Der wissenschaftliche Name der Lilientraube lautet *Liriope muscari* (Decne.) L.H.Bailey.[1][4] Die Erstbeschreibung erfolgte 1868 durch Joseph Decaisne unter dem Basionym *Ophiopogon muscari*, bevor Liberty Hyde Bailey die Art 1929 in die Gattung *Liriope* überführte. Der Gattungsname leitet sich von der griechischen Nymphe Liriope ab, einer Waldgestalt und Mutter des Narziss. Das Artepitheton *muscari* verweist auf die Ähnlichkeit der kompakten Blütenstände mit denen der Traubenhyazinthen (*Muscari*) sowie auf den lateinischen Begriff für einen moschusartigen Duft. Taxonomisch wird die Art heute der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae), Unterfamilie Nolinoideae, zugeordnet.[1] Historisch zählte sie zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae), bis molekularphylogenetische Studien im 21. Jahrhundert eine Neuordnung im System der Monokotyledonen erforderlich machten.[1] Neben dem Basionym gilt *Liriope graminifolia* var. *densiflora* als akzeptiertes Synonym.[1] Im Deutschen ist die Bezeichnung Lilientraube gebräuchlich. Im englischen Sprachraum ist die Pflanze als "lilyturf" oder "big blue lilyturf" bekannt, wobei letzteres sie von der kleineren *Liriope spicata* abgrenzt. In den südlichen USA wird sie regional auch umgangssprachlich als "monkey grass" bezeichnet.[2] Die Art weist zudem eine komplexe genetische Struktur mit diploiden, tetraploiden und hexaploiden Zytotypen auf.[1]
*Liriope muscari* wächst als immergrüne, ausdauernde krautige Pflanze, die dichte, fontänenartige Horste bildet. Sie erreicht typischerweise Wuchshöhen von 30 bis 45 cm und eine Breite von 30 bis 60 cm.[2][1] Das Wurzelsystem zeichnet sich durch fleischige Speicherwurzeln und kurze Rhizome aus, die eine langsame Ausbreitung ermöglichen, ohne aggressive Ausläufer zu bilden.[2] Die grundständigen, linealischen Laubblätter sind dunkelgrün, ledrig und bogenförmig überhängend. Sie messen 20 bis 45 cm in der Länge und 3 bis 10 mm in der Breite.[2][5] In milden Klimazonen bleibt das Laub ganzjährig erhalten, während es in kälteren Regionen halbimmergrün sein kann.[2] Die Blütenstände stehen auf aufrechten, 20 bis 40 cm hohen Schäften, die meist deutlich über das Laub hinausragen.[2][5] Der Blütenstand ist eine dichte, ährenartige Traube von 10 bis 20 cm Länge, die zahlreiche Einzelblüten trägt. Die röhrenförmigen, lavendel- bis lilafarbenen Blüten sind etwa 1 bis 1,5 cm lang und bestehen aus sechs Tepalen.[2] Morphologisch erinnern die gestuften Blütenstände an die der Traubenhyazinthen (*Muscari*).[2][1] Im Herbst reifen die Früchte zu runden, glänzenden Beeren mit einem Durchmesser von 5 bis 8 mm heran. Diese sind schwarz bis schwarz-blau gefärbt und bleiben oft den Winter über an der Pflanze stehen. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal zur Abgrenzung von *Liriope spicata* ist der kompakte, horstbildende Wuchs im Gegensatz zur rhizomatösen, teppichbildenden Ausbreitung der Verwechslungsart.[2] Zudem präsentiert *L. muscari* ihre Blüten gut sichtbar über den Blättern, während diese bei *L. spicata* oft im Laub verborgen sind. Innerhalb der Art existieren verschiedene Ploidiestufen (diploid bis hexaploid), die Größe und Wuchskraft beeinflussen können. Kultivare weisen oft abweichende Blattfärbungen auf, wie etwa cremefarbene Ränder bei 'Variegata' oder silbrig-weiße Streifen bei 'Silvery Sunproof'.[2]
Obwohl *Liriope muscari* primär als Zierpflanze und Heilkraut geschätzt wird, gilt sie in Teilen der südöstlichen USA als invasive Art mit moderatem Risiko.[3][1] In diesen Regionen bildet die Pflanze dichte Monokulturen, die durch Allelopathie die Keimung anderer Samen unterdrücken und die lokale Biodiversität verdrängen.[1] Das Management invasiver Bestände erfordert das vollständige Ausgraben des Wurzelsystems oder den Einsatz von Herbiziden wie Glyphosat, da die Art aus Rhizomen und einer langlebigen Samenbank regeneriert.[1][4] In der Kultivierung hingegen ist die Lilientraube selbst anfällig für Schädlinge wie die Farnschildlaus (*Pinnaspis aspidistrae*) oder die Liriope-Schildlaus, die Blattvergilbungen und Nekrosen verursachen. Pilzliche Erkrankungen wie Anthracnose (*Colletotrichum* spp.) zeigen sich durch rotbraune Blattflecken, während Wurzelfäule (*Phytophthora* spp.) in schlecht drainierten Böden zu einer basalen Gelbfärbung führt.[7] Zur Prävention empfiehlt sich der Rückschnitt des alten Laubes im Spätwinter zur Förderung der Luftzirkulation sowie der Verzicht auf Überkopfberegnung.[7][1] Ein Befall durch Schildläuse kann physikalisch durch Rückschnitt oder chemisch mit Gartenbauölen bekämpft werden, während gegen Wurzelfäule Fungizide wie Mefenoxam eingesetzt werden.[6][7] Medizinisch sind die knolligen Wurzeln (*Liriopes radix*) relevant, die in der traditionellen asiatischen Medizin gegen Atemwegsbeschwerden und Erschöpfung genutzt werden.[7] Neuere Forschungen und Patente belegen das Potenzial isolierter Saponine (z. B. DT-13) zur Hemmung von Leukämiezellen, zur Behandlung von ADHS sowie zur Unterdrückung des Hepatitis-E-Virus.[2] Die Pflanze weist eine geringe Toxizität auf, wobei übermäßiger Verzehr der Wurzeln leichte Verdauungsstörungen verursachen kann.[5] Gegenüber Wildverbiss durch Rehe zeigt sich *Liriope muscari* weitgehend resistent.[2]