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Kleidermotten Tineola bisselliella

Kleidermotten
Ungefährlich Allergen Kann beißen Nützling

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie Tineidae
Gattung Tineola
Art Tineola bisselliella
Wissenschaftlicher Name: Tineola bisselliella (Hummel, 1823)
Akzeptierter Name
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Einleitung

Die **Kleidermotte** (*Tineola bisselliella*) ist eine weltweit verbreitete Schmetterlingsart aus der Familie der Echten Motten (Tineidae).[1][2] Als synanthroper Materialschädling ist sie vor allem dafür bekannt, dass ihre Larven keratinhaltige Textilien wie Wolle, Pelze oder Federn durch Fraß und Gespinstbildung zerstören.[2][3] In der taxonomischen Literatur finden sich für die Art historisch bedingt auch die Synonyme *Tinea bisselliella* und *Tinea destructor*.[1]

Name & Einordnung

Die Art trägt den wissenschaftlichen Namen *Tineola bisselliella* und wurde erstmals im Jahr 1823 von dem Entomologen Arvid David Hummel beschrieben.[1][2] Die Erstbeschreibung erfolgte unter dem Basionym *Tinea bisselliella* in der Publikation *Essais entomologiques*. Der deutsche Entomologe Gottlieb August Wilhelm Herrich-Schäffer stellte die Art 1853 als Typusart in die von ihm neu errichtete Gattung *Tineola*. Etymologisch leitet sich der Gattungsname als Diminutiv vom spätlateinischen Begriff *tinea* ab, was einen kleinen Wurm oder eine Motte bezeichnet. Das Art-Epitheton *bisselliella* ist unklarer Herkunft und wurde historisch häufig als *biselliella* falsch geschrieben, eine Schreibweise, die sich auch in der ursprünglichen Gattungsaufstellung fand. Zu den bekannten Synonymen zählen neben der orthographischen Variante *Tinea biselliella* auch *Tinea lanariella* (Haworth, 1828) sowie *Tineola destructor* (Walker, 1863).[1] Systematisch wird *Tineola bisselliella* der Familie der Echten Motten (Tineidae) und dort der Unterfamilie Tineinae zugeordnet.[1][2] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung „Kleidermotte“ der etablierte Trivialname.[2][3] Zur Unterscheidung von verwandten Arten wird sie im Englischen als „webbing clothes moth“ bezeichnet, was auf die charakteristischen Gespinste der Larven hinweist. Aktuelle taxonomische Klassifikationen unterscheiden keine Unterarten.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der adulte Falter von *Tineola bisselliella* ist mit einer Körperlänge von 6 bis 8 mm und einer Flügelspannweite von 9 bis 16 mm eine kleine Erscheinung.[2] Die Vorderflügel sind einheitlich lehmgelb bis goldglänzend gefärbt und weisen keinerlei Flecken oder Zeichnungsmuster auf, was ein zentrales Bestimmungsmerkmal darstellt.[2][3] In Ruhestellung werden die schmalen Flügel dachartig über dem Abdomen zusammengelegt und sind an den Rändern mit feinen, langen Fransen besetzt. Der Kopf trägt ein auffälliges Büschel rötlich-brauner Haare, das im Kontrast zum ansonsten blasseren, gelblich-braunen Körper steht. Die fadenförmigen Antennen sind unbeschuppt und erreichen etwa drei Viertel der Vorderflügellänge. Die Beine erscheinen insgesamt blass mit hellbraunen Tarsen und gelegentlicher weißer Beschuppung an den Füßen. Adulte Tiere besitzen keine funktionsfähigen Mundwerkzeuge und nehmen keine Nahrung auf. Ein Sexualdimorphismus ist nur schwach ausgeprägt, wobei die Weibchen meist etwas größer und robuster gebaut sind, um die Eiproduktion zu ermöglichen. Die ovalen Eier sind mit etwa 0,5 mm Länge winzig, elfenbeinfarben und werden oft einzeln oder in kleinen Gruppen abgelegt.[2] Die Larven sind cremeweiß bis glänzend weiß, erreichen eine Länge von bis zu 13 mm und besitzen eine dunkelbraune Kopfkapsel ohne Ocellen.[2][3] Sie verfügen über drei Brustbeinpaare sowie Bauchfüße an den Abdominalsegmenten 3 bis 6 und 10.[2] Charakteristisch für die Larven ist der Bau von seidigen Röhren oder Gespinstmatten, die oft mit Kotkrümeln und Faserresten getarnt sind.[2][3] Die Puppe ruht in einem 5 bis 13 mm langen Kokon, der ebenfalls mit Umgebungsdebris maskiert ist.[2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Tineola bisselliella gilt als bedeutender Materialschädling in Haushalten und Museen, da sich die Larven von keratinhaltigen Materialien wie Wolle, Pelz, Seide und Federn ernähren.[2] Das typische Schadbild umfasst unregelmäßige Löcher, abgefressene Oberflächen sowie Ansammlungen von Kotpellets und seidigen Gespinsten auf den Textilien.[3] In den USA werden die jährlichen Schäden an wollhaltigen Textilien auf bis zu eine Milliarde Dollar geschätzt, was die ökonomische Relevanz unterstreicht.[1] Neben dem materiellen Verlust können Häutungsreste, Kot und Gespinste als Allergene wirken und bei empfindlichen Personen Atemwegsreizungen auslösen.[2] Ein Befall wird oft durch flatternde adulte Motten, Kahlstellen in Geweben oder versteckte Gespinströhren in Falten und Nähten erkannt. Zur Prävention sind regelmäßiges Staubsaugen zur Entfernung von Eiern und Haaren sowie die Lagerung von Kleidung in luftdichten Behältern essenziell.[1] Natürliche Repellents wie Zedernholz oder Lavendel können adulte Tiere abschrecken, verlieren jedoch mit der Zeit ihre Wirkung.[3] Für das Monitoring und die Reduktion der Paarungswahrscheinlichkeit werden Pheromonfallen eingesetzt, die männliche Motten mittels synthetischer Sexuallockstoffe anziehen.[1] Physikalische Bekämpfungsmethoden beinhalten das Einfrieren befallener Objekte bei -18 °C für mindestens 72 Stunden oder eine Hitzebehandlung bei über 49 °C. In Museen und Archiven kommen häufig anoxische Verfahren mit Stickstoff oder Kohlendioxid zum Einsatz, um empfindliche Exponate sauerstofffrei zu behandeln.[4] Im Rahmen der biologischen Schädlingsbekämpfung werden zunehmend Schlupfwespen der Gattung Trichogramma eingesetzt, die ihre Eier in die der Motten legen und diese parasitieren.[6] Chemische Maßnahmen umfassen den Einsatz von Insektiziden wie Permethrin oder Pyrethrinen, wobei im professionellen Bereich auch Begasungsmittel wie Sulfurylfluorid genutzt werden.[2] Neuere Entwicklungen untersuchen zudem die Wirksamkeit von pflanzlichen Extrakten, beispielsweise auf Basis von Knoblauch-Sulfiden oder Meerrettichöl, als Alternativen zu synthetischen Mitteln.[3] Eine effektive Kontrolle erfordert meist ein integriertes Schädlingsmanagement (IPM), das hygienische, physikalische und biologische Strategien kombiniert.[1]

