Fakten (kompakt)
Hier sind einige Fakten über die Europäische Maulwurfsgrille (*Gryllotalpa gryllotalpa*) [1]: - *Gryllotalpa gryllotalpa*, auch bekannt als Europäische Maulwurfsgrille, ist eine grabende Insektenart aus der Familie der Gryllotalpidae. - Die Art ist heimisch in Europa und Westasien.[1] - Adulte *G. gryllotalpa* messen 36–70 mm Körperlänge, wobei die Weibchen größer sind als die Männchen. - Sie bewohnen feuchte, lockere Böden in Überschwemmungsgebieten, Gärten und landwirtschaftlichen Gebieten.[1] - *G. gryllotalpa* verbringt den Großteil ihres Lebens unterirdisch und baut Tunnel zum Nahrungserwerb, zur Paarung und zur Brutpflege. - Männchen erzeugen laute Rufe aus speziellen akustischen Bauten, um Weibchen während der Frühlingspaarungszeit anzulocken. - Die Art hat einen zweijährigen Lebenszyklus. - Weibchen legen im Frühjahr 100–350 Eier in unterirdischen Kammern ab und bewachen das Gelege und die frühen Nymphen bis zu drei Wochen nach dem Schlüpfen. - Die Eier inkubieren 10–20 Tage, bis sie schlüpfen.[1] - *G. gryllotalpa* ist Allesfresser und ernährt sich von Wurzeln, [Insekten](/pages/lexikon/insekten) und Regenwürmern. - Sie gilt als landwirtschaftlicher Schädling, da sie Getreide, Kartoffeln und [Erdbeeren](/pages/lexikon/erdbeeren) frisst und durch ihre Wühltätigkeit Wurzelschäden verursacht. - Die Art bevorzugt Umgebungen mit hoher relativer Luftfeuchtigkeit und minimalen Bodentemperaturen über 0 °C. - Die Populationen sind in Nordwesteuropa rückläufig, wo sie in einigen Gebieten wie Dänemark als stark gefährdet eingestuft ist. - Die Art spielt eine Rolle bei der Bodendurchlüftung und dient als Beute für Raubtiere wie Vögel und Säugetiere.[1]
Die Europäische Maulwurfsgrille (*Gryllotalpa gryllotalpa*) wurde im Jahr 1758 von Carl Linnaeus ursprünglich unter dem Namen *Gryllus gryllotalpa* erstbeschrieben.[1][2] Der wissenschaftliche Gattungsname leitet sich aus dem Griechischen „gryllos“ (Grille) und dem Lateinischen „talpa“ ([Maulwurf](/pages/lexikon/maulwurf)) ab, was auf das äußere Erscheinungsbild und die grabende Lebensweise verweist. Innerhalb der Familie der Gryllotalpidae bildet die Art den Kern eines Komplexes kryptischer Spezies in Eurasien, die sich morphologisch kaum unterscheiden. So wurde die nah verwandte Art *Gryllotalpa vineae* erst 1970 aufgrund abweichender Stridulationsmuster und morphologischer Details als eigenständiges Taxon von *Gryllotalpa gryllotalpa* abgetrennt.[1]
Adulte Tiere von *Gryllotalpa gryllotalpa* zeichnen sich durch einen walzenförmigen, plumpen Körperbau aus, der eine Länge von 36 bis 70 mm erreicht, wobei spezifische Messungen oft zwischen 40 und 60 mm (maximal 100 mm) liegen. Das Exoskelett ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt und weist durch eine feine Behaarung eine samtartige Textur auf, während die Unterseite gelblich erscheint. Ein markantes Bestimmungsmerkmal sind die zu kräftigen, gezähnten Grabschaufeln (Dactylus) umgebildeten Vorderbeine, die an Krebse erinnern und dem Leben im Boden dienen. Der breite, ovale Halsschild misst 10 bis 20 mm und ist nach vorne verlängert, sodass er den Kopf teilweise bedeckt. Die Antennen sind fadenförmig ausgebildet, während die Augen klein und reduziert sind, was eine Anpassung an die unterirdische Lebensweise und Dunkelheit darstellt. Adulte Tiere besitzen gelbliche Flügel; die Vorderflügel (Tegmina) sind verhärtet und bei den Männchen mit Stridulationsorganen zur Lauterzeugung ausgestattet. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich in der Körpergröße, wobei Weibchen mit 40 bis 46 mm meist größer sind als die 35 bis 41 mm messenden Männchen. Die Larven sind anfangs weißlich und ameisenähnlich geformt, färben sich jedoch im weiteren Verlauf braun. Ältere Larven sind dunkelbraun und ähneln in der Form den Geschlechtstieren, besitzen jedoch bis zur letzten Häutung keine voll entwickelten Flügel. Die gelblichen, breitovalen Eier weisen eine Größe von etwa 2 × 3 mm auf.[2] Morphologisch ähnliche kryptische Arten wie *Gryllotalpa vineae* lassen sich primär durch die Struktur der Stridulationsleiste und Unterschiede im Gesang, wie etwa der Pulsrate, abgrenzen.[1]
Die Europäische Maulwurfsgrille (*Gryllotalpa gryllotalpa*) ist in Teilen ihres Verbreitungsgebiets eine geschützte Art, fungiert jedoch in landwirtschaftlich genutzten Arealen auch als relevanter Pflanzenschädling. Bevorzugte Lebensräume sind kultiviertes Ackerland, Weinbaugebiete und Gärten, wo Schäden an Gemüsearten, [Erdbeeren](/pages/lexikon/erdbeeren) und Getreide auftreten. Das Schadbild resultiert primär aus dem Befressen der Wurzeln und Knollen sowie dem Unterwühlen der [Pflanzen](/pages/lexikon/verpiss-dich-pflanze) durch die Grabtätigkeit. Dies führt häufig zur Welke oder zum vollständigen Absterben der Gewächse, wobei in Kartoffelkulturen Ertragsverluste von bis zu 50 % möglich sind.[2][1] Eine Übertragung von Pflanzenkrankheiten durch *Gryllotalpa gryllotalpa* findet nicht statt.[2] Zur Bestandsüberwachung werden zerstörungsfreie Methoden wie akustische Fallen oder Seifenspülungen eingesetzt, um die Dichte der Tiere im Boden zu ermitteln. Präventive kulturtechnische Maßnahmen umfassen tiefes Pflügen im Herbst, wodurch die [Insekten](/pages/lexikon/insekten) an die Oberfläche gelangen und Prädatoren oder der Austrocknung ausgesetzt sind.[1] Zur biologischen Bekämpfung werden evidenzbasiert entomopathogene [Nematoden](/pages/lexikon/nematoden) der Gattungen *Steinernema* oder *Heterorhabditis* verwendet, die die Grillen im Boden parasitieren.[2] Bei allen Maßnahmen ist der Schutzstatus zu beachten, da die Art beispielsweise in Deutschland in der Roten Liste als gefährdet eingestuft ist.[1]