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Lexikon-Eintrag

Bulldoggenameisen Myrmeciinae

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Bulldoggenameisen

Einleitung

Die *Myrmeciinae* sind eine Unterfamilie der Ameisen (Formicidae), die als eine der ursprünglichsten heute lebenden Gruppen gilt und die artenreiche Gattung *Myrmecia* sowie die monotypische *Nothomyrmecia* umfasst.[1] Die oft als Bulldoggenameisen (engl. „bull ants“ oder „jack jumper ants“) bezeichneten Tiere sind große, visuell orientierte Räuber, die sich durch lange Mandibeln und einen wirksamen Giftstachel auszeichnen. Während fossile Nachweise eine einst weite Verbreitung auf der Nordhalbkugel belegen, sind die rezenten Vertreter als Relikte einer alten Gondwana-Linie heute auf Australien und Neukaledonien beschränkt.[2]

Fakten (kompakt)

- Die Gattung *Myrmecia* umfasst etwa 93 wissenschaftlich beschriebene Arten. - Eine Spezies wurde historisch nach Neuseeland eingeschleppt, dort jedoch zuletzt im Jahr 1981 gesichtet. - *Nothomyrmecia macrops* ist aufgrund ihrer Primitivität auch unter den Bezeichnungen „Dinosaurier-Ameise“ (dinosaur ant) oder „Morgenröte-Ameise“ (dawn ant) bekannt. - Der Bestand von *Nothomyrmecia* gilt aufgrund von Habitatverlusten in den Mallee-Wäldern Südaustraliens als kritisch gefährdet. - Auguste Forel stufte das Taxon 1893 vorübergehend als Tribus *Myrmeciini* innerhalb der Unterfamilie Ponerinae ein. - William Morton Wheeler veröffentlichte 1933 eine Monografie, die das solitäre Gründungsverhalten der Gruppe als Beleg für ihre basale Position in der Evolution hervorhob. - Diagnostische Bestimmungsschlüssel, die Merkmale wie die reduzierte Flügeladerung definierten, wurden in den 1950er Jahren von John Clark und William Brown erstellt.[7]

