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Lexikon-Eintrag

Sumpfschnake Tipula paludosa

Sumpfschnake
Ungefährlich Nützling Kann beißen Physische Gefahr

Taxonomie

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Zweiflügler (Diptera)
Familie Tipulidae
Gattung Tipula
Art Tipula paludosa
Wissenschaftlicher Name Tipula paludosa Meigen, 1830
Akzeptierter Name

Einleitung

Die Sumpfschnake (*Tipula paludosa*) ist eine ursprünglich in Nordwesteuropa beheimatete Mückenart aus der Familie der Schnaken (Tipulidae).[1] Während die adulten Tiere keine Nahrung aufnehmen, gelten die im Boden lebenden Larven aufgrund ihres intensiven Wurzelfraßes an Gräsern und Getreide als bedeutende Schädlinge, die sich inzwischen auch als invasive Spezies in Nordamerika etabliert haben.[1][2] Morphologisch ähnelt sie stark der verwandten Art *[Tipula oleracea](/pages/lexikon/kohlschnake)*, von der sie sich unter anderem durch die bei Weibchen im Vergleich zum Abdomen verkürzten Flügel abgrenzen lässt.[2]

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Zuletzt am 05.06.2026
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Fakten (kompakt)

- *Tipula paludosa*, auch bekannt als Sumpfschnake, ist eine Art der Schnaken (Tipulidae) innerhalb der Ordnung der Zweiflügler (Diptera). - Die Art wurde 1830 von Johann Wilhelm Meigen beschrieben. - Adulte Sumpfschnaken ähneln [Mücken](/pages/lexikon/mucken), sind schlank und etwa 20 mm lang. - Die Beine der adulten Tiere können bis zu 100 mm lang sein. - Die Flügel der Weibchen sind kürzer als der Hinterleib, während sie bei den Männchen den Hinterleib erreichen oder leicht überragen. - Die Larven werden aufgrund ihrer zähen Haut auch als Lederjacken bezeichnet. - Die Larven sind zylindrisch, grau bis braun gefärbt und erreichen eine Länge von 25–40 mm. - *Tipula paludosa* ist ursprünglich in Europa beheimatet. - Die Art hat sich als invasive Art in Nordamerika etabliert. - Die Larven leben in feuchten, organisch reichen Böden in Grasland, Rasenflächen, Weiden und landwirtschaftlichen Feldern. - Die Larven ernähren sich von Wurzeln, Kronen und organischer Substanz. - Diese Wurzelfrassaktivität verursacht erhebliche Schäden, die zu Vergilbung, Welken und kahlen Stellen im Rasen führen. - Die Art ist univoltin, d.h. sie vollendet eine Generation pro Jahr. - Adulte Tiere schlüpfen im Spätsommer (August–September), paaren sich sofort und die Weibchen legen Eier in feuchte Erde in der Nähe von Graswurzeln. - Die Eier schlüpfen innerhalb von 10–14 Tagen. - Die Larven überwintern im Boden und nehmen im Frühjahr die Nahrungsaufnahme wieder auf, bevor sie sich im Frühsommer verpuppen. - Die Art wird leicht mit der sehr ähnlichen *[Tipula oleracea](/pages/lexikon/kohlschnake)* verwechselt. - Das Artepitheton „paludosa“ leitet sich vom lateinischen „paludosus“ ab und bedeutet sumpfig oder morastig. - Die Art bevorzugt kühle, feuchte, gemäßigte Klimate mit jährlichen Niederschlägen von mehr als 600 mm und Durchschnittstemperaturen zwischen 5 °C und 15 °C. - Die Larven können in Böden mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5 gefunden werden. - Die Larven der Sumpfschnake fressen hauptsächlich an den Wurzeln von Gräsern (Poaceae), [Klee](/pages/lexikon/inkarnat-klee) (Fabaceae) und Getreide. - Die Larven durchlaufen vier Stadien, wobei die ersten beiden Stadien sich von verrottendem organischen Material ernähren, bevor sie zu Pflanzenwurzeln übergehen.[1]

