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Lexikon-Eintrag

Dill Anethum graveolens

Dill

Taxonomie

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Apiales (Apiales)
Familie Apiaceae
Gattung Anethum
Art Anethum graveolens
Wissenschaftlicher Name Anethum graveolens L.
Akzeptierter Name

Einleitung

Der **Dill** (*Anethum graveolens*) ist eine einjährige Gewürz- und Arzneipflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae), die ursprünglich im Mittelmeerraum sowie in Südrussland beheimatet ist. Als einzige Art der monotypischen Gattung *Anethum* wird sie seit über 5.000 Jahren kultiviert und heute weltweit wegen ihres feinen, gefiederten Laubs sowie der aromatischen Samen genutzt.[1][3] Von verwandten Doldenblütlern wie dem Fenchel (*Foeniculum vulgare*) unterscheidet sich der Dill insbesondere durch seine abgeflachten, ovalen Samen und die etwas breiteren Blattsegmente.[3]

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Fakten (kompakt)

- Dill gedeiht optimal in gut durchlässigen, leicht sauren Böden mit einem pH-Wert zwischen 5,8 und 6,5. - Die Aussaat der Samen erfolgt idealerweise in einer Tiefe von etwa 0,6 Zentimetern (¼ Zoll). - Obwohl die Pflanze Wärme bevorzugt, toleriert sie leichten Frost. - Der englische Begriff "Dill" geht auf die urgermanische Wurzel *\deliz* zurück, deren Ursprung als wahrscheinlich nicht-indogermanisch gilt. - Sprachhistorische Kognaten finden sich im Altsächsischen als *dilli*, im Mittelniederländischen als *dille* und im Althochdeutschen als *tilli*. - In der Antike kam es häufig zu Verwechslungen mit Anis, da sich die griechischen Begriffe *anēthon* (Dill) und *anīson* (Anis) stark ähnelten. - Diese sprachliche Nähe führte zu Übersetzungsfehlern, etwa im Neuen Testament (Matthäus 23,23), wo *anēthon* in englischen Versionen oft fälschlich als Anis statt Dill übersetzt wurde. - Im englischen Sprachraum wird das Laub der Pflanze spezifisch als "dill weed" bezeichnet, um es sprachlich von den Samen abzugrenzen. - Die Familie der Apiaceae, zu der *Anethum graveolens* gehört, umfasst insgesamt über 3.700 Arten aromatischer Blütenpflanzen. - In der traditionellen Medizin, einschließlich des Ayurveda, wird Dill aufgrund seiner karminativen (blähungstreibenden), harntreibenden und antimikrobiellen Eigenschaften eingesetzt.[8]

