Das Phylum *Nematoda* wurde 1861 von Karl Moriz Diesing formal als höherer taxonomischer Rang etabliert, nachdem der Parasitologe Karl Asmus Rudolphi die Gruppe bereits 1808 unter dem Namen "Nematoidea" von den Plattwürmern (*Platyhelminthes*) abgegrenzt hatte. Der wissenschaftliche Name ist ein neulateinisches Kompositum aus den altgriechischen Begriffen *nêma* (Faden) und *-ōdēs* (ähnlich), was die charakteristische fadenförmige Morphologie der Tiere beschreibt.[1] Nathan A. Cobb erhob die Gruppe später in den Rang eines Stammes, wobei er 1919 zunächst die Bezeichnung *Nemates* vorschlug und 1932 die formale Diagnose für *Nematoda* publizierte.[1] Im deutschen Sprachraum sind die Trivialnamen "Fadenwürmer" oder "Nematoden" gebräuchlich, während sich im Englischen ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Begriff "roundworms" aufgrund des runden Körperquerschnitts durchsetzte.[1] Historische Klassifikationssysteme, wie die 1937 von Benjamin G. Chitwood eingeführte Unterteilung in die Klassen Aphasmidia und Phasmidia, basierten primär auf dem Vorhandensein kaudaler sensorischer Organe (Phasmiden). Moderne phylogenetische Analysen ordnen die *Nematoda* dem Überstamm der Ecdysozoa (Häutungstiere) zu und bestätigen ihre Monophylie als Schwestergruppe der *Nematomorpha* (Saitenwürmer).[1] Aktuell wird der Stamm in die zwei Hauptkladen Enoplea und Chromadorea unterteilt, wobei die frühere Klasse Secernentea inzwischen in die Chromadorea integriert wurde.[2] Diese Einordnung basiert auf einer Kombination aus molekularen Daten, wie 18S rRNA-Sequenzen, und morphologischen Merkmalen.[1][2]
Nematoden besitzen einen unsegmentierten, bilateral symmetrischen und zylindrischen Körper, der sich zu beiden Enden hin verjüngt. Die Körperlänge variiert stark von etwa 0,2 mm bei winzigen freilebenden Arten bis zu über 9 Metern bei bestimmten Parasiten, wobei der Durchmesser meist unter 1 mm bleibt.[1] Der Körper ist von einer widerstandsfähigen, flexiblen und azellulären Kutikula umhüllt, die primär aus kollagenartigen Proteinen besteht und als hydrostatisches Skelett dient.[1][4] Obwohl eine echte Segmentierung fehlt, kann die äußere Oberfläche ringförmige Verdickungen oder Leisten aufweisen. Am Kopfende befinden sich paarige chemosensorische Organe, die Amphiden, deren Form von einfachen Poren bei freilebenden Taxa bis zu Spiralen oder Taschen bei Parasiten reicht.[1] Die Mundhöhle (Stoma) ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal und kann unbewehrt sein, sklerotisierte Zähne aufweisen oder bei pflanzenparasitären Ordnungen wie *Tylenchida* mit einem hohlen Stilett zum Anstechen von Gewebe ausgestattet sein.[6][1] Im Gegensatz zu Gliederfüßern fehlen Nematoden jegliche Gliedmaßen, Zilien sowie spezialisierte Atmungs- oder Kreislaufsysteme.[4] Ein Sexualdimorphismus ist bei getrenntgeschlechtlichen Arten ausgeprägt, wobei Männchen typischerweise kleiner als Weibchen sind und am Hinterende begattungsspezifische Spicula besitzen.[1] Bei hermaphroditischen Modellorganismen wie *Caenorhabditis elegans* ist der Körper transparent, was die Beobachtung der inneren Organe ermöglicht.[4] Die Entwicklung verläuft über vier Juvenilstadien (J1 bis J4), die jeweils durch eine Häutung (*Ecdysis*) der Kutikula voneinander getrennt sind. Infektiöse Larvenstadien zeigen oft spezifische Anpassungen, wie etwa die scheidenbedeckten L3-Larven bei Hakenwürmern oder die mobilen J2-Stadien bei Wurzelgallennematoden. Weibchen können enorme Mengen an Eiern produzieren, wobei bei Zystennematoden (*Heterodera* spp.) die weibliche Kutikula zu einer dauerhaften Zyste aushärtet, die die Eier im Boden schützt. Morphologisch grenzen sich *Nematoda* durch den runden Querschnitt und das Fehlen einer Segmentierung von Ringelwürmern (Anneliden) und durch die pseudocoelomate Leibeshöhle von Plattwürmern (*Platyhelminthes*) ab.[1] Von den äußerlich ähnlichen Saitenwürmern (*Nematomorpha*) unterscheiden sie sich unter anderem durch den Besitz eines vollständigen Verdauungstraktes, der der Nährstoffverarbeitung dient.[4][1]
