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Lexikon-Eintrag

Bremsen Tabanidae

Bremsen
Ungefährlich Allergen Nützling Kann beißen Physische Gefahr

Taxonomie

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Zweiflügler (Diptera)
Familie Tabanidae
Art Tabanidae
Wissenschaftlicher Name Tabanidae
Akzeptierter Name

Einleitung

Die **Bremsen** (*Tabanidae*) sind eine weltweit verbreitete Familie der **Zweiflügler** (Diptera), die etwa 4.300 bis 4.500 beschriebene Arten umfasst. Ökologisch nehmen sie eine Doppelrolle ein: Während sich Männchen und manche Weibchen rein pflanzlich ernähren und als Bestäuber fungieren, sind die Weibchen der meisten Arten auf Blutmahlzeiten von Säugetieren angewiesen und treten als aggressive Lästlinge auf. Aufgrund ihrer schmerzhaften Stiche und der Fähigkeit zur mechanischen oder biologischen Übertragung von Krankheitserregern wie Tularämie oder Loiasis besitzen sie eine hohe medizinische und veterinärmedizinische Relevanz.[1][2]

Name & Einordnung

Die Familie *Tabanidae* wird systematisch der Ordnung Diptera und der Überfamilie Tabanoidea zugeordnet. Der wissenschaftliche Name leitet sich vom lateinischen Begriff "tabanus" ab, der ein wildes, Vieh quälendes Insekt bezeichnet. Im deutschen Sprachraum ist die Trivialbezeichnung "Bremsen" etabliert.[2] International sind die englischen Begriffe "horse flies" und "deer flies" gebräuchlich, während historisch und literarisch oft der Begriff "gadfly" (bzw. griechisch *myops*) verwendet wurde.[3][2] Regionale Varianten umfassen im Vereinigten Königreich die Bezeichnung "clegs", die sich spezifisch auf Arten der Gattung *Haematopota* bezieht, sowie "tabanos" in spanischsprachigen Gebieten. Die Familie gliedert sich in die drei monophyletischen Unterfamilien Pangoniinae, Chrysopsinae und Tabaninae. Molekularbiologische Untersuchungen bestätigten diese Struktur und führten zur Eingliederung der ehemaligen Gruppe Scepsidinae in die Pangoniinae.[2] Neuere taxonomische Revisionen, wie jene von Morita et al. (2016), nutzen Multigen-Phylogenien und DNA-Barcoding zur Klärung der Verwandtschaftsverhältnisse.[2] Innerhalb dieser Klassifikation werden die Chrysopsinae (z. B. Gattung *Chrysops*) oft anhand ihrer gemusterten Flügel von den meist klarflügeligen Tabaninae (z. B. Gattung *Tabanus*) unterschieden.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Adulte Bremsen sind robuste, mittelgroße bis große Fliegen mit einer Körperlänge von 6 bis 30 mm, die durch einen gedrungenen Körperbau und einen großen Kopf auffallen.[1][3] Die großen, halbkugeligen Facettenaugen schillern oft in grünen, violetten oder goldenen Tönen und weisen häufig charakteristische Bänder oder Flecken auf.[3][2] Ein deutlicher Sexualdimorphismus zeigt sich in der Augenanordnung: Männchen sind holoptisch mit zusammenstoßenden Augen, während Weibchen dichoptisch mit einer trennenden Stirnleiste sind.[4][1] Die kurzen, dreigliedrigen Antennen bestehen aus Scapus, Pedicellus und einem ringförmigen Flagellum, dessen Aufbau zwischen den Unterfamilien variiert.[1][5] Weibchen besitzen einen kräftigen Rüssel mit scherenartigen Mandibeln und Maxillen zum Aufschneiden der Haut, wohingegen Männchen keine funktionalen Mandibeln haben und nur Nektar aufnehmen.[2][1] Der Thorax trägt in Ruhestellung horizontal gehaltene Flügel, die eine charakteristische Aderung mit geschlossener Diskoidalzelle und weit auseinanderlaufenden R4- und R5-Adern aufweisen.[2][3] Während *Tabaninae* oft klare Flügel haben, zeigen *Chrysopsinae* (Hirschbremsen) dunkle Bänder und *Haematopota*-Arten komplizierte graue oder braune Marmorierungen.[2][1] Die kräftigen Beine sind zum Sitzen angepasst; je nach Unterfamilie sind an den Hinterschienen Endsporne vorhanden (Pangoniinae, Chrysopsinae) oder fehlend (Tabaninae).[5][4] Das zylindrische bis ovale Abdomen variiert farblich von schwarz bis grau und zeigt oft artspezifische Muster aus Streifen oder Flecken auf den Tergiten. Die Eier werden in mehrschichtigen Paketen von 100 bis 1.000 Stück abgelegt, die nach der Ablage von cremeweiß zu grau oder schwarz nachdunkeln.[3][1] Die beinlosen, zylindrischen bis spindelförmigen Larven messen 12 bis 60 mm und sind typischerweise cremeweiß, gelb oder grünlich gefärbt.[3][2] Sie besitzen Kriechwülste (Pseudopodien) an den Abdominalsegmenten und einen Atemsipho am Hinterende, wobei *Chrysops*-Larven drei Paare Pseudopodien pro Segment und *Tabanus*-Larven vier Paare aufweisen.[2][4] Die obtecten Puppen sind 10 bis 33 mm lang, braun bis schwarz, dorsal gewölbt und verfügen über thorakale Stigmen sowie einen hinteren Aster mit sechs spitzen Fortsätzen.[2]

