Fakten (kompakt)
- Die Einführung der Art aus der Türkei nach Westeuropa datiert auf das 16. Jahrhundert. - Taxonomisch wird *Prunus laurocerasus* der Ordnung Rosales und der Klasse Magnoliopsida zugeordnet. - Zu den wissenschaftlichen Synonymen zählen *Cerasus laurocerasus* (L.) Dum.Cours. sowie *Laurocerasus officinalis* M.Roem. - Die Laubblätter weisen eine glänzend dunkelgrüne Oberseite und eine deutlich blassere Unterseite auf. - An der Blattbasis befinden sich zwei kleine Drüsen. - Die Blattränder sind entweder fein gezähnt oder fast ganzrandig ausgebildet. - *Prunus laurocerasus* zeichnet sich durch eine Resistenz gegen Wildverbiss durch Hirsche aus. - Die Pflanze toleriert eine große Bandbreite an pH-Werten im Boden. - Die Winterhärte der Art entspricht den USDA-Klimazonen 6 bis 8. - Neben anderen Sorten wird der Kultivar 'Schipkaensis' aufgrund seines kompakten Wuchses kultiviert.[7]
Die Art *Prunus laurocerasus* wurde erstmals im Jahr 1753 von Carl von Linné in dessen fundamentalem Werk *Species Plantarum* formal beschrieben und der Gattung *Prunus* zugeordnet.[5][2] Der Gattungsname *Prunus* leitet sich vom lateinischen Wort *prunum* für die Pflaume ab und verweist auf die Zugehörigkeit zu den Steinobstgewächsen. Das Art-Epitheton *laurocerasus* ist ein lateinisches Kompositum aus *laurus* (Lorbeer) und *cerasus* (Kirsche), was auf die lorbeerartigen, immergrünen Blätter in Kombination mit der botanischen Verwandtschaft zur Kirsche anspielt. Historisch wurde die Pflanze teilweise in eigenständige Gattungen gestellt, woraus Synonyme wie *Cerasus laurocerasus* (L.) Dum.Cours. und *Laurocerasus officinalis* M.Roem. resultierten.[5][4] Innerhalb der Systematik wird die Art heute als Typusart des Untergenus *Laurocerasus* geführt, welches sich durch den immergrünen Habitus und traubige Blütenstände auszeichnet.[5] Im deutschsprachigen Raum hat sich die Bezeichnung „Kirschlorbeer“ etabliert, die direkt die wissenschaftliche Namensgebung widerspiegelt.[3] International sind Trivialnamen wie „cherry laurel“ oder „English laurel“ gebräuchlich.[1] Die Einführung nach Westeuropa erfolgte im 16. Jahrhundert aus der Schwarzmeerregion und der Türkei, wobei der Botaniker Carolus Clusius die Pflanze bereits 1576 dokumentierte und verbreitete.[2] Phylogenetische Betrachtungen bestätigen die Einordnung in ein weit gefasstes *Prunus*-Konzept (*Prunus* sensu lato), wenngleich die Art früher oft separat als *Laurocerasus* behandelt wurde.[5]
Prunus laurocerasus wächst als immergrüner Strauch oder kleiner Baum und erreicht typischerweise Wuchshöhen von 3 bis 6 Metern.[1][3] Die Krone ist dicht, pyramidal bis rundlich geformt und breitet sich oft ebenso weit aus wie die Höhe der Pflanze. Die Rinde färbt sich rötlich-braun bis grau-braun und blättert an älteren Stämmen oft in horizontalen Streifen ab. Das Wurzelsystem ist flach und faserig ausgebildet, was der Pflanze eine hohe Konkurrenzkraft um Ressourcen verleiht.[3] Die wechselständigen, einfachen Laubblätter sind ledrig, lanzettlich bis elliptisch geformt und messen 5 bis 15 cm in der Länge.[1][3] Oberseits sind die Blätter glänzend dunkelgrün, während die Unterseite blasser erscheint und eine prominente Mittelrippe aufweist. