Fakten (kompakt)
- Im 19. Jahrhundert wurde die Art 1855 von Charles des Moulins vorübergehend als *Dendranthema indicum* klassifiziert, bevor sie aufgrund phylogenetischer Erkenntnisse wieder der Gattung *Chrysanthemum* zugeordnet wurde. - Die Blütenköpfe stehen einzeln oder in Trugdolden (Korymbus) und besitzen gelbe Röhrenblüten mit 5-lappigen Kronblättern sowie Zungenblüten, die weiß, rosa oder gelblich gefärbt sein können. - Die Pflanze ist winterhart und gedeiht in den USDA-Klimazonen 5 bis 9. - Traditionell wird die Art auch als „Königin des Ostens“ bezeichnet. - In der spezifischen medizinischen Anwendung gilt das gesamte Kraut als Bluttonikum, Fiebersenker (Febrifugum) und Wundheilmittel (Vulnerarium). - Den Blüten werden spezifische Wirkungen als Vasodilatatoren (gefäßerweiternd) und Aperitiva zugeschrieben, wobei sie unter anderem zur Behandlung von Furunkeln und Bluthochdruck eingesetzt werden. - Zu den identifizierten Inhaltsstoffen gehören neben Kampfer spezifisch das Flavonoid Chrysanthemin sowie Isoborneol und α-Terpinen. - Pharmakologische Studien zeigten eine antivirale Aktivität gegen das Vesikuläre Stomatitis-Virus mit einem IC50-Wert von 3,14 µg/mL.[7] - Die antibakterielle Wirkung ist gegen *Streptococcus agalactiae* mit einer minimalen Hemmkonzentration (MIC) von 62,5 µg/mL besonders ausgeprägt, während für *E. coli* Werte über 500 µg/mL gemessen wurden. - In DPPH-Assays wurde eine antioxidative Aktivität mit einem IC50-Wert von 2,21 mg/mL ermittelt.[7] - Es werden verschiedene Varietäten wie *var. iyoense*, *var. tsurugisanense* oder die stark duftende *var. aromaticum* beschrieben, deren taxonomische Anerkennung jedoch je nach Autorität variiert.[7]
Der akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet *Chrysanthemum indicum* L., wobei die Erstbeschreibung durch Carl von Linné in seinem Werk *Species Plantarum* im Jahr 1753 erfolgte.[1] Der Gattungsname *Chrysanthemum* leitet sich aus dem Altgriechischen ab und setzt sich aus den Wörtern *chrysos* (Gold) sowie *anthemon* (Blüte) zusammen, was auf die goldgelben Blütenköpfe der ursprünglich beschriebenen Arten verweist.[3] Das Art-Epitheton *indicum* entstammt dem Lateinischen (*indicus*) und bedeutet „indisch“ oder „aus Indien“, da Linné als Typuslokalität „Habitat in India“ angab, obwohl die Pflanze primär in Ostasien heimisch ist.[1] Taxonomisch unterlag die Art historischen Revisionen und wurde im 19. Jahrhundert, etwa durch Charles des Moulins 1855, unter dem Synonym *Dendranthema indicum* (L.) Des Moul. geführt. Weitere historische Synonyme umfassen *Matricaria indica* (L.) Desr., *Tanacetum indicum* (L.) Sch.Bip. sowie *Arctotis elegans* Thunb., die frühere Zuordnungen innerhalb der Familie der Korbblütler (*Asteraceae*) widerspiegeln.[1][3] Moderne phylogenetische Untersuchungen haben jedoch die Rückführung in die Gattung *Chrysanthemum* bestätigt, wobei *C. indicum* als diploider Vertreter (2n = 18) des *C. indicum*-Komplexes gilt. Der Lectotypus der Art wird im Herbarium von Linné unter der Nummer LINN 1012.15 aufbewahrt.[1] Im deutschen Sprachraum wird die Gattung allgemein als Chrysantheme bezeichnet.[3] International ist der Trivialname „Indian chrysanthemum“ gebräuchlich, während die Pflanze in China als „Ye Ju“ und in Korea als „Yeju“ bekannt ist.[2] Obwohl infraspezifische Varietäten wie *var. aromaticum* oder *var. iyoense* beschrieben wurden, erkennen taxonomische Autoritäten wie POWO (Stand 2023) diese oft nicht als eigenständige Taxa an.[1]