Beschreibung

Die *Tabanidae* sind eine weltweit verbreitete Familie robuster Zweiflügler (*Diptera*), die etwa 4.500 beschriebene Arten umfasst und taxonomisch in die drei Unterfamilien Pangoniinae, Chrysopsinae und Tabaninae gegliedert wird.[1][2] Charakteristisch für das Erscheinungsbild ist der gedrungene Körperbau mit einem breiten Kopf, kurzen, dreigliedrigen Antennen und großen Komplexaugen, die bei lebenden Exemplaren oft durch irisierende grüne, purpurne oder goldene Bänder bestechen.[1][3] Im natürlichen Lebensraum sind die Tiere meist an ihrer Ruhehaltung zu erkennen, bei der die Flügel horizontal über dem Abdomen liegen, wobei die Flügeladerung eine geschlossene Diskoidalzelle und weit divergierende R4- und R5-Adern aufweist.[1] Ein markanter Sexualdimorphismus zeigt sich in der Augenstellung: Während Männchen holoptische, sich dorsal berührende Augen zur visuellen Partnerfindung beim Schwärmen besitzen, sind die Augen der Weibchen durch eine Stirnleiste getrennt (dichoptisch).[1][2] Funktionell sind die Mundwerkzeuge der Weibchen als kräftiger Stechrüssel ausgebildet, der mit scherenartigen Mandibeln die Haut von Wirbeltieren aufschneidet, um den entstehenden Blutpool aufzulecken (Telmophagie). Männchen hingegen fehlen diese Mandibeln, weshalb sie sich ausschließlich von Nektar und Pollen ernähren und anatomisch eher auf die Aufnahme pflanzlicher Zucker spezialisiert sind. Die Entwicklung verläuft über eine vollständige Metamorphose, wobei die Larvenstadien eine völlig andere Morphologie und Lebensweise als die Adulten aufweisen.[1] Die beinlosen, zylindrischen bis spindelförmigen Larven erreichen Längen von 12 bis 60 mm und besitzen eine cremeweiße bis bräunliche Färbung, die der Tarnung in feuchten Böden oder Gewässersedimenten dient.[1][3] Zur Fortbewegung nutzen sie Kriechwülste (Pseudopodien), die ringförmig an den Abdominalsegmenten angeordnet sind, während ihre kutikuläre Oberfläche oft Längsstreifen oder schuppenartige Strukturen aufweist. Als gefräßige Räuber sind die Larven mit starken, ventral gekrümmten Mandibeln ausgestattet, mit denen sie Wirbellose erbeuten und Gift injizieren können. Eine wichtige anatomische Anpassung an ihre oft semi-aquatischen Lebensräume ist das am Körperende befindliche respiratorische Siphon, das bei einigen Arten einen Dorn besitzt, um ein Verstopfen in schlammigen Substraten zu verhindern. Die Verpuppung erfolgt schließlich in trockeneren Substraten als obtecte Puppe, die 10 bis 33 mm lang ist und deren Abdominalsegmente mit Dornenkränzen besetzt sind.[1] Im Vergleich zu nahe verwandten Gruppen unterscheiden sich die Unterfamilien unter anderem durch das Vorhandensein von Spornen an den Hinterschienen (Tibien), die bei *Pangoniinae* und *Chrysopsinae* vorhanden sind, bei den *Tabaninae* jedoch fehlen. Historisch und kulturell ist die aggressive Natur der *Tabanidae* tief verwurzelt; bereits in der griechischen Mythologie wurde die "Gadfly" als Instrument göttlicher Strafe dargestellt, das Opfer in den Wahnsinn trieb.[2] Diese historischen Beschreibungen spiegeln die auch heute noch relevante Rolle der Weibchen als persistente Blutsauger wider, deren Flugmuskulatur hohe Geschwindigkeiten und agile Manöver ermöglicht.[1]