Die *Nematoda* (Fadenwürmer) zeichnen sich durch einen unsegmentierten, bilateral symmetrischen und zylindrischen Körperbau aus, der von einer flexiblen Kutikula umhüllt ist.[4] Da ihnen spezialisierte Atmungs- und Kreislaufsysteme fehlen, erfolgt der Stoffaustausch über Diffusion, unterstützt durch ein Pseudocoel, das als hydrostatisches Skelett fungiert.[1] Die Fortbewegung erfolgt charakteristisch durch sinusförmige Wellenbewegungen, die durch die Kontraktion der Längsmuskulatur gegen den Innendruck der Körperflüssigkeit erzeugt werden.[4] Ein zentrales anatomisches Merkmal ist die mehrschichtige, kollagenhaltige Kutikula, die mechanischen Schutz bietet und während des Wachstums viermal gehäutet wird (Ecdysis). Die Körpergröße variiert extrem, von mikroskopischen 0,2 mm bei Bodenbewohnern bis zu über acht Metern bei spezialisierten Walparasiten, wobei der Durchmesser meist gering bleibt.[1] Der Verdauungstrakt verläuft als durchgehendes Rohr vom Mund zum Anus, wobei ein muskulöser Pharynx die Nahrung aufnimmt und zerkleinert.[7] Am Vorderende befinden sich paarige chemosensorische Organe, die Amphiden, deren Form von einfachen Poren bei freilebenden Arten bis zu komplexen Spiralen bei Parasiten variiert. Der Lebenszyklus umfasst typischerweise ein Eistadium, vier Juvenilstadien (J1 bis J4) und das Adultstadium.[1] Während sich das erste Larvenstadium oft noch im Ei entwickelt, schlüpft meist das zweite Stadium (J2) als mobile Form, die bei pflanzenparasitären Arten wie *Meloidogyne* aktiv in Wurzelgewebe eindringt.[4] Bei vielen tierparasitären Gruppen, wie den Hakenwürmern, fungiert hingegen das dritte Larvenstadium (L3) als dauerhaftes Infektionsstadium, das in der Umwelt verharren kann.[1] Die Entwicklung wird durch Umweltreize gesteuert; so lösen beispielsweise spezifische Temperaturen oder chemische Signale wie Ascaroside Häutungsprozesse aus.[4] Hinsichtlich der Fortpflanzung herrscht meist Getrenntgeschlechtlichkeit (Diözie) vor, wobei Männchen in der Regel kleiner sind als Weibchen und über begattungsspezifische Spicula verfügen.[1] Alternative Strategien wie der Hermaphroditismus bei *Caenorhabditis elegans* oder die Parthenogenese bei der Gattung *Panagrolaimus* ermöglichen jedoch eine rasche Populationsexpansion auch ohne Paarungspartner.[2] Eine bemerkenswerte physiologische Anpassung terrestrischer Arten ist die Anhydrobiose, ein Zustand fast vollständiger Austrocknung, in dem sie durch die Anreicherung von Trehalose monatelang in extremen Habitaten überdauern können. Historisch grenzte Karl Asmus Rudolphi die Gruppe 1808 als *Nematoidea* von den Plattwürmern ab, basierend auf ihrem runden Querschnitt im Gegensatz zur abgeflachten Form anderer Wurmtaxa. Diese morphologische Unterscheidung spiegelt sich auch im Namen wider, der sich aus dem Altgriechischen für „fadenartig“ ableitet.[1]
