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Lexikon-Eintrag

Haferwurzel Tragopogon porrifolius

Haferwurzel

Taxonomie

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Asterales (Asterales)
Familie Asteraceae
Gattung Tragopogon
Art Tragopogon porrifolius
Wissenschaftlicher Name Tragopogon porrifolius L.
Akzeptierter Name

Einleitung

Die Haferwurzel (*Tragopogon porrifolius*), auch als Austernpflanze oder Purpur-Bocksbart bekannt, ist eine zweijährige krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae).[1][2] Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, wurde die Art als Wurzelgemüse weltweit eingeführt und ist heute in vielen temperierten Regionen, darunter Nordamerika und Australien, verwildert anzutreffen.[3][4] Kulinarisch wird vor allem die Pfahlwurzel genutzt, deren Geschmack an Austern erinnert.[1] Von dem nah verwandten Wiesen-Bocksbart (*Tragopogon pratensis*) unterscheidet sich die Pflanze primär durch ihre purpurfarbenen Zungenblüten im Gegensatz zu den gelben Blüten der Verwechslungsart.[3]

Fakten (kompakt)

- Die Gattung *Tragopogon* umfasst insgesamt etwa 150 eurasiatische Arten, wobei *Tragopogon porrifolius* als diploides Kraut klassifiziert wird.[10] - Neben der Nominatform werden Unterarten wie *Tragopogon porrifolius* subsp. *eriospermus* (östlicher Mittelmeerraum) und subsp. *cupanii* (Sizilien, Nordafrika) unterschieden. - Die Blütenkörbe bestehen spezifisch aus 7 bis 20 malvenfarbigen bis purpurnen Zungenblüten, die eine gelbe Scheibe umgeben. - In gemäßigten Regionen erstreckt sich die Blütezeit konkret von April bis August. - Die samenbildenden Fruchtstände erreichen einen Durchmesser von bis zu 5 Zentimetern. - Vorkommen der Pflanze sind bis in Höhenlagen von 2.100 Metern dokumentiert. - *Tragopogon porrifolius* toleriert diverse Bodentypen, von sandigen Substraten bis hin zu Lehmböden. - Neben der Wurzel sind auch junge Blätter und Triebe essbar und können roh oder gekocht verzehrt werden. - In der Volksmedizin wurden Extrakte traditionell zur Behandlung von Leberleiden, Gelbsucht und Gallenblasenproblemen eingesetzt. - Moderne Studien weisen auf antioxidative, hepatoprotektive (leberschützende) und potenziell krebshemmende Eigenschaften hin. - Die Art hybridisiert in überlappenden Verbreitungsgebieten auch mit *Tragopogon dubius*.[10]