Name & Einordnung

Der Dill (*Anethum graveolens*) ist eine einjährige Pflanzenart aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) und wurde 1753 von Carl von Linné in seinem Werk *Species Plantarum* wissenschaftlich erstbeschrieben. Die Gattung *Anethum* gilt als monotypisch und umfasst *Anethum graveolens* als einzige Art, womit sie sich von artenreicheren Gattungen der Familie abhebt.[2] Zwar werden keine formalen Unterarten anerkannt, doch existieren Varietäten wie der Indische Dill (*Anethum graveolens* var. *sowa*), der teilweise als Synonym der Typusart betrachtet wird. Der deutsche Trivialname leitet sich über das mittelhochdeutsche *dille* und althochdeutsche *tilli* vom protogermanischen *\deliz* ab.[2] Etymologisch wird oft eine Verbindung zum altnordischen Wort *dilla* gezogen, was "lullen" oder "beruhigen" bedeutet und auf die historische Nutzung der Pflanze zur Linderung von Verdauungsbeschwerden hinweist.[3] Der wissenschaftliche Gattungsname *Anethum* entstammt dem griechischen Begriff *anēthon*, den bereits der antike Arzt Dioskurides in seiner *De Materia Medica* verwendete. In historischen Texten kam es häufig zu linguistischen Überschneidungen mit Anis; so bezeichnete das griechische *anēthon* im Neuen Testament eigentlich den Dill, wurde in Übersetzungen jedoch oft fälschlich als Anis wiedergegeben.[2] Im englischen Sprachraum wird das frische Kraut zur Unterscheidung von den Samen ("dill seed") spezifisch als "dill weed" bezeichnet.[4] Innerhalb der Familie steht der Dill phylogenetisch dem Fenchel (*Foeniculum vulgare*) und Kümmel (*Carum carvi*) nahe, unterscheidet sich jedoch durch seine abgeflachten, ovalen Samen und die Blattstruktur.[2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Dill (*Anethum graveolens*) wächst als einjährige krautige Pflanze mit aufrechten, verzweigten Stängeln. Die Wuchshöhe beträgt typischerweise 0,75 bis 1,5 Meter, wobei bestimmte Kultivare bis zu 1,8 Meter erreichen können. Die Stängel selbst sind schlank, hohl und kahl, wobei ihre Oberfläche eine bläulich-grüne Grundfärbung aufweist. Charakteristisch sind feine weiße Streifen, die entlang der Stängellänge verlaufen und zur glatten Textur beitragen. Das Laub ist wechselständig angeordnet und zeichnet sich durch eine weiche, fein zerteilte Struktur aus. Die Blätter sind doppelt oder dreifach gefiedert, was der Pflanze ein farnartiges, fedriges Erscheinungsbild verleiht. Während die Blätter über 15 cm lang werden können, sind die einzelnen linearen Segmente meist schmaler als 1 mm. Morphologisch auffällig ist der starke aromatische Duft, der beim Zerreiben der Blattsegmente freigesetzt wird. Die Infloreszenzen erscheinen im Hochsommer als zusammengesetzte Dolden, die einen Durchmesser von 8 bis 15 cm erreichen. Diese Dolden bestehen aus kleinen, gelben Blüten, die jeweils vier bis fünf Blütenblätter besitzen. Die daraus entstehenden Früchte sind längliche, gerippte Spaltfrüchte mit einer Länge von etwa 4 bis 6 mm. Im reifen Zustand sind die Früchte hellbraun und zerfallen in zwei geflügelte Teilfrüchte (Merikarpien). Das Wurzelsystem wird durch eine tiefe Pfahlwurzel dominiert, die einer schlanken Karotte ähnelt.[1] Zur Abgrenzung von verwechselbaren Arten dienen vor allem die Samen und die Blattstruktur. Im Gegensatz zu den längeren, gebogenen Samen des Fenchels (*Foeniculum vulgare*) sind die Samen des Dills abgeflacht und oval. Kümmel (*Carum carvi*) unterscheidet sich durch gepaarte, sichelförmige Merikarpien. Auch die Blattabschnitte bieten ein Unterscheidungsmerkmal, da Dillwedel etwas breiter und weniger fein zerteilt sind als die des Fenchels.[3]

