Zu Inhalt springen

Asiatische Tigermücke Aedes albopictus

Asiatische Tigermücke
Mittleres Risiko Invasive Art Krankheitsüberträger Kann beißen Physische Gefahr

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Zweiflügler (Diptera)
Familie Culicidae
Gattung Aedes
Art Aedes albopictus
Wissenschaftlicher Name: Aedes albopictus (Skuse, 1894)
Akzeptierter Name
Mehr auf GBIF.org

Einleitung

Die **Asiatische Tigermücke** (*Aedes albopictus*, teilweise auch als *Stegomyia albopicta* klassifiziert) ist eine ursprünglich aus den Tropen und Subtropen Südostasiens stammende Stechmückenart, die sich weltweit invasiv ausgebreitet hat.[1][2] Aufgrund ihrer Eigenschaft als kompetenter Vektor für diverse Arboviren, darunter Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren, besitzt sie eine hohe medizinische Relevanz.[2][3] Charakteristisch für die tagaktive Art ist die kontrastreiche schwarz-weiße Musterung, wobei sie sich durch einen zentralen weißen Längsstreifen auf dem Thoraxrücken von der oft verwechselten [Gelbfiebermücke](/pages/lexikon/gelbfiebermuecke) (*[Aedes aegypti](/pages/lexikon/gelbfiebermuecke)*) unterscheidet.[1][2]

Fakten (kompakt)

Hier sind einige Fakten über die Asiatische Tigermücke (*Aedes albopictus*) als Bullet-Liste: - Die Asiatische Tigermücke (*Aedes albopictus*) ist eine kleine Mückenart aus der Familie der Stechmücken ([Culicidae](/pages/lexikon/mucken)). - Adulte *Aedes albopictus* sind etwa 2 bis 10 mm lang. - *Aedes albopictus* hat einen schwarzen Körper mit markanten weißen Längsstreifen an Thorax, Beinen und Abdomen. - Ursprünglich stammt *Aedes albopictus* aus den tropischen und subtropischen Regionen Südostasiens. - Seit den 1980er Jahren hat sich die Art weltweit ausgebreitet und ist nun in über 100 Ländern auf allen Kontinenten außer der Antarktis etabliert. - Die Ausbreitung erfolgt hauptsächlich durch den internationalen Handel mit gebrauchten Reifen und anderen wasserhaltenden Behältern, die den Eiertransport erleichtern. - Die Eier von *Aedes albopictus* sind widerstandsfähig und können Trockenperioden von bis zu einem Jahr überstehen. - *Aedes albopictus* Weibchen sind tagaktiv und stechen aggressiv. - *Aedes albopictus* ist ein kompetenter Vektor für verschiedene Arboviren, darunter Dengue-, Chikungunya- und Zika-Virus. - Die Larven von *Aedes albopictus* entwickeln sich in stehenden Gewässern, wie z.B. in Altreifen, Blumentöpfen und Vogeltränken. - Der Lebenszyklus von *Aedes albopictus* umfasst vier Stadien: Ei, Larve, Puppe und Adult, wobei die Entwicklung vom Ei zum Adult unter optimalen Bedingungen etwa 7 bis 10 Tage dauert. - *Aedes albopictus* kann auch Fadenwürmer wie *Dirofilaria immitis* übertragen, die Hunde und gelegentlich auch Menschen befallen. - Der Gattungsname *Aedes* stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet "unangenehm" oder "abscheulich". - Das Artepitheton *albopictus* stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "weiß bemalt" oder "weiß markiert", was sich auf die weißen Streifen bezieht.[3]

Namen & Einordnung (kurz)

