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Lexikon-Eintrag

Blattläuse Aphidoidea

Blattläuse
Mittleres Risiko Physische Gefahr Kann stechen Nützling

Taxonomie

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Raphidioptera (Raphidioptera)
Art Raphidioptera
Wissenschaftlicher Name Raphidioptera Navas 1916

Einleitung

Die Blattläuse (*Aphidoidea*) bilden eine Überfamilie kleiner, weichhäutiger Insekten innerhalb der Ordnung der Schnabelkerfe (*Hemiptera*), die sich durch stechend-saugende Mundwerkzeuge zur Aufnahme von Phloemsaft auszeichnen. Mit weltweit über 5.000 beschriebenen Arten spielen sie eine bedeutende ökologische Rolle als spezialisierte Pflanzenfresser, Beute für Nützlinge sowie als Mutualisten von Ameisen.[1][3] Aufgrund ihrer rasanten Vermehrung durch Parthenogenese und der Fähigkeit, zahlreiche pflanzenpathogene Viren zu übertragen, gelten viele Vertreter als gravierende Schädlinge in der Land- und Gartenwirtschaft.[2][3] Im englischen Sprachraum sind sie umgangssprachlich, basierend auf ihrer Färbung, oft als „greenfly“ oder „blackfly“ bekannt.[3]

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Zuletzt am 18.05.2026
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Name & Einordnung

Die Überfamilie *Aphidoidea* wird taxonomisch der Unterordnung *Sternorrhyncha* innerhalb der Ordnung *Hemiptera* zugeordnet.[1] Der wissenschaftliche Name leitet sich vom Neulateinischen *aphis* (Plural *aphides*) ab, ein Begriff, den Carl von Linné 1758 in der 10. Auflage seiner *Systema Naturae* einführte, als er diese Insekten ursprünglich der Gattung *Aphis* zuwies. Etymologisch geht die Bezeichnung auf das altgriechische *apheidēs* zurück, was „unersättlich“ oder „verschwenderisch“ bedeutet und auf die enorme Vermehrungsrate sowie die schädliche Saugaktivität an Pflanzen anspielt. Alternativ wird in der Fachliteratur diskutiert, dass der Name auf einer historischen Fehlinterpretation des griechischen Wortes *koris* („Wanze“) beruhen könnte.[3] Innerhalb der Überfamilie werden drei Hauptfamilien unterschieden: die artenreichen *Aphididae* („echte Blattläuse“), die *Adelgidae* (im Englischen als „woolly aphids“ bekannt) und die *Phylloxeridae*. Phylogenetische Untersuchungen weisen die *Aphididae* als Schwestergruppe einer Klade aus *Adelgidae* und *Phylloxeridae* aus.[1] Im englischen Sprachraum entstanden im 19. Jahrhundert zudem beschreibende Trivialnamen wie „greenfly“ oder „blackfly“, die sich direkt auf die Färbung dominanter Arten wie *Aphis fabae* beziehen.[3] Während die klassische Einordnung primär auf morphologischen Merkmalen wie Antennensegmenten basierte, führten molekulare Analysen seit den frühen 2000er Jahren zu umfangreichen taxonomischen Revisionen und der Auflösung kryptischer Artkomplexe.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Blattläuse sind kleine, weichhäutige Insekten mit einer Körperlänge von typischerweise 1 bis 10 mm und einer birnenförmigen Gestalt, bei der Thorax und Abdomen ohne deutliche Trennung ineinander übergehen.[1] Der Kopf trägt ein Paar langer Antennen zur sensorischen Wahrnehmung sowie stechend-saugende Mundwerkzeuge (Stylette), die in einem schützenden Labium liegen und an das Anstechen von Pflanzengewebe angepasst sind.[1][2] Ein charakteristisches Bestimmungsmerkmal auf dem Abdomen ist ein Paar röhrenförmiger Strukturen, die als Siphunkuli oder Cornicula bezeichnet werden und vom fünften oder sechsten Segment abstehen. Am hinteren Ende des Abdomens befindet sich die Cauda, eine dreieckige oder knaufartige Platte, die dazu dient, Honigtautropfen wegzuschleudern, um eine Verunreinigung des Körpers zu verhindern.[1] Die Grundfärbung variiert stark zwischen den Arten und Morphen und reicht von Grün und Gelb bis hin zu Schwarz oder Rot, wobei Pigmente wie Carotinoide und Melanin sowie wachsartige Ausscheidungen das Erscheinungsbild bestimmen.[2] Innerhalb einer Art treten oft unterschiedliche Morphen auf, darunter flügellose (aptere) Formen für die sesshafte Nahrungsaufnahme und geflügelte (alate) Individuen mit funktionstüchtigen Flügeln und längeren Körpern für die Verbreitung. Während der sexuellen Phase im Herbst unterscheiden sich die Geschlechter morphologisch: Eilegende Weibchen (Oviparae) besitzen oft reduzierte Mundwerkzeuge und funktionelle Ovarien, während Männchen meist geflügelt sind und spezifische Genitalien, jedoch keinen Legebohrer aufweisen. Die Larven (Nymphen) ähneln bereits beim Schlupf den adulten Tieren, sind jedoch kleiner, flügellos und besitzen noch keine voll entwickelten Genitalien.[1] Bei einigen eusozialen Arten der Unterfamilie *Hormaphidinae* entwickeln sich spezialisierte Soldaten-Nymphen mit vergrößerten, sklerotisierten Vorderbeinen und frontalen Hörnern zur Verteidigung der Kolonie.[3] Die im Herbst abgelegten Eier sind kälteresistent, von einem Chorion sowie oft einer Wachsschicht geschützt und werden zur Überwinterung an Rinde oder Stängeln der Wirtspflanzen platziert. Phylogenetisch und morphologisch lassen sich Blattläuse (*Aphididae*) durch ihre Siphunkuli und die spezifische Flügeladerung von verwandten Gruppen wie den Adelgidae (Tannenläuse) und Phylloxeridae (Zwergläuse) abgrenzen.[1]