Name & Einordnung

Die Art *Tipula paludosa* wurde im Jahr 1830 von dem Entomologen Johann Wilhelm Meigen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Innerhalb der Familie Tipulidae (Schnaken) wird sie dem Subgenus *Tipula* (sensu stricto) zugeordnet, einer Gruppe, die primär in der Alten Welt verbreitet ist. Der wissenschaftliche Artname „paludosa“ leitet sich vom lateinischen Wort „paludosus“ ab, was „sumpfig“ bedeutet und auf die von der Art bevorzugten feuchten Habitate hinweist. Zu den dokumentierten Synonymen gehören *Tipula fimbriata* Meigen, 1818, *Tipula flavolutescens* Pierre, 1922 sowie *Tipula wollastoni* Lackschewitz, 1936, wobei der ursprüngliche Name Validität besitzt. Im englischen Sprachraum sind die adulten Tiere als „European crane fly“ bekannt, während die Larven aufgrund ihrer zähen Haut als „leatherjackets“ bezeichnet werden. Häufig kommt es zu Verwechslungen mit der morphologisch ähnlichen Art *[Tipula oleracea](/pages/lexikon/kohlschnake)* (Linnaeus, 1758). Eine Unterscheidung ist jedoch anhand spezifischer Merkmale möglich, etwa der Flügellänge im Verhältnis zum Abdomen bei Weibchen sowie der Musterung des Flügelgeäders. Phylogenetische Untersuchungen mittels DNA-Barcoding bestätigen die Einordnung in die europäische Klade der Familie und grenzen die Art von Verwandten der Neuen Welt ab.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die adulten Tiere von *Tipula paludosa* besitzen einen schlanken, mückenartigen Körper mit einer graubraunen Grundfärbung und erreichen eine Körperlänge von 15 bis 25 mm. Charakteristisch sind die sehr langen, spindeldürren Beine, die eine Spannweite von bis zu 100 mm aufweisen und leicht abbrechen können, was zum fragilen Erscheinungsbild beiträgt. Der Kopf trägt Antennen, die aus 14 Segmenten bestehen.[1] Die Mundwerkzeuge der Adulten sind reduziert, da sie keine Nahrung aufnehmen.[2] Die Flügel sind klar mit dunklen Adern und weisen am Vorderrand ein schmales dunkles Band neben einem helleren Streifen auf, zeigen jedoch keine Pigmentierung auf den Adern oder Queradern selbst. Ein deutlicher Sexualdimorphismus zeigt sich in der Körpergröße, wobei Weibchen generell größer als Männchen sind. Zudem sind die Flügel der Weibchen auffällig kürzer als das Abdomen, während sie bei den Männchen das Hinterleibsende erreichen oder leicht überragen. Männliche Tiere lassen sich taxonomisch durch den breiten ventralen Abstand der Komplexaugen identifizieren, der etwa doppelt so groß ist wie der dorsale Abstand.[1] Zur Abgrenzung von der sehr ähnlichen *[Tipula oleracea](/pages/lexikon/kohlschnake)* dienen primär die bei *T. paludosa* verkürzten Flügel der Weibchen sowie die spezifischen Augenabstände der Männchen. Die glänzend schwarzen Eier sind länglich-oval geformt, etwa 0,9 bis 1,0 mm lang und besitzen eine abgeflachte Seite sowie ein spitzeres Ende. Die als „Leatherjackets“ bekannten Larven sind zylindrisch, grau-braun gefärbt und erreichen im ausgewachsenen Stadium Längen von 30 bis 40 mm. Ihr Körper verjüngt sich nach vorne leicht, endet hinten stumpf und ist von einer zähen, lederartigen Haut umgeben. Die Larven verfügen über 12 Abdominalsegmente mit Kriechwülsten zur Fortbewegung und eine Kopfkapsel mit ausgeprägten Mundwerkzeugen. Die Puppen sind 25 bis 30 mm lang, grau bis braun gefärbt und gehören zum exaraten Typ mit freien Gliedmaßen.[1]