Die Asiatische Tigermücke (*Aedes albopictus*) wurde 1894 von Frederick A. A. Skuse ursprünglich unter dem Namen *Culex albopictus* wissenschaftlich erstbeschrieben.[2][1] Das Art-Epitheton *albopictus* entstammt dem Lateinischen (*albus* für weiß, *pictus* für bemalt) und bezieht sich auf die auffällige weiße Zeichnung des Körpers. Taxonomisch gehört die Art zur Familie der Stechmücken ([Culicidae](/pages/lexikon/mucken)).[1] Ein Vorschlag aus dem Jahr 2004, die Art als *Stegomyia albopicta* in den Gattungsrang zu erheben, hat sich international nicht allgemein durchgesetzt, wird aber als Synonym geführt.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Adulte Exemplare von *Aedes albopictus* sind kleine Stechmücken mit einer Körperlänge von etwa 2 bis 10 Millimetern.[1] Charakteristisch ist die tiefschwarze Grundfärbung des Körpers, die mit auffälligen weißen Schuppenmustern auf Thorax, Beinen und Abdomen versehen ist und der Art ihr tigerartiges Erscheinungsbild verleiht. Ein zentrales Bestimmungsmerkmal ist der einzelne, silbrig-weiße Längsstreifen, der mittig über das Rückenschild (Scutum) des Thorax verläuft.[3][1] Die Beine weisen eine markante schwarz-weiße Bänderung auf, wobei die weißen Ringe an den Tarsen meist breiter ausgeprägt sind als bei verwandten Arten.[3][2] Ein deutlicher Sexualdimorphismus zeigt sich an den Antennen: Während Weibchen relativ gerade Fühler besitzen, verfügen Männchen über buschige, gefiederte Antennen zur Wahrnehmung von Flügelschlägen. Zudem sind die Palpen der Männchen an den Spitzen keulenförmig verdickt und länger als der Rüssel, während Weibchen einen für die Blutmahlzeit angepassten Stechrüssel besitzen. Die aquatischen Larven sind wurmartig, besitzen eine dunkle Kopfkapsel sowie ein einzelnes seitliches Auge und atmen über ein deutliches Siphonrohr am Hinterleibsende. Die Puppen sind kommaförmig, beweglich und nutzen paddelartige Strukturen am Hinterleib zum Schwimmen.[3] Zur Abgrenzung von der ähnlichen [Gelbfiebermücke](/pages/lexikon/gelbfiebermuecke) (*[Aedes aegypti](/pages/lexikon/gelbfiebermuecke)*) dient primär die Thoraxzeichnung, da *A. aegypti* statt des zentralen weißen Strichs ein leierförmiges Muster aufweist.[1][2] Von *Aedes japonicus* unterscheidet sich *A. albopictus* durch die schmale mediane Linie im Gegensatz zu den breiteren, teils goldgelben Schuppenmustern der Vergleichsart. Einheimische Arten wie *Aedes triseriatus* lassen sich durch das Fehlen der kontrastreichen schwarz-weißen Bänderung sicher abgrenzen.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Aedes albopictus ist medizinisch von hoher Bedeutung, da die Art als kompetenter Vektor für Arboviren wie das Dengue-, Chikungunya- und Zika-Virus sowie für den [Herzwurm](/pages/lexikon/kohleule-herzwurm) Dirofilaria immitis fungiert. Neben dem Infektionsrisiko verursacht die Spezies in befallenen Gebieten durch ihr aggressives, tagaktives Stechverhalten eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität.[3] Die globalen ökonomischen Kosten für Bekämpfung und Überwachung wurden für den Zeitraum von 1975 bis 2020 auf durchschnittlich 3,1 Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt. Prävention konzentriert sich primär auf die Beseitigung von Brutstätten (Source Reduction) durch das Entleeren oder Entfernen wasserführender Behältnisse wie Blumentopfuntersetzer und Altreifen.[2] Zur biologischen Bekämpfung in stehenden Gewässern wird das Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) eingesetzt, das bei Larven eine Mortalitätsrate von 90–100 % erreichen kann.[4] Auch natürliche Fressfeinde wie Ruderfußkrebse der Gattung Mesocyclops oder Libellenlarven können die Larvendichte signifikant reduzieren.[3] Obwohl Pyrethroide wie Permethrin gegen Adulte eingesetzt werden, ist seit den 2010er Jahren in vielen Regionen eine weitverbreitete Resistenz dokumentiert.[5] Innovative Ansätze umfassen die Sterile-[Insekten](/pages/lexikon/insekten)-Technik (SIT), die in Pilotversuchen durch die Freilassung sterilisierter Männchen eine Populationsunterdrückung von 98 % erzielte. Ergänzend wird die Infektion mit Wolbachia-Bakterien genutzt, um zytoplasmatische Inkompatibilität zu induzieren und so die Anzahl lebensfähiger Nachkommen zu verringern.[2] Auf individueller Ebene werden die Installation von Insektenschutzgittern sowie die Nutzung von Repellents mit DEET empfohlen, die eine Wirksamkeit von bis zu 95 % aufweisen.[3]

