einem hellen Blau oder Violett verfärben. Jede Blüte besitzt fünf verwachsene Kronblätter, fünf Staubblätter und einen oberständigen Fruchtknoten. Nach der Befruchtung zerfällt die Klausenfrucht in vier glatte, scharfkantige Teilfrüchte, die etwa 4 bis 5 mm lang und braun gefärbt sind. Das Wurzelsystem besteht aus einer Pfahlwurzel mit seitlichen Adventivwurzeln, die der Verankerung im mobilen Substrat dienen, sowie Rhizomen zur vegetativen Ausbreitung.[1] Neben der typischen Varietät existiert die Form Mertensia maritima var. tenella, die sich durch einen kleineren, zierlicheren Wuchs auszeichnet. Aufgrund der nickenden blauen Blüten wird die Art im Englischen manchmal als „Sea bluebells“ bezeichnet, unterscheidet sich jedoch von echten Hasenglöckchen (Hyacinthoides) deutlich durch ihre fleischigen Blätter und den Standort.[1]

Beschreibung

Die Austernpflanze (*Mertensia maritima*) ist eine spezialisierte, ausdauernde krautige Pflanze, die durch ihren niederliegenden Wuchs und ihre ausgeprägte Anpassung an raue Küstenlebensräume charakterisiert ist.[1] Als Mitglied der Raublattgewächse (*Boraginaceae*) bildet sie auf kiesigen Stränden und sandigen Vordünen oft mattenartige Teppiche, die als dominierende Krautschicht in der oberen Spritzwasserzone fungieren. Im natürlichen Habitat entwickeln sich die verzweigten, sukkulenten Stängel, die bis zu einem Meter lang werden können, strahlenförmig aus einem zentralen Wurzelsystem und sterben im Winter oberirdisch ab.[7][2] Das vegetative Erscheinungsbild wird von fleischigen, blaugrünen Blättern dominiert, die von einer wachsartigen, bereiften Schicht überzogen sind, was der Pflanze einen silbrigen Schimmer verleiht. Anatomisch fungiert die Art als Kryno-Halophyt, der über spezialisierte Salzdrüsen auf der Blattoberseite verfügt, um überschüssiges Salz aus der Gischt auszuscheiden.[2] Die sukkulente Blattstruktur dient als Wasserspeicher, während die dicke epikutikuläre Wachsschicht die Verdunstung minimiert und vor intensiver Sonneneinstrahlung sowie Austrocknung schützt.[2][7] Die Blätter sind amphistomatisch angelegt, besitzen also Spaltöffnungen auf beiden Blattseiten, was den Gasaustausch in der feuchten, aber salzhaltigen Luft optimiert.[2] Zur Verankerung in mobilen Substraten wie Sand und Kies nutzt *Mertensia maritima* ein faseriges Wurzelsystem, das oft aus einer kurzen Pfahlwurzel entspringt und Nährstoffe auch aus verrottendem Seetang aufnimmt.[7][2] Der Lebenszyklus beginnt nach einer notwendigen Kältestratifikation mit der Keimung, woraufhin der Sämling im ersten Jahr zunächst eine vegetative Rosette ohne Blüten bildet. Die reproduktive Reife wird typischerweise erst im zweiten Jahr erreicht, wobei einzelne Individuen (Genets) durch klonales Wachstum etwa fünf Jahre oder länger überdauern können.[2] Ein markantes Merkmal ist der Farbwechsel der glockenförmigen Blüten, die sich aus rötlich-rosa Knospen öffnen und nach der Bestäubung leuchtend blau färben, was Insekten die Nektarreife signalisiert.[1][2] Obwohl die zwittrigen Blüten zur Selbstbestäubung fähig sind, dient dieser für Raublattgewächse typische Farbwechsel als visuelles Signal für Bestäuber wie Hummeln.[2][4] Die Fruchtentwicklung resultiert in vier scharfkantigen Teilfrüchten (Klausen), die schwimmfähig sind und über Meeresströmungen verbreitet werden, wobei sie bis zu 18 Tage im Meerwasser lebensfähig bleiben.[2][3] Biochemisch zeichnet sich die Pflanze durch die Anreicherung von Dimethylsulfid aus, was den zerriebenen Blättern ihr namensgebendes, austernartiges Aroma verleiht.[3][1] Taxonomisch wird die Art in Varietäten unterteilt, wie die weit verbreitete *var. maritima* und die zierlichere, in der Hocharktis vorkommende *var. tenella*.[1][3] Historisch wurde die Spezies 1753 von Carl von Linné zunächst als *Pulmonaria maritima* beschrieben, bevor sie später zu Ehren des Botanikers Franz Carl Mertens in die Gattung *Mertensia* gestellt wurde.[5][3]

