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Lexikon-Eintrag

Holzbock Ixodes ricinus

Holzbock
Hohes Risiko Physische Gefahr Kann stechen Nützling

Taxonomie

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung Zecken (Ixodida)
Familie Ixodidae
Gattung Ixodes
Art Ixodes ricinus
Wissenschaftlicher Name Ixodes ricinus Linnaeus, 1758
Akzeptierter Name

Einleitung

Der **Gemeine Holzbock** (*Ixodes ricinus*) ist eine Art der Schildzecken (Ixodidae) innerhalb der Klasse der Spinnentiere. Dieser in Europa weit verbreitete Ektoparasit befällt als Generalist eine Vielzahl von Wirbeltieren und fungiert als Hauptüberträger für Krankheitserreger wie *Borrelia burgdorferi* und das FSME-Virus. Taxonomisch wird die Art dem *Ixodes ricinus*-Komplex zugeordnet und ist eng mit den verwandten Spezies *Ixodes scapularis* sowie *Ixodes persulcatus* assoziiert.[1]

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Name & Einordnung

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Art erfolgte 1758 durch Carl von Linné unter dem Namen *Acarus ricinus* in der zehnten Auflage der *Systema Naturae*. Linné ordnete die Spezies später in der zwölften Auflage von 1763 der Gattung *Ixodes* zu, womit die heute gültige binäre Nomenklatur begründet wurde.[1] *Ixodes ricinus* fungiert als Typusart der Gattung *Ixodes*, eine Einordnung, die durch umfassende monographische Arbeiten von George H. F. Nuttall und Kollegen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gefestigt wurde. Das Art-Epitheton *ricinus* bezieht sich etymologisch auf die Ähnlichkeit des vollgesogenen Weibchens mit dem Samen des Wunderbaums (*Ricinus*), der im Englischen als 'castor bean' bekannt ist.[1] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung 'Holzbock' oder 'Gemeiner Holzbock' etabliert.[2] International sind Trivialnamen wie 'castor bean tick' oder 'sheep tick' gebräuchlich. Taxonomisch gehört die Art zur Familie der Schildzecken (Ixodidae) und wird innerhalb des *Ixodes ricinus*-Spezieskomplexes verortet, der auch genetisch nahestehende Vektoren wie *Ixodes scapularis* und *Ixodes persulcatus* umfasst. Obwohl keine formalen Unterarten definiert sind, lassen sich genetisch differenzierte Kladen in West- und Osteuropa nachweisen, die nacheiszeitliche Ausbreitungswege widerspiegeln. Historisch führte die morphologische Ähnlichkeit vor 1950 teilweise zu Fehlidentifikationen mit verwandten Arten in anderen geographischen Regionen.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Ixodes ricinus ist eine hartschalige Zecke der Familie Ixodidae, die im nüchternen Zustand eine rötlich-braune Grundfärbung ohne ornamentierte Muster aufweist.[1][7] Adulte Weibchen messen nüchtern 3–4 mm und können im vollgesogenen Zustand auf 10–11 mm anschwellen, wobei sie eine graue Färbung und die Form einer Rizinusbohne annehmen.[7] Männchen sind mit 2,5–3 mm deutlich kleiner und verändern ihre Größe kaum, da sie nur geringe Blutmengen aufnehmen. Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zeigt sich im Skutum (Rückenschild): Bei Männchen bedeckt dieses sklerotisierte Schild den gesamten Rücken, während es bei Weibchen, Nymphen und Larven nur den vorderen Teil bedeckt, um die Dehnung des Alloscutums bei der Blutmahlzeit zu ermöglichen.[1][7] Augen fehlen dieser Art gänzlich. Das Capitulum besitzt eine rechteckige Basis und trägt lange, keulenförmige Pedipalpen, die bei Weibchen länger ausgeprägt sind als bei Männchen. Charakteristisch ist das Hypostom, ein mit widerhakenartigen Zähnchen besetzter Stechrüssel, der der Verankerung im Wirt dient.[7] Im Gegensatz zu vielen anderen Schildzecken fehlen I. ricinus die Festons (Einkerbungen am Hinterrand). Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist die Analfurche, die den Anus anterior (vorderseitig) umgibt. Auf der Ventralseite besitzen Männchen sieben nicht vorstehende Platten, während sich die Genitalöffnung der Weibchen hinter der Coxa IV befindet.[7] Adulte und Nymphen verfügen über vier Beinpaare, wobei das erste Beinpaar das Haller’sche Organ trägt, eine sensorische Grube zur Wahrnehmung chemischer und thermischer Reize.[1] Die Larven sind weniger als 1 mm groß und besitzen lediglich drei Beinpaare, bevor sie sich nach der ersten Häutung in achtbeinige Nymphen verwandeln. Nymphen messen ungesogen etwa 1,5 mm und ähneln den adulten Weibchen in der Form, sind jedoch geschlechtlich noch nicht differenziert. Die Eier werden in Gelegen von 1.000 bis 3.000 Stück am Boden abgelegt und sind durch eine wachsartige Schicht vor Austrocknung geschützt. Morphologisch gehört die Art zum Ixodes ricinus-Komplex und ähnelt stark Ixodes scapularis sowie Ixodes persulcatus, wobei die Unterscheidung historisch oft schwierig war.[1]

