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Käseschimmel Penicillium camemberti

Käseschimmel
Ungefährlich Nützling Allergen

Taxonomie

Reich Pilze (Fungi)
Stamm Ascomycota (Ascomycota)
Klasse Eurotiomycetes (Eurotiomycetes)
Ordnung Eurotiales (Eurotiales)
Familie Aspergillaceae
Gattung Penicillium
Art Penicillium camemberti
Wissenschaftlicher Name Penicillium camemberti Thom
Akzeptierter Name

Einleitung

*Penicillium camemberti* ist eine Art der filamentösen Pilze aus der Familie der Aspergillaceae und gehört zur Gattung der Pinselschimmel (*Penicillium*).[1] Dieser aerobe Schimmelpilz ist ein domestizierter Nützling, der als primäres Reifungsmittel für Weichkäsesorten wie Camembert und Brie dient und deren charakteristische weiße Rinde bildet.[1][2] Die Art, historisch auch unter Synonymen wie *Penicillium candidum* oder *Penicillium caseicolum* bekannt, unterscheidet sich von verwandten Spezies wie *Penicillium commune* durch ihre weißen Konidien und das Fehlen grüner Sporen.[1]

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzung von *Penicillium camemberti* erfolgt primär asexuell durch die Bildung von Konidien an spezialisierten Konidiophoren, da domestizierte Stämme die Fähigkeit zur sexuellen Reproduktion weitgehend verloren haben.[1] Jüngste Forschungen aus dem Jahr 2024 konnten jedoch erstmals einen sexuellen Zyklus induzieren, um die genetische Diversität durch gezielte Züchtung wiederherzustellen.[8] Der Lebenszyklus beginnt mit der Keimung der Sporen, die in geeigneten Medien typischerweise 24 bis 48 Stunden dauert. Daraus entwickelt sich ein vielzelliges Myzel aus verzweigten, septierten Hyphen, das innerhalb von 3 bis 5 Tagen eine weiße, filzartige Matte bildet. Die Sporulation setzt nach 5 bis 10 Tagen ein, wobei biverticillate oder terverticillate Konidiophoren Ketten von asexuellen Sporen produzieren. Das optimale Myzelwachstum findet bei Temperaturen zwischen 20 und 25 °C statt, während die Sporenkeimung über einen breiteren Bereich von 10 bis 30 °C möglich ist. Der Pilz ist strikt aerob und bevorzugt neutrale bis leicht saure Umgebungen (pH 5,5–7,0) sowie eine Wasseraktivität um 0,93. Ernährungsphysiologisch ist *Penicillium camemberti* auf Milchsubstrate spezialisiert und nutzt in frühen Wachstumsphasen Laktose als primäre Kohlenstoffquelle.[1] Im weiteren Verlauf sezerniert der Organismus Proteasen und Lipasen, um Caseine und Fette zu hydrolysieren, was wesentlich zur Texturveränderung des Substrats beiträgt.[8] Eine physiologische Besonderheit ist die hohe Salztoleranz von bis zu 10 % NaCl, die das Überleben auf gesalzenen Käseoberflächen sichert. Durch kompetitives Wachstum und die Abgabe antimikrobieller Verbindungen hemmt der Pilz Verderbniserreger wie *Cladosporium herbarum*. Gegenüber bakteriellen Pathogenen wie *Listeria monocytogenes* zeigt er jedoch nur eine moderate Hemmwirkung, weshalb Koinfektionen während der Reifung möglich bleiben.[1] Neben der Milchverarbeitung wird der Pilz aufgrund seiner physiologischen Eigenschaften auch zur Veredelung von Fleisch bei niedrigen Temperaturen (0–8 °C) eingesetzt.[2]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Bielefeld, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

    28.11.2025

Daten: iNaturalist

Wissenschaftliche Forschung & Patente

US-2022017854-A1 Biological Unbekannt

Neue Stämme von Penicillium camemberti

Savencia SA (2019)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt neuartige Stämme des Pilzes Penicillium camemberti. Diese werden spezifisch für die Herstellung und Reifung von Lebensmitteln, insbesondere von Weichkäse mit Schimmelrinde wie Camembert, verwendet. Die Innovation liegt in der biologischen Optimierung der Pilzkulturen für bessere Reifungsergebnisse. Es handelt sich um eine Nutzung des Organismus, nicht um dessen Bekämpfung.

EP-2701538-A1 Biological Unbekannt

Verfahren zur Veredelung von Frischfleisch

Tessaro Marco, Oechslin Lucas (2012)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Die Erfindung beschreibt ein Verfahren zur Reifung von Frischfleisch unter Einsatz spezifischer Mikroorganismen, darunter Penicillium camemberti. Das Fleisch wird bei kontrollierter Temperatur (0-8 °C) und Feuchtigkeit gelagert. Der Pilz dient hier als Veredelungsmittel, um Textur und Geschmack des Fleisches über einen Zeitraum von bis zu 100 Tagen positiv zu beeinflussen.

EP-2701539-A1 Biological Unbekannt

Verfahren zur Veredelung von Schweinefleisch

Oechslin Lucas, Tessaro Marco (2012)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Ähnlich wie das vorherige Patent beschreibt dieses eine Methode speziell für Schweinefleisch am Knochen. Penicillium camemberti wird als Reifungskultur eingesetzt. Das Verfahren nutzt die biologischen Eigenschaften des Pilzes bei spezifischen klimatischen Bedingungen, um die Fleischqualität zu steigern. Es ist eine praktische Anwendung des Organismus in der Lebensmitteltechnologie.

CA-2443415-C Chemical Erteilt

Antimikrobielle Zusammensetzung enthaltend Kaliumsorbat und LAE

Miret Laboratory (2001)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt eine antimikrobielle Mischung aus L-Arginin-Ethylester (LAE) und Sorbaten (z.B. Kaliumsorbat). Diese Kombination wirkt synergistisch gegen verschiedene Mikroorganismen und wird explizit zur Bekämpfung von Penicillium camemberti (hier als Verderbniserreger betrachtet) genannt. Es ist eine chemische Methode zur Konservierung und Verhinderung von unerwünschtem Pilzwachstum.

GB-1175472-A Biological Unbekannt

Käseherstellung

Unilever Ltd. (1968)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Dieses Patent zielt darauf ab, Verfärbungen auf dem weißen Myzel von Penicillium camemberti bei der Käseherstellung zu verhindern. Die Verfärbungen werden durch Bakterien (Brevibacterium) verursacht. Die Methode nutzt bestrahlte, farblose Mutanten dieser Bakterien, um den Käsegeschmack zu erhalten, ohne das Aussehen des Penicillium-Schimmels zu beeinträchtigen. Es schützt somit die Ästhetik des Pilzes.