Verhalten

Adulte *Tabanidae* sind leistungsfähige Flieger, die mit Flügelschlagfrequenzen von 100 bis 150 Hz Geschwindigkeiten von 20 bis 30 km/h erreichen und agile Manöver wie den Schwebeflug beherrschen. Ihr täglicher Aktionsradius zur Nahrungssuche beträgt typischerweise 1 bis 5 km, wobei windunterstützte Ausbreitung größere Distanzen ermöglicht. Im Gegensatz dazu bewegen sich die Larven mittels peristaltischer Wellen und Pseudopodien (Kriechwülsten) durch feuchte Böden oder aquatische Sedimente fort. Die Orientierung erfolgt primär visuell, wobei die großen Komplexaugen UV-Licht und polarisiertes Licht wahrnehmen, um Reflexionen auf dem Fell oder der Haut potenzieller Wirte zu erkennen. Ergänzend nutzen Weibchen olfaktorische Reize, indem sie über antennale Sensillen Wirtsgerüche wie CO₂, Ammoniak und Phenole über Distanzen von mehreren zehner Metern detektieren. Das Paarungsverhalten wird oft durch das Schwärmen oder stationäre Schweben der Männchen an markanten Geländepunkten wie Hügelkuppen oder Vegetationsrändern eingeleitet. Männchen verfolgen Weibchen im Flug, wobei das Flügelbrummen als akustisches Signal dient, bevor die Kopulation am Boden vollzogen wird. Weibliche Bremsen praktizieren Telmophagie (Pool-Saugen), indem sie mit ihren Mundwerkzeugen die Haut aufschneiden und den entstehenden Blutsee auflecken. Männchen hingegen ernähren sich ausschließlich phytophag von Nektar und Pollen, da ihnen die für den Blutstich notwendigen Mandibeln fehlen. Die Larven agieren als karnivore Räuber, die kleine Wirbellose mittels giftigem Speichel erbeuten und bei hoher Populationsdichte zu Kannibalismus neigen. Die Flugaktivität ist stark temperaturabhängig und erreicht ihr Maximum an warmen, sonnigen Tagen, während sie bei ungünstiger Witterung stark abnimmt.[2]