Beschreibung

Blattläuse (*Aphidoidea*) sind kleine, weichhäutige Insekten, die typischerweise eine Körperlänge von 1 bis 10 mm erreichen und durch ihren birnenförmigen Körperbau charakterisiert sind.[2][1] Sie gehören zur Ordnung der Schnabelkerfe (*Hemiptera*) und besitzen spezialisierte stechend-saugende Mundwerkzeuge, die Stilette, mit denen sie gezielt das Phloem von Pflanzen anstechen, um nährstoffreichen Saft zu extrahieren.[2] Ein einzigartiges anatomisches Merkmal sind die Siphunkeln (Corniculae), ein Paar röhrenförmiger Strukturen am Hinterleib, die Alarmpheromone wie (E)-β-Farnesen oder wachsartige Sekrete zur Abwehr von Fressfeinden abgeben.[1][3] Am Körperende befindet sich zudem die Cauda, ein schwanzartiger Fortsatz, der dazu dient, klebrige Honigtautropfen wegzuschleudern und so eine Verunreinigung des Insekts zu verhindern.[1] Intern verfügen Blattläuse über eine physiologische Besonderheit in Form einer Filterkammer im Darm, die es ihnen ermöglicht, überschüssiges Wasser und Zucker effizient vom proteinarmen Phloemsaft zu trennen.[2] Die Färbung der Tiere variiert von Grün und Gelb bis hin zu Schwarz oder Rot und wird durch Pigmente wie Carotinoide bestimmt, die bei manchen Arten sogar zur lichtgesteuerten ATP-Produktion beitragen können.[3] Im Lebenszyklus zeigen Blattläuse einen ausgeprägten Polyphenismus, bei dem genetisch identische Individuen je nach Umweltbedingungen als flügellose oder geflügelte Morphen auftreten.[1] Flügellose Formen dominieren in stabilen Phasen und investieren ihre Energie in die Reproduktion, während geflügelte Morphen (Alatae) bei Übervölkerung oder schlechter Wirtsqualität entstehen, um neue Nahrungsquellen zu erschließen.[1][3] Die Entwicklung verläuft über vier Nymphenstadien, wobei die Larven bereits den adulten Tieren ähneln, jedoch kleiner sind und noch keine funktionstüchtigen Genitalien besitzen.[2] Ein bemerkenswertes Phänomen ist die teleskopartige Generationenfolge bei viviparen Weibchen, deren Embryonen bereits selbst Embryonen der nächsten Generation in sich tragen, was eine extrem schnelle Populationsentwicklung erlaubt. Die Fortpflanzung erfolgt überwiegend durch zyklische Parthenogenese, bei der sich asexuelle Phasen mit einer sexuellen Generation abwechseln. Während der asexuellen Phase gebären Weibchen lebende Nachkommen ohne Befruchtung, wohingegen im Herbst durch verkürzte Tageslängen sexuelle Morphen – ovipare Weibchen und oft geflügelte Männchen – produziert werden. Diese Männchen besitzen im Gegensatz zu den parthenogenetischen Weibchen ein XO-Geschlechtschromosomensystem und sind für die Befruchtung der Wintereier essenziell, die das Überleben in kalten Klimazonen sichern. In milderen Klimazonen kann die sexuelle Phase entfallen (Anholozyklus), sodass sich die Populationen ganzjährig asexuell vermehren.[3] Evolutionär sind Blattläuse eng mit ihren bakteriellen Endosymbionten wie *Buchnera aphidicola* verbunden, die in speziellen Organen leben und lebenswichtige Aminosäuren synthetisieren, die in der pflanzlichen Nahrung fehlen.[2] Historisch wurde die Gruppe bereits 1758 von Carl von Linné wissenschaftlich benannt, wobei der Name *Aphis* vermutlich auf das griechische Wort für „unersättlich“ zurückgeht und ihre enorme Fraßaktivität beschreibt. Fossile Belege zeigen, dass frühe Vorfahren der Blattläuse bereits im mittleren Trias vor etwa 240 Millionen Jahren existierten.[3]