Beschreibung

Der Dill (*Anethum graveolens*) ist eine einjährige krautige Pflanze aus der Familie der Apiaceae, die sich durch ihre aufrechten, hohlen Stängel und das fein zerteilte, aromatische Laub auszeichnet.[1][3] Ursprünglich im Mittelmeerraum und Südrussland beheimatet, hat sich die Art weltweit in Europa, Asien und Nordamerika eingebürgert und tritt häufig als selbstaussäendes Unkraut an Wegrändern auf.[1][6] Die Pflanze erreicht typischerweise Wuchshöhen von 0,75 bis 1,5 Metern und bildet ein tiefes, möhrenartiges Pfahlwurzelsystem aus, das zwar Trockenheitstoleranz bietet, aber das Umpflanzen aufgrund seiner Empfindlichkeit erschwert.[2][4] Anatomisch auffällig sind die blaugrünen, kahlen Stängel mit feinen weißen Streifen sowie die wechselständigen, doppelt oder dreifach gefiederten Blätter, deren farnartiges Aussehen die Oberfläche für die ätherische Ölproduktion maximiert.[2][3] Der Lebenszyklus ist strikt an die Saison gebunden, wobei die Blüte durch das sogenannte 'Bolting' ausgelöst wird, sobald die Tageslängen zunehmen und die Temperaturen steigen.[4][1] Im Hochsommer erscheinen kleine, gelbe Blüten mit vier bis fünf Blütenblättern in flachen Doppeldolden, die einen Durchmesser von 8 bis 15 cm erreichen.[1][2] Diese Blütenstände sind zwar selbstfertil, locken jedoch zur Förderung der genetischen Vielfalt zahlreiche Bestäuber wie Bienen und Schwebfliegen an.[4][2] Ökologisch fungiert *Anethum graveolens* zudem als wichtige Wirtspflanze für die Raupen des Schwarzen Schwalbenschwanzes (*Papilio polyxenes*), die sich vom Laub ernähren. Nach der Befruchtung entwickeln sich die Früchte zu länglichen, abgeflachten Spaltfrüchten (Schizokarpen), die bei Reife in zwei geflügelte Teilfrüchte zerfallen.[1][2] Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu verwandten Arten ist die Samenform: Während Dill ovale, flache Samen bildet, sind die des Fenchels (*Foeniculum vulgare*) länger und gebogen, und Kümmel (*Carum carvi*) weist sichelförmige Teilfrüchte auf.[6] Taxonomisch wird die Gattung *Anethum* meist als monotypisch betrachtet, wobei der Indische Dill gelegentlich als Varietät *A. graveolens* var. *sowa* abgegrenzt wird. Die historische Nutzung reicht über 5.000 Jahre zurück, belegt durch Funde in neolithischen Stätten der Schweiz sowie in ägyptischen Gräbern der 18. Dynastie.[1][3] Der Name leitet sich etymologisch vom altnordischen 'dilla' ab, was 'beruhigen' bedeutet und auf die traditionelle Verwendung bei Verdauungsbeschwerden hinweist.[1][2] In antiken Texten kam es oft zu Verwechslungen mit Anis, da der griechische Begriff *anēthon* ursprünglich Dill bezeichnete, aber in Übersetzungen oft fälschlich als Anis gedeutet wurde.[2] Nach der Samenreife stirbt die gesamte oberirdische Struktur ab, da die Pflanze ihre Ressourcen vollständig in die Reproduktion investiert hat.[4]

Verhalten

Das Verhalten von *Anethum graveolens* ist primär durch physiologische Reaktionen auf Umweltreize und chemische Interaktionen mit der Umgebung geprägt.[2] Die Pflanze nutzt flüchtige ätherische Öle als chemische Signale, um Schädlinge wie Spinnmilben abzuwehren oder Insekten wie Blattläuse zu verwirren. Neben dieser Abwehrstrategie zeigt Dill allelopathische Effekte, indem er durch Wurzelausscheidungen das Wachstum konkurrierender Arten wie Paprika hemmen kann. Im Gegensatz dazu fördern dieselben Wurzelexsudate die Ansiedlung nützlicher Bodenmikroben, was die Nährstoffverfügbarkeit im Wurzelraum verbessert.[3] Als Wirtspflanze interagiert Dill spezifisch mit dem Schwarzen Schwalbenschwanz (*Papilio polyxenes*), dessen Raupen sich von der Biomasse ernähren.[7] Zur Fortpflanzung locken die auffälligen gelben Dolden aktiv Bestäuber wie Schwebfliegen und Bienen an, um die Fremdbestäubung zu gewährleisten. Ein markantes Wachstumsverhalten ist das sogenannte Schossen (Bolting), das durch verlängerte Tageslichtphasen und Temperaturen über 30 °C ausgelöst wird. In dieser Phase stellt die Pflanze ihr vegetatives Wachstum abrupt ein und investiert sämtliche Ressourcen in die Blütenbildung.[3] Die abschließende Ausbreitung der Samen erfolgt passiv durch die Schwerkraft, wenn die trockenen Dolden herabhängen, oder durch leichten Windtransport.[2]