Beschreibung

Die Art *Tipula paludosa*, ursprünglich 1830 von Johann Wilhelm Meigen beschrieben, ist ein zu den Zweiflüglern gehörendes Insekt, das durch seinen schlanken, mückenartigen Habitus und extrem lange Beine charakterisiert ist.[1][2] Der Artname „paludosa“ leitet sich vom lateinischen Begriff für „sumpfig“ ab, was auf die ursprüngliche Präferenz der Art für feuchte, grasbewachsene Habitate hinweist.[1] Im natürlichen Lebensraum fallen die adulten Tiere oft durch ihren unbeholfenen Flug und die langen, zerbrechlichen Beine auf, die eine Spannweite von bis zu 100 mm erreichen können.[2][1] Obwohl sie äußerlich riesigen Stechmücken ähneln, besitzen die Imagines reduzierte Mundwerkzeuge, nehmen keine Nahrung auf und stechen nicht; ihre kurze Lebensspanne von 7 bis 14 Tagen dient ausschließlich der Fortpflanzung.[4][1] Ein markantes anatomisches Merkmal der Männchen ist der breite ventrale Abstand der Komplexaugen, der deutlich größer ist als bei verwandten Arten.[1] Es besteht ein ausgeprägter Sexualdimorphismus: Weibchen sind mit 19–25 mm Körperlänge größer und besitzen einen fülligeren Hinterleib, während ihre Flügel auffällig kürzer als das Abdomen sind.[7][1] Bei den Männchen hingegen reichen die Flügel bis zur Hinterleibsspitze oder darüber hinaus.[2] Die Larven, aufgrund ihrer zähen, graubraunen Haut als „Leatherjackets“ bezeichnet, sind beinlos, zylindrisch geformt und erreichen im letzten Stadium eine Länge von 30–40 mm.[5][1] Sie besitzen 12 Körpersegmente mit Kriechwülsten zur Fortbewegung im Boden und verfügen über eine kräftige Kopfkapsel, die für das Fressen an Wurzeln optimiert ist.[6] Die Entwicklung verläuft über vier Larvenstadien, wobei sich die frühen Instars (L1–L2) von organischem Detritus ernähren, bevor sie als ältere Larven (L3–L4) zu lebenden Pflanzenwurzeln übergehen.[2][1] Die Überwinterung erfolgt meist im dritten Larvenstadium in einer kälteresistenten Phase im Boden.[2] Von der sehr ähnlichen Art *[Tipula oleracea](/pages/lexikon/kohlschnake)* lässt sich *T. paludosa* im Feld schwer, unter dem Mikroskop jedoch anhand der Flügeladerung und der Augenabstände unterscheiden.[1][2] Die Verpuppung erfolgt in einer exaraten Puppe, bei der die Gliedmaßen frei am Körper anliegen, bevor im Spätsommer die neue Generation schlüpft.[1]

Verhalten

Die Imagines von *Tipula paludosa* sind schwache Flieger mit begrenzter Mobilität, deren natürliche Ausbreitung meist weniger als zwei Kilometer vom Schlupfort beträgt. Sie sind vorwiegend dämmerungsaktiv und zeigen eine starke Anziehung zu künstlichen Lichtquellen in der Nacht. Unmittelbar nach dem Schlupf bilden die Männchen in der Dämmerung Schwärme, um Weibchen durch visuelle und vermutlich pheromonale Reize anzulocken. Die Kopulation erfolgt meist innerhalb von 24 Stunden nach dem Erscheinen der Adulten und dauert zwischen 30 und 60 Minuten. Weibchen legen ihre Eier kurz darauf in Gelegen direkt in feuchten Boden nahe an Graswurzeln ab, um den Larven geeignete Bedingungen zu sichern. Adulte Tiere nehmen keine feste Nahrung zu sich, sondern zehren von larvalen Energiereserven und trinken lediglich Wasser, sofern verfügbar. Die als „Leatherjackets“ bekannten Larven bewegen sich im Boden mithilfe von Kriechwülsten fort, die sich an den zwölf Abdominalsegmenten befinden.[1] Während frühe Larvenstadien detritivor leben und verrottendes organisches Material fressen, wechseln ältere Larven zu herbivorem Verhalten an lebenden Wurzeln. Dabei nutzen sie raspelnde Mundwerkzeuge, um Wurzeloberflächen abzuweiden oder Pflanzenhälse ähnlich wie Erdraupen (Cutworms) zu durchtrennen.[2] Als Verhaltensanpassung an sinkende Temperaturen graben sich die Larven im dritten Stadium tiefer in den Boden ein, um dort in einem kälteresistenten Zustand zu überwintern.[1]