Die Fortbewegung der *Nematoda* basiert auf einem hydrostatischen Skelett, wobei wellenförmige Kontraktionen der Längsmuskulatur gegen die elastische Kutikula einen sinusförmigen Schub erzeugen.[4][1] Diese schlängelnde Motorik ist für das Graben in Sedimenten und Böden optimiert, wobei die Mobilität in trockenen Substraten deutlich abnimmt. Zur Orientierung nutzen Nematoden primär Chemotaxis, die über spezialisierte vordere Sinnesorgane, die sogenannten Amphiden, vermittelt wird. Freilebende Bakterienfresser navigieren so präzise zu Nährstoffgradienten, während räuberische Arten chemischen Spuren ihrer Beute folgen.[1] Parasitäre Larven, wie die von Wurzelgallennematoden, wandern aktiv durch das Erdreich, um Wirtswurzeln anhand chemischer Signale zu lokalisieren und zu penetrieren.[4] Auch entomopathogene Arten der Gattungen *Steinernema* und *Heterorhabditis* suchen aktiv nach Insektenwirten, um durch natürliche Körperöffnungen einzudringen.[9] Die innerartliche Kommunikation erfolgt über Pheromone wie Ascaroside, welche bei hoher Populationsdichte die Entwicklung zu widerstandsfähigen Dauerlarven steuern.[2] In der Landwirtschaft werden solche Verhaltensmuster experimentell für „Attract-and-Kill“-Strategien genutzt, indem synthetische Lockstoffe die Tiere in Fallen führen.[4] Als Abwehrreaktion auf Austrocknung oder Frost fallen viele Arten in eine Anhydrobiose oder Kryobiose, wobei sie ihren Stoffwechsel fast vollständig einstellen und Schutzstoffe wie Trehalose anreichern.[1][2] Zystennematoden bilden zudem aus der Kutikula der Weibchen gehärtete Zysten, die Eier über Jahre vor Fressfeinden und Umwelteinflüssen schützen.[4]
Nematoden sind ubiquitär in marinen, limnischen und terrestrischen Ökosystemen verbreitet und dominieren oft die Meiofauna, wobei in Böden Dichten von bis zu 20 Millionen Individuen pro Quadratmeter erreicht werden.[3] Freilebende Arten fungieren primär als Mikrobivoren, die Bakterien- und Pilzpopulationen abweiden, oder als Prädatoren, die kleinere Invertebraten wie Protozoen und Tardigraden regulieren.[1] Durch diese Fraßtätigkeit stimulieren bakterivore Nematoden den mikrobiellen Umsatz und fördern signifikant die Stickstoffmineralisierung, wodurch pflanzenverfügbares Ammonium freigesetzt wird.[1][2] In marinen Sedimenten treiben sie durch Bioturbation die Sauerstoffversorgung und den Abbau organischer Substanz voran.[8] Pflanzenparasitäre Gattungen wie *Meloidogyne* und *Heterodera* agieren als obligate Endoparasiten, die spezialisierte Nährstoffsenken (Riesenzellen oder Syncytien) in Wurzeln etablieren und den Wirt durch Nährstoffentzug sowie Gefäßblockaden schädigen.[3][2] Entomopathogene Arten wie *Steinernema* besetzen eine spezifische Nische, indem sie bodenbewohnende Insekten infizieren und diese mithilfe symbiotischer Bakterien innerhalb von 48 Stunden abtöten.[9][3] Die ökologische Aktivität ist stark vom Mikroklima abhängig; so benötigen Larven von *Meloidogyne incognita* Bodentemperaturen über 18 °C für den Schlupf, während Trockenheit die Mobilität drastisch einschränkt. Einige Arten haben sich an extreme Habitate angepasst, wie der antarktische *Panagrolaimus davidi*, der intrazelluläres Gefrieren und Austrocknung durch Anhydrobiose überlebt.[1][4] Räuberische Nematoden üben zudem eine Top-Down-Kontrolle im Nahrungsnetz aus, indem sie das Überweiden mikrobieller Zersetzer durch andere Nematoden verhindern und so die Dekompositionsraten stabilisieren.[2]
