Fakten (kompakt)
- Die Einführung der Gattung in Europa erfolgte um das Jahr 1789, nachdem spanische Entdecker Arten wie *Dahlia pinnata* im späten 18. Jahrhundert aufgefunden hatten. - Die moderne Züchtung und Hybridisierung basiert primär auf den Elternarten *Dahlia pinnata*, *Dahlia coccinea* und *Dahlia variabilis*. - Das Farbspektrum der Blüten umfasst 15 offizielle Farben, wobei ein echtes Blau („true blue“) in der Gattung genetisch nicht vorkommt. - Die Größe der Blütenköpfe variiert erheblich und reicht im Durchmesser von etwa 5 cm (2 Zoll) bis zu über 30 cm (12 Zoll). - Anatomisch zeichnet sich die Primärwurzel durch eine Tetra-Protostele aus, in der sich Gruppen von Liberin und Holzgefäßen abwechseln. - Für ein optimales Gedeihen benötigen die Pflanzen Standorte mit voller Sonne bis Halbschatten.[10]
Die Gattung *Dahlia* (Cav.) wurde im Jahr 1791 durch den spanischen Botaniker Antonio José Cavanilles wissenschaftlich erstbeschrieben.[2] Der gewählte Gattungsname ehrt den schwedischen Botaniker Anders Dahl, einen Schüler von Carl von Linné, der kurz vor der Benennung verstorben war.[2][1] Eine historisch relevante Synonymbezeichnung ist *Georgina*, die 1804 von Carl Ludwig Willdenow zu Ehren des Naturforschers Johann Gottlieb Georgi eingeführt wurde, sich jedoch aufgrund der Prioritätsregel der botanischen Nomenklatur nicht gegen *Dahlia* durchsetzte.[2] Vor der europäischen Klassifizierung nutzten indigene Völker in Mexiko Nahuatl-Bezeichnungen wie *acocoxochitl* („hohlstängelige Wasserblume“) oder *acocotli* („Wasserrohr“), was auf die Nutzung der hohlen Stängel als Wasserleitung anspielt.[4][5] Die lateinischen Artnamen beziehen sich häufig auf spezifische morphologische Merkmale, wie etwa *Dahlia pinnata* auf die gefiederten Blätter oder *Dahlia coccinea* auf die scharlachrote Blütenfarbe.[2] Taxonomisch wird die Gattung innerhalb der Familie Asteraceae (Tribus Coreopsideae) heute in die vier Sektionen *Pseudodendron*, *Entemophyllon*, *Dahlia* und *Epiphytum* unterteilt.[6][2] Die ersten von Cavanilles beschriebenen Arten basierten auf Pflanzenmaterial, das 1789 vom Königlichen Botanischen Garten in Mexiko-Stadt an den Real Jardín Botánico in Madrid gesandt wurde. Im englischen Sprachraum existiert neben dem wissenschaftlichen Namen gelegentlich die Bezeichnung „Mexican sunflower“, die an die Herkunft und das Erscheinungsbild wilder Arten erinnert.[2]
Die Gattung *Dahlia* umfasst buschige bis baumartige, krautige Stauden, die aus gebündelten, fleischigen Speicherwurzeln (Knollen) austreiben.[1] Die Wuchshöhe variiert stark von Zwergformen um 30 cm in der Sektion *Entemophyllon* bis hin zu gigantischen Baumdahlien wie *Dahlia imperialis*, die unter optimalen Bedingungen bis zu 6 oder 10 Meter erreichen. Die aufrechten Stängel sind meist krautig und oft hohl, was ihnen den aztekischen Namen *acocotli* („Wasserrohr“) einbrachte, können aber bei baumartigen Arten verholzen und bambusartig aushärten.[3] Das Laub besteht aus gegenständigen, meist einfach oder doppelt gefiederten Blättern mit gesägten Rändern, wobei die Blattform von lanzettlich bis eiförmig reicht.