Ökologie

Ursprünglich im Mittelmeerraum und Zentralasien beheimatet, hat sich *Anethum graveolens* global verbreitet und tritt häufig als Ruderalpflanze an Straßenrändern auf.[3][1] Die gelben Blütendolden ziehen diverse Bestäuber an, insbesondere Bienen und Schwebfliegen, welche trotz der Selbstfertilität der Pflanze die genetische Vielfalt durch Fremdbestäubung fördern.[2] Im Nahrungsnetz fungiert Dill als spezifische Wirtspflanze für die Raupen des Schwarzen Schwalbenschwanzes (*Papilio polyxenes*), die sich vom Laub ernähren.[3][7] Zudem dient die Pflanze als Nahrungsquelle für saftsaugende Herbivoren wie Blattläuse und Spinnmilben, die das Wachstum beeinträchtigen können.[7][1] Ökologisch bedeutsam ist die Anziehung von Nützlingen; die Blüten bieten Nektar für parasitoide Wespen und Schwebfliegen, deren Larven wiederum als Prädatoren von Blattläusen wirken.[3][1] Im Wurzelbereich fördern Exsudate der Pflanze nützliche Bodenmikroorganismen, was die Nährstoffverfügbarkeit im direkten Umfeld beeinflusst.[3] In Konkurrenzbeziehungen zeigt Dill allelopathische Effekte, die das Wachstum benachbarter Pflanzen wie Paprika hemmen können. Innerhalb der Familie Apiaceae besteht eine Nährstoffkonkurrenz zu Karotten sowie ein Hybridisierungsrisiko mit Fenchel (*Foeniculum vulgare*), was die Samenqualität beeinträchtigen kann.[2] Das Mikroklima beeinflusst die Anfälligkeit für Pathogene stark, wobei feuchte Bedingungen den Befall durch Pilze wie *Erysiphe heraclei* (Echter Mehltau) oder *Peronospora umbellifarum* begünstigen.[3]