Nematoden nehmen eine ambivalente ökologische Rolle ein, da sie sowohl als essentielle Nützlinge im Nährstoffkreislauf fungieren als auch als bedeutende Schädlinge in der Landwirtschaft und Medizin auftreten.[3][2] Freilebende Arten tragen durch das Weiden auf Bakterien zur Mineralisierung von Stickstoff bei und dienen als Indikatoren für die Bodengesundheit.[1][11] Pflanzenparasitäre Gattungen wie *Meloidogyne* (Wurzelgallennematoden) und *Heterodera* verursachen hingegen globale Ernteverluste von geschätzt 80 bis 157 Milliarden Dollar, wobei typische Schadbilder wie Gallenbildung, Kümmerwuchs und Welke oft abiotischen Stressfaktoren ähneln.[3][12] Im medizinischen Bereich führen Infektionen mit Spulwürmern (*Ascaris*) oder Hakenwürmern bei hunderten Millionen Menschen zu mechanischen Obstruktionen oder Anämie, während zoonotische Larven wie *Toxocara* Gewebeschäden in Organen verursachen können. Zur Früherkennung von Pflanzenbefall werden zunehmend KI-gestützte Analysen von Satellitenbildern eingesetzt, um Befallsherde präzise zu lokalisieren.[1] Präventiv wirken bauliche und hygienische Maßnahmen sowie Fruchtfolgen mit Nicht-Wirtspflanzen wie Raps, die Populationen um bis zu 70 % reduzieren können.[2] Die biologische Bekämpfung nutzt entomopathogene Nematoden der Gattungen *Steinernema* und *Heterorhabditis*, die Insektenschädlinge mittels symbiotischer Bakterien innerhalb von 48 Stunden abtöten.[9][1] Diese Nützlinge erreichen in Feuchtgebieten Wirkungsgrade von 50–90 %, sind jedoch empfindlich gegenüber Austrocknung und UV-Strahlung.[1] Chemische Bekämpfungsstrategien haben sich von breitwirksamen Begasungsmitteln wie Methylbromid hin zu spezifischeren Wirkstoffen wie Fluensulfone oder Fluopyram entwickelt, die oft in Kombination mit resistenten Sorten ausgebracht werden.[2][4] Patentierte Innovationen umfassen zudem Saatgutbeschichtungen mit biologischen Wirkstoffen sowie "Attract-and-Kill"-Methoden, die Schädlinge gezielt anlocken.[4] Ein zentrales Problem des Managements ist die rasche Resistenzentwicklung gegenüber Anthelminthika wie Ivermectin, insbesondere in der Nutztierhaltung, was integrierte Ansätze (IPM) unverzichtbar macht.[2]
Pflanzenparasitäre Nematoden verursachen weltweit massive Ernteverluste, die auf 10–14 % der jährlichen Erträge geschätzt werden, was einem finanziellen Volumen von 80–157 Milliarden US-Dollar entspricht.[3] Allein in den USA belaufen sich die Schäden in der Mais- und Sojaproduktion auf über 1,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr, wobei die Sojabohnenzystennematode (*Heterodera glycines*) für über 1 Milliarde dieser Verluste verantwortlich ist. Wurzelgallennematoden (*Meloidogyne* spp.) können bei Tomatenkulturen durch Gallenbildung und gestörte Nährstoffaufnahme Ertragsminderungen von 30–37 % bewirken.[1] Die ökonomische Erfassung ist oft schwierig, da Symptome wie Kümmerwuchs oder Welke abiotischem Stress ähneln und in Schadensberichten häufig unterdiagnostiziert bleiben.[3] In der Viehwirtschaft verursacht der blutsaugende Nematode *Haemonchus contortus* bei Schafen erhebliche Einbußen durch Gewichtsverlust, verminderte Wollproduktion und hohe Mortalität.[5] Neben den Schäden gibt es eine wachsende wirtschaftliche Bedeutung als Nützlinge: Der Markt für entomopathogene Nematoden (z. B. *Steinernema*, *Heterorhabditis*) zur biologischen Schädlingsbekämpfung wurde 2024 auf rund 500 Millionen US-Dollar geschätzt.[1] Diese werden kommerziell unter anderem auf Golfplätzen und im Getreideanbau eingesetzt, wo sie unter optimalen Bedingungen Bekämpfungsraten von 50–90 % gegen Schädlinge wie Engerlinge erzielen.[9] Die hohe wirtschaftliche Relevanz treibt zudem die Entwicklung neuer chemischer Wirkstoffe wie Fluopyram oder biologischer Saatgutbeschichtungen voran, wie Patentanmeldungen belegen.[4] Auch im medizinischen Diagnostiksektor entstehen neue Märkte, etwa durch den 2023 in Japan kommerzialisierten N-NOSE-Test zur Krebsfrüherkennung mittels *Caenorhabditis elegans*.[1]