Die wissenschaftliche Klasse *Insecta* wurde systematisch durch Carl Linnaeus in der 10. Auflage seiner *Systema Naturae* im Jahr 1758 begründet, wobei er damals noch andere Arthropoden wie Spinnentiere und Krebstiere in diese Gruppe einschloss. Der Name leitet sich vom lateinischen *insectum* (eingeschnitten, eingekerbt) ab, was auf die deutlich segmentierte Körperstruktur dieser Tiere verweist.[2] Dieser Begriff stellt eine Lehnübersetzung des griechischen Wortes *entomon* dar und fand bereits in klassischen Texten wie der *Naturalis historia* von Plinius dem Älteren um 77 n. Chr. Verwendung. Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung „Insekten“ gebräuchlich.[2] Im Englischen wird historisch oft der Begriff „bug“ verwendet, der im späten 16. Jahrhundert von mittelenglisch *bugge* (Geist, Kobold) abgeleitet wurde und ursprünglich kleine, furchteinflößende Kreaturen bezeichnete. Die wissenschaftliche Benennung folgt der binären Nomenklatur, die jedem Organismus einen eindeutigen Namen aus Gattung und Art-Epitheton zuweist, wie etwa *Apis mellifera* für die Westliche Honigbiene. Diese Regeln werden durch den *International Code of Zoological Nomenclature* (ICZN) überwacht, der seit 1895 für Stabilität in der zoologischen Namensgebung sorgt. Phylogenetisch werden Insekten heute dem Unterstamm Hexapoda zugeordnet und gehören zur Klade Pancrustacea. Frühere Hypothesen einer engen Verwandtschaft zu Tausendfüßern (Myriapoda) wurden durch molekulare Analysen widerlegt, die stattdessen eine Schwestergruppenbeziehung zu den Xenocarida (Krebstieren) belegen.[2]
Die Klasse *Insecta* zeichnet sich durch einen dreigeteilten Körperbau aus, der in die Tagmata Kopf, Thorax und Abdomen gegliedert und von einem chitinhaltigen Exoskelett umschlossen ist.[3] Der Kopf ist eine verhärtete Kapsel, die ein einzelnes Antennenpaar sowie meist zwei Facettenaugen trägt, welche aus zahlreichen Ommatidien bestehen und oft durch einfache Ocellen ergänzt werden.[1] Die Antennenform variiert stark je nach sensorischer Funktion, von fadenförmig bei Laufkäfern bis hin zu gekeulten Formen bei Schmetterlingen. Auch die Mundwerkzeuge sind charakteristisch an die Ernährungsweise angepasst, etwa als beißend-kauende Mandibeln bei Heuschrecken oder stechend-saugende Stilette bei Blattläusen. Der Thorax besteht aus drei Segmenten (Pro-, Meso- und Metathorax), an denen jeweils ein Paar gegliederter Beine ansetzt, die in Coxa, Trochanter, Femur, Tibia und Tarsus unterteilt sind. Diese Extremitäten weisen oft funktionale Anpassungen auf, wie Sprungbeine mit elastischen Resilin-Polstern bei Flöhen oder mit Hafthaaren besetzte Tarsen zum Klettern. Adulte Tiere besitzen meist zwei Flügelpaare am Meso- und Metathorax, deren chitinisierte Aderung ein wichtiges Bestimmungsmerkmal darstellt. Bei Ordnungen wie den *Lepidoptera* sind die Flügel mit Schuppen bedeckt, die irisierende Farben oder komplexe Muster wie Augenflecken bilden können. Das Abdomen umfasst typischerweise elf Segmente und kann sensorische Cerci oder bei Weibchen einen spezialisierten Ovipositor zur Eiablage aufweisen.[3] Larven holometaboler Arten unterscheiden sich morphologisch stark von den Adulten, erscheinen oft wurmartig und besitzen keine Flügelanlagen. Aquatische Larven, wie die der *Odonata*, verfügen über spezifische Atmungsorgane wie interne Kiemenkammern oder Hydrofuge-Haare zur Nutzung von Sauerstoff unter Wasser. Im Gegensatz dazu ähneln die Nymphen hemimetaboler Insekten bereits den Adulttieren, sind jedoch flügellos und sexuell unreif. Das Puppenstadium ist durch eine Ruhephase gekennzeichnet, in der eine umfassende Gewebeumstrukturierung stattfindet, oft geschützt in einem Kokon oder einer Chrysalis.[1] Zur Abgrenzung von anderen Arthropoden wie Spinnentieren oder Krebstieren dient primär die konstante Anzahl von drei Beinpaaren sowie die klare Dreiteilung des Körpers.[3]
Insekten nehmen eine ambivalente ökologische und ökonomische Stellung ein, indem sie einerseits als Bestäuber einen jährlichen Wert von 235 bis 577 Milliarden US-Dollar für die globale Landwirtschaft generieren, andererseits jedoch massive Ernteverluste verursachen. Zu den verheerendsten Schädlingen zählen Wanderheuschrecken, die in Schwärmen bis zu 69 % der Ernten in betroffenen Regionen vernichten können, sowie Vorratsschädlinge wie Kornkäfer (*Sitophilus* spp.), die weltweit etwa 10 % der Getreideproduktion zerstören. Invasive Arten wie der Asiatische Eschenprachtkäfer (*Agrilus planipennis*) verursachen zudem enorme forstwirtschaftliche Schäden, indem ihre Larven das Phloemgewebe zerstören und Millionen von Bäumen zum Absterben bringen. Medizinisch fungieren Insekten als Vektoren für schwere Krankheiten; so übertrugen *Anopheles*-Mücken im Jahr 2023 Malaria-Parasiten, die weltweit zu 597.000 Todesfällen führten.[4] Auch Zecken wie *Ixodes scapularis* stellen als Überträger von *Borrelia burgdorferi* (Lyme-Borreliose) ein signifikantes Gesundheitsrisiko dar.[2] Im Bereich der biologischen Schädlingsbekämpfung werden Nützlinge wie *Trichogramma*-Schlupfwespen gezielt eingesetzt, um die Eier von Schadschmetterlingen zu parasitieren, was den Befall in Kulturen wie Mais um bis zu 90 % reduzieren kann.[1] Darüber hinaus liefern Insekten wirtschaftlich relevante Rohstoffe wie Seide (*Bombyx mori*), Schellack (*Kerria lacca*) und den Farbstoff Karmin (*Dactylopius coccus*). Zur chemischen Bekämpfung werden häufig Insektizide eingesetzt, wobei Wirkstoffe wie Neonicotinoide aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf die Orientierung und Reproduktion von Nicht-Zielorganismen wie Bienen in der Kritik stehen.[2] Neuere Ansätze im Resistenzmanagement zielen darauf ab, insektizidresistente Vektoren chemisch zu kontrollieren und gleichzeitig die Übertragung von Pflanzenviren zu unterbinden. Biotechnologische Innovationen nutzen RNA-Interferenz (RNAi), um essentielle Gene wie Prp8 oder die RNA-Polymerase I1 in Käfern (*Coleoptera*) spezifisch zu hemmen, ohne konventionelle Gifte einzusetzen.[3] In der Vektorkontrolle werden zudem genetische Methoden wie Gene Drives erforscht, um beispielsweise bei *Anopheles gambiae* weibliche Sterilität zu induzieren und so Malaria einzudämmen.[5] Integrierte Strategien verbinden diese Maßnahmen mit Habitatmanagement, wie der Förderung von Seidenpflanzenbeständen zur Erhaltung des Monarchfalters (*Danaus plexippus*).[2]