Fakten (kompakt)
- Die wilden Verwandten der Aubergine haben ihren evolutionären Ursprung vor etwa zwei Millionen Jahren im nordöstlichen Afrika. - Im Mittelalter wurde die Pflanze durch arabische Händler in Europa eingeführt, wo sie aufgrund ihrer Verwandtschaft zu giftigen Nachtschattengewächsen zunächst auf Misstrauen stieß. - China und Indien dominieren den globalen Anbau und stellen zusammen über 85 % der weltweiten Produktion. - Die landwirtschaftliche Nutzfläche für den Auberginenanbau umfasst weltweit mehr als 1,8 Millionen Hektar. - Mit etwa 25 Kalorien pro 100 Gramm ist die rohe Frucht sehr kalorienarm und besteht größtenteils aus Wasser. - Der Ballaststoffgehalt der Früchte liegt bei ungefähr 3 Gramm pro 100 Gramm. - In den violetten Varietäten ist das Antioxidans Nasunin enthalten, dem eine förderliche Wirkung auf die Zellgesundheit zugeschrieben wird. - Bitterkeit in unreifen oder überreifen Früchten wird durch natürliche Phenole verursacht, was traditionell durch das Einsalzen vor der Zubereitung gemildert wird. - Die Familie der Nachtschattengewächse (*Solanaceae*), zu der die Aubergine gehört, umfasst insgesamt etwa 2.700 Arten. - Taxonomisch wird die Art der Ordnung Solanales, der Unterklasse Asteridae und der Klasse Magnoliopsida zugeordnet.[8]
Die Art wird wissenschaftlich als *Solanum melongena* L. geführt und gehört zur Gattung *Solanum* innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae).[2][1] Phylogenetisch ordnet sie sich in die Altwelt-Klade der Gattung ein und steht in engster Verwandtschaft zum wilden Vorfahren *Solanum insanum*, aus dem die Domestikation in Asien erfolgte.[2][3] Der im Deutschen und Französischen gebräuchliche Name „Aubergine“ leitet sich über das katalanische *alberginia* vom arabischen *al-bādhinjān* ab.[2] Etymologisch lässt sich dieser Begriff weiter auf das persische *bādenjān* und ursprünglich das Sanskrit-Wort *vātigagama* zurückführen, was eine carminative (blähungswidrige) Wirkung impliziert.[2][4] Die englische Bezeichnung „eggplant“ entstand im Jahr 1763 und bezog sich ursprünglich auf kleine, weißfrüchtige Sorten, die optisch an Gänse- oder Hühnereier erinnerten. Im indischen Raum ist die Pflanze als „Brinjal“ oder *Baingan* bekannt, während sie im spanischen Sprachraum *Berenjena* genannt wird.[2] Historisch wurde die Frucht in Europa aufgrund ihrer botanischen Verwandtschaft zu giftigen Nachtschattengewächsen auch als „Tollapfel“ (italienisch *mela insana*) bezeichnet, da ihr Verzehr fälschlicherweise mit Wahnsinn assoziiert wurde.[4][3] Im Gegensatz zu neuweltlichen *Solanum*-Arten wie der Tomate stammen *Solanum melongena* und nahe Verwandte wie *Solanum incanum* primär aus Afrika und Asien.[5]
Solanum melongena wächst als krautige, mehrjährige Pflanze, die in der Landwirtschaft meist einjährig kultiviert wird und Wuchshöhen von 30 bis 150 cm erreicht. Unter günstigen Bedingungen können die aufrechten, verzweigten Stängel bis zu 200 cm hoch werden. Die Sprossachsen sind typischerweise mit sternförmigen Haaren (Pubeszenz) bedeckt und können, besonders bei wilden Verwandten, verstreute Stacheln aufweisen. Die wechselständigen, einfachen Laubblätter besitzen eine eiförmige bis elliptische Form und messen 7 bis 20 cm in der Länge sowie 4 bis 10 cm in der Breite. Ihre Ränder sind buchtig gezähnt bis flach gelappt, wobei beide Oberflächen eine sternförmige Behaarung zeigen. Die Blüten erscheinen