Beschreibung

Der Gemeine Holzbock (*Ixodes ricinus*) ist eine zur Familie der Ixodidae gehörende Schildzecke und fungiert als Typusart der Gattung *Ixodes*. Als generalistischer Ektoparasit mit einem dreiwirtigen Lebenszyklus ist die Art in Europa und Nordafrika weit verbreitet und besiedelt vorzugsweise feuchte Laub- und Mischwälder, in denen die relative Luftfeuchtigkeit über 80 % liegt. Morphologisch zeichnet sich die Art durch ein sklerotisiertes Rückenschild (Scutum) und prominente Mundwerkzeuge aus, besitzt jedoch keine Augen.[1] Stattdessen orientiert sich *I. ricinus* beim sogenannten „Questing“ an der Vegetationsspitze mithilfe des Hallerschen Organs an den Vorderbeinen, das Wirtsreize wie Kohlendioxid, Wärme und Vibrationen wahrnimmt. Eine zentrale anatomische Anpassung ist das mit widerhakenartigen Zähnchen besetzte Hypostom, das eine mechanische Verankerung in der Wirtshaut ermöglicht, ohne dass ein Zementpfropf gebildet wird. Die Cheliceren schneiden dabei die Haut auf, woraufhin der Saugapparat nach dem Ratschen-Prinzip eingeführt wird. Der Sexualdimorphismus ist im Adultstadium stark ausgeprägt: Während das Scutum bei Männchen den gesamten Rücken bedeckt, beschränkt es sich bei Weibchen auf den vorderen Bereich, um die enorme Ausdehnung des Alloscutums während der Blutmahlzeit zu ermöglichen. Adulte Weibchen können von einer Nüchtern-Größe von 3–4 mm auf 10–11 mm anschwellen und nehmen dabei die namensgebende, graue Form eines Rizinus-Samens an. Die kleineren Männchen (2,5–3 mm) verfügen über sieben panzerartige Ventralplatten und nehmen nur minimale Blutmengen auf, da ihre Hauptfunktion die Paarung auf dem Wirt ist. Die Entwicklung beginnt mit dem sechsbeinigen Larvenstadium, das ungesogen weniger als 1 mm misst und primär kleine Säugetiere oder Vögel parasitiert. Nach der Häutung entstehen die achtbeinigen Nymphen (1,5–3,5 mm), die morphologisch den adulten Weibchen ähneln, jedoch noch keine Geschlechtsöffnung besitzen. Ungefütterte Stadien sind typischerweise rotbraun gefärbt, wobei keine signifikanten geografischen Farbvariationen bekannt sind. Während des Saugaktes injiziert die Zecke einen komplexen Speichelcocktail mit bioaktiven Molekülen, um die Blutgerinnung und Immunabwehr des Wirtes zu unterdrücken. Historisch wurde die Art 1758 von Carl von Linné zunächst als *Acarus ricinus* beschrieben, bevor sie taxonomisch neu eingeordnet wurde. Phylogenetisch gehört sie zum *Ixodes ricinus*-Artenkomplex und ist eng mit der nordamerikanischen Art *Ixodes scapularis* verwandt, was auf gemeinsame evolutionäre Ursprünge der Vektorkompetenz hindeutet.[1]