Ökologie

Die Larven von *Tipula paludosa* fungieren im Ökosystem zunächst als Destruenten, indem sie im ersten und zweiten Larvenstadium zerfallendes organisches Material und Bodenbestandteile verzehren. In späteren Stadien (L3–L4) wechseln sie zu einer herbivoren Lebensweise und ernähren sich primär von den Wurzeln von Gräsern (*Poaceae*) und Kleearten (*Fabaceae*). Dabei zeigen sie eine deutliche Präferenz für Leguminosen wie Weißklee (*Trifolium repens*) gegenüber Gräsern wie *Lolium perenne*, was die Konkurrenzdynamik der Pflanzenzusammensetzung beeinflussen kann. Durch ihre Fraßtätigkeit und das Graben im Boden verändern die Larven die Chemie der Rhizosphäre, stimulieren Populationen von *Pseudomonas*-Bakterien und beschleunigen den mikrobiellen Abbau organischer Substanzen. Adulte Tiere hingegen nehmen keine Nahrung auf, sondern zehren von den im Larvenstadium angelegten Energiereserven.[2] Das Vorkommen der Art ist eng an kühle, feuchte gemäßigte Klimate gebunden, wobei Jahresniederschläge über 600 mm und Durchschnittstemperaturen zwischen 5 °C und 15 °C bevorzugt werden. Die Larven benötigen feuchte, organisch reiche Böden mit einem pH-Wert von 5,5 bis 6,5 und reagieren empfindlich auf Austrocknung. Zur Überwinterung graben sich die Larven tiefer in den Boden ein, um Temperaturen bis etwa -2,5 °C zu tolerieren.[1] Natürliche Feinde spielen eine entscheidende Rolle bei der Populationsregulation. Zu den wichtigsten Prädatoren zählen Vögel wie Saatkrähen (*Corvus frugilegus*) und Stare (*Sturnus vulgaris*) sowie Laufkäfer (Carabidae). Parasitoide und Pathogene wie der entomopathogene Nematode *Steinernema feltiae*, der Pilz *Metarhizium anisopliae* und das *Tipula*-Iridescent-Virus (TIV) üben zusätzlichen biotischen Druck aus. In invasiven Verbreitungsgebieten wie Nordamerika führt das Fehlen dieser spezialisierten natürlichen Feinde oft zu deutlich höheren Larvendichten (>300 Larven/m²) im Vergleich zum nativen europäischen Areal (100–250 Larven/m²).[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Larven von *Tipula paludosa* gelten als bedeutende Schädlinge in Grünlandökosystemen, wobei sie insbesondere an Rasenflächen, Weiden und Getreidekulturen wirtschaftliche Verluste verursachen.[1][2] Durch den Fraß an Wurzeln und Wurzelhälsen entstehen typische Schadbilder wie Vergilbungen, Welkeerscheinungen und kahle Stellen, die oft durch sekundäre Schäden durch nach Larven grabende Vögel verstärkt werden.[4][1] Während gesunder Rasen bis zu 270 Larven pro Quadratmeter tolerieren kann, erfordern gestresste Flächen bereits bei deutlich geringerer Befallsdichte Maßnahmen zur Vermeidung von Absterbeerscheinungen.[5] Zur Befallsermittlung eignen sich Bodenproben im Spätherbst oder Frühjahr sowie die Salzwasser-Flotationsmethode, die eine Nachweisgenauigkeit von bis zu 95 % erreicht.[4] Präventive Strategien zielen auf die Reduktion der Bodenfeuchtigkeit durch Drainage und Belüftung ab, da Eier und Larven empfindlich auf Austrocknung reagieren.