Name & Einordnung

Die wissenschaftliche Bezeichnung der Unterfamilie *Myrmeciinae* leitet sich von der Typusgattung *Myrmecia* ab, die 1804 von Fabricius beschrieben wurde. Etymologisch basiert der Name auf dem altgriechischen Wort *myrmēx* (Ameise), kombiniert mit dem taxonomischen Suffix „-inae“. Das Taxon wurde erstmals 1877 durch den italienischen Entomologen Carlo Emery als eigenständige Familie Myrmeciidae aufgestellt, abgegrenzt durch morphologische Merkmale wie den Stachelapparat und verlängerte Mandibeln. In späteren historischen Klassifikationen, etwa durch Auguste Forel (1893) oder William Ashmead (1905), wurde die Gruppe oft als Tribus oder Unterfamilie den Ponerinae beziehungsweise Poneridae zugeordnet.[3] Umfassende Revisionen im Jahr 2003 durch Barry Bolton sowie Philip S. Ward und Seán G. Brady bestätigten jedoch die Monophylie der *Myrmeciinae* und festigten ihren heutigen Status als valide Unterfamilie innerhalb der Formicidae.[1] Phylogenetisch gelten sie als eine der ursprünglichsten, basalen Linien der heute lebenden Ameisen.[4] Die Unterfamilie gliedert sich taxonomisch in die zwei Triben Myrmeciini (mit der Gattung *Myrmecia*) und Prionomyrmecini (mit *Nothomyrmecia* und fossilen Vertretern).[1] Im englischen Sprachraum sind Trivialnamen wie „bull ants“, „bulldog ants“ oder „jack jumper ants“ gebräuchlich.[2] Fossilfunde belegen zudem, dass die Gruppe im Eozän weit verbreitet war, bevor sie sich auf ihr heutiges Reliktareal in Australasien beschränkte.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Arbeiterinnen der Unterfamilie *Myrmeciinae* zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Körpergröße aus, die typischerweise zwischen 10 und 37 mm variiert, womit sie zu den größten Ameisenarten zählen.[1] Ein charakteristisches Bestimmungsmerkmal sind die verlängerten, oft dreieckigen Mandibeln, die gezähnt und für das Ergreifen von Beute oder Gegnern optimiert sind.[2][1] Der Kopf trägt bei der Gattung *Myrmecia* auffällig große Komplexaugen, die ein exzellentes Sehvermögen ermöglichen, während diese bei der primitiveren Gattung *Nothomyrmecia* reduziert sind. Der Körperbau weist ursprüngliche Merkmale auf, darunter einen einfachen, unverschmolzenen Petiolus, der eine eingliedrige Taille bildet, sowie Metapleuraldrüsen mit unbedeckter Öffnung.[1] Alle weiblichen Kasten verfügen über einen gut entwickelten, funktionstüchtigen Stachelapparat, der sich aus dem Ovipositor ableitet und zur Verteidigung sowie Jagd dient.[1][6] Die Beine sind lang und schlank, was den Tieren eine hohe Beweglichkeit und Schnelligkeit bei der terrestrischen Fortbewegung verleiht. Farblich zeigen die Tiere oft aposematische Muster in Schwarz, Rot und Gelb, wie etwa die rot-schwarze Zweifarbigkeit auf Kopf und Thorax vieler *Myrmecia*-Arten.[1][2] Im Gegensatz dazu ist *Nothomyrmecia macrops* einfarbig blassgelb gefärbt und mit 10 bis 12 mm Körperlänge deutlich kleiner als viele ihrer Verwandten. Ein Sexualdimorphismus ist deutlich ausgeprägt: Königinnen erreichen Körperlängen bis zu 40 mm und besitzen einen verbreiterten Thorax für die Flugmuskulatur sowie Ocellen zur Orientierung. Während *Myrmecia*-Königinnen geflügelt sind, treten bei *Nothomyrmecia* brachyptere (kurzflügelige) Königinnen auf, die sich in der Größe kaum von Arbeiterinnen unterscheiden. Männchen sind mit 11 bis 25 mm meist kleiner, besitzen reduzierte Mandibeln, vergrößerte Ocellen und genikulate (geknickte) Antennen, verfügen jedoch über keinen Stachel. Innerhalb der Gattung *Myrmecia* existiert oft ein ausgeprägter Polymorphismus, bei dem Major-Arbeiterinnen fast doppelt so groß wie Minor-Arbeiterinnen sein können.[1] Fossile Funde in Bernstein belegen zudem primitive Flügeladerungen und Setae-Muster, die die basale Stellung der Unterfamilie innerhalb der Formicidae unterstreichen.[1][2]