Verhalten

Ixodes ricinus zeigt ein passives Lauerverhalten, das als „Questing“ bezeichnet wird, bei dem die Tiere an Vegetation wie Gräsern oder Büschen emporsteigen, um auf Wirte zu warten. In der Lauerstellung klammern sich die Zecken mit den mittleren und hinteren Beinpaaren fest, während sie die Vorderbeine nach oben strecken, um sensorische Reize wahrzunehmen.[1] Die Orientierung erfolgt primär über das Hallersche Organ an den Tarsen des ersten Beinpaares, welches Kohlendioxid, Wärme, Ammoniak und Vibrationen detektiert.[1][3] Die Höhe der Lauerposition variiert je nach Entwicklungsstadium, wobei Adulte bis zu 1,5 Meter erklimmen, während immature Stadien niedriger verbleiben.[1] Dieses Verhalten wird durch Temperaturen über 10–15 °C und eine relative Luftfeuchtigkeit von über 80 % ausgelöst, da die Zecke sich vor Austrocknung schützen muss.[1][4] Sinkt die Luftfeuchtigkeit oder wird das Sättigungsdefizit zu hoch, steigen die Tiere in die feuchte Laubstreu ab, um zu rehydrieren.[1][5] Die Aktivität ist vorwiegend tagaktiv mit Spitzen am Morgen und Nachmittag, verlagert sich jedoch bei wärmeren Bedingungen in die Dämmerung, um direktes Sonnenlicht zu meiden. Die Art betreibt keine aktive Migration; die räumliche Ausbreitung erfolgt ausschließlich passiv durch den Transport auf Wirten. Das Paarungsverhalten findet typischerweise auf dem Wirt statt, wo Männchen saugende Weibchen aufsuchen und Spermatophoren übertragen.[1] Der Saugakt selbst beginnt mit einer 30- bis 60-minütigen Verankerungsphase, bei der die Cheliceren in die Haut schneiden und das Hypostom den Halt ohne zementartige Substanzen sichert.[3]