Verhalten

Die Blütenkommunikation von *Mertensia maritima* erfolgt durch einen visuellen Signalwechsel, bei dem sich die Blütenfarbe nach der Öffnung von Rosa zu Blau verändert, um Bestäubern die Reife und Nektarverfügbarkeit anzuzeigen.[1][6] Dieser Farbwechsel lockt primär Insekten wie Bienen und Schwebfliegen an, obwohl die Art auch zur Selbstbestäubung fähig ist.[1][2] Als chemische Reaktion auf mechanische Beschädigung setzen die Blätter die flüchtige Verbindung Dimethylsulfid frei, was einen charakteristischen Austerngeruch erzeugt.[3] Zur physiologischen Abwehr von Salzstress nutzen die Pflanzen spezialisierte Salzdrüsen auf der Blattoberseite, um überschüssiges Salz aktiv auszuscheiden. Der hohe Salzgehalt in den Geweben fungiert vermutlich zusätzlich als Fraßschutz, der bestimmte pflanzenfressende Insekten abschreckt. Trotz dieser chemischen Abwehr dienen die sukkulenten Blätter in arktischen Küstenlebensräumen im Sommer als Nahrungsquelle für Schneehasen (*Lepus arcticus*). In Bezug auf interspezifische Konkurrenz zeigt *Mertensia maritima* ein ausgeprägtes Pionierverhalten in offenen Habitaten, wird jedoch in dichter werdender Vegetation oft von invasiven Gräsern verdrängt. Um Nährstoffe in den kargen Sandböden effizienter aufzunehmen, geht die Art wahrscheinlich symbiotische Beziehungen mit Mykorrhizapilzen ein, ähnlich wie vergesellschaftete Arten. Als Anpassung an die saisonalen Extrembedingungen zieht sich die Pflanze im Winter vollständig in eine Ruhephase zurück (Dormanz), wobei die oberirdischen Teile absterben.[2]

Ökologie

Als spezialisierter Crynohalophyt besiedelt *Mertensia maritima* die oberen Zonen von Küstenstränden, insbesondere Kies- und Schotterflächen oberhalb der Spülsaumgrenze, die nur von den höchsten Winterfluten erreicht werden.[1][2] Die Art bevorzugt gut durchlässige, nährstoffarme Substrate wie Sand oder Geröll, wobei verrottender Seetang im Boden oft als wichtige organische Nährstoffquelle dient.[6] Um in diesem dynamischen, salzhaltigen Lebensraum zu bestehen, nutzt die Pflanze ein Pfahlwurzelsystem zur Verankerung sowie spezialisierte Salzdrüsen auf den Blättern zur Exkretion überschüssiger Salze. Sie wächst typischerweise in artenarmen Pioniergesellschaften zusammen mit Pflanzen wie dem Strandhafer (*Ammophila breviligulata*), dem Meersenf (*Cakile edentula*) und der Strand-Platterbse (*Lathyrus japonicus*).[2][1] Während *Mertensia maritima* in diesen exponierten Zonen nur geringer Konkurrenz ausgesetzt ist, wird sie in südlicheren Verbreitungsgebieten oft durch invasive Gräser verdrängt.[1] Die Bestäubung erfolgt primär durch Insekten wie Hummeln und Schwebfliegen, die durch den Farbwechsel der Blüten angelockt werden, wobei die Pflanze auch zur Selbstbestäubung fähig ist.[6] Die Ausbreitung der Diasporen geschieht hydrochor über Meeresströmungen, da die Nüsschen schwimmfähig sind und bis zu 18 Tage im Meerwasser überdauern können.[2] In arktischen Habitaten dienen die sukkulenten Blätter als Nahrung für Schneehasen, während der hohe Salzgehalt bestimmte pflanzenfressende Insekten abschrecken kann.[8] Es wird angenommen, dass Mykorrhiza-Symbiosen, ähnlich wie bei assoziierten Arten wie *Leymus arenarius*, die Nährstoffaufnahme in den kargen Sandböden unterstützen.[2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