Ökologie

Ökologisch erfüllen *Tabanidae* eine Doppelrolle, indem Männchen und Weibchen als Bestäuber an Nektar saugen, während die Weibchen als temporäre Ektoparasiten an Wirbeltieren fungieren.[1] Die Larven sind überwiegend karnivore Prädatoren in aquatischen oder semiaquatischen Ökosystemen, die Wirbellose wie Würmer und Insektenlarven sowie gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Amphibien erbeuten. In dichten Populationen zeigen die Larven häufig kannibalistisches Verhalten, was ihre Position als Spitzenprädatoren im Mikrohabitat unterstreicht.[3] Die Habitatpräferenzen sind stark an Feuchtigkeit gebunden, wobei Larven in Schlamm, nassem Boden oder faulendem organischen Material in Sümpfen, Flussufern und Wäldern leben. Während *Chrysops*-Arten gesättigte Substrate bevorzugen, tolerieren *Tabanus*-Arten auch etwas trockenere Umgebungen wie feuchte Waldböden.[2] Zu den natürlichen Feinden der Adulten zählen insektenfressende Vögel wie Schwalben sowie Libellen, Spinnen und Wespen.[1] Die Eigelege werden häufig von Hymenopteren wie *Trichogramma minutum* und *Telenomus emersoni* parasitiert. Larvalstadien sind anfällig für Infektionen durch Nematoden (*Bathymermis* sp.) und pathogene Pilze wie *Entomophthora tabanivora*, die eine signifikante Mortalität verursachen können. Die Aktivität der Adulten und die Larvalentwicklung werden durch warme Temperaturen um 30–32 °C und hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt, wohingegen Dürreperioden zu Bestandsrückgängen führen. Durch die Blutmahlzeiten beeinflussen die Weibchen die Wirtstiere direkt durch Blutverlust und indirekt als Vektoren für Krankheitserreger wie *Francisella tularensis* oder *Loa loa*.[2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Tabanidae spielen ökologisch eine Doppelrolle: Während Männchen und Weibchen als Bestäuber fungieren, gelten die blutsaugenden Weibchen als bedeutende Schädlinge für Vieh und Menschen.[1][3] Bei Nutztieren führen die schmerzhaften Stiche zu Unruhe, Blutverlust und verminderter Futteraufnahme, was bei Rindern Gewichtsverluste von 0,1 bis 1 kg pro Tag verursachen kann.[2] Der Stich erfolgt durch sägeartige Mundwerkzeuge (Telmophagie), wobei antikoagulierender Speichel injiziert wird, der schmerzhafte Schwellungen, Juckreiz und in seltenen Fällen systemische allergische Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie auslöst.[2][1] Medizinisch relevant ist zudem die mechanische Übertragung von Krankheitserregern wie *Francisella tularensis* (Tularämie), *Bacillus anthracis* (Milzbrand) oder *Trypanosoma evansi* (Surra).[2][6] Arten der Gattung *Chrysops* fungieren darüber hinaus als biologische Vektoren für den Fadenwurm *Loa loa* (Loiasis). Zur Überwachung und Reduktion lokaler Populationen werden visuelle Fallen eingesetzt, darunter Manitoba-Fallen mit schwarzen Lockkugeln oder blaue Klebefallen, die auf die optische Orientierung der Fliegen abzielen.[2] Als präventive Maßnahme an Gebäuden dienen engmaschige Fliegengitter, während bei Pferden Decken mit Zebramustern die Landeraten der Insekten um bis zu 50 % senken können. Die chemische Bekämpfung ist aufgrund der weitläufigen Larvalhabitate schwierig, umfasst jedoch den Einsatz von Repellents wie synthetischen Pyrethroiden (z.B. Cypermethrin) oder Wachstumsregulatoren wie Diflubenzuron bei Nutztieren.[2][3] Biologische Ansätze nutzen natürliche Feinde wie die Grabwespe *Stictia carolina* oder pathogene Pilze, wobei diese Methoden bisher meist experimentell bleiben und keine breite Anwendung finden.[5][2] Ein integriertes Schädlingsmanagement (IPM) kombiniert physikalische Barrieren und Fallen mit Habitatmanagement, etwa der Trockenlegung von Brutstätten, wenngleich dies ökologische Nachteile birgt. Neuere technische Entwicklungen fokussieren zudem auf Vorrichtungen zur kontrollierten Freisetzung von Duftstoffen, um Schutzbarrieren für Weidetiere zu schaffen.[1]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung der *Tabanidae* resultiert primär aus ihrer Rolle als Schädlinge in der Viehwirtschaft, wo sie durch Blutsaugen und Krankheitsübertragung erhebliche Verluste verursachen. Durch die schmerzhaften Stiche und die damit verbundene Unruhe wird die Futteraufnahme der Weidetiere gestört, was bei Rindern quantifizierbar zu einer verminderten Gewichtszunahme von 0,1 bis 1 kg pro Tag führen kann. Zusätzlich fungieren Bremsen als mechanische Vektoren für wirtschaftlich relevante Erreger wie *Bacillus anthracis* (Milzbrand) sowie *Trypanosoma*-Arten, die bei Rindern, Pferden und Kamelen zu Anämie, Gewichtsverlust und hoher Mortalität führen.[1] Insbesondere die Übertragung von *Trypanosoma evansi* (Surra) und *T. vivax* verursacht in endemischen Gebieten schwere ökonomische Schäden in der Tierhaltung.[1] Historische Berichte aus dem 19. Jahrhundert dokumentieren bereits Massenausbrüche, die landwirtschaftliche Aktivitäten und die Weidehaltung massiv beeinträchtigten. Der wirtschaftliche Druck treibt die Entwicklung spezialisierter Bekämpfungsmethoden voran, darunter patentierte Futtermittelzusätze auf Basis von Fettsäuren aus Kokos- und Palmöl zur systemischen Abwehr. Ebenso werden mechanische Vorrichtungen zur kontrollierten Freisetzung von Repellents in Stallungen und auf Weiden entwickelt, um den Schutz von Nutztieren zu gewährleisten. Trotz ihrer überwiegenden Einordnung als Schädlinge besitzen *Tabanidae* einen positiven Aspekt als Bestäuber, da sich adulte Tiere beider Geschlechter ergänzend von Nektar ernähren. Zudem tragen die Larven als Prädatoren von Wirbellosen zur Regulation von Nahrungsnetzen in Feuchtgebieten bei.[1]

