Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Chrysoperla carnea*, wobei die gültige Erstbeschreibung durch James Francis Stephens im Jahr 1836 erfolgte. Ursprünglich publizierte Stephens die Art unter dem Basionym *Chrysopa carnea* in seinem Werk *Illustrations of British Entomology*.[1] Im Deutschen ist die Bezeichnung Gemeine Florfliege etabliert, während sie im englischen Sprachraum allgemein als "green lacewing" bekannt ist.[4][2] Historisch wurde *C. carnea* lange als eine einzige, weit verbreitete Spezies in der holarktischen Region behandelt. Taxonomische Revisionen ab den 1980er Jahren offenbarten jedoch, dass es sich um einen Komplex aus etwa 20 kryptischen Zwillingsarten (die *carnea*-Gruppe) handelt. Diese Arten sind morphologisch kaum zu unterscheiden und wurden primär durch genetische Analysen sowie ihre spezifischen Vibrationsgesänge bei der Balz differenziert. Die "echte" *Chrysoperla carnea* sensu stricto entspricht dem Gesangstyp Cc4, was durch DNA-Analysen an historischem Typusmaterial bestätigt wurde. Andere europäische Formen wie *Chrysoperla lucasina* (Cc1) oder *Chrysoperla pallida* (Cc2) wurden im Zuge dieser Revisionen als eigenständige Taxa abgetrennt.[1] In älterer Literatur und im kommerziellen Nützlingseinsatz wurden häufig auch nordamerikanische Verwandte wie *Chrysoperla plorabunda* oder *Chrysoperla rufilabris* fälschlicherweise unter dem Namen *C. carnea* geführt.[1]
Die adulten Tiere sind zarte Insekten mit einer Körperlänge von 12 bis 20 Millimetern und einer Flügelspannweite von 23 bis 30 Millimetern. Charakteristisch sind die blassgrüne Grundfärbung des Körpers sowie die prominenten, metallisch glänzenden goldenen Augen, die ihnen eine gute Sehschärfe verleihen. In Ruhestellung werden die vier großen, transparenten und grün geäderten Flügel dachartig über dem Hinterleib zusammengefaltet. Die Flügel weisen eine netzartige Aderung auf, wobei die Vorderflügel am Vorderrand eine Reihe quadratischer Zellen besitzen, was die Familie Chrysopidae von den braunen Florfliegen unterscheidet. Am Kopf befinden sich lange, fadenförmige Antennen, die als primäre Sinnesorgane dienen, sowie leckend-saugende Mundwerkzeuge zur Aufnahme von Nektar und Pollen. Die Beine sind lang und schlank, während ein subtiler Sexualdimorphismus an der Hinterleibsspitze erkennbar ist, wo Männchen spezielle Klammerorgane besitzen.[2] Überwinternde Imagines verändern ihre Farbe und nehmen während der Diapause eine strohgelbe bis bräunliche Tönung an, bevor sie im Frühjahr wieder ergrünen.[1] Die Larven besitzen einen länglichen, alligatorähnlichen Körper mit bräunlicher oder gräulicher Kutikula, der im dritten Stadium 8 bis 10 Millimeter erreicht. Ihre Mundwerkzeuge sind zu sichelförmigen Saugzangen umgebildet, mit denen sie Beutetiere anstechen und aussaugen. Eine Besonderheit vieler Larven ist das Tragen von Paketen aus Pflanzenresten oder Beutehüllen auf dem Rücken, die der Tarnung dienen. Die Verpuppung erfolgt in einem runden, pergamentartigen Seidenkokon, durch dessen transluzente Wände die blasse, exarate Puppe schemenhaft erkennbar ist. Die ovalen, 0,5 bis 1 Millimeter großen Eier sind zunächst blassgrün und werden an 1 bis 2 Zentimeter langen Seidenstielen abgelegt, um sie vor Kannibalismus zu schützen.[2] Morphologisch ist *Chrysoperla carnea* Teil eines kryptischen Artenkomplexes, der etwa 20 äußerlich kaum unterscheidbare Zwillingsarten umfasst. Eine sichere Artbestimmung ist oft nur durch die Analyse der artspezifischen Vibrationsgesänge oder genetische Marker möglich, da physische Merkmale kaum variieren.[1]
Chrysoperla carnea wird primär als bedeutender Nützling klassifiziert, dessen Larven („Blattlauslöwen“) als effektive Räuber in Agrarökosystemen fungieren. Eine einzelne Larve vertilgt während ihrer Entwicklung zwischen 100 und 600 Blattläuse, bekämpft aber auch Spinnmilben, Thripse, Weiße Fliegen und kleine Raupen. Aufgrund dieses breiten Beutespektrums wird die Art weltweit in biologischen Bekämpfungsprogrammen für Kulturen wie Baumwolle, Kartoffeln, Wein, Salat und Gewächshauspflanzen eingesetzt.[2] In Feldversuchen konnten durch gezielte Freisetzungen Reduktionen der Schädlingspopulationen um bis zu 96 % erreicht werden, wobei typische Erfolgsraten zwischen 50 % und 90 % liegen. Kommerziell werden meist Eier oder Larven ausgebracht, oft auf Karten fixiert oder als Streuware, mit Raten von 1.000 bis 10.000 Individuen pro Acre.[1] Ein zentraler Aspekt des Managements ist die Vermeidung von Kannibalismus unter den Larven, weshalb Eier in der Natur an Stielen abgelegt werden und bei der Zucht separiert werden müssen.[2] Im integrierten Pflanzenschutz (IPM) gilt *C. carnea* als gut integrierbar, da sie Toleranzen gegenüber bestimmten selektiven Pflanzenschutzmitteln aufweist.[1] Patentdaten belegen beispielsweise, dass moderne Insektizide auf Limonen-Basis effektiv gegen Weiße Fliegen wirken, ohne die Populationen der Florfliege zu schädigen.[4] Zur Förderung der Ansiedlung werden Blühstreifen empfohlen, da die nicht-räuberischen Adulttiere zwingend Nektar und Pollen für die Reproduktion benötigen.[2] Die Wirksamkeit der Tiere ist temperaturabhängig, mit einem Entwicklungsoptimum zwischen 20 °C und 28 °C; Temperaturen unter 12 °C erhöhen die Mortalität signifikant.[1] Direkte Schäden an Pflanzen oder Bausubstanz verursacht die Art nicht, da sich die Adulten rein von pflanzlichen Sekreten und Honigtau ernähren.[2] Auch eine medizinische Relevanz oder Gefahr für den Menschen besteht nicht, da die Tiere weder stechen noch Krankheiten übertragen.