Fakten (kompakt)
Hier sind einige Fakten über den Eichenprozessionsspinner (*Thaumetopoea processionea*) in kompakter Form: - Der Eichenprozessionsspinner ist eine Schmetterlingsart aus der Familie der Zahnspinner (Notodontidae). - Die Art ist in Süd- und Mitteleuropa heimisch. - Die [Raupen](/pages/lexikon/raupen) leben gesellig und bilden auffällige Prozessionen. - Sie bauen gemeinschaftliche, seidene Nester auf Eichenästen. - Die Larven durchlaufen sechs Stadien und erreichen eine Länge von bis zu 40 mm. - Sie sind mit langen, weißen Haaren und mikroskopisch kleinen, giftigen Borsten (Setae) bedeckt, die Thaumetopoein enthalten. - Der Kontakt oder das Einatmen dieser Borsten kann Dermatitis, Konjunktivitis und Atemwegsprobleme bei Menschen und Tieren auslösen. - Hauptsächlich befällt der Eichenprozessionsspinner Eichenbäume (*Quercus* spp.). - Die Art hat einen jährlichen Generationszyklus, wobei die Falter im Sommer schlüpfen und Eimassen von 100–300 Eiern auf Zweigen ablegen. - Die [Raupen](/pages/lexikon/raupen) sind von Frühling bis Frühsommer aktiv. - Die Raupen verpuppen sich in den Nestern im Juni oder Juli, wobei die Puppen 20–46 Tage in festen Kokons eingeschlossen sind, bevor die Falter schlüpfen. - Die Falter haben graue Vorderflügel mit Zickzackmustern zur Tarnung und eine Flügelspannweite von 25–41 mm. - Die Lebensdauer der adulten Falter ist kurz (3–4 Tage).[1] - Die Raupen bevorzugen Laub-Eichen wie *Quercus robur* und *Q. petraea*, fressen aber gelegentlich auch an anderen Bäumen wie Birke (*Betula*), Hasel (*Corylus*) oder Esskastanie (*Castanea sativa*). - Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel und dem Schwarzmeergebiet bis nach Mitteleuropa, mit einer Ausdehnung nach Norden aufgrund der Klimaerwärmung und der Ausbreitung durch den Menschen über befallenes Pflanzenmaterial.[1]
Der Eichenprozessionsspinner (*Thaumetopoea processionea*) wurde 1758 von Carl von Linné unter dem Basionym *Bombyx processionea* erstbeschrieben.[1] Die Art wird heute der Familie der Zahnspinner (Notodontidae) zugeordnet, wobei die Gattung *Thaumetopoea* im Jahr 1820 von Jacob Hübner etabliert wurde.[1][2] In älteren Klassifikationen findet sich zudem häufig das Synonym *Cnethocampa processionea*. Das Artepitheton verweist auf das charakteristische Prozessionsverhalten der [Raupen](/pages/lexikon/raupen).[1]
Die adulten Falter von *Thaumetopoea processionea* erreichen eine Flügelspannweite von 25 bis 41 mm.[1] Sie besitzen gefiederte Antennen, verfügen jedoch über keine funktionalen Mundwerkzeuge.[1][3] Ihre Vorderflügel sind grau mit dunklen, zickzackartigen Mustern, die auf Eichenrinde als Tarnung dienen. Die Hinterflügel erscheinen hingegen weißlich mit einer grauen Binde.[3] Die Larven durchlaufen sechs Stadien, wobei sie nach dem Schlupf zunächst ca. 2 mm groß und braun gefärbt sind. Ältere [Raupen](/pages/lexikon/raupen) entwickeln einen grauen Körper mit einem breiten dunklen Rückenstreifen sowie weißlichen Seitenlinien und erreichen eine Länge von bis zu 45 mm.[2] Ein charakteristisches Merkmal sind die langen weißen Haare, die aus rötlich-orangen Warzen (Pinacula) entspringen.[3] Ab dem dritten Larvenstadium bilden sich zusätzlich mikroskopisch kleine Brennhaare, die das Protein Thaumetopoein enthalten.[1] Die Verpuppung erfolgt in festen Kokons aus Seide und Larvenhaaren innerhalb der gemeinschaftlichen Nester. Zur Abgrenzung gegenüber dem ähnlichen Pinien-Prozessionsspinner (*Thaumetopoea pityocampa*) dienen die graue Grundfärbung und die längeren weißen Haare.[2] Im Gegensatz dazu weist *T. pityocampa* einen orange-braunen Körper mit blauen Bändern auf.[2]
Der Eichenprozessionsspinner (*Thaumetopoea processionea*) tritt primär als Entlauber von Eichen (*Quercus* spp.) auf, wobei Larvenpopulationen in Ausbruchsjahren bis zu 85 % des Blattwerks vernichten können. Dieser Fraß führt zu einer Reduktion des sekundären Dickenwachstums um 10–60 % und schwächt die Photosyntheseleistung, was besonders junge Bäume unter 15 Jahren beeinträchtigt. Wiederholter Kahlfraß erhöht die Anfälligkeit der Wirte gegenüber sekundären Stressfaktoren wie Trockenheit oder anderen Schädlingen, was langfristig zu Zweigsterben führen kann. Gesundheitliche Relevanz erlangt die Art durch mikroskopisch kleine Brennhaare, die das Protein Thaumetopoein enthalten und bei Kontakt Dermatitis, Konjunktivitis oder Atemwegsbeschwerden auslösen. Da diese Setae über 12 Jahre in der Umwelt persistent bleiben und durch Wind verdriftet werden, sind Absperrungen befallener Areale oft notwendig. Zur Überwachung werden Pheromonfallen mit (Z,Z)-11,13-Hexadecadienylacetat eingesetzt, um männliche Falter zu detektieren und Prognosemodelle zu unterstützen.[2] Die biologische Bekämpfung erfolgt häufig mittels *Bacillus thuringiensis* subsp. *kurstaki* (Btk), dessen Anwendung bei frühen Larvenstadien die Nestdichte um 86–94 % reduzieren kann. Ergänzend werden [Nematoden](/pages/lexikon/nematoden) wie *Steinernema feltiae* ausgebracht oder natürliche Fressfeinde wie Kohlmeisen (*Parus major*) durch Nistkästen gefördert. Mechanische Maßnahmen umfassen das Absaugen der Nester mit speziellen H-Klasse-Industriesaugern und die anschließende Verbrennung des Materials, um Larven und Haare sicher zu entsorgen.[2] Chemische Mittel wie Pyrethroide (z. B. Deltamethrin) wirken zwar schnell, werden jedoch aufgrund negativer Auswirkungen auf Nicht-Ziel-Organismen oft restriktiv gehandhabt.[2]