Biologie & Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von *Aedes albopictus* umfasst die vier Stadien Ei, Larve, Puppe und Imago, wobei die Entwicklung der Jugendstadien an aquatische Habitate gebunden ist.[2] Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in kleinen, künstlichen Wasseransammlungen wie Altreifen oder Blumentöpfen ab, wobei die Eiablage an den Innenwänden oberhalb der Wasserlinie erfolgt. Die Eier sind äußerst widerstandsfähig gegen Austrocknung und können bis zu einem Jahr in trockenem Zustand überdauern, bis sie durch Überflutung zum Schlüpfen angeregt werden. In gemäßigten Klimazonen überwintert die Art im Eistadium durch eine photoperiodisch induzierte Diapause, die eine erhöhte Kältetoleranz ermöglicht.[3] Nach dem Schlüpfen durchlaufen die aquatischen Larven vier Stadien, in denen sie sich von organischem Material und Mikroorganismen ernähren.[1] Die gesamte Entwicklungsdauer vom Ei bis zum adulten Insekt beträgt unter optimalen Bedingungen bei 25 bis 30 °C etwa 7 bis 14 Tage.[3] Dieser Prozess ist stark temperaturabhängig; kühlere Temperaturen verlängern den Zyklus, während die Überlebensraten unterhalb von 10 °C deutlich sinken.[4] Während sich beide Geschlechter zur Energieversorgung von pflanzlichem Nektar ernähren, benötigen die Weibchen für die Eiproduktion proteinreiche Blutmahlzeiten.[3] *Aedes albopictus* ist tagaktiv und zeigt ein opportunistisches Stechverhalten, wobei neben dem Menschen auch andere Säugetiere und Vögel als Wirte dienen.[2] Die Fortpflanzung erfolgt oft nach der Schwarmbildung der Männchen, wobei Weibchen in der Regel nur einmal in ihrem Leben begattet werden und den Samen für mehrere Gelege speichern.[4]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Freiburg im Breisgau, Baden-Württemberg, Deutschland

    01.11.2025

  • Karlsruhe, Baden-Württemberg, Deutschland

    01.11.2025

  • Stühlinger, 79 Freiburg im Breisgau-West, Deutschland

    20.10.2025

  • Deutschland

    09.10.2025

  • Bottrop, DE-NW, Deutschland

    07.10.2025

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Ursprünglich in den tropischen und subtropischen Regionen Südostasiens beheimatet, erstreckte sich das natürliche Verbreitungsgebiet von *Aedes albopictus* historisch bis nach Japan und Indien.[1] Seit den 1980er Jahren hat sich die Art, begünstigt durch den internationalen Warenverkehr wie den Altreifenhandel, global massiv ausgebreitet.[2] Heute ist die Spezies in über 126 Ländern auf allen Kontinenten außer der Antarktis etabliert. Aktuelle Daten von Juni 2025 belegen stabile Populationen in weiten Teilen Amerikas, Ozeaniens sowie in 16 europäischen Ländern, darunter Italien, Frankreich, Deutschland und Spanien.[4] Als kulturfolgende Art ist *Aedes albopictus* hervorragend an urbane und suburbane Lebensräume angepasst.[3] Zur Eiablage nutzt sie primär kleine, künstliche Wasseransammlungen in menschlicher Nähe, wie etwa Blumentöpfe, Vogeltränken oder Regentonnen. Die Fähigkeit der Eier, in eine Diapause einzutreten, ermöglicht der Mücke das Überwintern in gemäßigten Klimazonen und die Besiedlung von Höhenlagen bis zu 2.000 Metern.[2]

Saisonalität & Aktivität

Die adulten Weibchen von *Aedes albopictus* sind tagaktiv und zeigen aggressive Stechaktivitäten, wobei zwei ausgeprägte Spitzen am frühen Vormittag sowie am späten Nachmittag zu beobachten sind.[2] Die physiologische Entwicklung und Aktivität ist stark temperaturabhängig, wobei das Optimum zwischen 25 °C und 30 °C liegt und die Flugaktivität bereits ab 10 °C möglich ist. In gemäßigten Klimazonen überwintert die Art im Eistadium, indem sie bei Temperaturen unter 15 °C oder verkürzten Tageslichtphasen in eine Diapause eintritt.[3] Das öffentliche Suchinteresse in Deutschland spiegelt diesen biologischen Rhythmus wider und erreicht seine Höchstwerte typischerweise in den Sommermonaten August und Juni. Während der Wintermonate Dezember und Januar fällt das Interesse auf ein Minimum ab, was mit der Inaktivität der adulten [Mücken](/pages/lexikon/mucken) korreliert. Unter günstigen Bedingungen können sich in temperierten Regionen bis zu vier Generationen pro Jahr entwickeln.[2]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-114375954-A Chemical Anmeldung