[1] Eine Schnitthöhe von 5 bis 7,6 cm fördert tiefere Wurzelsysteme und erhöht die Widerstandskraft der Gräser, während eine Kalkung auf pH-Werte zwischen 6,0 und 6,8 die Etablierung der Larven erschweren kann.[2] Im Rahmen biologischer Bekämpfungsmaßnahmen zeigen entomopathogene [Nematoden](/pages/lexikon/nematoden) wie *Steinernema feltiae* Wirkungsgrade von bis zu 80 % gegen frühe Larvenstadien.[1] Auch das Bakterium *Bacillus thuringiensis* subsp. *israelensis* (Bti) kann Larvenpopulationen signifikant reduzieren, wobei natürliche Feinde wie Laufkäfer und Vögel zusätzlich regulierend wirken.[5][1] Chemische Bekämpfungsmittel wie Imidacloprid werden präventiv im Herbst oder kurativ im Frühjahr eingesetzt, unterliegen jedoch zunehmend strengen regulatorischen Einschränkungen zum Schutz von Nichtzielorganismen.[1] Ein integriertes Schädlingsmanagement (IPM) kombiniert diese biologischen und kulturellen Ansätze, um die Abhängigkeit von Insektiziden zu minimieren.[11] In Nordamerika wird die Art als invasive Spezies eingestuft, deren Ausbreitung durch den Transport von infiziertem Rollrasen und Baumschulware begünstigt wird, weshalb Quarantänemaßnahmen für Importmaterial relevant sind.[1]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Art *Tipula paludosa* gilt als bedeutender Schädling für Rasenflächen der kühlen Jahreszeit, Golfplätze und Weidesysteme, wobei die Larven (Schnakenlarven) die primären wirtschaftlichen Schäden verursachen.[1] Durch intensiven Wurzelfraß entstehen gelbe, welke Stellen und kahle Flecken im Rasen, was insbesondere auf Golfplätzen und in der Rollrasenproduktion zu erheblichen Qualitätsminderungen führt.[4] In der Landwirtschaft sind neben Getreidekulturen auch [Klee](/pages/lexikon/inkarnat-klee), Rüben und Kartoffeln betroffen, da die Larven Sämlinge oft bodennah abtrennen und so den Bestand reduzieren.[1] Wirtschaftliche Schadensschwellen liegen bei gut gepflegtem Rasen bei etwa 270 Larven pro Quadratmeter (25 Larven pro Quadratfuß), während bei gestressten Flächen bereits geringere Dichten von 100 bis 140 Larven pro Quadratmeter Bekämpfungsmaßnahmen erfordern. In Baumschulen können Befälle zu massiven Pflanzenausfällen führen, die kostspielige Nachpflanzungen notwendig machen.[5] Die finanziellen Auswirkungen sind historisch gut belegt; so gaben Hausbesitzer im Puget Sound (Washington) in den 1990er Jahren jährlich etwa 13 Millionen US-Dollar für Pestizide zur Bekämpfung aus.[10] In Nordirland wurden die jährlichen Schäden an Grünlandflächen in den 1980er Jahren auf über 15 Millionen Pfund geschätzt.[2] Die Kosten für biologische Bekämpfungsmaßnahmen, beispielsweise mit dem [Nematoden](/pages/lexikon/nematoden) *Steinernema feltiae*, belaufen sich auf etwa 5 bis 10 US-Dollar pro 100 Quadratmeter. Trotz ihrer schädlichen Wirkung tragen die Larven als Detritivoren zum Nährstoffkreislauf bei und dienen als Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Prädatoren, was eine ökologische Gegenleistung darstellt.[1]