Bedeutung, Schäden & Prävention

*Anethum graveolens* gilt primär als Nützlingspflanze, da die Doldenblüten Bestäuber wie Schwebfliegen anlocken und das Laub als Wirtspflanze für die Raupen des Schwarzen Schwalbenschwanzes (*Papilio polyxenes*) dient. Zu den Hauptschädlingen zählen Blattläuse, die als Vektoren für Viren wie den "Carrot Motley Dwarf"-Virus fungieren, sowie Spinnmilben, deren Befall durch feine Gespinste und Blattsprenkelung erkennbar ist. Pilzliche Erreger wie *Erysiphe heraclei* verursachen Echten Mehltau, der als weißer Belag die Photosynthese hemmt, während *Fusarium*-Arten in staunassen Böden zu Wurzelfäule und dem Absterben der Pflanze führen. Präventiv ist die Einhaltung einer Fruchtfolge essenziell, bei der Dill nicht direkt nach anderen Apiaceae wie Karotten angebaut wird, um die Anreicherung bodenbürtiger Pathogene zu verhindern. Ausreichende Pflanzabstände fördern die Luftzirkulation und minimieren das Risiko für Feuchtigkeitserkrankungen wie Falschen Mehltau (*Peronospora umbellifarum*). Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) werden Nützlinge wie Marienkäfer gegen Blattläuse eingesetzt, während Neemöl oder Backpulverlösungen als organische Fungizide dienen. Als Partnerpflanze schützt Dill benachbarte Brassica-Kulturen, indem seine ätherischen Öle Spinnmilben repellieren und räuberische Insekten anziehen. In der chemischen Bekämpfung zeigen Derivate des Dillöls (Dillapiol) synergistische Effekte, indem sie Cytochrom-P450-Enzyme hemmen und so die Bioverfügbarkeit von Pestiziden steigern. Zudem wurden bakterizide Zusammensetzungen aus Dillsamen und Isotianil entwickelt, die effektiv gegen Reisbrand wirken und Resistenzbildungen verzögern. Gesundheitlich ist Dill als sicher (GRAS) eingestuft, jedoch besteht bei Allergien gegen Doldenblütler ein Risiko für Kreuzreaktionen sowie eine Kontraindikation in der Schwangerschaft aufgrund uterusstimulierender Effekte. Das ätherische Öl wirkt antimikrobiell gegen Pathogene wie *Escherichia coli* und *Candida albicans*, was das Potenzial für hygienische Anwendungen unterstreicht.[1]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die weltweite Produktion von Dill (*Anethum graveolens*) übersteigt 100.000 Tonnen jährlich, wobei Indien als führender Produzent gilt und zusammen mit Russland und der Türkei den Markt dominiert. Der globale Markt für das ätherische Dillöl erreichte im Jahr 2023 ein Volumen von etwa 88,3 Millionen US-Dollar, wobei Großhandelspreise für Samenöl im Jahr 2025 zwischen 20 und 30 US-Dollar pro Kilogramm notierten.[2] In der nordamerikanischen Lebensmittelindustrie ist die Pflanze von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung, da sie 50 bis 65 Prozent der gesamten Produktion von eingelegten Gurken aromatisiert.[1] Wirtschaftliche Schäden im Anbau entstehen primär durch Pilzerkrankungen wie *Fusarium*-Wurzelfäule und Echten Mehltau sowie durch Schädlinge wie Blattläuse und Spinnmilben, die ohne Gegenmaßnahmen zu signifikanten Ertragsminderungen führen.[3] Agrarökonomisch fungiert *Anethum graveolens* als relevanter Nützling, da die Blüten Bestäuber und räuberische Insekten wie Schwebfliegen anlocken, welche Blattlauspopulationen auf benachbarten Kulturen natürlich regulieren und so den Pestizideinsatz verringern können.[3][2] Industriell findet das ätherische Öl Verwendung in natürlichen Pestiziden, wobei die insektenabwehrenden Eigenschaften von Carvon und Limonen genutzt werden.[3] Patentierte Anwendungen beschreiben zudem den Einsatz von Dillsamen-Extrakten in Kombination mit Isotianil zur Bekämpfung von Reisbrand, um chemische Fungizide zu reduzieren. Darüber hinaus wirken aus dem Öl gewonnene Dillapiol-Derivate als Synergisten, die Cytochrom-P450-Enzyme hemmen und so die Wirksamkeit und Bioverfügbarkeit von Pestiziden steigern.[1]

