Die wissenschaftliche Bezeichnung der Krätzmilbe lautet *Sarcoptes scabiei*, wobei die Art taxonomisch der Familie Sarcoptidae (Grabmilben) zugeordnet wird. Die historische Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1758 durch Carl von Linné unter dem Basionym *Acarus scabiei* in der zehnten Auflage der *Systema Naturae*. Später wurde die Art 1778 von Carl De Geer ebenfalls als *Acarus scabiei* beschrieben, bevor Pierre André Latreille 1802 die Gattung *Sarcoptes* etablierte und damit die heute gültige Binominalkombination begründete.[1] Phylogenetisch gehört *S. scabiei* zur Überfamilie Sarcoptoidea und weist eine enge Verwandtschaft zu anderen parasitischen Gattungen wie *Notoedres* und *Knemidokoptes* auf.[1] Im deutschsprachigen Raum ist der Trivialname „Krätzmilbe“ gebräuchlich, während international häufig die Bezeichnung „itch mite“ oder „scabies mite“ verwendet wird.[1][2] Die Art wird traditionell in verschiedene wirtsspezifische Varietäten (*varietates*) unterteilt, darunter *S. scabiei* var. *hominis* (Mensch), *var. canis* (Hund) und *var. suis* (Schwein). Genetische Analysen und Genomsequenzierungen deuten jedoch darauf hin, dass diese Varietäten keine echten Unterarten darstellen, sondern wirtsspezifische Ökotypen einer einzigen Spezies sind. Trotz geringer genetischer Divergenz zeigen diese Stämme Anpassungen an das Immunsystem ihrer spezifischen Wirte, was den Genfluss zwischen den Populationen einschränkt.[1]
Die adulten Weibchen von *Sarcoptes scabiei* besitzen einen ovalen, dorsal gewölbten und ventral abgeflachten Körper mit einer Länge von 0,30 bis 0,45 mm und einer Breite von 0,25 bis 0,35 mm. Ihre Grundfärbung ist cremeweiß bis transluzent, wobei die Kutikula charakteristische transversale Rillen sowie schuppenartige Dornen und Fortsätze aufweist, die der Verankerung in den Bohrgängen dienen. Der Kopfbereich (Gnathosoma) verfügt über kurze, kräftige Cheliceren zum Stechen sowie Pedipalpen, die zum Greifen dienen, während Augen vollständig fehlen. Adulte Milben tragen vier Paare kurzer, stummelförmiger Beine, die in Empodien und Ambulacra (Haftscheiben) enden, um die Fortbewegung zu ermöglichen. Ein deutlicher Sexualdimorphismus zeigt sich in der Körpergröße, da Männchen mit 0,20 bis 0,24 mm Länge signifikant kleiner sind als die Weibchen. Zudem unterscheiden sich die Männchen durch längere dorsale Borsten (Setae) und spezifische Kopulationsstrukturen an den dritten und vierten Beinpaaren. Die Larven sind etwa 0,2 mm lang und grenzen sich als erstes bewegliches Stadium durch das Vorhandensein von nur drei Beinpaaren (hexapod) von den achtbeinigen Folgestadien ab. Die darauffolgenden Nymphenstadien (Protonymphe und Tritonymphe) besitzen wie die Adulten vier Beinpaare, sind jedoch kleiner und weisen noch keine vollständig entwickelten Geschlechtsorgane auf. Die ovalen Eier messen 0,10 bis 0,15 mm in der Länge und besitzen eine Schale, die durch eine feine Struktur aus Penta- und Hexaedern gekennzeichnet ist. Im Stratum corneum des Wirtes hinterlassen die Weibchen typische, bis zu 1 cm lange, serpentinenartige Bohrgänge, die oft als grauweiße Linien sichtbar sind.[1] Eine morphologische Unterscheidung der wirtsspezifischen Varietäten wie *var. hominis* (Mensch) oder *var. canis* (Hund) ist mikroskopisch kaum möglich. Diese Varietäten differieren lediglich minimal in Körpergröße, dorsalen Dornenmustern und Striierung, weshalb oft genetische Analysen zur sicheren Abgrenzung herangezogen werden.[1]
Als Erreger der Krätze (Scabies) beim Menschen und der Räude bei Tieren wird *Sarcoptes scabiei* als medizinisch bedeutsamer Parasit eingestuft, der weltweit als vernachlässigte Tropenkrankheit (NTD) gilt. Der Befall verursacht durch eine allergische Reaktion auf Milbenkot und Speichel extremen Juckreiz, der typischerweise nachts zunimmt, sowie charakteristische Bohrgänge und Hautläsionen. Durch intensives Kratzen entstehen häufig sekundäre bakterielle Infektionen wie Impetigo, die durch Erreger wie *Staphylococcus aureus* oder *Streptococcus pyogenes* ausgelöst werden. Bei immungeschwächten Personen kann sich die hochinfektiöse Borkenkrätze (Scabies crustosa) entwickeln, die durch hyperkeratotische Plaques und eine extrem hohe Milbenlast gekennzeichnet ist. In der Nutztierhaltung, insbesondere bei Schweinen und Schafen, führt die Räude zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden durch Wachstumsverzögerungen, Gewichtsverlust und Qualitätsminderung von Wolle oder Leder. Da die Übertragung primär durch engen Hautkontakt oder kontaminierte Textilien erfolgt, umfassen Präventionsmaßnahmen strikte Hygiene und das Waschen von Kleidung und Bettwäsche bei hohen Temperaturen. Ein effektives Management erfordert das Kontakt-Tracing und die simultane Behandlung aller Kontaktpersonen, auch wenn diese symptomfrei sind, um den Transmissionszyklus zu unterbrechen.[1] Das Monitoring erfolgt klassisch durch den mikroskopischen Nachweis in Hautgeschabseln oder mittels Dermatoskopie, wobei zunehmend molekulare PCR-Tests zur präziseren Diagnose eingesetzt werden.[4][2] Neuere patentierte Verfahren nutzen immunchromatographische Methoden zum Nachweis spezifischer Proteine wie Vitellogenin, um eine schnelle Diagnose am Point-of-Care zu ermöglichen.[2] Die chemische Bekämpfung basiert standardmäßig auf topischem Permethrin oder oralem Ivermectin, wobei in endemischen Gebieten Massenbehandlungen (MDA) erfolgreich eingesetzt werden.[1][4] Aufgrund zunehmender Resistenzen gegen Pyrethroide gewinnen alternative Ansätze an Bedeutung, darunter pflanzliche Akarizide auf Basis von *Ageratina adenophora*-Extrakten.[1][2] Bei Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen sind Isolationsmaßnahmen und eine gründliche Umgebungsdesinfektion zwingend erforderlich, da Milben abseits des Wirts kurzzeitig überleben können.[1]