Fakten (kompakt)
- Bereits um 2000 v. Chr. verwendeten die Ägypter die Pflanze sowohl als Nahrungsmittel als auch für medizinische Zwecke. - Im antiken Griechenland galt das Kraut als Symbol für Erfolg und Stärke. - Der Legende nach trug der Bote Pheidippides einen Fenchelstängel auf seinem Weg nach Sparta, und das Schlachtfeld von Marathon erhielt seinen Namen aufgrund des dortigen Fenchelreichtums. - Im mittelalterlichen Europa förderte Karl der Große aktiv den Anbau der Art in Gärten. - Historisch wurde Fenchel über Türöffnungen aufgehängt, in dem Glauben, so böse Geister abwehren zu können. - In traditionellen Medizinsystemen wie Ayurveda, Unani und der Chinesischen Medizin wird die Pflanze gegen über 40 verschiedene Leiden eingesetzt. - Ethnomedizinisch wird Fenchel als Galaktagogum zur Förderung der Milchbildung bei Stillenden genutzt. - Die Samen sind ein wesentlicher Bestandteil globaler Gewürzmischungen wie dem chinesischen Fünf-Gewürze-Pulver und dem indischen Garam Masala. - Die deutsche Kommission E hat die therapeutische Nutzung bei Dyspepsie und Blähungen offiziell anerkannt. - Ernährungsphysiologisch liefern die Samen signifikante Mengen an Mineralstoffen, darunter 414 mg Kalium pro 100 g. - Botanisch handelt es sich bei der Frucht um eine 3 bis 5 mm lange Spaltfrucht (Schizokarp), die im Reifezustand grünlich-braun gefärbt ist. - Spezielle Zuchtformen wie Bronzefenchel weisen ein purpur-bronzefarbenes Laub auf, das im Alter zu Dunkelgrün verblasst.[9]
Der heute akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet *Foeniculum vulgare* Mill..[3][1] Historisch wurde die Pflanze von Carl von Linné ursprünglich als *Anethum foeniculum* L. beschrieben, was auf frühere taxonomische Unklarheiten und die morphologische Ähnlichkeit zum Dill zurückzuführen ist.[3] Der Gattungsname *Foeniculum* entstammt dem Lateinischen (*faeniculum* oder *foeniculum*) und stellt eine Verkleinerungsform von *faenum* (Heu) dar, was auf den charakteristischen heuartigen Duft der getrockneten Pflanzenteile verweist.[3][1] Im antiken Griechenland war das Gewächs als *marathon* (μάραθον) bekannt, abgeleitet von einer Wurzel für „hochwachsend“, und verlieh dem Ort der Schlacht bei Marathon aufgrund seines dortigen massenhaften Vorkommens seinen Namen.[3] Der deutsche Trivialname Fenchel entwickelte sich sprachlich über das althochdeutsche *fenol* und das altfranzösische *fenoil* aus dem lateinischen Ursprung.[1] In anderen europäischen Sprachen finden sich verwandte Bezeichnungen wie *fenouil* (Französisch), *finocchio* (Italienisch) und *hinojo* (Spanisch). Global ist die Art unter diversen Namen verbreitet, darunter *saunf* (Hindi), *xiao hui xiang* (Chinesisch) und *shatapushpa* (Sanskrit).[3] Taxonomisch wird die Art häufig in zwei Unterarten gegliedert: *Foeniculum vulgare* subsp. *vulgare* (Süßfenchel) und *Foeniculum vulgare* subsp. *piperitum* (Bitterfenchel), wobei letzterer vorwiegend in ariden Gebieten wächst. Phylogenetisch gehört die Gattung zur Unterfamilie Apioideae und der Tribus Apieae, womit sie eng an die Gattung *Ferula* (Riesenfenchel) anschließt.[3]