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name der Haferwurzel lautet *Tragopogon porrifolius* L., wobei das Autorenkürzel L. auf die Erstbeschreibung durch Carl von Linné verweist.[2] Der Gattungsname *Tragopogon* leitet sich aus den griechischen Wörtern *tragos* (Ziege) und *pōgōn* (Bart) ab, was auf das bärtige Erscheinungsbild des Pappus an den Samenständen anspielt. Das Art-Epitheton *porrifolius* entstammt dem Lateinischen (*porrum* für Lauch und *folium* für Blatt) und beschreibt die schmalen, lauchartigen Blätter der Spezies. Innerhalb der Familie der Asteraceae (Korbblütler) wird die Art der Gattung *Tragopogon* zugeordnet, die etwa 150 eurasische Spezies umfasst.[1] Es werden mehrere Unterarten unterschieden, darunter die weit verbreitete subsp. *porrifolius*, die im östlichen Mittelmeerraum beheimatete subsp. *eriospermus* sowie subsp. *cupanii* aus Sizilien und Nordafrika.[4] Die diploide Pflanze ist eng mit anderen Arten wie *Tragopogon pratensis* (Wiesen-Bocksbart) verwandt und kann in überlappenden Verbreitungsgebieten mit diesen hybridisieren.[1] Der international verbreitete Trivialname „Salsify“ geht auf das französische *salsifis* zurück, welches wiederum vom italienischen *salsefica* oder *sassefrica* abstammt und seit dem frühen 18. Jahrhundert verwendet wird.[2] Aufgrund des spezifischen Geschmacks der Wurzel wird die Pflanze im englischen Sprachraum auch als „oyster plant“ (Austernpflanze) oder „vegetable oyster“ bezeichnet.[1] Historische Belege für die Art finden sich bereits in der Antike, wo Theophrastus (ca. 300 v. Chr.) und Plinius der Ältere (77 n. Chr.) die Pflanze als wildwachsendes Gemüse beschrieben.[5]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Tragopogon porrifolius ist eine zweijährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 40 bis 150 Zentimetern erreicht und einen aufrechten, meist unverzweigten Stängel bildet.[1][3] Bei Verletzung tritt aus dem kahlen Stängel ein charakteristischer milchiger Saft aus. Das Wurzelsystem besteht aus einer kräftigen Pfahlwurzel, die bis zu 30 Zentimeter lang und 2 bis 4 Zentimeter dick wird, mit einer dunklen Außenhaut und weißem Fleisch.[3] Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine grundständige Rosette aus grasartigen, linealischen bis lanzettlichen Blättern.[1] Die wechselständigen Laubblätter sind 20 bis 40 Zentimeter lang, 1 bis 3 Zentimeter breit und umfassen den Stängel an der Basis. Sie laufen spitz zu, sind glatt oder leicht behaart und unterscheiden sich durch ihre geraden Blattspitzen von verwandten Arten. Die blühenden Stängel tragen endständige, einzeln stehende Blütenkörbchen, die einen Durchmesser von 3 bis 5 Zentimetern aufweisen.[3] Der Blütenstiel ist unterhalb des Köpfchens deutlich verdickt bzw. aufgeblasen. Die Hülle besteht aus 8 bis 13 schmal lanzettlichen Hüllblättern, die länger sind als die Zungenblüten und zunächst aufrecht stehen.[3] Die Blütenkörbe enthalten ausschließlich Zungenblüten, die eine mauve- bis purpurfarbene Färbung besitzen.[1][3] Als Frucht wird eine gerippte Achäne gebildet, die inklusive eines schlanken Schnabels 2 bis 4 Zentimeter lang ist.[3] Die Früchte tragen einen Pappus aus 2 bis 3 Zentimeter langen, fedrigen Borsten, die zusammen einen bis zu 5 Zentimeter breiten, kugelförmigen Samenstand bilden.[1][3] Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) ist die violette Blütenfarbe im Gegensatz zu den gelben Blüten der verwandten Art. Zudem sind die Blattspitzen bei Tragopogon porrifolius gerade ausgerichtet, während sie bei Tragopogon pratensis oft zurückgebogen sind.[3]

Beschreibung

Tragopogon porrifolius ist eine zweijährige, krautige Pflanze, die sich durch einen strikten Lebenszyklus mit einer klaren Trennung zwischen vegetativer und reproduktiver Phase auszeichnet. Im natürlichen Habitat erscheint die Art als aufrechtes, bis zu 120 cm hohes Gewächs, das durch seine grasartigen, linealischen Blätter und den glatten, oft unverzweigten Stängel auffällt.[3][1] Eine anatomische Besonderheit ist das Milchsaftsystem; bei Verletzung tritt aus allen vegetativen Pflanzenteilen sofort ein weißer Latex aus, der als Wundverschluss dient.[1][2] Der erste Lebensabschnitt ist durch die Bildung einer basalen Rosette gekennzeichnet, die in gemäßigten Klimazonen überwintert und Ressourcen akkumuliert. Als primäres Speicherorgan fungiert dabei eine kräftige, vertikale Pfahlwurzel, die Kohlenhydrate vorwiegend in Form von Inulin einlagert, um den schnellen Austrieb des Blütenstängels im Folgejahr zu ermöglichen.[2] Diese Wurzel besitzt ein weißes Inneres und eine dunkle Außenhaut und kann Längen von bis zu 30 cm erreichen.[3] Die reproduktive Phase im zweiten Jahr manifestiert sich durch einzeln stehende, liguliflore Blütenkörbchen auf langen, sich distal verdickenden Stielen.[1] Die Zwitterblüten zeigen eine ausgeprägte Protandrie (Vormännlichkeit), bei der die Pollenausschüttung vor der Narbenreife erfolgt, was zusammen mit einem genetischen Selbstinkompatibilitätssystem die Fremdbestäubung fördert.[7][2] Ein artspezifisches Verhalten ist das nur kurzzeitige Öffnen der Blüten in den frühen Morgenstunden bis zum Mittag, was die Bestäubung durch spezifische Insekten reguliert.[8] Nach der Befruchtung entwickeln sich die Blütenstände zu großen, kugelförmigen Fruchtständen, die durch den fedrigen Pappus der Achänen eine effektive Windausbreitung (Anemochorie) gewährleisten.[2] Im direkten Vergleich zur verwandten Art *Tragopogon pratensis* unterscheidet sich die Haferwurzel primär durch ihre purpurnen bis malvenfarbenen Zungenblüten sowie durch die geraden Blattspitzen, im Gegensatz zu den oft zurückgebogenen Spitzen und gelben Blüten des Wiesen-Bocksbarts.[3] Historisch wurde die Art bereits von antiken Naturforschern wie Theophrastus und Plinius dem Älteren als wildwachsendes, gemüseartiges Kraut im Mittelmeerraum beschrieben, bevor sie sich global als Kulturpflanze verbreitete.[5][2]