Biologie & Lebenszyklus

Anethum graveolens ist eine einjährige, krautige Pflanze, die ihren gesamten Lebenszyklus von der Keimung bis zur Samenreife typischerweise innerhalb einer einzigen Vegetationsperiode von 60 bis 90 Tagen abschließt.[1][3] Die Entwicklung beginnt mit der Keimung der Samen, die bei Bodentemperaturen zwischen 15 und 25 °C innerhalb von 7 bis 21 Tagen erfolgt, wobei das Optimum für die Enzymaktivität bei 18 bis 21 °C liegt.[3] Der Keimling bildet rasch eine tiefe Pfahlwurzel mit faserigen Seitenwurzeln aus, die das vegetative Wachstum der hohlen, aufrechten Stängel und der fein zerteilten Laubblätter unterstützt.[1] Als Langtagpflanze wird die generative Phase, das sogenannte Schießen (Bolting), durch zunehmende Tageslängen und Temperaturen über 30 °C beschleunigt, was oft bereits 40 bis 60 Tage nach der Aussaat einsetzt.[3] Die Blütenstände erscheinen als zusammengesetzte Dolden mit kleinen, gelben, zwittrigen Einzelblüten, die sequenziell vom Hochsommer bis zum Herbst aufblühen.[1] Obwohl die Blüten selbstfertil sind und ohne externe Hilfe Samen ansetzen können, fördert die Fremdbestäubung durch Insekten wie Bienen und Schwebfliegen die genetische Diversität. Eine einzelne adulte Pflanze besitzt eine hohe Fertilität und kann über mehrere Dolden hinweg insgesamt 1.000 bis 5.000 Samen produzieren, wobei jede Dolde etwa 100 bis 300 Früchte trägt.[1] Die Früchte reifen zu länglichen, gerippten Spaltfrüchten (Schizokarpien) heran, die bei Trockenheit in zwei geflügelte Teilfrüchte (Merikarpien) zerfallen.[2] Die Verbreitung der Diasporen erfolgt primär durch die Schwerkraft in unmittelbarer Nähe der Mutterpflanze oder durch leichten Wind, woraufhin die oberirdischen Pflanzenteile absterben (Seneszenz). Die Samen weisen keine ausgeprägte primäre Dormanz auf, bleiben jedoch unter kühlen, trockenen Bedingungen 3 bis 5 Jahre keimfähig.[1] Physiologisch zeigt Anethum graveolens im Jugendstadium eine hohe Frostempfindlichkeit, während etablierte Pflanzen leichte Fröste tolerieren; Temperaturen unter 5 °C hemmen jedoch die Keimung signifikant. Für die Nährstoffaufnahme bevorzugt die Art gut durchlässige, lehmige oder sandige Substrate mit einem pH-Wert von 5,5 bis 6,5 und reagiert positiv auf organische Stickstoffquellen. Zu den natürlichen Antagonisten zählen saugende Insekten wie Blattläuse und Spinnmilben sowie die Raupen des Schwarzen Schwalbenschwanzes (Papilio polyxenes), die als Spezialisten an den Blättern fressen.[3] Unter feuchten Bedingungen ist die Pflanze anfällig für Pilzinfektionen wie Echten Mehltau (Erysiphe heraclei), Falschen Mehltau (Peronospora umbellifarum) und Wurzelfäule durch Fusarium-Arten.[2] Ökologisch fungiert Dill als Insektenmagnet, dessen Nektar und Pollen nützliche Prädatoren wie parasitoide Wespen anlocken, während Wurzelexsudate das Bodenmikrobiom beeinflussen können.[3]

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Dill (*Anethum graveolens*) umfasst den Mittelmeerraum sowie Südrussland.[1] Es erstreckt sich zudem über Nordafrika (darunter Algerien, Libyen und Marokko), den Iran und die Arabische Halbinsel.[2] Archäologische Funde belegen eine Nutzung bereits im Neolithikum in der Schweiz sowie im alten Ägypten, was auf eine sehr frühe Kultivierung hindeutet.[2][3] Über Handelsrouten gelangte die Pflanze in nördlichere Regionen Europas und etablierte sich dort im Mittelalter fest in der Landwirtschaft.[5] Im 17. Jahrhundert führten europäische Siedler den Dill in Nordamerika ein, wo er heute ebenfalls weit verbreitet ist. Inzwischen gilt die Art weltweit in Europa, Asien und Nordamerika als eingebürgert. Bedeutende Anbaugebiete für die kommerzielle Produktion befinden sich heute unter anderem in Indien, Russland, der Türkei und Deutschland.[2] Die Pflanze bevorzugt sonnige Standorte mit gut durchlässigen, leicht sauren bis neutralen Böden (pH-Wert 5,5 bis 6,5). Auf schweren Lehmböden oder bei Staunässe gedeiht sie schlecht, da die Pfahlwurzel anfällig für Fäulnis ist.[3] Außerhalb von Gärten tritt Dill häufig verwildert auf und findet sich als unbeständiges Unkraut an Wegrändern oder auf Ruderalflächen.[1] Die Art gedeiht vorwiegend in gemäßigten Klimazonen, etwa den USDA-Winterhärtezonen 3 bis 11. In seinen Lebensräumen fungiert Dill als wichtige Nahrungsquelle für Bestäuber wie Bienen und Schwebfliegen. Zudem dient das Kraut als Wirtspflanze für die Raupen des Schwalbenschwanz-Schmetterlings (*Papilio polyxenes*).[3]