Beschreibung

Die Unterfamilie *Myrmeciinae* umfasst einige der ursprünglichsten heute lebenden Ameisenarten, die sich durch ihre solitäre Lebensweise und eine beachtliche Körpergröße von 10 bis 37 mm auszeichnen.[1][2] Im Gegensatz zu höher entwickelten Ameisen, die stark auf Pheromonspuren angewiesen sind, agieren diese Tiere primär als visuelle Jäger, die ihre Beute mit großen Komplexaugen und exzellentem Sehvermögen aufspüren.[5][4] Im natürlichen Lebensraum fallen sie durch ihre langen Beine auf, die eine schnelle Fortbewegung ermöglichen, wobei einige Arten bei Bedrohung Sprünge von mehreren Zentimetern vollführen können.[2][1] Ihre charakteristischen, verlängerten Mandibeln dienen als Greifwerkzeuge, mit denen sie Beute oder Angreifer packen, um anschließend ihren giftigen Stachel effektiv einzusetzen.[1] Dieser Stachelapparat, der sich evolutionär aus dem Ovipositor ableitet, injiziert bioaktive Peptide, die bei Wirbeltieren starke Schmerzen und Schwellungen verursachen.[3] Die Färbung der Tiere variiert oft zwischen Schwarz, Rot und Gelb, was als aposematisches Signal dient, um Fressfeinde vor ihrer Wehrhaftigkeit zu warnen. Ein anatomisches Merkmal ist der einfache, nicht verschmolzene Petiolus, der eine einschnürende Taille bildet, sowie das Vorhandensein offener Metapleuraldrüsen. Die Larvenentwicklung verläuft primitiver als bei anderen Unterfamilien, da die Larven nicht ausschließlich durch flüssige Trophallaxis, sondern direkt mit Stücken von Insektenbeute wie Käfern oder Motten gefüttert werden. Geschlechtsdimorphismus ist deutlich ausgeprägt: Königinnen übertreffen die Arbeiterinnen an Größe und erreichen bis zu 40 mm, wobei sie einen verbreiterten Thorax für die Flugmuskulatur aufweisen. Eine Ausnahme bildet die Gattung *Nothomyrmecia*, deren Königinnen kurzflügelig (brachypter) sind und sich in der Größe kaum von den Arbeiterinnen unterscheiden. Männchen sind generell kleiner, besitzen reduzierte Mandibeln, vergrößerte Ocellen zur Orientierung beim Hochzeitsflug und verfügen über keinen Stachel. Eine Besonderheit im Lebenszyklus vieler *Myrmeciinae* ist die Fähigkeit von Arbeiterinnen, sich in königinlosen Kolonien zu sogenannten Gamergates zu entwickeln, die begattet werden und befruchtete Eier legen können. Die Koloniegründung erfolgt meist durch eine einzelne Königin, die während der Gründungsphase das Nest verlässt, um Nahrung zu suchen (nicht-claustrale Gründung). Historisch betrachtet waren diese Ameisen im Eozän weltweit verbreitet, stellen heute jedoch ein Relikt einer alten Gondwana-Linie dar, die fast ausschließlich auf Australien beschränkt ist. Innerhalb der Unterfamilie gilt *Nothomyrmecia macrops* als „lebendes Fossil“, das ursprüngliche Merkmale wie nachtaktive Lebensweise bei niedrigen Temperaturen und eine geringe soziale Komplexität bewahrt hat.[1]

Verhalten

Die Vertreter der *Myrmeciinae* zeichnen sich durch ein überwiegend solitäres Jagdverhalten aus, bei dem einzelne Arbeiterinnen visuell nach Beute suchen, anstatt den für viele andere Ameisen typischen Pheromonspuren zu folgen.[2][6] Ihre langen Beine ermöglichen eine schnelle Fortbewegung mit Geschwindigkeiten von bis zu 3 cm/s, wobei einige *Myrmecia*-Arten Sprünge von mehreren Zentimetern ausführen können, um fliegende Insekten zu erbeuten.[1] Die Orientierung erfolgt primär optisch über Wegintegration und das Gedächtnis für Landmarken, was durch die großen Komplexaugen begünstigt wird.[6][5] Die Aktivitätsmuster variieren stark und reichen von tagaktivem Verhalten bis hin zu strikter Nachtaktivität bei Arten wie *Myrmecia pyriformis* oder *Nothomyrmecia macrops*, die das Restlicht der Dämmerung oder des Mondes nutzen. Innerhalb der Kolonie ist die Kommunikation über akustische Signale wie Stridulation selten, und Rekrutierungsmechanismen wie der Tandemlauf fehlen weitgehend. Zur Verteidigung setzen Arten wie *Myrmecia gulosa* Alarmpheromone aus der Rektaldrüse ein, um Nestgenossen zu alarmieren und eine territoriale Aggression auszulösen.[1] Bei Bedrohung nutzen die Tiere ihre gezahnten Mandibeln für einen festen Griff, um anschließend ihren flexiblen Hinterleib für wiederholte Stiche mit ihrem potenten Giftapparat einzusetzen.[2][3] Soziale Interaktionen wie die Trophallaxis (Futteraustausch von Mund zu Mund) sind im Vergleich zu höher entwickelten Unterfamilien nur schwach ausgeprägt oder fehlen. *Nothomyrmecia macrops* zeigt zudem spezifische Anpassungen an nachtaktive Begegnungen, indem sie Mandibeldrüsensekrete als Alarmsignale im Nahbereich nutzt.[1]