Biologie & Lebenszyklus

Die Paarung der *Tabanidae* erfolgt in der Regel kurz nach dem Schlupf, wobei Männchen oft Schwärme an markanten Geländepunkten bilden und Weibchen mittels ihres ausgeprägten Sehsinns im Flug abfangen.[2] Die Kopulation wird am Boden vollzogen und kann bis zu 30 Minuten dauern, woraufhin die Weibchen Spermien speichern, um mehrere Eiablagezyklen zu befruchten. Zur Eiablage platzieren die Weibchen Gelege von 100 bis 1.000 Eiern in mehreren Schichten an vertikaler Vegetation oder Felsen direkt über Gewässern oder feuchtem Boden.[1][3] Die Eimassen sind oft von einem Schutzsekret bedeckt, das nachdunkelt, und die Embryonalentwicklung dauert temperaturabhängig zwischen 3 und 10 Tagen. Nach dem Schlupf lassen sich die Larven in das darunterliegende Substrat fallen, wo sie je nach Art und Umweltbedingungen 6 bis 9 Larvenstadien durchlaufen.[2][1] Die Larven leben semiquatisch oder terrestrisch und ernähren sich als aggressive Räuber von Wirbellosen wie Insektenlarven, Würmern oder Schnecken, wobei in dichten Populationen auch Kannibalismus auftritt.[3][2] In gemäßigten Breiten überwintern die Larven in einer Diapause, während tropische Arten oft kontinuierliche Brutzyklen ohne saisonale Unterbrechung aufweisen.[2] Zur Verpuppung wandern die reifen Larven in trockenere Bodenbereiche oder Laubstreu, wo sie sich in einer 10–33 mm langen, oft bedornten Tönnchenpuppe (Pupa obtecta) verwandeln. Das Puppenstadium währt etwa 1 bis 3 Wochen, bevor die Imagines stimuliert durch steigende Temperaturen und Tageslängen im späten Frühjahr oder Frühsommer schlüpfen.[1][2] Männchen schlüpfen meist vor den Weibchen und ernähren sich ausschließlich von Nektar und Pollen.[1][3] Weibchen benötigen für die Eireifung (Oogenese) in der Regel eine Blutmahlzeit von Wirbeltieren, nutzen aber ebenfalls pflanzliche Zuckerquellen für den Erhaltungsstoffwechsel.[2] Die Lebensdauer der Adulten beträgt etwa 30 bis 60 Tage, wobei Weibchen meist langlebiger sind, um mehrere gonotrophische Zyklen zu absolvieren.[1] Natürliche Feinde der Imagines sind insektenfressende Vögel und Raubinsekten, während Eier und Larven starkem Druck durch Parasitoide wie *Trichogramma*-Wespen oder Nematoden ausgesetzt sind.[3][2] Zudem können pathogene Pilze wie *Entomophthora tabanivora* Larvenpopulationen infizieren und hohe Mortalitätsraten verursachen.[2]