Saisonalität & Aktivität

*Anethum graveolens* ist eine primär einjährige Pflanze, die ihren gesamten Lebenszyklus von der Keimung bis zur Samenreife innerhalb von 60 bis 90 Tagen abschließt.[1][3] In milderen Klimazonen kann die Art gelegentlich auch als kurzlebige zweijährige Pflanze auftreten.[1] Die Wachstumsphase beginnt mit der Aussaat im zeitigen Frühjahr, wobei die Keimung Bodentemperaturen zwischen 15 und 25 °C erfordert und unter 5 °C in der Regel ausbleibt. Das vegetative Wachstum wird durch moderate Tagestemperaturen begünstigt, während Hitze über 30 °C das vorzeitige Schießen (Bolting) der Pflanze beschleunigt und die Energie von der Blattproduktion in die Reproduktion lenkt. Die Blütezeit wird durch die zunehmende Tageslänge und steigende Temperaturen induziert und beginnt typischerweise 40 bis 60 Tage nach der Aussaat.[3] Von Hochsommer bis in den Herbst hinein öffnen sich die gelben Blütendolden sequenziell und ziehen Bestäuber wie Bienen und Schwebfliegen an. Nach der erfolgreichen Samenbildung tritt die Seneszenz ein, bei der die oberirdischen Pflanzenteile absterben, sofern sie nicht zuvor geerntet wurden. Während Jungpflanzen empfindlich auf Frost reagieren, weisen ausgewachsene Exemplare eine Toleranz gegenüber leichten Frösten auf. Die Samen werden primär durch Schwerkraft in der Nähe der Mutterpflanze verbreitet und bleiben unter kühlen, trockenen Bedingungen 3 bis 5 Jahre keimfähig.[1]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Limbach-Oberfrohna, Sachsen, Deutschland

    09.10.2025

  • Lustholz - Wittmoldt, 24306 Wittmoldt, Deutschland

    28.09.2025

  • Kaiser-Wilhelm-Koog, Deutschland

    28.09.2025

  • Marne, Schleswig-Holstein, Deutschland

    23.09.2025

  • Marne, Schleswig-Holstein, Deutschland

    22.09.2025

Daten: iNaturalist

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-107156184-A Biological Unbekannt

Eine Art bakterizide Zusammensetzung enthaltend Isotianil und Dillsamen

Guangxi Nanning Lerui Biological Technology Company Ltd. (2017)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Beschreibt eine fungizide Zusammensetzung, die Isotianil und Dillsamen (Anethum graveolens) kombiniert. Die Mischung wird spezifisch zur Bekaempfung von Reisbrand eingesetzt. Die Nutzung von Dillsamen als Wirkstoffkomponente ermoeglicht eine Reduktion chemischer Pestizide und verzoegert Resistenzbildungen.

US-9386767-B2 Chemical Erteilt

Derivate von Dillapiol und verwandten Monolignanen und deren Verwendung

Arnason John Thor, Durst Tony, Foster Brian, University of Ottawa, Her Majesty The Queen IN Right OF Canada AS Represented BY The Minister OF Health (2012)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt Derivate von Dillapiol, einem Hauptbestandteil des aetherischen Oels von Dill (Anethum graveolens). Diese Verbindungen wirken als Synergisten, indem sie Cytochrom-P450-Enzyme hemmen. Die Kernidee ist die Steigerung der Wirksamkeit und Bioverfuegbarkeit von Pestiziden oder pharmazeutischen Wirkstoffen durch die Zugabe dieser Dill-Derivate.

Quellen & Referenzen

  1. https://plants.ces.ncsu.edu/plants/anethum-graveolens/
  2. https://www.gbif.org/species/3034646
  3. https://hort.extension.wisc.edu/articles/dill-anethum-graveolens/
  4. https://www.uaex.uada.edu/yard-garden/resource-library/plant-week/Anethum-graveolens-Dill-06-10-2016.aspx
  5. https://spoonfulsofgermany.com/2019/05/20/the-grain-of-truth-in-german-heirloom-seeds/
  6. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:837530-1
  7. https://gardeningsolutions.ifas.ufl.edu/care/pests-and-diseases/pests/management/natural-pest-and-disease-management/
  8. Literaturzusammenfassung (mit Bibliographie, siehe Primärquellenliste)