[1] Die als Capitula bezeichneten körbchenförmigen Blütenstände messen im Durchmesser zwischen 2 und 40 cm und bestehen aus zentralen fertilen Röhrenblüten sowie umgebenden sterilen oder fertilen Zungenblüten. Das Farbspektrum der Zungenblüten umfasst Weiß, Gelb, Orange, Rosa, Rot und Purpur, wobei echtes Blau aufgrund fehlender Anthocyan-Synthesewege genetisch nicht möglich ist. Bei den über 57.000 Kultivaren variiert die Morphologie der Zungenblüten stark, von flachen Formen bei „Einfachblühenden“ bis zu eingerollten Röhren bei „Kaktus“-Dahlien oder kugelförmigen „Pompon“-Typen.[2] Nach der Befruchtung entwickeln sich aus den Röhrenblüten trockene, einsamige Schließfrüchte (Achänen), die von einem harten Perikarp umschlossen sind. Diese Achänen tragen oft einen Pappus aus feinen Borsten, der die Windausbreitung der Samen in den natürlichen Habitaten unterstützt.[1] Die morphologische Vielfalt wird durch Polyploidie begünstigt, wobei Wildarten meist tetraploid (2n=32) oder octoploid (2n=64) sind, während Hybriden bis zu hexadecaploide Sätze (2n=128) aufweisen. Taxonomisch lässt sich die Gattung durch die Chromosomengrundzahl x=8 und die spezifische Anpassung an mesoamerikanische Hochlandhabitate von verwandten Gattungen abgrenzen.[2]
In der ökologischen Bewertung gelten *Dahlia*-Arten primär als wertvolle Nützlingspflanzen, deren nektarreiche Blütenköpfe Bestäuber wie Bienen, Schmetterlinge und Kolibris anziehen.[8][1] Medizinisch relevant ist der hohe Inulingehalt der Knollen, der antidiabetische Potenziale aufweist, jedoch enthalten Wurzeln und Triebe Acetylene, die bei Tieren gastrointestinale Beschwerden verursachen können. Zu den bedeutendsten Schädlingen zählen Blattläuse (*Myzus persicae*) und Spinnmilben (*Tetranychus urticae*), die durch ihre Saugtätigkeit Blattverformungen auslösen und als Vektoren für Viren fungieren.[3][2] Das Dahlia-Mosaikvirus verursacht chlorotische Flecken sowie Kümmerwuchs und erfordert mangels Heilungsmöglichkeiten die rigorose Entfernung infizierter Pflanzen.[5][2] Pilzliche Erreger wie *Erysiphe cichoracearum* (Echter Mehltau) und *Botrytis*-Arten treten bevorzugt bei hoher Feuchtigkeit oder schlechter Luftzirkulation auf, während Bakterien der Gattung *Erwinia* Weichfäule an den Speicherorganen auslösen.[1][9] Eine signifikante Bedrohung stellt die Verticillium-Welke (*Verticillium dahliae*) dar, die zu vaskulären Verfärbungen führt; aktuelle Forschungen identifizierten Gene wie VdIV 6 und VdEFE als Ziele für zukünftige Bekämpfungsstrategien gegen diesen Erreger.[2][1] Präventive Maßnahmen im Anbau fokussieren auf Standortwahl mit gut durchlässigem Boden und Pflanzabständen von 45 bis 60 cm, um Staunässe und Pilzbefall vorzubeugen.[2] Zur Sicherstellung gesunder Bestände werden in der professionellen Vermehrung Gewebekulturen und Virus-Indexing eingesetzt, um pathogenfreies Pflanzgut zu generieren.[3][1] Mechanische Pflegearbeiten wie das Entfernen verblühter Teile (Deadheading) und der Rückschnitt befallener Pflanzenteile reduzieren den Befallsdruck durch Sekundärinfektionen.[2][1] In frostgefährdeten Regionen ist zudem die korrekte Überwinterung der Knollen bei 5 bis 10 °C in trockenem Substrat essenziell, um Lagerfäule zu verhindern.[2]