Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Familie *Scarabaeidae* erfolgte im Jahr 1802 durch den französischen Entomologen Pierre André Latreille.[1] Im deutschsprachigen Raum ist die Familie unter dem Trivialnamen Blatthornkäfer bekannt.[1][3] Dieser Name verweist auf die morphologische Besonderheit der Fühler, deren Endglieder blattartig verbreitert sind und zu einer Keule zusammengelegt werden können. International wird die Gruppe meist als 'scarab beetles' bezeichnet, wobei für Unterfamilien spezifische Namen wie 'dung beetles' (*Scarabaeinae*) oder 'rhinoceros beetles' (*Dynastinae*) etabliert sind. Systematisch gehört die Familie zur Überfamilie *Scarabaeoidea* und wird phylogenetisch in die Reihe Scarabaeiformia gestellt, wie sie 1960 von Crowson definiert wurde. Neuere molekulare Studien bestätigen eine enge Verwandtschaft zu den Familien *Lucanidae* und *Passalidae* innerhalb einer basalen Klade der *Scarabaeoidea*. Historisch wurde das Taxon ursprünglich als breite Sammelgruppe definiert, aus der im Zuge taxonomischer Revisionen frühere Untergruppen wie die *Geotrupidae* und *Hybosoridae* in den Status eigenständiger Familien erhoben wurden. Die Familie umfasst heute etwa 28 Unterfamilien, was ihre enorme taxonomische Diversität und evolutionäre Radiation widerspiegelt.[1]
Die adulten Käfer zeichnen sich durch einen robusten, meist ovalen oder abgerundeten Körperbau aus, wobei die Größe je nach Art stark variiert, von etwa 2 mm bei kleinen *Aphodius*-Arten bis zu über 100 mm beim Goliathkäfer (*Goliathus goliathus*).[1] Ein entscheidendes Bestimmungsmerkmal sind die lamellierten Antennen, deren Endkeule aus drei bis sieben plättchenartigen Segmenten besteht, die fächerartig gespreizt oder zusammengefaltet werden können.[2] Der Kopf ist typischerweise nach unten geneigt und besitzt oft lamellenförmige, nach vorne gerichtete Mandibeln, die an die jeweilige Ernährungsweise angepasst sind.[3] Die kräftigen Beine sind häufig verdickt oder gezähnt, insbesondere an den Vorderschienen, was als Anpassung an grabende oder kletternde Lebensweisen dient.[1] Viele Arten weisen eine metallische oder irisierende Färbung auf, die durch strukturelle Eigenschaften des Exoskeletts entsteht, wie etwa das leuchtende Grün des *Cotinis nitida*.[2] Das Pygidium, das letzte Rückensegment des Abdomens, liegt häufig frei und wird nicht vollständig von den Flügeldecken verdeckt, wobei es meist quer ausgerichtet ist.[3] Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus findet sich vor allem in der Unterfamilie *Dynastinae*, bei der Männchen oft imposante Kopf- oder Thoraxhörner ausbilden, die den Weibchen fehlen.[2] Die Larven, allgemein als Engerlinge bekannt, ruhen in einer charakteristischen C-Form und besitzen ein cremeweißes Abdomen sowie eine verhärtete, braune Kopfkapsel. Sie verfügen über drei gut entwickelte Beinpaare am Thorax, unterscheiden sich jedoch von anderen Scarabaeoidea-Larven durch das Fehlen von Urogomphi. Zur taxonomischen Bestimmung der Larven dient das Raster, ein Muster aus Borsten und Dornen an der ventralen Analplatte; so zeigen *Melolonthinae* oft einen Y-förmigen Analschlitz, während dieser bei *Scarabaeinae* quer verläuft.[3] Während der Entwicklung über drei Larvenstadien wachsen die Engerlinge beträchtlich, wobei späte Stadien je nach Art Längen von über 50 mm erreichen können. Die Eier sind in der Regel perlenartig, weiß oder transluzent und messen im Durchmesser etwa 1 bis 2 mm.[1]
Die Familie *Scarabaeidae* umfasst sowohl ökonomisch bedeutende Schädlinge als auch ökologisch wertvolle Nützlinge. Die als Engerlinge bekannten Larven von Unterfamilien wie Melolonthinae und Rutelinae fressen an Wurzeln, was bei Rasenflächen, Mais und Sojabohnen zu Welkeerscheinungen und Absterben führt. Adulte Käfer, wie der Japankäfer (*Popillia japonica*) oder der Rosenkäfer (*Cetonia aurata*), skelettieren Blätter und schädigen Blüten oder Früchte, was im Obst- und Zierpflanzenbau massive Ertragseinbußen verursacht. Allein in den USA verursacht *Popillia japonica* jährliche Schäden und Bekämpfungskosten von über 460 Millionen Dollar, während der Nashornkäfer (*Oryctes rhinoceros*) tropische Ölpalmenplantagen bedroht.[1] Im Gegensatz dazu erbringen Dungkäfer (Scarabaeinae) durch das Vergraben von Kot Ökosystemdienstleistungen in Milliardenhöhe, indem sie Weideschädlinge reduzieren und die Bodenfruchtbarkeit steigern.[4] Befallsanzeichen sind vergilbte Rasenflächen oder sichtbarer Kahlfraß, wobei das Monitoring häufig Pheromonfallen zur Detektion der flugaktiven Adulten nutzt. Präventive Maßnahmen im Rahmen des Integrierten Pflanzenschutzes (IPM) umfassen Bodenbearbeitung zur Störung der Larvenhabitate und den Einsatz endophytenreicher Gräser. Die biologische Bekämpfung setzt auf entomopathogene Nematoden wie *Heterorhabditis bacteriophora*, die unter optimalen Bedingungen Mortalitätsraten von 50–90 % bei bodenlebenden Engerlingen erzielen.[1] Das Bakterium *Paenibacillus popilliae* (Milky Spore Disease) wird zur langfristigen Suppression von *Popillia japonica* eingesetzt und kann bis zu 20 Jahre wirksam bleiben, wobei optimierte Herstellungsverfahren für Sporangien patentiert wurden. Biotechnologische Ansätze beinhalten zudem die Entwicklung rekombinanter *Bacillus thuringiensis*-Stämme, die spezifische Toxine gegen *Scarabaeidae* exprimieren. Ergänzend werden spezifische Pilzstämme wie *Metarhizium anisopliae* als mikrobielle Insektizide gegen Bodenschädlinge eingesetzt.[3] Ätherische Öle wie Nelke oder Thymian zeigten in Studien toxische Effekte mit über 90 % Mortalität bei Larven und dienen als botanische Alternative. Aufgrund des invasiven Potenzials gelten für Arten wie *Popillia japonica* strenge Quarantänebestimmungen, um eine Verschleppung in neue Gebiete zu verhindern.[1]