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Judasbaum Cercis siliquastrum

Judasbaum

Taxonomische Klassifikation

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Fabales (Fabales)
Familie Fabaceae
Gattung Cercis
Art Cercis siliquastrum
Wissenschaftlicher Name: Cercis siliquastrum L.
Akzeptierter Name
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Einleitung

Der **Judasbaum** (*Cercis siliquastrum*) ist ein sommergrüner, oft mehrstämmiger Baum oder Großstrauch aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), der im südlichen Europa und Westasien verbreitet ist.[1][2] Charakteristisch sind die rundlichen bis herzförmigen Blätter sowie die leuchtend rosa-violetten Blüten, die im Frühjahr vor dem Blattaustrieb direkt am Stamm und an älteren Ästen (Kauliflorie) erscheinen.[3][4] Der Trivialname bezieht sich auf eine Legende, wonach sich Judas Ischariot an diesem Baum erhängt haben soll, woraufhin die ursprünglich weißen Blüten ihre Farbe wechselten.[1][5] Die Art wird weltweit als Ziergehölz kultiviert und von der IUCN als nicht gefährdet („Least Concern“) eingestuft.[5][4]

Fakten (kompakt)

- Die Art wird auf der Roten Liste der IUCN aufgrund ihrer weiten Verbreitung und des Fehlens gravierender Bedrohungen als „nicht gefährdet“ (Least Concern) eingestuft. - Kulinarisch sind die Blüten, Knospen und jungen Schoten nutzbar; sie besitzen einen süß-säuerlichen Geschmack und werden in der traditionellen Küche verarbeitet.[11] - Neben der Nominatform existiert die Unterart *Cercis siliquastrum* subsp. *hebecarpa*, die sich durch behaarte Früchte unterscheidet und auf Westasien beschränkt ist.[11] - In der Türkei kommt die Nothosubspezies *Cercis siliquastrum* nothosubsp. *yaltirikii* vor, eine natürliche Hybride mit *Cercis racemosa*, die intermediäre Merkmale bei Schoten und Blütenständen zeigt. - Eine alternative etymologische Theorie besagt, dass der Name „Judasbaum“ auf eine Verballhornung von „Arbor Judae“ (Baum aus Judäa) zurückgeht, was die Häufigkeit der Art in dieser Region beschreibt. - In einigen mediterranen Traditionen symbolisiert der Baum aufgrund seiner herzförmigen Blätter die Liebe, was ihm auch den Trivialnamen „Liebesbaum“ (love tree) einbrachte. - Für die Kultivierung werden Böden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 8,0 bevorzugt. - Die Pflanze gilt in den USDA-Klimazonen 6 bis 9 als winterhart, wobei junge Exemplare in Zone 6a Schutz vor strengem Frost benötigen. - *Cercis siliquastrum* reagiert empfindlich auf Umpflanzungen (Transplantationsstress), weshalb etablierte Exemplare nicht mehr gestört werden sollten. - Ökologisch fungiert der Baum als Anziehungspunkt für Schmetterlinge und toleriert die Nähe zu Schwarznussbäumen sowie Wildverbiss durch Hirsche. - Zu den potenziellen Schädlingen zählt neben den bereits genannten Insekten auch der Japanische Käfer (*Popillia japonica*); zudem besteht eine Anfälligkeit für Baumkrebs.[11]