Verhalten

Das Verhalten von *Tragopogon porrifolius* ist durch ausgeprägte tagesperiodische Bewegungen der Blütenstände geprägt. Die Blütenkörbe öffnen sich kurz nach der Morgendämmerung und schließen sich typischerweise bereits gegen Mittag wieder (Nyktinastie).[1][3] Dieses begrenzte Zeitfenster beschränkt die Bestäubung auf die frühen Vormittagsstunden, meist bis etwa 10 Uhr. Um die Fremdbestäubung zu fördern, zeigen die zwittrigen Blüten Protandrie, wobei die Pollenausschüttung erfolgt, bevor die Narben empfangsbereit sind. Ein gametophytisches Selbstinkompatibilitätssystem verhindert zudem effektiv die Selbstbefruchtung und erzwingt ein Auskreuzen.[2] Als defensive Reaktion auf mechanische Verletzungen sondern Stängel und Blätter einen milchigen Latex ab, der als Wundverschluss und Fraßschutz dient.[1] Der Übergang von der vegetativen Rosettenphase zum Schossen wird durch Vernalisation und die Zunahme der Tageslänge gesteuert.[2] In eingeführten Verbreitungsgebieten tritt die Art in Konkurrenz zu einheimischer Vegetation und kann die Diversität lokaler Pflanzenbestände in gestörten Habitaten verringern. Zudem interagiert *Tragopogon porrifolius* genetisch mit verwandten Arten wie *Tragopogon pratensis*, was in überlappenden Arealen häufig zur Hybridisierung führt.[3]