Biologie & Lebenszyklus

Tineola bisselliella durchläuft eine holometabole Entwicklung, die unter optimalen Bedingungen von 25–30 °C etwa zwei bis drei Monate dauert, sich in kühleren Umgebungen jedoch über Jahre erstrecken kann.[2][1] Kurz nach dem Schlüpfen paaren sich die Imagines, wobei Männchen durch das Sexualpheromon (E,Z)-2,13-Octadecadienal angelockt werden.[1] Die Weibchen legen im Laufe von ein bis drei Wochen 40 bis 150 winzige, ovale Eier einzeln oder in Gruppen direkt an geeignete Nährsubstrate ab.[2][3] Nach einer Inkubationszeit von 4 bis 10 Tagen schlüpfen die Larven, die als einziges Entwicklungsstadium Nahrung aufnehmen und Schäden verursachen.[2][1] Die lichtscheuen, cremeweißen Raupen besitzen eine dunkelbraune Kopfkapsel und erreichen eine Länge von bis zu 13 mm.[1] Zum Schutz spinnen sie charakteristische Röhren oder mattenartige Gespinste aus Seide, in die sie Kot (Frass) und Substratpartikel einweben. Das Larvenstadium ist sehr variabel und umfasst je nach Temperatur und Nahrungsverfügbarkeit 5 bis 45 Häutungen (Instars).[2] Die Ernährung basiert auf keratinhaltigen Materialien tierischen Ursprungs wie Wolle, Pelz, Federn und Seide.[1] Um das schwer verdauliche Keratin aufzuspalten, nutzen die Larven spezialisierte Enzyme und symbiotische Darmbakterien, wobei sie durch Schweiß oder Urin verunreinigte Textilien aufgrund des höheren Vitamin- und Nährstoffgehalts bevorzugen. Die Verpuppung erfolgt in einem 4 bis 8 mm langen Seidenkokon und dauert im Sommer etwa 8 bis 10 Tage, im Winter jedoch deutlich länger.[2] Die adulten Falter (Imagines) besitzen verkümmerte Mundwerkzeuge, nehmen keine Nahrung auf und leben nur etwa 15 bis 30 Tage, wobei Männchen tendenziell langlebiger sind als Weibchen.[1] In beheizten Innenräumen können sich jährlich zwei bis drei Generationen entwickeln.[2] Bei ungünstigen Bedingungen wie Kälte oder Trockenheit können die Larven in eine Diapause eintreten, was den Lebenszyklus auf bis zu 2,5 Jahre verlängert.[2][1] Zu den natürlichen Feinden zählen Schlupfwespen wie Tetrastichus tineivorus oder Eiparasitoide der Gattung Trichogramma, die zunehmend zur biologischen Bekämpfung eingesetzt werden.[6]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Nordrhein-Westfalen, Deutschland