Verhalten

Blattläuse zeigen ein spezialisiertes Nahrungsverhalten, bei dem sie ihre Stilette gezielt in das Pflanzengewebe einführen, um Siebröhren zu lokalisieren, und dabei Speichel injizieren, der das Verstopfen der Kanäle verhindert. Um eine Verklebung des eigenen Körpers zu vermeiden, schleudern sie den zuckerhaltigen Honigtau aktiv vom Anus weg.[2] In der Interaktion mit Ameisen reagieren sie auf taktile Reize wie das Betrillern durch Antennen mit der reflexartigen Abgabe von Honigtau, wobei sie diesen teils zurückhalten, um eine stetige Betreuung sicherzustellen. Die Tiere bilden oft dichte Kolonien, in denen sich reproduktive Adulte im geschützten Zentrum aufhalten, während Nymphen die Randbereiche besiedeln. Zur Kommunikation und Warnung vor Feinden setzen sie Alarmpheromone wie (E)-β-Farnesen aus den Siphunkeln frei, oft begleitet von substratgebundenen Vibrationen durch Körperschütteln. Zu den direkten Abwehrmechanismen zählen das Treten nach Prädatoren mit den Hinterbeinen oder das Fallenlassen von der Pflanze, um der direkten Gefahr zu entgehen. Bei Übervölkerung löst die taktile Stimulation zwischen den Individuen physiologische Veränderungen aus, die zur Bildung geflügelter Morphen für die Migration führen.[3] Einige Arten, insbesondere in der Unterfamilie *Hormaphidinae*, zeigen Eusozialität mit sterilen Soldatenmorphen, die die Kolonie unter Einsatz ihres Lebens mit vergrößerten Vorderbeinen oder Hörnern verteidigen.[1]