*Mertensia maritima* wird primär als kulinarische Spezialität und Nützling geschätzt, deren Blätter aufgrund des enthaltenen Dimethylsulfids ein intensives Austernaroma aufweisen.[3][1] Historisch nutzten indigene Völker der Arktis, wie Inuit und Yupik, die Pflanze als Vitamin-C-Quelle zur Prävention von Skorbut.[2] Heute findet sie als Gourmet-Garnitur oder Microgreen Verwendung, wobei der Verzehr wegen potenziell enthaltener Pyrrolizidinalkaloide moderat erfolgen sollte.[1] Die Art gilt nicht als Schädling, sondern unterliegt selbst starkem Fraßdruck durch Schnecken, die in Kulturen eine signifikante Bedrohung darstellen.[2] In natürlichen Habitaten fressen zudem Polarhasen an den sukkulenten Blättern, während Weidetiere lokale Bestände dezimieren können.[3] Anthropogene Einflüsse wie Küstenbebauung, Kiesabbau und Freizeitaktivitäten führen zu massiven Habitatverlusten und Trittschäden an den empfindlichen Beständen. Konkurrenz durch invasive Arten wie den Gelben Hornmohn oder Besenginster verdrängt die konkurrenzschwache Pionierpflanze zunehmend. Aufgrund dieser Gefährdung unterliegt *Mertensia maritima* in Regionen wie Massachusetts und Nordirland strengen gesetzlichen Schutzbestimmungen, die das Sammeln oder die Zerstörung des Habitats untersagen. Effektive Schutzmaßnahmen umfassen die bauliche Abgrenzung von Wuchsorten durch Zäune oder Seile, um Trittbelastungen durch Fußgänger und Fahrzeuge zu verhindern.[2] Zur Bestandserhaltung werden Samenbanken angelegt und Wiederansiedlungsprojekte durchgeführt, wobei die Keimruhe durch mehrwöchige Kältestratifikation gebrochen werden muss.[9][2] Monitoring-Programme überwachen Populationsentwicklungen und invasive Neophyten, deren Entfernung oft behördliche Rücksprache erfordert.[2]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Relevanz von *Mertensia maritima* liegt primär in der Nutzung als Nischenkultur für die Gastronomie und den Zierpflanzenbau.[3][2] In der modernen Gourmetküche werden die Blätter aufgrund ihres Gehalts an Dimethylsulfid, das ein Austern-Aroma erzeugt, als exklusive Zutat für Salate und Fischgerichte kultiviert. Der kommerzielle Anbau erfolgt zunehmend in Form von Microgreens, da junge Blätter eine höhere Zartheit und Geschmacksintensität aufweisen. Historisch besaß die Art für indigene Völker der Arktis eine ökonomische Bedeutung als sammelbares Nahrungsmittel zur Vermeidung von Mangelerscheinungen wie Skorbut.[3] Im Gartenbau wird die Pflanze für maritime Steingärten vermarktet, wobei ihre Salztoleranz und das blaugraue Laub wertbestimmende Faktoren sind. Als Schädling tritt die Art nicht in Erscheinung; vielmehr führen Fraßschäden durch Schnecken in der Kultur zu qualitativen Verlusten und erfordern Bekämpfungsmaßnahmen.[2] In Wildbeständen können Weidetiere oder Wildverbiss durch Schneehasen die Biomasse reduzieren, was die lokale Verfügbarkeit für traditionelle Sammler einschränkt.[7] Für den Naturschutz entstehen in Regionen wie Massachusetts öffentliche Kosten durch notwendige Absperrungen und Monitoring-Programme zum Erhalt der gefährdeten Bestände.[2]