Vorkommen & Lebensraum

Die Familie der *Tabanidae* ist kosmopolitisch verbreitet und besiedelt alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Sie fehlen lediglich in extremen Polarregionen sowie auf isolierten Inseln wie Grönland, Island und Hawaii. Die höchste Biodiversität weist die neotropische Region auf, in der über 1.200 Arten und damit ein signifikanter Teil der weltweiten Artenvielfalt vorkommen. Brasilien gilt dabei als Zentrum des Endemismus, wobei fast die Hälfte der dortigen Arten ausschließlich in diesem Gebiet verbreitet ist.[2] In Nordamerika kommen nördlich von Mexiko etwa 350 Arten vor, während die orientalische Region rund 310 Arten beheimatet. Die vertikale Verbreitung der Bremsen reicht vom Meeresspiegel bis in Höhenlagen von etwa 4.000 Metern in Gebirgsregionen. Primäre Lebensräume sind feuchte Habitate wie Sümpfe, Flussufer, Feuchtwiesen und Entwässerungsgräben, da die Larvenentwicklung an Wasser oder feuchtes Substrat gebunden ist.[2] Die Larven besiedeln vorwiegend Schlamm, nassen Boden oder aquatische Sedimente in diesen Bereichen.[3] Dabei zeigen sich gattungsspezifische Präferenzen: Während Arten der Gattung *Chrysops* gesättigte Standorte bevorzugen, tolerieren *Tabanus*-Arten auch etwas trockenere Substrate wie feuchte Waldböden. Adulte Tiere halten sich häufig in offenen oder halboffenen Landschaften wie Wiesen und Waldrändern auf, wo Sonnenlicht und Wind die Flugaktivität und Wirtssuche begünstigen.[2] Eine räumliche Nähe zu Weidetieren in ländlichen Gebieten ist aufgrund der blutsaugenden Lebensweise der Weibchen typisch.[1] In gemäßigten Klimazonen erfolgt das Auftreten saisonal synchronisiert, wobei die Flugzeit der Adulten meist vom späten Frühling bis zum frühen Herbst reicht. Umweltveränderungen wie die Fragmentierung von Wäldern können die Bestände negativ beeinflussen und in betroffenen Gebieten zu einer reduzierten Artenvielfalt führen.[2]

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivität adulter *Tabanidae* konzentriert sich vorwiegend auf die späten Frühlings- und Sommermonate, wobei der Schlupf primär durch steigende Temperaturen und die zunehmende Tageslänge ausgelöst wird.[1][3] In gemäßigten Klimazonen liegt die Hauptflugzeit und Paarungsphase zwischen Juni und August.[3] Männliche Exemplare schlüpfen in der Regel vor den Weibchen und zeigen oft in den frühen Morgenstunden ein spezifisches Schwarm- oder Schwebeverhalten zur Partnerfindung. Diese Aktivitäten finden bevorzugt an markanten Geländepunkten wie Hügelkuppen oder Vegetationsrändern statt und basieren auf der visuellen Wahrnehmung bei klarem Wetter.[2] Die meisten Arten folgen einem univoltinen Zyklus mit nur einer Generation pro Jahr, während tropische Vertreter kontinuierliche Brutzyklen aufweisen können.[3] Die Flugaktivität der tagaktiven Imagines korreliert stark mit der Umgebungstemperatur und erreicht ihr Maximum bei warmen Werten um 30–32 °C. Trockenperioden können hingegen durch die Austrocknung der Brutstätten zu einer Reduktion der Populationen führen.[2] Im Gegensatz zu den kurzlebigen Adulten dauert die Larvenentwicklung ein bis drei Jahre.[1] Larven in gemäßigten Breiten überwintern in einem Diapause-Zustand in feuchten Böden oder Sedimenten, bevor sie sich im Frühjahr in trockeneren Substraten verpuppen.[2] Das öffentliche Suchinteresse spiegelt diesen biologischen Rhythmus wider und verzeichnet im Juli einen deutlichen Höhepunkt.[3]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