Der Fenchel (*Foeniculum vulgare*) ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die typischerweise Wuchshöhen von 1,2 bis 2,5 Metern erreicht und durch einen aufrechten, verzweigten Habitus gekennzeichnet ist.[1][4] Der kräftige Stängel ist zylindrisch, hohl, gegliedert und kahl, wobei die gesamte Pflanze oft bläulich bereift (glauk) wirkt und einen aromatischen Duft verströmt. Die fiederteiligen Laubblätter sind drei- bis vierfach gefiedert und erinnern in ihrer feinen Struktur an Dill. Sie werden bis zu 40 cm lang und bestehen aus fadenförmigen Segmenten, die lediglich etwa 0,5 mm breit sind. Die Grundfärbung der Blätter variiert von glattem Dunkelgrün bis Gelbgrün, während Zuchtformen wie 'Purpureum' eine purpur-bronzene Färbung aufweisen, die später ins Dunkelgrüne verblasst.[4] Bei der Varietät Gemüsefenchel (*F. vulgare* var. *azoricum*) verdicken sich die Blattstiele an der Basis zu einer fleischigen, knollenartigen Struktur, die essbar ist. Der Blütenstand ist eine große, abgeflachte Doppeldolde, die sich aus 13 bis 20 Strahlen zusammensetzt. Die zahlreichen, kleinen Blüten sind leuchtend gelb gefärbt und erscheinen im Sommer. Als Frucht bildet sich eine Spaltfrucht (Schizokarp), die länglich bis eiförmig ist und eine Länge von 3 bis 5 mm sowie eine Breite von 1,5 bis 2 mm aufweist. Reife Früchte sind grünlich-braun mit charakteristischen Rippen oder Furchen und verfärben sich im Alter grau. Zur Abgrenzung gegenüber dem morphologisch ähnlichen Dill (*Anethum graveolens*) dienen dessen geringere Wuchshöhe von meist einem Meter sowie die etwas breiteren, flacheren Blattsegmente. Eine wichtige Unterscheidung ist zudem gegenüber dem Riesenfenchel (*Ferula communis*) nötig, der bis zu 3 Meter hoch wird, größere Dolden trägt und im Gegensatz zum Echten Fenchel giftig ist.[4]
Foeniculum vulgare nimmt eine ökologische Doppelrolle ein: In naturnahen Gärten fördert die Pflanze als Nahrungsquelle Bestäuber wie Bienen und Schwebfliegen, die indirekt bei der biologischen Kontrolle von Blattläusen helfen. Außerhalb seines nativen Verbreitungsgebiets, insbesondere in Kalifornien und Australien, wird Fenchel jedoch als invasive Spezies klassifiziert, die durch aggressive Ausbreitung die Biodiversität bedroht. Das Schadpotenzial manifestiert sich in der Verdrängung heimischer Vegetation durch dichte Monokulturen und die Abgabe allelopathischer Verbindungen, welche die Keimung konkurrierender Pflanzen unterdrücken.[1] In Australien gilt die Art in Regionen wie Tasmanien und Victoria rechtlich als „noxious weed“, was spezifische Melde- und Bekämpfungspflichten nach sich zieht. Im landwirtschaftlichen Kulturanbau zeigen sich Befallsanzeichen primär durch Blattlauskolonien an jungen Trieben sowie Fraßspuren von Schnecken an der Blattmasse. Unterirdisch können Wurzelgallennematoden das Wurzelsystem schädigen, was durch Fruchtfolgen mit Leguminosen präventiv gemanagt wird, da diese Stickstoff fixieren und Nematodenzyklen unterbrechen. Als weitere phytosanitäre Maßnahme empfiehlt sich die Mischkultur mit Tagetes, deren Wurzelsekrete abschreckend auf Bodenschädlinge wirken. Bei feuchter Witterung ist ein Monitoring auf Pilzkrankheiten wie Echten Mehltau erforderlich, der sich als weißer Belag auf den Blättern zeigt. In der integrierten Schädlingsbekämpfung (IPM) wird Fenchel selbst als Wirkstoffträger genutzt: Extrakte und ätherische Öle zeigen larvizide Effekte gegen Stechmücken wie Culex pipiens.[3] Patentierte biologische Formulierungen nutzen Fenchelöl in Kombination mit Neem oder Quassia zur Abwehr von Ektoparasiten wie Zecken, Läusen und Milben bei Mensch und Tier. Die insektizide Wirkung basiert unter anderem auf Inhaltsstoffen wie Fenchon, die als Kontaktgifte oder Repellents fungieren.[4] Gesundheitlich ist bei der Nutzung Vorsicht geboten, da das im ätherischen Öl enthaltene Estragol von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als potenziell genotoxisch und karzinogen bewertet wurde. Aufgrund dieser toxikologischen Bedenken wird empfindlichen Bevölkerungsgruppen wie Schwangeren und Kindern von der Aufnahme hoher Dosen abgeraten.[1]