Biologie & Lebenszyklus

Die Austernpflanze (*Mertensia maritima*) ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die als Hemikryptophyt überwintert und im Frühjahr (später April bis Mai) aus unterirdischen Rhizomen oder einer Pfahlwurzel austreibt.[1][2] Im ersten Jahr nach der Keimung bildet die Pflanze typischerweise nur eine vegetative Blattrosette aus, während die reproduktive Reife meist erst im zweiten Jahr erreicht wird. Die Blütezeit erstreckt sich in nördlichen Breiten von Juni bis August, wobei sich die glockenförmigen Blüten von rötlich-rosa zu leuchtend blau verfärben, was Bestäubern die Reife signalisiert.[2] Obwohl die Bestäubung primär durch Insekten wie Hummeln und Schwebfliegen erfolgt (Entomophilie), ist die Art selbstkompatibel und nutzt häufig Autogamie durch Selbstbestäubung.[1] Nach der Befruchtung entwickeln sich von Juli bis September Spaltfrüchte, die in vier kantige, braune Teilfrüchte (Klausen) zerfallen.[3] Diese Samen sind schwimmfähig und bleiben im Meerwasser bis zu 18 Tage keimfähig, was eine hydrochore Ausbreitung über Meeresströmungen ermöglicht. Für die Keimung ist eine Kaltstratifikation bei etwa 2 °C über mehrere Wochen (oft 8–12 Wochen) notwendig, um die Dormanz zu brechen. Physiologisch ist *Mertensia maritima* als Crynohalophyt an extreme Küstenbedingungen angepasst und besitzt Salzdrüsen auf der Blattoberfläche zur Exkretion überschüssiger Salze sowie eine dicke Wachsschicht gegen Austrocknung. Sie besiedelt nährstoffarme Substrate wie Sand und Kies, profitiert jedoch von organischem Material aus zersetzendem Seetang, der als Nährstoffquelle dient. Es wird angenommen, dass Mykorrhiza-Assoziationen, ähnlich wie bei vergesellschafteten Arten (*Leymus arenarius*), die Nährstoffaufnahme in diesen kargen Böden unterstützen. Individuelle Pflanzen (Genets) erreichen eine Lebensdauer von etwa fünf Jahren, bevor Seneszenz eintritt, wobei sich Bestände auch klonal durch Rhizomfragmente erhalten können. Zu den natürlichen Feinden zählen in arktischen Regionen Schneehasen, die das saftige Laub fressen, sowie Schnecken, die besonders in Kultur oder südlicheren Habitaten Schäden verursachen können.[2] Im Herbst sterben die oberirdischen Teile ab und die Pflanze überdauert die Wintermonate in einem Ruhestadium unter der Erde.[1]