Ökologie

Die ökologische Rolle von *Tragopogon porrifolius* ist primär durch ihre Interaktion mit Bestäubern definiert; die Pflanze ist entomophil und dient Bienen (*Apis* spp.), Schwebfliegen (*Syrphidae*) sowie Käfern und Wespen als Nektarquelle. Die Blüten sind protandrisch und öffnen sich lediglich am frühen Morgen bis zum Mittag, was die Fremdbestäubung fördert und Selbstbefruchtung minimiert. Für die Ausbreitung der Samen nutzt die Art vorwiegend den Wind (Anemochorie), wobei der federartige Pappus den Transport über Luftströmungen ermöglicht. Ergänzend können Samen durch Epizoochorie im Fell von Tieren oder durch Hydrochorie entlang von Wasserläufen verbreitet werden. *Tragopogon porrifolius* besiedelt sonnige, gut durchlässige Habitate wie Grasländer, lichte Wälder und felsige Hänge, wobei sie in eingeführten Gebieten oft gestörte Standorte bevorzugt. In diesen Arealen tritt sie in Konkurrenz zu einheimischen Gräsern und kann durch Hybridisierung mit verwandten Arten wie *Tragopogon pratensis* die genetische Diversität beeinflussen.[2] Die Keimung erfolgt optimal bei kühlen Bodentemperaturen zwischen 10 und 15 °C.[1] Zu den natürlichen Feinden gehören diverse Insekten; Blattläuse wie die Grüne Pfirsichblattlaus (*Myzus persicae*) und die Erbsenblattlaus (*Acyrthosiphon pisum*) befallen das Laub und können Viren übertragen. Im Wurzelbereich verursachen Drahtwürmer (*Limonius* spp.) Fraßschäden, während Larven von Eulenfaltern wie *Spodoptera exigua* die Blätter defolieren. Zudem ist die Pflanze anfällig für Pathogene wie Phytoplasmen, die die Aster-Gelbsucht auslösen und durch Zikaden übertragen werden.[9]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Tragopogon porrifolius wird primär als Nützling kultiviert, gilt jedoch in Teilen Nordamerikas und Australiens als invasiver Neophyt, der in gestörten Habitaten mit einheimischen Arten konkurriert.[3][2] Das Schadpotenzial als Unkraut äußert sich durch die Verdrängung lokaler Flora auf Weideland, während die Pflanze im Anbau selbst verschiedenen Schadorganismen ausgesetzt ist. Zu den bedeutendsten Schädlingen zählen Drahtwürmer (Limonius spp.), deren Larven Bohrgänge in den Pfahlwurzeln verursachen und die Marktfähigkeit zerstören. Ein Befall durch Blattläuse wie Myzus persicae zeigt sich durch gekräuselte Blätter und Honigtauausscheidungen, wobei diese Insekten auch Viren übertragen können.[9] Als Krankheitsanzeichen für den Weißen Rost (Pustula tragopogonis) treten weiße Pusteln auf den Stängeln und Blättern auf, die zur Entlaubung führen können.[2] Eine bakterielle Weichfäule, oft verursacht durch Pectobacterium carotovorum, führt besonders bei hoher Feuchtigkeit oder Verletzungen während der Ernte zu einem wässrigen Zerfall der gelagerten Wurzeln.[3] Zur Prävention ist im Integrierten Pflanzenschutz (IPM) eine strikte Fruchtfolge essenziell, bei der für mindestens drei Jahre auf den Anbau von Wurzelgemüse oder Grasland verzichtet wird.[1] Bauliche Maßnahmen wie der Einsatz von Kulturschutznetzen verhindern den Zuflug von Zikaden, die als Vektoren für die Aster-Gelbsucht fungieren.[9] Hygienische Maßnahmen umfassen die sofortige Entfernung infizierter Pflanzenreste und die Sicherstellung gut drainierter Böden, um Wurzelfäule durch Staunässe zu vermeiden. Zur biologischen Bekämpfung von Bodenlarven werden entomopathogene Nematoden wie Heterorhabditis bacteriophora ausgebracht, die effektiv gegen Drahtwürmer wirken. Physikalische Methoden beinhalten das Abspülen von Blattläusen mit Wasserstrahlen oder flaches Hacken zur Unkrautregulierung, da die Kultur in der Jugendphase konkurrenzschwach ist. Chemische Interventionen erfolgen im ökologischen Landbau meist durch Neemöl-Präparate, während Fungizide nur bei schwerem Befall unter Beachtung der Wartezeiten eingesetzt werden. Für die Lagerung ist eine hohe Luftfeuchtigkeit von 95–98 % bei 0–2 °C notwendig, um Qualitätsverluste durch Schrumpfung zu verhindern. Gesundheitlich ist die Pflanze unbedenklich, jedoch kann der hohe Gehalt an Inulin bei empfindlichen Personen nach dem Verzehr blähend oder abführend wirken.[2]

Wirtschaftliche Bedeutung

Obwohl *Tragopogon porrifolius* historisch ein bedeutendes Grundnahrungsmittel war, beschränkt sich die heutige kommerzielle Nutzung primär auf Nischenmärkte und Hausgärten, da die Popularität im 20. Jahrhundert zugunsten anderer Gemüsearten stark zurückging.[2] Außerhalb des gezielten Anbaus tritt die Art in eingeführten Gebieten wie Nordamerika und Australien als Unkraut auf, wo sie in landwirtschaftlichen Flächen und Weideland mit einheimischen Gräsern konkurriert. Im Gemüsebau verursacht der Befall durch Drahtwürmer (*Limonius* spp.) direkte wirtschaftliche Schäden, indem diese Tunnel in die Pfahlwurzeln bohren und den Ertrag oft unverkäuflich machen. Blattläuse wie die Grüne Pfirsichblattlaus (*Myzus persicae*) führen durch ihre Saugtätigkeit und potenzielle Virusübertragung zu verkümmertem Wachstum und gekräuselten Blättern, was die Pflanzengesundheit beeinträchtigt.[9] Pilzliche Erreger wie *Fusarium* spp. und *Rhizoctonia solani* können Wurzelfäule und das Absterben von Keimlingen verursachen, was insbesondere bei fehlender Fruchtfolge zu Bestandsverlusten führt.[2] Erhebliche Qualitätseinbußen entstehen nach der Ernte durch bakterielle Weichfäule (*Pectobacterium carotovorum*), die gelagerte Wurzeln besonders nach Verletzungen in eine schleimige Masse zersetzt.[3] Zudem neigen die Wurzeln bei unsachgemäßer Lagerung unterhalb von 95 % Luftfeuchtigkeit zu schnellem Schrumpfen und Gewichtsverlust, was die Marktqualität drastisch reduziert. Positiv ist die Rolle der Pflanze als Nektarquelle für Bestäuber wie Bienen (*Apis* spp.) und Schwebfliegen zu bewerten, die ökologische Funktionen in der Agrarlandschaft unterstützen.[3]

