Erkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Adulte Exemplare von *Tegenaria domestica* weisen einen deutlichen Sexualdimorphismus in der Größe auf, wobei Weibchen eine Körperlänge von 7,5 bis 11,5 mm erreichen, während Männchen mit 6,0 bis 9,0 mm kleiner bleiben. Der Körper ist grundsätzlich bräunlich gefärbt und behaart, wobei der Cephalothorax länger als breit ist und blasse bis gelblich-braune Töne mit dunklen Streifen zeigt. Auf dem Kopfbereich befinden sich acht einfache Augen, die in zwei nach vorne gebogenen Reihen angeordnet sind, wobei die vorderen Mittelaugen etwas kleiner erscheinen als die übrigen.[1] Die Cheliceren sind leicht gekniet und mit Giftklauen ausgestattet, während die Pedipalpen bei Männchen verdickt und für die Spermaübertragung modifiziert sind.[1][3] Ein charakteristisches Bestimmungsmerkmal auf dem Sternum ist ein breiter, heller Längsstreifen, der beidseitig von drei undeutlichen hellen Flecken flankiert wird.[1] Das Abdomen zeichnet sich durch ein Herzmal sowie ein markantes Fischgräten- oder Chevron-Muster aus, das durch helle Streifen auf grauem Grund gebildet wird.[1][3] Die Unterseite des Hinterleibs zeigt blasse Streifen inmitten einer grauen Schattierung. Die gelblichen Beine sind lang, in sieben Segmente unterteilt und weisen oft braune Flecken oder unvollständige Ringe auf, was zu einer Beinspannweite von 20 bis 30 mm führt. Männchen besitzen im Vergleich zu Weibchen relativ längere und schlankere Beine, wobei das Verhältnis von Carapax zu Tibia I bei Männchen etwa 142 gegenüber 131 bei Weibchen beträgt.[1] Jungtiere ähneln den Adulten in der Morphologie und den Beinmustern stark, sind jedoch proportional kleiner und entwickeln sich über mehrere Häutungen.[3] Die linsenförmigen Eiersäcke bestehen aus weißer Seide, werden jedoch zur Tarnung häufig mit organischen Resten oder Beuterückständen bedeckt und in der Nähe des Netzes aufgehängt.[6] Zur Abgrenzung von verwechselbaren Arten ist zu beachten, dass *Tegenaria domestica* kleiner ist als Vertreter der Gattung *Eratigena*, die sich zudem durch spezifische Beinringelungen und Genitalmorphologie unterscheiden.[1]
*Tegenaria domestica* ist eine mittelgroße Webspinne aus der Familie der Trichterspinnen (*Agelenidae*), die als klassischer Kulturfolger weltweit in menschlichen Behausungen etabliert ist.[1][4] Der Körperbau ist typisch für die Gattung, mit einem blassgelben bis bräunlichen Cephalothorax, der dunkle Längsstreifen aufweist, und einem Hinterleib, der oft ein charakteristisches Herzmal sowie ein Fischgrätenmuster zeigt.[1][9] Im natürlichen Habitat, das von Kellern und Schuppen bis zu Höhleneingängen reicht, konstruiert die Art ein flächiges Trichternetz, das in eine röhrenförmige Wohnröhre mündet.[5][3] Diese Konstruktion dient als effektive Falle, wobei die Spinne meist im Trichterausgang lauert und über Vibrationen auf der Gespinstdecke ihre Beute ortet.[2] Anatomisch ist die Art durch ihre langen, fein behaarten Beine an eine schnelle Fortbewegung auf dem Netz angepasst, wobei die Behaarung als hochsensibles Sinnesorgan für Erschütterungen fungiert.[1][9] Im Gegensatz zu den nah verwandten und oft im gleichen Lebensraum anzutreffenden Arten der Gattung *Eratigena* bleibt *Tegenaria domestica* mit einer Körperlänge von 7–11 mm bei Weibchen deutlich kleiner und zierlicher.[11][3] Ein Sexualdimorphismus ist deutlich erkennbar: Männchen sind schlanker, besitzen im Verhältnis zum Körper längere Beine und tragen auffällig verdickte Pedipalpen zur Spermaübertragung.[7][1] Während Weibchen oft mehrere Jahre (in Gefangenschaft bis zu sieben) überleben können, sterben die Männchen meist kurz nach der Paarungszeit im Herbst.[6][3] Diese Paarungszeit ist durch eine erhöhte Aktivität der Männchen gekennzeichnet, die ihre Netze verlassen und aktiv nach den sesshaften Weibchen suchen.[2] Die Fortpflanzung resultiert in linsenförmigen Eikokons, die das Weibchen mit Detritus oder Beuteresten tarnt und in der Nähe des Netzes aufhängt.[6][4] Die Eier überwintern im Kokon, bevor im Frühjahr die Jungspinnen schlüpfen, die morphologisch bereits Miniaturversionen der Adulttiere darstellen.[1] Diese Nymphen verbreiten sich entweder lokal oder nutzen das "Ballooning", bei dem sie an Seidenfäden durch die Luft verdriftet werden, um neue Habitate zu besiedeln.[2][5] Die Entwicklung zur Geschlechtsreife dauert etwa ein Jahr, wobei die Tiere mehrere Häutungsstadien durchlaufen, die jeweils mit einem Größenzuwachs einhergehen.[1] Historisch ist die Art bedeutsam, da sie bereits 1757 von Carl Clerck beschrieben wurde und als Typusart der Gattung *Tegenaria* fungiert.[4][2] Trotz ihrer weiten Verbreitung und Anpassungsfähigkeit verhält sich die Art dem Menschen gegenüber scheu und nicht aggressiv, wobei sie primär nachtaktiv jagt.[2][6]
Systematik
Name & Einordnung
Die Art *Tegenaria domestica* wurde erstmals im Jahr 1757 von dem schwedischen Arachnologen Carl Clerck unter dem Protonym *Araneus domesticus* wissenschaftlich beschrieben. Diese Erstbeschreibung erfolgte in seinem Werk *Aranei Svecici* und zählt zu den wenigen anerkannten binären Nomenklaturen, die dem System von Carl Linnaeus vorausgehen, der die Art 1758 als *Aranea domestica* führte. Der französische Entomologe Pierre André Latreille etablierte 1804 die Gattung *Tegenaria* und legte *Tegenaria domestica* als Typusart fest.[4] Der Gattungsname leitet sich vom griechischen Wort „teganon“ ab, was „Matte“ oder „Abdeckung“ bedeutet und auf die charakteristischen deckenartigen Trichternetze dieser Spinnen anspielt. Das lateinische Art-Epitheton *domestica* verweist auf die enge Bindung der Spezies an menschliche Behausungen und synanthropische Lebensräume.[1] Aufgrund historischer Mehrfachbeschreibungen existieren zahlreiche Synonyme, darunter *Aranea derhamii* (Scopoli, 1763), *Tegenaria civilis* (Walckenaer, 1805) sowie die 2013 synonymisierte *Tegenaria domesticoides*.[4] Im Zuge einer umfassenden taxonomischen Revision der Familie Agelenidae (Trichterspinnen) im Jahr 2013 wurde der *Tegenaria*-Malthonica-Komplex neu geordnet.[1] Während größere verwandte Arten in die neu aufgestellte Gattung *Eratigena* überführt wurden, verblieb *T. domestica* basierend auf molekularen und morphologischen Merkmalen in der Gattung *Tegenaria*.[1] Im deutschen Sprachraum wird die Art als Hauswinkelspinne bezeichnet, während sie international oft als „barn funnel weaver“ oder „domestic house spider“ bekannt ist.[1][2]