Chrysanthemum indicum wächst als ausdauernde, krautige Pflanze oder Halbstrauch, der dichte Horste bildet und Wuchshöhen zwischen 25 und 100 cm erreicht.[2][4] Die aufrechten oder leicht ausgebreiteten Stängel sind verzweigt, spärlich bis dicht behaart und verholzen oft an der Basis, wobei sie gelegentlich rötlich-violett überlaufen sind.[4] Unterirdisch bildet die Pflanze lange oder kurze kriechende Rhizome aus, die eine vegetative Ausbreitung ermöglichen.[2][4] Die wechselständig angeordneten Blätter sind eiförmig bis elliptisch-eiförmig und tief fiederspaltig oder gelappt.[4] Die Blattspreiten messen 3 bis 7 cm in der Länge sowie 2 bis 4 cm in der Breite und zeigen eine blassgrüne bis olivgrüne Färbung.[2][4] Charakteristisch ist die spärliche Behaarung der Blätter sowie ihr intensives, zitronenartiges Aroma, das beim Zerreiben freigesetzt wird.[2] Die Blütenstände sind 2 bis 5 cm breite Köpfchen (Capitula), die meist in lockeren, endständigen Trugdolden oder seltener einzeln stehen.[4] Im Zentrum befinden sich gelbe, röhrenförmige Scheibenblüten mit fünflappigen Kronen.[2][4] Diese werden von äußeren Zungenblüten umgeben, deren gelbe oder weiße Zungen 1 bis 1,3 cm lang sind und an der Spitze ganzrandig oder dreizähnig enden. Die Hüllblätter des Involucrums sind in fünf Reihen angeordnet, wobei die äußeren Bracteen deutlich kürzer sind als die bis zu 1,1 cm langen inneren. Die Hüllblätter weisen oft weiße oder braune, häutige Ränder auf.[4] Als Früchte entwickeln sich kleine, 1,5 bis 1,8 mm lange Achänen (Cypselae), die als Verbreitungseinheiten dienen.[2][4] Morphologisch ist die Art sehr variabel, wobei Unterschiede in der Stängelaufrichtung und Blattteilung oft mit verschiedenen Ploidiegraden (diploid bis tetraploid) korrelieren.[2] Als Wildform unterscheidet sich Chrysanthemum indicum von den daraus gezüchteten Garten-Chrysanthemen (*Chrysanthemum × morifolium*) durch die meist ungefüllten, einfacheren Blütenstände und die genetische Abgrenzung als diploider oder tetraploider Vorfahre.[2][3]
Chrysanthemum indicum wird primär als wertvolle Heil- und Zierpflanze klassifiziert, besitzt jedoch durch Wurzelextrakte allelopathische Eigenschaften, die das Keimen benachbarter Kulturen wie Salat hemmen können. Aufgrund des hohen Gehalts an ätherischen Ölen, insbesondere Kampfer und Borneol, wirkt die Pflanze als natürliches Repellent gegen Schädlinge wie Blattläuse.[2] Diese bioaktiven Komponenten werden technisch zur Herstellung von mückenabweisenden Sprays und Räucherspiralen sowie zur Bekämpfung von Milben genutzt. In der Landwirtschaft finden Extrakte als botanische Insektizide Anwendung, etwa zur Kontrolle des Reisstängelbohrers, da sie für Nichtzielorganismen als sicher gelten und sich schnell abbauen.[6] Medizinisch ist die Art von hoher Relevanz, da sie antimikrobielle Wirkungen gegen Pathogene wie Staphylococcus spp. und Streptococcus agalactiae aufweist.[2] Klinisch werden Zubereitungen zur Behandlung von dermatologischen Beschwerden wie Furunkeln, Ekzemen und entzündlichen Schwellungen eingesetzt.[2][1] Trotz der therapeutischen Vorteile ist bei der Anwendung während der Schwangerschaft Vorsicht geboten, da vorläufige Studien auf teratogene Risiken hindeuten.[2] Im Anbau ist der Chrysanthemen-Weißrost (*Puccinia horiana*) der bedeutendste pilzliche Schaderreger, der strikte Hygienemaßnahmen erfordert.[3][2] Zur Prävention von Pilzinfektionen müssen ausreichende Pflanzabstände für die Luftzirkulation eingehalten und Überkopfberegnung vermieden werden. Befallene Pflanzenteile sollten umgehend entfernt werden, um die Ausbreitung von Sporen zu verhindern.[3] Bauliche Maßnahmen wie das Mulchen mit organischem Material im Spätherbst schützen das Rhizom vor Frostschäden und stabilisieren den Wasserhaushalt.[3][6] Zur Unkrautregulierung wird das manuelle Jäten empfohlen, um Nährstoffkonkurrenz während der Etablierungsphase zu minimieren.[3] Zusätzlich leistet *C. indicum* einen Beitrag zur Umweltsanierung (Phytoremediation), indem sie Schwermetalle wie Blei, Kupfer und Cadmium aus belasteten Böden aufnimmt.[2]