Ökologie

*Ixodes ricinus* bevorzugt gemäßigte Ökosysteme wie Laub- und Mischwälder, in denen eine dichte Bodenvegetation und Laubstreu ein stabiles Mikroklima mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von über 80 % gewährleisten. Diese hohe Feuchtigkeit ist essenziell für das Überleben abseits des Wirtes, da insbesondere juvenile Stadien bei niedrigeren Werten rasch dehydrieren. Als Generalist im Nahrungsnetz parasitiert der Holzbock ein breites Spektrum an Wirbeltieren; Larven und Nymphen nutzen vorwiegend Kleinsäuger und Vögel, während adulte Weibchen für die Reproduktion auf größere Säugetiere wie Rehe (*Capreolus capreolus*) angewiesen sind. Die Populationsdichte korreliert stark mit der Anwesenheit dieser Reproduktionswirte, die zudem die räumliche Verbreitung der Zecken fördern. Zu den bedeutendsten natürlichen Feinden zählen Waldameisen der *Formica rufa*-Gruppe, die durch Prädation und die Abgabe von Ameisensäure die Dichte questender Nymphen um 50–90 % reduzieren können. Auch bodenlebende Vögel wie Fasane (*Phasianus colchicus*) dezimieren die Zeckenpopulationen in Waldrandbereichen signifikant.[1] Spezifische Parasitoide wie die Erzwespe *Ixodiphagus hookeri* legen ihre Eier in Larven und Nymphen ab, was zum Tod des Wirtes führt, wobei die Befallsraten lokal bis zu 26 % erreichen können. Zusätzlich wirken entomopathogene Pilze wie *Metarhizium anisopliae* und *Beauveria bassiana* als natürliche Regulatoren, indem sie die Kutikula durchdringen und tödliche Mykosen auslösen.[7] Abiotisch begünstigen neutrale bis leicht saure Böden sowie die Klimaerwärmung die Ausbreitung, wobei mildere Winter und verlängerte Aktivitätsperioden eine Besiedlung höherer Breiten und Lagen ermöglichen.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Ixodes ricinus ist als medizinisch bedeutsamer Ektoparasit und Vektor von Krankheitserregern wie Borrelia burgdorferi s.l. (Lyme-Borreliose) und dem Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME) klassifiziert. Entgegen der namentlichen Verwechslungsgefahr mit holzzerstörenden Käfern verursacht dieser „Holzbock“ keine Materialschäden, sondern gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Mensch und Tier, darunter die Babesiose („Weiderot“) bei Rindern. Das Schadpotenzial manifestiert sich beim Menschen primär durch Infektionen, wobei das charakteristische Erythema migrans in 60–80 % der Borreliose-Fälle auftritt.[1] Zur Prävention auf persönlicher Ebene wird die Anwendung von Repellents mit DEET oder Picaridin sowie das Tragen von Permethrin-behandelter Kleidung empfohlen.[5] Eine schnelle Entfernung saugender Zecken innerhalb von 24 Stunden senkt das Borreliose-Risiko signifikant, während die Übertragung von FSME-Viren bereits kurz nach dem Stich erfolgen kann.[1] Im Landschaftsmanagement reduzieren Maßnahmen wie regelmäßiges Rasenmähen, das Entfernen von Laubstreu und das Anlegen von Kiesbarrieren die lokalen Dichten in Gärten und Parks.[8] Bauliche Eingriffe wie Zäune zur Exklusion von Hauptwirten (z. B. Rehen) können die Zeckenpopulationen in umzäunten Arealen um bis zu 80 % senken.[5] Das Monitoring erfolgt wissenschaftlich meist durch „Flagging“ (Abstreifen der Vegetation mit weißen Tüchern) oder zunehmend durch Citizen-Science-Apps zur Kartierung von Risikogebieten.[9] Chemische Bekämpfungsmaßnahmen konzentrieren sich auf Wirtstiere, beispielsweise durch Flumethrin-Halsbänder bei Hunden, da flächige Akarizid-Sprühungen aufgrund ökologischer Risiken weitgehend vermieden werden.[7] Biologische Ansätze nutzen natürliche Feinde wie die Schlupfwespe Ixodiphagus hookeri oder entomopathogene Pilze der Gattung Metarhizium, die in Feldversuchen hohe Mortalitätsraten bei Nymphen und Adulten zeigten.[1] Zukunftsweisende Strategien der Integrierten Schädlingsbekämpfung (IPM) beinhalten die Entwicklung von Impfstoffen gegen Zeckenspeichelproteine, um die Blutaufnahme und Erregerübertragung physiologisch zu blockieren.[2]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung von *Ixodes ricinus* resultiert primär aus seiner Rolle als Vektor für Krankheitserreger in der Nutztierhaltung und im Gesundheitswesen. In der Landwirtschaft verursacht die Art signifikante ökonomische Verluste, insbesondere durch die Übertragung von *Babesia divergens*, dem Erreger der bovinen Babesiose (Weiderot) bei Rindern. Infizierte Tiere leiden unter hämolytischer Anämie und Hämoglobinurie, was in endemischen Gebieten zu Produktionsausfällen und Tierverlusten führt. Auf volkswirtschaftlicher Ebene belasten die durch den Holzbock übertragenen Humanerkrankungen, vor allem die Lyme-Borreliose, die Gesundheitssysteme der EU mit jährlichen Kosten in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro. Diese Summen setzen sich aus direkten Behandlungskosten sowie indirekten Verlusten durch Arbeitsausfälle und Langzeitbehinderungen zusammen. Zur Schadensbegrenzung sind Investitionen in Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich, die von der Anwendung von Akariziden bei Haustieren bis hin zu baulichen Maßnahmen wie Wildzäunen in der Forstwirtschaft reichen.[1] Neben der Schadwirkung besitzt die Art jedoch auch ein wirtschaftliches Potenzial für die pharmazeutische Industrie. Bioaktive Moleküle aus dem Speichel von *Ixodes ricinus*, wie spezifische Proteine und miRNAs, dienen als Basis für die Entwicklung neuer Medikamente, beispielsweise Antikoagulanzien zur Thrombosebehandlung. Entsprechende Patente belegen die Nutzung dieser biologischen Mechanismen zur Herstellung therapeutischer Wirkstoffe für den Menschen.[2]