Ökologie

Blattläuse fungieren als hochspezialisierte Herbivoren, die eine zentrale Rolle in Nahrungsnetzen als Konsumenten von Phloemsaft und als Beute für zahlreiche Nützlinge spielen. Die meisten Arten zeigen eine ausgeprägte Wirtsspezifität und besiedeln Pflanzen aus über 300 Familien, wobei Generalisten wie *Aphis gossypii* mehr als 900 Pflanzenarten nutzen können. Ihre Saugtätigkeit entzieht der Pflanze nährstoffreichen Saft, was zu Wachstumsstörungen führt, während der ausgeschiedene zuckerhaltige Honigtau das Wachstum von Rußtaupilzen auf der Blattoberfläche fördert.[2] Viele Blattläuse gehen eine Trophobiose mit Ameisen ein, eine mutualistische Beziehung, bei der Ameisen den Honigtau konsumieren und im Gegenzug die Kolonien vor Räubern schützen.[3] Diese Interaktion kann die Überlebensrate der Blattläuse signifikant erhöhen, wobei Ameisen wie *Lasius niger* spezifische Partner wie *Macrosiphoniella tanacetaria* aktiv verteidigen.[2] Die Populationen werden durch natürliche Feinde wie Marienkäfer (*Coccinellidae*), Florfliegen und Schwebfliegenlarven reguliert, die täglich große Mengen an Beute vertilgen können. Zur Abwehr nutzen Blattläuse ihre Siphunkeln, um Alarmpheromone wie (E)-β-Farnesen abzugeben, die Fluchtverhalten oder Abwehrreaktionen in der Kolonie auslösen. Spezialisierte parasitoide Wespen, insbesondere aus der Unterfamilie Aphidiinae, legen ihre Eier direkt in die Blattlaus, was zur Mumifizierung des Wirtes während der Larvenentwicklung führt. Eine Resistenz gegen diese Parasitoide wird oft durch fakultative Endosymbionten wie *Hamiltonella defensa* vermittelt, die Toxine gegen die Wespenlarven produzieren. Die Verbreitung der *Aphidoidea* ist kosmopolitisch mit höchster Diversität in gemäßigten Zonen, wobei der Klimawandel zu polwärts gerichteten Arealverschiebungen führt.[3]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Blattläuse gelten weltweit als bedeutende Schädlinge in der Landwirtschaft und im Gartenbau, da sie durch das Anstechen von Phloemgefäßen zuckerhaltigen Pflanzensaft extrahieren. Dieser Saugvorgang führt zu direkten Schäden wie Wuchshemmungen, Chlorosen (Vergilbungen), Blattkräuselungen und Deformationen an Gemüse, Obst und Zierpflanzen.[2] Ein indirektes Schadbild entsteht durch die Ausscheidung von Honigtau, der das Wachstum von Rußtaupilzen fördert und dadurch die Photosynthese der Wirtspflanzen durch Lichtmangel beeinträchtigt.[2][1] Besonders gravierend ist die Rolle der *Aphidoidea* als Vektoren für über 275 Pflanzenviren, darunter das *Potato virus Y* und das *Barley yellow dwarf virus*, was zu weltweiten Ernteverlusten von bis zu 70 Milliarden US-Dollar jährlich beiträgt.[2][3] Befallsanzeichen sind dichte Kolonien an Trieben und Blattunterseiten, oft begleitet von Ameisen, die den Honigtau melken und die Läuse im Gegenzug vor Fressfeinden schützen.[3] Präventive Maßnahmen im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) umfassen Fruchtfolgen sowie den Anbau resistenter Sorten, die beispielsweise durch erhöhte Trichomdichte oder spezifische Metaboliten den Befall erschweren.[2][3] Sogenannte Push-Pull-Strategien kombinieren repellente Pflanzen wie Knoblauch mit Lockpflanzen wie Senf, um die Schädlinge von den Hauptkulturen fernzuhalten.[2] Für das Monitoring und die Früherkennung werden zunehmend KI-gestützte Bilderkennungsverfahren eingesetzt, um gezielte Eingriffe zu ermöglichen.[3] Die biologische Bekämpfung nutzt natürliche Feinde wie Marienkäfer (*Coccinellidae*), Florfliegenlarven und parasitoide Wespen (z. B. *Aphidius ervi*), welche die Populationen effizient dezimieren können.[2][3] Ergänzend kommen endophytische Pilze wie *Beauveria bassiana* oder neuartige RNA-Interferenz-Sprays zum Einsatz, die spezifische Gene der Blattläuse, etwa zur Chitinsynthese, blockieren.[1][5] Chemische Insektizide wie Neonicotinoide (z. B. Imidacloprid) werden aufgrund weit verbreiteter Resistenzen, etwa bei der Grünen Pfirsichblattlaus (*Myzus persicae*), nur noch zurückhaltend und rotierend verwendet.[6][1]

Wirtschaftliche Bedeutung

Blattläuse (*Aphidoidea*) verursachen als bedeutende Agrarschädlinge massive wirtschaftliche Schäden an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Zierpflanzen. Durch das Entziehen von Phloemsaft entstehen direkte Ertragseinbußen durch Wachstumsstörungen, Vergilbungen und Deformationen der Pflanzen.[2] Invasive Schädlinge, zu denen Blattläuse zählen, verursachen jährlich weltweite Kosten von bis zu 70 Milliarden USD, wobei die Ertragsverluste in betroffenen Feldern 40 % übersteigen können. In Nordamerika und Europa führten beispielsweise Ausbrüche der Sojabohnenblattlaus (*Aphis glycines*) zu Verlusten in Millionenhöhe.[3] Die wirtschaftliche Relevanz wird durch die Übertragung von über 275 Pflanzenviren verstärkt, was fast 30 % aller durch Insekten übertragenen viralen Pathogene ausmacht. Wichtige Beispiele sind das *Potato virus Y* (PVY) und das *Barley yellow dwarf virus* (BYDV), die bei Kartoffeln und Getreide zu erheblichen Qualitätsminderungen führen.[2] Historisch dokumentiert ist die fast vollständige Zerstörung europäischer Weinberge im 19. Jahrhundert durch die Reblaus (*Daktulosphaira vitifoliae*). Neben dem direkten Schaden mindert der ausgeschiedene Honigtau durch die Förderung von Rußtaupilzen die Photosynthese und den Marktwert von Zierpflanzen.[2] Historisch wurde Honigtau („Manna“) von Bedouinen und australischen Aborigines als Nahrungsquelle genutzt.[4] Heute dienen Blattläuse zudem als Bioindikatoren für Umweltverschmutzung, da sie empfindlich auf Schwermetalle reagieren.[5]