    10.01.2026

  • Bayern, Deutschland

    09.12.2025

  • Rheinland-Pfalz, Deutschland

    08.12.2025

  • Bayern, Deutschland

    06.12.2026

  • Freising, Wiesenthalstraße, 85356 Freising, Deutschland

    02.11.2025

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Tineola bisselliella* liegt in der westlichen Paläarktis (Eurasien), wobei wissenschaftliche Hypothesen basierend auf historischen und ökologischen Daten auch einen Ursprung im zentralen oder südlichen Afrika diskutieren.[1] Durch den globalen Handel, insbesondere mit kontaminierten Textilien und Wollwaren, wurde die Art weltweit verschleppt und gilt heute als Kosmopolit.[1][2] Bereits im 19. Jahrhundert erreichte sie Nordamerika, Australien und Neuseeland, wo sie heute fest etabliert ist. Der Schwerpunkt der aktuellen Verbreitung liegt in den gemäßigten Klimazonen der Nordhalbkugel sowie in besiedelten Gebieten Ozeaniens.[1] Obwohl die Art gemäßigtes Klima bevorzugt, ermöglicht die menschliche Klimatisierung und Beheizung von Gebäuden auch ein Überleben in tropischen Regionen oder klimatisch ungünstigen Zonen. *Tineola bisselliella* ist heute stark synanthrop und besiedelt primär menschliche Innenräume wie Wohnhäuser, Museen, Lagerhallen und Textilmagazine. Innerhalb dieser Gebäude bevorzugt sie dunkle, ungestörte Bereiche wie Kleiderschränke, Dachböden und Hohlräume unter Möbeln, in denen sich keratinhaltiges Material ansammelt. Optimale Lebensbedingungen bieten Temperaturen zwischen 20 °C und 30 °C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 % bis 80 %.[2] Vorkommen in der freien Natur sind äußerst selten und werden oft als zufällig betrachtet. In natürlichen Habitaten finden sich die Larven gelegentlich in Vogelnestern, wo sie sich von Federn und organischen Rückständen ernähren.[1] In diesen ökologischen Nischen fungiert die Art als spezialisierter Destruent von keratinhaltigem Tiermaterial, spielt jedoch im Vergleich zu ihrem Vorkommen als Schädling eine untergeordnete Rolle.[1][2]