Biologie & Lebenszyklus

*Ixodes ricinus* durchläuft einen dreiwirtigen Lebenszyklus mit den vier Entwicklungsstadien Ei, Larve, Nymphe und Imago, der je nach Umweltbedingungen typischerweise zwei bis sechs Jahre dauert.[1] Die Fortpflanzung erfolgt primär auf dem Wirt, wobei das Männchen die Spermatophore in die Genitalöffnung des Weibchens überträgt, während dieses Blut saugt. Nach einer Saugphase von 7–14 Tagen lässt sich das vollgesogene Weibchen fallen und legt in geschützten Mikrohabitaten wie der Bodenstreu ein einziges Gelege von 1.000 bis 4.000 Eiern ab, bevor es stirbt. Die Embryonalentwicklung dauert bei optimalen Temperaturen von 10–20 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit über 85 % etwa zwei bis acht Wochen.[1] Die schlüpfenden, sechsbeinigen Larven befallen bevorzugt kleine Säugetiere wie Nagetiere oder Vögel und saugen dort für 3–5 Tage Blut.[3] Nach der Häutung zur achtbeinigen Nymphe sucht diese einen zweiten Wirt, oft kleine bis mittelgroße Säuger, und nimmt über 4–7 Tage Nahrung auf, um sich anschließend zum Adultstadium zu häuten. Adulte Weibchen benötigen für die Eiproduktion eine ausgiebige Blutmahlzeit von großen Säugetieren wie Rehen oder Rindern, wobei sie ihr Körpergewicht um das Hundertfache steigern können.[1] Männchen hingegen saugen nur minimal oder gar nicht, da ihre Mundwerkzeuge primär der Paarung dienen. Die Wirtssuche (Questing) erfolgt durch Erklimmen der Vegetation bis auf 1,5 Meter Höhe, wobei das Haller’sche Organ chemische Reize wie Kohlendioxid und Wärme wahrnimmt.[5] Um ungünstige Umweltbedingungen zu überbrücken, können Nymphen eine sommerliche Diapause einlegen; im Winter ruhen die Zecken in der Laubstreu und tolerieren Temperaturen bis zu -10 °C.[4][1] Eine hohe relative Luftfeuchtigkeit von über 80 % ist für das Überleben abseits des Wirtes essenziell, da insbesondere juvenile Stadien bei Trockenheit rasch dehydrieren. Zu den natürlichen Feinden zählen Waldameisen der *Formica rufa*-Gruppe, die Eier und Larven fressen und durch Ameisensäure abschreckend wirken.[1] Zudem parasitiert die Erzwespe *Ixodiphagus hookeri* die Nymphenstadien, und entomopathogene Pilze wie *Metarhizium anisopliae* können die Kutikula durchdringen und die Zecken abtöten.[3][7]