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal sind die zwei kleinen Drüsen an der Blattbasis nahe dem Blattstiel sowie der fein gesägte bis fast ganzrandige Blattrand. Die zwittrigen, weißen Blüten sind etwa 6 mm breit, duften stark und besitzen 4 bis 5 Kronblätter sowie zahlreiche Staubblätter.[3] Sie stehen in aufrechten, achselständigen Trauben von 5 bis 15 cm Länge zusammen und blühen von April bis Mai.[1][3] Aus den Blüten entwickeln sich glänzende, runde bis eiförmige Steinfrüchte mit einem Durchmesser von 1 bis 2 cm.[3] Diese Früchte reifen im Sommer von Rot zu Schwarz-Lila und umschließen einen einzelnen harten Steinkern.[1][3] Zuchtformen variieren in der Morphologie; so zeichnet sich die Sorte 'Otto Luyken' durch einen kompakten Wuchs und schmalere Blätter aus, während 'Etna' durch bronzeroten Neuaustrieb auffällt.[3][2] Verwechslungsgefahr besteht mit dem Portugiesischen Kirschlorbeer (*Prunus lusitanica*), der jedoch kleinere Blätter mit gewelltem Rand und auffällig rötliche Blattstiele besitzt.[1] Im Gegensatz dazu hat *Prunus caroliniana* kleinere Früchte, die bei Trocknung aufspringen, sowie kürzere Blütenstände.[5] Von der Stechpalme (*Ilex aquifolium*) unterscheidet sich die Art durch das Fehlen stacheliger Blattränder und roter Beeren.[1] Gegenüber *Viburnum tinus* ist *P. laurocerasus* durch die wechselständige Blattstellung und die traubigen Blütenstände eindeutig abgegrenzt.[1]
Prunus laurocerasus wird je nach Standort als wertvolles Ziergehölz oder invasiver Schädling klassifiziert, da die Art in Regionen wie dem pazifischen Nordwesten und Westeuropa dichte Monokulturen bildet, die die heimische Vegetation verdrängen und Bodeneigenschaften verändern.[2][5] Medizinisch relevant ist die hohe Toxizität aller Pflanzenteile, insbesondere der Blätter und Samen, die cyanogene Glykoside wie Prunasin und Amygdalin enthalten und bei Beschädigung Blausäure freisetzen. Eine Ingestion kann bei Menschen zu Übelkeit, Atemnot und Krämpfen führen, wobei die letale Dosis für Kinder bereits bei etwa zehn Früchten liegen kann. Für Weidetiere und Haustiere besteht Lebensgefahr durch den Verzehr von Schnittgut, da Wiederkäuer die Giftstoffe besonders effizient aufspalten.[6] Abseits der Toxizität beschreiben Patente die Nutzung von Fruchtextrakten zur Behandlung von Lebererkrankungen sowie die industrielle Gewinnung von Enzymen aus den Blättern. Als Befallsanzeichen am Strauch selbst gelten Löcher in den Blättern durch die Schrotschusskrankheit (*Stigmina carpophila*) oder weißer Belag durch die Schildlaus *Pseudaulacaspis prunicola*.[3] Zur Prävention einer invasiven Ausbreitung sollte auf Anpflanzungen in der Nähe von sensiblen Ökosystemen verzichtet und Fruchtstände vor der Verbreitung durch Vögel entfernt werden.[2][5] Das Management etablierter Bestände erfordert oft eine Kombination aus mechanischem Rückschnitt und chemischer Bekämpfung, etwa durch das Bestreichen frischer Stümpfe mit Herbiziden wie Glyphosat oder Triclopyr.[5] Rein mechanische Maßnahmen sind häufig unzureichend, da die Pflanze über Wurzelbrut und Stockausschläge massiv regeneriert.[2][5] Aufgrund dieser Risiken erließ die Schweiz 2024 ein Verkaufs- und Importverbot, während in Deutschland ab 2025 ähnliche regulatorische Maßnahmen diskutiert werden.[2]