Ökologie

Die Vertreter der *Myrmeciinae* besiedeln diverse Habitate in Australien, die von offenen Wäldern und Heidelandschaften bis hin zu Küstendünen und urbanen Räumen reichen. Nester werden tief im sandigen oder lockeren Boden angelegt und befinden sich zur strukturellen Stabilisierung sowie für ein stabiles Mikroklima häufig an der Basis von Eukalyptusbäumen. Die Nesteingänge sind oft durch Laubstreu getarnt oder durch kleine Türme aus ausgehobenem Boden erhöht, was der Belüftung und Verteidigung dient.[2] Als Spitzenprädatoren in ihrem Mikrokosmos jagen die Arbeiterinnen primär Arthropoden wie Käfer, Motten und Spinnen, um die Larven mit Proteinen zu versorgen.[3][1] Adulte Tiere ernähren sich opportunistisch und decken ihren Energiebedarf ergänzend durch pflanzliche Flüssigkeiten wie Nektar, Pflanzensäfte und Honigtau sowie durch Aas.[1] Im Gegensatz zu vielen anderen Ameisen nutzen sie eine solitäre Strategie zur Nahrungssuche, bei der sie sich visuell orientieren, statt Pheromonspuren zu folgen. Die Aktivitätsmuster variieren stark: Während *Myrmecia gulosa* tagaktiv ist, nutzen Arten wie *Myrmecia pyriformis* die Dämmerung oder Nacht für die Jagd, um Lichtverhältnisse effizient auszunutzen.[6][1] Viele *Myrmecia*-Arten sind an feuergefährdete Eukalyptuswälder angepasst und besitzen widerstandsfähige Neststrukturen, die eine Erholung der Kolonie nach Bränden ermöglichen. Eine hochspezialisierte ökologische Nische besetzt *Nothomyrmecia macrops* in alten Mallee-Wäldern, wo sie durch nächtliche Lebensweise und physiologische Anpassungen in wasserarmen Gebieten überlebt.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Myrmeciinae fungieren in ihren Verbreitungsgebieten als ökologisch bedeutsame Spitzenprädatoren, die Populationen anderer Arthropoden regulieren.[2][1] Aufgrund ihrer wirkungsstarken Wehrstacheln und aggressiven Verteidigung werden sie im direkten Kontakt mit dem Menschen jedoch als gesundheitlich relevante Schädlinge eingestuft. Das primäre Schadpotenzial liegt in der medizinischen Wirkung des Giftes, das bei Stichen injiziert wird und intensive, brennende Schmerzen verursacht.[2] Das Gift enthält bioaktive Peptide wie Pilosuline, die eine Histaminausschüttung bewirken und starke Schwellungen auslösen können.[3] Bei sensibilisierten Personen besteht das Risiko schwerer allergischer Reaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock.[2][3] Typische Anzeichen für ein Vorkommen sind die auffälligen, großen Arbeiterinnen sowie Erdhügelnester, die oft unter Laubstreu oder an Baumstümpfen angelegt werden. Da die Tiere über ein exzellentes Sehvermögen verfügen, erkennen sie Bedrohungen frühzeitig und verfolgen Eindringlinge aktiv. Zur Prävention von Stichen wird in besiedelten Gebieten das Tragen von festem Schuhwerk und langer Kleidung empfohlen, da die Ameisen zubeißen, um den Stachel effektiv einzusetzen. Einige Arten, bekannt als Jack Jumper, können bei Gefahr gezielte Sprünge über mehrere Zentimeter ausführen, was den notwendigen Sicherheitsabstand erhöht.[2] Eine chemische oder physikalische Bekämpfung muss differenziert betrachtet werden, da nicht alle Vertreter der Unterfamilie häufig sind. Rechtliche Aspekte des Artenschutzes sind insbesondere bei *Nothomyrmecia macrops* relevant, die in Südaustralien endemisch ist. Diese Art gilt aufgrund von Habitatverlusten als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) und unterliegt entsprechenden Schutzbestimmungen, was Bekämpfungsmaßnahmen ausschließt.[1]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Relevanz der *Myrmeciinae* ist primär durch ihre medizinische Bedeutung für den Menschen sowie ihren ökologischen Nutzen definiert.[2] Besonders Arten wie *Myrmecia pilosula* besitzen ein potentes Gift, das bioaktive Peptide wie Pilosuline enthält. Stiche dieser Ameisen verursachen intensive Schmerzen und können bei sensibilisierten Personen schwere allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen.[1] Da diese Arten auch in städtischen Räumen und Gärten nisten, stellen sie ein potenzielles Gesundheitsrisiko für Anwohner dar.[2] Im Gegensatz zu klassischen Material- oder Vorratsschädlingen verursachen *Myrmeciinae* jedoch keine Schäden an Bausubstanz oder landwirtschaftlichen Kulturen.[1] Vielmehr agieren sie als nützliche Prädatoren, die sich überwiegend von anderen Arthropoden wie Käfern, Motten und Spinnen ernähren.[2] Durch dieses aggressive Jagdverhalten tragen sie signifikant zur Regulation von Insektenpopulationen in ihren Verbreitungsgebieten bei. Die ergänzende Aufnahme von Nektar und Honigtau dient lediglich der Energieversorgung der Arbeiterinnen und führt nicht zu relevanten wirtschaftlichen Verlusten an Pflanzenbeständen.[1]