Biologie & Lebenszyklus

Blattläuse (*Aphidoidea*) zeichnen sich durch eine komplexe Fortpflanzungsbiologie aus, bei der sich meist ungeschlechtliche, lebendgebärende (vivipare) Generationen im Frühjahr und Sommer mit einer geschlechtlichen Phase im Herbst abwechseln (Holozyklus).[1][3] Durch das Phänomen der teleskopartigen Generationenfolge, bei der sich Embryonen bereits in den Ovariolen der ungeborenen Larven entwickeln, können unter optimalen Bedingungen bis zu 20 Generationen pro Jahr entstehen. Ein einzelnes Weibchen ist fähig, bis zu 12 Nachkommen pro Tag zu produzieren, wobei die Entwicklungsdauer vom Nymphenstadium zum Adulttier bei warmem Wetter lediglich 7 bis 8 Tage beträgt.[2] Die Entwicklung verläuft hemimetabol über das Ei-Stadium (bei holozyklischen Arten) und vier Häutungsstadien der flügellosen Nymphen, die bereits wie kleine Adulttiere aussehen, bis zur Imago.[1] Adulte treten in einem Polyphenismus auf, wobei je nach Umweltfaktoren wie Übervölkerung oder Wirtsqualität flügellose Morphen zur lokalen Reproduktion oder geflügelte (*alate*) Morphen zur Verbreitung gebildet werden.[3] Sowohl Larven als auch Adulte ernähren sich als spezialisierte Phloemsauger von pflanzlichen Siebröhrensäften, wobei die Wirtsspezifität von streng monophagen bis zu hochgradig polyphagen Arten wie *Aphis gossypii* reicht.[2][3] Da der Phloemsaft reich an Zuckern (Saccharose), aber arm an essenziellen Aminosäuren ist, sind Blattläuse auf die obligate Endosymbiose mit dem Bakterium *Buchnera aphidicola* angewiesen, das fehlende Nährstoffe wie Tryptophan synthetisiert.[2] Überschüssiger Zucker wird als klebriger Honigtau ausgeschieden, was oft zu einer mutualistischen Trophobiose mit Ameisen führt, die den Honigtau ernten und die Kolonien im Gegenzug vor Feinden schützen. Eine physiologische Besonderheit ist die Fähigkeit zur Synthese von Carotinoiden durch horizontalen Gentransfer von Pilzen, was mittels Photoheterotrophie die ATP-Produktion unter Lichtexposition unterstützen kann.[3] In gemäßigten Klimazonen überwintern holozyklische Arten meist als kälteresistente Diapause-Eier, die von geschlechtlichen Oviparae abgelegt werden, während anholozyklische Arten in milderen Regionen ganzjährig parthenogenetisch leben.[1][2] Zu den bedeutendsten natürlichen Mortalitätsfaktoren zählen Prädatoren wie Marienkäfer (*Coccinellidae*) und Florfliegenlarven sowie parasitoide Wespen (z. B. *Aphidius ervi*), die ihre Eier direkt in die Blattläuse legen. Zur Verteidigung nutzen Blattläuse ihre Siphunkuli (Rückenröhren), um Alarmpheromone wie (E)-β-Farnesen abzugeben, die Artgenossen warnen oder Angreifer durch wachsartige Sekrete behindern.[3]

