Die Art *Drosophila melanogaster* wurde im Jahr 1830 erstmals durch den deutschen Entomologen Johann Wilhelm Meigen wissenschaftlich beschrieben. Die formale Erstbeschreibung erfolgte in seinem Werk *Systematische Beschreibung der bekannten europäischen zweiflügeligen Insekten*. Der Gattungsname *Drosophila* leitet sich aus den griechischen Wörtern *drosos* (Tau) und *philos* (liebend) ab, was als „tauliebend“ übersetzt wird und auf die Bevorzugung feuchter Habitate anspielt.[1] Das Art-Epitheton *melanogaster* kombiniert die griechischen Begriffe *melas* (schwarz) und *gaster* (Bauch), was die charakteristische dunkle Färbung des Hinterleibs beschreibt.[3] Im deutschen Sprachraum sind die Trivialnamen „Fruchtfliege“ und „Essigfliege“ gebräuchlich, während die Bezeichnung „Taufliegen“ taxonomisch oft für die gesamte Gattung steht.[1] International sind die Namen „fruit fly“ und „vinegar fly“ etabliert, wobei der Begriff „fruit fly“ gelegentlich zu Verwechslungen mit der Familie der Bohrfliegen (Tephritidae) führt.[2] Systematisch wird *D. melanogaster* innerhalb der Familie Drosophilidae in das Untergenus *Sophophora* und die *melanogaster*-Artengruppe eingeordnet. Ein historisch relevantes Synonym, das diese subgenerische Klassifizierung widerspiegelt, ist *Sophophora melanogaster*. Phylogenetische Untersuchungen verorten die Art in einer Klade mit den eng verwandten Spezies *Drosophila simulans* und *Drosophila yakuba*.[1]
Adulte *Drosophila melanogaster* sind kleine Fliegen mit einer Körperlänge von etwa 2 bis 3 mm und einer Breite von rund 2 mm. Die Grundfärbung des Körpers ist gelb-braun, wobei das Abdomen charakteristische schwarze Querstreifen aufweist.[3][1] Der rundliche Kopf trägt große, ziegelrote Facettenaugen, die aus jeweils 700 bis 750 Ommatidien bestehen.[1] Zudem besitzen sie kurze Antennen, die mit einer gefiederten Borste (Arista) ausgestattet sind, sowie einen einziehbaren Rüssel.[1][3] Am Thorax befinden sich membranöse Flügel mit einer einfachen Aderung, bei der nur fünf Längsadern den Flügelrand erreichen.[3] Die Subcostalader ist unvollständig und die Analzelle ist klein oder fehlend, während Halteren für die Flugbalance sorgen. Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zeigt sich an den Vorderbeinen der Männchen, die charakteristische Geschlechtskämme (Sex Combs) aus etwa 11 Borsten tragen. Weibchen sind etwas größer und besitzen ein längliches Abdomen mit sieben sichtbaren Segmenten und einem sklerotisierten Legebohrer.[1][3] Männchen hingegen haben ein rundlicheres Hinterleibsende mit nur fünf sichtbaren Segmenten und einer durchgehenden schwarzen Pigmentierung am posterioren Bereich. Die länglichen, weißen Eier messen etwa 0,5 mm und verfügen am anterioren Ende über eine Mikropyle für den Spermieneintritt. Die Larven sind weiße, zylindrische Maden mit einem transparenten Körper, der in zehn Rumpfsegmente unterteilt ist. Sie wachsen über drei Stadien auf bis zu 5 mm heran und besitzen Mundhaken sowie posteriore Analfelder mit Atemöffnungen. Die Verpuppung erfolgt in einem tonnenförmigen Puparium, das aus der verhärteten Larvenkutikula besteht und eine bräunliche Färbung annimmt. Das Puparium behält einige larvale Merkmale wie die Spirakelpapillen bei und besitzt ein Operculum für den Schlupf der Imago.[1] *Drosophila melanogaster* gehört zur Untergattung *Sophophora* und lässt sich morphologisch nur schwer von nahen Verwandten wie *Drosophila simulans* unterscheiden.[3][5] Die sichere Abgrenzung erfordert oft die Untersuchung der Genitalien, da Hybriden aufgrund genetischer Inkompatibilitäten meist steril sind.[5]
Drosophila melanogaster gilt primär als Lästling und Vorratsschädling, der weltweit als Kulturfolger des Menschen in Küchen, Märkten und lebensmittelverarbeitenden Betrieben auftritt.[2][3] Die Fliegen werden von gärenden organischen Substanzen wie überreifem Obst, verrottendem Gemüse und Lebensmittelabfällen angezogen, wo sie sich von Hefen und Mikroben ernähren. Durch die Eiablage in fermentierende Substrate beschleunigen sie den Verderb von Agrarprodukten und machen diese für den Verzehr ungeeignet. Obwohl die Art nicht beißt, besitzt sie medizinische Relevanz als mechanischer Vektor, der bakterielle Krankheitserreger wie Escherichia coli und Salmonella-Spezies von kontaminierten Oberflächen auf frische Lebensmittel übertragen kann.[2] Ein Befall äußert sich durch das sichtbare Umherfliegen der Adulten sowie durch Larven in faulendem Pflanzenmaterial.[3] Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist die strikte Hygiene, insbesondere die schnelle Entsorgung fermentierender Abfälle und die Lagerung von Obst in geschlossenen Behältern, um Brutstätten zu eliminieren. Zur Überwachung und Bekämpfung werden Fallen eingesetzt, die auf Attraktanzien wie Essig, Hefe oder fermentierenden Fruchtsubstraten basieren. Patentierte Lockstoffmischungen nutzen beispielsweise Kombinationen aus Reiswein, braunem Zucker und Essig, um die Adulten effektiv anzulocken und chemische Rückstände im Boden zu vermeiden. Eine weitere Methode verwendet Mischungen aus Hefe und getrockneten pflanzlichen Substraten wie Banane, um die Fliegen ohne synthetische Insektizide zu fangen. In der Forschung werden biologische Ansätze untersucht, darunter die Nutzung toxischer Proteine aus den akzessorischen Drüsen männlicher Fliegen zur Entwicklungshemmung. Zudem identifizieren genetische Studien essentielle Genfamilien wie Osiris, die als Zielstrukturen für neuartige, spezifische Insektizide dienen könnten.[2]