Fakten (kompakt)
- Mit einem Wassergehalt von 96 % und einem Brennwert von etwa 16 kcal pro 100 g ist die Frucht extrem kalorienarm. - Zu den ernährungsphysiologisch relevanten Inhaltsstoffen zählen Vitamin K, Vitamin C, Kalium sowie Antioxidantien. - Die in bitteren Varietäten enthaltenen Cucurbitacine besitzen potenzielle entzündungshemmende Eigenschaften. - Neben den klassischen rankenden Typen existieren gezüchtete, kompakte Busch-Varietäten für den Anbau auf begrenztem Raum. - Die Früchte entwickeln sich bei wilden oder unreifen Formen oft mit Stacheln oder Tuberkeln auf dem Exokarp (Außenhaut). - Morphologisch variieren die Früchte je nach Sorte von der bekannten zylindrischen bis hin zu einer sphärischen Form. - Für den Anbau ist ein fruchtbarer Boden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,0 ideal. - Während samenhaltige Sorten auf Bienenbestäubung angewiesen sind, werden im Gewächshaus bevorzugt parthenokarpe (jungfernfrüchtige) Typen kultiviert, um Bitterkeit durch Überreife zu vermeiden. - In Salzlake fermentierte Einlegegurken können durch den Gärprozess probiotische Eigenschaften entwickeln. - Kosmetische Extrakte der Gurke wirken adstringierend (zusammenziehend) und helfen, Hautschwellungen zu reduzieren.[8]
Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Cucumis sativus* L., wobei die formale Erstbeschreibung im Jahr 1753 durch Carl von Linné in seinem Werk *Species Plantarum* veröffentlicht wurde. Taxonomisch wird die Spezies innerhalb der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) in die Gattung *Cucumis* (Untergattung *Cucumis*) eingeordnet.[1] Die domestizierte Form stammt von dem wilden Vorfahren *Cucumis sativus* var. *hardwickii* ab, der historisch unter dem Synonym *Cucumis hardwickii* Royle geführt wurde. Evolutionär gehört die Art zu einer asiatisch-australischen Klade und weist als diploider Organismus einen Chromosomensatz von 2n=14 auf. Zu den engsten Verwandten zählt die Melone (*Cucumis melo*) als Schwestergruppe, während die Anguriagurke (*Cucumis anguria*) ein phylogenetisch eigenständiges Taxon darstellt. Es werden keine formalen Unterarten unterschieden; die Variabilität beschränkt sich auf kultivierte Sortengruppen, die sich in Fruchtgröße und Bitterkeit differenzieren. Historische Bezeichnungen in altindischen Texten (Rig Veda) lauten *urvaruka*, während sich der lateinische Begriff *cucumis* in antiken Quellen vermutlich eher auf Schlangenmelonen bezog.[4] Im Deutschen ist der Trivialname Gurke gebräuchlich, international werden kleine Einlegeformen oft als 'Gherkins' bezeichnet, ein Begriff, der im 16. Jahrhundert dokumentiert wurde.[1][4]
Die Gurke (*Cucumis sativus*) wächst als einjährige, kriechende oder kletternde Rankpflanze mit rauen, kantigen und behaarten Stängeln, die Längen von 3 bis 5 Metern erreichen können.[1][2] Zur Verankerung und zum vertikalen Wachstum bildet die Pflanze spiralförmige Ranken aus, die auf Berührungsreize reagieren (Thigmotropismus).[1] Die wechselständigen, einfachen Blätter sind herz- bis kreisförmig, messen 7 bis 20 cm in Länge und Breite und besitzen gelappte sowie gesägte Ränder.[4] Charakteristisch für die Blattoberfläche ist eine raue, stachelige Textur, die durch Trichome verursacht wird.[1] Das Wurzelsystem besteht aus einer Pfahlwurzel und einem ausgedehnten Netzwerk flacher Faserwurzeln, die sich primär in den oberen 60 cm des Bodens konzentrieren.