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von *Ixodes ricinus* erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis, von Portugal und Irland im Westen bis zur Russischen Föderation im Osten sowie von Nordafrika bis nach Skandinavien. Besonders hohe Populationsdichten finden sich in den gemäßigten Klimazonen Mitteleuropas, insbesondere in Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich, während das Vorkommen in trockeneren mediterranen Gebieten wie Spanien und Italien geringer ist. In Nordamerika kommt die Art historisch nicht vor; dort besetzt die verwandte Art *Ixodes scapularis* eine ähnliche ökologische Nische. Der bevorzugte Lebensraum umfasst Laub- und Mischwälder mit ausgeprägter Bodenvegetation und Laubstreu, die ein für das Überleben notwendiges feuchtes Mikroklima gewährleisten.[1] Neben geschlossenen Waldgebieten besiedelt der Holzbock auch Moore, Heide- und Graslandschaften, sofern diese Schutz vor Austrocknung bieten.[3] Eine relative Luftfeuchtigkeit von über 80 % ist essenziell, weshalb sich die Zecken in Ruhephasen in die organische Bodenschicht zurückziehen.[5] Zunehmend wird *Ixodes ricinus* auch in urbanen Räumen beobachtet, etwa in Stadtparks und privaten Gärten, wobei eine Studie in Frankreich Zecken in 32 % der untersuchten Hausgärten nachwies.[2] Infolge der Klimaerwärmung verschiebt sich die Verbreitungsgrenze nordwärts; so wurde in Schweden zwischen den 1980er und 2010er Jahren eine Ausbreitung um etwa 400 km in boreale Regionen dokumentiert. Auch eine vertikale Ausbreitung in höhere Lagen ist zu beobachten, mit Vorkommen bis auf 1.670 m Höhe in den nördlichen Apenninen und den Alpen.[1] Neuere Untersuchungen bestätigten zudem die Etablierung der Art auf dem Azoren-Archipel, wo sie auf Haustieren nachgewiesen wurde.[3] Für die Wirtssuche erklimmen die adulten Tiere die Vegetation bis zu einer Höhe von etwa 1,5 Metern, während Nymphen und Larven sich meist niedriger aufhalten. Die Verbreitung wird primär durch kalte Winter und trockene Sommer limitiert, da eine Desikkation der ungesogenen Stadien die Populationen stark dezimiert.[1]

Saisonalität & Aktivität

Die saisonale Aktivität von *Ixodes ricinus* folgt in gemäßigten Klimazonen einem bimodalen Muster mit einem Hauptgipfel im Frühjahr (April bis Juni) und einem zweiten Gipfel im Herbst (September bis November).[1][3] Diese Phänologie wird maßgeblich durch mikroklimatische Faktoren gesteuert, wobei Temperaturen zwischen 7 und 25 °C sowie eine relative Luftfeuchtigkeit von über 80 % für die Wirtssuche erforderlich sind. Während der Sommermonate legen insbesondere Nymphen häufig eine Verhaltensdiapause ein, um der Austrocknung bei hohen Temperaturen zu entgehen, und ziehen sich in die feuchte Laubstreu zurück. Im Winter ruht die Aktivität, sobald die Temperaturen unter 3–5 °C fallen; die Zecken überwintern in der organischen Bodenschicht und tolerieren dabei Frost bis zu -10 °C. Der Entwicklungszyklus erstreckt sich über zwei bis sechs Jahre, was zu überlappenden Generationen führt, bei denen Larven, Nymphen und Adulte gleichzeitig auftreten können.[1] Die tageszeitliche Aktivität ist überwiegend diurnal mit Schwerpunkten am Vormittag und Nachmittag, kann sich jedoch bei wärmeren Bedingungen in die Dämmerungsphasen verschieben, um Wasserverlust zu minimieren.[4][1] Dunkelheit unterdrückt in der Regel die aktive Wirtssuche, sofern keine unmittelbaren Wirtsreize wahrgenommen werden.[4] Durch den Klimawandel und mildere Winter verlängern sich die Aktivitätsfenster zunehmend, was auch eine Ausbreitung in nördlichere Breiten und höhere Lagen begünstigt.[5][3] Das öffentliche Suchinteresse spiegelt diesen biologischen Rhythmus wider und verzeichnet die höchsten Werte in den Monaten Mai und Juni.[6]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Waldfeucht, North Rhine-Westphalia, Deutschland