Mückenanlockende Zusammensetzung unter Verwendung von Chitosan als Träger zur Bindung von Brenztraubensäure zur CO2-Adsorption

Guangdong Academy OF Sciences Institute (2022)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Eine Gel-Zusammensetzung nutzt Chitosan, um Brenztraubensäure zu binden und CO2 zu adsorbieren bzw. langsam freizusetzen. Dies simuliert menschlichen Geruch und Atmung, um Mücken anzulocken. Die Methode ist besonders effektiv, um Aedes albopictus und Culex-Arten in Fallen zu locken.

CN-112640905-A Chemical Anmeldung

Herstellungsverfahren für ein effizientes Lockmittel gegen Aedes albopictus

Jiangsu Provincial Center For Disease Control And Prevention Public Health Research Institute OF Jiangsu, Nanjing Best Pest Control Service Company Ltd., Wuxi Center For Disease Control And Prevention (2020)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt die Synthese eines Lockmittels (2-Ammoniumhydroxypropionat) aus Ammoniumbicarbonat und organischen Säuren. Diese Substanz imitiert flüchtige Geruchsstoffe, die für Mücken attraktiv sind. Durch die synergistische Wirkung der Komponenten wird eine hohe Anziehungskraft auf Aedes albopictus ausgeübt, was die Überwachung und Bekämpfung erleichtert.

CN-111109307-A Chemical Unbekannt

Herstellungsverfahren für ein pflanzliches mückenabweisendes Textil und dessen pharmazeutische Zusammensetzung

Institute OF Cotton Hebei Academy OF Agriculture And Forestry Sciences (2019)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Die Erfindung betrifft die Behandlung von Textilien mit einer Mischung aus traditionellen chinesischen Heilkräutern (z.B. Minze, Nelke, Lavendel). Diese pflanzlichen Wirkstoffe verleihen dem Stoff eine abweisende Wirkung gegen Aedes albopictus (ca. 60% Repellent-Rate). Die Methode ist umweltfreundlich und gesundheitlich unbedenklich.

CN-107254426-A Biological Unbekannt

Eine Art von Bacillus thuringiensis zur Larvenabtötung und deren Anwendung

Zhejiang Cuixi Agricultural Dev Company Ltd. (2017)

Relevanz: 9/10

Zusammenfassung

Ein neuer Stamm von Bacillus thuringiensis (Bt S2160 1) wird vorgestellt, der eine besonders hohe insektizide Wirkung auf die Larven von Aedes albopictus hat. Er dient als biologische Alternative oder Ergänzung zu bestehenden Mitteln (wie Bti), um Resistenzbildungen zu vermeiden und Populationen großflächig zu kontrollieren.

CN-106386779-A Biological Unbekannt

Regionales Freisetzungsverfahren von Wolbachia-tragenden Aedes albopictus an festen Positionen

Guangzhou Weibaikun Biological Technology Company Ltd. (2016)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Das Patent definiert ein Protokoll zur Freisetzung von Wolbachia-infizierten männlichen Tigermücken. Es umfasst die Überwachung der lokalen Population mittels BG-Fallen und PCR-Tests, um das notwendige Freisetzungsverhältnis (mindestens 5:1) zu bestimmen. Ziel ist die effektive Unterdrückung der Wildpopulation durch sterile Paarungen in spezifischen Zielgebieten.

Quellen & Referenzen

  1. https://animaldiversity.ummz.umich.edu/accounts/aedes_albopictus/
  2. https://www.gbif.org/species/1651430
  3. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4493616/
  4. https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/aedes-albopictus-current-known-distribution-june-2025
  5. https://journals.lww.com/aptm/fulltext/2023/16100/insecticide_resistance_status_of_aedes_aegypti_and.2.aspx