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzung der *Myrmeciinae* beginnt mit saisonalen Hochzeitsflügen, die typischerweise im späten Frühling und Sommer stattfinden, wobei die Geschlechtstiere vorwiegend in der Dämmerung ausschwärmen.[2] Königinnen verhalten sich promiskuitiv und paaren sich oft mit mehreren Männchen, wobei genetische Analysen bei *Myrmecia pyriformis* durchschnittlich 2,6 Paarungspartner pro Königin nachweisen konnten.[1] Die Koloniegründung erfolgt meist haplometrotisch durch eine einzelne Königin, die im Gegensatz zu vielen höheren Ameisenarten ein non-claustrales Verhalten zeigt und während der Gründungsphase das Nest zur Nahrungssuche verlassen muss.[3][1] Eine Königin legt initial ein Gelege von 10 bis 20 Eiern, aus denen fleischfressende Larven schlüpfen, die auf eine kontinuierliche Versorgung mit frischen Arthropoden angewiesen sind. Die Entwicklung vom Ei bis zur Imago dauert etwa zwei bis drei Monate, wobei die Puppenruhe vier bis sechs Wochen in Anspruch nimmt.[1] Während die Larven ausschließlich mit proteinreicher Beute wie Insekten und Spinnen gefüttert werden, ernähren sich adulte Arbeiterinnen opportunistisch von flüssigen Kohlenhydraten wie Nektar, Pflanzensäften und Honigtau.[2] Ein physiologisch primitives Merkmal der *Myrmeciinae* ist das Vorkommen von Gamergaten, begatteten Arbeiterinnen, die in weisellosen Kolonien die sexuelle Reproduktion übernehmen können. Dieses Phänomen sichert das Überleben der Kolonie bei Verlust der Königin und ist sowohl bei *Myrmecia*-Arten als auch bei *Nothomyrmecia macrops* dokumentiert. Königinnen weisen eine außergewöhnliche Langlebigkeit auf und können ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen, während Arbeiterinnen meist nur ein bis zwei Jahre leben. Die Lebensdauer einer etablierten Kolonie kann in der Natur 10 bis 25 Jahre betragen. In ariden Gebieten oder während kühlerer Perioden legen manche Arten wie *Myrmecia forficata* eine saisonale Diapause ein, um Stoffwechselressourcen zu schonen. Die Mortalität während der Gründungsphase ist extrem hoch; Schätzungen zufolge sterben bis zu 90 % der Königinnen durch Prädation oder Umweltstress, bevor die ersten Arbeiterinnen schlüpfen. Der soziale Futteraustausch (Trophallaxis) ist bei diesen Ameisen im Vergleich zu abgeleiteten Unterfamilien nur schwach ausgeprägt oder fehlt gänzlich.[1]