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name *Cercis siliquastrum* wurde 1753 von Carl von Linné in dessen Werk *Species Plantarum* erstbeschrieben.[2] Der Gattungsname *Cercis* leitet sich vom altgriechischen Wort *kerkis* (κερκίς) für „Weberschiffchen“ ab und bezieht sich auf die flache, längliche Form der Samenschoten, die diesem Werkzeug ähneln. Das Art-Epitheton *siliquastrum* entstammt dem Lateinischen *siliqua* (Schote) kombiniert mit dem Diminutiv-Suffix *-astrum*, was auf die charakteristische Hülsenfruchtstruktur der Art hinweist.[1] Ein historisches Synonym ist *Siliquastrum orbicularis*, das 1794 von Moench basierend auf der Morphologie von Schoten und Blättern vorgeschlagen wurde.[2] Innerhalb der Art werden neben der Nominatform *C. siliquastrum* subsp. *siliquastrum* auch die in Westasien verbreitete Unterart *C. siliquastrum* subsp. *hebecarpa* sowie die Hybridform *C. siliquastrum* nothosubsp. *yaltirikii* unterschieden.[2] Der im Deutschen gebräuchliche Trivialname „Judasbaum“ (englisch „Judas tree“) geht auf eine christliche Legende zurück, nach der sich Judas Ischariot an einem solchen Baum erhängt haben soll. Erzählungen zufolge erröteten die ursprünglich weißen Blüten des Baumes daraufhin vor Scham, was die heutige purpurrote Färbung erklärt. Aufgrund der Herkunft und Verbreitung wurde die Art historisch auch als „Arbor Judae“ (Baum aus Judäa) bezeichnet.[5] Gelegentlich wird die Pflanze aufgrund ihrer herzförmigen Blätter auch als „Liebesbaum“ (Love tree) tituliert.[1] Im Türkischen ist der Name *erguvan* geläufig, ein aus dem Persischen entlehntes Wort, das den violetten Farbton der Blüten beschreibt.[6]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Cercis siliquastrum wächst als sommergrüner, oft mehrstämmiger kleiner Baum oder großer Strauch mit einer runden bis ausladenden Krone.[1][3] Adulte Exemplare erreichen typischerweise Wuchshöhen von 4,5 bis 9 Metern bei einer ähnlichen Kronenbreite von 4,5 bis 7,6 Metern. Die Rinde ist bei jungen Bäumen glatt und grau, während sie im Alter dunkelgrau wird und rissige Strukturen mit kleinen rechteckigen oder quadratischen Platten entwickelt. Die einfachen, wechselständigen Blätter sind herzförmig (cordat) bis fast kreisrund, 7 bis 12 cm lang und besitzen einen glatten Rand sowie eine stumpfe oder leicht eingekerbte Spitze. Der Laubaustrieb erfolgt im Frühjahr rötlich-bronze, verfärbt sich im Sommer zu einem tiefen Grün und wechselt im Herbst in gelbe bis gelb-bronze Töne.[3] Die charakteristischen, schmetterlingsartigen Blüten sind 1 bis 2 cm lang und zeigen eine tiefrosa bis magentafarbene oder rosi-purpurne Färbung. Sie erscheinen in Büscheln von 3 bis 6 Blüten direkt am alten Holz der Äste und des Stammes (Kauliflorie), noch bevor die Blätter austreiben. Die Blütezeit liegt im zeitigen Frühjahr, meist zwischen März und April. Nach der Bestäubung bilden sich flache, lineare Hülsenfrüchte, die 7 bis 10 cm lang und etwa 1 bis 2 cm breit sind. Diese sind anfangs purpur-rosa und glänzend, verfärben sich zur Reife im Spätsommer braun und bleiben oft den gesamten Winter über am Baum haften. Jede Hülse enthält mehrere harte, braune Samen.[1] Die Art bildet ein tiefes, grobes Wurzelsystem aus, das etablierten Pflanzen Trockenheitstoleranz verleiht.[3] Innerhalb der Art unterscheidet sich die Unterart Cercis siliquastrum subsp. hebecarpa durch behaarte Früchte von der typischen Form mit kahlen Hülsen.[2] Die Nothosubspezies Cercis siliquastrum nothosubsp. yaltirikii weist intermediäre Merkmale in Hülsen- und Blütenständen auf und gilt als Hybrid mit Cercis racemosa.[2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Cercis siliquastrum wird primär als Ziergehölz klassifiziert, das ökologische Funktionen durch Nektarversorgung für Bestäuber und Toleranz gegenüber städtischen Bodenbelastungen wie Blei und Cadmium erfüllt.[7][1] Als Wirtspflanze unterliegt der Baum jedoch dem Befall durch Schädlinge wie den Judasbaum-Blattfloh (*Cacopsylla pulchella*) und Schildläuse, deren Saugtätigkeit zu Blattrandnekrosen, Verformungen und Rußtauwachstum auf Honigtau führt.[5][1] Ein signifikantes Schadpotenzial geht von Pilzerkrankungen aus, insbesondere der Verticillium-Welke (*Verticillium dahliae*), die sich durch Chlorosen, Welke und vaskuläre Verfärbungen äußert und zum Absterben der Pflanze führen kann.[1][9] Zudem verursachen Krebskrankheiten durch *Botryosphaeria*-Arten eingesunkene Läsionen an Ästen, während Staunässe Wurzelfäule durch *Phytophthora* begünstigt.[1] Ein Befall lässt sich durch regelmäßiges Monitoring auf Symptome wie welkende Zweige oder klebrige Blattoberflächen frühzeitig erkennen.[5][1] Präventive Maßnahmen konzentrieren sich auf bauliche Verbesserungen der Bodendrainage zur Vermeidung von Wurzelfäule und die Wahl widerstandsfähiger Sorten wie 'Bodnant'.[9][1] Zur physikalischen Bekämpfung müssen infizierte Pflanzenteile bis ins gesunde Gewebe zurückgeschnitten und entsorgt werden, wobei eine Sterilisation der Schnittwerkzeuge essenziell ist, um eine Erregerausbreitung zu verhindern.[1] Chemische Interventionen im Rahmen eines integrierten Managements können den Einsatz von Gartenbauölen in der Ruhephase umfassen, um überwinternde Stadien saugender Insekten zu ersticken.[4] Medizinisch ist keine Schadwirkung für den Menschen bekannt; vielmehr finden Blüten und Blätter in der traditionellen Volksmedizin Palästinas und Syriens Anwendung gegen Stress und Verdauungsbeschwerden.[1] Die enthaltenen Flavonoide und Tannine weisen antioxidative Eigenschaften auf, und die essbaren Blüten werden aufgrund ihres süß-säuerlichen Geschmacks kulinarisch genutzt.[1][5]