[4] Die Blüten sind typischerweise gelb, haben einen Durchmesser von 1–2 cm und entspringen den Blattachseln. Als meist monözische (einhäusige) Pflanze bildet sie separate männliche und weibliche Blüten auf demselben Individuum aus. Männliche Blüten besitzen fünf Staubblätter mit klebrigem Pollen, während weibliche Blüten an einem unterständigen Fruchtknoten erkennbar sind, der sich nach der Befruchtung zur Frucht entwickelt. Botanisch handelt es sich bei der Frucht um eine Panzerbeere (Pepo), deren Form zylindrisch bis kugelförmig variiert und je nach Sorte 10 bis 60 cm lang wird. Die grüne Exokarp-Haut ist bei wilden oder unreifen Exemplaren oft mit Stacheln oder Tuberkeln besetzt, während Zuchtformen wie Salatgurken oft glattschalig sind.[1] Im Inneren umschließt das wasserreiche Fruchtfleisch (ca. 95 % Wassergehalt) die Samen, die sich aus den befruchteten Samenanlagen entwickeln.[1] Die wilde Stammform *C. sativus* var. *hardwickii* unterscheidet sich durch deutlich kleinere, olivenartige und extrem bittere Früchte von den domestizierten Varietäten.[3] Zur Abgrenzung von ähnlichen Arten ist die Chromosomenzahl von 2n=14 relevant, wodurch sie sich von verwandten Spezies wie der Melone (*C. melo*) unterscheidet.[4] Historische Verwechslungen traten häufig mit der Schlangenmelone (*Cucumis melo* subsp. *melo* Flexuosus Group) auf, die morphologisch ähnlich, aber taxonomisch getrennt ist.[3]
Als weltweit bedeutende Nutzpflanze erreichte *Cucumis sativus* im Jahr 2023 eine Produktionsmenge von 98 Millionen Tonnen, was einem Marktwert von etwa 6 Milliarden US-Dollar entspricht.[7][1] Die Pflanze ist anfällig für diverse Schädlinge, insbesondere Gurkenkäfer (*Acalymma vittatum* und *Diabrotica undecimpunctata*), die durch Fraßschäden an den Blättern auffallen und als Vektoren für die Bakterienwelke (*Erwinia tracheiphila*) fungieren. Weitere relevante Schadorganismen sind Blattläuse, Wanzen sowie Spinnmilben, die die Vitalität der Bestände beeinträchtigen können. Pilzerkrankungen wie Echter Mehltau (*Podosphaera xanthii*) und Falscher Mehltau (*Pseudoperonospora cubensis*) stellen eine Hauptbedrohung im Anbau dar.[2] Virusinfektionen, darunter das Gurkenmosaikvirus oder das Gurkengrünscheckungsmosaikvirus (CGMMV), führen zu erheblichen Ertragseinbußen und werden zunehmend durch resistente Züchtungen bekämpft.[4][2] Physiologische Schäden entstehen oft durch abiotische Faktoren; Temperaturen unter 10 °C verursachen Kälteschäden in Form von Pitting, während unregelmäßige Bewässerung zu Bitterkeit und Blütenendfäule führt.[1][4] Medizinisch ist die Gurke meist unbedenklich, jedoch können in seltenen Fällen Kontaktallergien oder Verdauungsbeschwerden auftreten. Bei konventionellem Anbau besteht das Risiko von Pestizidrückständen auf der Schale, weshalb gründliches Waschen oder Schälen zur Risikominimierung empfohlen wird.[1] Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) ist eine Fruchtfolge von zwei bis drei Jahren essenziell, um die Lebenszyklen von wirtspezifischen Schädlingen zu unterbrechen. Bauliche und kulturtechnische Maßnahmen wie das Aufleiten an Rankhilfen verbessern die Luftzirkulation und reduzieren den Krankheitsdruck um 20 bis 50 %. Für das Monitoring gelten Schadschwellen, beispielsweise wird bei Gurkenkäfern ein Eingreifen ab einem Käfer pro Pflanze oder 20 % Entlaubung empfohlen.[2] Zur biologischen Abwehr setzt die Pflanze bei Befall flüchtige Terpene frei, die natürliche Feinde wie parasitoide Wespen anlocken.[1] Bekämpfungsmaßnahmen umfassen den Einsatz von Reihenabdeckungen im Jugendstadium, Anwendungen von Neemöl sowie bei Bedarf den gezielten Einsatz von Fungiziden.[2]