Saisonalität & Aktivität

Da *Tineola bisselliella* vorwiegend in beheizten Innenräumen lebt, ist sie ganzjährig aktiv und nicht strikt an jahreszeitliche Außenklimata gebunden.[2][4] Die physiologische Aktivität ist jedoch stark temperaturabhängig: Das Entwicklungsoptimum liegt zwischen 20 °C und 30 °C, während Temperaturen unter 15 °C das Wachstum verlangsamen oder Larven in eine Diapause zwingen.[2][3] Unter günstigen Bedingungen ist die Art multivoltin und bringt in Wohnräumen typischerweise zwei bis drei Generationen pro Jahr hervor. Der gesamte Lebenszyklus vom Ei bis zum Adulttier variiert erheblich und dauert bei Wärme etwa 4 bis 6 Monate, kann sich jedoch in kühleren Umgebungen auf bis zu 2,5 Jahre verlängern.[2] Adulte Motten sind kurzlebig (ca. 15–30 Tage), nehmen keine Nahrung auf und konzentrieren sich ausschließlich auf die Fortpflanzung.[1] Sie zeigen eine dämmerungsaktive (krepuskuläre) Lebensweise, wobei sie Lichtquellen meiden (Photophobie) und bei Störungen eher in dunkle Bereiche laufen als fliegen.[2][3] Auch die schadensverursachenden Larven sind strikt nachtaktiv und lichtscheu; sie fressen geschützt in selbstgesponnenen Seidenröhren oder unter Gespinstmatten.[1] Ergänzend zu den biologischen Daten zeigt das öffentliche Interesse eine saisonale Dynamik, bei der Suchanfragen im Mai und Juni ihren Höhepunkt erreichen, während sie im Dezember am geringsten sind.[5]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

DE-202018000465-U1 Chemical Unbekannt

Parasitol-Textilhygiene Parasiten-Spray und Insektizid mit repellierender Wirkung

Abshof Georg, Abshof Kanuengnit (2018)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Dieses Gebrauchsmuster beschreibt ein treibgasfreies Insektizid-Spray zur Textilhygiene. Es wird in verschiedenen Gebindegrößen (Pumpsprühflaschen und Vorratstanks) angeboten. Das Mittel richtet sich gegen ein breites Spektrum an Schädlingen, wobei Kleidermotten spezifisch als Zielorganismus genannt werden. Der Fokus liegt auf der praktischen Anwendbarkeit zur Vernichtung und Abwehr von Parasiten auf Textilien.

DE-202018000469-U1 Chemical Unbekannt

Parasitol-Spray: Insektizid mit repellierender Wirkung gegen diverse Schädlinge

Abshof Georg, Abshof Kanuengnit (2018)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Ähnlich dem vorangegangenen Patent wird hier ein Parasiten-Spray ohne Treibgas beschrieben. Es dient der Vernichtung einer Vielzahl von Schädlingen, einschließlich Kleidermotten, Bettwanzen und Zecken. Die Innovation liegt primär in der Darreichungsform als Pumpspray für den Endverbraucher zur breiten Schädlingsbekämpfung. Es ist für den direkten Einsatz im Haushalt konzipiert.

FR-2863144-A1 Biological Unbekannt

Zusammensetzung enthaltend Diallyl(poly)sulfide, vorzugsweise aus Knoblauch extrahiert, als Biopestizid

Diana Vegetal (2003)

Relevanz: 9/10

Zusammenfassung

Das Patent stellt eine biopestizide Zusammensetzung auf Basis von Knoblauchextrakten (Diallylsulfide) vor. Es werden spezifische Mischungsverhältnisse von Sulfiden definiert, die eine hohe Wirksamkeit zeigen. Besonders relevant sind die konkreten Toxizitätsdaten (LC50-Werte), die eine signifikante Wirkung gegen Tineola bisselliella belegen, welche die von handelsüblichen Knoblauchprodukten weit übertrifft. Das Mittel dient als Insektizid und Akarizid zum Schutz von Textilien und anderen Materialien.

JP-H11228323-A Biological Unbekannt

Insektenabwehrmittel für Kleidung auf Basis von Meerrettichöl

Sumitomo Chemical Company (1998)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt ein Insektenabwehrmittel, das Meerrettichöl (aus Cochlearia armoracia) als aktiven Wirkstoff nutzt. Es kann als Flüssigkeit, Aerosol, Creme oder in imprägnierten Harzprodukten angewendet werden. Die Formulierung zeigt eine ausgezeichnete Wirkung speziell gegen Textilschädlinge wie Tineola bisselliella (Kleidermotte) und Pelzkäfer. Es bietet eine natürliche Alternative zu synthetischen Repellents.

Quellen & Referenzen

  1. https://www.gbif.org/species/1857626
  2. https://ipm.ucanr.edu/home-and-landscape/clothes-moths/
  3. https://extension.umd.edu/resource/clothes-moths
  4. https://museumpests.net/wp-content/uploads/2017/03/Webbing-Clothes-Moth-3-27-17.pdf
  5. Aggregierte Suchanfragedaten (DE), Zeitreihen-Analyse 2026.
  6. https://www.nytimes.com/2024/11/26/magazine/moths-clothes-trichogramma-wasps.html