    21.12.2025

  • Deutschland

    09.11.2025

  • Kupferbrunnen, 78199 Bräunlingen, Deutschland

    08.11.2025

  • Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal, Hohengandern, Thüringen, Deutschland

    19.10.2025

  • Scheßlitz, Bavaria, Deutschland

    14.10.2025

Daten: iNaturalist
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Beobachtungen und Einreichungen unserer Nature-Community

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Wissenschaftliche Forschung & Patente

EP-3746469-A1 Biological Unbekannt

Antikoagulierende Proteine und deren Verwendung zur Behandlung von mit Neutrophilen-Aktivierung assoziierten Krankheiten

Bioxodes (2019)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Hier wird ein Protein aus dem Zeckenspeichel als Medikament (Gerinnungshemmer) für Menschen verwendet. Es nutzt die Fähigkeit der Zecke, Blut flüssig zu halten, um Thrombosen beim Menschen zu behandeln. Es ist keine Methode zur Schädlingsbekämpfung.

US-2021070817-A1 Biological Unbekannt

Antikoagulierende Fusionsproteine und deren Verwendungen

Bioxodes (2019)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Beschreibt ein Fusionsprotein, das Zecken-Polypeptide mit Serumalbumin verbindet, um die Halbwertszeit als Medikament zu verlängern. Ziel ist die Behandlung von Blutgerinnseln beim Menschen. Der Fokus liegt auf pharmazeutischer Nutzung der Zeckenbiologie, nicht auf deren Bekämpfung.

WO-2018197736-A3 Biological Unbekannt

Zusammensetzung umfassend miRNAs zur Verwendung als Arzneimittel

University of Granada, Biology Centre OF The Czech Academy OF Sciences (2018)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Das Patent nutzt miRNAs aus dem Speichel von Ixodes ricinus als therapeutische Wirkstoffe für den Menschen (z.B. gegen Krebs oder Entzündungen). Obwohl es auf der Biologie der Zecke basiert, handelt es sich primär um eine medizinische Anwendung für Menschen und nicht um eine Methode zur Bekämpfung des Schädlings selbst.

US-2016046728-A1 Biological Unbekannt

Identifizierung und molekulare Charakterisierung von Proteinen, die in den Speicheldrüsen von Ixodes ricinus exprimiert werden

Bioxodes SA (2015)

Relevanz: 9/10

Zusammenfassung

Ähnlich wie vorangegangene Patente beschreibt dies genetische Sequenzen, die für Proteine im Zeckenspeichel kodieren. Die Innovation liegt in der Bereitstellung rekombinanter Proteine, die das Immunsystem von Wirtstieren trainieren können, um Zeckenbefall abzuwehren (Vakzinierung).

US-9212216-B2 Biological Erteilt

Identifizierung und molekulare Charakterisierung von Proteinen, die in den Speicheldrüsen von Ixodes ricinus exprimiert werden

Bioxodes Sprl, Bioxodes SA (2014)

Relevanz: 9/10

Zusammenfassung

Es werden neue Polynukleotide und Proteine identifiziert, die spezifisch während der langsamen Saugphase der Zecke gebildet werden. Diese Moleküle sind essenziell für die Blutaufnahme der Zecke. Sie dienen als Zielstrukturen für die Entwicklung von Anti-Zecken-Impfstoffen, die den Saugvorgang stören und so den Befall verhindern sollen.

Quellen & Referenzen

  1. https://www.gbif.org/species/2182588
  2. https://patents.google.com/patent/EP3746469A1/en
  3. https://parasitesandvectors.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13071-025-07084-4
  4. https://journals.biologists.com/jeb/article/206/11/1809/13666/Darkness-induces-mobility-and-saturation-deficit
  5. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3311093/
  6. Zeitreihen-Analyse: Suchinteresse (aggregiert)
  7. https://www.mapress.com/zootaxa/2010/f/z02528p028f.pdf
  8. https://esajournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1890/11-0458.1
  9. https://www.mdpi.com/1660-4601/17/6/1830