Biologie & Lebenszyklus

Tipula paludosa ist eine univoltine Art, die eine Generation pro Jahr durchläuft, wobei die Adulten im Spätsommer (August bis Oktober) schlüpfen.[2][4] Die Imagines leben nur 7 bis 14 Tage, nehmen keine Nahrung zu sich (atrophierte Mundwerkzeuge) und konzentrieren sich ausschließlich auf die Fortpflanzung, wobei die Paarung oft innerhalb von 24 Stunden nach dem Schlupf erfolgt. Ein Weibchen legt 200 bis 350 schwarze, glänzende Eier in Gelegen direkt in feuchten Boden nahe an Graswurzeln ab.[1][2] Die Embryonalentwicklung dauert je nach Temperatur 10 bis 14 Tage, bis die Larven schlüpfen. Das Larvenstadium umfasst vier Larvenstadien (L1–L4) und dauert insgesamt etwa 10 Monate.[1] Die frühen Stadien (L1–L2) ernähren sich im Herbst detritivor von verrottendem organischem Material im Boden.[8][1] Die Überwinterung erfolgt meist im dritten Larvenstadium (L3), das kältetolerant ist und sich bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt tiefer in den Boden eingräbt, wobei eine schwache Diapause durch kurze Photoperioden ausgelöst wird.[1][9] Im Frühjahr (L3–L4) wechseln die Larven zu einer herbivoren Ernährungsweise und fressen an Wurzeln von Gräsern (Poaceae) und [Klee](/pages/lexikon/inkarnat-klee) (Fabaceae), wobei sie Leguminosen wie Trifolium repens bevorzugen.[8][2] Im Frühsommer (Juni) stellen die ausgewachsenen Larven (30–40 mm Länge) die Nahrungsaufnahme ein und verpuppen sich in einer Bodenkammer.[1][2] Das Puppenstadium ist eine Ruhephase von 10 bis 14 Tagen, in der die Metamorphose zur Imago stattfindet.[1] Die Entwicklung ist stark feuchtigkeitsabhängig; milde Winter und feuchte Frühjahre begünstigen hohe Überlebensraten von 70–90%, während Trockenheit die Mortalität erhöht.[9][1] Zu den natürlichen Feinden zählen Vögel wie Krähen und Stare sowie Laufkäfer (Carabidae), die die Larvendichte regulieren.[1] Larven werden zudem von entomopathogenen [Nematoden](/pages/lexikon/nematoden) (Steinernema feltiae), Pilzen (Metarhizium anisopliae) und dem Tipula-Iridescent-Virus (TIV) befallen. Durch ihre Fraßaktivität und Ausscheidungen verändern Larven die Rhizosphäre und stimulieren das Wachstum von Bakterienpopulationen wie Pseudomonas spp., was den Nährstoffkreislauf beschleunigt.[2]

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von *Tipula paludosa* erstreckt sich über Nordwesteuropa, wo die Art in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland und Skandinavien heimisch ist. Sie bevorzugt kühl-feuchte, gemäßigte Klimate mit Jahresniederschlägen über 600 mm und Durchschnittstemperaturen zwischen 5 °C und 15 °C.[1] Zu den primären Habitaten zählen feuchte Wiesen, Weiden, Moore sowie landwirtschaftliche Nutzflächen mit organischen Böden.[2] Die Larvenentwicklung wird durch saure Bodenverhältnisse mit pH-Werten von 5,5 bis 6,5 begünstigt, wobei Vorkommen bis in Höhenlagen von etwa 500 Metern dokumentiert sind.[1] Als invasive Spezies wurde *Tipula paludosa* versehentlich nach Nordamerika eingeschleppt, wobei erste Populationen bereits in den 1880er Jahren in Neufundland und 1955 in Nova Scotia nachgewiesen wurden.[1][6] Eine separate Einschleppung erfolgte an der Westküste, wo die Art 1965 in British Columbia und kurz darauf im US-Bundesstaat Washington auftrat.[4] Seitdem hat sich das Areal ostwärts ausgeweitet und umfasst mittlerweile Regionen wie Ontario, New York, Michigan und Pennsylvania.[1] Die Ausbreitung über weite Distanzen erfolgte primär anthropogen durch Schiffsballast sowie den Transport von infiziertem Rollrasen und Baumschulware.[6][1] Außerhalb Nordamerikas ist eine Etablierung im südlichen Island seit 2001 bekannt, während in Asien oder der südlichen Hemisphäre keine größeren Populationen existieren.[1] In den eingeschleppten Gebieten besiedelt die Sumpfschnake vorwiegend anthropogen geprägte Habitate wie Rasenflächen, Golfplätze und Gärtnereien, die durch Bewässerung ausreichend Bodenfeuchtigkeit bieten.[5] Die Larven sind eng an Gräser der Familie Poaceae sowie Kleearten (*Trifolium*) gebunden, deren Wurzeln sie im Oberboden fressen.[2] Ökologische Modellierungen deuten darauf hin, dass *Tipula paludosa* in Nordamerika eine Nischenerweiterung vollzogen hat und dort breitere Umweltbedingungen toleriert als im nativen europäischen Areal.[1] Da die adulten Tiere schlechte Flieger sind, bleiben sie meist standorttreu, werden jedoch nachts häufig von künstlichen Lichtquellen in Siedlungsbereichen angezogen.[2][1]