in extra-axillären, scheinbar traubigen Blütenständen, die ein bis sechs Einzelblüten an 1 bis 2 cm langen Stielen tragen. Die radförmig-sternförmige Krone hat einen Durchmesser von 2 bis 3,5 cm und ist meist violett, seltener weiß gefärbt. Charakteristisch sind fünf ungleiche, bis zu 10 mm lange Staubblätter und ein fünflappiger Kelch mit linealisch-lanzettlichen Lappen, der sich während der Fruchtreife vergrößert. Die Pflanzen sind andromonözisch und heterostyl, besitzen also unterschiedliche Griffellängen innerhalb der Blütenstände. Die Frucht ist eine hängende, kahle und glänzende Beere, die in ihrer Form von eiförmig bis stark länglich variiert. Während Wildformen oft klein und rund sind, erreichen kultivierte Früchte Längen von 3 bis über 20 cm. Die Färbung reicht von dem bekannten Tiefviolett über Weiß, Gelb und Grün bis hin zu gestreiften Mustern. Im Inneren umschließt das Perikarp ein schwammiges, weißes Fruchtfleisch mit zahlreichen abgeflachten, gelblich-braunen Samen von 2 bis 3 mm Länge.[1] Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu wilden Vorfahren wie *Solanum insanum* ist die durch Domestikation reduzierte Bestachelung, die genetisch durch einen Locus auf Chromosom 6 kontrolliert wird.[2] Zudem enthalten die Früchte der Kulturformen weniger bittere Glykoalkaloide als die oft toxischen Beeren wilder Verwandter.[1] Verwandte Arten wie *Solanum torvum* unterscheiden sich morphologisch oft durch stärkere Bedornung und dienen primär als Resistenzquellen in der Züchtung.[5]
Als landwirtschaftliche Kultur ist *Solanum melongena* kein Schädling, sondern Wirt für ökonomisch bedeutende Pathogene, die ohne Management Ertragsverluste von bis zu 70 % verursachen können.[4][2] Der destruktivste Schädling ist der Frucht- und Sprossbohrer (*Leucinodes orbonalis*), dessen Larven Stängel und Früchte durchbohren, was zu Welke und innerer Gewebezerstörung führt.[2] Kritische bodenbürtige Erkrankungen sind die Bakterienwelke (*Ralstonia solanacearum*) und die Verticillium-Welke, die durch Verstopfung der Gefäßbahnen zum plötzlichen Pflanzenkollaps führen. In gesundheitlicher Hinsicht enthalten unreife Früchte und vegetative Teile Steroidglykoalkaloide wie Solanin, die in akuten Dosen über 1–3 mg/kg Körpergewicht toxisch wirken können, während reife Früchte meist unbedenklich sind.[3] IgE-vermittelte Allergien treten selten auf (Prävalenz ca. 0,8 %) und sind oft mit Kreuzreaktionen auf Pollen oder andere Nachtschattengewächse assoziiert. Präventive Maßnahmen basieren primär auf einer Fruchtfolge von zwei bis drei Jahren mit nicht-solanaceen Kulturen, um Pathogenzyklen im Boden zu unterbrechen.[3] Die Veredelung auf resistente Unterlagen, etwa interspezifische Hybriden mit *Solanum torvum*, unterdrückt effektiv den Befall durch Bakterienwelke und Nematoden. Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) werden biologische Kontrollen eingesetzt, wie die Förderung von Marienkäfern gegen Blattläuse (*Aphis* spp.) oder die Freisetzung parasitischer Wespen.[3] Biotechnologische Ansätze wie Bt-Auberginen, die das *Cry1Ac*-Toxin exprimieren, bieten eine spezifische Resistenz gegen den Sprossbohrer und reduzierten in Anbauregionen wie Bangladesch den Pestizideinsatz um über 37 %.[2][1] Nach der Ernte reagieren die Früchte empfindlich auf Temperaturen unter 10 °C, was sich durch Kälteschäden wie Lochfraß (Pitting) und epidermale Bräunung äußert.[6]