Biologie & Lebenszyklus

Tragopogon porrifolius ist eine zweijährige krautige Pflanze, deren Lebenszyklus sich über zwei Vegetationsperioden erstreckt.[3] Im ersten Jahr keimt der Samen unter feuchten Bedingungen bei optimalen Bodentemperaturen von 10–15 °C innerhalb von 8 bis 10 Tagen.[4] In dieser Phase bildet die Pflanze eine basale Rosette aus grasartigen Blättern und entwickelt eine verdickte Pfahlwurzel als primäres Speicherorgan für Ressourcen.[1] Die vegetative Rosette ist frosttolerant und überdauert den Winter, bevor im zweiten Jahr, ausgelöst durch Vernalisation und längere Tage, das Schossen des bis zu 1,2 Meter hohen Blütenstängels erfolgt.[2][1] Die Blütezeit erstreckt sich in gemäßigten Breiten primär von Mai bis Juni, wobei sich die Blütenkörbe nur kurzzeitig am frühen Morgen öffnen und meist vor dem Mittag wieder schließen.[3] Reproduktionsbiologisch ist die Art zwittrig, jedoch obligat fremdbefruchtend, da ein gametophytisches Selbstinkompatibilitätssystem die Selbstbefruchtung verhindert. Die Blüten sind protandrisch, was bedeutet, dass die Pollenausschüttung vor der Empfängnisbereitschaft der Narben stattfindet, um Kreuzbefruchtung zu fördern. Als Bestäuber fungieren verschiedene Insekten, darunter Bienen, Schwebfliegen und Käfer, die durch die violetten Zungenblüten angelockt werden.[2] Nach der Befruchtung entstehen Achänen mit einem federartigen Pappus, der als Flugorgan für die Windausbreitung (Anemochorie) dient.[3] Da die Pflanze monokarp ist, stirbt sie nach der Samenreife und dem Abschluss der reproduktiven Phase ab.[2] Physiologisch zeichnet sich die Haferwurzel durch ein Milchröhrensystem aus, das bei Verletzung einen weißen Latexsaft absondert. Als Reservestoff speichert die Wurzel Kohlenhydrate vorwiegend in Form von Inulin, einem Fructan, anstelle von Stärke.[3] Zu den natürlichen Feinden zählen Blattläuse wie Myzus persicae, die Viren übertragen können, sowie bodenbewohnende Drahtwürmer, die Fraßschäden an den Wurzeln verursachen.[9] Pilzliche Pathogene wie Fusarium spp. oder der Weiße Rost (Pustula tragopogonis) können zudem Fäulnis und Entlaubung hervorrufen.[3] In Gebieten mit sympatrischem Vorkommen hybridisiert T. porrifolius häufig mit verwandten Arten wie Tragopogon pratensis.[2]