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von *Mertensia maritima* ist zirkumpolar und erstreckt sich über die arktischen und subarktischen Küsten der Nordhalbkugel.[1] In Nordamerika reicht das Vorkommen von Alaska über den kanadischen Arktis-Archipel bis nach Labrador und südlich bis zur Nordostküste der USA, etwa in Massachusetts.[2][1] Zum europäischen Areal gehören Island, Skandinavien, Dänemark sowie die Britischen Inseln, wobei die Bestände dort vorwiegend in Schottland und Irland liegen.[3][2] Asiatische Populationen finden sich entlang der Küsten Nordost-Sibiriens, auf Kamtschatka und im nördlichen Japan.[1][3] Die Art besiedelt als spezialisierter Bewohner die oberen Zonen von Kies- und Schotterstränden sowie sandige Vordünen oberhalb der Spülsäume.[2] Diese Standorte liegen typischerweise in einer Höhenstufe von 1 bis 10 Metern und befinden sich in Reichweite der höchsten Winterfluten oder der Gischtzone.[1][2] *Mertensia maritima* bevorzugt gut durchlüftete, nährstoffarme Substrate wie Sand oder Geröll, die durch Wellenschlag und Wind regelmäßig umgelagert werden.[6][7] Als kälteliebende Art (Crynohalophyt) gedeiht sie in kühlen, maritimen Klimazonen und toleriert hohe Salzbelastungen sowie intensive Sonneneinstrahlung.[2] Die Pflanze wächst oft in artenarmen Pioniergesellschaften vergesellschaftet mit Strandhafer (*Ammophila*), Meersenf (*Cakile*) und Strandplatterbse (*Lathyrus japonicus*).[1] Aufgrund der Mobilität der über das Meer verbreiteten Samen unterliegt das Verbreitungsmuster einer stetigen Dynamik, wobei historische Rückgänge an den südlichen Arealrändern, etwa in England, durch Neubesiedlungen im Norden teilweise ausgeglichen wurden.[3][2]

Saisonalität & Aktivität

Mertensia maritima ist eine ausdauernde krautige Pflanze, deren oberirdische Vegetationskörper im Herbst absterben, während das Wurzelsystem mit den Rhizomen im Boden überwintert. Der Neuaustrieb aus den Ruheknospen erfolgt im Frühjahr, in den nativen Küstenhabitaten typischerweise zwischen Ende April und Mai. In der initialen Wachstumsphase bis Juni bildet die Pflanze eine zentrale Blattrosette aus, bevor sich die niederliegenden Stängel entwickeln. Die Blütezeit erstreckt sich in den nördlichen Breiten hauptsächlich von Juni bis August, wobei sich die Blütenstände während der Fruchtreife leicht verlängern. Während dieser Phase öffnen sich die Blüten zunächst rötlich-rosa und wechseln nach der Bestäubung zu einem hellen Blau, was Insekten die Reife signalisiert. Die Fruchtreife der Nüsschen schließt sich von Juli bis September an.[1] Samen benötigen zur Brechung der Dormanz eine Kaltstratifikation bei etwa 2 °C über mehrere Wochen. Die Keimung erfolgt daher oft verzögert und unregelmäßig erst im darauffolgenden Frühjahr.[2] Individuelle Pflanzen erreichen ein Alter von fünf Jahren oder mehr, wobei die Seneszenz typischerweise nach diesem Zeitraum einsetzt.[1] Das öffentliche Suchinteresse spiegelt diesen phänologischen Zyklus wider und verzeichnet im April zum Start der Vegetationsperiode signifikante Höchstwerte.

Quellen & Referenzen

  1. https://explorer.natureserve.org/Taxon/ELEMENT_GLOBAL.2.129151/Mertensia_maritima
  2. https://www.gbif.org/species/5341246
  3. https://specialtyproduce.com/produce/Oyster_Leaf_7567.php
  4. https://modernfarmer.com/2019/04/this-funky-leaf-is-the-plant-worlds-answer-to-briny-bivalves/
  5. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:118618-1
  6. https://www.jeremybartlett.co.uk/2019/01/23/oysterplant-mertensia-maritima/
  7. https://speciesontheedge.co.uk/oysterplant/
  8. https://arcticwildlifeknowledge.com/arctic-lungwort-mertensia-maritima/
  9. https://trueharvestseeds.org/conservation-of-endangered-plants/
  10. Literaturzusammenfassung: Mertensia maritima