Vorkommen & Lebensraum

Die Unterfamilie *Myrmeciinae* ist heute endemisch in Australasien verbreitet, wobei sich das rezente Vorkommen fast ausschließlich auf das australische Festland und Tasmanien konzentriert.[2][3] Während die artenreiche Gattung *Myrmecia* in allen australischen Bundesstaaten und Territorien anzutreffen ist, beschränkt sich das Areal der monotypischen Gattung *Nothomyrmecia* auf die Eyre-Halbinsel in Südaustralien.[2][1] Einzig *Myrmecia apicalis* kommt als native Art außerhalb Australiens auf Neukaledonien, speziell der Île des Pins, vor.[1] Historisch war die Gruppe im Eozän (vor ca. 56–34 Millionen Jahren) weitläufiger verbreitet und besiedelte auch die Nordhalbkugel, einschließlich Europa und Nordamerika.[2][3] Fossile Funde in europäischem Bernstein oder der Grube Messel belegen diese einstige holarktische Verbreitung, bevor die Unterfamilie dort im frühen Oligozän ausstarb. In Europa und dem deutschsprachigen Raum existieren daher keine rezenten natürlichen Vorkommen.[1] Eine historische Einschleppung einer *Myrmecia*-Art nach Neuseeland ist dokumentiert, jedoch gilt diese Population seit der letzten Sichtung im Jahr 1981 als erloschen. Die besiedelten Habitate sind vielfältig und reichen von offenen Eukalyptuswäldern und Heidelandschaften (Mallee) bis hin zu Küstendünen.[2] Dichte Regenwälder werden in der Regel gemieden, stattdessen präferieren die Ameisen gemäßigte bis subtropische Klimazonen mit warmen, trockenen Bedingungen.[3] Nester werden meist tief im sandigen oder lockeren Boden angelegt, oft verborgen unter Laubstreu oder erkennbar an kleinen Erdhügeln. In Waldgebieten nutzen die Kolonien häufig die Basis von Eukalyptusbäumen (*Eucalyptus* spp.) als Neststandort, was strukturelle Stabilität bietet.[1] Einige Arten, wie Vertreter des *Myrmecia pilosula*-Komplexes, dringen auch in urbane Siedlungsbereiche und Gärten vor, solange geeignete offene Flächen vorhanden sind.[2][1] Spezialisten wie *Nothomyrmecia macrops* sind hingegen strikt an alte Mallee-Eukalyptusbestände gebunden und durch Habitatverlust stark gefährdet.[1]

Saisonalität & Aktivität

Die reproduktiven Schwarmflüge der *Myrmeciinae* finden saisonal gebunden in den wärmeren Monaten statt, typischerweise vom späten Frühling bis zum Sommer in Australien. Geschlechtstiere verlassen die Nester dabei primär in der Dämmerung oder am frühen Abend, wobei Königinnen oft einzeln oder in kleinen Gruppen starten, statt massive Schwärme zu bilden.[2] Das tägliche Aktivitätsmuster variiert stark innerhalb der Unterfamilie: Während viele *Myrmecia*-Arten tag- oder dämmerungsaktiv sind, jagen andere spezialisierte Arten nachts. Beispielsweise verlassen Arbeiterinnen von *Myrmecia pyriformis* das Nest in der Abenddämmerung und kehren im Morgengrauen zurück, um bei schlechten Lichtverhältnissen visuell zu jagen.[5] Auch die seltene Art *Nothomyrmecia macrops* ist strikt nachtaktiv, was ihr das Überleben in ariden Lebensräumen durch Vermeidung von Tageshitze ermöglicht. In Regionen mit ausgeprägten Jahreszeiten oder Trockenperioden treten Kolonien in eine Phase der Dormanz ein. Während dieser Ruhephasen, wie sie bei *Myrmecia forficata* beobachtet wurden, reduzieren die Ameisen ihre metabolische Aktivität und stellen die Nahrungssuche weitgehend ein, bis günstige Feuchtigkeits- und Temperaturverhältnisse zurückkehren. Die Brutentwicklung verläuft temperaturabhängig, wobei Larven nach dem Schlüpfen etwa vier bis sechs Wochen bis zur Verpuppung benötigen. Bei der Koloniegründung erscheinen die ersten Arbeiterinnen typischerweise nach zwei bis drei Monaten, woraufhin die externe Aktivität der Kolonie zunimmt.[1]

Quellen & Referenzen

  1. https://www.antwiki.org/w/images/8/86/Ward_%26_Brady_2003.pdf
  2. https://australian.museum/learn/animals/insects/bull-ants/
  3. https://antcat.org/catalog/429387
  4. https://doi.org/10.1016/j.ympev.2023.107825
  5. https://ecologicalneuroscience.com/wp-content/uploads/2015/03/reid-aust-j-zool.pdf
  6. https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2018.00016/full
  7. Literaturzusammenfassung: Myrmeciinae