DE-202020003518-U1 Mechanical Anmeldung

Vorrichtung zum Freisetzen von Duftstoffen zum Schutz von Mensch und Tier gegen Insekten und Bremsen

Roemer Helmuth (2020)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur kontrollierten Abgabe von repellierenden Duftstoffen. Sie besteht aus einem Hohlkörper mit einer luftdurchlässigen Außenhülle, die feste, flüssige oder gasförmige Wirkstoffe aufnehmen kann. Ziel ist der Schutz von Mensch und Tier vor Bremsen durch die Erzeugung einer Duftbarriere. Die Konstruktion erlaubt eine flexible Handhabung und Platzierung.

DE-202020003022-U1 Mechanical Anmeldung

Vorrichtung zum Freisetzen von Duftstoffen in der freien Natur zur Fernhaltung von Insekten und Bremsen von Mensch und Tier

Grewe Jutta (2020)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Dieses Gebrauchsmuster beschreibt eine Vorrichtung ähnlich der vorherigen, jedoch spezifisch für den Einsatz in der freien Natur. Der Behälter ermöglicht das Ausdünsten von Wirkstoffen durch eine permeable Hülle, um Bremsen fernzuhalten. Es ist eine mechanische Lösung zur Ausbringung chemischer oder natürlicher Repellents. Die Vorrichtung ist für den mobilen Schutz im Außenbereich gedacht.

DE-202020000058-U1 Mechanical Anmeldung

Vorrichtung zum Freisetzen von Duftstoffen in der freien Natur oder Räumlichkeiten zur Fernhaltung von Bremsen, Fliegen und Mücken bei Nutztieren

Grewe Jutta (2020)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Eine Vorrichtung zur Ausbringung von Duftstoffen speziell für Stallungen und Weideflächen. Durch einen Hohlkörper mit durchlässiger Hülle werden Repellents kontrolliert an die Umgebungsluft abgegeben. Dies dient dem Schutz von Nutztieren vor Bremsen und anderen Fluginsekten. Die Innovation liegt in der baulichen Gestaltung zur effektiven Verdunstung.

DE-202017004472-U1 Biological Unbekannt

Verwendung von Cistus mit Öl als Repellent gegen Zecken

Schmeling Kirsten, Tiercampus E K (2017)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Das Patent schlägt die Verwendung von Extrakten der Zistrose (Cistus) in Kombination mit Ölen, insbesondere Kokosöl, vor. Obwohl der Fokus auf Zecken liegt, wird die Wirksamkeit gegen Bremsen explizit erwähnt. Es handelt sich um einen pflanzlichen Ansatz zur Abwehr von Ektoparasiten bei Mensch und Tier. Die Kombination soll die repellierende Wirkung verstärken.

DE-202014006696-U1 Chemical Unbekannt

Futtermittel (Raffinations/Destilationsfettsäuren aus Kokos- und Palmöl sowie deren Calcium-Natrium-und Kaliumsalze) als Repellent gegen Insekten und Arthropoden bei landwirtschaftlichen Nutztieren, Geflügel, Haustiere und Vögel

Sikma D GmbH Und Company KG (2014)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt die Verwendung von Nebenprodukten der Fettraffination (C8- und C10-Fettsäuren aus Kokos- und Palmöl) als Futtermittelzusatz. Diese wirken systemisch als Repellent gegen Bremsen und andere Ektoparasiten. Die Innovation liegt in der Nutzung kostengünstiger Fettsäuregemische anstelle chemisch reiner Säuren. Es bietet eine einfache Anwendung über die Fütterung bei Nutztieren.

Quellen & Referenzen

  1. https://extension.entm.purdue.edu/publichealth/print/insects/tabanid.html
  2. https://www.gbif.org/species/6919
  3. https://mdc.mo.gov/discover-nature/field-guide/horse-deer-flies-tabanids
  4. https://essig.berkeley.edu/documents/cis/cis22.pdf
  5. https://ccw.naturalis.nl/documents/Cumming_and_Wood%2C_2017.pdf
  6. https://parasitesandvectors.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13071-017-2103-y