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzung von *Cercis siliquastrum* erfolgt entomophil, wobei Bienen als Hauptbestäuber den Nektar der im zeitigen Frühjahr erscheinenden Blüten nutzen.[3] Eine morphologische Besonderheit ist die Cauliflorie, bei der die Blütenstände direkt aus dem alten Holz des Stammes und der Äste hervortreten.[5] Nach der Befruchtung bilden sich flache, 7 bis 10 cm lange Hülsenfrüchte, die im Reifeprozess verbräunen und oft über den Winter am Baum verbleiben.[1] Die Samen weisen eine starke physikalische Dormanz auf, die durch eine undurchlässige Samenschale und Endosperm-Hemmung bedingt ist, weshalb die natürliche Keimrate ohne Vorbehandlung bei lediglich 0 bis 4 % liegt. Für eine erfolgreiche Keimung sind Skarifizierung und eine anschließende Kaltstratifikation von zwei bis drei Monaten bei 4 bis 5 °C erforderlich, um Keimraten von bis zu 98 % zu erreichen. Im Gegensatz zu vielen anderen Fabaceae bildet diese Art keine stickstofffixierenden Wurzelknöllchen mit rhizobialen Bakterien aus. Stattdessen geht die Pflanze intensive Symbiosen mit arbuskulären Mykorrhizapilzen ein, die Kolonisierungsraten von über 80 % erreichen können. Diese Pilzassoziation verbessert durch osmotische Anpassung und Prolin-Akkumulation signifikant die Wasseraufnahme und Trockenstresstoleranz.[4] Physiologisch zeigt *Cercis siliquastrum* zudem eine Toleranz gegenüber Schwermetallen und kann Blei sowie Cadmium in der Biomasse akkumulieren, ohne das Wachstum stark einzuschränken.[7] Der phänologische Zyklus der Blätter verläuft von einem rötlich-bronzenen Austrieb über eine tiefgrüne Sommerfärbung bis hin zu Gelbtönen im Herbst.[1] Adulte Bäume sind kältetolerant bis -23 °C, reagieren jedoch empfindlich auf schwere, staunasse Böden.[5][1] Zu den biologischen Antagonisten zählen saftsaugende Insekten wie der Blattfloh *Cacopsylla pulchella*, dessen Honigtauausscheidungen Rußtaupilze begünstigen.[5] Als pathogene Mortalitätsfaktoren treten Pilzinfektionen wie die Verticillium-Welke (*Verticillium dahliae*) und Krebs durch *Botryosphaeria*-Arten auf, die zu Aststerben führen können.[9][10]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Grünstadt, Tiefenthaler Straße, 67269 Grünstadt, Deutschland