Saisonalität & Aktivität

*Tipula paludosa* ist eine univoltine Art, die einen einzigen Generationszyklus pro Jahr durchläuft.[2][1] Die Flugzeit der adulten Schnaken erstreckt sich im nativen europäischen Verbreitungsgebiet typischerweise von Ende August bis Oktober.[3] In eingeschleppten Gebieten wie dem pazifischen Nordwesten konzentriert sich das Schlüpfen der Imagines oft auf den September, bedingt durch kühlere Umweltbedingungen.[4] Die Adulten sind kurzlebig mit einer Lebensdauer von 7 bis 14 Tagen und nehmen in dieser reproduktiven Phase keine Nahrung auf. Die Paarung erfolgt oft unmittelbar nach dem Schlüpfen, wobei Männchen in der Dämmerung Schwärme bilden, um Weibchen anzulocken.[2] Die Larven schlüpfen etwa Mitte September und überwintern primär im dritten Larvenstadium (L3) im Boden.[1] Sie sind kälteresistent und tolerieren Temperaturen bis ca. -2,5 °C, wobei eine durch kurze Photoperioden ausgelöste schwache Diapause die Entwicklung synchronisiert.[2][1] Die Hauptaktivität der Larven und der damit verbundene intensive Wurzelfraß finden im Frühjahr zwischen April und Mai statt, wenn die Tiere das vierte Larvenstadium erreichen.[5] Die Verpuppung erfolgt schließlich im Spätsommer, meist von Ende Juli bis Anfang September.[2] Ergänzend zeigen Daten zum öffentlichen Suchinteresse einen signifikanten Anstieg im März, was zeitlich mit dem Beginn der sichtbaren Larvenschäden im Frühjahr korreliert.[5]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Eimsbüttel, Deutschland

    22.10.2025

  • Deutschland

    14.10.2025

  • Naturpark Neckartal-Odenwald e.V., 邦门塔尔, 巴登-符腾堡, Deutschland

    10.10.2025

  • Deutschland

    09.10.2025

  • Chorin, Brandenburg, Deutschland

    09.10.2025

Daten: iNaturalist

Quellen & Referenzen

  1. https://www.cabidigitallibrary.org/doi/full/10.1079/cabicompendium.54013
  2. https://academic.oup.com/jipm/article/1/1/E1/857372
  3. https://ccw.naturalis.nl/detail.php?id=16813
  4. https://pnwhandbooks.org/node/7328/print
  5. https://extension.oregonstate.edu/catalog/em-9296-managing-crane-fly-lawns
  6. https://www.fs.usda.gov/ne/newtown_square/publications/technical_reports/pdfs/2005/337papers/hoebeke337.pdf
  7. http://www.minnesotaseasons.com/Insects/European_crane_fly.html
  8. https://doi.org/10.3389/fevo.2016.00041
  9. https://theses.gla.ac.uk/77649/1/10997921.pdf
  10. http://toxicfreefuture.org/wp-content/uploads/cranefly_57d7d1d2b04e4.pdf
  11. https://ecommons.cornell.edu/bitstream/handle/1813/42421/european-crane-fly-FS-NYSIPM.pdf?sequence=1