Vorkommen & Lebensraum

Blattläuse weisen eine kosmopolitische Verbreitung auf und kommen nativ auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis vor, wo extreme Kälte und fehlende Wirtspflanzen ein Überleben verhindern. Die höchste Artenvielfalt konzentriert sich auf die gemäßigten Zonen der Holarktis, die weite Teile von Nordamerika, Europa und Nordasien umfasst. In diesen Regionen begünstigen kühlere Winter und eine diverse Vegetation das Vorkommen der weltweit über 5.000 beschriebenen Arten. Die Insekten besiedeln ein breites Spektrum an natürlichen Habitaten, das von Wäldern und Grasland bis hin zu offenen oder halboffenen Landschaften reicht. Ihre vertikale Verbreitung erstreckt sich vom Meeresspiegel bis in Hochgebirgsregionen wie den Himalaya und die Anden, wo spezialisierte Arten in Höhen von über 5.000 Metern vorkommen.[3] *Aphidoidea* befallen Pflanzen aus mehr als 300 Familien weltweit und besiedeln dabei vorwiegend junge Triebe, Blätter und Wurzeln. Viele Arten praktizieren einen saisonalen Wirtswechsel (Heterözie) zwischen verholzenden Primärwirten zur Überwinterung und krautigen Sekundärwirten im Sommer. Durch den globalen Handel mit Agrarprodukten und Zierpflanzen wurden zahlreiche Spezies, wie die Grüne Pfirsichblattlaus (*Myzus persicae*), in neue Regionen eingeschleppt. Diese anthropogenen Faktoren ermöglichten rasche Arealerweiterungen und die Etablierung von Populationen in zuvor unbesiedelten Gebieten.[1] Aktuelle Beobachtungen deuten auf eine polwärts gerichtete Verschiebung der Verbreitungsgrenzen hin, da steigende Temperaturen geeignete Habitate in boreale Zonen ausweiten. Auch in urbanen Siedlungsbereichen sind Blattläuse erfolgreich etabliert, wobei aktuelle Studien zeigen, dass Mutualismen mit Ameisen wie *Lasius niger* in Städten intensiver ausgeprägt sein können als in ländlichen Gegenden.[3]

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivität und Entwicklungsgeschwindigkeit von Blattläusen (*Aphidoidea*) wird maßgeblich durch die Umgebungstemperatur bestimmt, wobei die Reifung vom Nymphenstadium zum Adulttier bei warmem Wetter lediglich 7 bis 8 Tage beansprucht. Unter diesen günstigen Bedingungen können bis zu 20 parthenogenetische Generationen pro Jahr entstehen, was insbesondere im Frühling und Sommer zu einem exponentiellen Populationswachstum führt.[1] In gemäßigten Klimazonen überwintern holozyklische Arten typischerweise als kälteresistente Eier, die im Herbst nach einem durch verkürzte Tageslängen ausgelösten Wechsel zur geschlechtlichen Fortpflanzung abgelegt werden. Im Gegensatz dazu ermöglicht ein milderes Klima oder der Anholozyklus eine ganzjährige vivipare Fortpflanzung ohne sexuelle Phase, wobei lebende Nymphen auch im Winter aktiv bleiben. Viele Arten praktizieren einen saisonalen Wirtswechsel, bei dem geflügelte Morphen im Frühjahr die hölzernen Primärwirte verlassen, um krautige Sekundärwirte zu besiedeln, bevor sie im Herbst zur Eiablage zurückkehren. Neuere Untersuchungen aus dem Jahr 2025 zeigen, dass der Klimawandel diese Muster verändert und bei Arten wie *Myzus persicae* durch erhöhte Temperaturen die Entwicklungszeiten verkürzt und die Aktivität bis in die Wintermonate verlängert. Eine physiologische Besonderheit zur Energieeffizienz zeigt die Erbsenblattlaus (*Acyrthosiphon pisum*), die mittels Carotinoiden Photoheterotrophie betreibt und besonders bei kühleren Temperaturen um 12 °C Lichtenergie zur ATP-Produktion nutzt.[3] Diese saisonale Dynamik der Schädlingspopulationen spiegelt sich auch im öffentlichen Interesse wider, das in den Monaten Mai und Juni seine jährlichen Höchststände erreicht.[2]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    18.01.2026

  • Berliner Innenstadt, Berlin, Deutschland

    16.01.2026

  • Westend-Süd, 60323 Frankfurt am Main, Deutschland

    16.01.2026

  • Frankfurt-Süd, Deutschland

    15.01.2026

  • Germany

    15.01.2026

Daten: iNaturalist

Quellen & Referenzen

  1. https://animaldiversity.org/accounts/Aphididae/
  2. https://ipm.ucanr.edu/PMG/PESTNOTES/pn7404.html
  3. https://www.antwiki.org/wiki/Honeydew_Gatherers
  4. https://rcannon992.com/2015/05/18/tamarisk-the-manna-tree/
  5. https://www.frontiersin.org/journals/environmental-science/articles/10.3389/fenvs.2023.1146052/full
  6. https://scijournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/ps.8780