    05.11.2025

  • Glückstadt, Detlefsengymnasium, 25348 Glückstadt, Deutschland

    26.09.2025

  • Deutschland

    22.09.2025

  • Jesendorf, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

    09.08.2025

  • Deutschland

    12.07.2025

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von *Cercis siliquastrum* umfasst weite Teile Südeuropas sowie Vorderasien. Es erstreckt sich von Südfrankreich und Italien über den Balkan und Griechenland bis in die Türkei, nach Syrien, Israel und Jordanien. Die östliche Ausbreitung reicht bis in den Iran, den Irak und nach Afghanistan.[2] In diesen Regionen besiedelt die Art vorwiegend mediterrane Macchia-Gebüschformationen sowie lichte Laubwälder. Typische natürliche Habitate sind steinige, aride Hänge und Flussufer, wobei der Baum oft im Unterwuchs von semiariden Wäldern wächst. *Cercis siliquastrum* zeigt eine deutliche Präferenz für kalkhaltige, gut durchlässige Böden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 8,0. Klimatisch ist die Art an Standorte mit heißen, trockenen Sommern und milden Wintern angepasst und bevorzugt sonnige bis halbschattige Lagen. Weltweit wird der Judasbaum in gemäßigten Zonen als Ziergehölz kultiviert, darunter auch in Nordamerika, wo er jedoch nicht großflächig verwildert ist. In Europa ist er in den Winterhärtezonen 6 bis 9 etabliert und toleriert in geschützten Lagen Temperaturen bis zu -23°C.[1] Aufgrund seiner Toleranz gegenüber städtischen Stressfaktoren und Schwermetallbelastungen findet sich die Art häufig in urbanen Parkanlagen und Grünflächen.[7] Während der Bestand global als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft wird, steht der Baum in lokalen Verbreitungsgebieten wie Israel unter Schutz, um Habitatverluste durch Urbanisierung zu begrenzen.[4] Als Leguminose trägt er durch die Zersetzung organischer Substanz zur Bodenfruchtbarkeit bei, bildet jedoch keine Wurzelknöllchen mit stickstofffixierenden Bakterien, sondern nutzt Mykorrhiza-Symbiosen zur Nährstoffaufnahme.[1]

Saisonalität & Aktivität

Die saisonale Aktivität von *Cercis siliquastrum* ist durch eine markante Blütezeit im zeitigen Frühjahr gekennzeichnet, die sich von März bis April erstreckt und noch vor dem Laubaustrieb am alten Holz stattfindet. In dieser Phase erfolgt die Bestäubung primär durch Bienen, die das frühe Nektarangebot nutzen. Die Blattentwicklung folgt auf die Blüte, wobei das Laub im Frühling rötlich-bronze austreibt, im Sommer vergrünt und im Herbst eine gelbe bis gelb-bronze Färbung annimmt.[1] Während der warmen Vegetationsperiode sind blattsaugende Insekten wie der Blattfloh *Cacopsylla pulchella* oder Schildläuse aktiv, die den Pflanzensaft nutzen.[5] Die Samenreife der flachen Hülsenfrüchte erfolgt im Spätsommer bis Herbst, wobei die braunen Schoten oft den gesamten Winter über am Baum persistieren und so das Überwinterungsbild prägen. Als laubabwerfende Art durchläuft der Baum eine winterliche Dormanz, in der er in den USDA-Zonen 6 bis 9 frosthart ist und in geschützten Lagen Temperaturen bis -23 °C toleriert. Das öffentliche Interesse an der Art spiegelt diese Phänologie wider und erreicht in den Monaten April und Mai, parallel zur Vollblüte, seine jährlichen Höchstwerte.[1]

Quellen & Referenzen

  1. https://www.missouribotanicalgarden.org/PlantFinder/PlantFinderDetails.aspx?taxonid=280444
  2. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:485691-1
  3. https://landscapeplants.oregonstate.edu/plants/cercis-siliquastrum
  4. https://plants.ces.ncsu.edu/plants/cercis-siliquastrum/
  5. https://arboretum.harvard.edu/arnoldia-stories/cercis-the-redbuds/
  6. https://www.dailysabah.com/feature/2014/04/21/istanbuls-purple-grace
  7. http://www.iaees.org/publications/journals/piaees/articles/2019-9(4)/cadmium-and-lead-absorption-in-soil-and-plants.pdf
  8. http://www.plantgenera.org/species.php?mobile=2&info=1&id_illustration=0&id_taxon=1801&id_species=225440&language=English&size=0&SID=ttha1lfuauqj60q5sqp7ileo3a&lay_out=0&group=0&hd=0&query_type=genus&thumbnails_selectable=0&query_broad_or_restricted=broad
  9. https://pnwhandbooks.org/plantdisease/host-disease/redbud-cercis-spp-verticillium-wilt
  10. https://apsjournals.apsnet.org/doi/pdf/10.1094/PDIS.2002.86.8.880
  11. Literaturzusammenfassung: Cercis siliquastrum