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Tragopogon porrifolius* umfasst den Mittelmeerraum und erstreckt sich über Südeuropa, Nordafrika sowie Teile Vorderasiens.[1][2] Zu den natürlichen Vorkommen zählen Länder wie Spanien, Italien, Griechenland und die Türkei, wobei das Areal bis zu den Kanarischen Inseln und der Arabischen Halbinsel reicht.[3][5] Historisch wurde die Art bereits in der Antike genutzt und breitete sich im Mittelalter durch Handel und Anbau als Nahrungspflanze bis nach Nordeuropa aus.[2] Heute ist die Pflanze in vielen gemäßigten Klimazonen weltweit eingebürgert, darunter weite Teile Nordamerikas, Australiens und Neuseelands.[3] In Mitteleuropa, beispielsweise in Deutschland, Frankreich und Belgien, tritt die Haferwurzel vorwiegend als Kulturpflanze oder verwilderter Gartenflüchtling auf.[1][2] *Tragopogon porrifolius* bevorzugt sonnige Standorte mit gut durchlässigen Böden und toleriert Substrate von sandigem Lehm bis zu Ton.[1][3] Im natürlichen Verbreitungsgebiet besiedelt sie Grasland, lichte Wälder, Küstenbereiche sowie felsige Hänge und semi-aride Steppen.[1] Als Neophyt findet man die Art häufig in gestörten Habitaten wie Straßenrändern, Brachflächen, Ruderalstellen und städtischen Grundstücken.[3] Zudem wächst sie in landwirtschaftlichen Flächen und ehemaligen Gärten, wo sie sich nach der Kultivierung oft selbstständig hält. Die vertikale Verbreitung erstreckt sich von der Ebene bis in Höhenlagen von 2.100 Metern.[1] In den eingeschleppten Gebieten tritt die Pflanze in Konkurrenz zu heimischer Vegetation, insbesondere in offenen, gestörten Arealen. In Gebieten mit überlappenden Vorkommen teilt sie sich den Lebensraum oft mit verwandten Arten wie *Tragopogon pratensis*, wobei es zur Hybridisierung kommen kann.[2]

Saisonalität & Aktivität

*Tragopogon porrifolius* ist eine zweijährige Pflanze, deren Lebenszyklus und Aktivität sich über zwei Vegetationsperioden erstrecken.[3] Im ersten Jahr konzentriert sich das Wachstum auf die Ausbildung einer basalen Blattrosette sowie der Pfahlwurzel, wobei dieses vegetative Stadium frosttolerant ist und den Winter überdauert.[3][1] Die Keimung der Samen erfolgt optimal bei kühlen Bodentemperaturen von 10 bis 15 °C, weshalb die phänologische Entwicklung oft im zeitigen Frühjahr beginnt.[1] Im zweiten Jahr folgt nach der Vernalisation das Schossen des Blütenstängels, wobei die primäre Blütezeit in nördlichen Breiten die Monate Mai und Juni umfasst. In gemäßigten Klimazonen kann sich die gesamte Blühperiode von April bis August erstrecken. Die Blüten zeigen eine ausgeprägte Tagesperiodik: Sie öffnen sich am frühen Morgen zwischen Sonnenaufgang und 10 Uhr und schließen sich meist bereits gegen Mittag wieder. Nach der Bestäubung und der Reife der flugfähigen Samen stirbt die Pflanze als monokarpe Spezies ab.[3] In kultivierten Beständen liegt der Schwerpunkt der Ernteaktivität im Spätherbst und frühen Winter, da Frosteinwirkung die Qualität der Wurzeln verbessert.[1] Das öffentliche Interesse korreliert stark mit diesen biologischen und landwirtschaftlichen Phasen und zeigt deutliche Spitzenwerte im März sowie im November.[6]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Hörnum - Mitte, 25997 Hörnum (Sylt), Deutschland

    20.06.2025

  • Bayern, Deutschland

    15.06.2025

  • Münster

    09.06.2026

  • Deutschland

    31.05.2025

  • Deutschland

    23.05.2025

Daten: iNaturalist

Quellen & Referenzen

  1. https://plants.ces.ncsu.edu/plants/tragopogon-porrifolius/
  2. https://www.gbif.org/species/5386938
  3. https://floranorthamerica.org/Tragopogon_porrifolius
  4. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:256109-1
  5. https://www.loebclassics.com/view/LCL079/1916/pb_LCL079.481.xml
  6. Zeitreihen-Analyse: Suchinteresse (aggregiert), DE, Keyword: Haferwurzel, 2026.
  7. https://nph.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1469-8137.2006.01905.x
  8. https://awkwardbotany.com/2017/06/28/summer-of-weeds-salsify/
  9. https://pnwhandbooks.org/insect/vegetable/vegetable-pests/hosts-pests/salsify-aphid
  10. Literaturzusammenfassung: Tragopogon porrifolius